JE 93.
23. April I92L
Uuldaer Zeitung
0.^0 Druck der Fuldaer Aetieadrmkerei ix Fulda
Die freien Gewerkschaften für religionslose Schulen.
3m ..©emeinbearteiter" lesen wir: Wer wollte leugnen, daß die meisten Mißstände im wirtschaftlichen nrtb sozialen Leben ihre Ursache in der Nichtbeachtung der christlichen Sittengesetze ha- den. Ein Wiederaufbau unseres wirtschaftlichen, na- tionalen Lebens wird nur möglich fein, wenn dir sittlichen Kräfte im Volke gestärkt werden, wenn ein Ge- schlecht heranwächst, welches wirklich gewillt ist, dem heutig« verderblichen Zeitgeistr, der nur im Matena- lismus, in der rücksichtslosen Ichsucht die Lebensauf, gäbe erblickt, den Kampf anzufagen und mit ihm zu fuhren Ohne diesen Witten wird auch die Gewerkschaftsarbeit auf dir Dauer eine vergebliche sein.
Wie passen hierzu nunmehr folgende Tatsachen. Die Fälle mehren sich, daß die neutral sein wollenden freien Gewerkschaften für die religionslose Schule Propaganda machen. So hat neuerdings das Kartell der freien Gewerkschaften in Freiburg in Schlesien den Beschluß gefaßt, olle MitgliHer, die chre Kinder weiter in die konfessionelle Schule schicken, aus den Gewerkschaften auszuschließen. Aus Bautzen be- richtet die sozialdemokratische Volkszeitung, daß dort in einer Sitzung des Ortskartells der freien Gewerk- schäften der Sozialdemokrat Linke einen Bericht über eine Schulvorstandssitzung gab und die Delegierten aufforbetie, „in ihren Gewerkschaften dabin zu wirken, daß recht viele Abmeldungen aus dem sneliaionsunter- richt erfolgen, um den Lehrern, die sich weigern, Religionsunterricht zu erteilen, zu Hilfe zu foimnen*. Ein Antrag, „daß in allen Gewerkschaften Versammlun- gen äbgehaltcn und zu dieser Frage Stellung genommen werden soll", wurde einstimmig angenommen. Diese neuesten Proben mögen genügen, um> zu be- weisen, wie die freien Gewerkschaften die religiöse Neu- tralität auffassen.
Diese Tatsachen, die mchr wie alle Worbe den Neutralitätsrummel der freien Gewerkschaften Lügen strafen, sollten auch dem letzten christlichen Arbeiter die Augen öffnen. Er sollte nicht warten, bis ihm mit dem Hinauswurf aus der Gewerkschaft gÄroht wird, weil er seinen Kindern eine gute religiöse Erziehung zuteil werden lassen will, sondern freiwillig sofort zu dem Verbände übertreten, wo seiner Weltanschauung diejenige Achtung entgegengebracht wird, auf die er Anspruch erheben kann.
Auch für soziale Wahlen, wie z. B. Kran- kenkassenwahlen, ergeben sich für den christlichen Mann aus obigen Tatsachen wichtige Schlußfolge, rangen.
Gegen Schmutz und Schund.
Die zwei teTagung der Bolls gemein schäft zur Wahrung von Anstand und guter Sitte fand unter der Leitung des Geheimrat Prof. Dr. Abderhalden (Halle)imReichsverstcherungsamtstatt. Sre beschäftigte sich zunächst mit den gegenwärtigen Be- strebungen zur Aufhebung und Aenderung der 88 218-20 (Abtreibung) des St. G. B. Das Referat hielt der Leiter selbst, dessen Sortierungen in einer einstimmig angenommenen Entschließung die Zustimmung der Versammlung fanden.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen sprach Prof Bonser über Kampf gegen Schmutz und Schund und Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Faßbender, M. d. pr. L. über Kino- und Theaternot. In einer ebenfalls einstimmig angenommenen Entschließung forderte die Tagung der Volksgemeinschaft die Reichs- regierung auf, umgehend dahin zu wirken, daß gesetzliche Bestimmungen geschaffen werden zur B e k ä m p f u n'g derAuSwüchseaufdemGebietedeSJnseraten- wesens, der Zertungen und des Plakatwesens, der Reklame, und des Kino-, Kabarett- und gesamten Schaustellungswesens, daß insbesondere schleunigst eine Aenberung deS § 183 des Et. G. B. nach der Richtung hin erfolge, daß Handlungen, die objektiv geeignet sind, Aergerms zu erregen, als strafbar erklärt würden und daß die Bestimmungen der Artikel 10, 11, 17 des allgemeinen Landrechts auf das Gebiet des gesamten Schaustellungswesens Anwendung fänden.
Bei nichtkünstlerischen Veranstaltungen, wie Baritee u. s. w. soll den Jugendlichen der Eintritt un. möglich gemacht werden, für die Unabhängigkeit der Beamten bei der Kinozensur soll ähnlich wie bei den oröentl. Richtern Fürsorge getroffen und Kontrolle darüber geführt werden, ob die zensurierten Lichtspielstreisen auch entsprechend den geforderten Ausmerzungen laufen.
Schließlich wird gefordert, daß ein K o n z e, s i o n S- ,wang für Lichtspieltheater, die Jugendvor- Stellungen veranstalten, einieführt wird.
Aus dem Nachbargebiet.
mc Vad Orb. Am Freitag ist der erste Zug Frankfurter Schulkinder nach dem ehe-
Der König der Dolomiten.
Volksroman von Felix Rabor. _
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Nein — sie verdammten ihn nicht, er las nur Mitleid in ihren Augen. Aber sein Vater? Was dachte der? ... Er sah ihm lange in die Augen und sagte mit rauher, gebrochener Stimme: „Ich stelle mich dem Ge. richt... Nun, Richter — richte Dul"
Andreas Pallanta preßte di« Fäuste auf die Brust, um die wilden Schläge seines Herzens zu ersticken. Ein wahnsinniger Schmerz wühste in ihm. Sein Sohn ein Mörder? Und er selbst, sein Vater, fönte richten? — 2er Later über das eigene Blut? Er selbst sollte das Todesurteil fällen, wie es das Gesetz vorschrieb? . . . Semen ejgenen Sohn sollte er dem Henker überliefern?
stöhnte vor Qual — aber er kannte auch seine ™ n x fa"9 doch die alte Uhr in der Schmiede? . . . „Und weiche keinen Finger breit von Gottes We- gen ab! . . Die Uhr zeigte ihm den Weg: keinen Schritt vmn Wege der Pflicht. Auch für den eigenen Soljn nicht. „Kommt," sagte er, „wir wollen zum Kreuze gehen." ,
Michael war von dem Bluwerluste so geschwächt, daß man ihn stutzen mußte; beim Kreuze angekommen, brach er zusammen.
Auch die andern brachen in die Knie. Der Anblick war zu erschütternd ... Am Kreuze das tote Weib, mit wehenden Kleidern und flatternden Haaren ums erstarrte Gesicht, von den Strahlen der Morgensonne be. schienen — zu ihren Füßen der bewußtlose, von Wun. den bedeckte Gatte, der feine Ehre gerächt hatte und darüber zum Mörder geworden war.
Sie falteten die Hände, sprachen ein Gebet . ..
Dann nahmen sie Rositia vom Kreuze. —
Einen Augenblick lagen sie dicht beieinander die Tote und der Lebende, hie Sünderin und ihr Richler . . . Ein Erschauern ging durch Michaels Leib; er er- wachte, erhob sich und trank wie ein Verschmachtender den Wein, den man ihm reichte «Flieh über'n Patz, nach Italien!" raunten sie ihm zu. „Dann entgehst Du dem Gericht."
„Na," erwiderte er, „ich mag d' Freiheit nit mit fei- tet Flucht erkaufen — böe tut kos deutscher Stanr«*
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sofort nach feiner An
der Welschen, trotz der die wie ein» Schlange
Lahre und trugen sie sie begraben werden
Literarisches.
„Grschlchtrphilosophie", von Hochschulprofessor Dr Fr. Sawicki iPhttosophist-e Handbibliothek Band ID. Preis geheftet 16 M., gebunden 20 M. iVerlagSteuerungS- zuschiag einbegriffen.) Verlag Josef KSsel & Friedrich Pustet, Komm.-Ges., VerlagSabteilung Kempten.
In einer an weltbewegenden Erei nissen -eichen Zeit sucht der denkende Mensch nach Maßstäben und Richtimien, die ihm das Knäuel der das eigene Schicksal
teuflischen Pläne der Jrredenta, durchs Paradies schlich. —
Eie legten Rositta auf eine hinab zum Totenkirchletn, wo sollte.
Michael Pallanta wollte sich
JArffivite schmunzelt, wenn Sie ihm den Kaffee wieder mit Webers
Carlsbdder JCaffeegewürz
zubereifen.
Sas köstliche JTroma und der schone goldbraune Ton des Qetränkes sind ihm noch in Erinnerung.
Sie alte, bewährte Wurfeipackung ist wieder überall zu haben.
Sottesdienftordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 24. April. Dom. 7,8, 6, */«7 u. 7 M.. um 6 Gen.-Kom. d. christt. MütterveseinS, 8 Pfarramt u. Pr„ 9,10 Kathedralm. m. FirmungS.Pr. des Hochw. Herrn Bischofs, danach Spendung d. hl. Firmung, 7*12 M. u. Pr, V,2 MichaelS<Bruderschaft,2Chr.f.d. Jungfr., »/<3 Pr. d. Hochw. Herrn Bischofs über feine Romreise m. Erteilung d. päpstl. Segens u. A., (Vers. d. Mütter- vereinS u. 4 Uhr-Pred. fallen aus), 7 Andacht i. d. Marienkapelle. Montag 5 Rosenkranz-A. — Stadtpfarrkirche. 67, Korn., 5’/« M., 6*/« M. u Kom. d. Slutter« Vereins u. d. Firmlinge, 8 M. u. Pr. (L Schulgd.), 97i Pfarran t u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.», 97« Cyr. f. d. Jüngl. t. d. Severikrrche, 17, Chr. f. d. Jungfr., 2*/, Bruderschaft v hl. Erzengel Michael, 3V« A. s. d. Mütterverein. — Pfarrkirche zum hl. Geist */«7 Kom^ 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Kom.. 5 A. Wochentag» 7 M., Mittwochs 5 21. — Sodalität. 7,10. - Severikirche. Sonntags 7,7, werktags 6” M. — Herz-Jefu-Heim. 8 Hochamt, nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — MichaelSkirche. Nachm.2Brudersch.vd 7SchmerzenMariö. — Frauenberg. 5,6,6V, u. 7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Hochamt m, Pr., nachm. 2 feiert. Vesper m. faltam. Segen, 6 Pr. u. And. f. d. Terziaren d. Stadt Fulda. lWährend des Monats Mar wird jeden Morgen in der 5 Uhr-Messe eine öffentliche Mai-Andacht zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria abgehalten.)
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 24. April. Fulda. Vorm. 8 Pfarrer Weber, 99, Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst. — Bieberstein. Vorm. 9 Pfarrer Reich.
Mittwoch, 27. April Hulda Abends 8: Bibelstunde (Kleinkinderschule, Gemeindehaus).
Evonzel. landeskirchl. Semeinschast Suttlarskr.
Sonntag abends 8: Evangelisation. — Dienstag, abends 8: Bibelstunde. — Mittwoch abends 8: Gesang-, stunde. — Donnerstag abends 8: Jungfrauen-B.-K. — Freitag abends 87«: Bibel- und Gebetstunde.'
Mau tärbo daheim nur mit eu t»> BiauBs’’c|>en Stoff&rben und fordere die learreiche G-ausbroscbüre No. Z von Wilhelm Brauns, Geaellsrfait m. beschr Haltung, Quedlinburg«.H.
tunst dem Gerichte stellen, aber ehe er sich noch auf den Weg nach Bozen machen konnte, brach er zusam- men und verfiel In eine schwere Krankheit.
Fiebernd lag er in der Schmiede und der Richter bangte um fein Leben. In feiner Rot ging er hinüber in die „Alpenrose" und bat Dina: „Vergiß, wa» Dir Michael an'tan hat", sagte er, „und hab Erbarmen mit ihm. Seh' einer zu mir und pfleg ihn, ich woaß mir ja sonst nit z'httfen. Wem, Du ihn in die Pfleg nimmst, wird er «'miß g'sund, denn d' Lieb wirkt Wunder."
drücken, well Blut von mein' Blut und Geist von mein' Geist bist, a echter, treuer Tiroler. — Na — als Vater kann ich Dich nicht schelten und versteh, was Du ’tan hast. Da muß ich Dir verzeihen, wie ich der Toten jetzt verzeih. Sie hat ihre Sünd mit ihrem Leben 'zahlt. Du aber mußt Deine Schuld mit Dein' zerbrochenen Glück bezahl'« und mit Dsin' zerschmettert« Leb«. Der von ös ist da am härtest« g’ftraft? — 0 Michael, wie schwer ist'» Leben für uns — Dös Weib ist -wischen uns gftanben als wie a Schwert, und jetzt, was tot ift, jetzt steht a Neues zwischen uns: a Mord. — Aber ich bang nit um Dich. Du wirst Dein' Schuld büßen als wie a Mann — und nachher trennt uns nix mehr, nachher sind wir oan Herz und van Sinn; deutsches Wut, Tiroler bis ins Mark, Vater und Sohn, die sich lieb haben, lieb wie sonst nix auf der Wett —
Die Stimme brach ihm und Vater und Sohn sanken sich mit einem Schrei der Liebe In die Arme und hielten sich lange und fest umschlungen, feierten, trotz aller Rot im Herz« ein frohes Wiedersehen.
Ergriffen ftanben die Leute von Salon bei den Selben und die Tränen schossen ihnen in die Augen. Doll Stolz btiidten sie auf die Richter von Salon und schätz, ten sich glücklich, solche Männer zu besitzen, denen die Ehre ihre» Hause» und die Heimat da» Heiligste auf Erd«, denen die Treue höher stand al» das Leben.
Gina errötete und erwiderte: „Ich will's nit leugnen, daß ich g'hofft hab, an Michaels Seite mein Glück z' finden. Es ist anders 'kommen — meine Liebe aber, ist 'blieben. Drum will ich Michael auch im Unglück Treue halten, die ich ihm in den Tagen des Glücke» im Herzen gelobt hab'. — 2hm und feinem Kind, dös keine Mutter mehr hat, — bös braucht a gute Pflege gerab so nötig wie fein Vater. —'
„Was Du für a g'scheite» und brave» Mädel bistl" rief der Richter erfreut. „D Gina, wenn Du dem arm« Buben — Mutter werden könntest. —* t
Gina senkte errötend bas Gesicht; ohne eine Ant. wort auf biefe Frage zu geben, folgte sie dem Richter in die Schmiede. Wie ein Engel der Liebe ging sie durch die still« Räume, heilt« SBunben, linderte Schmerzen, brachte dem wund« Manne Trost und dem verlassen« Kinde Sonnmschetn in fein arme» Leben, bas ber Mutterliebe entbehrte.
Der Richter gewann sie immer fieber und schätzte sie iebffl Tag mehr. Wie ein heller Sonnenschein huscht» sie durch bas Haus und durchleuchtete es; ihre milde» Worte und ihr gütiges Wes« verscheuchten die Sorge, ihre Treue glich dem Golde, bas im Feuer ber Rot seine beste und edelste Kraft bewährte, sein« hellst« Glanz ausftrafjlte. Der kleine Erdenbürger gedieh prächtig und der wunde, schwerkranke Mann gma».
An : einem schönen warmen Sommertage saß er zum ersten Male wieder am Fenst-w und schaute in bas sonnige Tal hinaus. Gina wollte ben Vorhang vors Fen- fter ziehen, damit die Sonne nicht blende „Laß nur", wehrte er ihr, „ich brauch b' Sonne für mein armes Leben und für mein' krank« Leib — je mehr, desto besser. Und schau, Gina, Du bist auch so a Sonn — o Menschensonn voll Lieb' und Güte. Du hast mir 's Leden erhalt« — wie soll ich Dir bö» danken? — Und ich hab Di" soviel Leib zug'fügt und Dich treulos auf» geben — wegen einer andern. — Ich woaß nit, wie ich'» gutmachen soll. — D Gina, was bist Du gut — und wie schlecht bin ich!"
„Sag da» nit", erwiderte sie tröstend. „Du bist deinem Herzen g'folgt, das war Dein gute» Recht. Daß Du Deine Lieb an eine unwürdige verschenkt hast, schau Michael, das war ja nit Deine Schuld. Vergiß da» all'» und werd' wieder froh."
(Fottfetzuna lotet.)
Solange solche Treue im Volke lebte, Konnte Tirol nicht untergeh« — ttotz all« Hasses
maligen Truppenübungsplatz Wegscheide bei Bad Orb abgegangen. Die Frankfurter Kinderhilfe wird dahin allmonattlch die Schüler und Schülerinnen der ober- sten Klasse der Volksschulen, der 2. Klassen der Mittel- schul« und ter Tertien der höheren Schulen entsen- dm. Die Lehrer zieh« mtt dm Kindern auf dir Weg- scheide und unterrichten dieselben, soweit dies in der ErholungsfiirsorM möglich ist. So werden im Laufe des Son.-mers nach und nach alle Schulkinder Frankfurts, bevor sie im nächst« Jahre ins Leb« hinaus- trrten, noch einmal eine gründliche Erholungskur ab« folvicren. Die Kosten werden von der Frankfurter Kinderhilfe getrogen, da die zur Erholung abreisen- d« Kinder nur täglich 3 ju zahl« haben. Außer- dem ist Borsorge getroff«, daß diejenigen Kinder, deren Eltern auch dieses Geld nicht entbehr« können, vollkommen frei mttergebracht werd«.
fpd Würzburg. Bei der Weinversteige- tun g des Hofkellers herrschte ein geradezu unheimlicher Andrang von auswärtig« Käufern. Die Folge war, daß die Taxe gleich zu Beginn der Der- steigerung um mchr als 100 Prozent überschritt« wurde. _______
Aus Oberheffen und ven Hess. Aemtern.
A Marburg. Bierbraueveibesitzer S). Bopp ft i f Le t c anläßlich seines 80. Geburtstages weiterhin zur Verschönerung der Stadt Marburg bezw. deren Umgebung 25 000 Mark und 10 000 Mark zum Vesten feiner Angestellten und Arbeiter.
A Lirchhaiu. Eine hier abgehallene Dersamm- lung des Kreisbauernoereins beschoß sich den in der Marburger Versammlung gestellten Forderungen auf Einführung einer Pauschalsumme für die Einkommensteuer aus landwirt- jchafllichen Betrieben anzuschließen und wähüe eine aus Vertretern des kleiner«, mittler« und größeren Grundbesitzes befteh«!de Kommission.
„Dann gibt'» nur oan Weg für Dich: zum G'richtl Zum Tob nach Tiroler G'setz."
„Ich geh nit nach Italien, fonbern nach Sogen," sagte Michael mit fester Stimme „Als Tiroler will ich leb« unb sterben." Und mit einer großen, machtvoll« Ge- darbe zu seinem Vater gewendet: „Vater hier stch ich • • _• Nun halt G'richt über mich vor allem Volk."
"„Erzähle, was g'scheh« sst," sagte sein Vater mit jammervollem Blick, aber strenger Miene, unb stützte sich auf seinen Bergstock wie auf ein Richtschwert.
Michael tat es. Er klagte nicht an, aber er berichtete alle Tatsachen, bekannte die volle Wahrheit, ohne stch zu enffchulbigen ober feine Tat beschönigen zu wollen. Zu. letzt zeigte er ben Brief Rositta» an Ihre Mutter. „Ich bin's meiner Ehr' unb ber Heimat fdjulbig g wesen, die Verräterin zu ttchten," schloß er. „Sie hat unser Landl verkaufen wollen an die Wäiisch«, an d' Jrridenta. an unfre lobfeinb. Drum hab ich a Recht g'habt, zu rich- ten. —*
-Ra, bös hast nit g'habt", fiel ihm sein Vater in die Rebe. „Wohin tat bös führ«, wenn sich feber zum Richter aufwirft, wenn jeder sich selber Helf« wollt? Wir hab« a G'setz, an bös hälfst Dich halt« soll«. Gegen bas Gesetz hast Du Dich vergangen."
„Aber sie war boch a Sünderin, a Spionin, a Verräterin, die Wälische", rief es von allen Setten, während ber Brief Rositta» von Hand zu Hand ging. „Mi. chaek hat recht ’tan. — Er hat der Schlange den Kops vertreten."
„Michaels Schuld wird dadurch nit Roaner, daß fein Weib a Sünderin war", sagte ber Richter ernst unb streng. „G'wiß — aber bös gibt niemand a Recht, a Weib zu töten. Mord bleibt Mord. Und hast Du d« Mut g'habt, Dein Weib zu richten, Michael Pallanta, nachher mußt a den Mut hab«, Deine Straf zu tragen."
Michael erhob stolz da» Haupt. „Ich bin ernst, Richter von Satan", sagte er. „Aber schaue, oan» tut mir weh und trifft mich wie a Messer in» Herz — daß mich der eigene Vater verdammt."
Da brach es wie ein jammervoller Schrei aus der Brust des alten Mannes: „Tu ich denn bös? — Als Richter muß ich mich dem Gesetz beug« und das Urteil sprechen — aber al» Vater macht ich Dich an? Herz
© Werdende n. stillende Mütter © bedürfen nach äntlitbem Urteil wegen ungenügender Zuweiunz von Milch und mangels ausreichender kräitiaer Nahrung des toirS lich guten und v elleitigen KrSitigungSniitte S Cavbolactt« (milch-
Niederlage und versand: Sngelavothete.
Handel und Wirtschaft.
MrifchaflspslRsche MikkeNungen der Handelskammer in Fulda.
Güterverkehr Deutschland-Oesterreich und Dentsch- ka»d—Lfchecho- -lowabei. Bei der Handelskammer hegt eine Serfuoung ber Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. zur Erleichterung des GrenzübernahmediensteS über Einführung eines vereinfachten Abfertigungsverfahrens zur Emficht auf.
veutsch-niederländklcher »Iterverkehr. Die feit 1. April geltende Bekanntmachung liegt auf der Handelskammer zur Kenntnis auf. Die GrenzübernansSpuntte sind geändert, indem für Benlo nunmehr Kaldenkirchen und Straelen sowie für Wmterswtzk nunmehr Bocholt und Borken einbezogen sind.
Zur Erhebung von 60 Proz. der Linkaufrwerter deutscher waren liegen daS französische und belgische Gesetz sowie die englische Reparation (Recovery) Art in Wortlaut auf ber Hanbelkammer zur Einsichtnahme auS.
Postpakete nach Italien werden wieder zur Beför- derung angenommen. Die von der italienischen Regierung angeordneten Einführbeschränkungen mit Gültig- kett vom L April an treten einstweilen noch nicht in Statt.
Ankünfte über Liquidation deutsche« L-gentum» ht den englische« Kolonie« und Dominions. Erne frühere Veröffentlichung durch W. T. B., wonach Anfragen deutscher Reichsangehöriger über daS Ergebnis der Liquidation deutschen Eigentums in England unmittel, bar an den Public Trustee in London gerichtet werden können, ist anscheinend irrt erweise dahin auSgelegt worden, daß von dem Public Trustee auch Auskünfte über Liquidationen in den Kolonien und Dominions erlangt werden können. Solche Anfragen find nicht an den Public Trustee, sondern an Ben Vertreter des Reichsministeriums für Wiederaufbau, RegierungSrat b. Friedberg in London, Deutsche Botschaft, zu richt«. SS wird indes daraus hingewiesen, daß zwar daS britische (Hearing Office Berichte über die Durchführung der Liquidationen in ben überseeischen Besitzungen an» gefordert hat, daß aber biS zu ihrem Eintreffen noch geraume Zeit vergehen wird und daß daher Anfragen zunächst noch nicht beantwortet werden können.
Prelsvcrdoppelunq der Invalidenmarke«. Der Reichs- tag hat am 19. März dS. IS. ein Gesetz angenommen, welches daS Gesetz vom 20. Dezember 19_’O zu ergänzen bestimmt ist. Hierbei wird die bisher streitige Frage der Verwendung von zum doppelt« Geldwert auSge- aebenen Beitragsmarken für die zurückliegende Zeit klargestellt. Auch in den Fällen, in denen für zurück- liegende Zeiten Beiträge durch Verwendung von Marken zu entrichten sind, müssen die zum doppelt« Geldwert gekauften Marken geklebt werden.
mitbefhmmenben Geschehnisse «twirren helfen. Auf die brennende Frage mach« Persönlichkeit«, die Ge. schichte der Völker unb deS Einzeln«, ober der Volks, geift, die stoffliche, wirtschaftliche Umwelt, die blind und notw«dig wirkende Natur aufmerksam. Hat die Geschichte überhaupt einen Sinn? Läßt sie Raum für daS Einwirken unsichtbarer, übernatürlicher, göttlicher Kräfte und Mächte?, gibt der durch ferne apolo .ejischen, ethischen und religionS.philsopbischen Schriften bestbe- kannte Hochschulprofessor in Pelplin Antwort. Sein Buch ist eine An Methoden- und Erkenntnislehre der Geschichte. Es gibt Aufschluß über die großen Fragen nach der Gesetzmäßigkeit, dem Sinn und Ziel der Ge, schichte, nach den inneren unb äußeren Triebfedern, Ursachen und Gesehen deS geschichtlichen Geschehens. — Wer da weiß, nie sehr der Mangel einer gediegenen christlichen Geschichtkphilosophie empfunden würde, wird dem Verfasser für seine in muftergiltiaer Anordnung deS reichen Stoffes bargebotenen Ausführungen Dank wissen. Rs.
Rate Stele bet Sozialversicherung. Von Dr. Paul Kaufmann, Wirkt Geh. Oberregie. rungSrat, Präsident deS Reichsversicherungsamtes. M. Gladbach 1921, Volksvereins - Verlag Gmb H. M. 2.50
Wie auf vielen anderen Gebieten hat auch in der Geschichte der deutschen Sozialversicherung ein bedeut» samer neuer Abschnitt begonnen. Wenn ein solch hervorragender Kenner unserer Sozialversicherung, wie ber Präsident des Reichsverficherungsanttes selbst, das Wort zu einer Darlegung leitender Gesichtspunkte nimmt, so darf dieselbe allgemein« Interesses sicher sein.
Vermischtes.
• Heide to Flammen. Im Landkreis Leh« (Provinz Hannover) entstand ein großer Heid e- brand, der große Wald- und Heidebestände zerstört hat. Ein Intrrntertenlager, in dem 5000 gefangene Bolschewisten interniert sind, stand in größter Gefahr. Dem Eingreifen von 1200 Bolschewisten gelang es, das Feuer zu loschen.
* Ein Sriegsberichlerstallerprozeß fand in Berlin statt und zwar gegen den Herausgeber der Weltbühne Jakobsohn und den Kriegsberichterstatter Schwober, die andere ehemalige Kriegsberichterstatter freiet frigt haben fallen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Äakobsohn 1500 Mark Geldstrafe und gegen Schwader 6 Monate Gefängnis. Der Staats- anwalt bezeichnete d« Vorwurf, daß der beleidigte Kriegsberichterstatter Scheuermann in Frankreich Vasen gestohlen und Beutestücke nach Hause ge- schickt habe, als aus der Luft gegriffen. Ebmso den Vorwurf, daß mehrere Kriegsberichterstatter in Antwerpen silberne Ehrendegen gestohlen hättm. Auch alle übrigen Anschuldigung« <5djtoo= bers Hütten sich als völlig haltlos erwies«. Infolge der Anschuldigung« Schwobers hätten mehrere Kriegsberichterstatter in Gefahr gestanden, aus die Auslieferungsliste zu kommen. Schwader erhiett 3 Monate Gefängnis, Jakobsohn 1000 Mk. Geldstrafe.
* Der niedrigste wafferftand seit 160 Zahre«. Au- Mainz wird uns berichtet: DaS Wasserbauamt ver- öffentiicht eine Mitteilung, wonach ber Wafferftand deS MainS an der Pfrimmündung bei WormS, wo sonst immer reichlich Fahrwasser vorhanden war, bis auf 74 Zentimeter gesunken ist. Die WafferüSnde deS Rhein« und feiner Nebenflüsse zeigen einen Mangel an Waffer wie vor 160 Jahren (so lange besteht die Pegelbeobachtung) nicht vorhanden gewesen ist.
* Der älteste Priester der Welt. Am 13. April d. Js. staib zu Winnipeg in Kanada der wohl älteste Priester der Welt, P. Tamasu« Dandurand. Er ist ein Oblate der Unbefleckten Jungfrau Maria. Von seinen 102 Lebensjahren verbrachte er 80 im Priester« und OrdenSstande.
Märkte.
*= Hulda, 23. April. Der heutige Schweinemarkt war mit 252 Ferkeln unb 2 Läufern beschickt. Die Preise für Ferkel bewegten sich zwischen 300 bis 400 Mark, für Säufer znnschen 500 bis 700 Mark. Der Handel war schleppend.
— Marburg, 21. April. Dem heutigen Schweinemarkt waren 856 Ferkel und Säufer zugefahren. Die Preise stellten sich im Durchschnitt für Ferkel auf 200 —300 Mk. und für Läufer auf 400—80u Mk. daS Stuck. Wegen mangemder Kauflust . in, en die Preise zurück, besonders als Regenwetler e»n,etzie. ES verblieb großer Ueberstand.
Amtliche Anzeigen.
Di« polizeiliche Anordnung, wonach alle Besitzer unb Pächter von Grundstücken gehalt« sind, die Bäume und Hecken von Kaupenneftern zu reinigen, wird hierdurch in Erinnerung gebracht. Besonders wird darauf hingewiesen, daß es nicht genügt, die Naupennester abzunehmen, sie müssen vielmehr verbrannt oder in anderer geeigneter Weise zerstört werden, damit die Brut der Raupen wirKich unschädlich gemacht wird.
Die Unterlassung ist nach § 368 Nr. 2 des Reichsstrafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Hast bis zu 14 Tag« bedroht.
Die Bürgermeister (Gutsoorsteher) haben diese 2tut ordnung wiederholt öffentlich bekannt zu mach« und ihre Befolgung zu überwachen. Sie haben namentlich auch für Entfernung der Raup« an d« Straßen und Wegen sowie aus den Gemeindegrundstückm zu sorgen.
Die Landjäger, Straß«- und Wegewärter sowie Feldhüter haben Unterlassung« bei der zuständigen Ortsposizeibehärde anzuzeigen.
Fulda, d« 18. April 1921.
Ver Lande al. 3. D.: Frhr. v. Gagern.