Fuld a er Z eitun g
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
Nr. 84.
tieraniiDonlid) iür ben nOamoneUen Teil: Marl «schütte. ~ iür btt Anzeigen: I. Parzeiier-Fulda. z fRotationsbrud u. «erlag bet ffulbaer ticlienbruderei in Fulda, ^emipiefter Nr. 9. Ieiegr.«!dbre|fe: Fuldaer Zeitung
Mittwoch, |3. Sprit >921.
Bezugspreis: Monaillq3,0ü Mc. ahne Zustellgebühr. Fn Fu.ba bet uns abgehau 3,15 Mi. Anzeigenpreis: DieKieinzeile CoioneimaB) 60 p(g„ u. 10". Zuschlag, die Aetlamezeiie (lettbrertei tLO Hit., u. 10"-o Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.
48. jatjrg.
hinter sich
zurück. —
wie einer Nat-
Srregung. nur
den fleinen
sich über strampelte
ichrie besorgt
geht!" dachte er. .Dann zertrete ich ihr ter ben Kopf"
Nichts an ihm verriet feine innere
14.
Datex und Mutter beugten Franzl. der in seinem Bcitchen
„Siefleicht hat er junger* antwortete Rosina gleich, mutig „Dann brüllt der Bengel wie ein Stier * Sie dachte nicht an ben Knaben, sondern nur an den Briet
Michael aber dachte an beides .Es ist entschi dm Fieber." sagte er .Der Bub mutz an kalten Wickel haben '
..Wenn Du meinst —"
„Alsdann nimm amat den Buben auf’n Arm und wieg ihn." lante er und re ch e ihr das Kind „Aalt ihn out Ick hol derweil a nasses Tuch aus der Küche"
Sie starrte ihm entgeistert nach und dachte voll Schrecken: ..Wenn er nur nicht ins schiafz mmer geht — sonst gibt es ein Unglück * Dargebeugten Leibes lauschte sie und fang, um ihre Angst zu betäuben:
„Schlaf, Kindlein, schlaf!
Im Garten geh n die Schaf' , . ,e
Jtofitta erblaßte und fuhr zusammen, als säße ihr der Tod im Nacken, Himmel — ihr Männl . . . Wenn er den Brief sah und den Verrat entdeckt! ... Das wäre ihr Tod! . . . Niedergeschlagen, zertreten würde sie fein ... ft n »te-
Hastig, mit zitternden Händen stopfte sie das Blatt zwischen die Kiffen ihres Bettes und machte sich am Waschtisch zu schaffen; ihre Hände gitterten vor Aufregung.
Gleich darauf schaute Michael durch die Türe. Jtomm »u dem Kinde!" tagte er rasch. .Mir scheint, der Bud hat Fieber "
Sie gehorchte mit wankenden Rnieen. Er iah ihr ZZ. gern, bemerkte ihre Erregung und gewahrte Feder und Tinte auf dem Waschtisch; auch ein kleiner Tintenfleck an ihrem Finger .sowie die zerwühlten Kiffen fielen ihm auf Aber er verriet mit feiner Miene das Miß- trauen, das in seiner Seele emporftieg wie eine schwarze Gewitterwolke am blauen Himmel
Aber der Knabe schlief nicht ein, sondern schrie immer lauter und kläglicher.
Währenddem war Michael aus der Küche mit einem Sprung im Schlafzimmer, griff in die Kisten und zog den Bries hervor. Als er ihn überflogen hatte, taumelte der starke Mann. Es war ihm, als stürze der Himmel über ihm ein. War es denn möglich! Sein Weib, das er vergötterte, dem fein ganzes Herz gehörte, eine Spionin der Qrrebenta? Eine Verräterin an seiner Ehre und an der Heimat? . . . 3n seinem Hause, unter seinem Dache wurde schmählicher Verrat gesponnen?
Seine Gedanken drehten sich im wilden Wirbel, seine Knie wankten, eine rasende Wut erfaßte ihn. er hätte die Falsche, die Treulose erwürgen können. Aber er sagte sich, daß er ruhig fein muffe. Und mit Aufbietung all feiner Willenskraft bezähmte er feinen Zorn, schob das Blatt wieder an feinen früheren Platz und kehrte, das feucht? Tuch in den Händen haltend, zu Rositta zurück. „Weh ihr, wenn sie noch einen Schritt weiter
und kläglich „Was moanst, was ihm fehlt?" fragte Michael
Diatz und zitternd folgte ihm Rositla und ließ voll Bangen thr dunkles Geheimnis "
Bor neucnBcrhandlungen mit der Entente.
Der Retchsminister Dr. Simons und mit ihm euch der Reichskanzler sind gestern früh nach Berlin zurückgelehrt. Nachdem beide gemeinsam eine Besprechung beim Reichspräsidenten hatten, ist gegen 6 Uhr abends das R r i ch sk a b i n e t t zu einer Sitzung zusammengetretsi, die bis in die späten Abendstunden anbauerte. Wenn auch behauptet wurde, daß für diese Sitzung die gewöhnliche- Tagesordnung vorgesehen sei, so versteht sich doch von selbst, daß wohl der wichtigste Purckt dieser Tagesordnung die Aussprache über die deutschen Schritte in der Entschädigungsfrage war.
Die Regierung ist bemjkht, di« Frage in neuen Fluß zu bringen, d. h. für eine erträgliche Verständigung zwischen Deutschland und der Entente eine neue Grundlage zu finden. Wenn man einen brauchte scheinenden Plan gefunden hat, wird sich der geeignete Anknüpfungspunkt gewiß schon finden. 2m Bedarfs- falle können Amerika oder die Schweiz oder ein anderes neutrales Land den Anstoß zu neuen Verhandlungen geben.
Der Außenminister Dr. Simons hat während seines Aufenthaltes in der Schweiz auf diesem Gebiete eine Vorarbeit geleistet durch eine Unterredung mit dem Vertreter des Pariser „«Dlatin". Als Grundlage der neuen Verhandlungen deutet Dr. Simons die Möglichkeit an, mit Frankreich direkt und allein zu verhandeln; ferner sprach er davon, daß man für die neuen Verhandlungen neue Grundlagen und neue Verhandlungsarten finden müsse, wobei er der Hoff, nung Ausdruck gab, daß es. eine Möglichkeit gäbe, in kurzer Zeit etwas Aehnlich/bs zu finden, wie es auf der Londoner Konferenz seitens der Entente mit den abänderungsfähigen Iahreetzahlungen angeregt worden ist. Minister Simons deutete in seiner Unterredung im übrigen bereits im einzelnen die Wege an, die die deutsche Neichsregierung nach feiner Auffassung beschreiten wird. Das ist in erster Linie der Wiederausbau der verwüsteten Gebiete und dann die Befriedigung des Geldbedütrfniffrs Frankreichs, das Simons anerkennt. Er verwies aber darauf, daß Deutschland kein Geld besitze und daß die Beschaffung desselben große Schwierigkeiten bereiten werde.
Das Interview ist in Deutschland vielfach kritisiert worden. Man wendet ttin, Dr. Simons habe sich nicht an die Oeffentlichkeit wenden dürfen, ohne über die heikle Enischädigungssmage erst eine Entschließung der Reichsregierung herbe tzuführen, und einzelne Sätze in dem Bericht des „Matist" seien mißverständlich oder gar bedenklich. Demgegenüber wird soeben festgestellt, daß die Niederschrift des Franzosen vor ihrem Druck dem Minister Simons nicht vorgelegt worden ist, daß er also nicht haftbar gemacht werden kann für die Miß. Verständnisse und Unklarlfeiten, die sich erfahrungsgemäß in derartige Berichte einschleichen, wenn es sich um Erklärungen über rierzwickte und strittige Zeitfragen handelt. So etwps.gehört zu dem Risiko des politischen Geschäfts. Was nun den Entwurf angeht, Herr Simons habe dem Reichskabinett corgtgriffen, so wird man bei ruhiger Prüfung doch keine gefährliche Enthüllung oder Bindung finden. Simons sprach über Angelegenheiten seines Refforts, die zu- gleich Konsequenzen seiner eigenen Arbeit auf der Londoner Konse«nz sind. So viel Bewegungsfreiheit kann man einem tüchtigem Minister doch schon gönnen.
Man sollte nicht so viel an Einzelheiten und Formalitäten herum kritisieren, sondern lieber den Zweck der ganzen Sache ins ?hige fasten und die Anbahnung von neuen DerhandluwM, die unsere Regierung nach allen offiziellen Erklärungen wünscht, durch die öffentliche Meinung unterstüffen.
Natürlich wird cmi den kampflustigen Franzosen behauptet, die Annäherung Deutschlands erfolge aus Furcht wegen her erschrecklichen Drohungen von Driand. Solche selbstgefällige Redewendungen waren
auf jeden Fall zu erwarten, in welcher Form auch I immer Deutschland seinen guten Willen bekundet hätte.
Auch das knappe Memorandum, das Simons dem amerikanischen Vertreter auf sein Ersuchen gegeben hatte, wurde schon als ein Hilferuf des verzweifelnden Deutschland ausgrlegt, obschon Briand damals I noch nicht mit der großen Kanone seines Mundes los* geschossen hatte. Wir dürfen uns durch diese oder I ähnliche Randglossen nicht beirren lassen in unserem Streben nach einem friedlichen Ausgleich, weil es sich I darum handelt, nicht allein von Deutschland, sondern auch von ganz Europa das schwere Unheil abzuwen- den, das sich aus dem Wiederausbruch des Krieges ergeben wurde.
2m übrigen sehen wir, daß auch in Frankreich selbst (und noch mehr in den anderen Ländern der Entente) sich der dringende Wunsch nach neuen Verhandlungen regt. Man sieht immer deutlicher ein, daß mit den „Sanktionen" von London das gewünschte Geld nicht zu erreichen ist, und man fürchtet mit Recht, daß bei weiteren Gewallmaßregeln viel mehr Schaden als Gewinn zu erwarten ist. Trotz der Brandrede von Briand (man könnte auch sagen: in Folge der- selben) hat sich dir Gesamtstimmung seit dem Krach in London gebestert, wobei auch das Verhalten Amerikas eine erhciblich« Rolle spielt. Wenn unser Außenminister sich bemüht, die noch gegebene Frist zum Besten des Friedens auszunutzen, so findet er gewiß die Zustimmung des Kabinetts des Reichstages und des Volkes.
Wir sind auf das schlimmste gefaßt, aber zugleich auch bemüht, das schlimmste abzuwenden, soweit es uns eben möglich ist.
Aus Berlin wird uns noch geschrieben: Die Füh- rer der Fraktionen der Regierungsmehrheit sind vom Kabinett nach Berlin berufen worden, um die Füh- lungnahme mit ihnen aufzunehmen. Heber die Ein- relheiten der Verhandlungen des Kabinetts muß im gegenwärtigen Augenblick noch Stillschweigen beobachtet werden. Da es sich hier um einen Komplex von Fragen handelt, die nicht nur außerpolitisch von größ- ter Tragweite sind, sondern auch möglicherweise eine Rückwirkung auf die innere Politik ausüben können, so erklärt es sich von selbst, daß die gesamte politische Lage von dieser Frage fast ausschließlich beherrscht ist. 2n einer Anzahl von Blättern wird bereits angedeutet, als ob eine „gänzliche oder teilweise Umbildung desReichskabinetts ernsthaft erwogen" werde. 2n dieser Form ist das zurzeit zweifellos nicht richtig. . Auf der andern Seite aber kann nicht bestritten werden, je nachdem wie die Verhandlungen ihren weiteren Verlauf nehmen werden, daß sie möglicherweise einen Emfluß auf die Zusammensetzung des Reichskabinetls ausüben können. Es muß zugegeben werden, daß solche Fragen immerhin in Betracht gezogen werden muffen. Uedrigens wird man damit rechnen können, daß die Entwicklung im Reich auch eine gewisse Rück- Wirkung auf dte Kabinettsbildung in Preußen haben kann. Wir möchten aber vor voreiligen Schlußfolgerungen warnen.
Bon derselben Seite wird uns weiter geschritten: Nachrichten, die aus den Bereinigten Staaten kommen, besagen, daß der neue PräsidentHarding vielleicht eine Vermittlung zwischen Deutschland und der Entente versuchen werde. Wie mir zuverlässig erfahren, entbehren diese Nachrichten nicht jeder Grundlage. Es ist uns bekannt, daß von neutraler her- Dorragegber Seite Ke Vereinigten Staaten um eine fafate Vermittlung angegangen worden sind. Es ist a£r. selbstverständlich, daß Präsident Harding eine offiztelle Vermittlung erst dann einleiten kann, wenn er ziwor Fühlung sowohl mit der Reichsregierung als auch mit den Regierungen der Ententeländer genom- rmn hat und wenn er vor ollen Dingen von der deut- schen Regierung eine neue Grundlage für etwaige I
leine Stimme hatte einen tiefen Klang, als er tagte: „Nun komm met Manndl und laß Dich etnpacken." Er wickelte ben fieberheißen Körper in das naffe Tuch, legte ben Jungen in fein Beuchen, deckte 'hn zu und legte zu Rositta: „Nun halt' Wach bei ihm. derweil ich in bie I Schmiede geh."
Sie nickte stumm, steckte dem Buben ben Schnuller in ben Mund unb letzte ffch ans Bett Aber kaum hatte Michael bas Zimmer verlaffen. |o fprang ffe auf, fchotz I in bie Schlafstube unb führ nut beiben Händen in die I Stiften Ein Iubelrrn kam von ihren Lippen „Gctt lei Dank — der Brief ist noch da. er weih von nichts "
Das Kind »ar vergessen — der Brief war ihr allez. S’e bart) ihn in ihrem Kleide unb wollte zu dem Ben de- Kleinen zurückkehren, damit M chael keinen Der- | dacht fchöpfte. wenn er aus bet Sd-mtne kam Aber di? : Knie vertagten ihr Die Aufregung der letzten etunbe ! war zu groß gewesen — ein Schwert hing an einem • Haar über ihrem Haupte Der Angstschweiß trat i ihr auf die Stirne, sie mutzte sich setze».
, neue Verhandlungen erhält. Aber auch die Ententeländer selbst dürsten ebenfalls zu den treibenden Kräften für die Aufnahme neuer Verhandlungen gehören. Weder England noch Frankreich ist be der Durchführung der sogen. „Sanktionen" ganz wohl zumute. England wegen seiner innerpolitischen Schwierigkeiten und wegen der unerquicklichen Zustände in seinen Kolonien, Frankreich deshalb, weil man dort einzusehen beginnt, daß auch die schwersten militärischen Maßnahmen gegen Deutschland die französischen Finanznöten nicht beheben können. Diese Einsicht in Frankreich Hot sich verstärkt, nachdem der französisch« Minister Diviani sich in Washington eine Abweisung geholt hat. Wir wissen zuverlässig, daß ernsthafte französische Kreise mit Deutschland erneut in Verhandlungen zu treten wünschen.
Pariser Sommer-Debatte.
Die sronzöffsche Kammer hatte gestern die Diskussion über einen Gesetzentwurf begonnen, durch ben für dos Jahr 1921 b?e Ausgaben sestgestellt werden sollen, deren Rückerstattung nach dem Friedensvertrag Deutschland zufällt. Es handelt ffch hier um den Wiederaufbau und um die Zahlung von Pensionen unb Zuwendungen. Der Generalberichterstatter be Lastcnorte erklärte, bis zum 1. Mai hätte Frankreich schon- 23 Milliarden erhalten müssen. Deutschland habe noch wenig geliefert. Es | behaupte, bis zum 1. Mai d. I. bie 20 Milliarden ge- । liefert zu haben. Es habe aber kaum em wenig mehr als 3 Milliarden gezahlt und die Besaßimgskosten allein über- stiegen schon diese Summe um 77 Millionen Franken. Für das allgemeine Konto der Reparation habe Deutschland nicht einen Centime bezahlt, es habe nur Material zurück- erstatlet. Frmtkreich aber habe die ungeheure Summe von 59 Milliarden bezahlt, um seine Verpflichtungen gegenüber ben Kriegsopfern zu erfüllen. Der Berichterstatter sagte, diese Verpflichtungen könne Frankreich nicht weiter fortsetzen. Für den Wiederaufbau wären unbedingt SO Milliarden erforderlich. Jetzt habe man zwei Jahre durch Milde etwas zu erreichen versucht. Er habe kein Zu- trauen mehr zu den Worten Deutschlands. Cs muffe zah'on. In der darauf folgenden Debatte behauptete Laudry, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands fei unter* schätzt worden. Man habe geglaubt, Deutschland habe viele Jahre nötig, um sich wieder zu erholen, aber Deutsch- land gedeihe und man sei erstaunt über den Gegensatz zwischen dem wirtschaftlichen Wiederaufftiegsplan und seiner finanziellen Not. Diese Not sei etwas heraus* ncftrichen worden. Zum Beweis deffen führte Laudrn die Berichte der alliierten Sachr-rständigen ron Brüffel an und erklärte, dre öffentliche Meinung in Frankreich habe bie energische Erklärung des Ministerpräsidenten Briand mit Bestie dlgroro ausgenommen.
Ministerpräsident Befand erklärte, daß Frankreich jetzt handeln muffe. Die bisher getroffenen Sanktionen hätten noch nicht zu Ergebnissen geführt. Am t. Mai befinde sich SeutfA'anb all feinen Aertraasoersehlunaen gegenüber. Der Gläubiger habe fetzt einen ausführbaren Titel in der Hontz. Der Gerichtsvollzieher fei a b g e f ch i ck t. Wenn sich der Schuldner wider- fpenftig zeige, bann muffe ein Gendarm Ihn begleiten. Die ReparaUonskommission werde ihr strenges Urteil fällen unb dem Gegner sagen müssen, daß er zu bezahlen habe. Sonst müßten olle Zwanasmittel an- reroanbl werden, die der Gläubiger in Händen habe. Jetzt habe die Reparationskommfflion bie Rechnung zu präsentieren. Darüber seien sich die Alliierte» einig.
Ein« neue „Kriegsverbrecher"--!«»»«.
Wie verlautet, werden die Verbündeten an Deutsch, land eine neue Note richten, worin unter Hinweis auf die am 1. Mai ei»t>e««nden Folgen bie Durchführung der Kriegsprozesse in kürzester Frist bei. langt wird.
In Beziehung auf die Zeugenaussagen derjenigen Per onen, die nicht in der Lage sind, sich zu dem Verfahren gegen die deutschen „Kriegsverbrecher" nach Leipzig zu begeben, erklärte der General staats, anwalt im Unterhaus, daß diese in London am 26. April beginnen werden. Der Oberreichsanwolt in Leipzig habe biet'em Verfahren zuaesttmmt unb
Der König der Dolomiten.
Volksroman von Felix Nab07.
81] ---------
Angelo nickte. „Es gibt nur einen, schöne Rositta — über ben Paß, am Firirkreuz vorbei —"
Firnkreuz? . . . Rositta erschauerte. „Den ~eS möchte ich nicht nehmen. Mir graut vor dem «reuze ... Du weißt ja, warum! Lieber wäre mir der Weg durchs Tal, im Auto . , . aber ich habe kein Geld, unb hier ist auch kein Auto zu haben. Vicllelcht auch würde es mein Mann zurückhalten. Darum 'ft es bas Beste, Du gehst zu meiner Mutter unb überbringst E'NEsi Brief von mir Sie muß mir ein Auto ent- gegcnfchicken. Dicht vor dem Dorfe lost es halten, bann BüU ich in der Nachr aus dem Hause schleichen unb davonfahren"
„öie Du willst. Herrin." verletzte Angelo „Ich cvone al.o, bis Du mir ben Brief übergibst —'
„Ja. Angeio Gleich gehe ick nach Hause unb schreibe ihn. zloöio' ... 2i riüebere!*
Sie reichte ihm bie Hans und husckle durch die Heckenlucke hinaus, Angelo sah ich nach und kehrte, rin Liebchen pfeifenb. Ins Hauz zurück —
In der schmiede fetzte «ich tRofttta an ihren Waschtisch und schrieb an ihre Mutter:
„Teuerste Mammina!
Warum kommt O'jr noch immer nidjt. mich zu befreien? Ich vergehe vor Angst unb Qual . Angelo "wird Dir alles Nähere müiadlich mitteilen Es ift g?fahr tm Verzug
Ich beschwöre Dich unb unsere Freunde, bie Srre- bertta-Srübcr und -Schwestern, kommt unb erlöst m ch' O, wie ich diese deutschen Barbaren hasse!
Das ganze Nest möchte ich in bie Luft sprengen Dann wäre ich die f)errin des Tales, dann mürbe ich bie Herrin von Satan. Zögert nicht länger, fchlazr los! Sonst könnte cs für mich zu spät fein. Komm. Italia, unb erlöse mich! Mein Herz gehört Dir allein, Italia, mein Vaterland! . . ."
Draußen erklangen Schritte
habe mitgeteilt, daß die Haupiverfahren in Leipzig Ende Mat beginnen werben.
Die Kabinettsbildung in Preußen.
Die Bemühungen des Herrn Stegerwald, ein Ministerium der verbiesterten Koalition, das er von Anfang an angtjtrebt halle, zustande zu bringen, hat noch keinen Erfolgt gehabt. Wieder waren es die Sozialdemokraten, die die Steine in den Weg rollten. Sie glaubten es mit ihren Parieiinteresseu, bie ihnen nun einmal über alles andere gehen, nicht vereinbaren zu können, daß auch der Deuffchen Volkspartei angehörende Politiker in die Regierung eintreten würden. Andererseits will sich die Deutsche Doikspartei — und darin stimmen wir ohne weiteres zu — nicht von Ihrem Standpunkt abbringen lassen, daß d> sozial- demokratischen Ansprüche, die immer noch auf die drei wichtigsten Ministerien, des Innern, der Landwirtschaft und des Kultus, gehen, bekämpft werden müssen. Auch das Zentrum ist der Auffassung, daß zum mindesten das Kultus- und das Landwirlschaftsministerium nicht in sozialdemokratischen Händen bleiben dürfe. Mst dem seitherigen sozialdemokratischen Innenminister Se. vering würde sich Stegerwald gegebenenfalls abfinden. Aber bei den Rechtsparteien findet diese Persönlichkeit schärfste Ablehnung. Nachdem die Sozialdemokraten schon den Ministerpräsidenten in Preußen abgegeben haben, möchten sie unter allen Umständen natürlich das danach wichtigste Innenministerium behalten.
Stegerwald wird setzt versuchen, aus Vertretern der Koalition ein« Regierung zustande zu bringen und diese durch Aufnahme von Beamten als F a ch m i n i st e r auch für die Deutsche Doikspartei erträglicher zu machen. Die Verhandlungen geben Aussicht, daß dis Kabinetts« bildung vielleicht heute schon abgeschlossen wird.
Abbau der lleberfchichken.
Die Verhandlungen über die Regelung der Heber- fchichtensrage im Ruhrbrrgbau haben jetzt zu dem Ergebnis geführt, daß die Heberschichtcn einstweilen bei- behalten werden, aber bis zum April nächsten Jahres abgebaut werden sollen. Das Abkommen ist endgültig, wenn die Verhandlungen über ein neues L 0 hnabkomm e n, di« gestern begonnen haben, zu einer (Eint« gung führen.
Die Krisis in England.
wtb. London, 13. April. (Tel.) Die Berg, leut e haben gestern abend der Arbeiter« und Drei» bundkanfcrenz mifgeteilt, daß die Verhandln noep über die Vorschläge der Regiernna und der Berg Werksbesitzer mit irgend welcher Aussicht auf (Eifoi) nicht wieder ausgenommen werden formet Es sei der Zeitpunkt gekommen, oaß der Dreibund zur Aktion schreiten muffe. Die Konferenz des Dreibundes hat sich auf heute vertagt.
Deutsches Reich.
♦* Berlin, 12. April. Die deutsche Negierung wird in einer besonderen Note gegen die Einführung der Frankenwährung im Soargebiet Protest ei heben. — Der Preußische Finanzminister Lüdemann hat das gegen den Prinzen Friedrich Leopold von Preußen beantragte Entmündigurigsverfahi c» nach dessen Abweisung in den beiden ersten Iustan- zen und mit Rücksicht darauf zmückgenommen, daß die durch das Versal» en angesirebie Sicherstellung deS prinzlichen Veimögens inzwischen in anderer Weise erfolgt ist.
* Tie Beisetzung der Kaiserin verschoben. Wie aus Hous Doorn gemeldet wird, hat enigeoen der
Als sie sich erholt hatte und zu dem Kinde zurück- kehrte, fand sie die Wärterin, ein frisches, gesundes Tiroler Mädchen an seinem Sette. „Bffjt!" machte sie und legte den Finger an die Lippen. „Nif red'n, er schläft!" Und sie machte sich so breit vor dem Bette, daß die Mutter nicht hinzu tonnte. Diese ahnte nicht, daß bet Schmied befohlen hatte: „$)üt mir den Buben wie Dem' Augapfel! Laß niemand zu ihm — a sei' Mutter nit!*
Stofitta war froh, der lästigen Krankenpflege enthoben zu sein und verließ das Zimmer. Aber es wat ihr doch nicht ganz wohl bei der Sache, und der Brief brannte wie Feuer auf ihrem Herzen. —
Als sie aber Michaels lautes Gehämmer aus bet Schmiede vernahm, atmete sie auf „Der dumme deut- fche Bür ahnt nichts", dachte sie. putzte sich vor Dem Spiegel und machte sich auf den Weg zur Tavernwirt» lchaft, um den Bries an Angelo zu übergeben.
Seim Betreten Der Dorfstraße bereute sie aber ihre» Entschluß Das Dorf glich einem aufqewüh'ten Durcheinander Der Mord an Dem Weinhändler Motta erregte alle Gemüter Die Ehre des Dorfes war bedroht Nun würde es natürlich heißen, die Deutschen hätten den Italiener aus Dem Wege geräumt unb beraubt. um ihren Haß zu kühlen — und doch fühlte ffch keiner im Dorfe schuldig Die Frage nach dem Mörder wurde von allen !eidenschafl!ich erörtert, o'.ue daß ei gelang, das Dunkel zu lichten Das erbitterte alle, und mit t>er schönen Rositta war es vorbei — Die Erregung 'lieg van Stunde zu Stunde Sie hatte den Höhepunkt erreicht, a!s Rofftta die Dorfftraße betrat. Ein kleines Ereignis hatte genügt, die Mine zur Explosion zu bringen.
Die beiden Schara-Mädchen hatten es nämlich nicht übers Her; bringen können, ohne Abschied aus Dem Dorfe zu gehen — und ihrem boshaften Charakter ent- IprochenD wollten sie die Dorffeute noch einmal gründlich ärgern, ehe sie das Dorf für immer verließen Aufgedonnert wie SaUeteufcn zogen sie Arm in Arm durchs Dorf, verspotteten Die Leute und fangen das Couplet 00m „dummen Sauer*.
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