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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

fir. 78.

Verantwortlich für den .eOotnonellen Teil: Karl Schütte. - für di« Anzeigen: I. Parzeller-Fulda.- z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actirndruckerei in Fulda, rrenüprecher Nr. 9. Telegr.-Adresfe: Fuldaer Zeitung.

Mittwoch, 6. April 1921.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 NU. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei unsabgehoU3,15 NU. Anzeigenpreis: DieKleinzeile lLolonelmab) 60 Pfg, u. 10°|. Zufchlag, die Reklamezriie (Textbreite) 1.80 Bit, u. IO*-'« Zufchlag. Del Wiederhol. Rabalt.

48. Zahrg.

Amerika irnd Deutschland.

Die anwrikamsche Antwort auf das deutsche Me­morandum, die wir gestern mitteilten, ist die erste greifbare Auslassung der neuen Regierung und darf daher einer bescmdern Aufmerksamkeit sicher sein, da in ihr in großen Umrissen die künftige Haltung Ameri­kas sich erkennen läßt.

Die Antwort hält sich auf einer Mittlern Linie und bietet daher beiden Teilen Befriedigung und Enttäu- Mtno. Für uns bedeutet sie insofern einen Strahl der Hoffnung, als sie zunächst einmal auf einen Ton ein­gestellt ist, der uns fett dem Witsonschen Notengroß­betrieb ziemlich fremd geworden war, und außerdem stellt sie sich auch sachlich auf den Boden der deut­schen Zahlungsfähigkeit und nicht der ftan- zösrschen Begehrlichkeit. Freilich ift auch mit dieser Beschränkung auf die Grenze des Möglichen noch nicht allzu viel gewonnen, solange nicht feststeht, was Ame­rika unter unsrer Zahlungsfähigkeit versteht. Immer­hin vernimmt man das Wort von einerneuen Grund­lage" und demhoffnungsvollen Wiederbeginn der produktiven Tätigkeit Deutschlands". Allzu weitschwei­fende Hoffnungen müssen wir uns versagen, damit wir nicht eines Tages wiederum aus verschiedenen Him­meln geworfen werden. Diese Vorsicht ist schon des­halb am Platze, weil Hardrng mit seiner Umgebung anscheinend den Ueberredungskünsten bis zu einem ge- wiffen Grade erlegen ist, wenn er auch hin und wieder täc kalte Schulter gezeigt hat.

Wie die amerikanische Regierung fonft gute Rücksicht aus die Gefühle der früheren Kriegsgenossen nimmt, zeigt sich in der Wendung, die amerikanische Regierung halte ebenso wie die Verbündeten Deutsch­land für den Krieg verantwortlich. Wir wiesen schon darauf hin, daß man allerdings von Ame­rika nicht erwarten könne, daß es, nachdem es selbst gegen uns in den Krieg gezogen ist, zugestehe. Deutsch- land fei nicht verantwortlich für den Krieg, aber man sieht doch nicht, warum diese Lüge, Deutschland fei der Urheber des Wettemmheils jetzt wiederholt wer­den muffte. Wir hoffen indes, daß die absichtliche Betonung einer offenkundigen Unwahrheit um so eher ber Wahrheit zum Durchbruch verhilft. Man hat nicht immer so in Slmerifa gedacht, wie es jetzt noch offi­zieller Regierungsglaube ist. Zu .feiner Rede im Frauenklub in Cincinnati am 26. Okt. 1916 sagte Wil- f o n wörtlich:Hat jemand. jemals gehört, woraus der Mgenwärtige Weltkrieg entstand«: ist? Wenn ja, fo wünschte ich, er möchte es bekanntgeben, denn soweit ich sehe, weiß es niemand. Keine einzelne Tat­sache hat den Krieg hervvrgerusen, sondern alle Dinge im allgemeinen." Diese Auffassung aus dem October 1916 ist inzwischen von andrer Seite laut und deutlich bestätigt worden, besonders von dem englischen Ersten Minister Lloyd George am 22. Dezember 1920 in Birmingham. Dort beteuerte er, daß die europäischem Staatsmänner in den Welt­krieg hineingeschltttert oder gestolpert feien, während der englische Historiker G o o ch in der Hiftvrieal Asso- ciction in Cambridge erklärte:Wenn ich sage, daß es ein aufgelegter Unsinn ist, zu behaupten, Deutschland habe eine friedliche .und nichtsahnende Welt mit Krieg überfallen, so spreche ich nicht als ein deutschsteundlicher, sondern als ein Mann, der die Tatsachen studiert."

Es fft nicht gut anzunchmen, daß man zu tiefer späten Stunde in Washington noch nichts von diesen Aeußenmaen gehört haben sollte, besonders nachdem auch in Amerika selbst Stimmen in Fülle laut gewor­den sind, die sich ähnlich vernehmen lassen. Aber vor­läufig muß die geschichtliche Wahrheit für die Regie­rung Amerikas ncch ohne Belang sein. Mst bloßen Behauptungen ist indes nichts mehr anzusangen. Sie werden den Sieg der Wahrheit nicht hindern.

Rew-Dorker Presseäußerungen wollen wissen, daß bei Amerika eine große Neigung bestehe, eine 21 en-

Der König der Dolomiten.

Dolksroman von Felix Stator.

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Aber der Richter war starr und unbeugsam.Ver­geben können mir Deinem Weib erst, wenn es Buß' und Abbitt'tan hat", sagte er. Zu allererst aber mußt Du Dich von der Welschen lossagen"

Aber Dator, dös kann ich doch nit", verteidigte sich Michael.Rositta ist vor Gott und den Menschen mein Weib und nix kann uns scheiden als der Tod."

»Du mußt Dich innerlich von ihr lossagen", beharrte der Richter,mußt ihr welsches Tun und Treiben ver- bieten, und wenn 's sich nit in unfre deutsche Art fügt, nachher schickst f wieder dahin, woher 's kommen ist nach dem Süden, ins Welschland*

Niemals Dater! . . . Dazu hab ich mei' Weib viel z'lieb, auch könnt' ich's nit übers Herz bringen, daß ich die Mutter von mein' Kind verstoß"

Die Mutter von Dein' Kind?" rief der Richter und prallte zurück, als hätte er einen Stoß vor die Brust bekommen.So steht's? . . . Döös ist freilich was an­deres. D' Mutter von ein Kind, dös ist was Heilig's. Aber dos muß Dein Weih a gfpüren, daß a Mutter was Heiliges ist, sonst ifts nit wert, daß Mutter wird. Ihren Stolz muß sie von sich tun und ihr' Falschheit und ihre Leichtfertigkeit. Würde muß sie haben, rein muß sie sein a deutsche Frau muß sie werden, nach­her können wir ihr verzeih n. Um des Kind s willen soll Frieden werden im Haus und in der G'meind, weil böe Kind unfern ehrlichen Namen trägt.'

Michael senkte betrübt den Kops. Daß Rositia eine deutsche Frau werden würde, das konnte et nicht glau­ben, dazu war sie zu heißblütig, hing zu sehr an ihkem Vaterland und an ihrer Raste. Gleichwohl versprach er seinem Baier, alles zu versuchen, um Rositta auf den Weg der Pflicht zu lenken. Der Richter wollte indes j mit dem Pfarrer reden, damit dieselbe auf gütlichem 1 Wege eine Versöhnung mit dem Dorfe onbahne

Michaels Diti en, Rositta möchte ihr Derhalten gr­ien die Dorfleute ändern, waren' zunächst erfolglos. Sie

derung der Purifer Entschädigungsforde­rungen anzuregen. Es wird behauptet, daß als Ausgleich dafür Amerika in einer Klausel zur Friedens- refolurion des Senators Knox Frankreich veriprechen werde, daß bei einem Angriffskrieg Deutschlands Amerika Frankreich helfen werde.

Nach den bisherigen Nachrichten soll der Zusatz sich nicht einseitig zu Gunsten Frankreichs und gegen Deutschland aussprechen, sondern dahin lauten: Falls der Zivilisation eine neue Ge- faifr wie 1914 drohe, würden die Bereinigten Staa­ten sich sofort mit den gefährdeten Ländern ins Ein­vernehmen fetzen. Darüber brauchen wir uns nicht aufzuregen. Bon uns wird die Zivilisation nicht be­droht werden. Die Zrvangsmaßmchmen von London sikch freilich eine Gefahr für die Zivilisation, aber die Amerikaner sind leider nicht unbefangen genug, daß wir etwa auf ihre militärische Hilfe rechnen könnten. Wir finden uns auch damit ab, daß die amerikanische Regierung mehr Siebe zu Frankreich hat, als zu uns. Doch sehen wir, daß diese Liede zu Frankreich auch vorsichtig adgegrenzt ist, da die Amerikaner sich weder zur Anerkennung des Versailler Vertrages nodj zum Erlaß der französischen Schulden bewegen (affen. Das Trostpflästerchen des Zusatzes von Knox können wir den mchrfach enttäuschten Franzosen gönnen.

Neue fran-Sftsche Drohungen.

Die Brüsseler Zeitung ,Le Soir" bringt folgende Alarmmeldung ihres Paristr Berichterstatters:

Sobald feststeht, daß Deuffchland beschlosien hat, nicht äu bezahlen, hat die französische Regierung die Absicht, selbst zu fordern. Die französische Regierung wünscht herzlich, mit den Alliierten einig zu bleiben. Aber die Lebensinteresten Frankreichs stehen auf dem Spiel, und es darf.nicht mehr gewartet werden.

Daher wird die stanzöstsche Regierung in Kürze Deutschattd eine letzte Aufforderung senden, und zwar nicht in Form einer diplomatischen Rote, son­dern in Form eines Ultimatums.

Deuffchland soll ein sehr kurzer Zeitraum gekästen werden, um die völlige Erfüllung aller Bestimmungen des Versailler Vertrages zu akzeptieren. Sobald die Antwort günstig lautet, würden die nötigen Maßnah- mm getroffen werden, um eine geregelte Erfüllung der deutschen Verpflichtungen zu ermöglichen.

Im anderen Falle würde die stanzöstsche Regierung bei ihren Bundesgenossen nachstagen, wer sich ihr an­schließt, um mit bewaffneter Hand die wirkllche Ausführung des Versailler Vertrages zu erwirken. Wenn die Einigkeit gewahrt bleibe, fo würde sich die stanzö- r Regierung freuen, tritt das nicht ein, fo würde sich stanzöstsche Regstrung ierstfchließen, a F( d i n zm handeln und Deuffchland mitteilen, daß Frankreich von diesem Tage an seine eigenen Bedingungen stellt und, falls nötig, sofort auf eigene Faust sich Bürgschaften verschaffen wird.

Es handelt sich hier anscheinend um einen Fühler der französischen Regierung, um ststzustellen, ob der Augenblick bereits gekommen fft, daß sie ihre Gervaft- polstrk selbständig durchführen farm.

Brrand rrrr Senat

Im französischen Senat ergriff gestern bet tret Beratung des Budgets für auswärtige Angelegenheiten Minister, prösiden-t 'Brioni) das Wort: Wenn Frankreichs finanzielle Lage emft fei, so sei tos eene Folge des widersinnigen Zustandes der siegreichen Ration, die durch den schlechten Willen ihres Schuldners gezwungen fei, die Lasten auszu» bringen, die diesem zufielen. Zwei Jahre hindurch habe Frankreich einen beruhigenden Geist des Entgegenkom­mens (!) gezeigt. Ms es sich darum gehandelt habe, die Zahstmgsmäglichteitsn Deutschlands feftzufteilen, habe man sich nicht geweigert, zu bisfttttemen. Aus der Pariser Kon- streng aber hätten die Alliierten den Schluß gezogen, daß eine Einheit geschaffen werden müsse. Wegen der höh- nffchm Angebote Deutschlands (!) sei ein Bruch untrer- weidlich geworden. In Span und in Paris habe man ein Abkommen getroffen. Da dies zurückgewiesen sei, bestehe nur noch der Vertrag von Betsailles. Danach sei es so, bat die Reparationskommission Deutschland dst Jchümgen 3U nennen habe, dst es zu entrichten habe. Mnistsrpmst- dent Briand sprach alsdann von den Zwangsmaß.

lachte ihn aus und spottete über dieDorftrottel". Nie. mals werde sie deuffch denken und fühlen, erklärte sie ihm. Italien ist mein Heimatland" rief sie leidenschaft- lich.2hm diene ich mit Leib und Seele und bis in den Tod."

Alle Vorstellungen Michaels, ihren Haß gegen das veuffche wenigstens nicht offen zu zeigen, stießen bei ihr auf heftigen Widerstand. Erst als er ihr klar machte, daß ihr Starrsinn den Haß der ganzen Bauernschaft herausfordere und seinen wirffchastlichen Ruin zur Folge habe, horchte sie auf und ließ sich in die Verhältnisse einweihen. Sie überlegte . . . Arm werden? ... In Rot geraten? . . . Rein, bas wollte sie nicht. Sie sehnte sich im Eegentell nach Reichtum und Luxus, vor dem Gespenst der Armut graute ihr, vor diesem Gespenst streckte sie die Waffen. Wie eine fauchende Katze, der man einen fetten Bissen hinwirft, zog sie die Krallen ein und zeigte ihre Samtpfoten . . .

Don dieser Stunde an war Rositta eine andere. Sie benahm sich freundlich und fast unterwürfig gegen ihren Schwiegervater, grüßte die Dorfleute mit ihrem liebens, würdigsten Lächeln, ging sittsam und mit niedergxschia- genen Augen zur Kirche und betete mit der Inbrunst einer Büßerin vor dem Bilde der Madonna. Dor allem Volke schlug sie an die Brust, als ob sie öfsenllich ihre große Schuld bekennen wollte

Wer sie in ihrer Büßfertigkeit und Reue sah, mußte an ihre Umkehr und Besserung glauben nut Michael konnte es nicht. Dazu kannte er sie zu genau, wußte zu gut, daß das alles nur Heuchelei und Verstellung war der Ausfluß ihres welschen Wesens Ihm bangte vor dem Tag, an dem ihre Komödie aufgedeckt würde, aber er war in seiner Verliebtheit zu schwach, um Rositta zum Bekenntnis der Wahrheit zu zwingen und fügte sich in das Unvermeidliche, da es ihm Vorteil brachte.

Denn bei der offenkundigen Sinnesänderung Ro° sittas gelang es dem Pfarrer, die Dorfbevölkerung um­zustimmen und besonders den Zorn der Frauen zu be­schwichtigen. Es kehrte Friede ins Dorf ein, und nie- ' wand war darüber froher al« Michael. Lauter und freudiger erklang sein Gehämmer, u"d manchmal fang er sogar ein Lied zur Arbeit wie in früheren

nahmen. Der Zolltarif am Rhein fei aufgeftdlt. Die neuen militärischen Stellungen gestatten int Kontrolle über bie Kohlenausfuhr aus dem Ruhrgebiet. Der Gläubiger habe das Recht, Zwangsmaßnahmen auszuführen. Deuffch. laich habe s«h des Vertrags bedient, um die Alliierten zu vechindern, vor dom 1. Mai zu verhandeln. Wenn dieser Verfalltag verstrichen fei, dann kehre man zum gemeinen Recht zurück. Wenn Deutschland versuche, sich doch seinen Verpflichtungen zu entziehen, bann werde eine starke Hand auf es niederfallen. (Lebhafter Beifall.) 50 Jahre hin- durch habe Deuffchlmch die Macht bewundert und nachdem es feine Truppen mit vvnmschveitender Musik habe zu­rückkehren sehen, habe es geglaubt, es sei ein Opfer des Hungers geworden, ober es fei nicht besiegt. Jetzt aber sehe es, daß fremde Truppen auf seinem Gebiet voimar- schieren und es bemerkt, daß sich tatsächlich seit 1871 etwas geändert habe. Alles, was Deutschland besitze, gatantiere die Schild. Sollten etwa die, die Frankreich Geld ge­liehen hatten, nicht bezahlt werden, während die, die Deutschland Gold geliehen Men, bezahlt würden? (Leb- hchder Beifall.) Man werde Zwang anwenden, von dem auch die deutschen Großindustriellen nicht aus­geschlossen würden. Ein Teil der deutschen Dodenreich- tümer müsie zur Zahlung herangezogen werden. Der ent- scheidende Augenblick nahe heran, an dem Frankreich hn Einverständnis mit seinen Verbündeten fest enffchloffen sei, das letzte Wort zu haben. Er beklage das deutsche Volk, es werde aber in Kürze erfahren, daß das Recht auf der Seite der Alliierten stehe und daß man entschlossen fei, zu seinen Forderungen zu gelangen, wenn no-koendig, du-rch Gewalt.

Karl von Habsburg abgereist.

Karl von Habsburg ist Dienstag vormittag von Bettramanger mit dem für ihn bereitgestellten Hof- zuge abgefahren und die Rückreise über Oester­reich und tic Schweiz angetreten. Sn der National- versammlmrg machte die Regierung hiervon Mitteilung.

Aus Budapest waren alle Demonstraffonen bei der Abreffe verboten worden. Trotzdem und trotz des küh- len, regnerischen Morgens hatten sich vor der Wohnung etwa 5000 Menschen angesammelt. Ein Gesangverein stimmte patriotische Lieder an. Dann ertönen Eljenruse. Der Kaiser tritt in der Marschalluniform reifebereit auf den Balkon.Auf Wiedersehen!" tönt es ihm entgegen. Bleiben Sie bei uns!",Kommen Sie wieder!" Der Gesangverein stimmt die Nationalhymne an. Der Kaiser dankt salutierend nach allen Seiten. Mehrere Automo­bile rollen durchs Schloßtor. Der Wagen des Kaisers wird mit Blumen beworfen. Dieselben Szenen wieder­holen sich auf dem Bahnhöfe. Der Kaiser sagt zu dem Abgeordneten von 6teinamanger, auch für bie Umge­bung vernehmbar:Auf Wiedersehen, bestimmt auf Wiedersehen!" Dann setzt sich der Eifenbahnzug in Be. roegung. Nach hundert Metern Fahrt wird jedoch Halt gemacht. Es sind Telegramme aus Budapest eingetrof­fen, die Karl überreicht werden. Er unterfertigt ein Schriftstück, es ist eine Proklamation. Ein anderes Tele­gramm teilt mit, daß sich die ungarische Regierung ent- schlossen hat, dem Wunsche des Exkönigs nach vollkom­mener Amnestierun der ihm ergebenen Offiziere, die während feines Aufenthaltes in Steinamanger in feiner Umgebung gewesen waren, Rechnung zu tragen. Dann wird dem Kaiser eine von den Offizieren der Natio­nalarmee unterzeichnete Erklärung übergeben, in der diese ihre Uebergeugung ausspricht, daß derzeit ein Der- bleiben Karl, in Ungarn mit den Interessen der Nation und der Nationalarmee unvereinbar sei. Nun rollte der Zug endgültig ab. Die Proklamation Karls soll heute im Budapester Arnstblatt erscheinen. Die Budapester Machthaber haben die ehrenwörtliche Dersicherung für die Veröffentlichung dieser Proklamaffon gegeben.

Ans der Fahrt durch Oesterreich wurde ein großer Umweg über Graz gemacht, um Wien nicht zu berüh­ren, was von sozialdemokratischer Seite als Hauptpunkt für die Verbürgung einer ungestörten Durchfahrt aufge­stellt worden zu sein scheint.

Im Zusammenhänge mit den Dorgängen der letzten Tage ist der ungarische Minister des Aeußern Dr. Gr atz zurückgetreten. Auch in Oesterreich ist als Folge der Reise eine Veränderung im Kabinett festzustellen. Die Art, wie dir Rückreise über öster­reichisches Gebiet schließlich geordnet wurde und na­mentlich der Umstand, daß der Bundeskanzler der Teilnahme non Dolkswehrmärmern zustimmte, haben

als das Dorf noch nicht durch Hader und Zank zerriffen war.

Um feine Dankbarkeit zu »eigen, machte er dem Pfar­rer den Vorschlag, an Stelle des zertrümmerten Firn- kreuzes ein neues zn errichten und im kommenden Win- ter den Herrgott dazu zu schmieden.

Der Pfarrer sowohl als die Gemeinde waren dar­über sehr erfreut und sahen den löblichen Vorsatz Mi­chaels als ein Werk der Buße an, durch das er feine und seines Weibes Schuld sühnen wollte. Die Stim­mung gegen den jungen Meister schlug um; man ver­zieh ihm und vergaß, was geschehen war.

Die Weihe des neuen Firnkreuzes war ein Festtag für die neue Gemeinde, und das heilige Zeichen droben auf den Höhen bot Michael Gelegenheit, feine Treu zu Gott und zu feinem Volke offen zu bekennen.Sehet", sprach er zu feinen Heimatgenoffen,dieses Kreuz, das ich im Angesichte des Himmels errichtet habe, soll ein Zeichen sein meines Glaubens an den Erlöser und an die heiligen Satzungen unsere, Volkes, ein Bekenntnis der Treue für die Heimat, das schöne Land Tirol. So, wie dies hehre Zeichen nun hinausschaut in unser teu­res, heißgeliebtes Land Tirol, soll es fortan ein Hüter der deutschen Erde sein, ein Zeichen der Treue gegen Gott und unser Volk. Ich selbst aber, der es schuf, will ein deutscher Mann fein, und mich durch nichts in der Welt von meinen Pflichten abwendig machen lassen, so wahr mir Gott helfe!"

Ergriffen lauschten alle seinen Worten und waren voll Freude, weil der beste Sohn des Volkes wieder heimgefunden hatte zu den ©einigen. Doll Stolz blick­ten sie auf den Meister, dessen Ruf als Schöpfer großer, machtvoller Werke der Schmiedekunst weit über das Tal hinausgedrunaen war. Prachtvolle Gitter für Kirchen und Paläste, herrliche Grabkreuze und kunstvolle Kron» lenchter in zahlreichen Gotteshäusern verkündeten die Meisterschaft Michael Pallantas von Salon.

Eine kleine Feier in derAlpenrose" vereinigte die Bauern von Salon. Nur ungern folgte Michael der i sreundlichen Einladung, denn er scheute sich vor einem ;

ammentreffen mit Gina, seiner einstigen Braut. Doch > vb ihm bitte Demütigung erspart; Gina hatte das i

den Minister des Innern Dr. Glanz veranlaßt, zu. rückzutreten.__,,_______________________

Das Ende der Unruhen.

Die Polizeiaktion im mitteldeutschen 3nbuftuc= revier ist fast völlig beendet. Die großen Banden sind versprengt, es wird nur noch van Mreinzelten Terror­fällen gemeldet, gegen die die Polizei mit aller Schärfe durchyreist. Die Ausnahmegerichte nehmen ihre Tätig­keit bereits auf. Der Eisenbahnverkehr im Bezirk Halle ist auf den bisher gestört gewesenen Strecken wieder in vollem Umfang ausgenommen worden.

Bei der gesamten Aktion gegen die Aufrührer sind nach den bisherigen Feststellungen insgesamt 3642 Aufständische fe st genommen worden. Der Hauptteil der Verhafteten befindet sich im Leunawerk in p>lizeilichem Gewahrsam.

Der Rücktransport der Reichwehr in bie Garnisonen hat begonnen. Die D e r l u st e der Schutzpolizei während der Austuhrbewegung sind 36 Tote, 57 Verwundete 1 Vermißter.

Die kommunistischen Ihm haben für Sachsen fchr schwere wirtschaftliche .. . iZungen im Gefolge,

da die sächsische Industrie L .Mich eine reine Aus- fuhrindlfftrie ist. So ist beispielsweise ein amerikani- scher Auftrag für die Sebnitzer Aumenindustrie irt Höhe von etwa 5 Millionen Mark verlörev

gegangen.

Auch im Rheinland herrscht wieder Ruhe.

Ueberaus scharfes Eingreifen der Besatzungstmp. pen hat jetzt auch im linksrheinischen Zechengebiet jede Aufruhrregung erstickt. Auch von nennenswerten Streiks kann keine Rede sein. Nur geringe Teile der Belegschaften fehlen noch auf den Zechen. Die belgi- schm Besatzungstruppon halten sämtliche Zechen besetzt.

Mit russischem Gelve

DorVorwärts" veröffentlicht ein Schreiben des provisorischen Internationalen Rats der Gewerkschaften, das charcckterfftifch für die Beziehungen der deutschen Komm uni st en zu Moskau und für ihre finanzielle Abhängigkeit von Moskau ift. Das Schreiben hat rin ?. S., das lautet:

Durch den UebWbringer übersenden mir Ihnen Geld» mittet und bitten Sie, uns wöchentlich über Ihr« $üi5» gaben telegraphisch mriguteüan, damit wir Ihnen die nötigen MM ohne Verzögerung leisten können.

Dazu bemerkt derVorwärts":

Dieses Dokument biföet einen weiteren Beitrag zur inneren Geschichte der Vereinigten knmmunffiischcn Park! Deutschlands trrtb zur Borge schichte des neueste« Patsches. Es bestätigt Misere Auffassung, daß die frühem Parteileitung der Kommunffton sich zu einem ge- wissen DenmtdvortÄngsgesichl durchgerurrgm und eine Uefrerteihmg der Bewegung m ruhigere Bahnen vorsichtig vorzuberrit«, versucht hatte. Deshalb rourbe sie abgesagt und durch eine Bande gewiss enlojÄ Abenteurer ersetzt, die bereit woran, zu tanzen, wie Moskau pfiff. Etwas ande­res war mst) nicht möglich wegen der finanziellen Abhängigkeit der Vereinigen kommunistischen Par­tei Deutschlands von Moskau, die m der Nachschrift zu drastischem AuÄnmck kommt. Moskau zahlt wö­chentlich! Moskau zahlt, was veilmigt wird! Aber dafür fordert Moskau auch die Unterordnung der aVereinigten kommunistischen Partei Deutschlands unter die istischen Elemente derArbeiterUnion" und des Syn» >rnus. Der Märzpuffch von 1921 fft mit rus­sischem Geld und unter russischer Einwir­kung gemacht wockren. Das ist ja auch die einzige Er- klärimg sirr ihn, da jeder pol irisch unterrichtete Deutsche, gleicht welcher Richtung feine völlige Aussichtslosigkeit von vornherein erkennen mußte. Nutzlos und sinnlos haben dir gegenwärtigen Führer der Bereinigten kommunistischen Partei Deuffchlmchs das Leben ihrer Anhänger geopfert auf Befehl ihrer ausländischen Geldgeber. Die sparen nicht mit Mitteln, wenn es gilt, fremde Häuser anzuzündsn und int fremden Land Proletarierlrichen zu häufen. Für die Hinterbliebenen ihrer Opfer zu (argen, worden sie aber, wie bisher noch immer großmütig den deutschen Arbeitern überlassen!

Dissen treffenden Worten des führenden mehrhetts- sozialiftischen Blattes braucht man nichts hinzuzufügen.

Dorf bereits verlassen, um sich in Bozen zur Kranken- schwcster auszubilden.

Sie hat sich getröstet", dachte er befriedigt und wurde zusehends aufgeräumter. Der Abend verfloß in schönster Harmonie, und in voller Eintracht schied er von den Dorfbauern, von Herzen froh, daß nun wieder Friede zwischen ihm und dem Dorfe war.

Aber zu Hause erwarteten ihn Tränen, Vorwürfe, und Zornesausbrüche.Du hast Dich von mir los» gesagt," klagte Rositta,um dieser dummen Dauern wil­len bist Du an mir und unserer Liede zum Verräter geworden."

Aber Rositta," verteidigte er sich,ich hab dös alles doch nur wegen Deiner getan. Damit Du von allen geachtet wirst."

Sie ließ sich aber nicht beruhigen, sondern schmollte, setzte seiner zärtlichen Sorge ihren Trotz, feiner Heimat- liebe ihren Haß entgegen.

Zum ersten Male fragte sie sich, ob sie recht daran getan habe, als Rächerin ihrer Mutter nach Salon zu gehen, und ob es ihr gelingen werde, diesen starken, so fest in der Heimat wurzelnden Mann in ihren Bann zu zwingen. Gelang ihr dies nicht bann war sie verloren. Ein Grauen faßte sie bei diesen Gedanken, und zu der Angst um die Zukunft gesellte sich die Sehnsucht nach ihrer Mutter und nach ihrer sonnigen Heimat. Sie fühlte sich einsam und ocrlaffen in dem kleinen Dorfe, war ja nur eine Fremde, eine verhaßte Welsche unter diesen starrköpfigen Deutschen. Daher wollte sie Rat und Hilfe bei ihrer Mutter suchen und zu ihr nach dem Süden reifen. Doch ehe sie ihren Vorsatz ausführen konnte, brach unversehens der Winter herein,

Schnee, soweit das Auge reichte, Dorf und Tal durch einen Wall von Schnee von der Außenwelt abgeschnit- ten. Das an die Wärme des Südens gewöhnte Weib fror in diesem kalten Lande bis ins Mark, und sie wagte sich aus Furcht vor Erkäliimg kaum mehr auf bie Straße. Die Wände ihres Hauses waren nun ihre kleine, eng umgrenzte Welt, ihr Gatte der einzige Freund und Genosse ihrer einsamen, verzweifelten Stunden.

Gortsetzung folgt.)