Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.
nr. S>\.
tierantwoniiO) im ben LeoauwntUen Teil: Karl Schürte. - für öit Anzeigen: I. Por ze-'er-Fuwa. - SRomtionsöruc. u. Verlag der Fuldaer Actirnüruckerei in Fulda, rernwiecher Nr. 9. Telegr^Lldreise: Fu >doer Zeituna
Donnerstag, 2k. April 1921.
Bezugspreis: Monailich Z.00 Mt. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholi Z,lö Mt. Anzeigenpreis: LieKleinzell« ttoioneimaB) 60 psg, u. 10°>< Zuschlag, die Reklame zett« (Texivreiiel 1.80 ML, u. 10"-. Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
Drrs noito preußische Kabinett.
Gestern «rbend ist vs dem Mimstsrprüsldenten Ltegerwald endlich gelungen, fein Kabinett zu ^vollständigen. Das neue Ministerium wird ssl- tzende Zusammensetzung haben:
Ministerpräsidlum und Lollswohlsahrt: Sie- k e r w a l d (Zir.);
Snnorss: Abg. Schiffer (Dem.):
Handel und Gewerbe: Abg. Fischbeck (Dem.);
Lustiz: Llbg. Dr. Am Zeh » hoff (Ztr.);
Finanzen: Lanbesfinoiyamtspräsideitt Sae- »nisch (Kassel);
LairLwirischaft: Ministerialdirektor Dr. Warm- told;
Wissenschaft und Unterricht: Staatssekretär Dr. Decker.
Wir haben hier ein gemischtes Ministerium, bestehend aus vier PolUileru und drei Beamten, vor uns. Soweit die Parteien in Frage stehen, wird les Kabinett im Grunde nur gÄildet aus Zentrum und Demokraten. Es hat im Landtag «unächst nur rund 110 Stimmen von 428 hinter sich. Es steht also in dieser Beziehung noch viel ungünsti- tzer da als die Minderheilsregierung, die sett drei- viertel Dohren mit vielem Weh und Ach die Geschicke des Reiches leitet. Es ist also notwendigerweise angewiesen auf die Unterstützung oder Duldung benachbarter Parteien und es rechnet natürlich darauf, diese wohlwollende Unterstützung sowohl bei den Sozialdemokraten wie auch bei der Deutschen Dolkspartei zu finden. Die Sozialdemokratie kündigt allerdings die Verweigerung des Vertrauensvotums schott im schärfsten Tone an. Der „Vorwärts" brachte sofort am Mittwoch abrnd einen ingrimmigen Fehdebrief gegen den „Block um Stegerwald", gegen das „Kabinett der gchamtbürgerlichen reaktionären Konzen- Itratiorr", dessen Bekämpfung neue „Schwungkraft" in die sozialistische Partei bringen, die „Auftriebskraft" stärken und den „endgültigen Sieg" vorbereiten soll. 'Etwas viel Lärm und Zukunftsmusik wegen der eitt- ifachen Tatsache, daß die sozialdemokratische Fraktion im Landtage allzu viel verlangt hatte und deshalb nichts bekommen konnte!
Das Ministerium, das Stegerwald vorberettet hat, tft nicht reaktionär und nicht antisozialistisch. „Bürgerlich" kann man es allenfalls insofern nennen, als fein Sozialist darin sitzt. Aber das liegt nicht an Stegerwald und seinen Kollegen, sondern an der Weigerung der Sozialdemokratie, mit den notwendigen Kräften aus den andern Parteien zuisam« menzuarbeiten. Sie haben sich selber ausgeschlossen. Dm übrigen ist der Ministerpräsident Stegerwald selbst ein Mann, der aus der Arbeiterklasse hervorgegangen ist und sein ganzes L:ben hindurch für das Wohl der Arbeiterschaft und für einen vernünftigen Sozialismus so treu und so erfolgreich gewirkt hat, wie kaum einer der sozialdemokratischen Führer. Der Vorwurf der „Reaktion" wird entkräftet durch die Tellnahme der Demokraten Fischbeck und Schiffer, von denen der letztere das wichtige Ministerium des Innern erhallen soll. Beide sind sicher über den Verdacht erhaben, daß sie irgend welchen Rückschrllt befördern könnten.
Wenn nun die Sozialdemokraten sagen: die Deutsch- nationalen hätten die entscheidende Stimme, so kann man ihnen einfach erwidern: dazu habt ihr selbst durch euer fälsches Verhallen ihnen verhalfen.
> Es mu ß eben der Versuch gemacht werden, ohne Die Sozialdemokratie zu regieren, bis die Herren ver- tzlünftig geworden sind.
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Ehe das neue Ministerium zur Vorstellung im Landtage kommt, soll noch ein Zwischenspiel sich abwickeln, das allerdings nur eine Formalität bildet.
Die Sozialdemokraten behaupten bekanntlich zur Beschönigung ihrer hartnäckigen Obstruktion, sie hätten
Der König der Dolomiten.
Sottsroman von Felix Rabor.
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König Saurin liebte bas schöne falsche Königskinb Kunhild, und da sie ihn glauben machte, daß sie seine Liebe erwidert«, entführte er sie und brachte sie hinauf in sein herrliches Reich, um ihr auf flammenden Der- gesgipfeln einen Thron zu errichten. Sie aber verriet den DHrigen ihren Aufenthalt, indem sie die lodernde Hochzeitsfackel hinabschleuderte ins Tal. Da zog ihr Bru- der, Herr Diether von Bern, aus, um sie zu befreien. Er besiegte König Saurin und entriß ihm seinen Zaubergürtel, worauf all die herrlichen Rosen verwelkten und der König zum Zwerge wurde. Darauf schlappte Diether den Stolzen nach Bern und machte ihn zum Hofnarren an seinem Königshofe. . . Aber eines Tages entkam Saurin und fuhr im goldenen Sonnenwagen zurück in '-ni zerstörtes Reich. Lus Trauer über feine Schmach weinte er ohne Unterlaß, und die Tränen erstarrten zu Gletschern. Allnächt'ich zieht er mit lodern- her Fackel aus, seine verlorene Ehre zu suchen —"
„Lächerlich!" erwiedert- Rositta, als Mi-'mel geendet hatte . . . ..Warum sucht sich der dumme Zwerg nicht ein andere,. Weib?"
„Weil «r die eine, die er geliebt hat, nicht vergasten kann," antwortet« Michael, „weil ihm die Tren- über alles geht —'
„Bah, der Frauenräuber!"
„Er hat Kunhild aus Liebe zu sich g’nc.-. uen. und sie hat ihm Liebe geheichttt. Ihre Sette hat er sich g'holt, nachdem sie ihm ihr Herz g'schmkt hat Daß sie ihn belegen und betrogen und zu'etzt verraten hat, das hat er nit vorauswifstn können. Und b'ef'r 33 trat .hat ihm 's Herz brechen g'macht . . . Und schau, so | wie in der Sage, so ist's im Leben . . . Aus L eb r-iri mancher Mann zum Rarren und auf Frauentreue ist nit zu bauen . . Die ist lamrsich wic's SB'tter im April."
Der jungen Frau wurde plötzlich der tiefere Sinn der Sage offerbar. Es war ihr als liefen dunkle, geh-'me ! Fäden von König Saurins Rosengarten hinab zu Mr- j
bei der Wahl Steaerwalds zum Ministerpräsidenten nur deshalb für ihn gestimmt, weil ihnen das Versprechen gegeben worden sei, es solle keine Regierung ohne die Zustimmung ihrer Partei gebildet werden. Das Versprechen ist nicht gegeben worden, und wenn Aeußerungen eines Zentrumsabgeordneten in desem Sinne mißdeutet sein sollten, so würde das Herrn Stegerwald doch mcht oerpfliHten können, da er ohne Bindung gewählt worben ist. Darum wäre es nach unserer Ansicht vollständig genügend gewesen, wenn Stegerwald einfach seinen Ministerplan dem Landtage vorgelegt und die Entscheidung in dem Vertrauensvotum der Volksvertreter gesucht hätte.
Er glaubte jedoch zur vollen Klärung ein übriges tun zu sollen. Er will nicht unter dem Verdacht blähen, daß er seine Wahl zum Ministerpräsidenten einem Irrtum der sozialdemokratischen Partei verdanke, zieht deshalb die Annahme der damaligen Wahl zurück und verschafft durch die Wiederholung des Wahlaktes den Sozialdemokraten die Möglichkeit, nach klarer Erkenntnis feiner Ansichten und Absichten gegen oder für seine Berufung zum Ministerpräsidenten zu stimmen, wie es ihnen gefällt.
Das führt zu einer gewiffen Umständiichkeit, aber es wird an dem Gange der Dinge nichts ändern. Es steht nicht geschrieben, daß der Ministerpräsident ein- stimmig oder überhaupt mit einer bestimmten Mehrheit gewählt werden müsse. Die einsache Mehrheit des Landtags genügt bei dieser Wahi und ebenso bei dem erforderlichen $ertrauenscotum und die tarnt auch ohne Sozialdemokraten erzielt werden.
Cin$ sozialistische Takflasigkeil.
Der sozialistische Lanbiagsabg. H e i l m a n n hat in feiner „Soz. Korr." ein vertrauliches Gespräch zwischen den Abgg. Heß (Ztr.) und Domitticus (D:m.) Deröffen 11idjt, das er belauscht haben will, und cus dem er beweisen will, daß die Sozialdemokraten Stegerwald zum Ministerpräsidenten unter der Voraussetzung gewählt hätten, daß die Auswahl der einzelnen Minister mir mit ihrer Zustimmung erfolgen dürfe. Diese Veröffentlichung Hellmanns hat bei allen politischen Parteien Preußens das peinlichste Aufsehen erregt Die Zentrumsfraktion des Landtages veröffentlicht eine Erklärung, worin sie gegen dir Mitteilung Hellmanns Verwahrung ein- legt. Die Fraktion erklärt, daß sie jede Zusammen, arbett mit Heilmann so lange ablehnen werde, bis er sich „wegen seiner auch mit den bescheidensten De- griffen von politischer Wohlanständigkeit mwerein. baren Handlungsweise" bei ihr entschuldigt habe. Eine ähnliche Erklärung hatte vorher bereits die demo- tratische Fraktion veröffentlicht.
Der Abg. 5) e ß veröffentlicht seinerseits eine Darstellung über feine Unterredung nut Dominicus, worin er feststem, daß Dominicus darin nicht von seinen Erinnerungen und seinen Auszeichnungen gesprochen habe, die die Angaben der Sozialdemokraten bestätigten, sondern nur die Worte gebraucht habe, die Demokraten hätten „den Eindruck", daß die Soztald«no- fraten mit ihrer Darstellung über die sog. Bindungen im Rechte feien. Unmittelbar nach seiner Unterredung mll Dominicus habe er (Heß) und der Abg. Dr. Lau- scher eine Unterhallung mll einem anderen führenden Mitglied der Demokratischen Partei gehabt, das sich über das Thema noch zurückhaltender ausgedrückt habe.
Die sozialdemokratische Fraktion hat dem Zentrum und den Demokraten mitgeteitt, daß sie die Der- öffenüichung Hellmanns gemißbilligt habe. Damit ist der Fall, sowett er die mehrhellssozialistische Fraktion angeht, erledigt
Don den Kommunisten.
Der Vorsitzende der kommunistischen Partei, Braaoter, ijt mu me.-re.en anderen Äommuniftcn verhaftet wurden.
Der Polizei sind jetzt Beweisstücke in die Hände gefallen, aus denen hervorgeht, daß der Moiddrenner
chael Pallantas Haus . . . Dort droben in den Bergen Liebe und Tr«u« . . . hier unten Falschheit und Ser- rat. . . Und das Ende, das Ende? . . .
In atemloser Hast stieß Rositta hervor: „Und was geschah mit Kunhild? . . ."
„Sie, hat schließlich den eigenen Bruder verraten, weil ihr bi« Falschheit im Mitte lag, wie der Schlange das Gift int Zahn . . . Da hat sie Diether lebendigen Leibes an einen Felsen schmieden lasten — und wer in stillen Rächten durch die Berge geht, der hört ihr leises Weinen und Seufzen, ihr wilde» Wimmer» und Weh. klagen —"
Rositta erbebte unter dem furchtbaren Blick, den ihr Michael zuwarf. „Ach was," setzte sie sich über ihre aufsteigende Angst hinweg, Jias ist ja nur ein dummes Märchen I"
„'s Leben ist a ein Märchen," versetzte Michael mit tiefem Ernste, „oft n heittr's und amnutig's, oft a düsteres, mit Blut geschriebenes Märchen. Und der Rar. reu. die an d' Tr-ue glauben wie König Laurin, gibt'» gar riel im Land."
„La — der Narren gibt's genug," wiederholte sie mit heimlichem Triumphe und stieg rüstig weiter Aber eine heimliche Furcht blieb in ihr zurück „Wenn ich ihn nur los wäre!" dachte sie. „Er ist so selsam, redet so unheimlich. Wann nur Angelo kommen und mich befreien würdet"
Sie senkte das Gesicht und ging weiter. Aber plötzlich warf sie den Kopf zur Seite und lauscht«. Der schrille Warnungspfiff eines Murmeltieres ertönte. „Sollte das Angelo fein?" dachte sie. „Es wär« ihm wob! z zutrauen."
Als nach rner Viertelstunde b«r Pfiff abermals er. tönte, dachte sie voll Jubel: „Er ist's! — Der Retter j ist nahe." —
Aber auch Michael hatte den Pfiff vernommen und deutete ihn nach seiner Art. Er sag e kein Wort, ober i er faßte den Bergstock fester und stieß die Eisenspitze so wuchtig ins Gestein, daß der Felg splitterte und die Funken aufsprühten.
So erreichten sie das Totcnkirchlein. Der Mond war aufgegange». und feie bleiches Gesicht lag gefreit. ,
Max Höl, die Aktion in Mitteldeutschland mit einem Stave von sechs Adjutanten geleitet hat Der tommu- nistlsche Redakteur Schneider war sein ständiger Be. pleiter. In einem Gehennbefehl an die , Arbeiter Braunschweigs, der mit roter Schrift die Unterschritt des Hölz trägt, werden bie Genoffen des Biaunschwei. ger Bezirk« an ewiesen, für Braunschweig und Umge- pcnd die in Mitteldeutschland euigeteitete Aktion mit allen militärischen Mitteln tatkräftig zu unterstützen.
Um sich bei der ärmeren Bevölkerung als Wohltäter und Menschenfreund in« rechte Licht zu setzen, verteilte Hölz geraubte Lebensmittel und fonfiige Dinge, die erpreßten Gelder verwendet« er jedoch tedtottch für sich und feine engeren Freunde. Mit deutlichster Klarheit geht fein Pro ramm au8 einem Ausruf hervor, den Hölz von feinem Hauptquartier Klostermansfeld der. breiten ließ In diesem Aufruf fordert er mit Nach« d uck gut .Deschlaonahme" aller erreichbaren Gelder, zur Sprengung der Eisenbahnschienen, Gefängnisse, toerid toi.ebäuDe, zu Raub, Mord und Plünderung auf. Wörtlich heißt es: „Wir ,chlachten die Bourgeoisie ab, ohne Un crschred des Alters und Geschlechts. Wir sprengen ihre Schlöffe। und Paläste, ihre Villen in die Luft . . . Wenn Oie Sipo nicht sofort abzieht und uns die Waffen adgibt, werden wir ein fruchtbares Blutbad anria-ten. . ."
Zahlreich« Personen, die bisher sich nicht dervor. gewa t haben, machen jetzt, nachdem Hölz berhaftet ist, den Polizeibehörden Angaben über die näheren Um. stände, unter denen sie mit Hölz zusammen «troffen sind. ES ut zu hoffen, daß die Serbre.. en des Mord» brennet« bald ihre ge-echte Sühne finden tnö^en.
* „Kumpsbereitschost ist jctzt die Losung!" Die Berliner .Rote Fahne' bringt einen Aufruf mit der Ueber chriit: „81 soll werden?" ES beißt dann:
„Zaudert die deutsche Arbeiterschaft noch länger, so wnd sie statt der Geiseln Skorpionen zu fühle» be. kommen, so wird sie sich einem doppelt so starken Gegner gegenüber sehen, der geschloffenen Front der deutschen und Entent -Gegenrebolution. Ka npfbercit« schäft ist jetzt die Losung. Der nächste Feind ist die deutsche Dourgeoisie. Ist diese nieder eschka en, so wird da« deutsche Proletariat bet seinem Kamps gegen den lSntenteimperiah«mu8 die Proletarier aller Länder an feiner Seite finden. Bereit fein ist Alles."
Taß die Kommunisten tatsächlich einen neuen Putsch planen, geht unzweideutig auch aus einer Ent chließung hervor, die auf dem kommunistischen Bezitkepiiteiiag in Reumunster am 17. d. M. mit 74gegen 4 Stimmen gefaßt wurde. Darin deißl es u a.:
„Der Bezirksparteitag des Bezirks Stoff ertönte der D K P. D. begrüßt den Beschluß des ZentralauS- schuffes, festzuhalten an der revotutionaren Offensive, die der Märzattivn zugrunde liegt und mutig und sicher auf diesem Weg fortzu schreiten Er bet» pflichtet sich, alle Konflikte rasch und energisch zu steigern, die geeignet sind, die Mafien in Bewegung und Aktion bringen zu können, Teilaktionen aus wirtschaftlichen und potiilfchen Urfachen mit allen zweckdienlichen Mitteln zu entfachen, fte zu berfdjärfeu und zu verbreitern."
ES grenzt schon an Wahnsinn, wie diese Verbrecher am deuijcken Volke es wagen, ««geführte deutiche Ardener zum alleinigen Nutzen deS ruifischen Bolschewismus erneut in Blut und Tod zu Hetzen.
Deutscher Reichstag.
Nach einer fast vierwöchigen Osterpause trat der Reichstag am gestrigen Mittwoch zum ersten Male wieder zusammen. Zu Beginn der Sitzung gesenkt Prästdent Löse der Abstimmung in Oderschlesien. DaS Schicksal dieser deutschen Provinz tft noch nicht entschieden. Mit ’ilfiOlO gegen 471000 Stimmen, mit der Mehrhut seiner Gemeinden, mit Einstimmigkeit seiner Ltadie hat Oberschtesien für Deutschland gestimmt. Waren die gleid en Zahlen für Polen gefallen, so hätte die Enteilte keine» Augenblick mit ihrer Entscheidung gewartet. Dieselbe Geiechtigteit berian en rott für uns. In einer so uiihci.sdiwangeren Zeit soll man nicht neue nrifenherde schassen. Ooers.h.esten hat sich mit Mehrheit für DeutMand eutfchieoen, bei ihm mutz es auch bleiben.
Auf der Tagesordnung steht eine Interpellation der Unabhän igen über die auswärtige Lage. Ein Vertreter dcS AuSwarlnen Amtes erklärt, daß der
stijch wie ein fahles Leichentuch über den «infamen Grabern.
Michael kniet« nieder und zog Rofttta neben sich auf d«n Detfchrmel be» Kirchleins. „Dir wollen beten", sagte <r, „Beten für die Toten — und für die Lebenden, die tn dieser Nacht sterben. Herr, gib ihnen die ewige Ruh' — und das ewig« Licht — leuchte ihnen. — Laß sie ruhen in Frieden. —"
Er wartete vergeben» auf da» „Amen": es blieb Rositta in der Kehl« stecken. Ihr Begleiter war so fern» derbarl — Und bann die seltsam», Reden! — Sie fürchtete sich vor ihm. „Betel" herrschte er sie an.
„A — —.* Der Laut erstarb in einem Stöhnen.
„Amen!" sprach Michael laut und feierlich, daß es wie ein donnernder Rus durch die Stille drang. Und er riß sie empor, zog sie mit sich fort und sprach mit dumpfer, tiefer Stimme: „Der letzte Gang — durch Heimatberg' —."
Dann t'"fcs Schweigen. Nur das Knirschen der Schritte a* dem harten Gestern und bas Klirren bes Bergstockes klang burch die Nacht. Der Mond spreitete den beiden ein weißes Totenlaken auf den Weg, und die Sterne flimmerten wie Totenkerzen auf schwarzem Katafalk.
Rositta atmete schwer und blieb von Zeit zu Zeit stehen, um zu lauschen, ob der Pfiff des Murmeltieres nicht ertönte. Aber nichts rührte sich. Da stöhnte st« und flüfterte einen Namen — „Angelo! — Angelo Dr. netto, rette mich! — Bring mich zu meiner Mutter!" —
Endlich war bie Patzhöhe erreicht. Die Berge stiegen wie steinerne Riesen empor, ber Mond halt« sich hinter einer Wolke verborgen, und die Finsternis stand wie eine schwarze Mauer über den einsamen Höhen. Nur da, Kreuz, das Michael errichtet hatte, gläuztt durch bie Nacht wie ein Licht fn ber Finsternis, wie ein Wahrzeichen ber ewigen Liebe.
Michael Pattanta stieß den Bergstock tn bas Gestein und warf den Rucksack zu Boden.
Rositta schaute nach der Patzhöhe Mnflber, und ein Erschauern lief über ihren Leib. „Wo nur Angelo . bleibt?" 1
Außenminister die Jn.erpcllation sobald tote möglich beantworten werde.
Em Abkommen mit den alliierten Hauptmächten über die Festsetzung einiger Abschnitte der Grenzen be» Saargebiets wird in erster Lesung angenommen, nachdem die Abgg. Kore! (Sem.), h-imam,-Ludwigshafen (Sog.1 und Schultz - Bromberg (Dnat.) gegen die eimeitige Bevorzugung Frankreichs durch die sogen. Völkerbundsregierung, die systematisch auf die Französierung deS Saargeb,ets hinarbeiten, protestiert haben.
Dann begründet Abg. Dr.'Sosrnstlö <Unabh.) einen schleunigen Antrag auf Aushebung der anlatztich de« mitteldeutschen Putsche» erlafienen Au», nahmeverfügungen.
Iusttzminiiier he ttje widerlegt bie Annahme, al» seien die Annahmegerichte einem Rachegefühl entsprungen, schildert die Lage in Mitteldeutschland, die bie Regierung zu den Ausnahmebcrordnungen heran« loht habe und betont, datz so autzergewöhnliche Vor- < äuge nicht auf gewöhnlichem Wege erledigt werden konnten. Em Verfassungsbruch liegt nicht vor; denn § 48 der Verfassung ermächtigte den ReichSpräfidenten, Bedarfsfälle gewisse Gesetze abzuändern. Anderer- fette bittet er von allen Abänderungen deS Gesetzes Abstand zu nehmen. Die Gesundung des Volkes würde um so fchneller erfolgen, je mehr sich die Ueberzeugung Bahn breche, daß wieder Gerechtigkeit hertsche und der Set« brecher seiner raschen Strafe nicht entgehe.
Donnerstag: Weitecberatung.
Preußischer Landtag.
Dem Hause liegt ein Antrag vor auf Annahme eines Gesetzentwurfes über Bestellung von Mitgliedern bes Reichsrates burch bie Prooinzialverwaltungen, ber nach längerer Aussprache einem neu zu bilbenben Ber« fasfungsausfchutz von 29 Mitgliedern überwiesen wirb.
Es folgt die Beratung des Antrages Dr. ». Krause (D. 93p.) über die Zuteilung ber Restkreise von We st preußen zum Kommunalverband Ostpreußen» und bes weiteren Antrages, den Regierungsbezirk Marienwerder unter der Bezeichnung „Westpreußen" fort» bestehen zu lassen. Das Staatsministerium läßt sich mit der Tendenz ber Anträge einverstanden erklärens. Aus Preußen entfallen 26 Reichsratsmitglieder und jede ber 13 preußischen Provinzen hat einen Vertreter in ben Reichsrat zu entsenden. Dr. Preuß von den Demokraten hält es für einen Fehler, wenn die Glimmen ber Provinzen nicht nach ber Größe ber Provinzen abgestuft werden. Die Kommunisten lassen burch ben Mund ihres Abg. Schönbeck erklären, daß sie an bem Entwurf keinerlei Interesse haben unb im Ausschuß 6äuf bie Beseitigung de» Reichsrat» hinwirken werden. Das Haus quittiert diese Ankündigung mit allgemeiner Heiterkeit, während diese furchtbare Drohung den Unabhängigen Abz. Ludwig dazu veranlaßt, bei den Kommunisten voller Ironie anzufragen, welche Werkzeug« die Herren Kommunisten wohl in den Ausschuß mitbringen werden, um ben Reichsrat zu beseitigen. Die Mehrheitssozialisten plaidieren für Ausschußberatung. Der Zentrumsabg. Beyer-Oberschlesien stellt darum den Antrag auf Ueberweisung des Gesetzentwurfes an einen neueinzusetzenden Verfasjungsausschuß. Es wirb bem- gemäß beschlossen.
Hierauf werden eine Anzahl von Anträgen der deutschen Dolkspartei über bie Zuteilung der Restkreise van Westpreußen an den Derfafiungsausschuß gewiesen. Zu einer längeren Aussprache kommt es erst beim letzten Punkt ber Tagesordnung über den Antrag der Deutsch- nationalen, auf Aufhebung der Zwangsoe» wirtschaftung des Getreides. Damit waren verbunden zwei weitere deutschnational« Anträge auf Aufhebung der Zwangswirtschaft für Milch, Butter und Zucker und auf Aushebung der Berorbnung über Schrotmühlen. Die Begründung dieser Anträge lag beim Abg. Schlang e.Schöninger (bnt), ber in langen, vielfach von heftigem Widerspruch der sozialisti. schen Parteien begleiteten Ausführungen den Standpunkt seiner Freunde darlegte. Als erster Redner bekämpft Abg. Wittich (6.) die deutschnationalen Anträge.
Die weitere Aus.prache unterbricht Präsident L.i> nert durch die Verlesung eines Schreibens, in dem ÜJlu nifterpräfiöent Stegerwald erklärt, ihm sei zu Ohren ge> kommen, daß ei» Teil der bei der Wahl bes Ministerpräsidenten auf ihn gefallenen Stimmen „unter irrigen Voraussetzungen abgegeben worden sei. Um allen Borwürfen den Boden zu entziehen, wolle er deshalb durch
So leise auch das Wort gesprochen wurde, Michael hatte es doch gehört, und in seinen Augen flammte e» auf wie Gewitterleuchten. „Rositta Belmonte", sogt» er mtt dumpfer, schwerer Stimme, „tu jetzt alle irdischen Gedanken von Dir. Denk nur an Deine Sünb,* unb an Deine Straf, an Reu' und Buß', an Himmel und Hüll' — Rositta Belmonte — Du stehst vor Deinem Richter. —*
Sie zuckte zusammen wie unter einem Hammerschlag. „Du bist nicht mein Richter."
„Doch — Du bist mir im Sakrament der Ehe an« 'traut worden unb hast mir Treu' g'schworen bi» jum Tod. Aber Du hast Dein' Eidesschwur 'brachen und mich betrogen unb verraten. Deine Sund' schreit zum Himmel, Deine Straf' folgt' auf'n Fuß. Rositta Belmonte, Du Verräterin an meiner Ehr' und an meiner Heimat, Du Spionin und Eh'brecherin — Du mußt sterben."
Ein gellender Schrei klang durch die Stille ber Nacht unb weckte bas Echo ber Berge. „Nein, nein — nicht sterben!"
Doch unerbittlich klang es ihr entgegen: „Du mußt sterben! Deine Schuld ist so groß, daß sie ihre Straf finden muß. Rositta Belmonte — Dich erwartet da» Gericht." Er ritz den Rucksack auf, baß Hammer und Nägel klirrenb herausfielen.
Rositta starrte vor Entsetzen auf btefe schrecklichen Werkzeuge. „Was — was willst Du mir antun?" schrie sie in wahnsinniger Angst.
„Ich werde Dich ans Kreuz schlagen", erwiderte Michael mit furchtbarer Stimme. „Den Heiland in ber Schmiede hab' ich herauftragen unb ans Kreuz heften wollen, aber den brauch ich jetzt nit. — A wirÄ'uher Mensch, a Sünder wie die Schächer, soll am Kreuz hängen unb bluten und sterben. Rosi ta B lmoate, Du groß« Sünderin, Du sollst am Kreuze sterben. — Am Kreuz sollst Du Deine Schuld büßen, auf daß Deine Seele geläutert unb gereinigt wird unb in» Himmel, reich eingehen kann. — Rositta Belmonte, mach Dich zum Tod bereit. Mein Herz blutet, was meines Amte« ift Ich bin der Richter von Salon, bin ber Rächer meiner Ehre." (Forts, folgt)