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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

1 Nr. 93

Samstag, 23. April 1921

48. Zahrg.

Preußischer Landtag

bracht, daß sie in den zwei Jahren ihrer Anteilnahme an den Reyierungsgeschaften im positiven Denken nichts hinzugelernt hat, ja daß man nach dieser Rede leider die Ueberzeugung gewinnen muß, daß ihr Ele­ment im Grunde ihres Wesens die Verneinung ge­blieben ist, die sie nur gezwungen gemäßigt hat. Dies ist um so bedauerlicher, als man gerade von Seiten des Zentrums niemals mit der Meinung zurückgchal- ten hat, daß die Sozialdemokratie sicherlich auch Be- standteite in sich trägt, die geeignet sind, eine staats- positive Arbeit zu leisten.

Den Ministerpräsidenten Stegerwald wird aber dieser Ausbruch sozialistischer Verärgerung, an der unseves Erachtens die Sozialdemokratie einzig und allein selbst die Schuld tragen dürfte, indem sie sich durch ihre Taktik stlbst aus der Regierung heraus« tnanoorieri hat, nicht daran hindern, die Aufgabe, die er sich gesteckt hat, mit Energie und Entschlossenheit der Verwirklichung entgegenzuführen.

Es fängt gut an.

Nach der ,Doss. Zig.' beschloß die Landtagsfrak« tion der Deutschen Votksparlei, gegen den neuen preußischen Minister des Innern, Dominikus, ein Mißtrauensvotum einzubringen. Damit erhielte Dominikus im Landtage keine Mehrheit und wäre zum Rücktritt gezwungen. Wie das Blatt von parlamentarischer Seite hört, trete in diesem Falle auch Minister Fischbeck zurück.

Verantwortlich für den ceöaa. Teil: i. V.: Dr. Iah. Kram er, s für die Anzeigen: I. P ~

Rotationsdruck u. Verlag der Full»

Pariser Beschlüsse innerhalb 24 Stunden verlange, entbehr! nach einer Wolff-Meldung aus Berlin jeder Begründung.

Mederaufbaukonferenz. r-

In Paris hat die Konferenz über den Wieder- aufbau der befreiten Gcbiet begonnen. Iouhaux sprach über das System der deutschen Mitarbeit am Wiederaufbau.

Deutscher Reichstag.

I Der Reichstag stand in den letzten Tagen bereits I stark unter dem Eindruck der Ereignisse, die sich autzen- I politisch vorbereiteten. Hier und da hatte man oder I wollte man Genaues über den inzwischen bekannt ge- I wordenen Schritt der Reichsregierung wisien. Tatsäch- I lrch aber waren es nur sehr wenige, die wußten, was I im Werke war. Jetzt ist der Schleier, wenn auch noch nicht restlos, doch soweit gelüftet, daß jedermann weiß, daß die Vermittlung der Vereinigten Staaten ange. rufen und die Reichsregierung sich dem Schiedsspruch des Präsidenten Harding unterworfen hat. Das Br- kanntwerden der Note, die bereits am Donnerstag abend den Parteiführern vom Außenminister Simons bekannt gegeben war, löste begreiflicherweise am Frei« tagmorgen im Reichstag die stärkste Spannung aus. Alle angesetzten Ausschußsitzungen wurden unmittelbar nach ihrem Beginn abgebrochen und die Fraktionen traten zu Sitzungen zusammen, um zu der Note und der zu ihr geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Ueber den Ernst der Lage war sich wohl keiner im gan­zen Hause im unklaren. Jeder weiß und fühlt, daß die SMnde denen gleicht, die dem Friedensschluß von Versailles durch die Deutsche Nationalversammlung vor. ausgingen. Die Freitagsitzung des Reichstages hatte im wesentlichen eine formale Bedeutung. Der

I Außenminister Simons beschränkte sich in der Hcnipt- j fache darauf, die Note der Reichsreglerung an den Prä- i sidenten Hortung und die Inzwischen eingelaufene Ant- wort der Regierung der Vereinigten Staaten mitzutei. len. Sodann brach das Haus, ohne in die eigentliche Tagesordnung einzutreten, die Sitzung ab. Im Laufe des Nachmittags wird das Kabinett zusammentreten, um Stellung zu der Antwort der Regierung der Ver­einigen Staaten zu nehmen. Die in Aussicht genom­mene Sitzung des Auswärtigen Ausschusses ist fallen gelasien. Statt dessen wurde noch im Laufe des Frei­tagabends den Fraktionsführern von der Stellungnahme der Reichsregierung Kenntis gegeben. Dem Reichstag wird sie der Außenminister Dr. Simons am Samstag nachmittag mitteilen und das Haus wird dann sofort in die Aussprache eintreten. ,

Deutsches Mich.

** Berlin, 22. April. Die Reichsregierung berief als Kommissionsmitglieder zur Vereinfachung und Vereinheitlichung der Reichs« Verwaltung den Staatssekretär Dr. Peters, den UnterstaatssSkvetär a. D. Dr. Busch, den Staatsmini- fier a. D. Drews und den Staalssekretär a. D. Rüb- Im. Die Kegierungskommilio n des Saargebiets ordnete an, daß vom 1. Mai ad im Saargebiel die Gebühren bei Post und Eisen« bahnen m Franken erhoben und die Gehälter und Löhne in Franken bezahlt werden sollen. Wie wir er­fahren, richtete die Reichsregierung wegen dieser Ver­ordnung eine Protestnote an den Völkerbwrd und die RegienMskommission des Sqargeblets,

Der preußische Landtag erlebte am Freitag einen großen lag. Sm Auftrage der Regierung legte der preußische Ministerpräsident Siegerwald das Arbeits. Programm des Kabinetts vor. Keine komplizierten und geschraubten Gedankengänge enthielt dieses Programm, kerne langen Phrasen, kein rhetorisches Beiwerk. Lapi­dar waren die Sätze, knapo die Ausdrucksweife, aber klar ihr Sinn, kurz und schlicht die Form, kräftig und markig der Vortrag und darum von großer Mrksamkeit-

Dex christliche Gewerkschaftsführer und Zentrumsabg. Stegerwald gibt zunächst in Anwesenheit des gesamten neuen Ministeriums die MI ni ster l ist e bekannt. Er selbst behält neben der Leitung des Gesamtkabinetts das Ministerium für Dolkswohlfahrt, das Handelsmini, fterium erhält der Demokrat Fischbeck, das Justizmini­sterium der Zentrumsmann am Zehnhoff, das Ministe­rium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung der Uni­

schärfsten Kampf dieser Regierung an, di« sich nur stützen kann auf die reaktionären Parteien, die eine Regierung gegen die Arbeiter fei und die das alt- preußische Regierungssystem aufrichten will. Sierings Rede wird von den Sozialdemokraten mit lautem Bei. fall, von den bürgerlichen Parteien mit Zischen und Lw chen ausgenommen.

Abg. Herold (Ztr.) erklärt, durch die Heranziehung der Lolkspartei zur Regierung hätte das Zentrum nur dem Wahlergebnis Rechnung tragen wollen. Die So« zialdemokrmie sei nicht ausgeschaltet, sondern sie hab« sich selbst hinausmanöoriert. Als der Redner mit be­wegten Stimme die vom Abg. Siering erhobenen Vor­würfe des Wortbruches und der Lügen zurückweist kommt es im Haufe zu erregten Szenen. Von vielen Zentrumsabgeordneten werden laute Pfuirufe ge­gen die Sozialdemokraten gerichtet, besonders gegen den Abg. Heilmann, der den Zwischenruf gemacht hat, es ist doch alles Lüge. Der Vizepräsident Dr. v. Sri es er­klärt, er nehme an, Abg. Hcilmann habe kein Mitglied des Hauses gemeint. Als Abg. Heilmann darauf schwelgt, ertönen neue Entrüstungskundgebungen vom Zentrum, Abg. Herold schließt mit dem Ausdruck der Erwartung, die Regierung werde.ihre schwere Aufgabe erfüllen kön- nm und auch die Sozialdemokratie werde nicht die Ver­antwortung auf sich laden, das zu zerstören, was sie selb st auf gebaut haben. (Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien. Zischen bei den Sozial­demokraten.) !

Abg. Winkler (Dntl.) bedauert die Ausführungen der Abg. Siering und erklärt, die Regierung muffe der Tat­sache Rechnung tragen, daß bei den Wahlen die Par­teien der Rechten einen großen Zuwachs erhalten haben. Der Redner begrüßt in der Programmerllärung des Ministerpräsidenten den warmen nationalen Ton. Er trägt dann Forderungen seiner Partei vor, die von den Sozialdemokraten mit Lachen und dem Rus be. gleitet werden: Rechts schwenkt, marsch.

Abg. Dr. v. Lamve (D. Bp.) ricMet unter Beifall der bürgerlichen Parteien zunächst scharfe Angriffs gegen den Abg. Siering. dessen Ausführungen nur die Verärgerung seiner Partei verraten hätten. Gerade Herr Siering habe wenig aufrichtig gehandelt. Er habe offiziell jede Verbindung mit der Voikspartei abgelehnt, tatsächlich aber mit deren Vorsitzenden Fühlung gesucht. (Hört, hört rechts.) Zu der Programmerklä- rung sagt der Redner, die Volkspartei werde die Hal« hing der Regierung mit allen Vorbehalten und aller Zurückhaltung beobachten. Die Rede des Mimsterpräst- denten habe nicht scharf genug die rheinischen Autono. miebestrebungen zurückgewiesen. Die Volkspartei er­warte eine stärkere Betonung des nationalen Gedankens. (Lebhafter Beifall rechts.)

Ministerpräsident Stegerwald erklärte dem Abg. Siering, ich kann mich nicht zu der Rolle hergeben, die mir von den Sozialdemokraten zugemutet werden sollte. Ich habe mich entgegen meiner vormaligen Ansicht dem Staat zur Verfügung gestellt, weit endlich an die Stelle der Parteiintereffen das StaatSintereffe treten müßte. (Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Ich kann das Parlament nicht unter den Willen von 114 Sozialdemokraten stellen. Zu derselben Zeit, wo im Reichs.ag die Deutsche Volkspartei eine schwere Ver- antwortung für unsere nationale Zukunft trägt, kann ich ihr hier nicht einen Fußtritt versetzen. Sowjetrußland kann uns nicht helfen, sondern nur eine internationale Anleihe. Die Amerikaner wollen sich aber an einer solchen nicht beteiligen, wenn sozialdemokratische Experimente damit ge­macht werden. Wegen des Eindrucks bei dem Ausland wollte ich die Koalition verbreitern. ES ist mir nicht gelungen. Wir haben nun ein unpolitisches Kabinett. Wir werden sachlich vom sozialen Geist getragene Arbeit leisten und die Unterstützung nehmen, wie wir sie finden. Ist das nicht der Fall, wissen wir, daß unsere Stunde gekommen ist. Wir muffen endlich auS der kleinpolitischen Betrachtungsweise herauskommen zu einer wahren deutschen Volkspolitik. (Beifall bei den bürger­lichen Parteien, Zischen bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Ludwig (11 ©.): Die Mehrheitssozialdemo» traten haben sich dem Zentrum und den Demokraten an den Hal» geworfen mit dem Gedanken: Warum weinen, wenn man auSeinandergeht, wenn an der nächsten Ecke schon zwei andere stehen. (Stürmische Heiterkeit.) Die unehelichen Kinder dieser Verbindung, da» neue Kabinett, erkennen wir nicht an.

Das HauS vertagt die Weiterberatung auf Samstag

. ParzeUer-Fuiüa. z Julbaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeirung

V Sie Antwort Amerikas.

f Die Antwort, welche die amerikanische Regierung juf den Anruf der deutschen Reichsregienlng an den Amerikanischen Präsidenten Harding um einen Schieds­spruch in der Reparationsfrage erteilt hat, bedeutet, tone das nicht anders zu erwarten war, eine herbe Enttäuschung für das deutsche Volk. Wohl erklärt sich die amerikanische Regierung bereit, Hie beiden streitenden Parteien wieder zu einander zu dringen, ober das 2lmt eines Schiedsrichters lehnt Amerika rundweg ab. Die amerikanische Regierung will insoweit der deutschen Regierung zur Verfügung stehen, als die Verhandlungen über die Reparations­fragen wieder auf genommen werden sollen. Die Vor­aussetzung dafür wird aber darin erblickt, daß Deutsch, land raschestens Vorschläge formuliert,die eine geeignete Verhcmdlungsbasis bilden". Aber auch dann wäre die Sache noch nicht im Lot, sondern die ameri­kanische Regierung wollte darauf hin erstin Er. wägung ziehen", ob sie die Aufmerksamkeit der alliier- ten Regierungenin einer für sie annehmbaren Weise" -auf die Angelegenheitlenken" kann. Also Klauseln Wer Klauseln. Was es mit dem Begriffeiner ge­eigneten" Verhandlungsbafis auf sich Hot, muffen mir nach den Erfahrungen der letzten Wochen doch zur Genüge wiffen. Frankreich wird eben keine andere Basis alsgeeignet" ansehen, als diejenige, die dm Pariser Forderungen zugrunde liegt Und Lloyd Ge­orge hat sich namens England diesem Standpunkte entschieden angeschloffen. Nur die Modalitäten der Ausgestaltung und Ausführung dieser Vorschläge blei- ben einer Verhandlung zwischen den Vertretern der deutschen Regierung und den Vertretern der Alliierten Vorbehalten.

Siegerwalds Programm.

I Das Programm, Las der preußische Ministerprä- I fitent Stegerwald am Freitag vor dem preußischen I Landtag entwickelt Hot, bedeut ä eine Tat.

Mitten in einer Zeit ter schärfsten politischen Ee- I gmsätze, mitten in einer Zeil ter Befehdung unver- I sehnlicher Parteigruppen ter ganze Verlauf ter I Regierungsbildung hat diesen für das Vaterland un- I heilvollen Zustand in feiner ganzen Schroffheit vor I aller Augen enthüllt Hal es Stegerwald gewagt, in I kurzen aber markigen fundamentalen Grundzügen eine politische Linie herauszuurbeiten, die im Geist ter Volksoersöhnung vorwärts strebt zur Kittung einer wahren Volksgemeinschaft und die erkennen läßt, daß dieser Mann einen offenen Blick besitzt für die elemen­taren Bedürfnisse einer neuen Zeitepoche, daß er aber I klug und umsichtig genug ist, um an den Idealen und I Gütern festzuhalten, die als Bestandteil des Volks- wesens jedem Volk, das auf sich hält, überkommen und eingewurzelt sind und ihm damit den Stempel feiner Eigenart auftirüden: die Freude an einem richtig per- I ftantenen und gewerteten Nationalgefühl, das sich freizuhalten weiß von natiormlistifiHm Tendenzen leidenschaftlicher Schwarmköpfe.

Bei Stegerwald vereint sich vortrefflich das ft arte Bewußtsein zur neuen Zeit und zur neuen Staats form, die geschützt werden soll, wenn sie bedroht wird, mit allen Mc^tinitteln gegen alle Widersacher, mit einer gesunden nationalen Em- pfindung und ter Erkenntnis für die Notwendigkeit volkserzieherischer und oolkseigentümlicher Momente. Darum steht Stegerwalds Regienmgsprogramm weit über den Parteien es faßt allein ten Staat und feine Notwendigkeiten ins äuge. Keine irgend­wie durch Parteidoktrinen herauftefchworme Schlag­worte, mir sie von sozialistischen Ministern mitunter allzusehr hervorgekchrt wurden, trüben die Klarheit ter in seinem Regierungsprogramm auf gestellten Grundsätze und Ziele. Nein, es finden überall d i e Fundamente des staatlichen Lebens überhaupt störlsten Ausdruck: Ordnung und Vater­landsliebe mit tem freudigen Wollen, das ernste Schick- sal des Volkes zu bessern und sich selbst und seine Mit- arbeitet in den Dienst des Dolksganzen Äs einer Schickfalsgerneinschast zu stellen.

Der vornehmste und oberste Grundsatz ter neuen Regierung steht gleichsam als Leitstern an der Spitze tes Programms, das gerate in feiner Kürze, Ein­fachheit und Schlichtheit die große Wirksamkeit in sich birgt:Die Regierung sieht einmütig auf tem Boten der Reichs- und der preußischen Verfassung. Sie ist entschlossen, die vom Volke sich selbst gegebenen Grund» | gesetze erforderlichenfalls mit allen staatlichen Macht- I Mitteln noch allen Seiten hin energisch zu verteidigen." Mit diesem Bekenntnis zur Republik verbindet sich ter Wille ter Regierung, für eine zielsichere Führung ter inneren Verwaltung Sorge tragen zu wollen und überall dort mit Reformen vorzugehen, wo solche in­folge überalteter staatlicher Einrichtungen notwendig sind.

Bezugspreis. MonlllttchchOOM. ohne Zustellgebühr. In Fulda bet unsabzehott3,15 ZHL Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Eoionelrnatz) 60 J5[g u. 10°jo Zuschlag, die Reklame zelle (Textbrette) 1.80 2HL, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

Aus Sem besetzten Gebiet.

Ausdehnung der Desehungsllnie. Wie derLok.-Aw. zeiget" aus Mülheim a. d. Ruhr meldet, erhielt der Oberbürgermeister vom Kommandanten der in Speldorf liegenden Truppen die Mitteilung, daß der französische Kommandant von Duisburg die Grenze des Besetzungsgebietes bis nahe an die Ruhr im Stadtteil Broich gezogen hat. Sm ganzen besetzten Gebiet wurde Ke G ruß pflicht der Polizeiorgane den Offi­zieren der Besetzung gegenüber eingeführt.

* Wirkungen der Solieienze. Die ,Tägl. Rundschau' berichtet aus München, daß dort Meldungen auS der Pfalz eintreffen, wonach der aefarnte Güterverkehr an der neuen Zollgrenze stockt.

Gegen die schwarze Schmach. Eine vom Frauenbund einderusene Versammlung im Berliner Stadthaus pro. testierte gegen die Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiet am Rhein. Die Stadtverordnete Frau Becker schilderte die von den farbigen Truppen täglich begangenen Gewalttaten an deutschen Frauen und Mädchen. Sn Bingen seien in ganz kurzer Zeit 30 Fälle geschlechtlicher Verseuchung von Kindern fest- gestellt worden.

" Seitungzorrdot im besetzten Gebiet. Die tnter. alliierte Rhetnlandkommtssion hat dieBergische Arbeiter» stimme" in Solingen wegen angeblich aufrührerischer Artikel auf die Dauer von 14 Tagen verboten.

Amerika als ein beftimmentes Element in ter »neuzeitlichen Weltpolitik insoweit ein,zusetzen, daß von einer Einflußnahme Amerikas eine Wendung des Ge- jschickes Deutschlands und eine Lockerung der Ketten rn Frage käme, die das deutsche Volk an den Verfall- ler Vertrag schmieden, war, wie mir in Abschätzung «Her in Betracht kommenten Faktoren wiederholt -äußerten, eine Illusion. Freilich wird man von ter Anteilnahme Amerikas an den kommenden Dingen immerhin eine Begrenzung gegnerischer Machian- fprüche erwarten dürfen. Insofern wird uns eine Mitwirkung Amerikas von Nutzen fein können, und wir müssen daher dankbar anerfennen, daß die Ver­einigten Staaten nicht ohne werteres jede Mitarbeit an diesen europäischen Dingen ablehnen.

Es bleibt indessen die Frage zu klären, auf Grund welcher Informationen die deut­sche Reichsregierung dazu kommen konnte, Amerika als Schiedsrichter in dieser Frage anzurufen. Wenn sie nicht ihres Erfolges im voraus einigermaßen sicher war, durfte sie unter keinen Umständen sich einer sol- ihen neuen harten Belastungsprobe ausfetzen.

' Es ist nicht unnötig festzustellen, daß mit ten Vor­bereitungen dieser Aktion keine Partei irgend­wie befaßt worden ist. Die Verantwortung fallt einzig und allein dem Reichskabinett zur Last. Die Peinlichkeit des Themas gebot teingenbe Diskre­tion, und man muß sagen, daß es im allgemeinen ter Reichsregierung auch gelungen ist, diese Vertraulichkeit zu wahren. Etwas anderes ist es freilich, ob und rote nun die Parteien diesen Scbritt ter Reichsregierung billigen. Da wäre zu sagen, daß es wohl keine Partei gibt, die nicht das Verständnis für unsere furchtbare Lage hat und die es nicht billigte, daß auch das Aller­äußerste versucht wird, um wettere Zwcmgsmaßnah- men militärischer und wirtschaftlicher Natur abzuwen- ten. Jetzt also sind wir an tem Punkt» wo wirklich das Wort wahr werden soll, daß das deutsche Volk feine Nervenprobe abzulegen hat.

Freilich, wir würden uns nicht wundern, wenn tot Hinblick auf diese schmerzliche Entwicklung ter Singe auch innerhalb der Reichsregierung fei» ter Rückwirkungen entftänten, die von einer großen innen» und außenpolitischen Tragweite sein müßten. Die Tatsache, daß der Anruf Amerikas um Vermittlung lediglich von tem Reichskabinett und ohne Kenntnis der Parteien des Reichstages unternommen warten ist, könnte allerdings für solcher Art sich ent­wickelnde Komplikationen mir erleichternd tot Hinblick Elf die Einstellung einer neuen politischen Direktive wirken.

Das Reichskabinett berät.

Sos Reichskabinett traf nach Schluß ter Freitag- I des Reichstags zu einer Sitzung zusammen, rmöte deutschen Vorschläge zu beraten, die Ste amerikanischen 'Regierung übermittel! werten "_B. T." glaubt zu wiffen, daß die Reichs. Mtenmg spähffe^s Samstag die Vorschläge an ten Präsidenten absenten werte.

der Kabinettssitzung fand eine De- Regierung mit den Par- ,LC.1 s die für vertraulich erklärt wurde.

.Dte Besprechung hatte lautLok.-Anz." das Ergebnis, pS? Reichstags nicht, wie Ursprung»

^chmittag 3 Uhr zusammentreten «nx, um dte ^egterungserklänmg über die neuen Vor- I würden vielmehr im I Baure tes combtogs erneut Beratungen der Frakiio- I jten mit ter R-.chsregrenmg stattfinden. DerFrei- Jett" zufolge wurden die Verhandlungen tes Reichs- Mgs erst am Montag stattfinden I

Die Haltung Lloyd Georges. I

Harris bestätigt nach terFranks, ata." in ten fDaily News" die Auffassung, daß Lloyd George werten gen wird, die neuen deutschen Vorschläoe zu I prüfen, bevor weitere Sanktionen anzuwenden sirch I 'veil er die Besetzung tes Ruhrgebiets vermeiden I Mächte. Belgien und Italien seien ähnlicher I 'Ansicht. I

Der amerikanische Geschäftsträger in Berlin, Herr I Dresel, hat sich nach Paris begeben, Seine Rückkehr ist in einigen Tagen zu erwarten.

Kein Ultimatum der Alliierten.

Tie Gerüchte, daß bei der Reichsregierung ein | Ultimatum eingegangen sei. das die SnM'une b-«- 1

I Unter diesem Gesichtspunkt sollen die großen I Reformgesetze durchgefühn werten, so diejeni- &über die Ländgemeiitee-, Städte», Kreis- und inzialordmmg und das Gesetz über die Pro-

I yinzialautonomie, das nach ten Ankündigun­gen tes Ministerpräsidenten so rasch wie möglich vor tert Landtag gebracht werden soll. Daß die Rechts­pflege vom Vertrauen der Volksgemeinschaft getragen roerien muß, ist ein Grundsatz, mit dessen Verwirk­lichung und Durchführung ter Ministerpräsident und bass Kabinett sich ein großes Verdienst um di« Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Preußen erwerben werten. Auch m der Kulturpolitik sind dte Wege, die das neue preußische Kabinett zu gehen gedenkt, klar gezeichnet worden. Die Durch­führung der begonnenen Neuordnung unse-

|res Schulwesens wird im Sinne ter Reichs- , _____________ ________

versastung angeftrebt werden und zwar so, daß durch I versitätsprof. und Staatssekretär Dr. Becker, das Innen- Stärkung tes nationalen und sozialen Verantwortlich- I Ministerium der Demokrat Dominicus, das Landwirt- keitsgefühls dem Volke über Konfessionen und Par» I flaJ,t55~Sum ®armbotb unb bas Nnanzministe- Men himvog das Bermißtfein feiner nationalen kul- | faft 6ts auf he«

Berichtetenbte " tefiartt wirb. Der I nimmt das Programm Stegerwalds mit häufigem Bei»

V«fchtetenhetr der Weltanschauungen soll durch Ein- test entgegen, die Sozialisten, die ja schon durch ihre rtchümy gleichberechtigter wÄtticher Schulen neben I Presse dem Kabinett die Opvostfion angesagt haben, ver- den bestehenden Simultan- und Konfessionsschulen im I harren verärgert im Schmollwinkel, hier unb da glauben Sinne ter Reichsverfastung Rechnung getragen I einen schwachen Protest erheben zu muffen. Sie be- werden. I reiten scheinbar unter sich selbst die Atmosphäre vor, aus

Die Frage des Verhältnisses xrolftben br,,i,era^3 A. Fraktionsführer Sierung später seine Reick unb $ e e ü ft e n ift eh» maßlose Dppofttionsrebe vorn Stapel lassen konnte. Der

TOinitorSrätoenr im T^m. Äfpontane Beifall aber sämtsicher bürgerlicher Parteien F1m£lart .^EN der Regierung, ließ selbst kommunistische Unterbrechungsoersuche schoi- denkbar bester Beziehungen I tern. Sie merkten, daß sie nichts zu bestellen hatten, zum Reich eifrigst angelegen sein lasten werde. Für I In der

Oberfchtesten fi-ntet er warme Worte. Er dankt den I ' Nachmittagssihuag

E «WL» den Verbleib Abg. Siering. Er erklärt unter lautem Protest der Mit-

bei Deutschland gefügrt haben. 2luch ter schweren I tefparteien, bas neue Kabinett sei ein Kabinett bei seelischen und matenellen Bedrangms ter Bewohner I Dertrauensbruches, des Wortbruches unb bes der besetzten Rheinland« gedenkt ter Ministerpräsident. I kläglichen Umfalls. Nach dem Wahlergebnis, bas einen Er schließt seine Ausführungen mit einem Hinblick I blnnzmden Sieg der KoaKttonsparteien brachte, Hät4° auf ten jchweren Ernst ter Zett und mit ter For- I nc<b demokratischen^ Grundsätzen die Koalitionsregierung d.mung, etomitig zusammemustehen in einem Aua<-n- I bleiben müssen. In kindlichem Eigensinn hätten blick wo dem Schicksal des deutschen Volkes Gefahren abef Zentrum unb Demokraten die monarchittische Volks.

groger gerot|en Jtnö. I Der Redner wiederholt bann unter Pfuirufen der bür»

Bei Eittroicktturg eines solchen Programms nmßie gerlichen Parteien die Erklärung, es handle sich um ein sich zeigen, roer von ten Parteien noch soviel staats- I Kabinett des Wortbruches, denn der Abg. Gronowski svlitifches Drrständnis aufzubringen imstande war, I habe tatsächlich die Zusage gegeben, Stegerwald werde daß der Blick auf das Staatswohl und das Staats- I fein Amt niederlegen, falls sein Kabinett nicht die Zu- Nmze nicht getrübt wurde durch Parteieaolsmus. Die I J*iTron0 aller floaltiiortsParteien finde. Unter großer Mehrheitssozialdemokratiein dar be;^°l£s r^ ^ierin,a Pen bürgerlichen

Mete ihres Aba Sierina ten Bnvei« er I ^l. 8 e . 3U- °bn*. bie_ Sozialdemokraten konnten sie 4 W» «cht .Mieren. M SoLiachemokratts sazi aller,