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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 77

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LcramworttiH für ben «euuwueUen Teil: Karl Schulte. - für die tin^etcp" BarzeHer- Falsa. , - s Rotation» druck u. Verla, der i? !>>aet Lctiendruckerei in Fulda. ernror edier Nr. Ö. 3 egvAdr; e- Ru lb»»r ^eftu na ü-___"J---. ii WILLI_______

Dienstag, 5. Mpril 1921

Bezugspreis: Mvnailich Z.va Mk.otzne Zustellgebühr. Jntzuwo I

bei unsadgehollZ,1d RU. Auzeigenprri»: LieKieluzeilr I AQ. Tnhrn iCoionelmaiz) öo u. 12°!. Zu>ch:ag, die Lieklamezeile Iy» (Tepbreirei 1.80 Rik., u. Zujchiag. Bei Wirbel hol. Rabatt. |

Der MeinungsausLavsch mit Amerika.

Sn der Presse des Auslandes werden teils wider- fpruchsvvlle teils irreführende Nachrichten Wer den beutsch-Lmerikawschen TiÄnungsoustausch zur Frage der von Deutschland zu leistenden Entschädigun­ken mitgrioklt. Das Wolfffche Büro veröffentlicht deshalb den Wortlaut des deutschen M e m o r a n - Lums und die atnerikanifche Antwort darauf.

Das Memorandum, das der Relchsmlnsster des Acu- ran 21. März dem Berliner amerikanischen Kommis- gelege-ntkich einer Besprechung über die GntMdi- curtgsfiMÖe übergeb, betont zunächst den entschiedenen Willen Dourschlands, seinen vertraglich übernommenen Merpflichtungen bis zur äußersten Möglichkeit nachzukom- 'vren. Cs unterscheidet sodann zwischen zwei Arten von »Aerpfiichklmg: dem Wiederaufbau der zer st orten G e - -niete und der darüber hinausgehenden finanziellen 'Entschädigung. Dos MsmoranSum betont, daß . Deutschland dringend wünsche, an dem Wiederaufbau mit- zu arbeiten, und zwar in ieber praktischen und möglichen Form, die man ihm oortotegen würde. Bisher seien alle Bestrebungen in dieser Richtung an dem Widerstande ge- fcheitert, der ihnen in Frankreich entgegengestellt wurde. Keines dsr deutschen Angebote sei angenommen ober auch nur zur Erörterung gestellt worden. Das wirkliche In- tereffe an dem Wiederaufbau des zerstörten Gtebieteg sei n Frankreich ntr gering. Die ftühsven Bewohner er- hteüen vorschußweise EnLschMgungen und machten sich in emdoren LandestÄlen seßhaft. Einflußreiche Unternehmer- vrupprn sind mit der Verwertung des zarückgÄassenen Ma» tsriois und don Aufrämnungsarbeiten befaßt. Sie be- fchtemrigen tote Wroirttm^ ihrer Auf.gabe in ferner Weist. Am meisten fällt aber ins Gewicht, dich mäch­tige Kreise m Fncmfee'ch in dem jerftrten Gebiet ein auHerordenÄrch starkes politisches Agitaiionsmittel er- bbickon, bas bei den Einheumschen und Fivmdsn begreif» Nchonweise stets einen tiefen Emdrmk b'rterEfit. Deutsch- I<i-rtb wünsche feine Dorowigung des Dölkechaffes, *5 werde deshalb nochmals der französifchmi Re­gierung Vorschläge vnterbrmtm, die gegenwärtig mit der deutschen Arbeiterschaft beraten würden. Singe» w» der sthwierigen Finanzlage m einigen alliierten LüiKsrn müsse DrutMEÜ sich auch, abgesehen vom Wie­deraufbau, sich G e l d l e i st u n g e n aufeviegen, imb ts wolle sich auch dieser Forderung nicht entziehen. Der Fmanznot der Alliierten könne nur im Wege des Kre» drtes abgeholfen werden. Die Voraussetzung für deutsche AusklmdskvüÄe foi die KrcÄitwürdigkoit DeutWands. Dieser aber sei völlig untergraben durch die Alliierten selbst. Tas Memorandum berührt wieder die Jdse der internationalen Anleihe und des Stenernach» kaffes für d-efe Anleihe, und erwähnt auch die Frage der Schulden Frankreichs und Englands an Amerika. Es wird an die Söee Lord Robert Cerits erinnert, die An» Sr&en über die deutsche Leistungssäbigfeit in unparteiischer Weist nachprüfen zu lassen, rmd es wstd zu entemten gegeben, daß DeuWstmd gegen keine gerechte und objet- ti-ge Prüfung etwas amzuwcnden habm würde.

Die ganze Fassung des Memorandums laßt an der Bereitwilligkeit und an dem guten Willen Deutsch- lands, in der EntschLdigungsfrage jede mögliche und erträgliche Lösung anyunchmen, nicht den "mindesten Zweifel, und diese Bereitwilligkeit wird auch in der amerikanischen Antwort vorurteilslos aner­kannt. Sie wurde am 29. März übergeben und lautet:

Dst mneiÄwn'sche Regierung ist erfreut, ms Dr. Si­mons Memorandum in unzweideutiger Weist den Wunsch 6er doutschen Regierung zu «sehen, Entschädioung bis zur Grenze der Zah^migsfährpkett zu leisten. Die amerika- irische Regierung hält ebenso rote die alliierten Regierungen Deutschland für den Krieg verantwortlich und daher mo­ralisch verpflichtet. Reparation zu leisten, soweit dies mög­lich sein mag. Die Anerkenrrrmg dieser Verpflichtung, wie sie das Memorandum m sich schließt, scheint der Regierung der Bereinigten Staaten als ixte einzige gesunde Grund­lage, auf 6er ein gostchevter, gerechter Friede hergeftellt werden kann, unter dom bte verschiedenen europcüschen Rationen roicber zu roirtschaftNch« Stabilität getan gen können. Dst amerikanische Regierung glmrbt in dem Me» moumdum dm aufrichtigen Wunsch der deutschen Siegte« rimg zu erkennen, mit den Alliierten Verhandlungen auf einer neuen Grundlage zu «öffnen und hofft, daß ber»

Der König dsr Dolomiten.

Dolksroman von Felix Nabor.

25] ---------

Michael Pallanta kehrte erst nach Sonnenaufgang aus den Sergen zurück; er war so müde, daß er erst einige Stunden ruhen muhte, ehe er wieder an die Ar- beit ging. So erfuhr er erst cm Mittag, was In der Nacht geschehen war; ein furchtbares Ungeroitter entlud Fuf) über dem Haupte feiner leichtfertigen Frau, aber rot6 furchtbarer war die Flut von Zorn und Verach- tung, die aus dem ganzen Dorfe auf die Sünderin nie» Verging. Sie war verfemt und geächtet.

Doch Rositta beugte sich nicht. Sie verharrte in ihrem Trotz und lachte der Drohungen und Verwünschungen, die tnt Dorfe gegen sie erhoben wurden. Mit ihrem Manne schmollte sie einen Tag lang, aber feine Liebe ju ihr war so mächtig, daß er ihr verzieh und sich auf ifjre Seite stellte, um ft» gegen all- Angriffe zu schützen.

Ihretwillen kam es zwischen ihm und seinem Vater zu einem heftigen Streite, der schließlich zum Bruche führte. Da Michael seine Frau oerteibigte, sagte sich der Richter von mm los und in dem früher so friedlichen Hause nistete sich die Zwietrachr ein rote eine giftige Schlange.

Rositta lachte heimlich in sich hinein, weil es ihr ge­lungen war, Vater und Sohn zu entzweien. Noch mehr lachte sie über den Zorn der Bauern; sie hatte keine Ahnung, welche Aufregung und Erbitterung unter die­sen herrschte. Der Haß der ganzen Gemeinde richtete sich gegen die Fremde, die Welsche, die sich in frivolster Weise gegen die guten Sitten des Dorfes und gegen die geheiligten Satzungen des Volkes vergangen hatte.

Aber auch gegen Michael richtete sich der Zorn, weil er eine verhaßte Welsche geheiratet hatte und ihren leichtfertigen Lebenswandel noch beschönigte. Man sah in ihm einen Verräter an der Heimat ein Verbrechen, für das es keine Verzeihung tzeb. Man mied fein Haus und begegnete ihm und feiner welschen Frau mit Hatz und Verachtung. Nur die Rücksicht auf feinen Vater, diesen festen, treuen, kerndeutschen Tiroler, hielt die Leute ab, sich an seinem Sohne zu vergreisen oder ihm den roten Hahn aufs Dach zu setzen.

«rüge DerhandlunHen, einmal wieder ausgenommen, zu einer schleunigen Regelung führen mögen, die gleichseitig teil gerechten Ansprüchen der 21 toi er ton Genüge teilten und Deuifchlarü) erlauben, hoffnungsvoll seine probuttroe Tätigkeit wieder zu beginnen.

Bon den Deutschsoinden könnte nur die Wendung auegr&nttet werden, daß nach Ansicht der amer.ta- krischen Regierung DeuiMand verantwortlich für den Krieg sei. Unsererseits braucht dies« Wendung nicht tragisch genommen zu werden. Amerika, das selbst am Kriege gegen uns test genommen hat, kann doch nicht sagen, daß es Deutschland nicht für verantwortlich halte. Im übrigen ist eine gewisie Befriedigung über den Inhalt des deutschen Memorandums unver­kennbar, und der Wunsch nach Versöhnung, beider- fcUtgem Entgegenkommen und Beruhigung.

Ein Teil der Franzosen, und gerade der tonan­gebende Teil, tarnt von dem alten Haß und Vernich» tungssedanken nicht ablassen, und deren Presse sucht nun dm Glauben zu erwecken, Deutschland sei in Nord­amerika abgewiesen, dagegen Frankreich mit In­brunst umarmt worden. Don einer Niederlage Deutsch- lattds kann keine« sein, da wir keinen Antrag ge­stellt halten. Mr haben lediglich auf eine ccreri» konische Erkundigung über die Stellung Deutschlands in der Entschädigungsfrage Auskunft gegeben und diese freimütige Auskunft war offenbar sehr zweckmäßig, wie das Echo schon g^eigt hat. Der Gedankenaus­tausch hat noch keine greifbaren Folgen gehabt, aber doch zur Aufklärung erheblich Lsigäragsn und für DMrschlanü erhöhtes Vertrauen gewonnen.

Ob andererseits der nach Washington entsandte französische Gtsandte V i v i a n i das erreicht hat, was er mit seiner mühseligen Fahrt erstrebte, ist noch sehr unsicher. Nach dsn bisherigen Nachrichten scheint ihm Washington nichts weit« zugesichert zu haben. Äs die Stundung jder französischen Krtegcschulden auf Sein Jahr Das wäre ein Moratorium. Im Verlaufe die­ses Jahres würde sich Herausstellen, daß das ftanzö- fische Budget nicht durch Zwangsmaßnahmen ins Gleichgewicht gebracht werden kann, sondern nur mit Hilfe Deutschlands, nänLich durch ein- V e r st ä n d i- gung zwischen den beiden Ländern, die nun einmÄ auf einander angewiesen sind.

DaS Habsburgische Abenteuer.

wtb London, 4. April. Reuter erfahrt, daß die kleine Entente an den RÄchsverweser Horthy ein Ul­timatum gesandt habe, daß, wenn der frühere Kai­ser das ungarische GebiÄ nicht verlasie, am Donners- tag militärische Schritte beginnen würden.

wtb Par«, 4. April. (Tel.) Nach einer von Ha­ras verbreiteten Berichtigung ist das an Ungarn ge­richtete Ultimatum wegen der Abreise des Kai- fers Karl von ItÄien und der kleinen Entente ausgegangen.

Wit Budapest, 4 April. (Tel.) Das ungarische Telegraphenbüro meldet aus Steinamanger. Der ehemalige König wird am Dienstag Steina» m ringer verlassen. Seine Temperatur ist auf 37,8 Giad zurückgegangen. Der auS drei Salon- wagen bestehende kofzUg ist bereits aus Budapest in Steinamanger emgerroffen.

Der englische Bergarbeiterstreik.

Nach englischen Dlättermeldungen betrögt die Zahl der Arbeitslosen bereits drei Millionen. Täglich kom­men neue Taufende hinzu. Bisher hat keinerlei An­regung stattgefunden, weder von der Regierung noch von den Bergwerksbesitzern oder Arbeitern aus. Die Regierung beschloß jedoch, die Bergwerke vor dem Er­saufen zu bewahren.

wtb London, 4. April. (Tel.) WieStar" meldet, ist es so gut rote sicher, daß der Arbeiterdrei, b u n d (außer den Bergarbeitern die Eisenbahner und

Transportarbeiter) am Mittwoch beschließen wird, den Vergarbeiteroerbarid aktiv zu u n t e r st ü tztz e n. Der Streikbefchl würde jedoch den Versuch in sich schließen, dm ganzen Konflikt auf friedlichem Wege zu lösen. Von eitrigen Zeitungen wird aus Eisenbahnerkreisen verlangt, daß der Eisenbahnerstreik Freitag um Mitter­nacht eintret m soll, falls nicht bis dahin eine Verstän­digung erfolgt ist. In Fife marschierten die Berg» arbeiter, 20 000 Mann stark, zu den Schächten und zuMgen die Arbeitswilligen zur Einstellung der Ar-

D!e Unruhen.

In Sachsen, Westfalen und Oberschlesien herrscht Ruhe. 3n den linksrheinischen Zechen ist die Arbeit fast vollständig wieder ausgenommen worden. Die Zechen Rheinpreußen 4 und 5 sind durch die belgischen Truppen gesäubert worden, wobei die Kommunisten zwei Tote und einen Schwerverletzten hatten. Eine ernste Beschn- digimg der Zechen ist nicht etngetreten. Von der 12000 Mann starken Belegschaft fehlen nur 2300 Mann.

In Berlin wollen die Elektrizitätsarbeiter am Mittwoch, dem Tage der Beerdigung des Kommunisten Sylt, die Arbeit auf 20 Stunden einstellen. Die übrigen städtischen Arbeiter streiken nicht. In der Nacht zum Dienstag erfolgte in der Kolonie Grünewald bei Verl n auf dem Villengrundstück de» Fabrikbesitzers Schmidt eine heftige Explosion. Es wurde festgeftcllt, daß zwei Handgranaten diese Zerstörung verursacht hatten. In der Röhe des Tatortes fand man kleine Zettel mit der Aufschrift: M a x H ö l z ist da. Um Mitternacht wurde gemeldet, daß versucht worden fei, die Eifenbahnbrücke Treptower Dammweg zu zerstören, doch sei der Anschlag mißlungen. Im Hause Uhlandstraße 197 sand man einen Papierkarton mit 14 Sprengpatronen, doch war die Zündschnur bereits erloschen. Wie derLokalanzeiger' mitteitt, hat die nunmehr abgeschlossene Untersuchung er­geben, daß das Attentat auf die Siegessäule »astichlich von Hölz angestiftet worden ist und als Einleitung einer großen terroristischen Aktion gedacht war,'z ist unter fremden Namen (Franz und Ferry) wiederholt in Berlin gewsen und hatin mehreren kleinen Versamm- tungen, zu denen nur zuverlässige Personen eingeladen wurden, sein Programm entwickelt. An die Sprengung der Siegessäule sollte sich die Zerstörung der wichttgst-n Eisenbahnbrücken und Anlagen schließen, die Ciü.nnn'mie des Polizeipräsidiums, die Besetzung der bürgerlichen Zeitungen und die Zerstörung ihrer technischen Einrich­tungen und weitere Attentate auf öffentliche Gebäude. Den erforderlichen Sprevostoff hatte Hölz aus feinem Lager bei Eisleben nach Berlin gebracht und in einer Laube in der Iungfemheide gelagert. Die In Berlin Verhafteten kannten Hölz nicht, haben aber feine Photo- oraphf» unter Hunderten, die ihnen Dor getagt wurden, sofort wieder erkannt.

Wie man erfährt, versuchen nach dem Putsch in Mitteldeutschland, der fast niedergeschlagen zu sein scheint, schon meber von neuem russische Agen­ten, mit viel Geld die verbrecherischen Elemente von neuem für einen Ausstand zu gewinnen. Es ist allo nicht ausneschlossen, daß wir in kürzester Frist mit neuen Putschversuchen rechnen müssen. Aus den Aufzeichnungen, die man bei den Roten gefunden hat, geht hervor, daß weitere Aufstände, besonders auf dem platten Lande, vor allem in Pommern, geplant sind. _

Die NSie der evanaelischerr Kirche.

Ein enmgriischlsr Mitarbaiier schreibt derZentr. Parl. Ron.":

Das Zentrum hat bis in Me jüngste GeysrMsrt hinein bekundet, daß es durchaus den Will-m hat, sich auch für die Existenz der evangelischen Kirche eimu- schert. Seibstnerständlich kann bas nur auf rein recht» lichem imd finanztellem Gebiete flefchehen. Ohne Zroeifrl ist aber schon in dieser doppelten Hinsicht die Satte der evangelischen Kirche mindestens ebenso schroterig, wenn nicht tctlnxife noch schwieriger als die der katholischen. Das Zentrmn verlangt für die kathol ische Kirche nichts weiter als die strikte Bindung an die rechtlichen Negelumten des Reiches

Michael litt schwor unter diesem Hasse. Ein Makel ruhte auf seiner Ehre, das Band zwischen ihm und der Heimat war zerrissen. Wie eine wilde Woge brauste der Zorn de, in seinen heiligsten Gefühlen verletzten Volkes über ihn, und da man sich nicht an ihn heran- wagte, traf der Schlag die Mitschuldigen seine, leicht- fertigan Weibes.

3n der folgenden Nacht flog ein Hagel von Steinen gegen die Taoernwirtschaft, und die Laube ging in Flammen auf. Nur mit Mühe konnte das Haus selbst gerettet werden. Dem Wirte aber wurde bedeutet, daß dies Haus der Sünde verdiente, vom Erdboden verttlgt zu werden.

Da kam Peter Schara fammemb zu dem Schmied und verlangte Schadenersatz.Ich bin meines L:bens nit mehr sicher,' klagte er.Morgen schon kann der rote Hahn auf mein Dach sitzen was fang ich nach­her an? An all dem Unheil ist Dein Weib schuld, und der Unschuldige muß für die Schuldige büßen. Darum hab ich a Recht auf Vergütung*

Michael suchte ihn durch eine kleine Summe zu be­schwichtigen, aber andern Tages kam Peter Schara schon wieder und verlangte Geld und da die Quelle immer floß, wurde er zum Erpresser und sieh M'chael kein» Ruhe mehr. Um ihn los zu werden, kam Rositta auf den Einfall, die Tavemwirtschast zu kaufen. Nach lan­gem Zögern willigte Michael ein und die verrufene Spe­lunke wurde sein (Eigentum. Peter Schara zog mit dem Erlös und mit feinen ungeratenen Töchtern in die Welt hinaus, um dort fein Glück zu versuchen.

Rositta ließ das Haus neu herausputzen, aber es machte auch in seinem neuen Gewände einen verdächti- gen Eindruck, wie ein Bandit, der sich einen Pilger» mantel um die Schultern hängt, um feinen Dolch zu verbergen. Und ebenfo verdächtig war der neue Päch­ter Filippo Ornello der würdige Nachfolger des dunk­len Ehrenmannes Peter Schara.

Die erste rocssche Familie hielt ihren Einzug in Salon Italien setzte sich auf deutscher Erde fest.

Im Dorfe herrschte darüber groß» Entrüstung, und der Haß gegen Michael Pallanta und jein Weib wuchs 'n Tag zu Tag.

Eine unheilschroangere Wolke zog sich über dem Dorf- Und dem Hause des Schmiedes zusammen.

11.

Der sunge Meister litt schwer unter dem Haß feiner Dorfgenossen wie unter der eigenen Schuld; fein Glück warn Gefahr, zertrümmert zu werden, fein blühen» des Geschäft ging dem Ruin entgegen. Am meisten schmerzte es ihn, daß er mit seinem Vater und der Gemeinde zerfallen war, weil ihn alle für einen Ver­räter an der Heimat und an feinem Volke hielten.

Vergeblich suchte er den Haß durch sreundsiches Ent­gegenkommen zu besiegen; überall biß er auf Granit. Denn hart wie Granit und starr wie Erz waren diele Dauernschädel, wo es um die Heimat, um die deutsche Ehre und um die heiligen Traditionen ging. Und ein6 der heiligsten UeberHeferungen war das ungeschriebene Gesetz: keine Gemeinschaft mit den Welschen!

Michael Pallanta hatte sich gegen dieses Gesetz ver­gangen, als er eine Welsche zu feinem Weibe machte, ja, noch mehr: er duldete welsche Sitte und Art in fei­nem Haufe und hatte vergessen, daß er ein Deutscher war. Daher sahen alle in ihm einen Renegaten, der feiner Heimat und seinem Volke die Treue gebrochen hatte.

Trotz dieses Hasses aber konnte er nicht von Ro- fiita lassen, dazu liebte er sie viel zu sehr; feine Leiden- schäft wurde zur Vergötterung, als sie ihm in vertrau- ter Stunde das Geständnis machte, daß sie Mutter würde. Da kniete der große, starke Mann vor ihr nieder und küßte ihr die Hände. Er war unsäglich glück, lich, denn das Muttersein erschien ihm als das Höchste und Heiligste im Leden de» Weibes auf Erden.

Er umgab Rositta mit allem Luxus, dessen sie be­gehrte, und wollte es sogar auf sich nehmen, den Zorn der Dorfleute zu besänftigen, damit nicht der Haß des Dorfes wie ein Fluch auf feinem Kinde ruhe.

Unverzügllch tat er den ersten Schritt zur Versöh­nung: er ging zu feinem Vater, entschuldigte Rositta, Vergehen, das nur aus Unkenntnis der dörflichen Sitte geschehen sei und bat ihn, ihr zu vergeben.

lFortsetzung folgt,)

und der Staaten gegenüber der Kirche. Wenn der Staat diesen rechtliche Verpflichtungen nachkommt, so ist die finanzielle und rechtliche Existenz der tcrll>sli- schen Kirche sichert. Mehr als einmal hat fte co:t berufener Seite es erkennen laffon, daß sie darüderl hinaus irgendwelche Opfer und besonderen Gaben sei»i lens des Staates nicht erwartet.

Anders die evangelische Kirche. Sir roarj bis zur Revolution eine Staatskirche, dis rorsentlich auf die finanzielle Hilfe mid Unterhaltung seitens des Staates angewiesen war. Auch heute ist die Irra«: nung von Kirche und Staat für sie noch nirgendwo! in Deutschland restlos durchc-eführt. Während aber die katholische Kirche eine feste Organisation darstellt, mit der ter Staat wegen neuer Uebereinkommen und finanzieller Abfindungen vertzattdaln kann, fchtt der evangelischen Kirche eine solche ZusauMWrfasfung für! das Reich. Für die einzelnen Staaten soll durch dir Wahlen zum Kirch en rat eiwcitz Derartiges ge­schossen worden, zunächst für Preußen. Die Ding«! sind aber so sehr im Fluh, und die Gegensätze der, oerschieüemen Richirmgen sind so stark, daß eine ein­heitlich- Regelung nur schwer vorstellbar ist. FrrÄichi zwingt die finanzielle Not die Vertreter "ter verschic-, denen Richtungen zu einer Koalition wenigstens in, finanzieller Beziehung. Ln Preußen ist durch dasi Gesetz vom 17. Dezember 1920 das Gehalt brr ceen«. gelischen Geistlichen durch Einreihung in die Mol-s dungsgruppe X der Staatsbeamten und durch Bereil- stellung von staatlichen Vorschüssen, ei^tweilen giin-i stig geregelt. Es bars aber nicht außer acht gelasftns werden, daß es sich eben um B o r s ch ü ff e hr^oeli,. die zinslos bis zum 1. April 1928 zurückzuzahlen siÄ.' Die evangelische Kirche hat also rechtzeitig auf die Le-, schaffung andrrroeiter Einnahmequellc-n Bedacht nehnren. Andere Staaten, z. V. Bayern Sachsen sichen bezüglich der Psarrbesoldung noch weit hinter dieser günstigen Regelung zurück. Es ist selbstverständlich, daß das Zentrum anstandslos für eins Sicherstellung der-err-bedürsnisfe der eranHeiv schen Kirche in allen deutschM Staaten eintritt.

Alle diese provisorisch«! R:gelungen drängsn ebsfi auf einem endgültigen Abschluß. Damit dieser zu-' ft Gräte kommt, müssen Körperschaften rorhM-s den sein, dir rrirklich Ausdruck des e v a n g e l i s ch cnf Kirchenvolkes sind. Und hier wird ohne Zw-r-. fei die große Schmierigkeit erttstchsn. Di« evanZÄi» schm Siaatskirchen waren zuletzt nur noch Berwal-s tungs-, nicht mehr Bekenntnis§emeinsch»ften. Cs fragt sich, ob bei der Schaffung der n.uen kirchlichere Organisationen nicht der Streit um das Sei kenntnis der Ausgangspunkt unüberwini-iicheö Schwierigkeiten werden wird. Sobald sich eine neu« evangelisch: Kirchongenteirlschaft begründe, erhebt sich die nächste Frage, was denn cigsntlich ihre bekennt^ nismüßige ErunUage sei. Für die Staatskirchr fiel

ihr Charakter als LerwaltunMgSmeinfchaft nicht wei­ter schwer ins Gewicht. Für die neue Bolkskirchs ist das eine Unmöglich'!eit. Soll sie xustandekomnZM, s» muh diese bekenntnismößige Erundlag» geschaffen werden. Und das wird unmöglich sein, da ganz verschiedene Welten unter eine Verwaltung ge­spannt werden.

Klarblickende Evangelische haben diese längst b> stehenden Nöte in ihrer Tragweite für die Zuiunst ihrer Kirche erkannt. Sie haben den einzig möglichen Weg zur Sicherung ihres Anspruchs auf die rechtliche Exi­stenz ihrer Kulturgcnwinschaft beschritten, indem sie sich dem Zentrum mrgeschlossen haben, der Partei, die wemcstms gewillt und imstande ist, die Rechte ihrer kirchlichen Minderheit zu vertraten, wie immer sich die neuen evangelischen Kirchengemeinschaften auch gestal­ten. Sie werden es begrüßen, wenn innerhalb deck Zentrums das Interesse an diesen Vorgängen, die doch auch für dir katholische Kirche ihre Bedeutung Heckes, recht rege wird.

Deutsches Lerch.

** Berkin, 4. April. Stegerwalds neue Zeitung ,Der Leut iche' ist am 1. April ins Leden ge­treten. Tie .Germania^ erscheint jetzt bmmal täg­lich, sonst aber im alten Gewände. Tie ,P v stt, die schon seil über Monatsfrist nur noch als Kopf» blatt de» ,£ag' hergestellt wurde, tft eingegangen.

* Die Stegierunzsbildung in Preußen. Wie biet Vossische Zenung" mhteilt, finden Beratungen des ZenirumS, der Temokraten und der Soziatdetnolra^ ten über die KoalilionSbildung statt. Die LandiagS-^ fraktion der Deutschen Volkspartei tritt am llltittwoch! zusammen.

c Die Arbeiten des Reichsarbeilsministeriums füi die nächste Zukunft. Eine Reihe wichtiger Ausgaben stehen im Reichsarbeitsministerium in grundsätzlicher Erörterung und dürften als Entwürfe bald das Plenum des Reichstages beschäftig:». So ist u. a. ein Gesetz­entwurf über ein« Arbeitsiosenoersichc- r u n g in Vorbereitung. Mit Rücksicht auf die immer noch schwankend zu bezeichnenden Größen in der Geld­wirtschaft sieht der Entwurf nur eine vorläufige Rege­lung der Erwerbslosenfürsorge durch eine Erwerbs­losen Versicherung vor. Ferner befindet sich der Entwurf eines Arbeitsnach» weisgesetzes, der das Aicheitsnachroeis- wejen zusammenfassen soll, in Vorbereitung. Der Ent­wurf eines Gesetzes über die Entsendung von B e - triebsMitgliedern in den Aussichtsrat liegt bereits dem Reichswirtschastsrat sowie dein Reichsrat vor. In den nächsten Monaten ist dann schließlich mit der Entwurfvorlawe über eii Haus- dienstgesetz (Hausgehilfengesetz) zu rechn n. lieber» dies ist die Abteilung für Arbeiterschutz jurj !t mit der Bearbeitung einer größeren Anzcchl von' Soezialge- sehen beschäftigt, die zum Teil auf das W . ningtoner Abkommen zurückzuführen sind. Hierher gehört ein Entwurf, der die Arbeitszeit der Krankenpflege- perfonen regelt. Letztere birgt deshalb größer« Schwierigkeiten, weil einersetts von den B:rufsvertre- tungen eine Regeümg der Arbeitszeit direkt verlangt, andererseits aber die religiösen Verbände (Orden) bei vröaertttiner «schlichen Regelung einen Eingriff in die