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Auldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Detieudrnckerei lu Fuld»

M 7S.

Mittwoch, 6. April 1921«

Verbilligung des Hausbaues.

' Man schreibt uns:

Die in der Fuldaer Zeitung vom 20. März d. 3. aus­geführt wurde, sind die staatlichen Mittel zur Gewährung 'unverzinslicher Landesdarlehen für Wohnungsvauten für 20 Jahre jetzt zur Verfügung gestellt woriten. W«m auch diese Darlehen an und für sich, so bedeutend sie im Ganzen find, den Einzelnen immer noch zur größten Sparsamtea beim Bauen verpflichten, so bedeuten diese Belhüsen doch immerhin eine namhafte Unterstützung- Die kap'.talschwa- chen, bailluftiaen Kreise sehen ihren Traum, bald em Eigen­heim zu besitzen, in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen. Für die beteiligten Kreis« tritt nun die Frage auf, m wel­cher Weise Ersparn.sse beim Bauen gemacht werden kön­nen. So erheblich auch di« Kosten beim Hausbau für den inneren Ausbau fint), Die für Fußböden, Türen, Fenster vsw., so erfordert doch di« Herstellung des R ohbaues die weitaus größeren Kosten. Bet Herstellung des Holz­werks Balken und Dachgesperre können höchstens beim Em- kauf des unbearbeiteten Holzes Ersparnisse gemacht wer­ben, obwohl auch hier die Preise ziemlich fest liegen. Ganz anders daaegen verhält sich der Kostenauswand für die Herstellung des Mauerwerks. Um Erfpar- nisie zu machen, hat di« Technik hier zu allen möglichen Mitteln gegriffen- Infolge der Kohlennot und dem da­durch bedinoten Marmel an Ziegelsteinen, hat man zu ver- ichiedenen Ersatzbauweisen Zuflucht genommen. Wie z. B. «u dem aus längst vergeflenen Zeiten her bekanntem Lehmstein- und Lehmstampfbau. Bei den satt­sam bekannten üblen Erfahrungen, die man mit den alten Lehmbauten gemacht hat, ist es zu verstehen, wenn weite Kreise davon nichts mehr sehen wollen. Auch die aus Beton- und Betonformsteinen, zum Teil mit isolierenden Luftschichten, hergestellten Häuser entsprechen nicht den Erwartungen, die man auf sie gestellt hatte, da Beton ein ungünstiger Baustoff für Wohnbauten ist.

Die aus Ziegel- oder Sch'ackenmauerwerk hergestellten Wände haben sich für Wohnhauszwecke immer noch am testen bewährt. In der bisherigen Art des massiven Mauerwerks für Wohnhauszwecke wurde nun eine große Verschwendung getrieben. Dies wurde damit begründet, eine Verminderung der Wandstärke sei aus Gründen der Warmhaliung nicht möglich. Es war nun die Frage, ob man die erforderliche Warmhaltung und Stabilität des Mauerwerks mit weniger Material erreichen könne, ohne die Stabilität des Mauerwerks zu beeinträchtigen. Diese Frage kann heute besaht werden. Durch di« Normal» stein-Sparbauweise-System-Eckert, Deut- sches Reichspatent, wird eine Ersparnis an Mauerstark« und eine erhebliche Ersparnis an Steinen und Mörtel er­zielt, ohne di« Warmhaltung und Stabilität des Mauer­werks zu verringern.

Dorgenommene Versuchs hoben ergeben, hast die Hohl­mauer, System Eckert, einen größeren Wärmeschuh bietet, als die massive Vollwand. Sie haben erwiesen, daß di« 32 Ztm. starke Hohiwand einen größeren Wärmeschutz bietet, als die 38 Ztm. starke massive Vollwand, die im allgemeinen als eine normale Umfasiungswand für Woh­nungen angesehen werden kann. Dabei beträgt die Ma­terialersparnis bis zu 50 Prozent gegenüber dem Doll­mauerwerk. Ein weiterer Vorteil ist, daß di« Hohlwände sehr schnell trocknen. Bei den ausgeführten Bauten brauchte eine Trocknungsfrist, wie bei dem Vollmauerwerk erforder- sich, nicht eingehalten zu werden. Sofort nach E'ndeckung des Daches könnte mit den inneren Putzarbeiten begonnen und im Anschluß daran der äußere Verputz ausgeführt werden. Ohne Ausnahme ist dieses Verfahren bei sämt- sichen bisher ausaeführien Bauten durchgeführt worden. Die Wohnungen sind daher schneller beziehbar, als nach d-r früheren Bauweise hergestellte Gebäude. Das schnelle Bauen ist also auch neben dem billigeren und besseren Bauen ein ganz erheblicher Vorteil der Bauweise Eckert. . .

Durch die vorzügliche Wärmehaliung und die dauernde Trockenheit der Wände hat ein« nach System Eckert her- gestellte Wohnung erhebliche gesundheitliche Vorzüge gegen, über Wohnungen, die im Dollmouerwerk oder in sonstigen Ersatzbauweisen errichtet sind. Die größer« Wärmehaltung her Wände hat auch eine dauernd« Ersparnis an Hei- »ungsmaterial zur Folge. Bei dem Mangel an Kohlen «rd den hohen Kohlen- und Holzpreisen darf dieser Bor- gug nicht gering ein geschätzt werden.

Die Bauweise System Eckert ist, wie aus Vorstehendem «sichtlich, keine Ersatz, und auch keine Notbauweise, son­dern eine der massiven Bauweise entsprechende Bauart mit gleicher Lebensdauer. Wichtig ist dieses Moment für di« Beleihung und für die Feuerversicherung. Die Bau­weise System Eckert ist, wie bereits erwähnt, erheblich billiger herzustellen, als die gleichwerttge masiive Bau­weise: sie erfordert also weniger Kapitalaufwand, dies ist an einer Anzahl ausgeführter Gebäude einwandfrei fest- gestellt worden. Durch schnellere Ausführung und De- ziehbarkrit tritt auch eine frühere Verzinsung des Anlage- kapitais rin. Die Bauweise System Eckert eignet sich so­wohl für Klein- wie auch für mehrstöckige Wohnhäuser, ebenso Fabrikbauten.

Unter richtiger Würdigung der vorstehenden Ausfüh. rmrgen, die aus Grund zuverlässiger Berechnungen, De- obachtungen und Ermittelungen, sowie an Hand zahlreich Misgeführter Bauten gemacht wurden und unter Berück-

Ostern in Bamberg.

Don K. Freckmann.

Durch den heimlichen Frühling des Maintales hin zur alten Metropole Oberfrankens, die auf sieben Hügeln er­baut ist und deren ragende Türme schon von weitem ins Land grüßen. Nachdem man durch die häßliche Bahnhof­straße, dies echte. Produkt der Gründerzeit, über die Ket­tenbrücke und den Grünen Markt glücklich bis auf die Rathausbrücke vorgedrungen ist, erhält man schon hier den ersten unvergeßlichen Eindruck: die Torfasiade des Rat­hauses mitten auf der Brücke, die schöne Kreuzigungs- gruppe rechts mit den am heutigen Karfreitag brennenden Laternen davor und links über das Wasier hinweg die Aussicht auf den hohen, festungsartigen Turm der oberen Pfarrei zu U. L. Frau und weiter auf St. Stephan, den ersten Bamberger Barockbau, alles eingebettet in den alt­deutschen Rahmen steil ansteigeuder Giebeldächer: Durch schmale Gaffen voll reichster Architektur zum Domplatz hinauf, diesem Juwel der Städtebaukunst. Der Ostchor des alten Kaiserdomes mit dem reichen romanischen Schmuck, die alte Hofhaltung, die neue Residenz mit ihrem stolzen dreigeschossigen Eckbau, Balthasar Neumanns sein- gegliedertes Domkapitelhaus: jeder Bau ein Meisterwerk voll eigentümlicher Reize. Die eindrucksvolle Schönheit dieses Platzes empfing am Karfreitagmittag eine besondere Steigerung durch die farbenfreudige Prozession, die vom £>om ausgehend in allen Kirchen ringsum die hl. Gräber besucht«. Boten diese schon in einer Seitenkapelle des Domes sowie in der ernsten Säulenbasilika 6t Jakob wahre Glanzleistungen gärtnerischer und dekorativer Kunst, so wurden doch alle übertroffen von dem auf dem Mi- chaelsberge droben in der südlichen Seitenkapelle. In einem Hain der köitsichsten Frühlingsblüten frei aufgestellt und von vier Seiten zugänglich, in weißer Seide mit Efeugirlanden mnwunden, so bot sich hier bas hl. Grab der frommen Verehrung dar.

Die Faffade der Michaelskirche stammt übrigens sehr wahrscheinlich von dem älteren Bruder des Fuldaer Dorn- baumeisters, sie ist noch ein wenig schwer und verhalten in der Formengebung. Bamberg ist ja wie Fulda ein Zentrum barocker Baukunst, und der kunstgeschichtt-che Zusammenhang wird durch den Namen Dientzenhofer ohne weiteres verständlich. Nur mutet der fränkische Barock reicher und wärmer an als der an der Rhön, möglicher- male sM>n durch die Farbe des Stemmaterials oder in-

fichtigung der Wärmedurchlaßverfuche wird die neue Nor- malstem-Sparbauweise, System Eckert D. R. P., die mas­sive Bauweise für Wohnungen verdrängen und eine füh­rende Stellung jetzt und auch in Zukunft im Baugewerbe einnehmen. Unverantwortlich ist es, wenn, wie es noch ost geschieht, Unsummen für Ersatzbauten ausgegeben wer­den, die meistens Notbauten von kürzerer Lebensdauer darstellen, ohne brauchbare Wohnungen auch in Bezug auf Wärmeschuh zu schassen.

Di« bisher bekannten Systeme in Hohlmauerwerk haben mehr oder weniger Mängel aufzuweisen, di« im System Eckert vollständig vermieden sind, sodaß dieses System, rote von Fachleuten ausdrücklich anerkannt roorbcn ist, un­streitig als das beste Hohlmauersystem gilt.

Aus dem llachvargevier.

mc Schollen (Oberhefsen). Dieser Tage fand man auf der Hauptstraße Kinder, die mit einer Schlange spielten, welch« sie als Ringelnatter gefangen hatten. Als man näher zusah, war es eine der giftigen Kreuzottern. Nur dem Um­stand, daß das Reptil infolge der kühlen Abendwitte- rung noch nicht zu vollem Leben erwacht war, ist es zuzuschreiben, daß die Kinder nicht gebissen wurden.

(mc) Frankfurt a. Al. Der Magistrat hat einem neuen Statut über das Meldewesen in den Hotels und Gasthöfen zugestimmt. Man hofft auf diese Weise mit Hilfe der Polizei der zahlreichen Verbrecher und Schieber, die noch immer Frankfurt beehren, eher habhaft zu werden und sie der verdienten Strafe zuzu- sühren. Für die kommenden Tage der Frankfurter Mess« sind sämtliche Hotels bis auf das letzte Zimmer belegt. Rur durch das Meßamt können noch Meßgäste untergebracht werden. Das ist für den Besuch und den Verlauf der Frankfurter Meffe gewiß ein. gutes Zeichen. Was die geschäftlichen Aussichten der Meße betrifft, so ist darüber noch gar nichts zu sagen, da die Wirtschaftslage ganz ungeklärt ist.

mc Wiesbaden. Wohl infolge Versagens der Bremse überschlug sich an der steilen Dotzheimer- straße am Wege nach der Platte ein Personen­auto und begrub seine vier Insassen unter sich. Der Chauffeur war sofort tot, die anderen Mitfahrer er­litten teilweise recht schwere Derletzunaen '.md mußten nach Wiesbaden ins Krankenhaus überführt werden.

(fpd) Aschaffenburg. Auf der Z e ch e G u st a v bei Dettingen, wo die Arbeiterschaft die Absetzung des tech­nischen Direktors Horst fordert, hat sich die Lage in den letzten Tagen wieder verschärft. Es machen sich» in zunehmendem Maß« kommuni st ische Ein­flüsse geltend. Falls in der Angelegenheit nicht bald eine Besserung emtritt, wird di« bayerisch« Re­gierung mit allem gebotenen Nachdruck einschreiten.

---- Eisenach. Die städtische Realschule itt Ruhla konnte den Unterricht, nicht wieder cmf- nehmen, da die Eltern sich geweigert hatten, ihre Söhne und Töchter zur Schule zu schicken, da sie in der Wirksamkeit des kommunistischen Führers Ober­lehrer Dr. Neubauer feine Gewähr für einen an« kündigen Unterricht sehen. Ebenso wurde in dem stachk«rdorf Förtha die Schule geschlossen, da große Differenzen zwischen der Einwohnerschaft und item kommunistischen Lehrer entstanden waren.

vermischter.

Die vaterländische Liebesarbeik der kakhoffschen Or- bensfeufe in Deutschland während des Krieges behandelt ein Buch des Jesuitenpaters Höhn. Die Männerorden hatten nicht weniger als 530 Todesopfer (13,8 Proz. der im aktiven Heeresdienst gestandenen Ordensleute). Ob­wohl aber mehr als 48 Proz. aller Ordensmänner dem Daterlande entweder mit den Waffen oder in der Seel­sorge dienten, stellten sie doch noch 87 Lazarette mit über 9000 Betten zur Verfügung, in denen etwa 175 000 Kranke Pflege fanden mit über 7% Millionen Pflege­tagen. Nicht minder die Ordensschwestern! Sie stellten der Heeresverwaltung 481 Lazarette mit etwa 34 800 Betten zur Vertilgung, in denen im Laufe des Krieges 654 000 Soldaten mit mehr als 3654 Millionen Pflege­tagen Pflege fanden. Die Gefamtleistung der Orden ist somit: 568 Lazarette mit 34 800 Betten, in denen rund 829000 Soldaten 44 Millionen Pflegetage zuteil mür­ben. Schon diese Zahlen sprechen eine beredte Sprache und sind eine reiche Illustration für die »Nutzlosigkeit* bere Orden.

Literarisches.

Die Kunst des Sprechens nnd des 'Borfrags von De­metrius Schrutz. 260 Seilen, vornehm gebunden. 14,80 M (rinschl. aller Zuschläge). Max Heffes Verlag, Berlin W 15.

(Em Buch, dem man auf Schritt und Tritt anmerkt, daß es aus der Praxis hervorgegangen ist. Nach einem aus­führliche KoMel über richtige Atmung und Atemgymnastik wud zur Bildung der einzelnen Laute ubergegangen Sprechübungen und Merkworte zur klangreichen ausdauernden Organs schließen diesen Ab- sckMt. Don ganz besonderem Inteieff« smd die Ausfuh- rangen über den kunstgemaizen Dortvag. Hier tun mt ein« Blick in die Werkstatt des Schauspielers, des großen Redners, lernen die Mittel und das Geheimnis ferner Redeaewalt kennen tmb nachahmen. Sodann fo.gt eme c<rrV Rahe von MusteiHeffptelen für Deklamationen aus der deutschen Literatur von Goethe bis Litteneron zu bem Modernen. Mit ausführlicher Erörterung über die hertte fo im Vordergrund stehende freie Rede und praktische Wink« für di« Technik derselben schließt das mietefiante Buch, das infolge feiner gediegenen Ausstattung auch als Gefchenkwerk empfohlen werden kann.

Dem Welhmfer-oita ent egen Grunde für den Em tritt des Endes der Zeiten im 20. Jahrhundert nebst etniaen sehr bösen Bemerkun en über das Verhältnis zwilchen Bibel stauben und moderner Wrssenschatt, sowie etnem tröstlichen Ausblick auf die nähere Zukunft Deutschlands von Dr. Bender. Druck und Verlag von Franz Bor meyer, Hildesheim. PrerS crnschUeßllch aller Teuerungszuschlä e 9 Mark

Wer't mag, der mag t. und wer t rnch man. Der wird"et wohl nid) en." Wer für .Prophezeiungen" empsän stich 'st, dem bietet sich hier allerlei Interessantes; wer auf diesem Gebiete skeptisch bleibt, wird durch die Lektüre auch nickt klü er als zuvor. Auch.für diesen sind aber beachtenswert die Darleaunaen, die unter Beibnngun i zahlreicher Beispiele aus den verschiedensten Gebieten des Wissens in nberzeuaender Wer>e Nach­weisen daß die Wiffenschait und besonders die moderne voraus'setzun slose Wissenschaft mit ihren zahllosen Irr- tümern und Truaschlüssen selbst auf den allerwicht,asten Gebieten nicht berufen ist, die Wahrheit des Offen- barunesalaubens in Fraee zu stellen. tt

OM» tt! MAA» MvMMMett-

6. April 1921.

Nm Donnerstag wird in der Molkerei Butter für Kranke, Säwlinae und Alte für diese Woche ausgegeben. Di« Sut­ter wird geaen Abgabe der Kranken- und Säuglmgsfett- karien Nr. 14 ausgeliefert. Der Sebensmittelausroeis ist auf Verlangen vorzuzeigen. ___

Gaskoksavgade.

Donnerstag den 7. und Freilag den 8. April für fol­gende Straßen:

1. Bezirk

Abalbertstraße, Artilleriestraße, Buttlarstraße, Dlücher- straß«, Bosestraße, Iosephstraß«, Kurfürstenstraße, Leip- zigerstraß«, Liobaftraße, Mottkestraße, Niefigerstraße, Park- straße, Scbastianstraße, SHairnhorststraß«, Dierzehnheiligen, Waides, Waldfchlößchen, Wörthstraße, Hohenzollernstraße, Forststraße Michaelsberg, Paulustor, Promenade, Rhön- straße. (308

Amtliche Anzeigen.

vlehsenchenpolizeiNche Anordnung.

Zur Bekämpfung der Beschälseuche der Pferde und zur Verhütung ihrer Verbreitung ordne ich auf Grund der §§ 12 und 18 ff. des' Biehseuchengesetzes vom 26. Juni 1919 (RGBl. e. 519) mit Ermächtigung des Herrn Mi- nisters für Landwirtschaft, Domänen und Forsten für den Umfang des Regierungsbezirks Kaffel folgendes an:

§ L Pferde, die an der Beschälseuche leiden, sind in Gegenwart des beamteten Tierarztes durch Aufbrennen eines 10 Zentimeter hohen B auf die Hinterbacken zu kennzeichnen. Di« feuchenverdächttgen und anftedungsoer- dächligen Tiere find in gleicher Weif« durch Haarfchnitt kenntlich zu machen, außerdem noch durch Aufbrennen eines B auf die Borderhufe.

§ 2. Seuchenkrank« und der Seuche verdächtig« Hengst« dürfen nicht mit gefangen Stuten und seuchenkranke and feu- chAwerdächtige Stuten nicht mit gesunden Hengsten m einem Slallramn untcrgebracht werden. Der Besitzer hat Anordnungen und Einrichtungen zu treffen, die eine ge- fchlochtliche Berührung der kranken Pferde mit gesunden wirksam verhindern.

Die Kastraktion seuchenkranker und feuchenverdächtiger Hengste darf nur von Tierärzten vorgenommen werden.

§ 3. Seuchenkranke, seuchenverdächtige und der An­steckung verdächtige Pferde dürfen so lange nicht zur Begat­tung zuaelassen werden, als nicht durch den beamteten Tier­arzt ihre vollständige Heilung und Unverdächtigkeit fest- gestellt ist. Zwecks dieser Feststellung ist jedem Pferde eine Blutprobe zu entnehmen.

Cm Wechsel des Gehöfts darf ohne ortspolizeiliche Ge­nehmigung nicht stattsinden. Wird die Genehmigung zur Ueberführung in einen anderen Polizeibezirk erteilt, so ist die Ortspolizeibehörde des Bestimmungsortes von dem be­

folge klimatischer Reflexwirkungen. Lebhafter, weiträu­miger, festlicher, dabei zart in den Einzelheiten, bas ist der Würzburger Barock, aber in der gesteigerten Wucht der Waffe, m der Mannigfaltigkeit auf engem Raume erscheint er hier in Bamberg noch vorn geheimnisvollen Dunkei enger Gaffen umwittert und umgeben von glän­zendsten Stadtbildern älterer Kulturen.

Am Nachmittag« lockt di« Frühlingssonn« heraus aus der Stadt zu einem Ausflug nach dem Schlöffe Pornmers- felder. Die Dörfer des ftuchtbaren Gaues sind für den Kunstfreund voll heimlicher Schätze. Findet sich auch nir­gends die schöne tabernatelartige Form des Bildstockes roie im Flckdaer Lande, so überrascht doch in Pettstadt z. B. bte Kirche mit ihrer imposanten Westfront, die ttotz aller rustikalen Derbheit in den (Biieberungen einen un­verkennbar großen Schwung zeigt. Auch die maffioen Bauernhäuser mit gequaderten Eckpfeilern und ornamen­tierten Bandsriesen zeugen vom Wohlstand und Kunstsinn der Bewohner, lieber die weichen Linien des Steiger- wakdes, in das Tal der Ebrach ist der erste Frühling ge­kommen, weiße und gelbe Blumen läuten ihn ein, es ist eine seltsame Osterstimmung in der Luft. Gegen Wend wftd Pommersfelden erreicht, und in der ausgezeichneten Schloßschänke findet der einsam« Wanderer bald unter- haltsame Gesellschaft. Das Gespräch dreht sich um den mutmaßlichen Erbauer des Prochffchloffes, der Verwalter weiß vom neuesten Stande der Forschung zu berichten und erzähll von den Ausbefferungsarbeiten. Cs ist wohl ein­leuchtend, daß Lukas von Hildebrandt, der feurige Wiener, die Pläne Dientzenhofers überarbeitet habe, denn das Mitteirisalit zeigt em so großartiges und festliches Ge- präge, daß man es unmöglich dem Erbauer des sehr nüch­ternen Marstalles, der für Wellch beglaubigt ist, zuschrri- ben kann. Wie dem auch sei, der Bau gehört jedenfalls in bte erste Reihe der großen Anlagen des 18. Jahrhunderts, unb es bleibt nur zu bedauern, daß die ursprüngliche Ein­heit zwischen Schloß unb Sorten durch den verwiderten Geschmack des 19. Jahrhunderts fo gründlich zerstört wurde, daß die Kaskaden, Treppenläufe unb Blumenpar- terres' jetzt nur noch in Salomon Kleiners bekanntem Kupferfttchwerk, erschienen 1728 in Augsburg, zu beroun- dem sind. Di« über 600 Gemälde, darunter mehrere Ru- bens umfaßende Sammlung des Grafen Schönborn wird vom Verwalter mit großer Sachkenntnis und Bereitwillig- leit gezeigt 7 ' ,

Sehr reizvoll sind auch die zahlreichen Kleinhäuser an der Auffahrt zum Schlöffe in ihrer ganz regelmäßigen Aufteilung und wohl geeignet, auch heute noch als Dor- bilber für Kleinsiedelungen zu bienen.

Der Karsamstagnachmittag zeigt in Bamberg viel ge­schäftiges Leben in der Stabt, aber es geht alles in nchigen Bahnen, ohne die überlaute Hast und Betrieb­samkeit moderner Städte, unb wirkt deshalb besonders wohltuend. Der Abend gehört den Kirchen. War schon m der Frühe in bet Schloßkapelle zu Pommersfelden die Auferstehung gefeiert worden, so wiederholte sich diese Feier jetzt ungleich machtvoller im Dom, der von einer an­dächtigen Meng« dicht gefüllt war. Wie ein brausender Osterjubel erklang zum Schluß der Ambrosianische Lobge­sang, wie das Auferstehungssieb bet ganzen Menschheit.

Der Ostermorgen setzte mit leichtem Regen ein, der aber die künstlerischen Entdeckungsfahrten in der an bester Architektur so reichen Stadt nicht zu stören vermochte. Die Concordia unb bas Pvetthaus waren schon von frühe­ren Besuchen her bekannt, jetzt galt es, bi« weniger bet- vortretenden Bauten aufzusuchen. Als einer Perke sei hier besonitets des Ebracher Hofes, jetzigen Bezirksamtes, Kaulbetg Nr. 4, gedacht, das mit seiner reich unb graziös durch gebildeten Front, deren Musik noch in den beiden SbaÖanbauten weiter klingt, ein Werk reifster Kirnst bat- stellt. Unb wieder riefen die Glocken zum kirchlichen Mit­telpunkte, wieder war der weite Raum zu eng für die Mafien, aber es bereitete eine leichte Enttäuschung, als beim feierlichen Hochamte nur a eapella-Chöre m'troirtten. Wer in bet Allerheiligenhofkirche zu München oder in bei Dresdener Hofkirche jeden Sonntag eine musikalische Messe mit vollem Orchester in höchster Vollendung hören konnte, für den wirb der Begriff der musica facta ständig mit Instrumentalmusik gleichbedeutend bleiben; er empfindet eine Leere, eine nicht ausgenutzte Möglichkeit, den ganzen Menschen zu packen, wenn er nur Vokalmusik hören muß.

In Kunst unb Leben sind die Gegensätze bas Wesent­liche. So schloß sich jetzt em kurzer Besuch Nürnbergs an, das nur eine Schnellzugsstunde von Bamberg entfernt liegt, aber einet völlig anderen Wett anzugehören scheint. Dies wunderliche Gemisch von moderner Industrie- und Großstadt mit dem ältesten Gemäuer unb Gerümpel hat etwas ganz Unwahrscheinliches. Noch immer klebt bas Bratumrstglöckl" an bet Kirche, noch immer warten Mauern unb Wehrgänge unb Tottürme auf den Jjeinb,

vorstehenden Eintreffen der Pferde rechtzestig zu benachrich-

4 Personen, die einen Hengst zum Decken frem» ber Pferde verwenden, desgleichen die Vorsteher oder Tier- hallst von Gemeinden, Verbänden oder Vereinen, dr« Hengste zur Zucht halten, haben dies dem ßanbrat sofort mt32ießaemä6 § 1 meiner viehserrch-nposizeMchen Anorb- mmgen vom 12. Februar 1921 (Amtsbl. S. 68) ie Zwi­schenräumen von 4 Wochen vorzunehmende amrstterarztttche Untersuchung ber zum Decken fremder Stuten zugelaffenen Hrauste hat sich in den Kreisen, in denen Beschälseuche herrscht,' auch auf die Blutuntersuchung zu erstrecken.

8 5 Aus den Kreisen Eschwepe, Rotenburg und Herr- chast Schmalkalden wird je rin Beobachtungsgebet gebil- Kt in dem alle Pferde, abgesehen von den in §§ 1 unb 4 gegebenen Dorschristen folgenden Beschränkungen unter« heSa) Stuten dürfen nur bann zur Begattung zugelaffen werden, wenn ihr Besitzer dem Hengsthalter eine amtstter- ärztliche Bescheinigung vorlegt, aus ber hetvorgehl, daß bte Stute als unverdächtig anzusehen ist.

b) Hengste im Aller von mehr als einem Jahre und Stuten im Atter von mehr als zwei Iahten dürfen mir m't Genehmigung des Landvats, in Stadtkreisen der Orts- Polizeibehörde, aus dem Beobachtungsgebiet ausgesührt werden. _ . . . ..

Die ®enefgnigung darf nur auf Enmd emer amtstter- ärztlichen Bescheinigung über bte Unverdächtigkeit bet Pferde erteilt'werden. Bei Verladung auf Eisenbahnstationen m den von ber Seuche betroffenen Steifen ist bie Gmehrni- gung ber Eisenbahnbehörbe vorzulegen und dem Fracht- brief beizuhesten. .

Die nach a) und b) erforderliche omtsttetatztsiche Be­scheinigung, in ber Name und Wohnort des Besitzers und bas Signalement des Pferdes zu bezeichnen sind, hat eine Gültiakrit von 6 Wo^n von ber Ausstellung an gerechnet.

§ 6. Die Kosten der nach § 5 erforderlichen amtstier« ätzttchen Untersuchungen unb Bescheinigungen fallen gemäß §§ 24 und 25 bes Preußischen Ausführungsgesetzes zum Reichsviehfeuchengefetz vom 25. Juli 1911 bem Pfcrdehalter $Ur 3uroiberf>anb?unyen gegen vorstehende Destimmun. gen werden nach §§ 74 bis 77 bes Reichsviehseuchengesetzes vom 26. Juli 1909 bestraft.

§ 8. Diese Anordnung tritt mit bem Tage ihrer Ver­öffentlichung in Kraft. Sie wird aufgehoben werben, so- bald die Gefahr ber Seuchenverschleppung beseitigt ift (A III. 1357 a II. Ang.).

Kassel, am 8. März 1921.

Der Rrniernngsprüsideuk.

I. V.: Lewakd.

Wird verösfenisicht.

Fulda, ben 24. März 1921.

Der Canbrat

I. V.: Polster. .

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aber m der Königstraße bummelt btejeuneffe boree et Hternellement bornee* in den modernsten Toiletten, bie ganze Ueberzivilisstion entfaltet sich breit unb aufdringlich. Es fehlt bie Beseelung, bie Durchdringung bes gebens mit ben alten Idealen, bie Stäbten wie Bamberg und Fulda den ganz eigenen, tiefen Reiz verleiht, ber gerade durch diesen Gegensatz fast körperlich fühlbar wirb.

Doch wie könnte man bas gesegnete Frankenland ver­lassen, ohne Einkehr gchalten zu haben in seinem berühm­testen Heiligtum«, der Wallfahrtskirche Werzehnheiligenl Die hochgespannte Erinnerung, mit ber wir am Abend bes Ostermontages bie Gnadenstätte betraten, würbe durch die Wirklichkett noch weit übertroffen. Der vollendete Zusammenklang: bie rötliche Pracht bes Hochaltars und der frei schwebende Gnadenaltar, bie zarten, grauen Stuk­katuren auf weißem Grunde, bas Gokb den Gliederungen, di« rauschende Musik ber Deckengemälde, bas ist ganz ohne Verspiel schön. Den Kenner entzückt immer aufs Neue die kühn« Kurvatur, die sich in dem einfachen basilikalen Umriß verbirgt, dieser Triumph bes Geistes über bie Materie, dieser steingewordene Traum von Schönheit. Wenn in der gegenüberliegenden Danzer Kirche bei aller Pracht bas Erfühl einer gewissen schwülen Uüberladen- hell Platz greift, so empfindet man hier eine bis ms Letzt« durchgefühlte Eleganz unb lichte Heiterkeit. Ob man lieber wie an diesem Ostermontag spätnachmittags bie K.rche be­sticht, wenn sie ganz leer fft und nur leises Orgelspiel von unsichtbarer Hand wie rin Zauberschleier Bogen mit Bogen verbindet, indessen bie Schatten bes Abends wachsen unb bie Lippen unwillkürlich die Bitte formen:matte nobis- tum, Domine, quoniam aboefperasrit", ober ob man im goldenen Morgenstrahle hereinkommt zu brausendem Hoch- amte, bi« geheimnisvolle Schönheit dieser Kirche bietet . sich willig jedem empfänglichen Besucher zu jeder Stunde bar. Man begreift, wie hier Ströme von Trost und Hoffnung bekümmerte Seelen unb sorgenschwere Herzen erfüllen müffen allein schon durch das Medium ber Kunst. Und bas ist wohl bas Größte, was die Architektur erreichen, das Höchste, was man ihr zum Ruhme nach­sagen tarnt.

So mürbe, wenn wir schweigen von den retn tefi- giösen Wirkungen dieses Enadenortes, allein schon bas künstlerische Erlebnis dieses emgigartigen Raumes in seiner strahlenden Schönheit zum jubelnden Schlutzakkord dieser an unvergeßlichen Eindrücken fo reichen, Osiersahri.