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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.

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Leranlwonlich für den ceOamoneUen Teil: Marl Schütte. - für die Arteigen: 3. ParzeUer-Fuido. z Rotationsdrmt m. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Stern)preAer Nr. H. lelegr.-iüörelfe: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 20. April 1921.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Alt. ohne Zustellgebühr. In Fulda bet uns abgehalt 3,15 Bit Anzeigenpreis: Die Klein zelle idoloneimaß) 60 JJfgv u. 10°;e Zuschlag, die Reklamezeile (lepbreite) ILO Bit, u. 10% Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Lor vcm neuen Angebot.

In einer von Reuter verbreiteren halbamtlichen Londoner Meldung wird ausführlich über die bevor­stehende .Aktion Deutschlands" gesprochen. Im Ein­klänge mit einer bezüglichen Erklärung Briands wird eine „Vermittlung" abgel ehnt, aber recht kräf- tig betont, daß nach Ansicht der englischen Regierung die schwebende Frage unmittelbar zwischen Deutschland und den Alliierten erörtert werden müsse, und daß der erste Schritt von Deutschland erwartet werde.

Daraus spricht immerhin der Wunsch, daß Deutsch, land Loch noch neue Vorschläge machen möge. Man körmle denken: wen« die Gegner vollständig einig und von der Wirksamkeit ihres Zwangsverfahrens über­zeugt wären, so brauchten sie von neuen Borschlägen und von Verhandlungen mit Deutschland überhaupt nicht zu reden. Die neuen Vorschläge Deutschicmds, die man angeblich mich prüfen will, sind vorsichts­halber mit einer einschränkenden Klausel versehen. Lloyd George geht anscheinend nicht so weit, wie Bri- and, der die neuen Vorschläge überhaupt nur entgegen- nehmen will, wenn sie alsbald mit Garantien und Dürxschastett verschen sind. Doch werden in der Lon­doner Auslassung „vernünftige" Vorschläge geforden.

Was ist ein „vernünftiges" Angebot? Im Gedankengange der Machthaber, die in London die Konferenz scheitern ließen, würde wohl die Vernunft erst anfangen, wenn wir die 226 Milliarden glatt un­terschrieben. Rach unserer Ansicht wäre das aber un­vernünftig, da wir uns dann zu etwas verpflichten würden, was wir nicht leisten können, so daß bei der ersten Feststellung der Unmöglichkeit doch die Ge- walimaßrogeln in Kraft treten würden. Ariderrrfeits erscheint uns die Politik der Gegner nicht als ver­nünftig, da sie von Deutschland die höchsten Leistungen fordern und zugleich die Leistungsfähigkeit Deutsch­lands durch die Besetzung des Ruhrgebiets, die Auftei­lung von Oberschlesien, den Raub des letzten Gold- restes unserer Reichsbank usw. bis auf den Nullpunkt herabdrücken wollen.

Sinn und Verstand kann matt in diesem Vorgehen nur entdecken, wenn man annimmt, daß der eigent­liche Zweck nicht die Erpressmrg von Geld ist, sondern die Vernichtung Deutschlands.

Die deutsche Industrie zu ruinieren, dm deutschen Handel zum Stillstand zu bringen, Deutschland zu eimm notleidenden Agrarstaat herabzudrücken und Milllonen über Millionen von Deutschen zum Ver- hungern oder zur Auswanderung zu nötige«, — das ist ein Zweck, zu dem die geplanten Mittel tauglich er­scheinen. Wir verhehlen uns nicht, daß Foch, Poin- eare und ihre rücksichtslosen Genossen solche „huma­nen" Absichten haben. Die Frage ist nur, ob L l o y d George auch für dieses Dernichtungswerk gewon­nen ist und England sich beteiligen will an dem Todes­stoß gegen den mrbeguAnen Wettbewerber Deutsch­land. In dieser Hinsicht ist bemerkenswert eine De­batte im englischen Unterhause vom 19. April, über die wie folgt berichtet wird:

Abg. Kenwothy richtete die Frage an Lloyd George, ob seine Aufmerksamkeit auf die Erklärungen Briands im Senate gerichtet wurde, wo der fran- zöflsche Mmisterpräsident sagte daß nach dem 1. Mai Frankreich gegen Deutschland Gewaltmatz, nahmen in Anwendung bringen werde, ob englische Truppen an dieser neuen „Demonstration" teilnehmen werden, ob die Alliierten sich noch vor dem 1. Mai zu­sammenfinden würden, und endlich, ob die deutsche Re- gierung in der Reparationsfrage neue Vorschläge gemacht habe. Lloyd George antwortete, die deutsche Regierung sei ihren Verpflichtungen bezüglich der Ent­schädigungen, der Aburteilung der wegen Berstötze ge- gen die Gesetze des Krieges beschuldigten Personen und der Entwaffnung immer noch nicht nachgekommen Sie habe bisher keinerlei praktische Vorschläge zur Durch­führung des Vertrages von Versailles mit Bezug auf diese Frage vorgebracht. Unter diesen Umständen sei es gebieterische Notwendigkeit, datz die Alliierten berieten.

Der König der Dolomiten.

Bolter oman von Felix Rabor.

87] ---------

»Was geht mich Dein Haß an! Ich verachte Dich!" Dieses Wort, aus dem all fein Abscheu und sein Ekel über ihre gemeine Tat sprachen, traf sie wie ein Peit­schenschlag. Ihre Augen funkelten vor Zorn wie die Lugen einer wilden Katze.

»Ich zerreiße das Band zwischen uns," rief sie in «frer ohnmächtigen Wut, zog den Trauring vom Finger vnd warf ihn Michael vor die Füße. „Ich sag mich los von Euch allen und geh zu meiner Mutter. Angelo wollte mit geleiten — das ist mein ganzes Verbrechen."

»Und die Irredenta? ... Und der Brief an Deine Slutter, der Verrat an mir und an unferm Kind — n's? - - . Du Heuchlerin! Dein ganz' Leben ist a oanjige Lüg', jed's Wort von Dir ist Falsch­heit. Aber wart, ich mill Dir die Giftzähn' ausbrechan. Heut will ich G'richt halten über Dich!"

„Du? höhnte sie. „Was gehen mich Eure Gerichte und Gesetze an? Ich bin eine Italienerin bis Ins Herz hinein und frage nichts nach den Deutschen. Ich hasie Euch bis in den Tod. Darum mache ich mich frei und gehe zu meiner Mutier und den mTinen -*

-Geh — ich halt Dich nit!" sagte er mit mühsam be­herrschter Ruhe „Rur den Weg schreib ich Dir vor: fiber'n Patz beim Firnkreuz —"

। „Ich find ihn auch ohne Dich —"

.Wollen seh'n. Komm!"

»Wohin?"

„Zu Dein' Kind . . . Abschied nehmen."

Sie erbebte vom Kopf bis zu den Füßen. „Ich will las Kind nicht sehen."

„Du muht ... Ich besehi's. Ich - Del' Richter!"

Sie ergriff die gefüllte Tasche, die neben ihr stand, um sie mit sich zu nehmen, aber Michael riß sie ihr zornig aus der Hand und prüfte den Inhalt. „Diebin!" °uhr er sie an. „Bestohl'n hast mich a noch. Er schüt­zte den Inhalt in den Schrank und warf ihr die leere Lasche vor die Füße. „Jetzt fort — »u'n Büßgang. Da

was zu tun sei. um die Erfüllung des Friedens- Vertrages zu erzwingen.

Abg. Wedgwood fragte darauf, ob die Ansicht des Unterhauses eingeholt werden würde, bevor irgend eine endgültige Zustimmung Großbritanniens zur Besetzung weiteren deutschen Gebietes erteilt werde. Lloyd George erwiderte, das Unterhaus könne die (Erörterung zu jeder gewünschten Zeit haben. Auf eine neuerliche Anfrage, ob neue Beratungen zwischen den Alliierten noch vor dem 1. Mai stattfinden würden, antwortete der Ministerpräsident, er zweifle keinen Augenblick daran, daß ein Gedankenaustausch vor diesem Zeitpunkt zwi­schen den alliierten Regierungen stattfinden werde.

Rach verschiedenen weiteren Fragen der Abgeordne- ten erklärte Lloyd George zum Schluß: Wir werden handeln in der Voraussetzung, daß das britische Volk die Erfüllung des Vertrages von Versailles erzwungen sehen will.

Wenn trotzdem noch vor dem 1. Mai Briand und Lloyd George sich die Strapazen einer Reise auferlegcn — sie wollen angeblich am 23. Avril in Limpney zusammentroffen — so scheint doch über den Aktionsplan noch keine volle Uebereinstim- nmng erzielt worden zu fein.

Von England her wird ferner angekündlgt, daß eine Verhandlung der Alliierten sobald wie möglich nach dem 1. Mai notwendig sein werde; Ort und Zeitpunkt müßten noch festgestellt werden. Das soll also eine richtige Konferenz sein unter Beteiligung der Italiener, vermutlich auch der Japaner und selbst­verständlich auch unter Teilnahme der belgischen Schlep­penträger Frankreichs. Es berührt sonderbar, daß dieser feierliche Veranstaltung verschoben wird, bis durch den Vorstoß in Deutschland bereits eine vollen- dete Tatsache geschaffen ist, die von Briand und Lloyd George allein in Gang gebracht wird.

Dürfen wir noch auf einen Sieg der Vernunft oder wenigstens der Menschlichkeit rechnen, ehe das Unheil in Gang kommt? Oder muß Deutschland sich darauf gefaßt machen, daß erst feine Todesqualen den besseren Elementen auf der Gegenseite die Augen öffnen.

yardlng als Vermittler bereft.

Der „Newyork Herold" berichtet: Im Scnatsaus- schuß teilte Hughes mit, daß der Präsident der Ber­einigten Staaten zur Vermittlung bereit fei, jedoch erst nach Wiederherstellung des Friedens- zu stand es mit Deutschland.

Der „Erfolg" der gyprozentige« Abgabe In England.

Der 50Prozentige Abzug von der deutschen Einfuhr in Enoland hat in den ersten neun Tagen nach der amtlichen Statistik nur 81 Pfund Sterling ein- gebracht, van welcher Summe noch die Kosten der Erhebung abzuziehen sind. Verschiedene Blätter bemer» ken, dieses Ergebnis redjtfertige vollkommen die Zweifel des Grasen Sforzo an dem Ergebnis der Konferenz von London, als er auf die Unmöglichkeit eines prak­tischen Erfolges dieser wirtschaftlichen Strafmatzregeln verwies.

Katzenjammer in englischen Handelskreisen.

„Daily NewS" stellt fest, daß immer mehr Klagen aus allen Handelskreisen über die Einführung der Sv. v-H-Abgabe einpehen. Die Schiffsreeder sagen, daß der Handelsverkehr über die Nordsee fast ganz auf gehört hat und die SchiffSindustrie, die sich ohnehin schon in einer ungünstigen Lage befindet, jetzt noch mehr gu leiden hat. Am Schlutz des Blattes heitzt eS: „Der Handel zwischen Deutschland und England belebte sich vor einiger Zeit aufs neue. Nun ist alles wieder stillgelegt. Wir machen uns zum Gegenstand des Gelächters von ganz Europa."

Beamtenversklavung im Rheinland.

Das Mainzer Entente-Blatt .Echo du Rhin' be­hauptet, daß in letzter Zeit mehrfach von Berlin Anweisungen für die Versetzung von Beamten ans dem Rheinland ergangen seien, die von den Alliieiten mit der Regelung der neuen Z ollli n te beauftragt gewesen seien. Die Rheinlanbkommnsion Hobe daher eine außergewöhnliche Vorsichtsmaß' egel

brauchst könne Ring und Goldspangen, könne güldne Kettlein und Korallen, 'n Rosenkranz, ja . . Beten und büßen sollst."

Sie lachte „Ich — beten und büßen? In Ewig- feit nicht."

-Wirst's schon noch lernen. Komm!" Er faßte ihre Hand mit hartem Griff und sühtte sie zum Veilchen des Knaben.

„Knie nieder!" gebot er ihr. „Bitt' bös unschuldig Blut um Verzeihung, weil Du's verraten hast."

Rosittn schüttelte trotzig den Kops. „Ich bereue nichts," zischte sie durch die zusammengebisienen Zähne.

Er schaute sie mit einem Blick des Grauens an. „Du b'st nit Weib und bist nit Tier," sagte er voll Abscheu. .21 Satan bist. Du hast koa Herz im Leib, sonst täfs Dich des armen Kindes erbarmen, dem Du's Leben g'schenkt hast. Sogar dös liebe G'sichtel von Dein eig. nen Kind tut Dich nit rühren, Du hast koan Funken Lieb in ber Brust. Mir graut vor Dir, Teuf'lin So verstockt wie Du gibt’s koa Weib mehr auf der ganzen Welt. Drum soll Dich auch die schwerste Straf treffen, wo's gibt. Und roenn’s Dich a bann no nit aufrüttelt! und wenn Dich a bann no nit b' Reu schüttelt wie der Sturm an Baum, nachher bist ewig verloren und ver­dammt —"

„Ach," sagte sie hochmütig, „verschon mich mit Deiner frommen Moral. Das verfängt bei mir nicht."

Er gab keine Antwort In stummem Jammer beugte er sich über den schlummernden Knaben, machte ihm bas Kreuz auf Stirne, Mund und Brust und küßte ihn. „Leb wohl, mei' Bub! . . . Und Gott mit Dir!"

Rosittcs Hand umklammernd, ging er mit ihr hin- aus und führte sie in die Schimede. Dort lehnte, in starke Holzrahmen verschalt, ein eiserner Heiland, den Michael im letzten Winter geschmiedet hatte. „Der mag nun hier bleiben und die Schmiede b'hüten," sagte er. „Ich hab' ihn zum Firnkr-uz hinaustragen und droben anhesten rooll’n, aber jetzt ist's nit mehr nötig.“

,.vi, warum denn nicht?" fragte sie neugierig

Wirst's seh'n. Komm!"

-■t: schnallte sich einen schweren Rucksack über die 6*ul:ern und ergriff den Bergstock, .So — jetzt mnll’n

ergriffen. In Zukunft werden keine Mitglie­der der deutschen Zollverwaltung ihren jetzigen Amtssitz ohne die besondere Genehmi­gung der Oberalliierten Kontrollbehörde ver­lassen dürfen, ohne sich strengen Strafen und Ver­weisung vor das Kriegsgericht auszusetzen.

Die deutsche Regierung Hal bereits in ihrer gestrigen Note in schärsster Form gegen die zwangs- weise Heranziehung deutscher Beamten piotestiert. Die neue Anordnung enthält einen derartigen Ein­griff in die persönliche Freiheit deutscher Beamten, daß man ohne einen zu starken Ausdruck zu gebrauchen, von Versklavung sprechen kann

Polnische Truppenverstärkungen.

Halbamtlich wird darauf hingewiesen, daß Polen seit Beginn diese? JahreS noch die Jahrgänge &6, 97, 98, 99 und 1900 unter den Fahnen hat. Von diesen fünf Jahrgängen sollten frinloS Anfang April sämtliche Infanteristen des Jahrgangs 83 sowie die­jenigen Infanteristen der Jahrgänge 97 und 98, die am 21. März länger als zwei Jahre dienten, entlassen werden.

Nach inzwischen eingegangcner Weisung des polnischen Kriegsministeriums soll dieser Beseh! auf die Bezirke Posen und Krakau neuerdings keine An­wendung finden. Demnach werden die gegenüber Schlesien bereitgestellteu polnischen Truppen nicht verringert. Sie sind sogar gegenüber dem Stand von Mitte März dadurch wesentlich verstärkt worden, daß der zwei Tage vor der Abstimmung in Ober- schlesien zu einer vierzehntägigen „Uebung" einge­zogene Jahrgang 1901 noch nicht wieder entlassen worden ist. — Polen befindet sich seit der Rati­fikation des Versailler Vertrages mit Deutschland im Friedenszuüaud. Mit Rußland har es am 18. März 1921 Frieden geschlossen. Gegen wen unterhält Polen die starke Truppenmacht?

Die Beisetzung der Kaiserin.

Die Ankunft in Wildpark.

Der Zug, der den Leichnam der verewigten Kaise­rin in die Heimat brachte, fuhr genau zur festgesetzten Zeit, Montag 10 Uhr 45 Mitt, abends, langsam in die Halle ein. Zuvor waren Prinz August Wilhelm sowie Prinz und Prtnzessin Eitel Friedrich auf der Fürltenstaliem Wildpark eingetrosfen. Der Sonder- wagen, in dem sich der Sarg befand, hielt unmittelbar vor dem Portal des Bahnsteigs, das von Lorbeerbäu­men und Palmen flankiert und mit umflorten Krän­zen und Girlanden geschmückt war.

Dem Salonwagen des Hofzuges entstieg als erster Prinz Oskar, der seine G schwister ernst begrüßte. Dann bestiegen ^ring und Prinzessin Eitel Friedrich, die Prinzen August Wil Helm und Oskar den Zug, um am Sarge ihrer Mutter im Gebet zu verweilen. Nach­dem die Fürstlichkeiten den Bahnstsig verlaffen hatten, übernahmen Offiziere der Pasewalker Kürassiere die Ehrenwache an der Leiche. Der Sarg verblieb die Nacht über im Zuge.

Der Trauerzug.

Am Dienstag stüh kurz nach 9 Uhr fuhr der Lei- chemvogen vor, bespannt mit vier Rappen. Der mit rotem Plüsch beschlagene Sarg, der ringsum schwere goldbronzene Griffe trägt, wurde von Offizieren der beiden Regimenter der verstorbenen Kaiserin, dem Pasewalker Kürassi.r-Regiment und dem Infanterie- Regiment „Königin", nach dem Leichenwagen Ge­tragen. Dann wurde er auf den könialichen Leichen- wagen gesetzt und mit einem violetten Tuch bedeckt, das auf allen Seiten das Wappen der Hohenzollern zeigte.

Vorweg schritt mit dem Oberhofprediger Dr. von Dryander an der Spitze die Geistlichkeit von Potsdam. Daim folgten die Offiziere der Regimenter der Kaife-

mir unfern Kreuzweg antrefn . . . Ich trag den schwe- ren Sack — unb Du trägst Sei’ Sünbenpackerl zum Kreuz hinauf. Wer trägt ba wohl schwerer von uns zwoa?"

»Dumme Frage!" gab sie giftig zurück. „Mich wun- bert es nur, baß Du mich begleiten willst."

„Freilich begleit' ich Dich. Bis zur Grenz — nachher bist Du frei. Komm!"

Mit eisernem Griff umklammerte er ihre Hand, ver­ließ mit ihr die Sdjmiebe unb stieg in die Berge.

17.

Der Tag ging zur Rüste. Die Sonne stieg in Rosen, «luten hinab in ihr ewiges Reich — unb noch immer stiegen Michael Pallanta unb fein junges Weib berqan. Der finsterblickenbe Mann sprach kein Wort. Rositta, bie heimlich über ihn gekocht hatte, erschauerte, unb die­ses Schweigen mürbe ihr unheimlich. „Was hat er nur vor?" bachte sie.

Plötzlich blieb Michael stehen unb beutete hinab ins Tal, bas, vom Sonnenglanze märchenhaft umsponnen, wie ein Königskinb in Gold unb Purpur gehüllt, zwi- fchen den Bergen gebettet tag. Von bes Himmels Son­nenfeuer bestrahlt, von Rosen unb Reben umsponnen, vom Duft ber Blüten burchhaucht, von ben eisgepanjT« ten Bergen ber Dolomiten bewacht, ruhte es friedvoll im Abendsonnenschein. Weiße Rauchwölkchen stiegen wie silberne Säulen über ben schwarzen Dächern unb ben grünen Batimroipfeln empor wie stiller Opferrauch von heiligen Altären.

„Sieh," sagte Michael mit (eifer bebender Stimme, „bös ist mir bie Heimat, 's liebste auf der Welt nach Weib unb Kinb. Ist's nit a Paradies? Unb bös Para, bies hab i Dir g'schenkt und met Herz dazu unb all mei Lieb. A Heimat hab ich Dir geben moll'n, a Heimat an mein' Herzen — 's Beste auf der Welt. Aber Du hast b’ Heimat unb a treues Herz verraten. Sag, was für r Straf hast Du bafür verdient?"

„Die Freiheit!" lachte sie übermütig. Je näher sie der Paßhöhe kamen, um so mehr wuchs ihr Mut. Sie meinte, es müßten ihr auf ben sichten Höhen Schwingen wachsen wie bem Vogel, ber hoch oben 'N blauer Luft nach Süden *ich‘

rin. Unmittelbar vor bem Leichenwagen wurde das Kiffen mit den preußischen Orden der Kaiserin getra­gen, hinter dem Leichenwagen ein Kranz Marschall- Niel-Rosen, der letzte Gruß des Kaisers. Hinter dem Sarg schritt Prinz Eitel Friedrich und neben ihm die Kronprinzessin. Dann folgten die Prinzen Adalbert, Oskar und August Wilhelm, denen sich die anderen Fürstlichkeiten anschlossen.' An der Spitze der weiteren Trauergöste schritten Generalfeldmarschall Hindenburg mit General Ludendorff unb Großadmiral o. Tirpitz. Die Generäle v. Gollwitz, v. Heeringen, o. Kluck, v. Mackensen und viel« andere Heerführer des letzten Krieges folgten dahinter. Darauf kam wieder eine Ab­ordnung der Geistlichkeit, der sich in langen Zügen die Hofbeamten und Beamten der Ministerien anschlossen. In langsamem Schritt, ohne jede Trauermusik, be­wegte sich d:r Zug vorwärts. Die Fahnen der vielen Vereine senkten sich zum letzten Gruß, alle entblößten die Häupter, unb in stummem Schweigen wurde die Kaiserin auf ihrer letzten Fahrt von den vielen Tau- senden begrüßt, die ihr zu Ehren nach Potsdam ge­kommen waren.

Die Beisetzung.

Dor dem Zugang zum Mausoleum Halle sich eine Ehrenwache der Kaiserin von Offizieren in Uniform eingefundcn. Sobald die Leiche im Tempel ausge­bahrt war, betraten die Kronprinzessin, die Prinzer und die anderen FürstlichSeiten das Innere des Tem­pels, denen einige der nächsten Angehörigen und dei im Zuge befindlichen Heerführer folgten. Währen! der Feier im Mausoleum wehte über dem Sarge di« gelbe Kaiserstandarte. Oberhofprediger Dr. v. Dryan­der und Hofprediger Dr. Vogel nahmen die Einseg. ming vor. Die Feier wurde mit dem Choral „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" eröffnet; dazu wurde im Sopran gesungen der Choral „Christus, der ist mein Leben". Darauf stimmte die Gemeinde den Choral an: „Jesus, meine Zuversicht". Ein kurzes Gebet urtb rin; kleine Rede des Oberhofpredigers folgten und nach dem Segen schloß der Domchor die Feier mit dem Choral: „Es ist ein Ruhetag vorhanden, da uns Gott wird lösen".

wtb Poksdam. 19. April. Prinz E i t e l F r i c d- rich erläßt im Namen dss früheren Kaisers eine Kundgebung, in der er allen denen, die ihre Mit­tmuer an dem Verlust bezeugt haben, der das frühen königlich; Haus getroffen hat, tief empfundenen Boni übermittelt. Es heißt darin: „Wir schöpfen hieran- Trost unb hoffen, daß das vorbildliche Wesen diese« treuen deutschen Frau, die als ßanbesmutter allen mit der gleichen nie versagenden Liebe, die ihre eigenen Kinder umfaßt hat, entgegenkam, unb niemals in ihrem felsenfesten Gottvertrauett, nie in ihrer heißen Lieb« zur Heimat irre geworden ist, nicht nur in den Herzen ihnm nächsten Angehöriger!, sondern auch in denen vieler anderer Deutschen fortleben wirb."

rotb Danzig, 19. April. Die heutige Sitzung der Senats wurde vom Prösibcnten Sahm mit einet Trauerkunbgebung für die ehemalige Kaiserin eröffnet. Er sagte u. a. Die Verstorbene ist für uni bas Sinnbild einer deutschen Frau und Mutter gerne- fen. Wie bie ehemalige Kaiserin sich stets ber Politi! ferngehalten hat, so entspricht auch unsere Tranerbezeu- gung rein menschlichem Mitgefühl. Solche Empsindun- gen wirb jeder Mann ehren müssen. Dem wollte uni mußte ich heute Ausdruck geben, um inllebereinftimmung zu bleiben mit bem, was noch ungezählte Bürger unb Bürgerinnen unseres Staates heute empfinden. Wü werden in Treue dieser edlen Frau stets gebenfen'

Preußischer Landtag.

Eine so kurze Sitzung, wie die DienStaa-Sihung deS preußischen Landtages gehört im deutschen Paria- mentSIcben sicherlich zu ben großen Seltenheiten. Di« Sozialisten hatten es sich mm einmal in ben Kopf ge. setzt, gerade an diesem DienStaa, ba er der Beerbigun,iS. tat, ber ehemaligen deutschen Kaiserin war, auf feinen Fall zu feiern, obwohl eine eigentlich wichtige Materie nicht Vortag unb ein Zusarnmerttretm bei

Michael sah sie finster an unb schritt schweigend weiter.

Der Abend sank. Die Berge glühten wie golden» Altäre, wie mächtige Erzblöcke in Feuersgluten. Au« ihrem Schoße brachen silberne Ströme und stürzten sich in sprühenden Kaskaden über flimmernde Gletscher uni dunkle Latschenfelder in schwarze Abgründe unb Schluch­ten, in denen schon die Nacht wie ein drohendes Unge» tüm lauerte.

Der graue McrntÄ der Dämmerung (egte sich weich um die Schultern der Berggeister, und die heiligsten Wunder der Bergwelt umfingen sie wie ein Märchen, träum.

UcberaH Stille unb heiliges Schweigen. Durch Mi. chaeis Seele ging ein tiefes Erschauern wie in der Näh« Gottes beim Wehen feines Atems — an Rosittas ver- berbter Seele gingen bie heiligen Wunder spurlos vor. über. Ihr Herz war auch solch ein Abgrund, in dem Nebel brauten und Finsternis rote Natterngezücht niftete Kein Heller, reiner Funke sprang aus der dunklen Tiefe empor, kein Sternlein blitzte über dem Abgrund.

Auf den goldenen Höhen erloschen die heiligen Berg, feuer, violette Schieier, goldumsäumt, mit Silber durch» wirkt, mit blitzenden Sternchen besät, hüllten bie Kö- nigshäupter ein. ©eibene Äönigsbmben mit flattern- ben Purpurbänbem schlangen sich um ihre steinernen Stirnen — bis plötzlich alle Farben verblaßten unb alle Schönheit zerfloß wie ein grauer Nebelrauch im Dunkel ber Nacht

Nur ein einziger Gipfel glüht, noch unb loderte roh» eine hochgeschwungen, rote Fackel zum dunklen Himmel empor.

„Der selbige Berg ist König Saurins Rosengarten", sagte Michael. „Wenn alle anderen Berg’ schon ver­glüht sind, keuchtet ber Rosengarten noch Dann zieht König Saurin durch fein Reich, schwingt die Fackel und jucht seine verlorene Ehr —"

„Was geht mich König Saurin an?" fragte Rositta spöttisch.

»Leicht mehr als D' glaubst," antwortete Micha»» und erzählte im Bergaufwärtssteigen die Sage von Könw Saurins Glück -mh Schande, (Forts, fj