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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Verantwortlich für den rcüaUwnellen Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Parzelle r- Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, rrernlprecher Nr. 9. Teirgr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Samstag, 2. SprU )921>

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48. Zahrg.

Das ungarische Abenteuer vor dem Ende.

Die ungarische Nationalversammlung hat am Freitag sich in einet überraschend scharfen Form gegen Karl gewandt und einstimmig einen Beschiußantrag angenommen, in welchem die Nationalversammlung den unerwarteten Besuch Karls als Ruhestörung schärsstens verurteilt. Gleich- zeitig wurde dem Reichsverweser Horthy das Ver­trauen ausgesprochen.

Es heißt in dem Beschiußantrag:

Nachdem der König Kart IV. unerwartet inner­halb der Grenzen des Landes eingetroffen ist, so be­deutet dies eine Gefährdung der bestehenden Rechts­ordnung und insolgedesicn spricht die Nationalver­sammlung aus, daß sie an der im Gesetzartikel 1 vom Jahre 1920 festgesetzten Rechtsordnung feftbält, den Umsturz dieser Rechtsordnung dezw. eine jede darauf gerichtete Bestrebung auf das entschiedenste verurleilt und die Regierung anweift, eine jede einseitige Störung dieser Rechtsordnung zu verhindern."

Der Beschluß des ungarischen Parlaments ist mit solcher Einmütigkeit gefaßt und spricht die Verurtei­lung des Vorstoßes so rückhaltlos aus, daß man nicht mehr arrnehmen kann, der Thronbewerber und seine militärischen Freunde hätten nennenswerten Anhang im Lande. Auch die französischen Gönner scheinen in­zwischen die Aussichtslosigkeit erkannt und ihren Schützling zur Benutzung des bereit gestellten Sonher- yigts geraten zu haben.

Mit dieser Erledigung des Zwischenfalles können alle besonnenen Politiker zufrieden sein. Auch die Anhänger der monarchischen Staatsfovm; denn bei richtiger Ueberlegung müssen sie einsehen, daß unter den obwaltenden Umständen eine Wiederherstellung der habsburgischen Macht in Ungarn nur zu Käm­pfen und Kriegen verderblicher Art und also zu einer Bloßstellung des monarchischen Gedankens hätten führen können. Sm übrigen muß gegenwärtig alles andere zurüütreten hinter dem dringendsten Bedürfnis aller Völker nach Frieden und Ruhe zur allmäh­lichen Genesung. Wenn Europa erst wieder sich gesund fühlt, können die staatsrechtlichen Fragen auf die Ta- gesordnung gesetzt werden.

Beachtenswert ist, daß auch in Oesterreich der Nationalrat gestern das habsburgische Abenteuer verurteilt hat. Der Bundeskanzler erklärte, die öster­reichische Regierung habe den Nachfolgestaaten, die in Budapest gegen eine Wiederkehr der Habsburger pro­testierten, mitgeteilt, daß auch Oesterreich in der Wie­derkehr des Exkaisers eine Bedrohung erblicke. Als Svvccher der Großdeutschen brachte der 2l.bg. Ding­hofer einen Beschlußantrag ein, in dem festgestellt wird, daß alle Parteien zur Aufrechterhaltung der Re­publik entschlossen seien. Im Namen der Christlich- sozialen erklärte sich der Abg. Gürtler mit dem Antrag einverstanden. Dieser wurde einstimmig ange­nommen.

Die Rückreise König Karls wird wahrscheinlich noch heute erfolgen.

wtb Wim, 2. April. (Tel.). Wie dosNeue Wiener Tageblatt" von unterrichteter Seite erfährt, mürbe gestern nachmittag in Stemamanger ein Ab­kommen für die Rückreise des Exkaisers im Einvernehmen mit diesem getroffen. Die ungarische Regierung war durch den Ministerpräsidenten und den Minister des Auswärtigen vertreten. Die Rückreise erfolgt über Wien und Salzburg nach der Schweiz! Wien wird bei Nacht passiert werden.

Obersch testen.

Die Reichsoberfchlesier-Rückkehr beende!.

Gestern hat nach einer Gesamtdauer von 25 Tagen die große Tram Portbewegung ihren Abschluß gefun­den, die erforderlich war, um alle Stimmberechtigten aus dem Deutschen Reich unb weit darüber hinaus zur Wahlurne in Oberschlesien zu geleiten und wieder e." . .. . . .........1. _______

-t Kulturkampfs-Erinnerungen.

Der Tob des Herrn Geists. Rates Pfarrer Weber Hat die Erinnerung wieder aufleben lassen an jene Zeit, da der Verstorbene als Domkaplan ein Opfer der Maigesetze wurde und die ganze Schwere des Kulturkampfes durchkosten mußte. Die jüngere Gene­ration weiß von den Dingen, die damals in Preußen im Namen des Gesetzes" geschahen, nichts und wenn man heute davon erzählt, bann kommt das vielen als ein Märchen vor. Und doch ist es bittere Wahrheit, daß man es damals tatsächlich auf die Vernichtung der katholischen Kirche in Preußen abgesehen hatte. Der Zentrumsführer Mallinckrodt charakterisierte sehr rich­tig die berüchtigten Bismarck-Falk'schen Maigesche bei ihrem Erscheinen dahin, daß sieauf dem Wege äuße­rer Knechtung, innerer Revolutionierung und dadurch herbeigeführter Auflösung der katholischen Kirche des Landes den Frieden des Kirchhofs" herbeiführen soll­ten. Zu diesen Gesetzen, die von der Kirche nicht an­erkannt werden konnten, gehörte u. a. auch das Ge­setz über die A n z ei ge v f li ch t der Geist- l i ch e n. Danach mußten nicht nur die Pfarrer, son­dern auch sämtliche Hilfspriester vor ihrer Anstellung vom Bischof dem Oberpräsidenten angezeigt werden. Dieser konnte gegen die Anstellung Einspruch erheben, wenn dafür erachtet wurde, daß der Anzustellende aus einem Grunde, der dem bürgerlichen ober staats­bürgerlichen Gebiet angehört, für die Stelle nicht ge­eignet fei, insbesondere, wenn seine Vorbildung ben Vorschriften dieses Gesetzes nicht entspricht". Diesem Gesetz fiel Pfarrer Weber zmn Opfer. Am 1. Juli 1873 war er zum Domkaplan ernannt worden; eine Anzeige beim Oberpräsidenten war natürlich nicht er­folgt. Nun sollten aber nach diesem Gesetz schwere Geldstrafen jedenGeistlichen treffen, welcher Amts­handlungen unternimmt, ohne ben Nachweis führen zu können, daß er zu einem hierzu ermächtigten Amte unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften berufen sei". Ein solcher Geistlicher durste also, ob­schon er dou fernem Bischof angestellt war, weder

zurück in ihren Wohnort. Monatelange unermüdliche Arbeit war erforderlich, um dieses Werk zum Abschluß zu bringen, und sie ist in aufopfernder Weise von dem Deutschen Schutzbund und ben Vereinigten Ver­bänden heimattreuer Oberschlesier geleistet worden. Dank der durch denSchutzbund, die Gmeralbeirieblei- tung Ost und die Eisenbahndirektionen bis ins ein­zelne geregelten Dorbereitungett hat die Transportbe­wegung trotz mancherlei Schwierigkeiten infolge pol­nischer Gewaltakte in Oberschlesien und kommunisti­scher Unruhen in Mitteldeutschland ihren planmäßigen geregelten Verlauf genommen. Durch die Mithilfe aller Schichten der Bevölkerung ist die Fahrt der Stimmberechtigten durch dos deutsche Land, um ihr Bekenntnis zur deutschen Treue abzulegen, zu einem Fest- und Siegeszug geworden, in dem sich der Dank des deutschen Volkes denen gegenüber widerspiegelt, die zum Besten des deutschen Vaterlandes bei getrogen habm.

Wie englißyW Stanorecht aescrtrr.

Am Ostermontag ,varf tn Miechowrtz ein Hole eine Handgranate zur Beunruhigung und Einschüchterung der Bevölkerung, traf aber ein gerade vorüberfahrendeS englisches Auto. Auf englische Veranlassung wurde, der Uebeltäter innerhalb 24 Stunden standrechtlich er­schossen. _____________________

Der kommunisttfche Aufruhr.

Berlin, 1. April. Die aus dem Reiche emlaufenbeu Meldungen lassen erkennen, daß die Aufftandsbeioegung immer stärker abflaut. In L i e b e n w e r d a ist Reichs­wehr zum Schutz der Bevölkerung emgerückt, weil es an Schutzpolizei in diesem Gebiete fehlt; doch hat sie bisher nicht eingesetzt zu werden brauchen und würde es, wenn es notwendig wäre, auch nur unter der Kontrolle des Zi- vflkommisfars tun.

Halle, 1. April. Versprengte und Flüchtlinge sammeln sich immer wieder im Rücken der vordringenden Schutz­mannschaften zu neuen Banden, die raubend unö plündernd das flache Land Heimsuchen, Bahnanlagen zer­stören und terroristische Gewaltakte gegen Werksanlagen verüben. So sind bei Alsleben in der Eislebener Gegend neue Banden ausgetreten. Die Räuberhor­den, die die Gegend von Werten und Löbejün geplündert und gebrandschatzt und sich, von der Schutzpolizei verfolgt, nach Beesenstadt zurückgezogen hatten, wurden dort heute von einem starken Polizeiaufgebot gestellt. Es kam zu einem heftigen Gefecht, bei dem die Bande 18 Tote, zahlreiche Verwundete und 212 Gefangene verlor. Fünf Maschinengewehre, ca. 150 Gewehre, zahlreiche Muni- Kon und 25 bis 30 Fahrzeuge, darunter mehrere Kraft­wagen, fielen in die Hände der Polizei. H ö l z, der diese Bande selbst führte, ist teDer auch diesmal wieder ent­kommen. Er hat sich 'über die Saale übersetzen lassen und wird von den Polizoimaimschaften verfolgt. In dm übrigen Bezirken ist die Lage wenig verändert. Die Ope­rationen zur völligen Einkreisung der noch kämpfendm Banden werden fortgesetzt. Auch die Streikbewe­gung fft im Abflauen. Selbst in kommunistischen Kreisen wächst die Abneigung, den Streik fortzusetzm. In Halle, wo heute fiüh Kommunisten erneut zum General­streik aufgerufen hatten, arbeiten alle größeren Betriebe. Auch im Bezirk Erfurt und im Mansfeldffchen wird die Arbeit überall wieder auf genommen. Von verschiedenen Seiten laufen beim Oberpräsidenten Meldungen über Aus­tritte aus ben kommunistischen Parteien ein.

* Dresden, 1. April. Im Anschluß an eine kommu. nistische Hetzversgmmlung versuchte gestern abend ein Trupp von etwa 800 Kommunisten das Dresdner Polizeipräsidium zu stürmen. Das gelang ihnen jedoch nicht; die Tumultanen wurden von der Polizei auseinandergetrieben. Obwohl der General­streik in Ostsachsen und auch in Dresden völlig ins Wasser gefallen ist. entfaltet die Vereinigte Kommu­nistische Partei eine so außergewöhnlich gehässige Hetze zu einem neuen Streik, daß sie nicht mehr überboten werden kann. Nach den Berichten aus Gröba be­tätigt es sich, daß sich dort ein schreckliches Bild der Verwüstung darbietet. Die zehn Sicherheitspolizisten, die gefallen sind, fand man schrecklich verstümmelt vor und noch täglich verüben dort Aufrührer in den Orten, die sie durchziehen, die schrecklichsten Verbrechen.

wtb Magdeburg, 1. April. Dormittags 11 Uhr. Die Meldestelle beim Oberpräsidenten teilt mti: Die Lage hat Messe lesen, noch Kinder taufen ober Tote begraben. Selbstverständlich tat Domkaplan Weber, was bas vom Bischof ihm übertragene Amt von ihm verlangte und so konnte es nicht ausbleiben, daß er bald mit dem Gericht in Konflikt kam. Wohl erwischten ihn die Gendarmen nicht immer, wenn er in Dietershan Got­tesdienst hielt; wenn sie ganz bestimmt glaubten, ihn gefaßt zu haben, entschlüpfte er ihnen durch ein Kir­chenfenster, um alsbald, wenn die Luft wieder rein war, wieder zu erscheinen, oder er lag stundenlang, auch mitten im Winter, in einem Versteck - unter dem Altar und wartete, bis die Wächter des Gesetzes wie­der abgezogen waren. Um sich den Häschern unkennt­lich zu machen, erschien er bald in dieser bald in einer andern Verkleidung. Schließlich konnte es aber doch nicht ausbleiben, daß er abgefaßt undwegen Vor­nahme unbefugter Amtshandlungen" verurteilt wurde. So berichtet dieFuld. Ztg." am 13. Ion. 1874, daß das Kreisgericht den Herrn Kaplan Weber zu einer Strafe von 10 Talern oder drei Tagen Gefängnis verurteilt habe. Nachdem die Berufung verworfen, er­hielt Kaplan Weber am 22. Februar die Aufforderung feine Strafe anzutreten (gleichzeitig mit Pfarrer Helf­rich-Dipperz, der 10 Tage absitzen wußte). Da beide der liebenswürdigen Einladung keine Folge leisteten, erhielten, wie derF. Ztg." vom 2. Mai mitgeteüt wird, die Gerichtsbeamten Ritzel und Schuster den Auftrag, die beidenVerbrecher" zu verhaften und in das Arreftlokal einzuführen. Das geschah am 4. (bezw. 5.) Mai.So sitzen beim die beiden ersten Opfer der Maigesetze aus unserer Diözese im Gefäng­nisse", hieß es in der F. Ztg. Die Verhaftung des Herrn Domkaplan Weber durch den Gerichtsdiener Ritzel vollzog sich ganz unbemerkt und geräuschlos. Auf die Aufforderung des Gerichtsdieners, ihm zu fol­gen ,protestierte Herr Weber und erklärte, er weiche nur der Gewalt, und erst als der Gerichtsdiener selbst sichtlich ergriffen und mit innerem Widerstreben Ge­walt anwandte, zeigte er sich bereit mitzugehen. Einer der vier anwesenden Geistlichen näherte sich ihm und wünschte chm Glück, daß er der erst« in der Diözese

sich ganz wesentlich gebessert. Aus dem Ne- cterungsbezirk Magdeburg liegen keine beunruhigenden Nachrichten vor. Regierungsbezirk Merseburg: Die Strei­fen, die um Eisleben und im Unstruttal ausgeführt wer- den, haben ohne jede Verluste der Schutzpolizei ungefähr 130' Gefangene, 2 Maschinengewehre und 80 Gewehre ein- erbracht. Die Aktion geht weiter voran. Die Bande, weiche geftem in Nauendorf, Löbejün, Könnern und Wet- tm ausgetreten ist, ist von der Schutzpolizei Halle auf Autos verfolgt worden. Infolge der Absperrung der anhaltisch-preußischen Grenze könnte sie sich nach Anhalt nicht zurückziehen. Sie wird jetzt außerhalb der Provinz Sachsen weiter verfolgt. In Sangerhausen, Eisleben, Mansfeld, Hettstedt und Wtterseld ist Ruhe. 3m Kreise Liebemoerda ist Reichswehr eingerückt. Die Aktion ist in vollem Gange.

wtb Magdeburg, 1. April. Die Leunawerke ver­öffentlichten eine Erklärung, wonach die gesamte Arbei­terschaft'sich durch den Eintritt in den Streik als ent­lassen zu betrachten hat.

Breslau, 1. April. Das dem Fürsten Lynar gehörende Schloß L i n d e n a u im Kreise Hoyerswerda wurde am Mittwoch von einer Bande Kommunisten besetzt, die den Generalbevollmächtigten verschleppten und sich am Don­nerstag wieder unter Mitnahme der Jagdgewehre entfern« ten. Am zweiten Feiertag gegen acht Uhr abends fuhr em englisches Auto in schneller Fahrt gegen ein. auf der | Chaussee Oppeln-Groß-Strchlitz über den Weg ge. I spanntes Drahtseil. Dem Chauffeur munde der | Kopf und einem englischen Oberst die Schädeldecke abgeris­sen, em französischer Offizier erlitt einen schweren Bein- ' br«ch. Die beitem ersten sind tot.

Tssen, 1. April. Im linksrhei Nischen Industrie- gefctet dauert der Ausstand auch heute zum größten Teil noch cm. Auf der Kruppschen Friedrich Alfred-Hütte in Rheinhausen ist zwar heute die Arbeit wieder aufgenmn- men worden, dagegen feiert auf den meisten linksrheini­schen Zechen noch die gefaulte Belegschaft. Die Schacht­anlage V der Zeche Rhsmpreußen, von wo die Kommu- msten gestern durch belgische Truppen vertrieben worden waren, ist heute morgen wieder von den Kommunisten besetzt wordvn.

wtb Köln, 1. Avril. Gestern abend wurden von der ! Kölner Polizei fünf hiesige Kommunisten feftge» nommen, m deren Besitz gefährliche Sprengstoffe vorgesundm wurden.

Der kvmtmimstenführer Sylt gestorben.

Der Obermaschinist Sylt, der sich in Berlin als rücksichtsloser Agitator bei den Radikalen ein großes Ansehen erworben hatte und sich selber als Machthaber am Knopf des Generalstreiks bezeichnete, war bekannt­lich bei einem Fluchtversuch von dem verantwortlichen Schutzmann pflichtgemäß beschossen worden. Di« Ver- 'wunbung hat setzt zum Tobe geführt. Von den Ge­sinnungsgenossen Sylts wurde behauptet, es fei gar kein Fluchtversuch gemacht, sondern Sylt sei durch einen Meuchelmord beseitigt worden, wie Lieb­knecht und Rosa Luxemburg. Daraufhin wurde zum Generalstreik der Entrüstung aufgerufen; ins­besondere sollten die Elektrizitätsarbeiter, die näheren Verufsgenosien des Gestorbenen, alsbald in den Aus­stand getrieben werden. An die Elektriker, so hofften die Hetzer, würben die Arbeiter der Gas- und Wasier- werfe sich anschließen. Damit wäre der ganze Fabrik- und Handelsbetrieb in der Hauptstadt lahm gelegt, und man hätte tatsächlich einen Generalftreik erreicht, der mithin zur Nachahmung anreizen konnte.

Die Wahrscheinlichkeit spricht von vornherein dafür, daß der verwegene Sylt tatsächlich einen Fluchtversuch gemacht und so den instruktionsmäßigen Schuß selber verschuldet habe. Aber feit ben, unglücklichen Vorgän­gen bei dem Tobe von Liebknecht und Rosa Luxem­burg ist in werten Kreisen bas Mißtrauen gegen die Ordnungskräfte so groß, baß der RusMeuchelmord" vielfach ungeprüft Glauben findet. So fft es als ein Glück zu betrachten, daß diesmal in der Berliner Ar- befterschaft die böswilligen Schreier und die urteilslose Gefolgschaft nicht durchgedrungen sind, fonbern die bedächtigeren Elemente die Zügel an sich nah­men und durchsetzten, daß man von der weiteren Ent­

setz der für die Kirche zu leiden berufen sei und er­munterte ihn zum geduldigen Ausharren. Nach er­neutem Protest gegen die ihm angetane Gewalt folgte Herr Weber dem Gerichtsdiener ins Gefängnis von drei Gefftlichen begleitet. Am Abend desselben Tages, nachdem sich die Kunde in der Stadt verbreitet hatte, hörte man in der Nähe des Amtsgerichts schallende Hochs von kräftigen Männerstimmen ausgebracht und den Gesang mehrstimmiger Lieder, sie drangen hinüber ans Ohr des Gefangenen und gaben von dem Interesse Zeugnis, das man für ihn hegte und für die von ihm vertretene Sache.

Pfr. Helfrich von Dipperz zog am folgenden Tage ins Gefängnis ein. Bis Böckels hatte ihn die ganze Ge­meinde unter Gebet das Geleite gegeben. Von da an übernahmen diesen Ehrendienst 16 Männer, denen sich in Fulda noch viele Bewohner der Stadt anschlos- fen, so daß, bis man zum Gefängnisse kam, sich eine ganz beträchtliche Menge Volkes angefammelt hatte, die Herrn Pfarrer Helfrich begeisterte Ovationen dar­brachte, als er hinter der Gefängnistür verschwand, lieber die Volkskundgebungen bei der Entlassung aus dem Gefängnis das nächste Mal.

Der Fritzlarer Dom.

Don Ph. Kauth.

II.

Sechzehn Stufen führen vom Pfarraltar vor der Mitte des Hauptschiffes der Fritzlarer Domkirche aufwärts zum Hohen Chore. Dieses war früher der besondere Raum der Stiftsherren für ihren Gottesdienst und für ihr Stundengeb st. Ihrem durchweg adeligen Stande entspre­ch Md, jeder mußte vor Ausnahme in das Fritzlarer Chochervenstift die Ahnenprobe oblegen, d. h. 16 adelige Vorfahren nachweifen, war nun und fft heute noch diese Oberkirche eine prächtige Raumschöpfung. Es waren Wormser Bauleute, die um 1250 daran arbeiteten, und die Spuren ifjrer kunstgeübten Hand und ihres hohen Kunst­sinnes offenbaren sich dem Kennerauge am Domchore außen und innen, in der Unterkirche, der Krypta und in der

schließung erst den T a t b e ft a n b genau prüfen wollte. Amtlich wird als Tatbestand gemeldet:

Nach der Richtung des Schußkanals und dem Befund des Ein- und Ausschusses ist es ausgeschlossen, daß das Geschoß aus unmitteibarer Nähe ölgefeuert worden ist. Alle bisherigen Ermittelungen bestätigen vielmehr die An­gaben des Beamten. Die Kugel mutz aus größerer Ent- fertumg abgeschossen worden fein; sie hat ben Körper in schräger Richtung von unten nach oben durchschlagen. Der Beamte beantragte zur völligen Klarstellung des Sach­verhalts ein Disziplinarverfahren gegen sich.

Das Polizeipräsidium will den betreffenden Funk­tionären der Arbeiterschaft die Nachprüfung des amt- lichen Berichts in der rücksichtslosesten Weife ermög­lichen. Nach unseren alten Begriffen ist das freffich eine private Einmischung in den amtlichen Betriebs gegen die grundsätzlich Bedenken erhoben werden tonn- ten. Aber bei ben äußerst gespannten Verhältnissen ist das vielleicht 6er einzige Weg, auf dem sich emh folgenschwere Katastrophe verhüten läßt.

Hoffen wir, daß sich bas Verfahren des Beamten als durchaus korrekt herausstellt, und betrachten es als ein gutes Zeichen in erregter Zeit, daß bei diesem überraschenden Zwischenfall die Besonnenheit das Uebergewicht gewahrt hat gegenüber den Hetzereien und Vorurteilen, wenigstens vorläufig. Man sicht auch hieraus, daß die (Stimmung für Generalstreik und UeberreDoIution auch dort nicht vorhanden ist, wo sonst der Radikalismus scharf vertreten fft.

Möge-die Bedächtigkeit sich weiter durchsetzen gegen alle extremen Treibereien, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Ruhe ist wirklich die erste Bür­gerpflicht und das höchste Volksgut.

Die englische Kohlenindnstrie stillgelegt.

wtb London. 2. April. (Tel.). Die Bergarbeiter stellten in allen Werken die Arbeit so gui wievollkommenein. Etwa über eine Million Bergarbeiter vermehren jetzt das Heer der Arbeitslosen. Eine Anzahl Arbeiter bleibt an der Arbeit, um das Ersaufen einiger Bergwerke zu vermeiden. In Re- gierungefreifen glaubt man, daß der Streik nicht lange dauern' wird. Dqgegen deutet dis Tatsache, daß die Ponys aus vielen Kohlengruben her aus ge­brach' sind, daß die Bergwerksbesitzer der Meinung- sind, der Kampf werde wahrscheinlich lange bauern,1

Deutsches Reich.

** Berlin, 1. April. Die Konferenz der deutschen Ernährungsminister fft wegen der politisiAst Lage vom 4. April auf den 18. April verschoben wor­den. Ministerialdirektor Bredow wurde zum Staatssekretär im ReichspostministeriuM für den Be­reich des Telegraphen- und Fernsprechwesens ernannt Das Zentrum hat im Reichstage einen Antrag eingebracht, der dahingeht, die Reichsregierung zu er­suchen, eine Vorlage einzubringen, durch die das Reich die Verpflichtung zur Schadloshaltung der aus den be- besttzten Gebieten ausgewiesenen Kommu» nalbeamten übernimmt.

c. Die Regierungsbildung in Preußen. Am 7. Llpril wirb der preußische Landtag feine Sitzungen wieder aufnehmen. Es ist selbstverständlich, daß damit die Frage der Regierungsbildung in Preußen; wiederum in den Vordergrund- tritt Die deutsch-- nationale Presse, die der noch nicht getroffenen' Entscheidung vorgreifen zu müssen glaubt, ergeht» sich bereits in allerlei Vermutungen. So wird von! ihrer Seite aus behauptet, die Parteien der bisherigen Koalitionsregierung in Preußen hätten sich dahiw «verständigt, die alte Koalition aufrecht zu erhalten,, Zu dieser Behauptung nimmt schon jetzt die ^Voss. Ztg/ Stellung, die aus parlamentarischen Kreisen erfahrt, daß eine sachliche Unterlage zu dieser Ver­mutung nicht bestehe. Sie teilt mit, daß die deutsche demokratische Partei an dem seinerzeit gefaßten Br^

Oberkirche. Mächtig 'stetigen die stark hervor testend en Wrmdpfeiter zwischen Querhaus und Langhaus cm den Ecken der Vierung empor, das Riesemgewölbe mit ben breitem Gurtbögen tragend, und immer schöner profiliert^ Gewölberippen leiten schließlich unser Auge hin zum viel» eckigdn Chovabschluß. In triefen gewaltigen Apsisvamn Has dann'die Bawckzeit um 1690 ben jetzigen Hochaltar ge­stellt, der iln wunderschöner Weise sich in die vorhandenen RetkmverhAtnisse hineinschmiegt, und der namentlich durch seine erneuerte Bemalung auch in dem künstlerischen Seien eine Ahnung aufsteigen läßt von der großen Prachtsteige, rung diieser mit Pauken und Trompeten laut jubelnäen' SKlzett. Die Riesenrückwand des Hochaltars zeigt 4 hohe, gedrehte, dunkelfarbige Säulen, und aus den Vertie­fungen der SchvaubenwAste glänzt das goldfarbige Trau- bengewinde. Die Säulen im Verein mit stark vor!ratenden Halbpfeilern mit darüber liegendem Gebälk und weit aus* ladendem Gesimse bilden eine gewaltige Umrahmung für das Kolosfalbkid hinter dem Hochaltar, die Anbetrmg der drei Könige darstellend, mit vielen Nebenpersonen, lieber diesem Bilde hoch oben ist dann durch Bogenansätze, Schnörkel und Engelsgestalten der Himmel dargestellt, Ma­ria, von einem Strahlenkränze umgeben, zwei Engel eilen mit einer Krone herbei, Gott Bater, Sohn und hl. Geist daneben und darüber, etwas mehr seitwärts knien der hl. Bonffatius und der hl. Wigbert, während weiter unten die markigen Gestalten der beiden Apostelfürften mit den bezeichnenden Symbolen und so Beziehungen zum Fritz­larer Peters-Dome und feinen Begründern herstellen. Dor diese Altarrückwand ist dann der eigentliche Altartisch für sich gestellt und darauf ein gewaltig großer, fast die ganze Breite einnehmender Tabernakel. Reiches barockes Zier- werk, durch Gold und Weiß und Rot gut abgesetzt, um­gibt ihn und alles Formen dieses übergroßen Altars sind aus Fernwirkung berechnet, sodaß an Sonntagen die Gläubigen vom fernen Hauptschiffe her die hl. Handlung gut verfolgen mid beim Blicke zum Hochaltar dessen Prachtwirkung empfinden können. Und wenn dann an hohen Feiertagen von dort her eine Prozession auszieht, langsam mit goldenem Bortragkreuz an der Spitze, die Geistlichkeit unö die Chorknaben mit wallenden Prachfae-