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48. Zahrg

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Donnerstag, 31. IHärz 1921

Das wahre Gesicht Wilsons.

Noch nie hat ein führender Mann die Gutgläubig, feit eines Volkes sowie die Erwartungen einer ganzen Welt bitterer und ärger enttäuscht, als dies der ehe­malige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika getan Hal. Die Rolle, die er bei den Friedensverhand­lungen in Paris gespielt hat, war bisher ziemlich ver­schleiert, und es war mehr oder weniger Vermutung, was über Wilsons Verhalten in der Oesfentlichkeit auf­tauchte. Aber immer mehr brach sich schließlich die Ueberzeugunz Bahn, daß Wilson in Paris sich selbst und seine 14 Punkte verraten habe. Dies wird nun zur Gewißheit durch ein Buch, das Wilsons Staats­sekretär und langjähriger Mitarbeiter Lansing unter dem TitelDie Friedensverhandlungen" ver­öffentlicht hat. Durch eine Reihe vonTimes"-Arti- keln ist uns aus diesem Buche schon jetzt so viel bekannt geworden, daß das Bild des amerikanischen Präsiden­ten in wohlbegründetem Urteil vor uns steht. Und wahrhaftig"dieses Urteil Lansings reißt Wilson er­barmungslos von der Höhe herab, auf der zu stehen sich jener Mann einbildete.

Die Hauptfrage der Lansingfchen Ausführungen be­zieht sich auf die Preisgabe der Wilsonfchen Grund­sätze von der Gerechtigkeit unter den Völkern und dm Gründen, die den Präsidenten zu einem Abfall von den in den 14 Punkten aufgestellten Grundsätzen veranlaßt haben. Kennzeichnend für die seelische Ent­wicklung zu dem innern und äußern Um fall Wilsons ist dabei die von Lansing besonders betonte Eitel­keit des Präsidenten, die durch die glänzenden Emp­fänge in Europa ins Uebermaß gesteigert, von den Franzosen und Engländern richtig erkannt und klug ausgebeutet wurde. Die professorale Verbohrt­heit in den Gedanken eines weltumspannenden Völ­kerbundes, diese unheilbare, fixe Idee Wilsons, war der Ausgangspunkt für die berechneten und ge­rissenen Realpolitiker Lloyd George und Elemenceau, um den amerikanischen Präsidenten vollständig einzu­hüllen. Für diese Idee gab Wilson alles aus der Hand und machte sich selbst zum Verräter an den von ihm proklamierten Grundsätzen. Darum wirst Lan­sing dem Präsidenten in aller Offenheit vor, daß er als Mann von hohen Grundsätzen diese selbst geopfert habe, um die Annahme des Völkerbundvenrages zu sichern. Er beschuldigt ihn, über dieewigen Grund­sätze der Gerechtigkeit" die Institution des Völker­bundes gesetzt zu haben. Außerdem ist Lansing der Meinung, daß die Gewährung aller Zugeständnisse an Elemenceau, Lloyd "George und Orlando niemals erfolgt wäre, wenn der Präsident nicht nach Frank­reich gegangen wäre.

Diesem harten, aber sicherlich gerechten Urteile de» einstigen Mitarbeiter Wilsons haben wir nichts bin» zuzufügen. Vor den Augen der Welt und denen seines eigenen Volkes ist Wilson bereits gerichtet, feine Rolle i st aus, der Ruf, der feinen Taten folgt, hat ihn und feine Werke genügend gekennzeichnet. Das deutsche Volk aber hat bis in die tiefsten Tiefen fühlen müssen, was es bedeutete, daß es sich einem solche» Manne auf Treu und Glauben verschrieben hatte.

Dem Drucke der Alliierten weichend, hat die Regierung sich gleichwohl entschließen müssen, die Artillerieaus­rüstung 'der Festungen auszuliefern und nur für Königsberg, Küstrin und Doyen, die zur Verteidigung unbedingt erforderliche Geschützzahl an- gesichts der Verhältnisse im Osten behalten, ebenso das ' Nabkampfmaterial der Ostfestungen. Ber den Küstenwerken ist die Ablieferung des gesamten nicht genehmigten Kriegsmaterials im Gange.

Neuer Protest an den Völkerbund.

Dem Generalsekretariat des Völkerbundes in Genf ist eine neue Tenkschriftder deutschen 3c egierung über die Ausdehnung der Besetzung im Westen zugestellt worden. Die Denkschrift hat folgenden Wortlaut: Die Truppen der alliierten Mächte sind nach der Besetzung von Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf weiter vorgerückt und haben auch die Orte Walsum, Ratingen, Velbeck rind Marxloh sowie die Bahnhöfe Mülheim-Speloorf und Ober. Hausen-West besetzt. Nach den vo-.liegendenMeldungen über die Truppenbewegungen schein! noch eine weiter» Ausdehnung der Besetzung beabsichtigt zu sein.

Die deutsche Regieiung erhebt Protest gegen diese Fortsetzung der Verletzung von Liecht und Ver­trag. Sie stellt das Verlangen, daß das bereits von ihr beantragte Schlichtungsverfahren gemäß dem Artikel 1217 der Völkerbnndsakte auf die neuen Maßnahmen der Alliierten ausgedehnt wird.

König Kar» in Budapest.

lieber das plötzliche Eintreffen des früheren Königs Karl in der ungarischen Hauptstadt wird noch aemetbet: Am Ostersonntag 2 Uhr mittags fuhr plötzlich ein Automobil mit vier Insassen im Hoie des Minister- Präsidiums in Budapest ein. Zwei von den Herren sprachen beim Flügeladjutanten des Reichsverwesers Horthy vor und teilten ihm mit, Kaiser Karl wünsche mit dem Reichsverweser zu sprechen. Der Adjutant meinte erst, er habe es mit einem Scherz zu tun. Aber es war tatsächlich der frühere König. Er sprach mehr als 2 Stunden mit dem Reichsoerweser Horthy, der aus seiner großen Ueberraschung kein Hehl machte. Er hat es für seine patriotische Pflicht erachtet, unter Hinweis auf die gewaltigen Gefahren, denen Ungarn durch jede Art habsburgischer Staats­streiche ausgesetzt würde, den Exkönig zu veranlassen, alsbald wieder Budapest zu verlassen. Karl begab sich daraufhin nach Steinamanger (Westungarn).

Weiter erfährt man: Der frühere König war am Samstag abend in Steinamanger, der westungari­schen Grenzstadt, eingetroffen. Ministerpräsident Graf Telezki wurde nach Steinamanger berufen, und er so­wohl, wie auch der Oberst Lehar haben sich den Ab­sichten des Exkönigs widersetzt. Sonntag früh ist Karl per Auto trotzdem nach Budapest gefahren. Reichsverweser Horthy war auf seine Ankunft nicht vorbereitet, und es gelang ihm nur schwer, nach langen Unterredungen den König zur Rückreise in die Schweiz zu bewegen. Dieser fuhr tatsächlich in Begleitung des Ministerpräsidenten wieder aus Budapest ab. Un­terwegs hat er sich aber entschlossen, in Ungarn zu bleiben und befindet sich tatsächlich noch in Stein­amanger.

Notenwechsel in der Entwaffnnirgsfrage.

Die Reichsregierung veröffentlicht jetzt eine dem Auswärtigen Amt unterm 18. März zugegangene Note der Interalliierten Militär-Kontrollkommission, in der behauptet wird, daß die Auslieferung der über die zu- gestaurenen Mengen hinaus vorhandenen Waffen noch nicht vollendet fei, es existiere eine große Menge auseinander genommener Waffen, das nicht zugelassene Artilleriematerial der O st - f e ft u n g e n und der Küstenbefestigungen sei noch nicht ausgeliefert und die Auslieferung des nicht zugelassenen leichten Festungsmaterials bei den Ostfcstungen habe noch nicht begonnen. Die Kommis­sion nehme Vermerk von diesenVerfehlungen" und ersuche förmlich um Abhilfe bis zum 31. März.

Daraufhin hat die Reichsregierung geantwortet, die Reichswehr besitze an Geschützen, Minenwerfern, Maschinengewehren, Gewehren und Karabinern nur noch die festgesetzten Mengen: die langen Pistolen und die Maschinenpistolen auf die Zahl der zugelassenen Gewehre und Karabiner in Anwendung zu bringen, sei Deutschland bereit. Die Uebungswafsen seien zum Schießen dauernd unbrauchbar gemacht. Er­satzteile und Halbfabrikate (nicht aber auseinanderge­nommene Waffen) im Werte von 1 Milliarde seien vorhanden: der Vorschlag, die nicht unmittelbar be- nötigien Teile davon im besetzten Gebiete lagern zu lasten, sei noch nicht beantwortet. Für die Fe st u n- gen umerscheidet die Antwort zwischen denen an der Süd- und denen an der Ostgrenze. Der Friedensver­trag geb Deutschland das Recht, sie mit der am 10. Januar 1920 vorhandenen Bestückung beizubehalten.

Dann meinte Eina ganze Nächte lang um ihr ver­lorenes Glück: aber sie erkannte auch, daß ihr Herz nie­mals vergessen konnte, was einst gewesen war. Der Liebestraum blühte wie eine stille Blume in ihrer Brust. In heißem Ringen suchte sie ihre Liebe aus dem Herzen zu reißen, ohne daß es ihr gelang. Sie erwachte mit ihr am Morgen und ging abends mit ihr schlafen. Aber niemand wußte darum: sie hütete ihr Geheimnis wie einen verborgenen Schatz. Dabei war ihre Liebe so keusch und rein, so jcrt und scheu wie das Edelweiß in den heimatlichen Bergen, nicht der geringste unreine Hauch trübte den kristallklaren Spiegel ihrer engelglei- chen Seele. Wie tief Michael sie auch gekränkt hatte sie hielt an ihrer Liebe srst und wollte ihm die Treue bewahren bis in den Too. Mochte Rositta triumphie­ren: bei ihr war die Liebe, durch die sie den jungen Meister bezwungen hatte, doch nur ein Rausch berSinne, fein edelstes aber, fein besseres Selbst, gehörte nicht der welschen Sirene, sondern seiner deutschen Heimat.

Daran glaubte Gina fest, und dieser Glaube war ihr ein Trost in all ihrer bitteren Rot. Mit dieser scheuen Liebe in der Brust konnte sie niemals ihr Herz einem anderen Manne schenken und rotes jeden Gedanken daran zurück. Ihr ganzes Wesen war daher Abwehr, so daß keiner der Dorsburschen die Augen zu ihr zu er­heben wagte.

Sie wußte wohl, daß sie einer freudlosen Zukunft entgegenging: ihre Jugend und ihre Schönheit würden verblühen, aber sie war fest entschlossen, ihr Los zu tra» gene und nicht gegen das Schicksal zu murren. Tief und schwer lag bas Leib auf ihr; ihr Herz blutete, aus ihren Augen sprach ein namenloser Jammer, boch un- entroegt tat sie ihre Pflicht unb juchte in rastloser Arbeit Vergessenheit unb Balsam für ihre brennenbe Wunde. Bom Morgen bis zum Abend war sie zu Hause aus den Feldern unb in ben Weinbergen beschäftigt, in bie Gast- ftube Dagegen kam sie nut selten. Sie mochte die lieb- losen Reden nicht hören, welche übet Michael geführt wurden. Unb es würbe gar viel über seine Ehe ge- redet. Denn Rositta gab reichlich Anlaß dazu.

Rositta lebte als vornehme Dame, mied die Arbeit, vernachlässigte ben Haushalt, lag stundenlang Zigoret- tenrauchend auf Dem Divan ober fuhr hinab nach Bo-

Der Zusammenbruch des Aufruhrs

Mitteldeutschland.

wtb. Magdeburg, 29. März. Die Meldestelle beim Oberpräsidium teilt mit: Nach der Besetzung der Leuna- werte hat sich die Zahl der ©ercngenen auf 1200 er­höht. Das erbeutete Material ist noch nicht gesichtet, jedoch sind viele Gewehre, Maschinengewehre, drei Lastautomobile und ein behelfsmäßiger Panzerzug er­beutet worden. AuS den übrigen Kreisen des ReglerungS« bezirts Merseburg liegen Meldungen vor, nach Denen sich an einzelnen Stellen die Aufständischen wiederum zu kleineren Trupps zufammenrotten. AuS den Aussagen der Gefangenen geht hervor, daß Wahlschein, lich Max Hölz sich un Geiseital hernmtreibt. Ein Automobil, das ihn verfolgte, tonnte nur einige Auto» mobile der flüchtenden Aufständischen erreichen, in Denen sich Geiseln befinden, welche befreit und nach Merse­burg zurücktransportiert wurden. Eine Anzahl Der Geiseln war verwundet. In Magdeburg ist alles ruhig. ES gelang, eine schwere Verbrecherbande da» sogenannte Sprengtommando, testzunehmen. Dieses bestand ans lauter Ausländern.

wtb. Huersurt, 29. März. Eine Bande hat hier eine Reihe von Geschäften geplündert und die Stadtkaste beraubt. Bor der eintreffenden Schutzpolizei verließ sie auf Automobilen unter Mitnahme des Bürgermeister» und zweier weiterer Geiseln die Stadt. Die verfolgende Schutzpolizei erreichte die Bande. Bei dem sich ent­wickelnden Feuergesecht wurden die drei Geiseln her- Diunbct Eine Anzahl Kommunisten gefallen.

Julius Andrassy im Namen des Königs. Die Garnison von Steinamanger sei schon bereit, gegen Budapest zu marschieren, der König habe aber Ein­spruch erhoben, um eine Protestbewegung zu verhüten, habe afcr verlangt, daß sich Graf Andrassy noch ein­mal mit Budapest in Verbindung fetzen solle. Daraus- bin habe Graf Andrassy der ungarischen Regierung m Budapest eine Art Ultimatum gestellt. Als Unterhändler des Reichsverwesers Horthy seien der Münster des Aeußern und andere Minister in Steinamanger eingetroffen. Zwischen diesen und Gras Andrassy seien Verhandlungen int Gange. Die Legitimisten hätten den Eindruck, daß die ungarische Regierung bereits eine nachgiebige Haltung einnehme.

wtb Dien, 31. März. (Tel.). Der hiesige Sach­walter des Erkaifers Karl, Sektionschef Faber, äu­ßerte sich gegenüber einem Mitarbeiter desReuen Wiener Tagcbl." dahin, da die Reife des Kaisers nach Ungarn nun einmal durchgeführt ist, gebt es nichts anderes als -dnrchzuhallen. Gewiß war in Wien nie­mand in die Angelegenheit eingeweiht; es war daher zwecklos, daß die Polizei hier bei verschiedenen als Monarchisten bekannten Persönlichkeiten Haussuchun­gen und protokollarische Vernehmungen vornahm. Nachrichten aus Steinamanger besagen, daß die Lage für den König zunehmend günfti- gerwerde, da nicht mir das Korps Lehard, sondern auch die angrenzenden Garnisonen sich dem König zur Verfügung gestellt und ihren Entschluß kundgegeben hätten, «gen Budapest zu marschieren, falls die unga­rische Regierung sich nicht den legitimistischen Stand­punkt aneignen würde.

wtb Dien, 31. März. (Tel.). Wie eine Zeitungs- korrespondenz erfährt, ist der angekündigte Schritt der großn und kleinen Entente gegen jeden Versuch der Wiederkehr der Habsburger irr Ungarn bei der ungarischen Regierung bereits erfolgt. Der Relchsverweser Horthy beharre bei seiner Haltung ge­genüber dem Exkaiser Karl, womit sich die Vertreter der tschecho-slowakischen, der ingo-slawischen und ru­mänischen Regierung zufrieden gaben.

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plötzlichen Umschwung zu seinen Gunsten herbeiführen zu können. Der Husaremitt ist mißglück t. Weder die Ungarn noch die Ententemächte ließen sich Über­rumpeln Durch die persönliche Niederlage, die sich der übereifrige Prätendent zugezogen hat, ist die mo­narchische Sache schwer geschädigt worden. Der Exkaiser hat gezeigt, daß er trotz der Zunahme an Jahren unb Erfahrungen boch noch nicht genug real- politische Einsicht und Geschicklichkeit besitzt, um ein tüchtiges und zuverlässiges Staatsoberhaupt zu wer­den.

Die republikanische Staatsverfassung hat ihre schweren Mängel: das wissen wir in Deutschland ebenso gut wie die Ungarn. Aber es gibt da eine Relativitätstheorie. Unter Umständen hat auch die Monarchie ihre Schattenseiten, sei e s wegen Unzu­länglichkeit des jeweiligen Herrschers, sei es wegen Mißgriffen feiner Beamten ober Offiziere. Es kommt auf die Abschätzung an, ob nach Lage der Dinge die eine oder die andere Staatsform mehr Vorteil und weniger Schäden und Gefahren verspricht. Unter Der Nachwirkung des unglückseligen Krieges ist zur Zeit die Begeisterung für die Monarchie noch zu schwach, die Gegnerschaft gegen den monarchischen Gedanken sehr verbreitet und sehr lebhaft. Es läßt sich nicht ver­kennen, daß jeder Versuch der Wiederherstellung uns tm Innern den Bürgerkrieg und von außen her neue Vergewaltigungen zuziehen würde. Daraus folgt, daß auch die erklärten Anhänger der Monarchie sich ge- dulden müssen, bis die Verhältnisse und die Stimmun­gen sich geändert haben. Voreilige Versuche machen die Lage nur noch ungünstiger für die Freunde der Wiederherstellung. Das hat in Deutschland voriges Jahr der Koppstreich gezeigt und das lehrt in Ungarn jetzt der Fehlschlag des ungeduldigen Karl.

* Men, 30. März. Die Blätter bringen Einzel­heiten über die Vorgänge in Budapest. Danach habe der König den Reichsverweser aufgefordert, ihm die Macht zu übergeben, doch Horthy habe erwidert, daß der König Unmögliches verlange. Er, Horthy, habe sein Amt von der Nation erhalten, und er könne dieses Amt nur der Nation wieder zurückgeben. Der König solle warten, bis das Parlament die Entschei­dung getroffen habe. Der Justizminister, ferner Graf Julius Andrassy, der frühere Ministerpräsident Beth- lem, namentlich aber die Kommandanten der Offiziers- detachements Pronay und Oberleutnant Hejas rieten Karl an, Ungarn so rasch wie möglich zu verlassen: seine Anwesenheit stürze das Land in die größte Gefahr. Der Exkönig zeigte sich äußerst enttäuscht, er hatte einen ganz anderen Empfang erhofft. Er habe Informatio­nen besessen, daß er einen stürmischen, festlichen Emp­fang finden werde. Der Exkaiser trat die Rückreise nach Steinamanger an, von Offizieren begleitet und be­wacht. Mehrere Regierungsmitglieder reisten gestern nach Steinamanger, um den Exkönig zum Verlassen des ungarischen Bodens zu bewegen. Die weitere Ent­wicklung des Abenteuers scheint von der Haltung des Obersten Lehar, des Militärkommandanten von West­ungarn abzuhängen, wo seit längerer Zeit unter dem Vorwand des Schutzes gegen die Abtretung dieses Lan­desteiles an Oesterreich starke Truppenmassen zusam- mengezogcn worden sind. Die Wiener Recherungs- kreise wollen wissen, daß heute abend oder längstens morgen früh in ganz Wcstungarn die Militärdiktatur werde ausgerufen werden. Das würbe sich natürlich gegen den Reichsverweser Horthy, einen alten Geg­ner Lehars, richten. Horthy scheint in Budapest nicht über viele Truppen zu verfügen.

wtb Dien, 30. März. (Tel.) Aus hiesigen monar- chisten Kreisen erfährt dasNeue Wiener Tagcbl.", die Landbevölkerung wandere in Scharen nach Steinamanger unter Vorantragung von Bil­dern des Kaisers Franz Joseph und des Exkaisers Karl. Z u den Abordnungen des Volkes sprach ©reif

Dieser Streich des letzten regierenden habsburgi­schen Monarchen ljat nicht mir in Ungarn selbst, ton- ibern auch in den anderen Nachfolgestaaten der frühe­ren Doppelmonarchie größte Ueberraschung hervor­gerufen. Die Tschechoslowakai, Südslawien unb Ru­mänien hatten sich schon früher ganz energisch gegen eine Rückkehr Karls auf ben Wiener oder Budapester Thron gewandt und für einen solchen Fall bereits Ab­machungen für ein militärisches Einschreiten getrof­fen. Air eine Rückkehr des früheren Kaisers nach Wien ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Ungarn würde also, wenn Karl dort den Thron wieder bestiege, die anderen österreichischen Nachfolgestaaten gegen sich ihakxm. Ob in Ungarn die Mehrheit des Volkes ihn zum König haben will, wird man schwer sagen kön­nen. Wohl nennt sich Ungarn Königreich, an der Spitze des Staatswesens steht dort kein Präsident, sondern ein R e i ch sv e r w e s e r, der den Thron für den späteren König freihält. Aber, wer dies werden soll, darüber ist man sich bei weitem noch nicht einig. Mr eine Rückkehr des früheren Königs ist eine aller­dings einflußreiche .aristokratische Partei, die sog. L e g i t i m i st e n, die mit London und Paris Ver­bindungen anknüpften. Wir glauben aber nicht, daß sie genug Volk hinter sich herziehen können, um dem König den Weg auf den Thron zu bereiten. Sie wer­den wohl erfahren, daß man den Baurn nicht schütteln darf, ehe die Fruchte reif sind.

Nach unserem Gefühl ist der Exkaiser Karl, der in dem Kriege eine so zweideutige Rotte gespielt und des Verrats am treuen deutschen Kampfgenossen drin­gend verdächtig geworden war, keine sympathische Per­sönlichkeit, der Werbekrast zuzutrauen wäre. Aber die Ungarn mögen die letzten Kriegsereignisse wohl etwas anders beurteilen und zu dem Herrscher, den sie s. Zt. feierlich gekrönt haben, noch Zuneigung hoben. Nun beging jedoch der Exkaiser Karl den großen Fehler, daß er das, was vielleicht noch kommen konnte, be­reits für gegeben erachtete und sich einbildete, durch fein persönliches Erscheinen in Budapest einen

zen, wo sie Das GelD mit vollen HänDen ausgab. Mit Dem alten Richter gab es fast täglich heftige Zusammen­stöße, weil er gegen Dieses Schlaraffenleben wetterte, Doch alle seine Ermahnungen waren vergeblich. Da Mi­chael ganz auf Seite feiner schönen Frau stanD. Er vergötterte sie, gab ihr in allem Recht, unD man erzählte sich im Dorfe Die närrischsten Dinge, baß er ihr bie Schuhriemen löse, bas Haar kämme unb sie auf ben Armen burch bie erleuchteten Räume trage roie im Märchen. Wenn bie Dorfburschen bas erzählten, er- bröhnte bie Gaststube von ihrem Gelächter. Dann ging Gina still hinaus unb weinte. Es tat ihr in ber Seele weh, baß ber Mann, ber trotz seiner Schwächen turm­hoch über ben anbem ftanb, zum Gespötts bes Dorfes würbe. i

Wenn sie bann schluchzend im Küchenwinkel saß. machte ihr ihre Mutter heftige Vorwürfe. Sie fah, baß Gina ben jungen Pallanta nicht vergessen konnte und seinetwegen unsäglich litt Darum meinte sie, Gina soll einem brauen Manne bie Hand reichen, bann komme sie leichter über ihre törichte Liebe hinüber.

Aber bavon wollte Gina nichts hören.Lieber ster­ben", sagte sie.Red mir um Gotteswillen nit vom Heiraten, sonst lauf Ich bauen unb such mir brausten in ber Fremde an Dienst.-

Aber Davon wollte nun roieDerum Die Wirtin nichts wissen.Dös wär Die größte Dummheit," sagte sie. In D Fremd gehn unD Dein Muttert alloan lassen?" . . . Ra Dös gibt's nit."

Dann laß mich aber in Ruh' mit Deinen Heirats­plänen, bös ist's oanzige, um was ich Dich bitt," er- roiberte Gina.

Meinetwegen," brummte bie Wirtin.Aber rooaßt, a oanfchichtig's Weibsleut' ist nur a halber Mensch. Woaß nie, roo's hmg'hört unb wirb grantig unb grau, eh's lei was vom Leben g'habt har."

Ist mir all's oans, wenn nur mei' Herz Ruh Hot", versetzte Gina. .UnD an Mann will ich amal nit. Ich hab jo Dich unb unser Häufel unb b' Heimat roas brauch ich mehr zum Leben?"

. (Fortietzunn folgt.)

Verantwortlich für Den reoaniuneUen Teil: Karl Schütte. - für Du Anzeigen: 3- Parze Her-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^erniprecher Nr. 9. Telegr.-Adreise: Fu tdaer Zeitung

uldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Der König der Dolomiten.

Coltsroman von Felix Nado 7.

21] ---------

Michael erschrak darüber, machte gute Miene zum bösen Spiel unb führte sein junges Weib in bie Schmiede, wo Das Hochzeitsmahl ftattfanb, ba er sich nicht bazu hatte entschließen können, es in berAlpenrose" abzu-

Uebet Den Anblick feines jungen, strahlenDen Weibes oergafj cr alle Sorgen unb fühlte sich roie im Himmel.

21m Nachmittage brachte ein Auto bas neuvermahlte Vaar im Fluge nach Bozen, wo im Kreise guter greunhe, bei Gläserklang unb Tanz eine intime Feier ftattfanb.

Das war Michaels Hochzeitsreise. Zwischen Mitter- naajt unb Morgenbämmerung kehrte bas Paar zurück, ©in Berg von Blumen, von Den Bozener Freunben ge- ftiftet, türmte sich in ihrer Wohnung. Aber als bie Sonne aufging, hing Draußen über Der Haustür an EteUe Des Willkommgrußes ein mächtiger Strohkranz.

Das war das Zeichen, Daß Die Braut geächtet war tm ganzen Dorfe.

9.

Die Kränze auf Dem Grabe Anton Sarners waren Jängft verwelkt, aber Die Liebe schmückte es jeDen Sonn­tag mit frischen Blumen. Und Der Blütenschmuck weckte immer wieDer Die Erinnerung an Den MorD beim Firn- kreuz: Daher wurde auch Der Name Rositta Belmonte genannt, unD Der Hast glomm fort wie Feuer unter Der Asche.

Gina roanDte sich Die allgemeine Teilnahme zu; man sah in ihr eine Verschmähte, ein Opfer welscher Tücke, unD man sucht ihr trauriges Los Durch Lied unD Mit- gesühl zu erleichtern. Gina selbst lebte sehr zurückge- zogen unD verließ nur feiten Das Haus. TrotzDern ließ vs sich in Dem kleinen Dorfe nicht oermeiDen Daß sie hin unD roicDer mit Rositta zusommcntraf. Das war für sie jcüesmal ein Stoß in ihre blutenDe Herzens. rounDe; Denn Rositta, Die Den wahren Sachverhalt ja längft kannte, kehrte gegen Die Verlassen- allen Stolz heraus unD ließ sie Deutlich Die SdjaDcni.teuDe über ihren Sieg fühlen.