Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
' Nr. 92
Zreitag, 22. April »921
48. Zahrg
Helden
tretung die Sozialdemokraten gelten wollen, wird man
horch — sie riefen feinen Namen.
Michael Pallantal
.Hier Pca>
Verhalten allen Möglichkeiten gegenüber selbst von der positiven Mitarbeit aue-geschaltet, und schließlich — das muß unbedingt festgrstellt werden — ist eS unerträglich, wenn der Ehrgeiz einiger radikaler Führer das zah-
sich aufgetan hatte, weiter hinab bis zu dem Stgnb puri?t der „unabhängigen" Verneiner und Radau-
nisch Gebiet führenden, ist der Wirrwarr noch nicht eingetreten, da diese Alliierten die Zollerhebung noch nicht vornehmen und deshalb die Züge größtenteils ungehindert, oder wenigstens nach knapper Kontrolle passieren lassem
Die aus Mainz gemeldete Verwirrung besteht auch in Düsseldorf. Rund um Düsseldorf sind alle Güterbahnhöfr überfüllt; offenbar sind zur Durchführung der Zollkontrolle zu wenig Beamte vorhanden. Ln den Bahnhöfen Düsseldorf-Rach und Düsseldorf. Derendorf verkehren täglich an 130 Güterzüg« und an 109 Personenzüge. Bei einem solchen Verkehr wachsen klein; Verspätungen und Stauungen im Nu ins Un- gemessene
Den „Düsseldorfer Nachr." zufolge wies die französische Zollkommission die deutschen Zollbehörden schon wieder an, die Personenzugkontrolle auf den Düsseldorfer Zollstellen in Düendorf, Rath und Gerresheim aufzuheben. Ebenso werde dir Zollrevision an den Zollstellen auf den Landstraßen aufgehoben. Die Zollkontrolle der Güterzüge bleibt bestehen.
durch unentwegte Machtproben di« Weg« zu einer Verständisung geradezu systematisch zu verbauen.
I kam. Die Erkenntnis dieser Gefahr verlieh ihm Nie- fenfräfte; er befreite sich mit einem wütenden Griffe aus der Umklammerung und versetzte dem Welschen einen wuchtigen Stoß.--
Angelo stieß einen gellenden Schrei aus, versuchte sich an seinen Gegner anzuklammern, verfehlte ihn aber, warf bie Arme empor und stürzte wie ein Doll hinab in den schrecklichen Abgrund.
Vom Kreuze herüber klang ein markerschütternder Schrei. »Erbarmen» Michael! — Binde mich lost — 2ch bereue — meine Schuld!"
Das Gute in der Brust dieser Sünderin hatte endlich in der höchsten Todesnot doch gesiegt, und die arme I Seele sehnte sich nach ihrem Erlöser. —
Michael wankte hinüber zum Kreuze. »Ich komme!" stammelte er. „Ich — befreie — Dich, Rosst--“
Aber der Blutverlust war so groß und schwächte ihn so sehr, daß ihm die Glieder den Dienst versagten. Ehe er noch das Kreuz erreich: hatte, brach er bewußt, los zusammen.
Rositta bäumte sich auf, um sich selbst zu befreien, aber es gelang ihr nicht: die Stricke schnitten ihr tief ins Fleisch, ihr Körper zuckte in Qual und sank erschlafft herab. Das schwarze Haar löste sich und bedeckte wie ein Trauerschleier ihr totblasses Gesicht. Ihre Smne schwanden. — —
„Madonna, o Madonna!" klang eg matt wie das Wimmern eines sterbenden Kindes-, das nach feiner Mutter ruft । I
Dann feierliche Stille. Die Ruhe des Todes herrschte I auf dem hochragenden Gipfel.
Der Mond trat hinter einer Molkenwand hervor; sein bleiches Licht legte sich wie ein Leichentuch über die stillen Schläfer, und in furchtbarer Majestät, flnsier und unheimlich wie Totenrichter ragten die Berge.
Die Sterne zogen hoch am'Himmel ihre Bahn und blickten trauernd herab auf zwei arme Menschenkinder, die sich unsäglich geliebt und unselig gehaßt hatten, an denen sich ein furchtbares, aus Liebe und Haß gehöre, nez Schicksal vollzog.
Die Berge schienen tor Entsetzen über dieses Unge- ! heuerliche im Menschendasein ihre Häupter zu verhüllen | — und — durch die West ging de« große, heilige j Schweifen, das himwrvünbst ia '"vigkeit, —___
Teilnahme der Atehrheitssozialdemokratie an Len Re- gierungsMchästen zweifellos der Gesamtsituation einen festeren Hast verliehen hätte. Aber die Sozial-
.. . Michael!
»■ • • anta! . . ." gab das Echo zurück. Er winkte mit den ausgestreckten Armen, lanta! Hier!"
18.
Der junge Morgen stieg im taufeuchten Haar von den Bergen, und auf den Höhen flammte das erste Früh, rot. Auf dem zerstampften Rasen beim Firn kreuz | glitzerte der Tau, und das Blut Michael Pallantas zog eine rote Furche durch den schworen Grund.
Er tag bewußtlos am Fuße des Kreuzes, an dem der leblose Körper seines Weibes hing. Der Morgenwind spielte mit ihren Gewändern, und ihre blauschwarzen, gelösten Haare wehten wie eine schwarze Fahne um ihr marmorweißes Gesicht. Die schönen Augen waren er- loschen, die lachenden Lippen für immer verstummt . . .
Ein Windstoß, her eisig über die Serge fuhr, weckte den Besinnungslosen; wie im Traum öffnete er die bleischweren Lider. Als jedoch sein Blick auf die Tote fiel, stieß er einen dumpfen Schrei aus und erhob sich. Mit wankenden Knien entfloh er diesem Orte des Grauens, um nach Satan hinabzusteigen und seinen Bewohnern zu verkünden, daß er eine Sünderin gerichtet und seine Ehre gerächt habe.
Stolz erhob der Rächer seiner Ehre das Haupt, als er jedoch der Sonne und dem jungen Tag ins Angesicht sehen wollte, mußte er die Augen niederschlagen und konnte seines Sieges über die unwürdige Verräterin nicht froh werden. Hatte er recht getan, als er sich das Richteramt über eine Sünderin anmaßte? fragte er sich. Und eine innere Stimme antwortete ihm: „Du Mör. der! ... Du Mörder!"
„Ich habe nach Recht und Gerechttgkest gerichtet", suchte er sich zu verteidigen, aber die Stimme in seiner Brust widersprach: „Gottes ist das Gericht — fein ist I die Rache! . . . Mörder — stelle Dich dem Gericht!"
„Wohlan!" sagte er zu sich selbst, „ich will meine Tat vor aller Welt bekennen — und Gott mag richten!
.. . Gott und das Volk von Satan."
Die Knie zitterten ihm, als er weiterging, nahe am Abhang mußte er sich an den Felsen stützen, um nicht umzusinken Müde schloß er die Augen. „Wenn ich doch schlafen — und oergeffen könnt'!"
Da schreckte er empor. Laute Stimmen klangen an sein Ohr — da drunten stiegen Menschen den Berg em- I per. Waren es die Leute von Satan, die zur Almweih \
stein, doM igax tf Port viel fo- srM. Doch
Noch ist es Zeit zur Selbstbesinnung und zur 11m- kchr In den Kreisen der Arbeiter, als deren Ser
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opferfreudigem Willen sowie der Willensstärke eines ganzen Mannes bedurfte es wahrlich, um alle Strudel und Klippen, die sich zahlreich boten, zu umfahren und diesen schier unentwirrbaren Knäuel gewollter oder ungewollter Erschwerungen von saft allen Seit«, zu entwirren. Der Ausdauer und dem unverrückbar auf das gesteckte Ziel gerichteten Blick Stegerwalds ist dieses Unternehmen, ja man möchte sagen, dieses Kunststück gelimgen. Stegerwalds Kabinett darf als gesichert gelten, ja, es darf dies um so mehr, als nun der preußische Landtag am Donnerstag zum zweitenmal« mit großer Stimmenmehrheit Stegerwald zum Mini- sterprüfidenlen erkor, nachdem dieser am Mittwoch Nachmittag sein ihm übertragenes Mandat In die Hände des Landtags zurückgelegt hatte und damit eine Neuwahl des Ministerpräsidenten notwendig wurde.
Die Gründe, die Stegerwald am Mittwoch zu dem Rückttitt veranlaßt haben, liegen offen auf der Hand. Die Sozialdemokraten hatten die Behauptung aufge- stellt, bei ihrer Stimmabgabe für Stegerwald bei der ersten Wahl durch „Bindungen" StegerrvaDs, die dieser allerdings nicht gegeben hatte, beeinflußt gewesen zu sein. Die allgemein« politische Atmosphäre war durch diese Behauptung und ihre Begleitumstände erheblich getrübt, und trotz aller gegenseitigen Auseinandersetzungen büeb immerhin die Tatsache für den Mini- sterpräsident bestehen, daß eine Parteigruppe, wenn auch fälschlich, bei der Behauptung blich, sie habe den Ministerpräsidenten unter fakschen Voraussetzungen gewählt. Um einerseits die politifch-moralischs Atmosphäre gereinigt zu wissen, andererseits aber der Mchr- hsitssozialdemokratie den Vorwand zu nehmen, auf diese Begründung hin ihre künftige oppositionelle Haltung zu rechtfertigen, die der „Vorwärts" bereits angekündigt hat, entschloß sich Stegerwald zn dem Schritt der Rückgabe seines Mandats in die Hände der Landes- verfamnÄung.
Eine deutsche Note a« Amerika.
y' hardivg lehnt das Vermitllungsgksuch ab.
. Die Reichsregienmg hat durch Vermittlung des amerikanischen Geschäftsträgers in Berlin an den Präsidenten der Vereinigten Staaten folgende Note gelangen lassen:
3m Nam« der deutschen ReSchsrogierung und des deutschen Volkes beehren sich die Unterzeichneten, ttotz des formell noch bestehenden Kriegszustandes an den Herrn -'Präsidenten der 33ereinigten Staaten von Amerika den Antrag zu richten, in der Reparationsfrage die Vermittlung zu übernehmen, um die Summe r^tzuftellen, die Deutschland an die alliierten Mächte zu zahlen hat. Sie sprechen gleichzeitig die dringende Bitte aus, die Zustimmung der Alliierten zu einer solchen Vermittlung herbeizuführen. Da- Hei erklären sie faierlichsi, daß die deutsche Regierung ohne Einschränkungen oder Borbcholt bereit und willens ist, den alitierten Mächten diejenige Summe als Reparation zu zahlen, die der Prästdem der Bereinigten Staaten nach Ängchercher Prüfung und Untersuchung als recht und billig befinden sollte. Sie oerpfSchten sich hiermit ausdrück- üch. Mefen Schiedsspruch, wie er auch lauten möge, in allen Einzelheiten sowohl dem Buchstaben wie dem Geiste Mch zu erfüllen.
Tief durchdrungen von der inneren Berechttgrmg dieser Bitte und in lmbezwsifelbarer Aufrichtigkeit unterbreitet bas deutsche Volk durch feine verfassungsmäßige Regierung dem Präsidenten der Bereinigten Staaten diesen An- .t°ag- Es hegt die zuversichtliche Hoffnung auf Gewährung »einer Bitte und daß nach Recht und Gerechtigkeit eine endgültige Entscheidung gefällt werde zur Erfüllung tief« gefühlter Wünsche aller zivilisicrten Nationen, zur Ab- roatinmg der unabsehbar en Folgen drohender Zwangsmaßnahmen urtb zur HerbePHrung des Friedens der Welt.
tsez.) Fehrenbach. sgez.) Dr. Simons.
Eine weitere Note an die Reparationskommission wird am Freitag fertiggestellt. Am Montag wird twraussichtlich eine Besprechmtg zwischen dem Außenminister und den auswärtigen Ausschüssen des 'Reichsrats und Reichstags stattfinden, worauf, nach der jetzigen Disposition, die Beantwortung der Interpellation über dir auswärtige Politik im Plenum des Reichstags stattfinden könnte.
Auf die weittragende Note der deutschen Reichs, «gterung, die für die Oeffentlichkeit überraschend her- ausgekornmen ist, liegt bereits die Antwort aus Washington vor. Wir erhielten kurz vor Redak- ttonsschluß folgende Meldung:
wto Washington, 22. April. (Tel. Reuter.) Die Regierung lehnte Deutschlands Bitte, Harding möge in der Reparationsfracr» vermitteln, a b. Sie willigte aber ein, wenn Deutschland geeignete Unterlagen für die Verhandlungen böte, in Erwägung zu ziehen, die Sache zur Beachtung der Alliierten zu bringen in der für diese annehmbaren Weise, damit dir Berhand- lungen schleunigst wieder ausgenommen werden können. Die Hughes-Note spricht erneut die Hoffnung »aus, daß Deutschland schnell für eine Derhandlungs- «rundlago geeignete Vorschläge formulieren werde.'
Deutscher Reichstag.
Zu Beginn der Donnerstagssitzung nahm der Reichstag den mündlichen Bericht des ®efdjäftsorbnungsaus- teaffes über die m nicht weniger als 6 Fällen verlangte Aushebung der Smunität entgegen. Allerdings hamdttt es sich in 5 Fällen lediglich um Veteidigungskta- gen. Ohne Debatte beschloß der Reichstag, gemäß den Antragm des Ausschußes die Aufhebung der IrmmÄät zu versagen. Anders lag die Sache hn Falle des Abg. Reich, der wegen Unterschlagung, Dieb, stahl? und Urkundenfälschung verfolgt wird. Rach längerer Debatte wurde die Zurückverweisung an den Ausschuß verwiesen zwecks völliger Klärung.
Hierauf wurde die Beratung des fch'eunigen Antrages des U. Soz. Arnstadt bett. Aufhebung der V e r o r ö. nung über den Ausnahmezustand und Ke außerordentlichen Gerichte fortgesetzt. Zunächst sprach der deutschnationale Abg. Darmulh. Er wies darauf hin, daß sich hinter den vom Abg. Dr. Rosenfeld zitierten Strafen Verbrechen schlimmster Art verbergen, wie Mord, Räubereien, sadistische Mißhandlungen, Gciselverschleppung und dergleichen. Nicht weniger als 25 000 Einwohner tm MansfÄdischen Gebiete seien durch die Unruhen ar« beitslos geworden. Die Strafe müsse der Tat auf dem Fuße folgen, damit sich die Verbrecher darüber klar werden, daß der Staat nicht gewillt fei, nur zuzuschauen an» statt sich zu wehren. Dem deutschnationalen Redner folgte der MchrheitssozüList Fischer-Berlin, der auf die täglich sich rviÄerholcndeu, aufreizenden Artikel der „Roten Fahne" hmwles. Redner betonte, daß es ihm unverständlich fei, wie die Unabhängige Sozialdemokratie seiner örotiion zmmrten könne, sie könnte angesichts solch maß- loser Verhetzung für Aufhebung der außerordentlichen Vollmachten stimmen. Es war natürlich, daß sülche Aeußerungen unausgesetzten Widerspruch der Kommunisten hervorrieson. Iust'zmimster Dr. Heinze betonte die Rot- wendigkeit der Sondergerichte, da die ordenllichen Prozeß. Sprich « die Arbeit nicht hätten bewältigen können, also die Hast der Untersuchungsgefangenen unnötig verlängert worden wäre. Der Abg. Kremer von der deutschen Volks Partei wies darauf hin, daß das kommunistische Pro« gramm und die kommmiistifche Weltam'charung dm Kom- muniftm die Politik der Tat zur Pflicht machten. Er behauptete ferner, die Regierung hab« zu spät einbegriffen- 5hm folgte her Zentrumsadg. von Guerard. "Er be- wies, daß die Sondergerichte oerfassungsgemäß Mässig und unter den gegebenen Verhältnissen geboten seien. Darum könne er mit feinen Freunden nicht für eine Ausübung berfdben eintret eit. Man sei jedoch gern bereit, di? Aenderungsvorschkäge der Sozialdemokratie über di« Bildung außerordentlicher Gerichte zu prüfen, gürt die Demokraten sprach Abg. Delius. Er verknete, daß die Regierung die Kontrolle der Sprengstoffe verschärfe. Die Kommunisten bereiten neue Aktionen vor. Trotzdem ver« urteitan wir die Uebertreibungen der Rechtspresse.
Das Gesetz über bi« Prüfung der Fieberthermometer wird m zweiter und dritter Lösung unverändert angenommen. X
Freitag: Anfragen, Sondsrgerichte, Staatsgerichtshof.
Da stürmten sie heran, bas halb« Dorf, an ihrer Spitze der Richter mit wehendem Bart und gramvollem Gesichte. „Michael — mein Sohn!"
Sie sahen sich in die Augen, faßten sich bei den Hän- den, das Blut rauschte auf, bas starke, heiße Sauern« blut, einen Augenblick lagen sich Vater und Sohn in den Armen, und zwei treue Tirolerherzen schlugen Brust an Brust. Vater — mein lieber Vater!"
»Mein Jung', mein lieber Bub! . . . Was ist Dir? ... Du blutest? . . . Bist verwundet — hier am Hals da am Rücken. Ja, mein Gott, was ist denn g'schehen?"
Michael überhörte die Frage. Er fuhr sich über die Stirne und fragte mit verlorenem Blick: „Wie kommt's Ihr da herauf? — Wie habt's Ihr mich g'funden?"
„Dein Rucksack war weg — und Dein Weib a," er. widerte der Richter und schaut« Michael voll Beküm- memis an. „Da hab ich mir denkt — er ist zum Firn» kreuz auferg’ftiegen. Aber so red doch — was ist den» g'schehen?"
Michael richtete sich stolz und starr empor. Und mit hohler Stimme verkündete er das Grausige: „Ich hab — mein Weib gerichtet--"
Alle waren starr vor Schrecken. Da zeigt« er mit seinen blutigen Händen hinauf zur Höhe. „Dort __
am Kreuz — da hängt siel ... iSe hat mich betrogen - . . hat d' Heimat verraten — drum hab ich sie ge> straft, wie sie's verdient hat." Und nach einem tiefen Atemzuge: „Ans Kreuz — hab ich sie g'heftet — die Verräterin!"
Ein hundertstimmiger Entsetzensschrei klang über bi« Höhen. „Allmächtiger — ans Kreuz g'heftet? . . . Ist sie — tot,"
»Tot und starr! . .. Rit für mich yab's ich *tan — für Euch! Aber a Mörder bin t doch. Tut's ent nit grausen vor mir?"
Gottsetzung folgt)
Stegerwalds Wiederwahl.
mtb Berlin, 21. April. In der Sihrmg des pmt» ßrschen öanMogs wurde der Wohlstchrtsmimster, Wg. ■jSfegermalb (Ztr.), mit 227 von 349 gültigen Stimmen zum Murffterprästdenten wiedergewöhll. Aul den Abg. Braun (Soz.) entfielen 100, auf den Abg. Ludwig (llnaNj.) 21 und auf den Abg. Buch lZtr.) 1 'Stimme. Im Ganzen würben 379 Stimmzettel ab« gegeben, von denen jedoch 22 unbefchneden waren.
Die Irrungen und Wirrungen der preußischen Re- tnenmgsbildung, die in ihrem Kern auf bas einseitige Verhalten der beiden Antipoden: Sozialdemokratie und Deutsche Volkspartei zurückznführen sind, dürfen nunmehr endlich — zum mindesten jedenfalls für die nächste Folgezeit — als überwunden angesehen wer- oen. Eines Riefenouftvandes von zäher Energie und
Die M « h r h ei t s f o z t a l 1 st e n in der Oppo- fition gegen das Kabinett Stegerwald, das ist nun* mehr die wichtigste Tatsache für die politische Weiter- emwicklung. Zumal die Frage austaucht, ob nicht die schlechte Taktik der Sozialdemokraten im preu- ßifchen Landtag auch auf die Parteigenossen im Reichstage übergreift. Auch tm Reiche hat- ten sich ftit vorigen Sommer die Mehrheitssozialisten aus der Koalition zurückgezogen, aber sie haben dort bisher die wohlwolletide Neutralität bewahrt, während in Preußen die schärfste Opposition mit lautem Kampf geschrei angekündigt wird. Eine ähnliche Kriegserklärung im Reichstage könnte zu einer Krisis im Reichskabinett, unter Umständen sogar zu einer Erschütterung der Stellung des Reichspräsidenten Ebert führen, und das in einem Zeitpunkt, wo die Unterbrechung dec Aktionssähigkcit und des Anfehens der deutschen Regierung eine Katastrophe für die ganze Nation zu werden droht. Man sollt« doch immer noch hoffen dürfen, daß unter den Mehrheitssoztalisten sich noch so viel verständige und pflichtbewußte Leute befinden, daß sich die falsche Taktik wenigstens auf das preußische Staatsgebiet beschränken läßt.
Ueberhaufst ist von dem jüngsten Zwischenfall eine gewisse Gärung in der sozialdemokratischen Gesamt- Partei zu erwarten, da dort die arbeitswilligen Elemente sich mit den rauflustigeit Stürmern, die schaffenden Naturen mit den unfruchtbaren Agitatoren aus- einandersetzen müssen. Wenn kein Einhalt getan wird, so gleitet die mehrheitsfozialistische Partei auf der schiefen Ebene, die bereits im vorigen Sommer
Verantwortlich für den teöaa. Teil: L V.: Dr.Jeh.Kramer, „ für die Anzeigen: 3. Parzrl>er»Fu!da. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei in Fulda, fförnfprecher Rr. 9. Teiegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.
Der König der Dolomiten.
Volksroman von Felix Radar.
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Ütoftfta starrte ihn an, als ob er wahnsinnig wäre schrie in wilder Verzweiflung: „Ich will nicht — Iterbcn!--Zu Hilfe! Angelo — zu Hilfe!"
sich Michaels Händen zu entwinden, aber — \};re ®eIenfe wie mit Eifen klammern umspannt,
-naw ichlang er Stritte um ihren Leib, fefielte ihre . , n Stricke empor zu den Kreuzesarmen,
'^6 n ber herunter hingen unb zog Rositta em
® ' e imnmernd zwischen Himmel und Erde hing. k. Jno*eteer die Stricke um den Stamm, band m-n JM-?« fest unb griff nach Hammer unb Stageln, um die Sünderin ans Kreuz zu schlagen.
nw Smu Ian3en< ipitz-n Eisennagel an bte L'nCm ""^igen Hammerschlage durch L . treiben, do ertönte ein gel- un!Le.,ne schlanke Gestalt flog auf ihn jtt ämetten tm Rucken. Der Hammer entsank ihm. „Der- dämmt - der Welsche!" stieß cr vmb tftc i>en Femd mit feinen blutigen Fäusten. ?
5 Ein heißes, wütendes Ringen begann.
- t Michael war dem Feinde an Körperkraft überlegen, ober Angelo Ornello übertraf ihn an Beweglichkeit List i-nd Geschmeidigkeit ber Glieder. Wi« ein« Schlange wand er sich um ihn, warf ihm die Arme um den 5sals Mb schnürte ihm die Kehle zu. daß ihm ber Atem aus.
Er stürzte zu Boden, riß aber im Falle autfi "EN Feind mit sich.
Wieder fühlte Michael einen Messerstich im Rücken; ber brennende Schmerz stachelte ihn auf, seine letzte «raft «nzusetzen, um den Feind zu besiegen. Keuchend walzten sich beide in grimmiger Umschlingung am Bo.
überschlugen sich unb rollten dem Feifen zu, an **”en Rand der furchtbare Abgrund gähnte. —
In ber Dunkelheit war die entsetzliche Gefahr nicht 8u erkennen, aber Michael wußte, daß er verloren wMt. tz; auf dey abschüsiigen gegen ju tiegee
Nunmehr tft durch den Landtag die Wiederwahl Stegerwalds «folgt; allerdings fft der christliche Gewerkschaftsführer befrei der Stimmen ber Mehrhestsfozialdemokratie verlustig gegangen. Denn di« 227 Stimmzettel, die auf feinen Namen lauteten, I gewiß die Frage stellen: Ist die Wohlfahrt des werk- fetzen sich aus den bürgerlichen Parteien zusammen, I tätigen Volkes durch Demonstrationen und Agitatio- wahrend di« Mehrheitssozialisten geschlossen für den nen, die das Erwerbsleben erschüttern, besser zu för-
ehemaügen Ministerpräsidenten Braun stimmten, auf dern, als durch einflußreiche Mitarbeit auf dsm Boden
deflen Namen dadurch 100 Stimmen abgegeben wur- I dec demokratischen Verfassung?
den- Die Unabhängigen hatten, wie auch schon beim Inzwischen muffen die anderen Parteien ruhig den ersten Wahlgang, sich auf ihren Führer Ludwig n»r- | Weg ihrer Pflickt weiter crehen.
emigt. Der Weg für die Vorstellung des neuen Ka- j ' . ,
binetts und die Vorlage des neuen Programms steht I Donnnicns fftrtl Schiffer.
also nunmehr offen. Nach der bereits veröffentlichien I Wie dir „Frkst. Ztg." meldet, hat der als Mi- Ministerliste hat Stegerwald ein Kabinett zusammen- I nister des Innern vorgesehene frühere nationaltoerole gebracht, bas eine Bereinigung von politischen Köpfen I Reichsministrr a. D. Schiffer nicht angenommen, und solchen Männern darstellt, die man als reine Fach- An feine Stelle tritt ein anderes Mitglied der drmo- Minister ansprechen muß. Der politische Schwerpunkt kretischen Frcf.üon-, pbeirbürgermeister al D. Do. dieses Kabinetts liegt in gleicher Weife auf dm Schul- I minicus in das neue preußische Ministerium ein. lern des Zentrums wie der Demokraten. I ___ . ,
Dabei steht eins fest: man wird nicht so töricht I
sein, diese Lösung für vorbildlich zu halten. Wenn I Die Schwierigkeikm im netten Zsllgebiek. man aber bedenkt, daß Stegerwald auch wirklich alle Aus Mainz wird uns «meldet- Die Ank.
D^chkitm «Mpft hat dann war, nähme des Zolldienste/hÄ im'gesamtes Ver- wollt- bÄbt kehr schon In den ersten beiden Tagen eine derartige
mehr <^^r^ene Ausweg Verwirrung an den Eifenbahnzoll,
önbern Seite hin muß man I stationen hervorgerufen, daß, wenn die geübte E I Eeschäftsgebahrrmg nur noch mehrere Tage so weiter Teilnobme ber Mebrasii«,ormlh-m->krnt,- ™ geht, der Zugverkehr zwischen dem besetzten Mid unbe»
etzren Gebiet überhaupt eingestellt werden muß. In- ... -r, . , । folge des Personalmangels und der oraMtisatorischen
-?r grundsätzlich ablehnendes Unfähigkeit der Franzosen stockt der Güt er ver- Verirntt-N Hhm m><vTftrhfoi*»n — ' krhr voll ft ä n di g. Die Wfertigrmgshallen
rnd von Gütern überfüllt, die Güterzüge stauen sich ast von Station zu Station. Stirgends weiß man । ein noch aus. Die Postämter nehmen keine untrer- lenmatzige UebergewM ihrer Partei, noch dazu in zollten Pakete an, sodaß ein PostpÄetoersand ins un- besetzt: Gebiet vorerst nicht stattfrndet. An einzelnen wm^un^mirch^s^Pochen auf die Machtposition und Strecken, namentlich den ins englisch« und cunerika-
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