Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 82.
zjeramwonitch lür Len «oouioneUen Teil: Karl »chülte. - für die Anzeigen: I. Parzeuer-Fulda. " Roiationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lrtiendruckerei in Fulda. ?ernipiedier Nr. 9. Telegr.-Aöreüe: Fuldaer Zeitung
Montag, April |92|.
öezuzsprer»: MonatlichZ»<X1 Atc. oyne Zustellgebühr. InFu.bo bei uns abgehoii 3,13 AU. Anzeigenpreis: Die Klein zelle E ofaneimaB) 60 p;g„ u. 10°.« Zuschlag, die Reklamezeile (Ttyäieiie) 1.80 IHt., u. 1S«>° Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.
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48. Zahrg.
Stegerwald Ministerpräsident.
Nachdem wochenlang zwischen den einzeien Parteien über die Lösung der durch die Neuwahlen am 20. Februar entstandene Regierungskrise in Preußen hin- und herverhandelt worden war und die Rollen der Regierungsbildung von Tag zu Tag verworrener geworden war, haben sich die Parteien endlich zu einer Kompromißlösung entschlossen. Man hat beschloßen, einen Parlamentarier aus den Reihen des Zentrums, ten bisherigen Dolkswohlfahrtsminister Sieger- w a l d, zum Ministerpräsidenten zu wühlen, und diesem auf Grund eines von ihm aufzustellenden Programms die Bildung eines Ministeriums zu übertragen. Auf Grund dieser Vereinbarung der Parteien wählte der Landtag denn auch am Samstag mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien und denen der Mehrheitssozialisten den Wg. Stegerwald zum Minister- Präsidenten.
Die Wahl ist erfreulich, aber die Krone, die man icherrn Slegrwaid aufs fjou.pt gesetzt hat, ist doch ;ein eigenartiges Ding. Stegerwald ist freilich zum 'Hausherrn ernannt worden, aber das Haus, in dem jer schalten und schaffen soll, muß er sich erst selbst zurechtzimmcrn. Er ist Präsident eines Ministeriums, tas er noch im Schweiße seines Angesichts bilden .soll. Er ist gewählt von einer imposanten parlamentarischen Mehrheit, fast einhellig; aber die Koalition, die ihm bei der künftigen Arbeit den nötigen 'Rückhalt bietet, ist noch nicht gefunden, und man Weiß nicht, ob sie überhaupt sich finden lassen wird.
Durch die vollzogene Wahl ist die Krisis nicht schon gelöst, sondern der Landtag hat nur die Last der Lösung dem Zentrum und dessen Dertmuensmann zugeschoben. Es ist keine Frage, daß die Zentrumspartei, die Stegerwald stellt, kein geringes Opfer auf sich genommen hat. Die politische 'Lage in Preußen entspricht derjenigen im Reiche, in welchem ebenfalls die Zentrumspartei als die größte und führende nichtsozialistische Partei unter Billigung, ja unter Drängen der übrigen bürgerlichen Parteien, wie auch der Mehrheitssozialdomokraten, das Staats- ruder in die Hand nahm. Gewiß nicht aus Ehrgeiz oder Eigennutz, sondern aus Dpferfinn und vaterländischem Geist. Es bestätigt sich wieder einmal, daß gerade bei dem so oft angefeindeten Zentrum das Pflichtbewußtsein und die Liebe zu Volk und Vaterland größer ist, als Rücksichtnahme auf partei- apolitische Interessen. Auch hier hat das Zentrum wiederum bewiesen, daß es in der Stunde der Not Land und Volk nicht im Stiche läßt. Es hat sich unter seinem ihm von Natur eigenen Verantwortungsgefühl in aufopfernder Tat dazu entschlossen, in dieser schwierigen Lage aus seinen Reihen einen Mann herauszustellen, der schon oft genug Proben seiner Befähigung und Tüchtigkeit abgelegt hat, in ernsten Lagen ein ernster Führer zu sein.
Stegerwald besitzt hierzu auch das nötige Vertrauen, denn es bedeutet schon allerhand, daß sich über alle neuen und alten Gegensätzlichkeiten hinweg die sämtlichen bürgerlichen Parteien und die So- zilademokraten, also der ganze Landtag, soweit er ^deutsch und arbeitsfähig ist, auf Herrn Stegerwald ■als den berufenen Retter geeinigt haben. Sogar 6ie Deutschnationalen haben für ihn gestimmt, woraus man die Hoffnung schöpfen kann, daß sie der Künftigen Negierung keine unbedingte Opposition , machen werden, wenn auch sie selbst nach Lage der ! Verhältnisse vorläufig zur Uebernahme von Minister- xosten nicht eingeladen werden können.
Wer das schwierige Werk des Ausgleichs und der Sammlung der Kräfte durchführen will, muß eine beträchtliche Autori tat besitzen. Der Abg. Trim- born hatte im vorigen Jahre das notwendige Ansehen durch seine Stellung als bewährter Fraktionsführer
Der König der Dolomiten.
Volksroman von Felix Nabor.
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Als er jedoch ins Krankenzimmer trat, prallte er ] erschrocken zurück, denn er sah sich einer Krankenschwester gegenüber, die ihn erstaunt fragte, was er begehre.
„Santa Maria!" rief er aus, „das ist ja Signora Tschina. Ja, um aller Heiligen willen — sind Sie denn Nonne geworden?" Die ernste Tracht flößte ihm Ehrfurcht ein, so daß er sie nicht mehr wie früher mit -Du" anzureden wagte, sondern das höfliche „Sie" gebrauchte.
^2ch bin Krankenschwester und pflege meine Mutter , erwiderte Gina höflich, aber zurückhaltend.
Er schaute sie an, als sei sie ein höheres W.sen, und rief dann wie in freudiger Uebcrraschung: „Golt sei Dank, daß Sie sich nicht für immer dem Himmel t>er- mühlt höben. Es wäre schade für soviel Schönheit."
„Schweigen Sie mit Ihren leichtfertigen Scherzen", wies ihn Gina zurecht. „Der Himmel sucht sich seine Bräute ohne den Weinhändler Motta. Der ist allerdings nicht fürs Himmlische."
„Nein döfür aber um so mehr fürs Irdische", antwortete Motta, der immer mehr Gefallen an Gina sand. Sie schien ihm seit ihrer Rückkehr aus der S.adr Noch schöner geworden zu sein. Auch ihre Sprache klang freier und gewählter, ein Beweis, daß sie auch geistig gewachsen war und sich vervollkommnet hatte. Er war ganz bezaubert und ihrem anmutigen Wesen und ihrer Schönheit und fuhr voll Begeisterung fort: »Darum will ich auch heute wieder von meinen Herzenswünschen reden, Signorina Tsch na. Ich bin hierher gekommen, um ein Geschäft mit Ihrer Frau Mutter zu machen, aber nachdem ich Sie ge]ehen habe, verlange ich mehr: ich lege Ihnen mein Herz zu Füßen Und bitte Ci?, me-.n Weib zu werden."
„Stille! — Kein Wort mehr davon!" unterbrach ihn Gina heftig. „Jh> Antrag ist nach dem, was man von i Lhrcm Lebenswandel hört, eine Beleidigung und eine Schmach für ein anständig Mich en. Alle im Dorfe verachten Sie. Sie sind ein Trunkenbold und ein wüster Lebemann. Werben Ci; um die S Hara Möddels, die pajjen zu Ihnen. Wich aber lassen Sie in W k
und als Beauftragter des Reichspräsidenten. Herr Sdegerrvald bringt als einflußreicher Gcwerlfchaftlrr und bahnbrechender Soziatpolitiker auch schon eine große persönliche Autorität mit, und die wird jetzt durch das einmütige Vertrauensvotum des Landtags wesentlich erhöht. So kann es ihm vielleicht gelingen, die Bildung der Koalition In Fluß zu bringen.
Jedenfalls kann er die Verhandlungen von dem fruchtlosen Verfahren mittels Schriftwechsels von Fraktion zu Fraktion wieder Mrückbringen auf den mündlichen Meinungsaustausch unter den maßgebenden Persönlichkeiten im vertraulichen Kämmerlein. Nur so können die entscheidenden Beschlußfassungen der Fraktionen gedeihlich vorbereitet werden im Miste der Verständigung und der gemeinschaftlichen Tätigkeit für das Vaterland.
Auf diesem Wege läßt sich auch allein der Arbeit s p l a n für das Ministerium entwerfen. Da- bei darf nicht das ganze Programm der Partei in den Vordergrund geschoben werden, sondern man muß sich auf die nächsten, brennenden, aktuellen Aufgaben der Zeit beschränken und sich in diesen schwebenden Fragen friedlich und freundlich verständigen. Ein solcher Arbeits^an würde auch notwendig sein, wenn es nicht zu einer richtigen Koalition käme, fordern ein Geschäftsministerium ohne qusgespro- chenen parteipolitischen Charakter als Lückenbüßer ein« springen müßte. Auch eine solche Regierung braucht ein Programm, das die Bürgerschaft befriedigt und die Unterstützung im Parlament wahrscheinlich macht.
Ob Herrn Stegerwald das höchst schwierige Werk gelingen wird, bleibt abzuwarten. Wir hoffen es. Inzwischen begleiten di« besten Wünsche dfer Gutgesinnten den tapfren Zentrumsmann!
Der Zentrums-Parr.-Kor. gegenüber äußerte sich der neue Mmvsterpräsident über feine nächsten Absichten wie folgt: (Er will ein Geschäftsministerium bilden, in welchem aber nicht nur Beamte sitzen werden, sondern auch Politiker, bezw. Parlamentarier, da er der Ansicht ist, daß er für die Führung der Geschäfte die Mit- Wirkung maßgebender Parlamentarier nicht entbehren kann. Er wird zunächst Verhandlungen mit einigen bisherigen Mitgliedern des Kabinetts führen, um diese für fein Kabinett zu gewinnen. So hat er die Absicht, den bisherigen Suftiyninlfter am Zehnhoff (Ztr.) zu bewegen, das Justizministerium zu behalten. Ferner hat er d-e Absicht, den bisherigen Handelsminister Fischbeck (Dem.) ebenfalls nm sein Verbleiben im Amt zu ersuchen. Das Finanzministerium beabsichtigt er, dem Demokraten 0 e f e r anzubieten, der im bisherigen Kabinett bekanntlich (das inzwischen aufgelöste) V er kehrsmi niste rinnt inne- hatte. Ferner hat Stegerwald die Absicht, auch die Sozialdemokratie zu veranlassen, einen Mann in dem GeschLflsmimstorium zu belasien. Er hat allerdings noch keine Gewißheit darüber, ob die Soziakdomokratie unter den bisherigen Verhältnissen geneigt ist, einen ihrer Mit- gfieber in da« Kabinett eintreten zu lassen. Sollte die Sozialdemokratie dazu Geneigtheit haben, so wird der Mi- nsierpräsident den bisherigen Minister des Innern Se- oering bitten, im Amte zu verbleiben. Die übrigen Ministerposten, das wäre also das Kultusministerium und dos Landwirtschaftsministerium, wir- der Ministerpräsident mit Beamten besetzen. Der Ministerpräsident selbst wird das von ihm bisher bereitete Wohlfahrtsministerium beibehalten. Der Mnister- präfident Stegerwald sicht diese» von itpn geplante Ge- schästsrnnisteriuin selbst als ein Provisorium an, während- desien die Bemühungen fortgesetzt weiden sollen, eine trag- bare Regierungsmehrheit für ein politische» Kabinett zu bilden.
Die Berliner Presse beschäftig sich in langen Seil- artikeln mit der Wahl Stegerwald« zum preußischen
Ministerpräsidenten. Don den Blättern fast aller Parlelrichtungen, ausgenommen denen des radikalen lücken Flügels, also den Unabhängigen uttb Kommunisten, wird Aegerwalds Wahl freundlichst begrüßt und durchaus sachlich behandelt. Vor allem kommt in den Blättern zum Ausdruck, daß Stigerwald eine so große Stimmenmehrheit von 3ü2 Stimmen bei 388 abgegebenen Stimmzetteln auf sich vereiirigen konnte. Man stellt überall fest, daß außer den Mittelparteien auch ofc DeuifchnaÄoncirn mÄ Mehrheitssoziaiiften für SteMwalo gestimmt Haden. Man knüpft daran die Hoffnung, daß er die Schwierigkeit«, icherwindeti und ein Kabinett zustande bringen werde.
Die deutschmltioncle Fraktion hat ihr Eintreten für Stegerwald in einer besonderen Erklärung begründet, in der sie sagt, daß sie schon deshalb für Stegerwald habe eintreten müssen, w:il bei der Technik des Wochivorgcm^s anderenfalls keine Sicherheit dagegen gegeben war, daß ein Mehrheitssozialist gewählt worden wäre. Die Erklärung formuliert dann die Punkte der parteiamtlichen Erklärung, die die Partei am 25. März abgegeben hatte.
Adam Stegerwald
wurde 1874 in Greußenheim bei Würzburg geboren, erlernte das Schreinerhandwerk und arbeitete in verschiedenen Städten Süddeutschlands. In Stuttgart und München besuchte er die gewerblichen Fortbildungsschu- len; in München hörte er außerdem an der Universität volkswirtschaftliche Vorlesungen; später besuchte er die Handelsschule in Köln. Seit Mitte der 90er Jahre steht er in der christlichen Gewerkschaftsbewegung, 1899 gründete Stegerewald den Zentraloerband christlicher Holzarbeiter, 1902 wurde er auf den Posten des Generalsekretärs der chrisllichen Gewerkschaften Deutschlands berufen. Zum Zwecke des Studiums der Arbeiterbewegung unternahm er wiederholt Reisen ins Ausland. Im Oktober 1917 wurde Stegerwald in Anerkennung feiner Verdienste um die Kriegsernährungswirtschaft ins preußische Herrenhaus berufen. Zuletzt war Stegerwald preußischer Wohlfahrtsminister.
Die Landtags-Berhandlung.
Zu Beginn der Sitzung vom SamStaz erfolgte bie endgültige Wahl de» LandtagrpräsidiumS, bic verfajsungSgemäß nach Ablauf von vier Wochen zu er* folgen hat. Der bisherige vorläufige Präsident Seiner1 (Soz.) und die Vizepräsidenten Dr. Porsch (Ztr)- Dr. v. KrieS (Dtnl.> und Dr. Garnich (D. 23p.) werden durch Zurufe wiedergewählt.
Dann folgt die Wahl de» Ministerpräsidenten- Abg. Stegerwald (Ztr.) wird mit 832 Stimmen 8um Ministerpräsidenten gewählt,25 Stimm, erhält Abg. Ludwig (Unabh.), Abg. Jakobi-Raffauf (Zlr.), Abg. Adolf Hoffmann (Komm.), Abg. Scholem (Komm.) und Sinowiew-üpselbaum erhalten je eine Stimme.
Es entspann sich dann eine kurze aber heftige Debatte über einen kommunistischen Antrag auf Haftentlassung des Abg. Pleuge (Komm.), der von den Engländern verhaftet wurde. Der Antrag geht an den NechtsauSschuß.
In zweiter Lesung werden dann die Gesetzentwürfe über die Verfassungen der evangelischen Landeskirchen in den neuen Provinzen Preußens angenommen. Dann vertagt sich da- HauS auf Donnerstag.
Rhein-Zollgrenze am 20. April.
Die Zollgrenze am Rhein soll am 20. April in Kraft treten. Soeben hat die Rheinlandkammission eine Verordnung erlassen über das Zoll wesen im befetten Gebiet und eine Verordnung über die Einrichtung einer Sonderregelung der Ein- und Ausfuhr für das besetzte Gebiet zur Kenntnis gebracht. Die wichtigsten Bestimmungen sind folgende:
Die östliche Zollgrenze beginnt an der holländischen Grenze, umfafjt die Häsen von Nuhrort ur.O Duisburg und den neuen Brückenkopf Düsseldorf, den Brückenkopf Köln,
Signor Motta starrte die strenge Richterin ganz entsetzt an. „Aber ich — ich bin--doch nicht schlecht!"
stammelte er.
„Dann müssen Sie eben den dösen Schein meiden", hielt ihm Eina vor.
„Ach was — Schein!" schrie er zornig los. „An der Meinung der Leute liegt mir nichts. Ich will Sie und dazu die „Alpenrose"!"
Mit zorniger Gebärde zeigte sie zur Türe. „Hin- aus!" rief sie, flammend vor Entrüstung. „Glauben Sie, ich sei eine Ware, die man verschachert? — Hinaus!" Zürnend wie ein Cherub, der fein Paradies verteidigt, stand sie vor ihm.
Motta sah, daß seine Sache verloren war, aber er war zu sehr Geschäftsmann, um nicht einen letzten Versuch zu wagen und seinen höchsten Trumpf auszuspie- len. „Frau Zentsch", wandte er sich an diese, „lassen Sie die günstige Gelegenheit nicht Vorbeigehen und geben Sie mir Ihr Haus. Ich lege Jhrien 50 000 Kronen bar auf den Tisch —"
Die Wirtin blickte ihn saft verächtlich an. „Und wenn S' mir c Million geben*, sagte sie mit fester Stimme, „mci' Haus verkanf ich nit. Mei Hoamat- güatl kommt nit in welsche Hand. Ich bin koa Judas Jschariot, versteh'n S' mich?" Sie sah ihn zornig an, und ihre Augen sagten ihm drohend, daß er hier nichts mehr zu suchen habe.
Motta stand wie vcm Donner gerührt. So etwas war ihm im Leben noch nie vorgekommen. (Eine einfache Dorfwirtin wies ihm, dem reichen Motta, die Türe und stieß den Berg von Geld zurück, den er ihr bot. „Unerhört!" murmelte eer und ging langsam hinaus.
Draußen machte er feinem Zorn in lauten Flüchen und Verwünschungen Lust, bis ihn ein Helles, gir- rend.s Lachen ausschreckte.
Als er aufschaute, sah er in Rrsittas schöne Augen. „SBirum so zornig?" fragte sie lachend.
Signor Motta vergaß beim Anblick der schönen Landsmännin feinen Unmut, verbeugte sich wie ein Kautschukmann und ri.f: „Vuon giorrio, Signora Hella! Ach, welches Glück, die schönste Blume Salans von Angesicht zu Angesicht zu sehen! Ich lege mich Ihnen untertän-gst zu Fußen, schönste Rositta. Beim Anbl'ck von soviel Schönheit und Grazie verraucht der Zorn wie
der Nebel vor der Sonne. Sch bin entzückt, daß mir eine der Grazien huldvoll zulächelt."
So plump diese Schmeichelei auch war, Rositta sand doch Gefallen daran. Sie lächelte und gestattete ihm, daß er sie begleitete. Und da ihm das Herz bis zum lieber- laufen voll war, sprang ihm auf die Zunge, was ihn bedrückte. So erfuhr Rositta von dem Korb, den er sich geholt hatte. Ebenso rasch war auch ihr Entschluß gefaxt, sich an Gina, die sie aus ganzer Seele haßte, zu rächen. „Hört, Signor Motta," sagte sie vertraulich, „was sagt 2hr dazu, wenn ich Euch die „Alpenrose" un^ die blonde Gina dazu verschaffte?" . . .
Mit einem Ruck blieb er stehen. „SBär’e möglich!" rief er, völlig entzückt von diesem Gedanken. Wenn Sie da, machen, teuerste Signora, lege ich Ihnen 20000 Ml. Lire in die schöne, weiße Hand."
„Ihr Wort, Signore?"
„Mein Ehrenwort."
„®-it — es bleibt dabei. Bis zum Herbst ist die „Alpenrose" Ihr Eigentum, und die stolze Gina soll Euch als schmuckes Weibchen den neuen Wein kredenzen"
„Darin, dioln," „Göttlich, göttlich," rief Motta und schnalzte vor Vergnügen mit der Zunge. „Signora Ro- filta, darüber müssen wir noch eingehender reden. Darf ich Ihnen einen Besuch machen?"
„Wenn ?hr Hals- und Beinbruch riskieren wollt — meinetwegen! Mein Mann ist nämlich eifersüchtig wie ein Türke."
„D weh — dann fieber nicht! Aber wie wäre es mit einer Abendvifiite In der Taverne? Sie ist ja Ihr Eigentum, und ein Dorwand zum Besuche wäre leicht gesunden Ich würde dann ein kleines, feines Tänzchen veranstalten — ach, bitte, bitte, teuerste Signora, erfüllen Sie meine Bitte! Ich wäre ja entzückt davon —" Rositta überlegte. „Ei, warum denn nicht!" sagte sie dann. „Mein Mann ist, rote Sie wissen, Doktor bestialis und muß heute abend auf einen entfernten Hof gehen. Da ist also die Bahn frei." Und bei sich dachte sie: „Diese Gelegnheit, trn jungen Angelo zu sehen,, kommt nicht so leicht wieder. Daun erfahre ich Näheres non meiner Mutter und von der Irredenta." Und zu Motta gewandt, setzte sie hinzu: „Ich komme also, aber in oller Heimlichkeit. Niemand darf darum willen." •. i
folgt dann wieder dem Rhein, verbindet dann die beiden Brückenköpfe von Koblenz urjb Mainz durch eine Linie bei Diez-Langenschwaldach und folgt dann wieder dem Rhein bis zur elsässischen Grenze. Waren, die über di« reue östliche Zollgrenze eingesührt weiden, unter!tagen einer Besteuerung von 2 5 Prozent des gegenwärtige!» deutschen Zolltarifs, berechnet in Gold-Geld.
Aus dem besetzten Gebiet über die Ostgrenze cusge- führte Waren unterliegen einer Ausfuhrabgabe in Höhe der deutschen Zölle, berechnet in Papiermark. Für rach dem deutschen Tarif zollfreie Waren wird bei der Ausfrchr eine statistische Gebühr von o'ner Mark pro Stück, Tonne oder kubivme.'er erhoben. Für Farbstoffe ufro. werden die in Deutschland gültigen Ausfuhr- abgaben erhoben. Lm internationalen und inneren Warendurchgangsverkehr werden gewisse Erleich'.e- rung-cn zugestanden. Für Waren, die auf dem Rhein aus dem unbesetzten Gebiet durch das besetzte und unbesetzte Deutschland befördert werden, wird eine statistische Gebühr erhoben.
Mit der Leitung des Zolldienstes im besetzten Gebiet wird ein Zollkomitee beauftragt, das Bef chlore walt über das ganze Zollperfonal hat. Die zur Zeit gültigen bart- schon Zollgesetze ir.'b Verordnungen werden bis auf weiteres auch weiterhin angeroenbet. Zuwiderhandlungen gegen die neuen Jßerorb" ungen werden mit Geldstrafen bis 500 000 Mark und Gefängnisstrafen bis fünf Iahron bedroht. Ebenso erfolgt Beschlagnahme der betreffenden Waren. Die Bcrorbnung tritt am 20. April 1921 in Kraft,
Französischer Besetznngskoüer.
Die französische öffentliche Meinung ist von einer vrirklich krankhaften „Vesetzungssucht" befallen, die sich, je näher der 1. Mai kommt, in immer gefährlicheren Formen äußert. Daß Deutschland der Aufforderung, die angeblich m>ch verbleibende Restsumme der bis zum 1. Mai zu zahlenden 20 Milliarden Gold mark nicht zahlen wird, daran zweifelt in Paris niemand.
Bezeichnend für die Stimmung der nationalistischen Kreise ist ein blutrünstiger Artikel des Admirals Deaouy tm „Eclair", in dem er bespricht, auf welche Weise die „Sanktionen" ausgeführt werden können.
In erster Linie werbe ein Aufmarsch längs des Maines und der Ruhr erfolgen, um die Kohlenbergwerke zu beschlagnahmen. Die französischen Heere am Rhein würben bie Linie Fulda — Gemünden — Würzburg besetzen können und dadurch Bayern, Württemberg und Baden von Norddeutschland trennen. Jedoch sei Widerstand zu erwarten. Dann könnte man noch aus dem linken Ellmser nach Hamburg marschieren, vielleicht in Cuxhaven eine kombinierte Gruppe landen oder den Kieler Kanal besetzen. Das beste wäre jedoch die Besetzung der I n s e l R ü g e n, die nur 200 Kilometer co» Berlin entfernt ist.
Andererseits scheinen nicht wenige Franzosen bereits Angst vor der eigenen Kurage zu bekommen. In man- chen Köpfen beginnt die Einsicht zu dämmem, daß mit Gewalt wohl nicht viel zu erreichen ist. Die leitenden Kreise Frankreichs würden froh sein, wenn vor dem 1. Mai Deutschland neue Vorschläge macht. Dann würden die AusführunMN von Briands Drohungen verschoben werden. Die „Victoire" hofft, daß Deutschland vernünftige Vorschläge macht. Die „Action Fran- caise" erklärt, daß Driand sich am 1. Mai, dem Verfalltage der deutschen Verpflichtungen, aus die revolu» tionäre Bewegung berufen will, um die Ausführung der Drohungen vorläufig zu verschieben.
Dr. Simons über die EntschädigungSsrage
Reichsminister Dr. Simons stattete am Samstag anläßlich seiner Anwesenheit in Bern dem Chef des, politischen Departements, Motta, dem Vizepräsidenten Haab und dem Bundesrat Schultsteß einen Höflichkeitsbesuch ab. Wie die Schweizerische Depeschenagentur erfährt, bildeten den Gegenstand der Erörte- rungen in erster Linie die die beiden Länder intercf-, fierenden Fragen, speziell auch solche hnrdtispolilischer
„Niemand," beteuerte er. „In dem verschwiegenen Hinterzimmer der Taverne tanzt sich glorios."
„Dann also auf Wiedersehen — heute abend."
„21 rivedere!" rief er und wollte ihr die Hand (Offen, aber sie war schon davon gehuscht und verschwand in der nächsten Gasse.
Signor Motta begab sich feelcnoergnügt in die Ta« vernwirtschaft, ließ sich eine Flasche Wein kalt stellen und lud die beiden Spielleute, die müßig herumlunger- ten, zum Mittrinken ein. Als sie im besten Gespräche waren, erhielt er einen Eilbrief, der ihn nach Bozen rief. „Daß ich ein Narr wäre!" lachte er. „Heute, wo das schönste Weib der Welt mein Gast fein ro rb, werden keine Geschäfte gemacht. Der Freund in Bozm mag warten — morgen ist auch noch ein Tag. In aller Herrgottsfrühe will ich dann nach Bozen." —
Das intime Fest, das Signor Motta zu Ehren der schönen Rositta veranstaltete, oerlirf glänzend. Der Wem floß in Strömen, und Rositta tanzte wie eine Fee Erst in der Morgendämmerung leerte sich tie Schenke. Die « beiden Spielleute krochen ins Stroh, die Schara Mädchen hüpften wie Bachstelzen in ihre Dachkammer hinauf und Rositta schlich hinter den Gürten des Dorfes zur Schmiede. Sie lachte beständig leise vor sich hin, weil der dicke, kahlköpfige Signor Motta wie ein Faun getanzt und wie ein lachender Bacchus gezecht hatte.
Darum war er auch halb berauscht gewesen, als er sich von Rositta verabschiedete. Um nächt, rn zu worden, wollte er sich noch ein Stündchen aus O>zr legen, aber der Wirt, dem besonders viel daran zu liegen schien, daß Motta in der Dämm rung abreifte, gestattete cs nicht, sondern mahnte ihn eindringlich an feine Fahrt nach Bozen. „Ihren Weinbampf können's auf der Fahrt ausschlafen," sagte er „Das Rößlein findet Den Weg allein und ist schon angeschirrt." Und damit schob er ihn in die klapperige Kutsche, drückte ihm di: Zllgel in die Hand und gab dem Rosse einen Klops, daß cs zu einem leichten Galopp anfetzte Mit schwerem Kopfe und verschlafenen Augen fuhr Motta zu den Nebel dc» grauenden Morgens hinein . . .
Am Mittag fanden ihn zwei Knechte aus dem Dorfe cm Wegrain, im dichten Eebüfcke in feinem Blute Le- gcnd. Er war bis auf den letz en Hc'ti^r ausg.raubt und batte mehrere tiefe, tödliche Stichwunden in Brust und Rücken (Fortsetzung folgt.)