=- Fuldaer Leitung --
Druck der Fuldaer Aetieudruckcrei tn ^nlda
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Samstag, 9. April 1921.
Zweites Blatt.
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Die Friedensbemühungen des Papstes im Jahre 1917 und die Friedensresolutron des deutsche» Reichstages.
Sn den letzten Heften der „Stimmen der Zeit" linden sich hochintrrejscmte, offenkundig vatikcrmsche Dokumente verwertende Darlegungen des Iesuiten- paters Leiber über Papst Benedikt XV. im Weltkrieg und seine verschiedentlichen Friedensbemühungen. Wir berichteten hier bereits darüber. Der gr» lehrte Jesuit hielt über dasselbe Thema auch ver- schredenerorts Vorträge, bei diesen, aus Grund seiner Lnfromationen, sozusagen noch mehr verratend und enthüllend, als in den „Stimmen der Zeit'. Dem Rcjerat über einen solchen Vortrag in Kaiserslautern im „Pfalz Volksboten" entnehmen wir die folgenden bedeutsamen Ausführungen, die bestätigen, daß die Friedensresolution des deutschen Reichstages und der Sturz des Kanzlers Bethmann-Hollweg ungewollt der Sache des Friedens viel mehr geschadet als genützt haben. Wir lesen:
Den bedeutendsten Schritt zur Herbeiführung von Friedensoerhandlungen urrtsrmchm Benedikt XV. im Sommer 1917. Seme Vorgeschichte ist kurz folgende. 3tn Frühjahr 1917 war die Friedensfehnsucht in allen kriegführenden Ländern sehr groß, bei den Kabinetten sowohl wie noch mehr bei den Völkern. Der U-Boot- Krieg hatte England empfindlich geschadet, Amerika war wohl in den Krieg eingetreten, hatte aber aktiv in die kriegerischen Handlungen noch nicht eingegrif- sen. England fürchtete, bei längerer Dauer des Krieges auf dem Friedenskongreß die entscheidende Rolle an Amerika abgeben zu müssen, nach dem dieses als kriegführende Macht wohl ausschlaggebend bei der Entente werden könnte. Dazu kam, daß man aus Seiten der Entente große Hoffnungen auf die Durchbruchsschlacht in der Champagne gesetzt hotte und diese vereitelt sah. Endlich fürchtete man, abermals einen Sonderfrieden Rußlands und schließlich die Gefahr, daß die Sozialisten (Kongreß in Stockholm) die Friedensbedingungen festlegen würden unter Ausschaltung der Regierungen. Alle diese Faktoren lassen die Friridensgeneigtheit Englands gesgen Sommer 1917 erklärlich erscheinen. Aehnlich war die Stimmung tat französischen Kabinett. Dort wurde ein geheimer Beschluß gefaßt, wonach man sogar bereit war, über Me elsaß-lothringische Frage in Mrhandlungen zu treten (Volksabstimmung oder Angliederung der fron- chfisch sprechenden Teile an Frankreich, der übrigen an Deutschland). Von dieser Stimmung war der Papst genauestens unterrichtet. Jetzt glaubte er, die Zeit zum Handeln sei gekommen. Sein Friedensprogramm baute sich auf folgender Grundlage auf: 1. Gegenseitige Abrüstung bis zu einem bestimmten Maß; Einzelheiten sollten durch Vereinbarung festgelegt werden. 2. Herausgabe Belgiens durch Deutschland, aber nicht an die Entente. Politisch und militärisch müßte es neutral werden; über wirtschaftlichen Anschluß nach rechts oder links sollte es selbst ent- scheiden. 3. Rückgabe der deutschen Kolonien an Deutschland durch England. 4. Freiheit der Meere. 5. Gerechte Lösung der polnischen, belgischen und armenischen Frage. 6. Wo zwischen den Kriegführenden wegen gewisser Gebietsiecce noch Slreiiigkeiten bestehen, sollten diese auf dem Friedenskongreß selbst erledigt werden. Der Papst bat aber zu berücksichtigen, daß es wahnsinnig wäre, wegen gewissen Forderungen das Ganze aufs Spiel zu fetzen. 7. Beide Teile sollten auf jeden Kriegskostenersatz verzichten.
Alle diese Punkte wurden mit England, F r ank r e i ch und Italien besprochen. Alle stimmten diesen Grundsätzen zu. Es kam noch darauf an, Deutschland zu gewinnen.
Nuntius Paccelli in Münchm wurde in ge- Heimer Sendung nach Berlin zum Reichs- kanzler Bethmann-Hollweg geschickt und unterbreitete diesem obige Punkte. Der Kanzler stimmte ihnen zu. Darauf reifte Pacelli ins Große Hauptquartier nach Kreuznach, um mit Kaiser Wilhelm II. selbst die Angelegenheit zu besprechen. Auch der Kaiser erklärte sich zu Verhandlungen auf dieser Grundlage bet eit, 6a sowohl er wie der Kanzler erkannten, daß es sich hier um einen sehr ernst zu nehmenden offiziellen Schritt des Papstes handle, der vielleicht bald Erfolg verspreche. Mit der deutschen Zusage schien das Spiel gewonnen, es schien, als stünden die Frie- densverhandlungen unmittelbar vor der Tür.
Da trat unerwartet ein störendes Ereignis ein. Der Papst ging bei feiner Tätigkeit oon der Hoffnung
Der König der Dolomiten.
Volksroman oon Felix Nador.
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Rostttas Herz begann rascher zu schlagen, die Sehnsucht nach dem Süden, ihrer Heimat, erwachte in ihr mit aller Macht, und alle Herrlichkeiten Italiens, alle Erinnerungen an genosseneFreuden wurden in ihr lebendig. Ihr heißes Blut riß sie fort, und mit leiser Stimme rief sie dem Spielmann zu: „Angelo, komm heraus, ich muß mit Dir reden."
Angelo huschte blitzschnell ins Haus, und Rositta zog ihn lachend und jubelnd in die gute Stube. „Nun rede, rede!" drängte sie. „Ich sterbe vor Ungeduld. Wo kommst Du her?"
„Don Deiner Mutter, schönste Rositta. Sie schickt Dir durch mich tausend Grüße — und diesen Brief." Er drückte ihr das Schreiben in die Hand und fuhr hastig fort: „Aber nun muß ich für heute gehen. Wenn ich zu lange verwelle, werden die Leute Verdacht schöpfen — sie hasten uns ja wie den Satan."
„Was liegt daranI — Komm, setze Dich und erzähle!"
„Nein, nein — ein andermal, wenn uns niemand überraschen kann. Dann sing ich Dir das Lied La bella Italia, dann erzähle ich Dir von Deiner Mutter, Addio, bella Rositta!"
Er küßte ihr die Hand und ging rückwärts hinaus. Sm gleichen Augenblick aber, wo er an der Tür anlangte, wurde diese geöffnet, und er prallte mit dem Schmied zusammen, der den fremden Gast mit grenzenlosem Staunen betrachtete. „Servo, Signore", entschuldigte er sich. „Ser— —'
Das Wort blieb ihm in dep Kehle stecken, denn auf Michaels Gesicht schattete eine drohende Wolke, und seine Augen schossen Blitze auf den welschen Gesellen. „Was willst Du hier?" herrschte er ihn an.
„Non ooglio mente — ich will nichts", stammelte Angelo. „Hab nur der schönen Signora ein Lied ge- spielt —"
„Er ist nämlich ein Landsmann", kam ihm Rositta zu Hilfe, „und ich habe schon so lange kein Lied meiner Heimat mehr gehört."
„Das hätte der Bursche auch draußen vor dem Fen- fter spielen können", grollte Michael,. --
aus, daß sich während seiner Bemühungen die politische und wirtschaftliche Lage bei den Kriegführenden nicht wesentlich ändere. Aus diesem Grunde ft.schleu- rrigte er alle Unterhandlungen. Aber er tarn nicht zu Ende. Ein innerpolitisches Ereignis in Deutschland zerschlug die ganze Arbeit der päpstlichen Diplomatie übet Nacht. Die Vorgänge im Deutschen Reichstag, die Friedensresolution, der Sturz des Kanz- lers Bethmann-Ho lweg, all das ließ die innere Zerrissenheit Deutschlands, das Fehlen eines einheitlichen geschlossenen Willens und die Schwäche Oesterreichs erkennen und mit einem Schlage gab es in Frankreich einen Umschwung. Das frcm- zöfische Parlament zwang die Regierung, ein äußerst scharfes Kriegsprogramm aufzustellen, das die Rück- gäbe von Elsaß-Lothringen verlangt. Die französische Presse forderte stürmisch Weiterführung des Krieges.
England befand sich in mißlicher Sage. Es hatte feine Zusage zu Verhandlungen rwch nicht zmückgezo- gen. Der Papst fragte in Berlin wiederholt an, ob der treue Kanzler Michaelis die gegebene Zusage Veth- monns bezüglich der Herausgabe Belgiens aufrecht halte. Die Antwort des Kanzlers war ungenügend und kam zu spät. Run trat Wilson, offenbar gekränkt, well England ihn bis dahin übergangen halle, auf Seite Frankreichs und ließ erkennen, daß er Frankreichs Ansprüche auf Elsaß-Lothringen voll anerkenne. England war immer noch schwankend, trat aber dann auch aus Frankreichs Seite und teilte dessen Standpunkt bezüglich Elsah-Lothringens. Im Oktober 1917 ließ es dem Papste, der immer noch die Hoffnung nicht auf gegeben hatte, mitteilen, daß fetzt oon einem Frieden der V erhandlungen überhaupt keine Rede mehr sein könne. Es hatte aus der innerpolitischen Entwicklung in Deutschlcmd erkannt, daß es in absehbarer Zeit doch zu seinem Ziele kommen werde.
Man merkte es dem Redner an, wie er innerlich ergriffen war ob der tragischen Ereignisse unmittelbar vor dem Sommer 1917, als er die schlichten Worte sprach: In jenen Tagen von 1917 standen wir dem Fried en näher, als wir alle muß- ten, dank der päpstlichen Initiative. Wenn diese Bemühungen umsonst waren, so trägt daran die Schuld französischer Chauvinismus und die Entwicklung der inneren Politik in Deutschland, die gerade in dem Moment den Kanzler stürzte, als er am nötigsten war, das begonnene Werk zu vollenden. Der jetzige Reichskanzler Fehrendach habe nachträglich erklärt, wenn er gewußt hätte, was damals auf dem Spiele stand, so hätte er niemals seine Unterschrift unter die parlamentarische Aktton gesetzt. Cs war zu spät. Nachdem diese hervorragend aussichtsreiche Unternehmung des Papstes fehlgeschlagen war, gab es nur noch einen Weg für Deutschland, einen annehmbaren Frieden zu erlangen, mrsere Waffensiege. Blieben diese aus, so war unser Untergang besiegelt.
Dom Quickborn.
Ui^eie Jugendbewegung soll eine freigewählie Schule des reifenden Menschen sein. Ihre Bedeutung für das öffentliche Leben muß von Jahr zu Jahr größer werden, indem sie eine wachsende Zahl junger Menschen in den Dienst des Vaterlandes stellt, die sich zu hohen sittlichen Auffaffungen, zu ernstem Pflichtgefühl und zur Opfersreudigkett durch- gerungen haben. Darum ist Jugendbewegung auch eine Sache der „Alten"; jeder muß zu ihr Stellung nehmen. Dazu brauchen wir aber noch viel Aufklärung von berufener Sette, um die Scheu vor dem Ungewohnten, das Mißtrauen und das Unbehagen angesichts jugendlicher Uebertreibungen und Ungeschicklichkeiten zu überwinden. Diesem Zweck sollen auch Ausführungen Dr. Grundeis über Quickborn dienen, die wir im folgenden stark verkürzt, aber sonst unverändert nach der ,Köln. Volksztg/ wiedergeben.
Die Quickbomjugend bekennt sich zur Abstinenz. Dieses Bekenntnis ist einerseits eine Schranke, andrerseits Kraftquelle. Abstinenz ist für jeden echten Quickborner immer etwas Schöpferisches. Die ErkennMis, daß man durch felbswerftändliche, völlig freiwillige Berzicht- leiftung auf etwas, was andern lieb ist, erst den Wog steimacht zu ungeahntem Reichtum und die Möglichkett schafft, anderen zu geben, immer wieder zu geben, das St das Geheimnis der Abstinenz als Kraftquelle im uickborn.
Bon dieser Auftastung der Absttnenz ausgehend, können wir wetter sagen: Quickborn als Jugendbewegung soll und muß fein die liebertragung ober Anwendung der drei evangelischen Räte auf das Leben unserer modernen katholischen Jugend. Diese Erkenntnis war für viele Quickborner die große Offenbarung, das große Erleben auf der Quickbornburg in den Augusttagen des
„Ich habe es aber hier hören wollen", erwiderte Rositta zornig und stampfte mit dem Fuße. „Willst Du mir auch diese kleine Freude verbieten?"
Michael maß beide mit einem aufflammenden Blicke und wandte sich mtt einer herrischen Gebärde an den Pfifferaro, „Vatennel — Geh!"
Dieser warf dem herkulischen Manne einen haßer- füllten Blick zu, einen Blick voll Gift und Tücke und drückte sich flink wie ein Wiesel zur Tür hinaus.
Michael sah seine Frau mtt einem vorwurfsvollen Blicke an und sagte: „Was hast Du da getan, Rositta? Wer wird einen fremden Bettelmusikanten ins Haus laben?"
„Es ist kein Bettelmusikant, sondern ein Künstler — und dazu ein Landsmann."
„Kennst Du ihn von stüher?" forschte er.
„D nein!" log sie. „Sein Lied gefiel mir, weil es wie ein Gruß aus der Heimat klang. Da hab ich ihn hereingerufen."
„Dös war a Fehler, Rositta", sagte er, sich zur Ruhe zwingend, „'s ganze Dorf wird Aergernis b’ran nehmen."
„Was liegt mir an den Bauerntölpeln!"
„Aber mir!" brach er los. „Ich will Frieden mit Jer G'meinde und duld' koan welschen Betller in mein' Haus. Du darfst den Welschen nit mehr treffen und no weniger in b’ Schmiede einlaben."
Sie schupfte trotzig bie Schultern. „Sin ich Deine Sklavin?" fließ sie zornig hervor.
„Na — sondern me»' lieb's Weid!" erwiderte er, sich gewaltsam zur Ruhe zwmgerch. „Aber grab weit ich Dich soviel gern hab, muß ich Dich vor Schaden behüten. Es darf koan neuer Streit mit’n Dorfleuten geben. Uebexieg Dir, was ich g'jagt hab — und tu dar- nach handeln. Und jetzt will ich Dich nit länger stören, daß Dein' Brief lesen kannst —"
„Einen Brfef?" tat sie erstaunt. „Ich hab keinen Brief." Sie streckte ihm ihre beiden Hände hin — und sie waren allerdings leer, denn sie hatte Zeit gefunden, das Schreiben ihrer Mutter in ihrem Kleide verschwinden zu lasten.
"Ah — verzeih," sagte er. „Ich hab 'glaubt, Du hättest <m Brjej in b« Hanü."
vergangenen Jahres. Den Katholizismus leben, bas ist's, was die Quickborner wollen.
Arm fein, um Gott naher zu fein und dadurch erst wahrhaft reich zu werden, das ist's, was die Quickbor- ner auf ihren Fahrten erstreben. Arm fern an allen möglichen Kulturbedürfnisten, um empfindlich zu werden für all den Reichtum in Gottes herrlicher Wunderwelt um in allen Geschöpfen Gottes unsere Bruder und Schwestern zu sehen, bas ist franziskanische Lebensauf, faffung, wie sie im Quickborn gepflegt wird.
Keusch {ein, abstinent sein, frei von Rausch und Deaehrlichkeit, das Gute, das Reine überall zu suchen, die Augen und Ohren dafür zu schärfen, an die sieghafte Kraft des Guten und Reinen unbedingt glauben, natur« lick und unbefangen leben wie St. Franziskus, das ist Quickbornart. Das alles heißt nicht sorglos leben, heißt nicht die menschliche Schwachheit verkennem Keusch und unbefangen kann nur leben, wer in der ©nabe Gottes lebt und unaufhörlich um bie Vermehrung dieser Gnade Hebt Quickborn wäre nichts ober höchstens ein interessantes Experiment ohne Gebetsleben, ohne Eucharistte, ohne Liturgie, ohne gedankliches Erfassen und mystisches Erleben der christlichen Heilswahrheiten. Reigentänze, Fiedeln und Stampfen, Romantik und Naturleben ist nicht das, was dem Quickborner seine besondere Eigenart aibt Die Besonderhett der Quickbornjugend liegt darin, daß sie katholisch ist, daß fie auf ihrer Burg eine Kapelle hat und baß darin bie ewige Lampe Gottes Gegenwart im Tabernakel künbet, daß sie ben Heiland allzeit bei sich und mit sich trägt, wenn sie ihn in der heiligen Eucharistte würdig empfängt. Und dieses innige Vereintsein mit Christus gibt der Ouickborn,ugend auch einzig und allein die Kraft, rein und unbefangen zu leben im Verkehr der Geschlechter bei der einmaligen lahr- licken Tagung auf der Burg. Quickborn lehnt das Wan- dem in gemischten Gruppen ab, well es sich der Unzu- länglichkeit und bet Schwäche ber menschlichen Natur bewußt ist. Quickbom bejaht aber die einmalige ge- meinsame Tagung auf der Burg, auf die sich die Jugend ein Lahr lang norberetiet in ben einzelnen Gruppen. Krittler sehen darin etwas Bedenkliches, lehnen diese gemeinsame Tagung ab. Ich sage: Heißt es nicht diese Jugend zur Befangenheit erziehen, heißt es nicht den Abstinenzgedanken das Schöpferische zu nehmen, wenn man es für unmöglich hält, daß jujige, innerlich vorbe- reitete, gebildete Katholiken beiderlei Geschlechts einmal ein paar Tage lang im Jahre im ernsten Gedanken- austausch in unbefangener Fröhlichkeit und andächtigem Gebet vereint fein können, ohne dabei an iihrer Seele Schaden $u leiden, sondern vielmehr reichen Gewinn aus dieser Tagung zu ziehen?
Vor Einem ftetlich muh sich Quickbom hüten, wenn feinen Idealen treu bleiben und seine Grundsätze rein und unverfälscht erhallen misten will, das ist die Gefahr des Massenbetriebs und des damit verbundenen Mitläufertums. Die Quitfbomberoegung ist zur Massenbewegung nicht geeignet; insofern unter- scheidet sie sich von der sonst In vielem gleichartigen Neu-Deutschlandbewegung.
Wir sollten uns im kath. Deutschland und nament- lich bei der Sorge um unsere Jugend davor hüten, die Eigenart unserer Jungen zu mißachten, sollen es ab- lehnen, Jugendbewegungen, die sich nicht in altbewährte Organisationsformen unter bringen lasten ober neue Wege gehen, die nicht durch uratie Institutionen, Prwi- legten und Traditionen geheiligt sind, dabei aber noch keineswegs schlecht zu fein brauchen, durch Mißtrauen, Zweifel ober gar Verdächtigungen in ihrer organischen Entwicklung zu hemmen Der aufbauenben Kräfte sinb heute nicht allzuviele in unserem Batertanbe. UeberaO, wo sie im Schatten der Kirche und im milden Lichte der Gottesgnade wachsen, sollen wir sie nicht hemmen, fon- brn sich organisatorisch entfalten lasten. Es ist leicht, aber auch unverantwortlich, eine gesunde Bewegung im Anfangsstadium ihrer Entwickung zu ersticken, aber unsagbar schwer, aus unfruchtbar geworbenem Boden etwas erstehen zu lasten. Wir muffen dankbar fein, wenn es sich heute in der gebildeten katholischen Jugend aller Orten regt: in den neustubentischen Gruppen und in den beiden großen Mittelschulbewegungen Neudeutschland und Quickborn. E. Rn.
Literarisches.
fia:i$fiauen!oefeten$en als Stetig der Jamilicn* und Valksv-eae. Von M. Mautz. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Ak.»Gladbach 1921, Volksvereins» Verlag G. m. b. £>. 6 Mark.
Von ber Gesundung ber deutschen Frauenseele wird es zum großen Teil abhängen, ob unser Volk sich aus dieser schweren Zeit als Volksgemeinschaft hinüber» rettet, ob eS eine Zukunftsbedeutung in der Weltgeschichte haben wird oder nicht. Darum ist eine der vornehmsten und ernstesten Fragen der Gegenwart: Wie findet die Frauenseele ihre Gesundheit wieder? Von allen Seiten ertönt der Ruf nach wirksamen Mitteln, um gesundend und erneuernd auf bie Seele unseres Volkes einwirken zu können. Die vorliegende Schrift zeigt Mittel und Wege hierzu.
Handel und Wirtschaft.
Sine Aendcrung des Bankgesehes. In der Sitzung des Reichsrats am Donnerstag stand eine Novelle zum Dankgesetz zur Beratung. Nach dem bestehenden Gesetz wird bte Reichsbank verpflichtet, zur Deckung ihres No-
„Narr Du!" lachte sie. „Wer wird mtt m diesem Nest Briefe schreiben? . . . Troll Dich, Brummbär!"
Er brmmnte auch wirklich — über fern vermeintliches Unrecht, das er seinem Weibe getan hatte. Draußen legte er die Hand an bte Stirne. „Hab ich mich wirklich getäuscht?" fragte er sich. „Ich hab wirklich gmoant, sie hat an Aries ist der Hand. Hintsrgeht sie mich? ... Na — tos farm ich mit glauben. So schlecht ist sie nit.*
Zögernd ging er an die Arbeit; aber seine Stirne blieb gefurcht, und der erste Zweifel an der Aufrichtig» test seines Weibes nagte an ihm.
Rositta aber drehte ihm eine Nase. „Dummkopf!" lachte sie. „Dickhäuter! ... So einfältig ist Rositta nicht, daß sie sich von einem plumpen Deutschen erwischen läßt." Sie schloß sich in ihr Schlafzinmier ein, zog den Brief chrer Mutter aus dem Kleide und las mst (eifer Stimme, was diese schrieb:
„Liebste Rositta! Mein teures, vergöttertes Kind! Ich weiß, daß Du in Not bist, aber ich bitte Dich: harre aus! Die Jrretonta geht mst Siegesschritten durchs Land. Nur noch kurze Zeit, dann wttd Südtirol von Bozen bis zum Brenner erlöst werden. Dann wirst Du rote eine Königin herrschen im Tale von Satan. Bis dahin — Dale! Sei tausendmal gegrüßt und geküßt oon Deiner Dich zärtlich liebenden Mutter
Regina Bdmonte."
Rositta küßte bas Statt voll Inbrunst und barg es rote einen Talisman an ihrem Herzen. Und mit diesem Küste sog sie aufs neue bas Gift ein, bas in diesen Zeile» verborgen war wie der tödliche Saft in ben glänzenden Beeren ber Belladonna. —
Zu spät hatte Michael bie Gefahr erkannt, die ihm und seiner Ehe drohte. Er glaubte an Rosittas Wahr- Hastigkeit imb Treue, aber das Gift der Lüge und des Verrates war schon in fein Haus gedrungen uni) schlich durch hie trauten Räume, die s«n junges Glück geschen hatten, wie ernt Viper.
Nachdem der Brief gut verborgen war, begab sich Rositta in das Wohnzimmer, um auf bie Straße und nach dem jungen Italiener zu sehen. Aber Angelo war mit seinem Begleiter schon weiter gezogen. Da schloß sie erzürnt das Fenster, und eine qualvolle Unruhe befiel sie. „Ich muß Angelo um jeden Preis sprechen".
temnnlaufs jederzeit mindestens ein Drittel in Metall oder Reichskassenschemen zur Verfügung zu haben. Bei Kriegsausbruch wurden bte T<rrlehnskastsnschein« den Reickslassenschemen gleichgestellt. Infolge des wachsenden Goldbestandes konnte die Reichsbank auch bis 31. De- zember 1916 ohne Darlshnskastenscheine das gesetzliche MintosttockungsverhAtnis aufrecht erhalten. Infolge des fortschrei'enden Geldbedarfs des Retthes mußten aber später die Darichnskast en scheine immer mehr zur Deckung henmgezogvn werden. Jetzt ist die schwebende Schuld auf bie unerhört hohe Summe von 160 Milliarden gestiegen. Der Banknotenrunla-us betragt zurzeit 7 0 Milliarden. Damit kann der Untfairf an Dariehns- kastenscheinen nicht mehr Schritt halten. Die Ausrecht- erMturw der Dritteldeckung ist nicht mchr möglich, und die Vorlage''schlägt vor. die Vorschriften öfter toe, Drsttel- tockuna vorläufig auf drei Jahre bis 31. Dezember 1923 , außer Kraft zu setzen. Die Ausschüsse hatten schwere, Bedenken, insb-stodwe weil zu befürchten ift,- daß tos Vertrauen, tos die Reichsbank und die Poplermark. noch genießen, einen schweren Stoß erleiden wttd, ntetnt bte Vorschrift über die Deckrrngspflicht beseitigt nmb. Auch wurde gefragt, ob nicht außenpolitische Gründe gerade jetzt gegen eine Arnderung sprechen. Ferner wurde befischtet, daß der Notsrurmlaus ins Ungemestene fteige« würde. Seitens des Reichsbankpräsitonten anrrton in ton Ausschüssen diese Betonten nur zmn Teil als berechtigt anerkannt. Ein längeres Zmvarien fei nicht angängig, alle sonstigen Maßnahmen hätten entweder testen Eosolg ober mürben ben Teufel mit Beelzebub austre&en. Das Vertrauen zm Bank würde nicht erschüttert werden, es sei so groß rote noch nie, besonders auch rm Ausland. D«e. Dorkage würbe in Verbindung mit einer durchsichtigen Gestaltung ber Wochsimbersichtsn dazu führen, die Stellung ber Reichstonk zu stärken. Die Ausschüsse lie- ßen sich dmch diese Ausführungen befttmmen, toe Bor- laae anzunehmen, und die Vollsitzung des Reichsrats ent» schied sich Mchsalls für die Annahme, ohne daß eine Mssprache stattstmd.__________________
Eingesandt.
Wohnungsbau 1921. In der vor einigen Tagen beröffentl. amtl. Mitteilung „Wohnungsbau 1921“ war. u. a gesagt, daß nicht jeder Bautechniker Sas Recht hat, die für akademisch oorgebildete Architekten und Ingenieure bestehende Gebührenordnung seinen- Leistungen zu Grunde zu legen. Wenn von einer amtlichen Stelle etwas derartiges tieroffentli^t toirb, dann ist daS sehr bedauerlich und man sollte doch an- nehmen, daß jede amtliche Stelle weiß, daß bei der Bewertung von Leistungen nicht der Titel und die Vorbildung des Beauftragten, sondern die tatsächliche L.istung maßgebend ist, gleichgültig ob.Akademrker oder Nichtakademiker die Leistung vollbracht haben. Dre Gebührenordnung der Architekten und Jnzemeure kennt jedenfalls nur Leistungen ohne Klassifizierung der Techniker. Was nun den Titel Architekt und Ingenieur anbelangt, so kann fi$' jeder Mensch derartige Titel beilegen, da dieselben ungeschützt sind und es gibt Firmen, die ihre Monteure anstelle von (SebaltS- ausbesterungen mit dem Titel Ingenieure und Ober» ingenteure belieben haben. Der einzige akademische Titel, den sich nicht zeder beilegen kann, ist der erworbene Titel Diplom-Ingenieur. Diplom-Architekten gibt eS nicht! Bezüglich der praktischen Leistungen der einzelnen Techniker, ob Architekt, Ingenieur oder Diptam- Ingenieur kommt eS ja stets auf dre Veranlagung bei. Einzelnen an und es ist nicht immer gesagt, daß der? Akademiker den Nichtakademiker in seinen Leiftunge» übeitrifft Ergebnisse von Preisausschreiben und In-, augenscheinnahme von Bauten (auch hier in Fulda), Sie nach Entwürfen von akademischen und nicht akademischen Technikern aufgeführt sind, werden die letzte Auffassung betätigen.
MeilMW m WM WlvwWWSW?.
9. April 1921.
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Mitte nächster Woche in ton Geschäften abgeholt werden, ©egeton werden 750 Gr. Sackzucker a. d. K. zu 3,80 tos Psd. Die leeren Säcke sind von den Geschäften spätestens innerhalb 5 Tagen nach Erhalt an ton liefernden. Großhändler zurückzugeben; wenn erforderlich find Me-
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sagte sie zu sich. „Er weiß gewiß mehr, als in dem kurzen Briefe steht .Er soll mir von der Mutter erzählen und von ber Irredenta. Da er nicht zu mir kommen darf, gehe ich zu ihm. Mein Leben und meine Zukunft hängen davon ab." —
Sie warf ein Tuch um bie Schultern, hängte ein Körbchen an ben Ann, als ob sie Einkäufe machen müßte und verließ rasch die Schmiede. —
13.
In der Tavernwirtschaft Filippo Ornellos herrschte lautes, lustiges Leben; der Dudelsack klang, die Pfeif« schrillte, und Burschen und Diandl, die aus der Nachbarschaft gekommen waren, schwangen sich tm Tanze. Das ganze Dorf nahm Aergernis an diesem Treiben, ausgenommen ein paar leichtsinnige Burschen, die in ber Dunkelheit zum Tanzboden schlichen. Das Gift des Südens drang in die Blutadern des Volkes und drohte die alten guten Sitten zu verderben; die Gefahr wuchs mit jedem Tage.
Eines Abends waren auch die beiden leichtfertigen, Schara-Mädchen wieder da und trieben es ärger dem» zuvor. In ihrem Gefolge erschien der dicke Weinhändler Motta, nahm im Tcwernwirtshaus Quartier und ließ die Silberkronen springen. Trotz seines Kahlkopfes und feiner krummen Beine nahm er es im Tanze mit den Jüngsten auf, und da er mit dem Gelds nicht knauserte, dauerten die Zechgelage und Tänze oft bis in den Mor- gen hinein.
Bei der unerhörten Vergnügungssucht ließ ab et Motta seinen Vorteil nie aus den Augen und macht» nebenbei feine Geschäfte, die ihm schweres Geld ein* trugen. Giftiger als je war er bemüht, sich in Sala» einzubürgern, und um sich für immer festzusetzen, wa» er entschlossen, das Gasthaus zur „Alpenrose" um jede, Preis an sich zu bringen. Die Gelegenheit dazu schien ihm jetzt besonders günstig, da, wie er erfuhr, die Wirtin erkrankt war und die Tochter sich in Bozen befand. Er hoffte, die Wirttn leicht zum Verkauf überreden zu können und begab sich eines Mittags in das Gasthaus. Durch ein reichliches Trinkgeld, das er der mürrischen Kellnerin gab, bewog er sie, ihn zu der Wirtin z« führen,
Dorfietzunq folgt.)