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Fuldaer Zeitung

Druck der Ninldaer Aelieudruckerei itt Fnldo

Freitag, 1. April 192L

gesetzt:

A. Milch.

130 Ji

0,90 '<*

1,80 3t

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1,21 'JA

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16, 3i 16,50 3t 16,50 JA

17,30 JA

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vor der ganzen deutschen Well, daß er Unsinn und Verbrechen ist und daß ihm jede Idee, jedes sittliche Empfinden, ja auch der elementarste Verstand fehlt, dann erreicht er dies am besten auf die Weise, die er bei dem Aufruhr in Mitteldeutschland beliebt hat. Man kann bloß die Dummen bedauern, die ihm aus den Leim gekrochen sind und die ganze übrige deutsche Bevölkerung gegen sich zur Rache aufrufen. Vielleicht schämt sich aber doch auch mancher Kommunist, der sich selber unter Kommunismus etwas anderes vor- gestell» hat, -als er hier sieht.

Vielleicht kommen manche, wenn die Dummhell und das Verbrechen ihr Ende erreicht haben und möch­ten behaupten, das sei nicht der Kommunismus ge­wesen, der daran die Schuld trägt und die kommuni­stischen Führer werden vielleicht beteuern, daß sie die Verbrechen nicht billigten. Nachher kann man so reden. Vorher hat die kommunistische Presse seit Wochen in maßloser Hetze durch blutrünstige Aufrufe zur Vorberellung mit der Waffe aufgerufen für den Tag, au dem das Proletariatauf die Schanzen" gerufen werden würde. Diesen Tag glaubte man jetzt gekommen und nun, nachdem die Revolte blutig niedergeschlagen worden ist, will man es nicht ge­wesen feilt.

Der Kommunismus hat gegen sich selber in einer Weise gearbeitet, wie es sein ärgster Feind nicht wirk­samer könnte. Aber dazu muß es kommen, wenn man in Deutschland seinen Verstand aus Moskau be- zieht. Alle blöde Nachäffung ist von Uebel, wie die Revolution von Anfang erwiesen hat. Auswärts füh­ren kann uns nur nationale Tatkraft auf dem festen Grund christlicher Ideen, die von kommunistischem Verbrechertum und kapitalistischer Selbst- und Eigen­sucht gleichweit entfernt sind.

a) ab Molkerei geformt u. in kleine Stücke verpackt 18, 'JA b) ab Verkaufsstelle 19,40 JA

Soweit Landgemeinden mit Milch und Milcherzeugnissen durch di« Molkerei Fulda beliefert werden, gelten die für die Stadt Fulda festgesetzten Preise. Die zum Verkauf gelangte Landbutter muß als solche kenntlich gemocht sei» etwa durch farbiges Papier oder Stempel.

Die Preise gelten sinngemäß für den Bezirk der Mol­kerei Hainzell.

Fulda, den 1. April 1921.

Der Landrat.

Auf Grund der Verordnung, betreffend Wanderung ds Verordnung über die Freimachung von Arbeitsstellen wäh­rend der Zeit der wirtschaftlichen Demobilmachung vom 25. April 1920 (R. ®. Bl. S. 708) vom 5. März 1921 tritt die Anordnung des Demobilmachungs-Ausschusses vom 17. Februar 1921 Fuldaer Zeitung Nr. 45/46 Ful­daer Tageblatt Nr. 46/47/49 betreffend Freimachung von Arbeitsstellen außer Kraft.

Fulda, den 24. März 1921.

Der Landrot. 3. D.: Frhr. v. Gagern.

Es sind zu zahlen je Liter:

1. Vollmilch.

a) an den Erzeuger für Milch mit 3 Proz. Fett­gehalt ab Stall oder frei Sammelwagen oder frei Sammelstelle

(Der Berechnung werden zu Grunde gefegt ein Grundpreis von 1,50 JA je Liter und ein Preis von 10 je Fettprozenit.)

b) an die Molkerei

c) an die Kleinhaudelsverkaufsstellen

d) für Kindermilch

ferner in den Landgemeinden

a) ab Stoll oder frei Verteilungsstellen für den Erzeuger

b) ab MilchoerteilungsstÄle für den Verbraucher

2. Magermilch.

a) ab Molkerei

b) frei an die Verkaufsstelle

c) Kleinhandelshöchstpreis

d) für den Verbraucher in den Landgemeinden

3. Buttermilch.

a) ab Molkerei

b) frei an die Verkaufsstelle

c) Kleinhandelshöchstpreis ab Derkoufsstelle Für ein Liter an den Erzeuger zurückgelieferte Mager- oder Buttenmilch (jedoch nur bis 20 Prozent des gelieferten Dollmilchquamtums)

B. Bulker.

Es sind zu zahlen je 500 Gramm:

1. Landbutter.

a) ab Hof

b) ab Sammelstelle für den Ortsbedarf

c) frei Molkerei

d) ab Molkerei für den Kleinhandel ausgepfundet in kleinen Stücken

e) ab Verkaufsstelle

2. Molkereibutter.

Fritz Mielert. Der Goldkäfer. Nach Edgar Allan Poe. Deutsch von Jos. Herrmann. Indische Fakire. Bon W. Kabel. Unsere Bilder. Till Eulenspiegel: Historie vom EselSturm. Von Joseph Eberle. Unter- Haltungen am Familientlsch. Für die Frauenwelt: Wie man auf dem Balkan kocht. Von C. R. Unsere Modebilder. Pflege der Gesundheit. Praktische Winke. - Bücher für die Frauen. Lücherschau. Mit 15 Abbildungen.

Amtliche Anzeigen.

Auf Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten in Kassel vom 23. Marz d. 3s. werden di« Milch- und vul- lerpreife mit Wirkung vom 1. April d. Is., wie folgt fest.

Israelitischer Gottesdienst.

SamStag, 2. April. Vorabendgottesdienst 6,15, morgens 8, nachmitt. 430, Sabbathausgang 7,40 Uhr.

Donnerstag, 7. April. Fasttag. Gottesdienst 1230 Uhr.

Wocheng otteSdien st: Morgen» 630, nach, mittags 6,15, abendS 7,45 Uhr.

und Dich auf Händen tragen. Alle Schätze der Well würde ich Dir zu Füßen legen"

»Ich verlange keine Schätze, Signor Motta," unter­brach ihn Gina unwillig,und noch weniger hab' ich Verlangen nach Eurer Hand, Eure welsche Art ist mir grad z'wider"

,,D sage das nicht!" ereiferte sich Motta,ich liebe gerade Deine deutsche Art. Wir werden unsäglich glück­lich fein, denn ich bin hundertmal reicher als die Pal- lantas. Alles sollst Du haben, was Du begehrst."

Ich begehr' aber gar nix als mei Ruh und rat Euch, Eure Bewerbung einzustellen, wenn Lhr mich nit erzür- nen wollt"

No, no, no, Signorina!" rief er.3ch werde im Gegenteil meine Bemühungen verdoppeln und darin so­lange fortfahren, bis ich Dein Herz bezwungen habe. Und das soll dann der schönste Tag meines Lebens fein."

Gina trat in die Schenke, ohne den unwillkommenen Freier noch eines Blickes zu würdigen. Die Wirtin suchte zu vermitteln.Schaut, Signor," sagte sie,da- hin kommt's, wenn man d' Lieb und 's G'schäft in an Sack wirft. Bleiben's amal beim G'schäft. 3hr wolll's mein' Keller pachten und meine Fäffer kaufen?"

Na, Mutter!," fiel ihr Gina ins Wort,dös gibt's nit. Siehst denn nit, daß sich der Signor in unser Haus schleichen will? Sitzt er amal drinn, nachher sind wir nit mehr Herr im eignen Haus, sondern steh'n unter Kontroll des welschen Signors." Von an G'schäft mit Signor Motta kann daher koa Red nit sein. Da mußt scho wählen zwischen mir und ihm"

Aber was fällt Dir denn ein?" rief die Wirtin er­schrocken.3ch mich von Dir trennen? Sn Ewigkeit nit und der Signor Matta kann mir mit all fein' Geld g'stohlen werden?"

Nachher ist die Sach erledigt, und der Signor kann feines Weges geh'n," sagte Gina

Das tat dieser denn auch. Aber trotz der doppelten Abweisung gab er die Hoffnung auf Ginas Hand nicht auf. Mit lächelnder Miene verabschiedete er sich, und fein letztes Wort war:Addio für heute! Morgen komm ich wieder!"

Am Abend sprach es sich durch die Schwatzhaftigkeit einer Magd, die gelauscht hatte, im ganzen Dorfe herum, daß Gina dem reichen Signor Motta einen Korb gege­ben habe. Dwüber war große Freude, und Gina wuchs

Mottas Wut keine Grenzen kannte. So machte er denn jetzt seinem Zorne Luft und ließ an der Familie Pal- lanta kein gutes Haar.

Gina, die inzwischen aus den Rcbgärtcn heimgekehrt war, hörte in der Küche das Gebelfer des Welschen. Auch sie glaubte, wie alle im Dorfe, daß Rositta keiner tiefe ren und aufrichtigeren Liebe fähig sei. Dazu wir sie viel zu oberflächlich. Wie mit allem, so trieb sie auch mit dem Heiligsten in der Ehe, mit der Liebe, ein leichtfertig ges Spiel und machte Michael zu ihrem willenlosen Skla­ven. Nur aus Berechnung hätte sie Michael genommen und sich in dem reichen Hause der Pallantas ins Volle gesetzt. Ihre Heirat bedeutete einen Stoß in das Herz Tirols und einen Sieg der Welschen über das kern­deutsche Dorf. Daher der Haß des ganzen Dorfes auf das fremde Weib, daher der Zweifel an ihrer Aufrichtig feit und Treue, daher auch der schlimme Ruf, der ihr folgte: daß sie die Schlange in diesem Paradiese sei.

Aber all das gab dem welschen Wichte kein Recht, über Michael und fein Weib herzufallen und die Ebre der Pallantas in den Schmutz zu ziehen. Ginas Ge- rechtigkeitssinn empörte sich gegen diese hinterlistige Art, sich zu rächen. Sie trat in die Gaststube und fuhr den Weinhändler an:Schämt Shr Euch nicht, über Abwesende herzufallen? Shr seid ein elender Verleum­der"

Motta war verblüfft über diese Zurechtweisung. Maledctto!" rief er:Das sagt Tschina Sarner, der Michael Pallanta die Treue gebrochen hat? Du hast doch am meisten Grund, den jungen Pallanta zu Haffen."

Sch Haffe niemanden," erwiderte Gina gelaffen, aber ich dulde es auch nicht, daß in unserem Hause ein wackerer Mann, der sich nit verteidigen kann, be­schimpft wird. Verleumder und Ehrabschneider sind giftiges G'würm, daß Shr's nur wißt. Auch an Feind muß man Gerechtigkeft widerfahr'n kaffen und bei der Wahrheit bleib n."

Motta war wie vor den Kopf geschlagen. Als er sah. daß er auf diese Weife nicht an's Ziel kam, schlug er den entgegengesetzten Weg ein.Bei der Madonna, Du bist ein Engel!" rief er.Darum zum Teufel mit den Pallantas! Kein Wort mehr aber von Dir, teure schöne Signorina Tschina Ach, daß Du Dich doch ent­schließen könntest, der gute Engel meines Lebens zu »erben! Sch würde Dir Rosien auf den Weg ftreui

Cognakj Rum, Liköre, Edelbranntweine empfiehlt

Joseph Schmitt, Fulda

Büro und Kellerei: Paulustor 4-6 Kleinverkauf: Marktstrasse 82.

Das also ist Kommunismus.

250 kommunistische Stimmen sind bei der letzten Oahl im Februar im Kreise Fulda abgegeben wor­den. Nur wenige von den kommunistischen Wählern mögen gewußt haben, was sie taten. Man hat über- Haupt in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes bis jetzt nicht recht gewußt, was Kommunismus ist. Wohl war ja bekannt, daß Rußland eine kommu­nistische Herrschaft habe und Ungarn eine gehabt habe, über deren Entfernung schließlich alles froh war. Aber die Nachrichten von dorther sanden immer eine ge­teilte Aufnahme, weil die einen fast nur Günstiges, die andern fast nur Ungünstiges berichteten je nach der Parteistellung Dabei war allerdings durchweg festzustellen, daß schließlich selbst deutsche Befürworter des Kommunismus vielfach dir Nase von dem russi- sck^n Bolschewismus bezw. Kommunismus voll be­kamen, daß vielen bisherigen Liebhabern der Appetit nach Kommunismus verging.

Jetzt aber haben deutsche Kommunisten ihre Sache selbst in die Hand genommen und klären die wei­teste Ocffenttichkrit über die Idee und das Ziel des Kommunimus auf. Und man muß zugeben, daß sie dabei ein« so deutliche weithin hörbare Sprache spre­chen und eine so allgemein lesbare Schrift schreiben, daß ein Mißverstehen schlechterdings unmöglich ist. In Mitteldeutschland und an der Wasserkante ist es losgegangen. Dort hat man die Well Über den deut­schen Kommunismus aufgeklärt. Das geschieht mit W>mben und Granaten, mit Plünderung und Mord und Zerstörung. Da stehen Gerichtsgebäude mit Ver­brecherakten voll gespickt. Man legt Bomben hinein und läßt sie in die Luft fliegen, manchmal sind keine Menschen darin, dann kostet es kein Menschen­leben; manchmal sind aber noch Diener oder Mich- ter dort; die müssen eben daran glauben und bekom­men mindestens ein paar Löcher in den Kops oder brechen Hals und Beine. Hoffentlich verschwinden dabei gewisse Gerichtsakten denken dabei die kom­munistischen AtteMäter. Da sind Eisenbahnbrücken, die nicht alsbald wieder herzustellen sind, wenn sie beschädigt werden: man sucht sie also zu sprengen, damit der Verkehr gehemmt wird und womöglich Polizei- und Sicherhettswehr nicht ausrücken können. Da sind öffentliche Kassen, in denen man Geld ver­mutet: man fährt in Banden zu 20 und 30 je nachdem vor, bedroht die nichts ahnenden Bedien­steten, hält ihnen einen Revolver unter die Nase und stiehlt und raubt, was man erreichen kann. Die Sommersaison steht vor der Türe; man braucht gelbe Lederschuhe, Strohhüte, Sommerkleider. Gut: man stürmt die Läden und statt mit Geld, zahtt man mU Püffen, mit Arm- und Beinbrüchen. Da und dort bendelt man mit der Sicherheitspolizei an; man schießt herüber und hinüber und zum Schluß liegen ein paar Dutzend Tote und noch mehr Verwundete auf dem Platz und die Lazarette und Gefängnisse werden ge­füllt, ein paar Dutzend Familien sind wieder ohne Er­nährer. Vielleicht sind auch einige. Tunichtgute oder Zuchthauspslanzen weniger, obwohl man meistens die Erfahrung macht, daß gerade diese Elemente ein weit zäheres Leben haben als die Dummen, die sich ver- Sren ließen, und daß gerade die Rädelsführer die ersten Plätze herauszusinden wissen. Tausende las­sen sich auch von der Arbeitsstätte wegziehen und glauben an den Abmarsch ins gelobte Land, aber der Schluß ist, daß ihnen die Arbeitslöhne entgangen sind und sie sich nachher um so mehr einschränken muffen. Und über all dem sollen wir an die Feinde im Ausland fabelhafte Summen zahlen, die wir durch unsere Arbeit aufbringen sollen.

Das ist der Kommunismus deutscher Kommunismus! So steht er aus! 3a, wo ist denn fein» 3dee? Hat er keine! Und fein Ziel? Hat er ebenfalls nicht! 3n der Theorie hat der Kommu­nismus ein hohes Ziel sich vorgesteckt, nämlich die gerechte Güterverteilung und damit das Glück der Gesamtheit. Er hatte dabei insbesondere d'e Not der Allerärmsten im Auge. In der Praxis aber macht der Kommunismus Unzufriedene noch un­zufriedener, Arme noch ärmer, Unglückliche noch ün- glücklicher, Friedlose noch friedloser; er schädigt Un­schuldige und macht viele schuldig und lädt ihnen eine Verantwortung auf, die sie nicht tragen können. Eini­gen Lumpen verhilft er vielleicht auch zu einigen Stunden rohen Genusses, die Not des Proletariats aber bessert er um kein Haar. Dieser Kommunismus ist eben vollendeter Unsinn, Wahnsinn, Verbrechen! Er stiftet lediglich weitere Verwirrung und verlängert die Not des deutschen Volkes um nicht zu knappe Zeit.

Das muß man diesem Kommunismus zugestehen: wenn er auf möglichst wirksame Weise zeigen wollte

Literarisches.

Deutscher Hausschatz. Illustrierte Familienzeitschrift- 47. Jahrgan >. Bon Oktober 1920 bis September 1921. Monatlich 1 Heft. Der Jahrgang, bestehend aus 12 Heften, beginnt am 1. Oktober und tostet vierteljährlich 6 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanftalten sowie auch unmittelbar vom Verlag. Bei direkter Zusendung Porto eigens. Verlag von Friedrich Pustet in Regensburg.

Des Todes Beute. Kriminalroman von A. Hruschka (Erich Sbenstein). Bauernsterben. Gedicht. Der Todesgang des armenischen Voltes. Von P. Joseph stieret 0 F. M. Anna Jakobe Puechlin. Erzählt von M. Herbert. Vom zuviel Reden. Von Alexander v. Gleichen.Rußwurm. Mayen. Ein 4000 Jahre altes Kulturzentrum im Rheinland. Von Jos. Hilger. Von den Apenninen zu den Anden. Von Edmondo de ArnictS. OedjluB.),Italienische Landwirtschaft. Von

in den Augen der Leute. So war es recht! Man mußt« den Welschen deutlich die Verachtung zeigen, die man gegen sie empfand Deutsch mußte man sein, demfch bis ins Mark! Daß Gina den reichen Freier abgewie­sen hatte, wurde ihr von allen hoch angerechnet. Sie erschien ihnen wie eine Heldin, welche die deutsche Ehre, welche andere in den Staub traten, gerettet hatte. Eine Gloriole wob sich um ihr blondes Haupt, und ihr Loh wurde in tausend Zungen gesungen.

Auch Michael erfuhr von der Sache und machte sich seine Gedanken darüber.

Lauter und rascher als sonst klang an diesem Abend sein Gehämmer und wollte fast kein Ende nehmen.

Rositta mußte ihn mahnen, Feierabend zu machen. Er tat es nur widerwillig und brauchte ungewöhnlich lange, bis er sich gewaschen und frisch gewandet hatte; mit mißvergnügtem Gesicht erschien er zum Abendbrdt; es schmeckte ihm nicht wie sonst, er war grantig und ver- .stimmt.

Aber die glänzende Laune seines jungen Weibes heiterte ihn auf; sie scherzte und lachte mit ihm, und schon nach kurzer Zeit erlag er ihrem Zauber. Die neue Idee, die sie ihm heute norführte, nahm sie ganz gefangen und reizte sein Sntereffe.

Es sollte eine Art Dacchusfest in Galan veranstaltet werden. Sn dem kleinen Neste war es ja so schrecklich langweilig, daß Rositta vor Langeweile fast starb,. Sie brauchte Freude, Lust und Vergnügen, um bas tötende Einerlei des Landlebens ertragen zu können, und dazu sollte eben das Dacchusfest dienen. Natürlich mußten dazu vor allem die Bozener Freunde geladen werden. Die würden mit Freuden kommen, zumal da der Wein in diesem Sahre besonders gut geraten war.

Michael hatte feine Bedenken. Was würden die Leute im Dorfe, vor allem der Pfarrer und der Richter, zu solch heidnischem Feste sagen?

Sie lachte ihm ins Gesicht.Wir geben dem Kinde einfach einen anderen Namen und heißen es Winzer- fest!" sagte sie.Dann sucht niemand etwas Schlimmes dahinter."

Solsis denn gar nicht so schlimm werden"" f-arie er mißtrauisch.

(Fortsetzung folgt)

ein lies. Der Mann folgte ihr aber, und als er sie einbolte, erkannte sie ihren Ehemann, der nach sechs- jähriger Gefangenschaft unerwartet aus Sibirien zu- rückaekehrt war. Die Frau teilte ihm alsbald mit, was fie von den Räubern erduldet. In der nächsten Nacht erschienen die beiden Räuber tatsächlich wieder. Die Frau bedeutete ihnen, daß das Geld im Schranke liege. Als einer von beiden dm Schrank öffnete, wurde er vom Ehemanne erschossen. Der andere flüchtete, er­hielt aber auch einen tödlichen Schuß. Als dann Mann und Frau die Leichen besahen, stellte es sich heraus, daß der eine der Vater und der andere der Bruder des aus Sibirien zurückgekehrten Mannes war.

* Berbrcchcljao,d auf hoher See. Vor einiger Zett wurde in Hamburg der Chinese Cbin 2)ou er­mordet aufgefunden. Ter Tat dringend verdächtig war ein gewisser Klose, der wegen verschiedener Ein­brüche bereits festgenommen war. Jrriümlicherweise hatte man diesen Klose jedoch aus dem Untersuchungs­gefängnis efftlaffen, und der so unverhofft in Frei- heit gesetzte Verbrecher hatte nichts Eiligeres zu tun, als sofort eine Reise über See anzutreten. Die Polizei hatte erfahren, daß sich Klose an Bord des nach Indien fahrenden DampfersHamburg" ein. geschmuggelt hatte, um als blinder Passagier das Ausland zu erreichen. DieHamburg" war jedoch bereits in See gegangen. Polizeibeamte begaben sich darauf nach Emven, trafen dort aber erst ein, nach­dem der Dampfer den Hafen schon wieder verlassen hatte. Man verständigte nunmehr den Kapitän der Hamburg" durch ein drahtloses Telegramm Dann mteiete man einen Lotsen-Kutter und fuhr dem Dampfer nach. Auf hoher See hatten die Beamten ihn endlich eingeholt, und auf ein Signal stopple der Dampfer. Jetzt war es ein leichtes, den !8eu brecker wieder festzunehmen.

* 32 Jahre des Schweigens. An den Pforten der Kathedrale von Notre Dame in Paris konnte man 32 Jahre hindurch einen taubstummen Bettler be­obachten, defjen lange hagere Gestalt der Polizei und den Vorübergehenden, von deren Mildtätigkeit er sein Lebeft fristete, eine vertraute Erscheinung geworden war. Es kam wohl vor, daß er hin und wieder der gewerbsmäßigen Bettelei beschuldigt, die Wande­rung zum Polizeirevier antreten mußte, ober jedes­mal konnte er auf Grund ärztlicher Untersuchung als wirklich Taubstummer auf feinen Posten zurückkehren. Auch jüngst wieder hatte er einem übereifrigen, der Gegend fremden Polizisten, zur Wache zu folgen, wo sie der Inspektor schon mit den Worten empfing:Den armen Kerl lassen Sie man ruhig laufen, der ist taubstumm!" Das letzte Wort war aber kaum ge­fallen, da welches Wunder, öffnete der Taub­stumme die Lippen und entgegnete:Nehmen Sie's mir nicht übel, Herr Inspektor, wenn ich widerspreche, aber einmal muß ich meinem Herzen Luft machen, koste es auch das Gefängnis. Ich habe 32 Jahre den Taubstummen gespielt und durch diesen Betrug meinen Lebensunterhalt bestritten. Aber die Men­schen lernte ich kennen! Wieviel Grausamkeit und Heuchelei erfuhr ich in dieser Zeit und diese Erfah­rung muß ich einmal hinausschreien, folge daraus, was wolle. Wenigstens kann ich nun behaupten, ich habe einmal die Wahrheit gesagt und es soll auch das Letzte sein, was ich je sagen werde!" Erhielt fein Wort" und alle Versuche der Polizei nützten nichts, kein Wort war mehr aus ihm herauszubrin­gen, er war wieder der Taubstumme, der er gewesen. Die weiteren Nachforschungen ergaben jedoch, daß er durch sein 32jähriges Schweigen sich ein ganz net­tes kleines Vermögenvom Munde abgefpari hatte und gerade im Begriffe stand, sich von seinem Posten zurückzuziehen. Warum hat er aber nicht mit dem Sprechen bis dahin gewartet? Denn auch hier wieder der Beweis: Reden ist Silber und Schweigen ist Gold!

vermischtes.

* ExplosionsmiMck, Auf dem Roßdorfer Werk der Odenwald«: Hartstein-Jndustrie wurden durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengfchusies vier Arbei­ter getötet

Sarier Wassermangel macht sich nach Meldungen aus verschiedenen bayerischen Provinzorten infolge der andauernden Trockenheit bereits fühlbar. Die Wasser­werke in einigen Städten geben nunmehr an wenigen Stunden des Tages Waffer ab. Der Wasserstand des ^bnfeees ist so niedrig, wie seit 15 Jahren nicht. Weite Uferstrecken liegen trocken.

* istn riesiger Sonuenfleck entdeckt. Der Direktor der Trcptow-Sternworte, Dr. Archenhold, hat einen riesigen Sonnenfleck entdeckt, der an Größe alle bis­her beobachteten bei weitem übertrifft. Der Fleck befindet sich augenblickltch noch ziemlich weit am Ost« ranbe der Sonnenschetbe und verändert unter fort­währenden Eruptionen seine Gestalt. Anfangs ein geschlossener Herd ungeheurer Ausbrüche, beginnt er sich bereits in drei ziemlich gleich große Teile aufzu- lösen. Der Durchmesser des festen Zenirums beträgt mehr als 140 000 Kilometer, das rft ungefähr der zwölffache Durchmeffer unserer Erde. Wenn der Fleck in drei bis vier Tagen sich für uns im Mittel­punkte der Sonnenscheche befindet, werden elektrische Ströme von gewaltiger Stärke durch den Aether hin­durch unseren Erdball treffen. 'Diese Ströme werden nicht nur die Witterung beeinflussen- sondern vor allem auch so meint Dr. Archenhold ihre Wirkung auf die Menschen äußern, indem sie den in unserem Blut befindlichen Eisengehalt elektrisieren. Nach Ansicht Dr. Archenholds wird in unserem Be­finden eine gewisse erhöhte Nervosität und Unruhe deutlich bemerkbar werden, so vor allen Dingen, wenn wir in der Ost-West Richtung schlafen.

* Der Erzherzog in Tingeltangel. In dem Berliner KabarettDie Rakete" tritt seit Dienstag der frühere Erzherzog Leopold Ferdinand von Habs­burg-Lothringen alias Leopold Wölfltug als Dar­steller auf, und zwar ganz offen unter seinem Namen, der als besonderes Zugstück glänzen soll. Das Schau« Ipiel hat, Wie die Kritiken in der Presse beweisen, auch bei vielen republikanisch denkenden Leuten einen mehr als peinlichen Eindruck gemacht.

* Eine kaum glaubliche Geschichte. 3n dem bei Lötzen in Ostpreußen gelegenen Dorfe Iägcrswalde hatte eine Frau ein Pferd für 7000 Mk. verkauft. Spät abends erschienen nun bei ihr zwei rußgeschwärzte Männer und forderten mtt vorgehaltenen Revolvern das Geld. Da die Frau das Geld aber noch nicht erhalten hatte, mußten die Räuber wieder abziehen. Am nächsten Tage ging die Frau in das Dorf und bat für die Nacht um Hilfe. Auf dem Nachhausewege lief ihr vom Bahnhof ein Mann nach, indem sie einen von den Räubern vermutete, so daß sie schreiend querfeld-

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

22] ----------

Da schwieg die Wirtin. Sie fühlle die Größe des Opfers, das Gina ihxer Liebe brachte und war Herzens- froh, daß ihre Tochttr bei ihr blieb. Ohne Gina wäre sie ein dürrer Baum gewesen, dem keine Freude mehr blühte. Das liebe Kind brachte Sonnenschein in ihr ein- fernes Leben. 3n neu erwachter Liebe schloffen sich Mutter und Tochter fester zusammen als je und trugen alle Arbeit, alle Sorgen und alle Not des Lebens ge- meinfem.

So verging der Sommer, und der Herbst tarn ins Land. Die Trauben reiften, und aus der Kelter sprang der junge Wein. Um diese Zeit geschah es, daß der dicke Wemhändler Motta wieder nach Salan kam und den Weinbauern ihren süßen Most abkaufte. Da es ihm an Fässern mangelte, kehrte er eines Tages in derAlpenrose" em, um mit der Wirtin ein Geschäft rbznschließen.

Frau Zenz war nicht gerade erfreut über diesen Gast, aber sie hatte auch keinen Grund, gegen ihn unhöf­lich zu sein, und so brachte sie ihm di- Flasche, die er bestellte. As er ihr den Vorschlag machte, ihm ihren Keller samt bett leeren Fässern zu überlassen, die seit dem Tode ihres Mannes unbenutzt waren, da sie dessen Weinhandel nicht betrieb, war sie nicht abgeneigt, darauf einzugehen. Doch wollte sie zunächst die Heimkehr Ginas abwarten, um mit ihr darüber zu reden.

Um die Wirtin seinen Wünschen geneigt zu machen, gestellte Motta eine zweite Flasche und fing an, auf die Familie Pallanta lästerlich zu schimpfen. Er glaubte, Frau Zenz sei den Pallantas wegen der auseinander« gegangenen Verlobung spinnenfeind, und auch er selbst hatte Grund genug zum Hasse, da all feine Versuche, im Dorfe festen Fuß zu fassen und eine Faktorei zu grün­den, an dem starren Sinn des Richters abgeprallt wa­ren. Der kerndeutsche Mann wollte keinen Welschen in das kleine Paradies hineinlaffen, und nur mit Mühe und Not war es Motta gelungen, die Erlaubnis zum Aufenthalt in der Tavernwirtschaft zu erwirken, damit er seine dringendsten Geschäfte abwickeln konnte. Und auch dabei sah ihm der Richter so scharf auf die Finger, die beständig in unsauberen Geschäften steckten, daß