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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt julöa.

Nr. 79.

Verantwortlich für den reüarnonellen Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ernfprecher Nr. 9. Telegr.-Adresfe: Fu ldaer Zeitung.

Donnerstag, 7. April j92L

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mt. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns obgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKieinzeile iEowneimaß) 60 pjg„ u. 10°i« Zuschlag, die Reklamezeil e (Textbreite) 1.80 TflL, u. 10»<> Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabalt.

48. Zahrg.

Brianvs Drohungen.

An der haßsprühenden Brandrede, die der sran- wsische Ministerpräsident m seinem Senat gehalten jai, mag die rauflustige Mehrheit dieser Körperschaft sielleicht Gefallen finden. In Deutschland läßt man sich durch solche Ausbrüche des französischen Zornes nicht mehr aus dem Häuschen bringen. In den übri­gen Ländern wird man vermutlich mit dem Kops schütteln und sich fragen, was denn mit diesvm neuen Säbelgeraffel eigentlich erreicht werden fall.

Wer mit beiden Fäusten auf den Tisch schlägt, fühlt sich nicht wohl. Briarid ist trotz seiner „Sank» 1 tonen" und trotz der Amerikareise feines Scmd.r- gesaMen Bioiani offenbar nicht zufrieden mit der Weltlage. Diesen Aerger läßt er an den Deutschen aus, indem er sie wegen ihrer Listigkeit und wegen ihrer SctMerfälligkeit zugleich schmäht, und weil Deutschland» ohnmächtig ist, so kann er sich das billige Vergnügen leisten, es mit der „niedersausenden star­ken Faust" zu bedrohen.

In der Grobheit des Tones hat Briand diesmal sich selbst und seine Vorgänger übertroffen; der In­halt der Rede bietet aber nichts Neues, denn Schimpf­worte und Gewaltcmkündigungen sind uns schon oft genug beschert worden. Vielleicht kann man etwas neues finden in der Formel, daß fortan Frankreich nicht mehr an die Vertragsparagraphen sich binden, sondern zum »gemeinen Recht" greifen werde, d. h. zur brutalen Gewalt. Aber es scheint uns, als ob auch bisher schon Gewalt vor Recht gegangen sei, namentlich in den „Sanktionen" von London, den neuen Zwangsmaßnahmen, die sogar über den Ver­sailler Vertrag hinausgehen. Ebenso hatten wir von dem französischen Minister schon die Drohung vernom­men, daß der ganze deutsche Besitz (Bergwerke, Eisen­bahnen usw.) für die Schuld gepfändet werden soll. Wenn Herr Briand das wiederholt, so zeigt er damit nur, daß er in der Nationalökonomie noch nicht viel zugelernt hat. Was würden den geldgierigen Fran­zosen die deutschen Eisenbahnen nütjen, die schon jetzt mit einem schweren Defizit arbeiten und bei fremd­ländischer Besetzung noch größere Zuschüsse fordern würden? Was helfen ihnen die schönsten Bergwerke, wenn darin nicht regelrecht gearbeitet wird? Wer glaubt denn, daß die Franzosen nach einer Besetzung des Ruhrgebietes aus den dortigen BetriÄen die ge­wünschten Milliarden herausziehen könnten?

Lloyd George hat etwas mehr wirtschaftlichen Verstand, als die Franzosen, und daraufhin hat er schon öffentlich erklärt, daß die erstrebten Gelder nur aus der deutschen Arbeit zu holen seien. Die schaf­fende Arbeit in Deutschland wird aber gestört und zum größten Teil lahmgelegt, wenn die Franzosen den neuen Krieg anfangen, den Herr Briand an die Wand des Senats malt.

Frankreich ist in Finanznot und möchte schnell Geld erhalten. Das geht nur auf dem Wege des Kredits, durch eine internationale Anleihe. Offenbar war Viviani abgeschickt, um vor allem in Nordamerika um Finanzhilfe zu werben. Wäre ihm das gelungen, so brauchte jetzt Briand nicht mit dem Säbel zu rasieln, sondern könnte seinen Landsleuten durch den Klang der goldenen Dollars einen angeneh­men Ohrenschmaus bereiten.

Es ist nicht gelungen; daher der Aerger und der Dertufchungsversuch durch Großsprechereien. Es wird auch keine Anleihe in Fluß kommen, so lange sich nicht Frankreich mit Deutschland verständigt. Denn die internationalen Geldgeber verlangen die Bürg­schaft eines ruhigen und fleißigen Deutschland. Wird jedoch Deutschland mit neuem Krieg überzogen, so knöpfen sie natürlich ihre Taschen z« bis die Lage sich geklärt hat.

Im übrigen hat das säbelrasselnde Frankreich es nicht bloß mit der passiven Widerstandskraft Deutsch, ionds zu tun, sondern auch mit den Stimmungen und Bedürfnissen der Verbündeten. Werden England und

Der König der Dolomiten.

Dostsroman von Felix SR ab o r.

27] --------

In dieser Not klammerte fie sich an ihn wie eine Gr- trinkende und schloß Frieden mit ihm. Michael war darüber sehr glücklich und erfüllte alle ihre Wünsche.

3m März schenkte Rositta einem kräftigen Knaben das Leben und Michaels Freude war grenzenlos. Er trug den kleinen, schreienden Erdenbürger jauchzend durchs Haus und fühlte sich glücklicher als ein König, dem ein Erbprinz geboren wird. All feine Liebe über- trug er von der Mutter auf das Kind, das berufen war semen Namen zu tragen, das Blut war von seinem Blut und von ihm das ernste Gesicht und die blauen Augen geerbt hatte.

Rositta war wütend, weil der Knabe nicht in ihre Art schlug und oernachläffigie ihn in unverantwortlicher Weise. Sie dachte nur an sich und war voll Sorge, ihre Schönheit könnte durch das Wochenbett leiden. Da­her ruhte sie auch nicht, bis Michael eine Amme ins f)aus nahm.

Das war etwas Unerhörtes in dem Dorfe, wo jede Mutter chr Kind selber nährte und pflegte, wo auch die geringste Bäuerin durch die Mutterwürde geadelt wurde.

Rositta kehrte sich nicht an diesen alten, heiligen Brauch. Ihre Schönheit stand ihr höher als die Mutter­liebe. Sie setzte es sogar durch, daß eine welsche Amme eine ehemalige Vertraute ihrer Mutter, ins Haus ge­nommen wurde. Um Rositta, die sehr reizbar war, nicht aufzuregen, gab Michael nach.

Im Dorfe aber machte dies böses Blut, und es herrschte allgemeine Entrüstung. „Wie kann a Vater ein deutsches Kind in d' Obhut von einet welschen Amme geben?" hieß es. .Soll der kloane Tirolerbub schon als Kind 's welsche Gift in sich eine trinken?"

Auch darum kümmerte sich Rositta nicht; feit sie an der Amme eine Stütze hatte, wuchs chr Mut, und sie trotzte ihrem Gatten und dem ganzen „Bauernpack".

Der Frühling zog ins Land, der Föhn sang sein Sturmlied und die Lawinen donnerten zu Tal. Der Echne- schmolz, junges Grün schmückte die Wiesen, und.

Italien sich die angekündigte Erneuerung des Krie­ges auf die 2)mt gefallen lassen? Und was wird schließlich Amerika sagen, das sich soeben anschickt, durch eilten Zusatz zur Resolution Knox die „kriege­rischen Bedrohungen der europäischen Zivilisation" zu bekämpfen?

Auf keinen Fall kann die Pariser Drohrede an der deutschen Marschroute etwas ändern. Sie ist so­zusagen naturgesetzlich festgelegt. Wir wollen leisten, was wir können; wenn wir mehr versprächen, so würden mir bald im Verzüge sein und hätten dann die Gewalttaten, die man uns androht, erst recht zu gewärtigen. Also ist es das einzig richtige, was Ehrlichkeit und Vernunft gebieten, daß wir uns in den Grenzen unser er Leistungsfähig- k e i t halten.

Daraufhin sind wir trotz aller materiellen Ohn­macht mit mehr Ruhe und Selbstsicherheit gesegnet, als die nervösen Polterer in Paris.

Ankündigung amerikanischer Kredite Nr Deutschland.

Die Londoner „Morning Post" meldet aus Washing­ton, es sei dem französischen Spezialabgesandten Vi- viani klargelegt worden, daß es im Interesse Frank­reichs liege, wenn die Vereinigten Staaten einen baldi­gen Frieden mit Deutschland schließen. Wenn der Friede hergestcllt sein werde, könne Deutschland in den Ver­einigten Staaten Kredite und Rohstoffe er­halten. Es könne dann an die Arbeit gehen und daran denken, Frankreich zu bezahlen. „Morning Post" bemerkt dazu, das fei der Trost, der Viviani für feine Enttäuschung, daß es ihm nicht gelungen sei, die Zustim­mung zum Versailler Vertrag zu sichern, geboten mor­den. Viviani fei nicht allzusehr darüber erfreut, daß Deutschland in die Lage gesetzt wird, Kredite in den Vereinigten Staaten zu bekommen, da er der Ansicht sei, daß dies zum Vorteil Deutschlands fein, aber keine Vor­teile für die Alliierten ergeben würden. Deutschland wird, so meldet die „Morning Post", keine Regierungs­anleihe von den Vereinigten Staaten erhalten, aber die Möglichkeit haben, direkte Regierungsunter, stütz ungen durch Kriegskorporationen zu erhalten, die ein Teil der Finanzmaschinerie des Schatzamtes feien. Deutschland würde durch langfristige Kredite sich Kupfer, Baumwolle und andere von ihm benötigte Roh­stoffe zu verschaffen wißen. Das werde auch geschehen.

Eine neue Ententenote

über die deutsche Polizei.

Die Interalliierte Militär-Kontroll-Kommission hat dem Auswärfigen Amt eine neue Note über die deutsche Polizei zugehen lassen. Sie behauptet darin: " *

Die Polizei trage unzulässigerweise noch immer den Charakter einer beweglichen militärischen Streit­kraft. Sie stellt sich ferner auf den Standpunkt, daß die Deutschland in der Note von Boulogne zugestande­nen 150 000 TOann nicht nur die uniformierte sogenannte Ordnungspolizei, sondern auch die in Zivil (Krimmal- und Verwaltungspolizei) umfassen müsse.

Das Auswärtige Amt hat in seiner Antwort­note bargelegt, daß die jetzige deptsche Polizei den in der Note "von Boulogne gestellten Forderungen durchaus entspricht und nicht als militärische Organi­sation betrachtet werben kann.

Ihr Charakter als lokale Polizei werde nicht dadurch beeinträchttgt, daß im Notfälle Polizeikräfte vorüber­gehend außerhalb ihres Bezirks verwendet werden können. Die Notwendigkeit einer solchen Verwendung batten die Ereignisse der letzten Zeit schlagend gezeigt. In bet deutschen Note wird ferner nachgewiesen, daß die Note von Boulogne von vornherein von beiden Sei­ten dahin verstanden worden ist, daß die in ihr zuge. standenen 150000 Mann nur die uniformierte Polizei umfasse. Für diese Auffassung liegen nicht nur mündliche, sondern auch eine Reihe schriftlicher Aeußerungen der Kontrollkommiffion vor. Die deutsche Note schließt folgendermaßen:

Es kann bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, daß die Entscheidung der Kontrollkommiffion über die Bewaffnung der Polizei mit den Erklärungen der Note von Boulogne unvereinbar sind. Dort haben die Alliierten ausdrücklich die Notwendigkeit anerkannt, der deutschen Regierung zur Aufrechterhaltung der

Ruhe im Innern ausreichende Kräfte zu be- lasten. Die Ereignisse in Mitteldeutschland haben von neuem gezeigt, daß die Polizei mit der zu- gelassenen Bewaffnung den Aufgaben nicht gewachsen ist, die an sie herantreten können. Sie hat es immer mit zahlenmäßig überlegenen und weit stärker bewaffneten Gegnern zu tun. Trotz aller An­strengungen ist für absehbare Zeit nicht damit zu rech­nen, daß es gelingt, aller im Lande verborgenen Waffen habhaft zu werden und jedes versteckte Gewehr zu ent­decken. Ueberdies werden' verbrecherische Elemente sich immer wieder auf irgendeine Weise in den Besitz neuer Waffen zu setzen wissen. Die deutsche Steuerung mutz «s sich unter diesen Umständen Vorbehalten, neue An- träge wegen besserer Bewaffnung zu stellen.

Räuberischer Verlrmrensbruch.

Die französische Regierung hat die Rückgabe der von deutschen Städten und wissenschaMchen und tech­nischen deutschen Jnstituion zu der für den Sommer 1914 in Lyon geplanten S t äd teboua u s stell u n g ge­sandten wertvollen Ausstellungsgegenstände verwei­gert. Von dieser Maßnahme werden u. a. auch das Frankfurter Goechemusemn, das Reichsversicherungsamt in Berlin und die bayerische Landesc-ewerbsanstait in Nürn­berg empfindlich getroffen. Die Beteiligung der Städte und Institute an der Lyoner StädiebauamssteLung war damals auf besondere Einladung der Stadt Lyon erfolgt. Das bringen eben auch nur die Franzosen, das erste „Kulturvolk" der Welt, fertig, daß sie Wertgegenstände, die im besten Vertrauen aus intet nationalen Anstand ge­liehen wurden, einfach bshÄten.

Karls Rückreise.

Wider Erwarten hat sich die Durchreise Karls durch Oesterreich nicht so glatt vollzogen, wie man nach den getroffenen Vereinbarungen hätte mmehme-n können.. In Nordsteiermark hatte die Arbeiterschaft beschlossen, bei der Durchfahrt des Kaissrzuges auf der Station Bruck a. d. Mur dem Habsburger ihren festen Entschluß, die Repu­blik zu verteidigen, -ins Gesicht zu sagen. Die Arbeiter in Bruck hielten die Station besetzt und waren von ihrem Vorhaben nicht abgtrbrmgen. Der christlichsoziale San- deshauptmann von Steiermark ließ im Einvernehmen mit dem englischen Kommandanten des Kcriserzuges den Zug auf der (Station Frohnle i t e n anhalten, wo er dann nachts mehrere Stunden flehen mußte. Auf Ersuchen des Bundeskanzlers mar Friedrich Adler im Automobil eigens von Wien nach Bruck gefahren, dem es gelang, die Ar­beiterführer zu dem Versprechen zu veranlassen, daß der Weiterreise keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Trotzdem sperrten, als der Zug um 3 Uhr morgens in Bnick einfuhr, mehrere Taufend Arbeiter die Zugänge zum Bahnsteig. Während der Arg hielt, um die Loko­motive zu wechseln, stürzten sie sich unter Hochrufen auf die Republik und Schmähnufen auf Karl und die Habs­burger gegen den dritten Wagen, wo der König unter- gebracht war und forderten, daß er sich am Fenster zeige. Gendarmen und Ententsmannschasten währten mit der blanken Waffe die Andrängenden ab. Der Zugführer setzte, ohne die Lokomotive zu wechseln, den Zug sofort wieder in Bewegung und fuhr rasch davon. Di« „Reichs­post" teilt mit, daß vor der Station Frohnleiten der Ver­such gemacht worden ist, durch Verlegung der Geleise mit einem Holzstoß den Zug zur Entgleisung zu bringen. Der Anschlag ist mißlungen, da wider Erwarten der gewöhn- liche Triester Schnellzug, der vor dem Sonderzug die Strecke passierte, den Holzstoß bemerkte und der Zug zum Stillstand gebracht werden konnte, ehe ein Unglück geschah.

Abends traf der ehemalige König mit dem fahrplanmä­ßigen Schnellzug in Zürich ein. Die Ankunft und Weiterfcchrt wurde vom Publikum kaum gemerkt. Die Ankunft in Luzern wurde für Mitternacht erwartet. Der Exkönig wird im Hotel National, dem früheren Aufenthaltsort Körrig Konstantins, Wohnung Nehmen. Die Rückkehr nach Prangins ist ihm von den fchweizerischm Bundesbehörden untersagt worden.

England und die deutschen Missionen.

Seit dem Sommer vorigen Jahres führte der amerikanische Prälat Dr. Kelley unter Zustimmung des Hl. Stuhles mit der Londoner Regierung Ber-

die ersten Knospen sprangen an den Büschen. Als die Wege frei wurden und die Frühlmgssonne fie trocknete, erwachte in Rvfitta die Lebenslust mit neuer Macht. Nach den Entbehrungen des langen Winters verlangte sie nach Lust, Genuß und Freude.

Glücklicherweise hatten sich auch ihre Befürchtungen wegen des Verlustes ihrer Schönheit nicht erfüllt; im Gegenteil — sie blühte, dank der vortrefflichen Pflege, wie eine Rose. Ihre Wangen rötete» sich, ihre Lippen leuchteten wie Korallen und ihre Augen strahlten vor Lebenslust — ein förmlicher Huna er nach Genuß und Freude erfüllte sie, sodaß sie beschloß, unverzüglich zu ihrer Mutter zu reifen, um den Frühling am Gardasee zu verbringen. Dort lockten Freuden und Genüsse ohne Zahl.

Als sie ihrem Gatten von ihrem Plane Mitteilung machte, war dieser nicht wenig erstaunt. „Jetzt, da schau her", sagte er, „mich und unser Kind willst Du verlcn'en und dem Vergnügen nachlaufen? Wo bleibt da die Mut­terpflicht?"

„Ach," erwiderte sie gereizt, „der kleine Bambino kann ja bei meiner Mutter bfeiben."

„Bei dieser haßerfüllten Fran?" entrüstete sich Mi­chael. „Ra — dös gibt’s nit. Ich geb mein Kind nit weg. Der Bub soll a guter Tiroler werden, wie ich turnet bin — druntt int Welschland hat er nix ver-' loten."

»Dann reise ich allein nach Riva," trotzte Rositta.

„Ra — Du bleibstl" entschied er. „D' Mutter g'hört zu ihrem Kind."

Sie lachte schrill. Der Ton traf ihn wie ein Messer ins Herz und zeigte ihm, wie herzlos sie war. „Ach", höhnte sie, „was siegt an dem kleinen Bambinol Der hat ja die Amme — und Dich, Du deuffcher Bär."

„Schäm Dich", zürnte er, „schäm Dich in d' Seel eine, daß Du ntt Mutter sein willstt A Mutter verläßt ihr Kind nit."

.Ei warum nicht? Etst kommt die Mutter, dann das Kind!" verteidigte sie sich. „Ich bin nicht Deine Sklavin und werde meinen Willen durchsetzen."

„Diesmal nicht!" erwiderte er schroff. „Du bleibst. »Wenn's nötig ift, halt' ich Dich mit Gemalt *>’rü* -yc

sperre Dich hinter Schloß und Rieel. — nUd kocm van- zien Heller Reisegeld geb ich Dir. Dös ist mein letztes Wort." :

„Barbar!" schrie sie wütend und warf sich schluch- zend ins Bett. — ।

lieber dem „Palazzo Belmonte" sttahlte die Sonne des Südens mit brennender Glut, und der Jasmin spendete seinen berauschenden Duft. Regina Belmonte faß am offenen Fenster, blickte mit düsterem Gesicht ins sonnige Land hinaus und lauschte der Erzählung Dit- torinas, der wesschen Amme, die Michael Pallanta aus dem Hause gejagt hatte, weil sie ihn bestahl und den kleinen „Francesco", wie sie den Franzl nannte, durch ihr Verschulden in Todesgefahr gebracht hatte.

Nun fiel sie wütend über den „groben Schmied" her, ließ kein gutes Haar an ihm, nannte ihn einen Tyran­nen, der feine Frau wie eine Sklavin in einen Kerker gesperrt habe, und pries sich selbst als den Engel an Unschuld und Reinheit, der die junge Herrin in aller Not treulich beschützte. Zum Danke dafür sei sie nun zum Teufel gesagt worden. Nach einer Flut von Ver. wünschungen auf den „Barbaren im Schurzfell" sank sie in theatralischer Haltung in die Knie und rief, die Arme emporwerfend: „Rette Dein Kind von diesem Wüterich, teure Herrin! Sende der süßen Rositta Hflfe, sonst gcht sie zugrunde!"

Regina Belmonte reichte ihr die Hand und befahl ihr, sich zu erheben. „Diene mir auch in Zukunft so treu und klug, wie bisher", sagte sie, „dann soll es Dein Schaden nicht sein. Hier, nimm diese Korallenkette als Dank, und nun ruhe Dich aus. Du bleibst bei mir. Nach Salon sende ich einen anderen Boten. Rufe mir Agelo Ornella!"

Vittorina küßte ihrer Herrin die Hand und ging hin­aus, um ihren Befehl auzuführen. Aber Angelo war nicht zu finden, foviel sie auch suchte. Der lag draußen an der Bergharde int Schatten eines Iasminstrauches, starrte zum Himmel und verbrachte die Zeit in faulem Nichtstun.

(Fmtsetz»n-. 1

Handlungen über die Wieder Zulassung der deutschen Missionare. Das Ergebnis ist unbefriedigend. Eng- land erklärt zunächst, es wolle aus den allen Kron- kolonten und Indien keine deutschen Glaubensbotet, mehr ausweisen. Aber das ist praktisch bedeutungs- los, denn es sind eben schon alle ausgewiesen, ab. gesehen von einer Anzahl Ordensschwestern in In. dien. Eine Rückkehr nach Indien soll dagegen nur einer geringen Zahl vereinzelter Missionare zuge- standen werden, die man einer demütigenden Aus­nahmestellung unterwerfen will, indem sie aiisichlicß. lich englischen Bischöfen und Ordensobern unterstellt werden sollen. Eine peinliche Ueberraschung für die ganze christliche Welt. Wie man sieht, vermögen sich die christlich Denkenden in England heute noch nicht durchzusetzen. Die Vertreter der Gewaltpolitik, die für die Interessen der Eingeborenen kein Herz hat und Hunderttausende dem Islam, dem Feiischis- mus, der Unkultur überantwortet, haben in der englischen Regierung immer noch Oberwasser. Zur­zeit schweben" noch in Australien Verhandlungen wegen des Schicksals der deutschen Missionen in ßer. Süüiee. Wird man es wagen, auch diese blühenden Missionsfelder zwei Jahre nach dem Friedensschluß noch grausam dem Völlerhatz zu opfern? Nicht nur in Deutschland, auch in Amerika und den neutralen’ Ländern erwartet man mit Spannung die Beanü Wortung dieser Frage.

Der Bergarbeiierstrerk in England.

Infolge des Eingreifens von Lloyd George, bt die Bergwerksbesitzer und die Bergarbeiter aufforderi^ in einer gemeinsamen Zusammenkunft die^Zerhand^ lungert wieder aufzunehstten, Hal sich die Streiklage zum Besseren gewendet: Beide Parteien haben die Einladung angenommen. Inzwischen haben di« Eisenbahner, die in der Streikfrage noch nicht zu einer Entscheidung gelangt sind, ihre Konferenz ver- tagt und die Transportarbeiter begnügten sich mit einer wohlgesetzten Resolution zugunsten der Berg-' arbeitet. Die Ausdehnung des Streiks ist unwahr­scheinlich. Er hat bis jetzt etwa drei Millionen Arbeiter erfaßt.

Aus vern besetzten Gebiet.

3n Düsseldorf hat die Besctzungsbehörde der städti­schen Verwaltung neuerdings -die f o f o r 11 g e Beschaf­fung von 83 Wohnungen oon je drei bis acht Zimmern mit Küche, Da-de- und BurscheniZtmmer aufge- geben. Die Wohnungen müssen alle dm Hofgartenvierief d. i. im Villenviertel, liegen.

• 3n kehl, der einzigen von Franzosen besetzten badi- scheu Stadt, mußte die für einen Jahrmarkt erteilte Er­laubnis zur Errichtung einer — Schießbude (wie schreck lich!) zurückgenommen werden!

* Wegm veleibigung «tnes französischen Gsfizicn verurteilte das Militärpolizergericht m Landau Bet» Hotelier Christ in Neustadt a. H. zu 3 Monaten Ge­fängnis. Der Offizier, der bei dem Hotelier Über­nachtete, verlangte nachts um 1 Ubr Anzündung der. Dampfheizung und anderes, wobei Christ den Offizier beleidrgt haben soll. Doch bestreitet Christ die Tat und behauptet, selbst beleidigt tvordcn zu sein. Das Urteik schenkte aber lediglich den Angaben des Offiziers Glauben.

vesatzunarbehörden und Lonrniuniften. Im Bezirk Mörs haben die Belgier tm ganzen 900 Personen, die an den kommunistischen Unruhen beteiligt waren, fest­genommen. Das Kriegsgericht, das zu diesem Zweck aus Aachen nach Mörs verlegt wurde, hat bereits die Mehrzahl der Verhafteten abgeurteilt. Die Mindest­strafe beträgt ein Jahr. — In Ohligs wurden an den beiden letzten Tagen 25 Personen wegen der Hetze zuw Generalstreik von den Briten festgenommen.

Deutsches Reich.

* * Berlin, 6. April. Außenminister Simons wird von feiner Schweizer Erholungsreife am 9. April nach Berlin zurückkehren und auf der Durchreise durch Bern den deutschen Gesandten und, wie es üblich ist, das politische Departement der schweizerischen Negie­rung besuchen. Die von französischen Blättern diefem Besuch beigelegte besondere politische Bedeutung be­steht nicht. — Am Freitag wird der Dampfer „West- warrwö" mit 744 Milchkühen, die der Südstaat Dakota Deutschland zum Geschenk gemacht hat, nach Deutschland abgehen. — Zum ersten Male nach langer Zeit ist im Hamburger Hafen em englisches Kriegsschiff und zwar der Kreuzer „Caursfvrd" angekommen und vor Anker gegangen. Der Zweck dieses Besuches ist unbekannt. — Die Stadtverord­netenversammlung der Stadt Löbejün, die vor wenigen Wochen durch die kommunistische Wirffchost zahlungsunfähig geworden ist, ist vorn preußrschcn Staatsministermm aufgelöst worden.

c. Die Regierungsbildung in Preuhen. Die Sa mühungen, eine Verständigung unter den Parteien bet preußischen Landtages herbeizuführen, die die Bildunh einer tragfähigen Regierung in Preußen ermöglichen, sind bis zur Stunde ohne Ergebnis geblieben. De, Stand der Dinge ist genau so, wie er vor etwa 3 Wo­chen war. Die Sozialdemokraten haben er- neut ihren damaligen Beschluß bekrästigt, daß sie zu- sammen mit der deutschen Volkspartei die Regierung» bildung nicht mitmachen wollen. Die Demokraten haben ihrerseits neuerdings wieder erklärt, daß sie ohne die deutsche Volkspartei in eine Regierung nicht eintre­ten und sich auch an einer bürgerlichen Minderheitsre­gierung nicht beteiligen würden. Das Zentrum hatte in den Märztagen, da nach Lage der Dinge die bisherige Regierungsmehrheit nicht mehr stark genug ist, um eine auf die Dauer starke Regierung bilden zu können, ein- stimmig beschlossen, unter aUen Umständen auf die Ein­beziehung der deutschen Volkspartei in die bisherige Re- gierungsmehrhett zu bestehen. Dieser Standpunkt des Zentrums ist in der Tat der einzige, welcher den Ver- hättnissen Rechnung fragt. Die alte Mehrheit in Preu­ßen ist nicht stark genug, um auf sie eine wirklich stark« Regierung stützen zu können. Das ist um?» mehr der Fall, als nach der Volksentscheidung in D b er f (ble­it e n Zentrum und Sozialdemokraten dort 19 Mandat« verlieren werden, da das Gebiet so oder so als Provinz -Mts Preuße" ausscheiden wird Auf der anderen Leite