Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 85.
Beranuvoriitch für bin iroauumelten Teck: Star I Schütte. - für du Xln»eigen: I. Parze, ler-Fulda. ~ gtotattonsörud tt Cerlag Der tfulbaer lilctienörjcferei in Fulda, temipredw Rr. U. Te!eqr.«2IDreffe: Qu I Öaer Zeitung
Donnerstag, l4. KprN 192L
Bezugspreis: MonatlichZ.VU All. von« Zuftellgebühk. Jn Fu.Da bet ansabgeholt 3,15 LU. Anzeigenpreis : Die St I e i n ne i le (ioionelmaB) 60 pig» u. 10° • juKblag, Die Sief I a me je 11e (Teilbrette' 1.80 2HL, u. IO*1'» Zujchlag. Lei Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
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HardlngS Botschaft an de« Kongreß.
Die Botschaft des Präsidenten Harding, die anläß- sch der außerordentlichen Tagung des neuen Kongresse» im Kapitol zu Washington verlesen wurde, per- langt sofortigen Friedensschluß mit Deutschland, verwirft dagegen den Beitritt zum Völkerbund. In Beziehung auf den Friedensschluß mit Deutschland erklärt Harding:
,8öein von allen Verbündeten halten die Vereinigten Staaten Den theoretischen Kriegszustand aufrecht. Man wird eine Fortdauer dieses anormalen Zustandes nicht dulden können. Um Den FrleDensznstanD ohne ®er3Ufl herzusteüen. hin ich geneigt, ehre von dem Kongreß in diesem Sinne angenommene Resolution zu düngen, vorausgesetzt, daß Die Resolution besondere Best unmutigen enthält, Die alle unsere Rechte magren.*
In Beziehung auf die Politik, die die Bereinigten Staaten gegenüber Europa beobachten werden, wünscht fcer Präsident nicht, daß der Friedensrefolution eine Erklärung angeschlossen werde, die die künftige Politik seine» Lande» in dieser Hinsicht fest- legt.
.Es würde unklug fein*, tagt er, „eine Darlegung Eher die zukünftige Politik mit Bezug auf europäische 8In- «Wesenheiten in einer solchen Erklärung Des Friedenszu- M"des zu machen. Wir würden sonst bei der Verbcsie- rang der Fehler der vollzledenden Gewalt, m« bei dem Abschluß des wichtigsten Vertrage» in der Geschichte der Nationen die festgesetzten Befuamsse de» Senats nicht anerkannte, — was ebenso verwerflich ist, — in Da» andere Extrem übergehen, wenn Der Kongreß ober der Senat die Funktionen Der vollziehenden Gewalt an sich nehmen würde.*
Harding läßt dann weiter aber kein Zweifel, daß Amerika in der Entschädigungsfrage und der Schuld- frage den Standpunkt der Entente teilt:
„Die Entschließimg de» Kongreße» zugunsten eines etanöerfriebens Darf kein« Schwierigkeiten bieten bei der Ausführung gerechter Reparationen und des Wiederauf, dous, nach dem sich ganz Europa sehnt. Unsere Haltung bezüglich der Benmcwortllchkeit für den Krieg und der Notwendigkeit gerechter Reparationen ist schon formell auf das ernsteste zum Knebrudf gebracht worden.*
Sehr scharfe Worte gebraucht Präsident Harding gegenüber dem Völkerbund in seiner jetzigen Verfassung. Er sagte:
Die Republik Der Bereinigten Staaten wM nichts mit dem Völkerbund zu tun haben, fo mit er gegenwärtig existiert. Cs ist nicht möolich, hierüber irgend ernen Zweifel bestehen zu lass«!!. Wir werden kn br. Verlaufe Der letzten Wahlen klar ausgedrüSien Willen des amerikanischen Volke, nicht verraten. Indem wir den Pakt des Völkerbundes ablehnen, geben wir keines» weg, unsere Hoffmmg und unser Ziel auf, eine Vereinigung Der Stationen zu gründen, um den Frieden zu fördern, und zu der wir gern unseren Beitritt erklären werden.*
Eh« eine solche Derrinsgimg aber geschaffen werden kötme, müße in der Welt zunächst erst einmal Frieden herrschen. Harding kündigte an, daß er Me Frage dieser Vereinigung der Völker noch eingehender studieren und dann später ihre Ziele vor der Oeffentlichkeit skizzieren werd«.
Bemerkenswert sind dann die folgenden Sätze der Baischaft:
Amerika hab« feine Verpflichtungen bei der Schaffung Der Ruhe in Europa Diese Her- pellung müsse bewirkt werden, bevor der menschliche Fort- schritt wieder einsetzen könnte. „Hilfsbereitschaft bedeutet jedoch nicht Verwicklung, Teilnahme an wirt- fchaftlichen Anordnungen, bedeutet nicht eine Bürg- fchost für Vertragsverpflichtungen, Die uns nicht betreffen, «mb an Denen wir keinen Anteil haben.*
Auch über di« A b r ü st u n g e n äußerte sich Har- ding und erklärte, daß er völlig mit dem allgemeinen Wunsche übereinstimme, die schwere Bürde der Rüstungen verschwinden zu sehen. Die vereinigten Staaten sind bereit, mit den anderen Nationen in diesem Sinn« zusammenzuarbeiten, aber Me
Der König der Dolomiten«
Volksroman von Felix Nabor.
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Aber kaum hatten sie es beendet, so waren sie um- ringt, und es gab Püffe und Stoße von allen Selten. »Wartet, ent wollen wir Den dummen Bauer geben I* erklang es zornig. „Enk wollen wir den Spotteufel austreib'n! Habt'» nächtlang gezecht und 'tanzt und untre Dub'n verführen wollen — und jetzt a no Spott nnb o Nas'n dreh'n? Da seid's ouf'n Holzweg, Ihr zwoa welsch, Nachtigall'n. Enk woll'n wir den Schnabel stopf'n. Wer woaß, ob's Ihr zwoa nit mitgcholfen habt, den dicken Weinhändler umzubringen —*
2)ie beiden Mädchen schrieen vor Entsetzen auf. „Stein g wiß nicht, auf Ehr und Seligkeit!*
, ®an Staubte ihnen nicht. Sie hatten ja längst keine re mehr, und der Dolksmiwille wollte ein Opfer haben. Zwanzig Fäuste griffen zu, um Die beiden ausgewachsenen Disteln vor den Richter zu bringen.
Auf bem Wege zum Gemeindehaus begegnete der Zug der jungen Frau des Schmiedes. Kaum waren die Schara-Töchter oer jungen Italienerin ansichtig geworden, so fuhren sie rote sauch-nde Katzen auf sie los und kreischten: „Die Welsche war auch in Der lauern -um Tanz. Die ganze Nacht hat sie mit Motta gezecht und getanzt. Wein und Sekt hat's da gegeben bis zum Morgen. Warum pack: Ihr die nicht?*
Rosttta erblaßte, als sie ihr Geheimnis |0 plötzlich vor dem ganzen Dorfe enthüllt sah und suchte zu ent- kommen. Aber es war schon zu spät zur Flucht. Sie wurde umringt und festgehalten „Es is a Schänd und a Schmach für a verheiratete Frau, daß sie zum Danze geht ... A Skandals ist s! Pfui, Wa'.ische, pfui! Steinigen sollt man dös welsche Luder! Pfui, piutl* Alle riefen zornig duich-inander, und dni’q« hoben sogar Steine auf, um ihren Werten die Tat so,- gen zu lasten. Der lange zurückgehaltene Haß brach wie eine wilde, zornige Woge aus ihnen hervor.
Rosiltas Trotz erwachte beim Anblick der schreienden Dorfleute Ihr Blut bäumte sich auf gegen Das deutsche
einfachste Klugheit verhindere sie, die ersten und einzigen zu sein, die abrüsten.
Der größte Teil der Botschaft umfaßt Erörterungen, die sich mit innerpolitischen Fragen der Vereinigten Staaten beschäftigen.
In der Botschaft sind besonders zwei Punkte beachtenswert.
Erstens spricht sich Harding sehr entschieden g e - gen den Zusatz aus, den der Senator Knox seiner Friedensresolution anfügsn wollte. Der Zusatz sollte bekanntlich in einer höflichen Form die Verantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg u. die Entschädigungspflicht aussprechen und außerdem die Klausel enthalten, daß Amerika verpflichtet sei, „im Falle neuer kriegerischer Verwickelungen in Europa zum Schutze der europäischen Zivilisation* mitzuwirken. Von unsrem Standpunkt haben wir diesem Anhängsel keinen bedeutenden realpolitischen Wert beigelegt, unsere Gr- atzpflicht ist ja doch durch den Versailler Vertrag schon festgelegt worden und eine Bedrohung des europäischen Friedens ist durch Deutschlan- nicht zu befürchten. Die Franzosen betrachteten den angekündstgten Zusatz als eine Errungenschaft ihres Sondergesandten Viviani, weil sie darin eine feierliche Billigung ihrer Begehrlichkeit, eine Unterstützung ihrer Gewaltpolitik und eine weitere Bedrohung Deutschlands erblickten. Wenn nun der Präsident Harding von diesem Zusatz nichts wissen will, so ist das eine Enttäuschung für bie Franzosen, und vielleicht hat die Voraussicht dieser Wendung mit dazu beigetragen, daß in Frankreich plötzlich die wutschnaubende Beredtsamkeit und da» Säbelgeraffel in der Kammer wieder in so hohen Schwung gekommen ist.
Andererseits darf man aus dem Widerspruch des Präsidenten keineswegs folgern, daß er für Deutschland Partei ergreife. Er begründet feinen Widerspruch mit der Erwägung, daß die Vereinigten Staaten sich in ihrer Weltpolitik nicht unnötigerweise sestlegen und der Senat in die Betve- gungsfteihest der Exekmion nicht eingreifen solle. Er will sich freie Hand wahren. Zur Sache felbft spricht er in anberen Wendungen deutlich genug aus, daß er bie Haftbarkeit Deutschland» nach dem Versailler Vertrag anerkennt, wie er uns das ja auch unmittelbar gesagt hat in der Antwort auf unser Memorandum. Dabei darf jedoch der Zusatz nicht ver- geben werden: bi» zur Grenze der Leistungsfähig.
Der zweite und für uns wichtigste Punkt in der Botschaft ist die Erklärung, daß Nordamerika zwar die Einmischung in die europäischen Streitigkeiten ab- lehnt, aber doch in vorsichtiger Form seine Hilfe für Europa in Aussicht stellt. Wir wiederholen hier den entscheidenden Satz:
.Hilfsbereitschaft bedeutet nicht Verwicklung und Teilnahme an wirtschaftlichen Vlnoibnuncien, bebcutei nicht eine Bürgschaft für 8*erttaij6öerpflid). tungen. Die un3 nicht betreffen und an Denen wir feinen Anteil haben.«
Die wirtschaftliche Hilfe, die hier in Aussicht ge- pellt wird, ist gerade das, was wir von Amerika wünschen und was für Europa unter den gegenwärtigen Verhältnissen geradezu erlösend wirken könnte, wenn die Hilfe schnell und ausgiebig erfolgt
Deutschland hat Geldmangel und Frankreich ist in Geldnot Die Geldnot Frankreichs wird von den dortigen Haß- und Vernichtungspolitikern für ihre kriegerischen Gelüste ausgebeutet. Deutschland kann beim besten Willen nicht sofort aufbringen, was zur Beruhigung^ der Franzosen ausreichend wäre. Aber vielleicht läßt sich diese Beschwichtigung erreichen, wenn der ausländische Kredit dem zahlungswitlioen Deutschland zu Hilfe faire. Darauf hat schon unser kurzes Memorandum von Amerika eine Andeutung gegeben. Cb und inwieweit unsere Regierung bei der Ausarbeitung ihrer neuen Plön« auf'die angekündig'e
Wesen, auch in ihr schrie der Haß nachRache.Siswarf stolz den Kopf in den Nacken, und ihre Lippen kräuselten sich verächllich. .Bauernpackt* dachte sie und fühlte sich hocherhaben über diese Barbaren. Als sie aber den Hatz aus Den funkelnd«, Augen blitzen sah, wurde sie von Todesangst erfaßt und bangte um ihr teures Leben.
^taßt mich!* rief sie. „3d; hab Euch nichts getan.“
„Verräterin! . . . Welsche Schlange!* zischte es ihr um die Ohren. „Dor den Richter mit Dir — vor den Richter!*
Man suchte sie fcpzuhalten und sortzufchleppen, doch in ihr erwachte der Grimm der Löwin. Sie schleudrrte ihre Bedränger zurück, durchbrach den Ring der zornigen Weiber und eilte der Schmiede zu, indem sie mit lauter Stimme rieft „Zu Hilfe, Michael! Zu Hilfe!*
Die Leute standen einen Augenblick wie erstarrt, aber schon im nächsten Augenblick stürzte der ganze Haufe, die kreischenden Schara-Mädchen mit sich reißend, ihr nach
Ms sie die Schmiede erreichten, fanden sie die Türe verschlossen. Da hämmerten sie mit dem eisernen Stopfer wütend drauf los: „Heraus mit Der Welschen! . . . Bors Gericht!*
Verwundert trat Michael im Schurzfell, den großen Hammer in der Hand, unter das Tor. „Hallo Ihr Leut', was gibt'»?* klang seine laute Frage.
Sie drängten erregt durcheinander und berichteten, was geschehen war.
Da richtete er sich stolz empor. „So wahr mir Gott Helf — davon hab ich nix gewußt!* rief er. „Aber seid's z'ftieden — ich will Abrechnung halten mit mein Weib." „Du?* erklang es höhnisch „Wer's glaubt! . . . Bist ja eh selber a Verräter Hast a Walische zum Weib g’nomrnen*
Da schwang Michael, einem zornigen Titanen gleich, den Hammer über seinem Haupte, als ob er die ganze Welt in Trümmer schlagen wollte und rief mit furchtbarer, dröhnender Stimme: ..Hört's, Ihr Lcut. Ihr tut’s mir unrecht. Ich bin deuisch bis ins Herz — und g'hör zu der Heimat mit Leib und Seel. Ais deutsch'! Mann, als echter Tiroler, will ** “nb st.rberi. als deut- 1
Hilfsbereitschaft Amerikas fußen kann, wissen vorläufig nur die Eingeweihten.
Immerhin kann di« Botschaft des neuen Präsi. beulen uns Deutschen noch eher gefallen, als den rauflustigen Frastzosen.
Daß Harding dem sog. Völkerbund von Der- failles noch den letzten Genickstoß versetzt, ist uns auch recht. An einem wirklichen Friedensbund der Nationen wollen wir gern Mitarbeiten. Vorläusig aber müssen wir unfere Kräfte sammeln für die lieber« Windung der schweren Krisis, in die der unselige Vertrag von Versailles uns und ganz Europa gestürzt hat.
w!b Washington, 13. April. Senator Knox brachte heule int Kongreß seine Resolution zur Herstellung des Friedenszustandes mit Deutschland ein. Die Resolution wurde dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Knox hat die Fassung feines Beschlusses entsprechend den Wünschen Hardings in seiner gestrigen Botschaft geändert und ihr eine lediglich „ertlä- renbe" Form gegeben.
Der Vermittlungsversuch
der, wie wir gestern mitteilten, von einer neutralen Macht unternommen worden ist, um den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten Harding für ein Eingreifen zur Anbahnung neuer Verhandlungen zwischen der Entente und Deutschland zu bestimmen, hat, wie wir zuverlässig hören, sowohl am Dienstag wie auch am Mittwoch das Kabinett eingehend beschäftigt. Das Kabinett hat auch bereits mit den Führern der parlamentarischen Fraktionen Rücksprache genommen. Zu einem abschließenden Ergebnis sind bie Besprechungen jedoch bis zum Mittwoch nachmittag noch nicht gediehen. Es steht aber fest, daß im Kabinett die Auffassung vorherrscht, daß die angcbotene Vermittlung nicht zurückgewiesen werden darf. Es handelt sich bei der Vermittlung darum, daß die Reichsregierung dem Präsidenten Harding neue Vorschläge unterbreitet, die die geeignete Grundlage für neue Verhandlungen mit der Entente bieten. In -welcher Richtung sich die neuen Vorschläge bewegen werden, Darüber läßt sich im Augen- blick noch nichts endgültiges sagen. Es dürfte u. a. aber die Frage eines internationalen Schiedsgerichts eine große Rotte spielen. Auch darüber dürfte Klarheit bestehen, daß in dem neuen deutschen Befchtuß eine bestimmte Entschädigungssumme genannt werden wird. Das Kabinett setzte am Mittwoch nachmittag feine Besprechungen fort. Ob es schon heute zu einem endgültigen Entscheid kommen wird, ist noch nicht zu übersehen. Sie dürfte jedoch in kürzester Frist erfolgen.
Das Abgabengeseh in der französischen Kammer.
wtb pari», 13. April. Die Kammer begann heute die Beratung des Gesetzentwurfes über die Abgabe eines Teiles Des Berkaufswertes der aus Deulschland noch Frankreich eingeführten Waren, der sog. Ausfuhrabgabe. Mehrere Abgeordnete erhoben Einwendungen gegen den Entwurf, da er Frankreich nur Opfer auferlege und ihm teinen Nutzen bringe, erklärten jedoch, da er die Folge Der Londoner Konferenz sei, für Den Entwurf zu stimmen. Die Beratung wurde schließlich auf morgen vertagt. ________
Tas Schicksal OberschlesienS.
Nach einer Reutermeldung ist das Gefamtmaterial über die oberschtesische Abstimmung noch nicht in London eingegangen. Die Sammlung gehe langsam vor sich, und es sei unwahrscheinlich, daß die Korn« Mission in der Sage fein werde, sich vor einer oder zwei Wochen an die Aufstellung eines solchen Berichts zu machen.
Die Abucht, die Entscheidung über Ober schiessen zu verschleppen, tritt klar zutage. Man will offenbar vor der Entscheidung in der EntschäSigungs- frage einen Beschluß über die Zuteilung des ober*.
sch-r Mann will ich jetzt G'richt halten über mein eigenes Weib.*
Mit gewaltigem Schwünge schleuderte er den schweren Hammer in die Schmiede hinein, daß der Amboß klirrend ausschrie und die Erde zitterte.
Und mit weitaushokenden Schritten und wehendem Bart, mit zornloderndeu Augen stürmte er in die Schmiede deren Tür sich bei seinem zornigen Pochen öffnete . . . Die große Stunde war gekommen — heute wollte er Abrechnung halten mit seinem Weibe.
Die erregten Dorfleute zogen ab, nahmen aber die beiden Schara-Mädchen mit sich, um sich an diesen schadlos zu hallen. Auf dem Wege durchs Dorf brachen sie Nuten von den Hecken, und draußen bei den letzten Häusern ließen sie dieselben in zornigem Schwung auf die üppigen Nucken der beiden Sünderinnen niedersausen, cis müßten sie Ihnen auch den letzten Rest von Bosheit und Leichtfertigkeit ausireiben.
Unter Schelten und Drohen wurden die beiden zum Dorfe hinausgepeitscht. „Wenn bös nochmal kommt, nachher schneiden mir ent die Zöpfe ab und kratzen ent die Augen aus, Ihr falschen Katzen.*
Die beiden Ausgepeitschten schwuren hoch und teuer, das Dorf nie mehr zu betreten und nie mehr das Tanzbein in der Taverne zu schwingen. Da ließen die zornigen Weiber endlich von den zwei Tanzmädels ab, und diese fuhren mit flatternden Haaren und fliegenden Röcken, verscheucht wie Krähen, zum Dorfe hinaus. —
Ob aber ihr Zetern und Gewinsel echt und ihre Reue ausrichtig war — wer tonnte das wissen? Denn die Laster gleichen den Giftzähnen der Schlange: sie wachsen immer wieder nach. —
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Als Gina, von dem Lärm Der Straße ausg-schreckt, ans Fenster der Taverne trat, sah sie, was den beiden Schara-Töchtern widerfuhr. Sie wollte bie Leute jur Ruhe mahnen und um Nachsicht für die Sünderinnen bitten, aber da rief sie der Kranke zu sich und bat mit matter Stimme: „Bleib bei mir, Tchina! Ich fürchte mich ,. Ich alaub. es <teb* mi» mir »« $nh* . .*
schleichen Gebietes nicht fassen, um ein weiteret Druckmittel in der Hand zu haben. Der Eni» schädigungswille des deutschen Voiles hr.ib jedoch durch solche Machenfchasten nicht gerade günstig beeinflußt
verbandswlllkur In Oberschlesien.
llm der Verbreitung falscher Nachrichten ein End« zu bereiten und um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu wahren, verfügt General Danis, kommandierender General der im Belagerungszustand befindlichen Gebiete Oderschlesiens, folgendes:
Jede Person, die falsche Nachrichten schriftlich oder mündlich verbreitet, wird vor Das außerordentliche Kriegsgericht gestellt. Jeder Beamte und Angestelle öffentlicher Verwaltungen ober Schutzkräfte, welcher das Verbreiten falscher Nachrichten duldet ober verdeckt, wird vor das außerordentliche Kriegsgericht geftellt. Jeder Beamte und Angestellte öffentlicher Verwaltungen und Schutzkräfte, einbegriffen alle Polizeiorgane, welcher feinen Posten verläßt, wird verhaftet und vor bas außer- orbentliche Kriegsgericht gestellt.
SDieie fßeioi vnutig öfjnei Der 231II f ür Der inten alliierten Behörden und der Kriegsgerichte Tür und Tor.
Der Streik in England.
Der Arbeiter-Dreibund hat für Freitag Rächt den Beginn des Streiks ungeordnet. Bis dahin ist noch Frist für eine Verständigung.
Wenn nicht noch in letzter Stunde eine Wendung Eintritt, was aber nach den heute vorliegenden Nachrichten als nicht wahrscheinlich angesehen werden kann, dann bricht über England eine Streikwelle herein, wie sie da« Land noch trie gesehen hat. Es handelt sich hier um einen sozialen Kamps, dessen Folgen für da» englische Weltreich verhängnisvoll werden können.
wtb London, 14. Aprrl. Die Heizer und Ma- schinisten bet Lokomotiven, die ein von den Eisens bohnern unabhängiges Syndikat bilden und bereit Haltung bisher zwei eihask war, haben beich!osseu, am Freitag in Den Streik einzutreten. Die Vcr< emiguiig der Büroangeftettten der Eisenbahner em« psiehlt ihren Mitgliedern gleichfalls am Streik teil« zunehmeik. ___
Die Kablnettsbttvung in Preußen.
Die Berliner Presse hat über die Bemühungen des, Ministerpräsidenten Stegerwald, das preußische Kabinett zu bilden, Mitteilungen gebracht, wonach c* Stegerwald bereits gelungen wäre, die von ihm aus« ersehenen Persönlichkeiten zum Eintritt ober zum Ver, bleiben im Kabinett zu gewinnen. Die Mitteilungen eilen aber den Tatsachen voraus. Die Bemühungen Stegerwald» sind, so schreibt man uns aus Berlin, bi» zur Stunde noch nicht soweit gediehen, daß ira» von einer abgeschlossenen Kabinettsbildung spreche» kann. Roch im Laufe des gestrigen Vormittags har der Ministerpräsident feine Bemühungen fortgesetzt die deutsche Volkspartei zum Eintritt in das Kabinett zu gewinnen. Die deutsche Volkspartei hält aber nadj wie vor an ihrem Bedenken gegen die Persönlich'eii der Minister Sroerlng, Haenisch und Braun fest. Wst uns aus Kreisen der deutschen Volkspartei versichers wird, hat die deutsche Vtükspartei dem Ministerpräsi deuten ertlärt, daß fre in das Kabinett nicht eintretei würde, wenn die genannten drei Herren pber eine) von ihnen einen Sitz im Kabinett haben wird.
Immerhin darf man also hoffen, daß die Frage de« Kabinettsbildung, wenn nicht im letzten Augenbliö neue Komplikationen entstehen, bald gelöst sein wird. In den beteiligten Kreisen sicht man den Fraktionssitzungen der deusschen Vclkspqrtei, die gcstern nadpr.ittag sich noch einmal und hoffentlich endgültig mit der Lag« befaßten, mit großer Hoffnung entgegen. Eine prinzipielle Einigung dürfte bereits zustande ge. kommen fein und die Perfonenfrage wird die Kabi- nettsbildung, fo darf man mit Recht annehmen, nicht mehr zum Scheitern bringen. Ministerpräsident Ste- y"1 II mi .i; umn11 mi
Gina begab sich wieder an fein Bett und fuch:e ihn zu trösten. „Blicken Sie auf zum Kreuze,* sagte sie, „und wenn der letzte schwere Augenblick kommt, bann flam« mem Sie sich ans Kreuz, denken Sie an die Ewigkeit!*
„Ich denk schon an die Ewigkeit, aber ich kann nicht von der Erde loskommen,* sagte er mit erlöschender Stimme . . . Wie mit Krallen hält'» mich fest. Ge ist soviel Geld, mehr als eine Million. Ach, das viel« Geld! . . . Ach, bie lachenben Erben! . . . Die beten kein Vaterunser für mich, y Tfch'ma, bete Du für tnirfjl Du bist ber Engel bes Lichtes . .*
Gina faltete bie Hände und betete mit leiser Stimme» „Vaterunser, ber Du bist in dem Himmel . . .*
Der Atem des Sterbriiben ging schwer und keuchend, die Stimme erstarb in dem dumpfen Röcheln, bie Augen romben glasig, bas Gesich, gmg in bie Lange . . .
Gina empfand ein Grauen und ging hinaus. „Or- ncllo*, rief sie bie Treppe hinab, „mit bem Kranken geht es zu Enbe. Kommen Sie herauf!
„Werbe mich hüten,* antwortete der Wirt knurrend. «Ich mag keinen Toten fehen . . . Hol ihn der Satan!*
Da vernahm Gina aus bem Zimmer einen röchelnden Schrei — bann war es stille. Sie befreuzigie sich, sprach ein kurzes Gebet unb trat wieder in bie Stabe. Da hatte Signor Motta auegertfen. M t verzerrten Zügen, wie nach einem fruchtlosen Kampfe mit einem Stärkeren lag er in ben Knieen, die Augen starr zur Decke gerichtet. Im letzten Ringen mit Dem Fürsten Der Scheck- ten schien er ben Derbanb abgerissen zu haben; feine Hanb unb sein Gesicht waren mit Blut bejubelt . . .
„Gott sei ihm gnäbtg!* sagte Gina und begab sich hinab zur Küche, Wasser zu holen, um das Blut von dem Gesicht unb den Händen des Toten wegzuwaschen.
Während sie ein Decken unb einen Schwamm suchte, vernahm sie nebenan laute Glimmen, die sich heftig zankten. Erschrocken lauschte sie — unb n-a« sie vernahm, machte ihr bas Blut in ben Slbern erstarr n. —
(Fortsetzung folgt.)