Einzelbild herunterladen
 

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 83.

Lerantwonllch für Öen ceooutoneUen Zeil: Karl Schürte. " für btt Lnzeigen: I. ParzeUer-Fulba. z Rorattonsbruri u. Berlag bet zyulöaet Äctlenbruckerei in Fulda "ernmrecher Rr. 9. Deiegr.-Abreffe: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 12. KprU )92L

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Lk. ohne Zustellgebühr. In Fuido bei uns abgehoU 3,15 Mk. Anzeigenpreis : Die Kleinzeile SclonelmcB) 60 JJfg., u. 10°io Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite- 1.80 2;lr u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Zum Tode der Kaiserin.

Berlin, 11. April. Am Sterbelager der Kaiserin in Saus Doorn weilten der Kaiser und Prinz Adalbert. t>ie Tochter des Kaiserpaares, die sich auf dem Wege »ach Doorn befand, hat ihre Mutter nicht mehr lebend «ngetrosfcn. Der frühere Oberhofprediger Dr. Dryan. der ist aus Berlin nach Doorn gerufen worden. Trauer­geläute der Kirche von Doorn verkündete gestern früh den Tod der Kaiserin.

Am Donnerstag wird in Doorn eine Trauerfeier stattfinden, zu der auch die holländische Regierung einen Vertreter entsenden wird. Die Leiche der Kaiserin wird dann nach Deutschland gebracht worden. Sie dürfte am Freitag in Berlin eintreffen. Am Samstag vormittag soll im Mausoleum beim Neuen Palais in Potsdam die Beisetzung in aller Stille statr- finden. Wie verlautet, wird am Samstag der in Frage kommende Teil des Parkes durch Sicherheitsmannschaf­ten abgesperrt werden, um jede demonstrative Beteili- flimg der Bevölkerung an der Beisetzung zu verhindern. Der ehemalige Kaiser und der Kronprinz werden die Leiche der Kaiserin bis an die deutsch-holländische Grenze begleiten. Einige Persönlichkeiten aus der nächsten Um­gebung des Kaisers, darunter Prinz Oskar, werden weiter mitfahren bis nach Potsdam. Prinz Oskar be­gibt sich heute nach Doorn. Die Kaiserin wird nach dem Zeremoniell der preußischen Könige bestattet werden »nter Leitung des letzten Zeremonienmeisters.

f *

Auf das Ende dieses Frauenlebens, das einst auf der Höhe der Menschheit gestanden, nur Sonne zu ken­nen schien, hat der ungeheure Zusammenbruch Deutsch­lands, die Zerschmetterung der Hoffnungen derer, die sie als Gattin und Mutter liebte, dunkle Schatten ge­worfen. Darum ergreift ihr Schicksal jedes mensch­liche Gemüt aufs tiefste. Politische Bedeutung aber hat der Todesfall nicht. Am besten wird die ver­blichene Dulderin geehrt, wenn man ihr Leben und Wirken von der Seite betrachtet, die ihr die Anerken­nung und Verehrung in den weitesten Volkskreisen sichert. Sie war eine liebevolle und opferwillige L e- bensgefährtin ihres Gemahls, eine treue sorg­same Hausmutter, eine wirksame Gönnerin und Pflegerin der Liebeswerke, hat sich also gerade als tüchtige Frau im edelsten Sinne dieses Wortes bewährt. Nicht bloß in den Jahren. des Glückes und Glanzes, sondern auch während und nach dem furcht­baren Zusammenbruch und in dem erschütterrÄen Elend der letzten Zeit. Sie stand auch dem unglück­lichen Gatten in ihrer stillen Art tröstend und helfend zur Seite, obschon sie selbst seit den Schicksalstagen von 1918 von dem peinlichen, unheilbaren Herzleiden heim- besucht war.

Der religiöse Sinn der verewigten Fürstin muß besonders hervorgehoben werden. Die Sozial­demokraten und sonstigen Freidenker haben diese Ei­genschaft vielfach kritisiert und insbesondere Anstoß genommen an den zahlreichen Kirchenbauten, bei denen die Kaiserin und ihr rühriger Oberhofmeister Graf Mirbach die stärksten Triebkräfte waren. Wir be­trachten diese Tätigkeit als heilsam und zeitgemäß, da die kirchliche Versorgung der protestantischen Massen in dem riesig angewachsenen Berlin und anderen Groß­städten sehr rückständig war. Wir wissen wohl, daß die Verstorbene irr ihrer angestammten Konfession be­fangen war und für die katholischen Interessen nicht so viel Verständnis und Sympathie hatte, wie das katholische Drittel des Volkes es gern gesehen hätte. Doch darüber wollen wir am Grabe nicht rechten, son­dern lieber anerkennen, was die etjematige Kaiserin nach ihrem Wissen und Können für die religiöse Kul­tur getan hat.

Allgemeine Anerkennung verdient ferner, was sie für die Erhaltung und Pflege der zweiten Hauptstütze von Kultur und Wohlfahrt getan hat, nämlich in der

Förderung des Familienlebens durch ihr Bei­spiel, das mehr Werbekraft hatte als die schönsten Worte. An der Spitze des deutschen Volkes stand eine tapfere Hausmutter von sieben aufsprossenden Kindern. Wie würde unsere Hoffnung auf den nationalen Wie­deraufschwung steigen, wenn alle deutschen Hausfrauen sich dieses leuchtende Beispiel zum Vorbild nehmen.

Die Verewigte hatte keinen Zug in das Geniale, keine Anlage zu blendenden Prunk- und Prahlhand­lungen, fonbem fand ihr Genüge in der einfachen, ruhigen Pflichte rfüllung. Das unterschied sie von ihrem kaiserlichen Gemahl, der sehr für die äu­ßere Aufmachung und sensationelle Wirkung gestimmt war. Es war gut, daß sie in dieser Hinsicht an der Ueberschreituirg des richtigen Maßes nicht beteiligt war.

Der gewissenhaften Hausfrau und langjährigen Landesmutter wollen wir an der Bahre Ehre und Dank zollen, und der Dulderin, die nach dem Falle von der höchsten Höhe in das tiefste Elend so furchtbar ge­litten hat, sei das herzlichste Mitleid geweiht. Möge der Friede, den die irdischen Schicksale dem kranken Herzen nicht gönnen wollten, diesem langgequälten Opfer des Krieges in einer besseren Welt beschicken sein.

Auguste Viktoria

wurde am 22. Oktober 1858 auf Schloß Dölzig als äl­teste Tochter des Herzogs Friedrich von Schleswig-Hol- stein-Sonberburg-Augustenburg geboren. Ihre Jugend verlebte sie teils in ihrem Geburtsorte, teils in Kiel, Gotha und Schloß Primkenau. Nach ihrer Konfirmation besuchte sie auf längeren Reisen Südfrankreich und Eng­land. In England bekam sie ihren spätem Gemahl, den Prinzen Wilhelm von Preußen, bei einem Besuch am Königshof zuerst zu Gesicht; diese flüchtige Bekanntschaft fand im Jahre 1879 ihre entscheidende Fortsetzung, als Prinz Wilhelm, einer Jagdeinladung des Herzogs Friedrich folgend, zu Besuch in Primkenau weilte. Für die Verlobung des Prinzen Wilhelm van Preußen und der Prinzessin Auguste Viktoria von Hol­stein-Augustenburg haben offenbar nicht höfische Inter­essen, sondern herzliche Zuneigung und gegenseitiges Gefallen den Ausschlag gegeben. Die Verlobung er­folgte am 14. Februar 1880 in Gotha und wurde am 2. Juli desselben Jahres bekannt gegeben. Am 26. Februar 1881 hielt die Prinzessinbraut ihren festlichen Einzug in die Reichshauptstadt, und am Tage darauf sand die Berrnählungsfeier statt. Das Marmorpalais in Potsdam wurde zum ersten dauernden Aufenthalt des jungen Paares bestimmt. Verhältnismäßig lange, sieben Jahre hindurch, konnte sich die Prinzessin eines füllen, von höfischen Pflichten im allgemeinen freien Lebens erfreuen, bis der Tob des alten Kaisers ihr den großem Aufgabenkreis der preußischen und deutschen Kronprinzessin zuwies, und schon wenige Monate dar­auf bas Hinscheiben Kaiser Friedrichs sie zur ersten Stelle unter den Frauen Deutschlands erhob. Der Ehe des Kaiserpaares entsprossen sechs Söhne und eine Toch- ter.

Nene Borschläge.

Simons Rückreise.

Reichsminister Dr. Simons ist gestern von Bern direkt nach Berlin zmückgekehrt. In Basel nahm Minister Simons im Hause des deutschen Konsuls einen kurzen Aufenthalt. Er stellte gegenüber einem Ver­treter derBasler Nachrichten" baldige neue Ent- sch ad igungs Vorschläge Deutschlands in Aussicht, da angesichts der beiderseitigen Bindung in London auf der bisherigen Grundlage nicht mehr vor­wärts zu kommen fei. Von diesen neuen Vorschlägen erhofft Simons persönlich bestimmt, daß sie zu Unter­handlungen führen werden, die eine Einigung und die Vermeidung der Katastrophe zur Folge haben würden.

Einberufung des Auswärtigen Ausschusses.

Abg. Stresemann wird sofort nach Rückkehr des Reichsrninisters Dr. Simons den Auswärtigen Aus­schuß einberufen. Auf die Tagesordnung der Sitzung soll die Eutschädigungsfrage gesetzt werden. Bei den

Parteien besteht dec Wunsch, daß Dr. Simons vor dem Auswärtigen Ausschuß Mitteilung über seine neuen Pläne mache.

Dem hak ein deutscher Zollbeamter zu gehorchen?

Nach etter Meldung aus Mainz hat die deutsche Regierung den Zollbeamten Oberregierungsrat Sei­del, der von der Interalliierten Kommission zum Di­rektor des neuen Zollsperrdienstes ernannt worden war, nach Berlin berufen und ihm einen anderen Posten angewiesen. Die Kommission hat beschlossen, daß deshalb gegen Seidel em kriegsgericht­liches Verfahren wegen Ungehorsams bei der Ausübung der ihm erteilten Befehl« anhängig gemacht werden fall.

Es ist klar, daß kein deutscher Beamter zur Durch­führung der Gewaitmaßnahmen, die im schärfften Wi­dersprach zum Versailler Friedensvertrag stehen, ge­zwungen werden tarnt. Das ist weder rechtlich noch moralisch zulässig, und es kann als sicher angenommen worden, daß die deuffche Regierung einem von der Entente beabsichtigten Zwange zur Erlangung einer Mithilfe bei Durchführung der Gewaitmaßnahmen schärfsten Protest entgegensetzen wird.

Die Lifte über die Dieselmotore.

Saut .Deutscher Allg. Zeitung^ hat die deutsche Negierung am 31. März die von der Botschafterkon­serenz geforderte Liste über die Verwendung der Dieselmororeder Marinekontrollkommission über­geben. Die Liste weist insgesamt 423 Maschinen auf. Hiervon waren am 31. März vier zerstört, weil ihre Instandsetzung nicht mehr möglich war. 343 sind für Handelszwecke verkauft worden und nur 75 befinden sich noch unverkauft zur Verfügung der deutschen Regierung. Wie das Blatt dazu be­merkt, ist dies der beste Beweis dafür, tote dringend die deutsche Wirtschaft gerade diese Maschinen für ihren Wiederaufbau bedarf.

Die Politik der Vereinigten Staaten.

Von maßgebender Seite in Washington wird be­kannt gegeben, daß die Politik der Vereinigten Staaten folgende Richtlinien verfolgen wird:

Die Regierung der Vereinigten Staaten will ihren ganzen Einfluß aufbieten, um Deutschland dazu zu bewegen, innerhalb feiner Fähigkeit Geldzah­lung zu leisten und für die Schäden auf$ufommen, die der Krieg Belgien und Frankreich zugefügt hat. Wenn Die Regierung der Vereinigten Staaten auch die Berechtigung der französifchen Gewaitmaßnahmen gegen Dentfchland anerkennt, so glaubt sie doch, daß Deutschland nicht ansgebeutet werden sollte, sondern daß Frankreich feine Hilfe zur Ent­wicklung der deuffchen industriellen Hilfsquellen leihen sollte, womit ein Schritt zur Festigung der wirtschaft­lichen Lage der ganzen Welt getan würde. Die Ver­einigten Staaten würden jedes angriffsweise Vorgehen, das nur den Imperialismus begünsti­gen und wahrscheinlich den Bölkerhaß sowie inter­nationale Streitigkeiten zur Folge haben würden, als unratsam verwerfen. Die Regierung der Ver­einigten Staaten verfolgt voller Beunruhigung die der­zeitigen Nachwehen des Weltkrieges, aus denen un­zweifelhaft die Tatfache hervorgickst, daß im Augenblick nirgendwo in der gangen Well ein unpar teiifcher Gerichtshof besteht, dem die strittigen Probleme zum Zwecke eines Schiedsspruches unterbreitet werden könnten. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen nicht, irgendwelche Rechte ausgugedeu, die ihnen Äs einfluß­reichem Teilnehmer am Weltkrieg« und als Teilhaber an dem erfolgreichen Ausgange desselben zustehen.

Aus dein besetzten Gebiet.

* die bisherigen Postwertzeichen des Saargebietes, darunter auch bte soeben erst ausgegebenen neuen

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabvr.

30] ---------

Die Abendsonne schaute mit blutigrotem Schein durch bas offene Fenster der Taverne in das weißge­tünchte Zimmer, in dem Giuseppe Motta röchelnd in den Kissen lag. Der Pfarrer hatte ihm die letzte Oelung gespendet, und der Richter verlangte bei seinem Erwa­chen Auskunft über das verübte Verbrechen. Aber Motta wußte von nichts. Er war in der Kutsche eingcschlafen und war in diesem Zustande von dem Mörder überfab fen worden. Schon nach wenigen Sätzen versagte ihm die Stimme und er konnte nur noch die Bitte stammeln, man möchte ihm Gina als Pflegerin schicken dann verlor er wieder das Bewußtsein.

Obwohl Gina den reichen Schlemmer verachtete, wollte sie sich doch ihrer Pflicht als Krankenpflegerin nicht entziehen; darum eilte sie sofort zu dem todwunden Manne. Ms sie ihm seine Wunden verband und eine kühle Kompresse aus die fieberheiße Stirn legte, erwachte er und erkannte seine Pflegerin.Tschina," hauchte er, »Sie sind also doch gekommen?"

Ich gehorche stets der Pflicht," erwiderte sie schlüht.

Ja, Sie sind ein Engel," fuhr er fort,und mir tut es leid, daß ich Sie gekränkt habe. Können Sie mir verzeihen?"

Cs ist alles vergeben und vergeflen Signor Matta."

Motta küßte ihre Hand.Ich danke Ihnen, TscMa", sagte er mit bewegter Stimme.Ich fühle, daß der Tob kommt . . . Darum will ich zuvor meine Rechnung mit dem Himmel machen Ach, was bin ich ein großer Sünber! Ich habe ein leichtfertiges Geben geführt und mein Herz ganz an den Mammon gehängt. Aber nun, da es zum Sterben kommt, zieht mich das Gold hinab in die Tiefe . . . Keinen Heller kann ich mit hinüberneh­men in die Ewigkeit, mit teeren Händen trete ich vor meinen Richter. Glauben Sie, daß er mir verzeiht?"

Gott ist die Siebe!" erwiderte Gina.Und es steht geschrieben: Wären Deine Sünden auch rot wie Schar- lach ich will sie abwaschen im Blute des Lammes, daß sie weißer werden denn Schnne. Wenn Sie nur die rechte Reu bäte""

Er nickte. Seine Augen standen voll Tränen, und aus seinen qualoerzerrten Zügen sprachen Zerknirschung, Reue und Bußsertigkett.

Gina hatte Mitleid mit dem armen Reichen. Es war dach schrecklich, mitten aus dem Leben und aus sei­nen Sünden herausgeriffen zu werden; noch schrecklicher aber war es, um des Mammons willen, der sein Höch­stes im Leben, gewesen war, ermordet zu werden. Motta fühlte dies selbst und sagte zu Gina:Der Berg von Gold, den ich aufgehäuft habe, erdrückt mich nun. Wenn ich ihn doch los wäre! Wenn ich auch nur mit einem einzigen guten Werke vor meinen Richter treten könnte!" Und nach einigem Nachsinnen fuhr er fort:Ich möchte eine gute Stiftung machen. Ich habe ja soviel Geld, daß ich nicht weiß, wohin damit. Es soll ein Kranken­haus in Satan gebaut werden ich stifte 100000 Kronen . . . Sagen Sie es dem Pfarrer und dem Rich­ter .. . Sie mögen kommen und es niederfchreiben . . . Und Sie, Tschina, müssen Vorsteherin werden. Das mache ich zur ^Bedingung, denn Sie sind ein Engel der Barmherzigkeit."

Da er vor Erschöpfung ein schlief, hielt Gina Wache bei ihm. Am andern Morgen ordnete er seine irdischen Angelegenheiten und machte auch seine Rechnung mit dem Himmel.

Während bat Pfarrer unb ber Richter bei dem Kran­ken waren, schöpfte Gina draußen auf dem kleinen Bal­kon, der wie ein Schwalbennest unter dem Dache hing, ein wenig frische Luft. Ader sie fand keine Ruhe. In der Tavernwirtschaft ging es aus und ein wie in einem Taubenschlag.

Die welschen Spielleute schlüpften durch die Hinter­türe aus und ein wie Katzen, die auf Raub ausgehen.

Gleich darauf rückten die beiden Schara-Mädchen mit i Sack und Pack aus; in dem Haufe, wo ein werben­der lag und Richter und Priester ihres Amtes walteten, i schien es ihnen nicht mehr geheuer zu fein. Sie Der- : ließen die Stätte ihrer ländlichen Triumphe, um in ber i Stadt ihr Glück zu verfuchen Ser_ Wirt schleuderte ihnen zum Abschied noch ein paar Flüche nach, doch sie machten sich nichts daraus, lachten ihm ins Gesicht ur* drehten ihm eine Nase. Da warf ihnen der Wirt ein »aar schwere Sterne nach, daß sie kreischten und wie

verscheuchte Vögel davon flatterten. Froh über ihren Abzug kehrte Filippo Ornello m die Schenke zurück, nachdem er noch einen scheuen Blick aus das Fenster geworfen hatte, hinter dem sich der Kranke mit dem Pfarrer und dem Richter befand.

Kaum war Ornello im Hause verschwunden, so ge­wahrte Gina von ihrem Schwalbenneste aus, wie Ro- sitta Pallanta durch eine Lücke in der Hecke in den Gar. ten schlüpfte unb sich nach allen Seiten umsah.

Das kam Gina höchst verdächtig vor.Was will denn die Welsche hier?" dachte sie.Eine anständige Frau schlüpft doch nicht in fremde Gärten. Sonderbar!"

Noch sonderbarer war es, daß Rositta einen leisen Pfiff ausstieß, worauf der junge Pifferari aus der Türe fuhr, durch den Garten flitzte und Rositta freudig be­grüßte. !

Gina klopfte das Herz zum Zerspringen.Was be- beulet bas alles?" dachte sie und blickte gespannt in den Garten, um zu sehen, was sich nun ereignen würde.

Im selben Augenblicke aber wurde sie ins Kranken­zimmer gerufen und mußte sich dem Kranken widmen, der vor Erschöpfung in Ohnmacht fiel. Sie fand daher nicht Zeit, ihre Beobachtungen dem Richter mitzuteilen, und bei ruhigem Nachdenken sagte sie sich, daß es auch so besser sei. Er hatte ja sonst denken können, sie wolle Michaels Frau bei ihm verdächtigen und das tag ihr gänzlich ferne. Aber seltsam fand sie es immerhin, daß die stolze Rositta mit einem hergelaufenen Bettelmusi­kanten heimlicherweise zusammenttaf.

Während Gina am Bette des Kranken saß, standen Rositta und Angelo im Schatten einer Kastanie.An­gelo," sagte Rositta verängstigt,mir brennt ber Boden unter den Füßen, ich spüre es m allen Nerven, daß ein vernichtender Schlag gegen mich geführt werden fall. Mein Mann hat Verdacht geschöpft, daß ich beim Tanze war. Wenn er Gewißheit darüber hat, gibt es eine furchtbare Szene. 0, Du kennst ihn nicht er ist fürch­terlich in feinem Zorn. Ich glaube, er könnte mich auf der Stelle tvtschlagen, wenn er mich auf böser Tat er­tappt unb habe in ber Tat kein gutes Gewißen.

Darum möcht forf, ehe es zu spät ist nach Süden, zu meiner Mutter. W«bt Du den Weg?" (Forts, f,)

Marken, werden am 1. Wal außer Kurs gesetzt, ohne, daß bte unbertoenbeten Marken eingelöst werben. Vorn L Mai ab werden sämtliche Saarmcrrken bie Wertbe- zeichnung in Franken tragen.

* Srcmzöfische zorderun;««. Aus Ludwigshafen wird gemeldet: Nachdem eben erst bte französischen Kasernen unb Kasernements für bie Unteiofftziers. famtlien fertiggestcllt sind, verlangt die Mitltärbehörde nunmehr Gelände für einen Exerzierplatz im Um- fange von 123840 qm. Der Aufwand ist mit rund 50 Millionen Mark veranschlagt. Die Stadt Ludwigshafen, die arm an landwirtschaftlichem Boden ist und deshalb das Gelände sehr gut brauchen könnte, empfindet den Verlust des beanspruchten Geländes sehr schwer.

* vqnamitftriid In der Näh« des Jagdschlosses Platte bei Wiesbaden wurde ein Zentner Dynamit ge­funden. Im Zusammenhang damit finden Haus­suchungen bei den Kommunisten statt. Aus beschlag, nahmten Schriftstücken geht hervor, daß das Gerichts­gebäude, in dem düs französische Militärgericht tagt, in die Luft gesprengt werden sollte. Das Haus wird fort» gefetzt scharf bewacht.

Deutsches Reich.

** Berlin, 11. April. Die nach te Reichstags­sitzung ist, wie ursprünglich gep a.it, auf Mittwoch, den 20. April einberufen toorOen. In Essen be­gannen Verhandlungen über ein neues Lohnab­kommen für den Rubrbergbau, von dessen Zustande- kommen das Inkrafttreten eines neuen Heber# schichtenabkommens abbänat.

* Parlamentarische Doppelmandate. Während ftüher die Zakst der Doppelmandate im Reichstag und Mgeordneienhaus sehr groß gewesen war (es gab 1908 im Mgeordneienhaus 73), ist sie 1919 in der preu­ßischen Landesversammlung auf 14 gesunken. Die neue preußische Landesversammlung zählt nur noch 12 Doppelmandatare, die sich auf die Parteien wie folgt verteilen: Ztt. 4, S. 3, D.-N., D. Vp., Komm., 1L und D. je 1.

* 1,2 Millionen fehlende Wohnungen. Auf einer Tagung der Bereinigung der Dezernenten und Leiter der Wohnungsämter des rheinisch-westfälischen In» dustriebezirks wurde ausgeführt, daß zurzeit etwa 1,2 Millionen Wohnungen in Deutschland fehlen.

Huslanö.

* Internationale christliche Bergarbeiterkoufereuz. Ab 10. April findet in Salzburg eine internatio­nale Konferenz der christlichen Bergarbeiter statt. Es soll bei der Gelegenheit eine christliche Inter­nationale der Bergarbeiter gegründet werden.

** Palästina. England als Protektor hat in Palästina die französische Sprache ausgemerzt und läßt nur noch di« englische, hebräische und arabische Sprache zu. Mit der Sprache wurde auch die fran­zösische Fahne entfernt.

* Eine neue türkische Offensive. Havas meldet: Die Türken sind zu einer neuen Offensive geschritten, die sich gegen Sari Keri richtet im oberen Noandertal. Sie suchen augenscheinlich den rechten griechischen Flügel zu umfassen. Die Türken scheinen in den letzten Tageiz beträchtliche Verstärkungen erhalten zu haben.

* Aegypten. Gegen den in Aegypten eingetroffen«» englischen Minister Churchill haben in Alexan­dria nationalistische Kundgeb ungetr stattgefunden, bei denen fünfzehn Personen schwer ver­wundet wurden. Um weiteren feindseligen Demon­strationen in Kairo zu entgehen, mußte der Minister den Zug vor der Hauptstadt verlassen und die Strecke bis zur englischen Residenz im Automobil zurücklegen. DerDaily Expreß" meldet, daß Churchill von seiner Orientreise nach Landon zurück gekehrt sei.

** Kommunistenumtriebe in Spanien. Ans Barcelona werden neue Attentate gemeldet. Der Direktor einer Gießerei wurde von einer Gruppe Kommunisten getötet. Ein Werkmeister in einer Glasblcyerei wurde von Syndikalisten tödlich ver­letzt. Eine Gruppe von Kommunisten gab mehrere Schüsse gegen die Arbeiter einer Blechfabrik ab. Ein Sicherheitsbeamter entdeckte unter einem Fabriktor eine Höllenmaschine.

* Die mittelamerikenischen Staaten Honduras Sa!» davor unb Guatemala haben sich durch Vertrag zu einer einzigen Republik bereinigt Der neue Staat hat eine Bevölkerung von 4100000 Menschen.

Kus Mche und $Mk.

* Monsignore Dr. Lorenz Derihman«. Wie die Freiburger Tagespost" meidet, ist in der Nacht grnn. Montag in Freiburg der päpstlich« Protonotar Msgr. Dr. Werthmann, der Präsident des deutschen Ca» ritasoerbandes, gestorben. Der Tod des um di« katholische Kirche hochverdienten Herrn Prälaten, der auf dem Gebiete der christlichen Caritas eine geradezu einzigartige Mission für unsere Zeit des Zusammen-^ bruchs erfüllt«, hinterläßt für das katholische Deutsch­land eine nahezu miausfüllbare Lücke. Geboren 1858 zu Geisenheim in der Diözese Limburg, machte er feine theologischen Studien im Germanikum in Rom, wo er am 28. Oktober 1883 die hl. Priesterweihe emp­fing. Sein Hauptwerk und Hauptoerdienst ist die Gründung und Organisierung des deutschen Cari - tasverbandes, der von Werthmann mit aposto­lischem Eifer und seltenem Geschick zu einer Bedeutung emporgeführt wurde, daß er vorbildlich wurde in der ganzen Welt und bekanntlich sind schon die Vorberei­tungen im Gange zur Gründung des internationalen Caritasoerbandes, besten Notwendigkeit immer drin­gender sich zeigt«. Wie kaum ein anderer war der nunmehr zu früh Entschlafen« durch feine gange Per­sönlichkeit, sein Wissen und seiner vielen Beziehungen gmn Ausland berufen, diese Brücke der christlichen Nächstmliebe unter den im Haß entzweiten Völkern gu schlagen. Gott hat es in seiner unerforschlichen Weisheit anders bestimmt. Nach Million«- wählen dis Wohltaten für die leihend« Menschheit, die Lnch feine