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- Fuldaer Heilung «

Druck der Onldaer «etieudrnckerei i« g irtb»

M.

Samstag, 26. März 1921.

Zweites Blatt.

Der Papft und das

deutsche Friedensangebot.

Die Haltung des Vatikans aegcnüber Deutschland wird heute auch von solchen, die für den Papst wenig übrig haben, als einwandfrei anerkannt. Wer sich die Mühe genommen hat, sie in all ihren Einzelheiten ge- Pcuestens zu verfolgen, dem blieb aber immer noch ungeklärt das Schweigen des Papstes gegenüber dem Kutschen Friedensangebote vom 12. Dezember 1916, zumal dieser noch am 28. Juli 1915 feierlich erklärt hatte, er werde denjenigen segnen, der zuerst den Ocl- groeig emporhebe und dem Feinde die Hand hinstrecke mit dem Angebote verständiger Friedensbodingungen. Man hatte erwartet, der Papst werde unseren Schritt durch eine öffentliche Kundgebung fördern und unsere Bemühungen irgendwie unterstreichen. Anstatt dessen befremdendes Stillschweigen. Nunmehr erhalten wir durch p. Leiber S. J., der im letzten Hefte der ©tinnren der Zeit" (Januar 1921) in einer Abhand­lung über die Frredenstätigkeit Benedikts XV. aus dem Geheimarchive des Kardinals von Hartmann ein Schreiben der päpstlichen Staatssekretarie zu veröffent­lichen in der Lage ist, das in deutscher Sprache abge­faßt, darüber folgende interessante Enthüllung bringt. Es lautet:

Bezüglich des Friedensangebots, welches die Zentral­mächte letzthin gemacht haben, ist es kaum nötig, her- »orzuheben, mit welch lebhaftem Wohlgefallen dasselbe von Seite des Hl. Vaters ausgenommen worden ist. . . . Wenn eine öffentliche Kundgebung von Seite des Hl. Stuhles nicht stattgefundm hat, so ist dies der Tatsache zuzuschreiben, daß die Regierung Sr. Ma­jestät des Königs von Großbritannien sich hatteoerlauten lassen, daß in jenem Augen­blicke jedweder Schritt des Hk. Vaters zu­gunsten des Friedens von England und Frankreich ganz übel ausgenommen wor­den wäre."

Man muß sich die cm und für sich schon bedrängte Lage des Papstes vor Augen holten, der, nachdem dos sog. Garantiegesetz durch die Beschlagnahme des öster­reichischen Botschaftspalastes außer Kraft gesetzt war dieser Drohung gegenüber denn etwas anderes war die Mitteilung der beiden Derbandsmüchte nicht machtlos war*und mit dem Verluste des letzten Restes seiner Freiheit rechnen mußte. Dadurch wäre es ihm unmöglich gemacht worden, jene segensreiche Tätigkeit zugunsten ber Kriegsgefangenen, Verwunde­ten, Verschleppten, kurz der irgendwie durch den Krieg Leidenden auszuüben, die er selbst heute noch fortsetzt.

Der Gewinn der Entente.

Wer im nicht genau unterrichteten Auslande die Reden Lloyd Georges in London auS der letzten Zeit gelesen hat, der muß auf den Gedanken kom­men, daß die Verhältnisse gerade umgekehrt liegen, v!s es wirklich der Fall ist. Die Entente erscheint danach durch den Krieg in bittere Not geraten, während Deutschland auf dem besten Wege ist, durch Verkauf seiner industriellen Artikel das Geld nur so einzuscheffeln, so daß es ihm gar keine Mühe machen kann, große Entschädigungssummen zu zahlen. WaS wir im Kriege erlitten haben, was wir heute an Steuern zahlen muffen, darüber wird still­schweigend fortgegangen.

Tatsächlich liegen die Verhältnisse so, daß der Kriegsgewinn der Entente so groß ist, daß sie ohne weiteres auf eine jede Geldforderung verzichten könnte, und selbst für Frankreich würden 20 Milli­arden allermeist genügen, die größten Städte wie­der aufzubauen. Bei den französischen Aufbaube­rechnungen ist das Papier sehr geduldig gewesen, und in den beanspruchten Goldsummen wollen sich viele unberufene Leute die Hände waschen. Wenn Frankreich, und überhaupt die ganze Entente, von dem Kriege noch nicht sofort den finanziellen Erfolg gehabt hat, den sie wünschte, so liegt die Schuld nur an ihr selbst. Warum hat sie nicht abgerüstet, als Deutschland wehrlos war? Die Staatsausgaben wären dann jährlich um viele Millionen vermindert. Hier heißt es heute: Hoffart muß Zwang leiden!

Frankreich hat außer Elsaß-Lothringen, das heute einen ganz anderen Wert wie 1871 besitzt, eine Stellung in Europa erhalten, wie es sie an unangreifbarer Macht nicht einmal zu Zeiten des ersten Napoleon beseffen hat. Das ist politisch und wirtschaftlich so viel wert, daß man es mit einer stattlichen Zahl von Milliarden in Anrechnung bringen kann. Es hat ferner die deutschen Kolonien l

Der König der DoLomiteu.

Volksroman von Felix Nabor.

19] ---------

Sie hob kichernd die Schultern.Du vielleicht ich Nicht. In die Kirche gehe ich überhaupt nicht. Oder glaubst Du, ich stelle mich neben die schmutzigen Bäue­rinnen in den Kirchenstuhl? Niemals. Wir fahren des Sonntags nach Bozen, dort ist es amüsanter/'

Aber Rositta, man geht doch nicht in die Kirche, "m sich zu amüsieren."

.Ich schon"

.Schweig da ist Hochwürden . . ."

Der Pfarrer stand mit dem Brevier in der Hand unter der Türe seines Studierzimmers und machte er­staunte Augen.Jetzt, da schau her der Michael und

Uni) meine Braut, Hochwürden. Wir möchten halt schön bitten, daß Sie uns am Sonntag von der Kanzel verkünden."

Was Du nicht sagst! So eilig hast's?"

Rositta lachte und machte ihren graziösesten Knix. Wenn man sich liebt, hat man's immer eilig, Herr Pfarrer.

Freilich, freilich', sagte der Pfarrer, ließ das Paar emtreten und schloß hinter ihm die Türe.

Rositta setzte sich ungeniert auf einen Stuhl des ein­fachen, weißgetünchten Zimmers, wippte mit den Beinen und schürzte plötzlich die Lippen. Das war ja die reinste Mönchszelle und ihr Bewohner ein wahrer Aszet. Gott, wie langweilig. Sie gähnte und stieß Mchaot heimlich an.Sind wir bald fertig?*

Der Pfarrer wandte sich an Michael mit der Frage: Ihr wollt also Sponsallen halten?"

Michael nickte.Ich bitt' schön, ja, Hochwürden."

Rositta spitzle die Ohren.Wie Sponsallen? Was ist denn das?"

Das Brautexamen", ertlärte ihr der Pfarrer.

Eie machte wundergroße Augen.Brautexamen? Gibt ee denn noch so was Sintflmliches in diesem Rest? Kaum glaublich. Laß Dich meinetwegen examinieren, so lange Du willst, Michael ich aber danke! Darüber bin ich hinaus. Ich will mich in der Ehe nicht lanaweilen, sondern amüsieren"

im nördlichen Westafrika erhalten, die ihm bedeu­tende Einkünfte erbringen. Der französische Etnfluß und Besitz in Vorderasien und Syrien ist beträchtlich erweitert worden, und so find Frankreich durch den Krieg Schätze in den Schoß gefallen, die eS sonst nicht in hundert Jahren oder erst nach schweren blutigen Kriegen hätte erlangen können.

Noch weit größer ist der Profit Englands, das ganz Europa mit seinen Flottenstützpunkten umspannt hält, das zur Zeit die unbestrittene Welt­herrschaft zur See und den größten Dell von Afrika und Asien besitzt. Wenn es Deutschland als seinen politischen Konkurrenten zur See betrachtet hat, so erspart es allein schon jährlich Millionen an Schiffs- banten, die mit Bezug auf uns notwendig waren. Wenn es in Amerika einen neuen Rivalen heran- wachien sieht, so ist es wieder seine eigene Schuld, der Mangel an einsichtsvoller Mäßigung und kluger Selbstbeschränkung. Italien, das über seine Ver­bündeten hergefallen ist und damit der Welt ein Beispiel von Treulosigkeit gab, hat überhaupt keinen Anspruch auf große Kriegsentschädigungen. _ Es hat sich aus ehemaligem österreichischem und türkischem Besitz mehr als reichlich bezahlt gemacht. Dasselbe gilt für Serbien und Rumänie n. Eigenartiger steht es mit Belgien, aber hier kommen feine Riesendeträge in Betracht. Des stärkste Stück leistet Polen mit seinen Entschädigungsansprüchen, das Denrfchland feine Selbständigkeit verdankt und Geld an uns zahlen müßte.

Der Gewinn, den die Entente auf Deutschlands Kosten oder durch den für uns unglücklichen Aus­gang des Weltkrieges gemacht hat, ist also tatsächlich so groß, daß sie auf 'Kriegsentschädigung verzichten oder sich mit mäßigen Beträgen begnügen konnte. Durch Aufnahme von weitgehenden Zukunftsplänen erschwert sie das Leben und durch den unpraktischen Vertrag von Versailles die wirtschaftliche Gesundung der Völker. Wer sich selbst Ruten aufbindet, darf sich nicht wundern, wenn er sie verspürt.

Männer, die im Leben stehen.

Die vereinigten deutschen Reeder wollen für 15 Milliarden Mark dem Deutschen Reiche eine neue Handelsflotte anstelle der uns im Kriege in fremden Häsen genommenen und nach dem Kriege abverlangten Fahrzeuge schaffen. Was das bedeutet, zeigen die folgenden Zahlen: England hatte 1914: 19 256 765 Tonnen, 1920: 19 330 424 Tonnen; Frank­reich 1914 : 2 315 438, 1920: 3 245194 Tonnen; Deutschland 1914: 5 459 298, 1920: 672 671 Tonnen; Jch-an: 1914: 1708386, 1920: 2 995 873 Tonnen; Vereinigte Staaten von Nordamerika 1914: 5 368 194, 1920: 16 049 289 Tonnen. Deutschland hat also einen gewaltigen Verlust an Schiffstonnage erlitten, während die Ententemächte durch Aneignung demscher Schiffe und Neubauten einen Zuwachs gewonnen haben. Riesig ist das amerikanische Plus, das auf Neubauten während des Krieges und nach demselben zurückzusühren ist. Die Engländer sehen jetzt, welcher gefährliche Konkurrent ihnen in den Vereinigten Staa­ten erwachsen ist. Augenblicklich überschreitet die Zahl der vorhandenen Handelsschiffe fast den durch die Ab­satzstockungen verringerten Bedarf. Die Folge davon ist, daß die Schiffsfrachten zurückgegangen sind. Die deutsche Stellung ist angesichts dieser Verhältnisse nicht leicht. Aber die deutschen Reeder sind Männer, die mitten im Leben stehen, die die reichsten Erfahrungen haben, und die darauf bauen, daß sie der gestellten Aufgabe gerecht zu werden vermögen.

Wir sehen, daß hier ein großartiges Unternehmen eingeleitet wird, das sich nicht auf Theorien, sondern auf praktisches Können stützt, und es überkommt uns ein Bedauern, daß mir schon so viel Zeit mit Kon­ferenzen und Beschlüssen verloren haben, ohne daß da­bei Taten herausgekommen wären. Was bei dem riesenhaften Werk des neuen Schiffsbaues möglich ist, zu dem doch alle Industrien herangezogen werden müf- fen, ds muß sich auch auf anderen Gebieten noch bes­ser erreichen lassen, wenn die Sache nur entschlossenen Händen übergeben wird, nicht aber, wenn zu dem Zwecke neue Reichsstellen gegründet werden, die uns unheimlich viel Geld kosten, aber den Ranen nur ver­fahren. Nicht die Männer vom grünen Tisch muffen )u leiten haben, sondern ausschließlich solche, die fest tm Leben stehen. Dann wird es auch etwas Großes und Ganzes werden._______________

Gegen die Errichtung einer Zollgrenze am Rhein.

Eine Reichskonferenz des 8entralberbanbT8 christlicher Holzarbeiter, welche am 13. März nach Effen etnberufen worden war zwecks Stellung.

»Das ist eine seltsame Auffassung", erwiderte der Pfarrer mit strenger Miene.Die Ehe ist ein von Gott eingesetztes Sakrament, und wer dieses Sakrament em­pfängt, muß sich auch der Pflichten bewußt fein, die er auf sich nimmt.

Pflichten?" Rositta zog die Brauen zusammen.Ich kenne keine Pflichten, sondern nur Rechte als Gattin. Ich will mich amüsieren, darum heirate ich. Alles an­dere ist Larifari.

»Md das Gewissen?" fragte der Pfarrer mit Schärfe.

»Es gibt kein Gewissen. Das ist alter Kram. Man tut, was einem gefällt und wozu man Lust hat."

Höre, Mädchen", sagte der Pfarrer mit drohend erhobenem Finger,es ist eine gefährliche Sache, mit so ernsten, heiligen Dingen zu fpaffen und sich über die ehrwürdigsten Sitten rmd Gebräuche des Volkes, über die Satzungen und Gebote Gottes und der Kirche hin- wegzusetzen. Es gibt Männer ohne Gewissen leider Gottes! aber eine Frau ohne Gewissen ist mir noch nie begegnet. Das erscheint mit als etwas völlig Abnormes, als etwas Unerhörtes, als etwas Schreck­liches"

Stimmt! Das bin ich!" rief Rositta leichtfertig. Man soll das Leben genießen"

(Eine Frau ohne Gewissen", fuhr der Pfarrer unbe­irrt fort,das ist eine Uhr ohne Räder, eine Glocke ohne Klang, ein Mensch ohne Halt. Er befindet sich auf schie­fer Bahn und stürzt unaufhaltsam in den Abgrund. Eine Frau ohne Gewissen aber ist das Schrecklichste sie wird sich selbst zur Qual, ihrem Gatten zum Verderben und ihrer Familie zum Unheil"

Ach, Herr Pfarrer, wir wollen kein« Predigt, son- dern heiraten"

«So ist's, fiel Michael verlegen ein,und hier sind die Papiere, Hochwürden."

Der Pfarrer nahm sie mit vorwurfsvollen Blicken in Empfang und trug sie zu feinem Pulte; es tat ihm weh, daß sich der junge Meister ganz in der Gewalt dieses schönen, verführerischen Weibes befand, das sich leicht­fertig über Pflichten und Gewissen hinwegsetzte. Aber was wollte er dagegen tun? Er war machtlos gegen die Macht der Liebe. Daher trug er da» Paar in da» Register ein und stellte nur noch die Frage:Ehehin- dernisie bestehen wohl nicht? . . . Und die Eller, * sind sie mit einverstanden?" j

nähme zu den gescheitelten Verhandlungen über den Abschluß SeS ReichSmanteldertraaeS für das deutsche Holzgewerbe, befaßte sich, neben diesem, mit allgemeinen WirtschastSfragen.

Hierbei wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die heutige Reichskonserenz bei Zentral« verbände« christlicher Holzarbeiter erhebt gegen die Er­richtung einer von den Gegnern Deutschlands am deutschen Rhein errichteten Zollgrenze den allerschärf­sten Einspruch. Durch die Zollgrenze am Rhein wird, wie alle Kenner der wirtschaftlichen Verhältnisse bclun» den, die Industrie im besetzten Gebiet auf! allerschwerste geschädigt und teilweise völlrg vernichtet. Tausende von Arbeitern werden dadurch brotlos und ihre Familien der Not und dem Elende überantwortet. Schon jetzt sind, tote die Zeitungen berichtet haben, durch die An. drohung der Zollgrenze Millionenaufträge der Industrie im besetzten Gebiete entzogen toorden. "Die Reichskon­ferenz richtet an den Gesamtoerband der christlichen Gewerkschaften das Ersuchen, den Wirkungen der ge­planten Zollgrenze am Rhein tn Bezug auf die Sage der Arbeiterschaft die größte Aufmerksamkeit zu widmen.

Deutsches Keich.

** Berlin, 23. März. Reichsminister des Aeußecn Dr. Simons hat eine Erholungsreise nach einem südlichen Kurort an getreten. Zum amerikanischen Botschafter in Berlin soll H oover ausersehen sein.

c Elisas zum Nachdenken. Wie weite deuischnatio- nale Kreise die Katholiken einschätzen, zeigt treffend sol- geirdes Eingesandt, das am 19. Februar im Hoyers­werdaer Kreisblatt zu lesen war:

Wie verlautet, ist unter den evangelischen Christen des PfarrbezirkS Hoherswerde eine Bewegung im Gange, die dem Unwillen darüber Ausdruck geben soll, daß in der Gemeindevertretung unserer evangelischen Pfarrkirche Männer sitzen, die sich von dem ultra- montanen Zentrum, da» seine Weisung auS Rom erhält und nie und nimmer die Interessen der evan­gelischen Kirche vertreten kann und wird, als Kandi- baten haben aufstellen laßen. ES ist durchaus nüber- stündlich, daß diese Herren nicht sofort freiwillig ihre Aentter in unserer Kirchenvertretung niedergelegt haben. Sind sie sich nicht bewußt, bag sie gerade zu einem Mißbrauch mit den ihnen durch den Willen der Wählerschaften übertragenen Pflichten treiben würden, wenn sie all politische Mitläufer ihrer Glaubensgegner weiter in ihrem Amt als Kirchenvertreler verbleiben! Wäre es je denkbar, daß sich die katholische Wähler­schaft eine derartige Stellungnahme ihrer Vertreter bieten lassen würde! Evangelische Thristen und vor allem evangelisch-deutsche Wenden der Pfarrei Hoye<S- toerba, die ihr doch bisher aufs treueste zu eurer Kirche gehalten habt, diese Zeilen werden hoffentlich ge­nügen, um euch zum Nachdenken zu bringen, damit der in den nächsten Tagen an euch ergehende Ruf auf fruchtbaren Boden fällt."

In der Beilage dieser Zeitschrift vom selben Tage erscheint eine Anzeige, die mit folgenden Worten schließt:

Gegen die erst kürzlich gewählten und in den evangelischen kirchlichen Körperschaften eingeftihrten Zentrumskandidaten Baltin. Bahle und Witschaß wird vom evangelischen Oberkirchenrat der Antrag gestellt werden, sie aus den kirchlichen Körperschaften wieder auszuschließen. Rochno, deutschnationaler Partei­sekretär."

Dieser Vorgang überrascht uns nicht allzu schr. Er bewegt sich durchaus in jenen Gedankengängen, die wir feit Kuiturkampfszeiten immer wieder im konservativen Lager vertreten sanden. Auch die sogenanntekathol. Abteilung" hindert gewiße deuischnationale Kreise nicht, von Zeit zu Zeit ihr wahres Gesicht zu zeigen. Daß sogar ein deutschnationaler Parteisekretär jedoch in die­ser Art vorgeht, hätten wir nicht erwartet. Er sollte vielmehr der Wahrheit die Ehre geben, und freimütig bekennen, daß die evangelische Kirche im Reich wie in Preußen ihren Fortbestand wesentlich auch dem Eintreten des Zentrums für ihre Rechte verdankt. Von evangelischer Seite ist der Zentrumspattei oft genug bestätigt worden, daß sie stets die Rechte der evangelischen Kirche oetteidigt habe.

aus dem Uachdargevier.

Tav«. Zu dem Bau des Bertakranken- Heims hat die Stifterin des Heims, Freifrau Berta v. d. Tann-Rathsamhausen, nochmals 100 000 Mark gespendet, so das der Erweiterungsbau des Berlakranlenhcims nunmehr fortgeführt werden kann.

--- Hansen v. Rh. Vor einigen Tagen ist auf bei Rhön von der Reupershecke über das hohe Polster bis zum großen Moor, das ist etwa 2V- Kllometer breit, eine Wiesenfläche von 200300 Hektar abgebrannt. Die Gemeinden Roch und

Sie, sie. Sa, ja", rief Rositta hastig, und bedächtiger setzte Michael hinzu:Ich will jetzt gleich mit mein Vater reden, Hochwürden. Nachher roirb all's gut. Und am Sonntag ist's erst' Aufgebot?"

Ja, Michael. Gott schenke Euch Glück und Segen!"

Rositta drängte sich rasch durch die Türe; sie war ftoh, daß die Sache zu Ende war, denn unter den for­schenden Blicken des Pfarrers war es ihr doch recht un­behaglich geworden. Michael folgte ihr gedrückt; er hatte sich diesen ersten Schritt in die Ehe doch viel anders ernster und feierlicher gedacht. Rositta verdarb ihm mit ihrem frivolen Benehmen die Sache. Er wollte sie zurechtweisen, aber sie ließ ihn nicht dazu kommen. Ha. füg nahm sie seinen Arm und flüstette:Huh, war das langweilig! Und dazu diese Moralpauke! Nein, Michael, solch salbungsvolle Zeremonien will ich nicht. Und sie lachte hell, als sie mit Michael auf den Kirchplatz hinaus- trat.

Die Dorfleute blickten zornig auf die tn Seide ge­kleidete Braut.Da ist sie die Welsche! . . Ha. wie sie sich spreizt und bläht! . . . Wie a Pfau! 's is a Schänd!" und grimmig ballten sie die Fäuste, zornig funkelten die Augen, drohend wurde die Haltung.

Rositta, die das Feindselige in Blick und Haltung wohl erkannte und die Worte, die wie spitze Pfeile ge­gen sie flogen, auffing, warf stolz den Kopf in den Na- tfen, blickte die Leute herausfordernd an und sagte zu Michael:Schicke bas Auto weg. Wir gehen zu Fuß zur Schmiede. Ich fürchte die Leute nicht."

Sie nahm seinen Arm, schmiegte sich mit einem stol- gen Lächeln a« seine Seite und ging hocherhabensn Hauptes an den Leuten vorüber, Michael nickte ihnen freundlich zu, aber sie erwiderten finster feinen Gruß. Da warf auch er den Kopf trotzig in den Nacken. Aber bei dem Gasthaus zur .Alpenrose" stockte fein Fuß. Ts war ihm, als habe er hinter den Scheiben ein blasses Gesicht mit starren Augen gesehen. Da drinnen meinte nun wohl ein bleiche« Mädchen um ihr verlorenes Glück. Doch es war zu spät, um Geschehenes ungeschehen zu machen. Er biß die Zähne zusammen und schtttt auf­recht und festen Ganges der Schmiede zu

(Fr fand sie verschlossen, erst nach mehrmasigem Klo­pfen öffnete sich die schwer», gebüteltc Tür, putz sie tra«

Stetten erleiden den meisten Schaden. Vermutlich ist daS Feuer durch unbedachtes Fortwerfen einer Zigarrenstummels oder Streichhölzer entstanden.

fpd. Aschaffenburg. Für die Errichtung von Wohnungen auf he« Wege gemeinnütziger Bau­tätigkeit stellten die Weißpapierwarenfabrik 300 000, die Buntpapierfabrik, das Eisenwerk Laufach und die Firma Heckmann dem BezirkStvohmmgrberbantz je 100000 Mark zur Verfügung.

fpd. Wetzlar. Der Reichsarbeitsminifter hat dktz VcibindlichkeiiSerklärung des Schiedsspruchs in der Wetzlarer Lohnstreitigkeit abgelehnt. Auf Srtrntz dieser Meldung fordern nunmehr die Firmen ihre Arbeiterschaften auf, sich bis zum 26. März zur Wiederaufnahmeder Arbeit in den einzelne» Betrieben zu melden. Die Wiedereinstellung erfolgt unter Zahlung der bisherigen Löhne. Die Aufnahme der Arbeit erfolgt, sobald eine genügende Zahl v« Meldunaen Arbeitswilliger eingegangen ist.

3ena. Der kommun. Lehrer Geeborf-Iena refe­rierte in dieser Woche über bas Thema:Religion, Kirche und Schule". Der Sinn und Zweck bes Vor­trages war der versuchte Nachweis, baß es religiöses Empfinben überhaupt nicht gäbe, wer es aber doch zu haben unb sich bewahren zu müfien glaube, fei nicht nur ein ganz beschränkter, sondern auch innerlich schmutziger Mensch. Hierzu fühtte der Dorttagende fein ganzes ans Haeckel, Feuerbach, Wundt u. a. zufammengelesenes, aber anscheinend nicht recht berarbeitetes Wissen mH großem Selbstbewußtsein ins Feld, umhaarscharf nach­zuweisen", wie verlogen und gemein die Kirche handle, die kleine unb große Leute immer noch belästige mit der biblischen Schöpfungsgeschichte unb mit den durch den Gott einesverlausten" Iudenvolkes vom Sinai herad- ttompeteten" Sittengebotert. Von Jesus könne heute die Jugend abgesehen davon, daß ererwiesenermaßen" eine erdichtete Gestalt sei nichts für ihr sittliches Ge­ben nehmen, ber Anblick einer ihre Kücken führend«» Glucke sei sittlich bildender als die Beschäftigung mit dem Nazarener, der mit den Kindern nichts Gescheiteres anzufangen gewußt habe, als daß er die Hände auf sie legte und sie segnete. Kant tat Seedorf mit einer weg­werfenden Geste kurz ab und setzte dafür seine wissen­schaftliche Autorität als untrüglichere Wege weisend ein. Die unter kirchlichem Einfluß entstandene bildende (Six­tinische Madonna) und tönende Kunst ist ihm ein Greuel und muß es darum auch der deutschen Jugend werden. Der unwillkürliche Abscheu vor diesen Lästerreden eines religionsfeinblichen Fanatismus durch einen Iugend- erzieher kann uns nur die Treue zur Religion und Kirch« Christi entflammen unb bestärken.

GoltesdienftorSnung.

Katholischer Gottesdienst.

Ostersonntag, 27. März. kHl. Osterfest.) Do«. (Kollekte f. b. Josephrkirche.) V-6, 6, */.7 u. 7 M., 8 Pfarramt mit Pr. u. Segen, VilO Bischöfl. Hochamt m. päpstl. Segen, V,12 M. u. Pr., V,2 Oiter-Andacht, 4 Bischöfl. DeSper, danach Beichtgelegenheit. Stadt- Pfarrkirche. (Kollekte f. b. SturmiuSkirche.) 6Vi Korn., SV« M., 6A M. u. Korn. b. Mütteroereins, 8 Amt ü. Br. (1. Schulg.), 9/, Hochamt m. Diakonium, Pr. u. Chorgesang, 11 M. u Pr. (2. Schulz.), 2Vi sakramentale Oster-A., 37« A. f. d. Mütterverein. Pfarrkirche zum hl. Geist. *hl Kom., 7 Frühm.,8Pr., Amt m. Korn., 4 Beichte, 5 A. Sevrrikirche. Sonntags unb werktags b,7 M. Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt, nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 8L) Frauenberg. 5, 6, 6 V» tu 7 M., 8 M. in. Pr. u. Iosephs-A^ 9 Pr., Levitenamt u. sakram. Segen, nachm. LFestpr. u. A.m. sakram. Segen. Geaeralabsoluttcm f. >. rerziaren.

Ostermontag, 28. März. Do«. (Kollekte f. KriegSgesanaenen.) V-6,6, */»7 u. 7 M. Um 6 ®eneralrom. d. christl. Müttervereink. 8 Pfarramt n. Pr VilO Kathedralamt u. Pr., Vs 12 M. u. Pr., V-2 Oster-Ä., V«3 Vers. b. christl. Müiterveieins, 4 Abenb-Anb. Stabt- Pfarrkirche. 6Vi Kom., 5'/« u. 6»/« M., 8 M. n. Pr. (1. Schnlg.), 91/, Pfarramt n. Pr, 11 St. u. Pr. (2. Schulz.), 2Vi Oster-L. Pfarrkirche.zum hl. Geist. */i7 Kom., 7 Früh«., 8 Pr., Amt m. Kom., 5 A. Sobalität. VilO. Deverikirche. Vi7 Dl. Franen- beri. ö, S, SV. u. 7 M., 8 M. m. JosephS-A., 9 Leviten, amt, nachm. 2 Pr., Ä. u. Umg. f. b. Sntoniuk- Lrnderschcrft

Oft er die ns tag, SO. März. Frauenberg. Achte» Dienstag b. Novene z. Ehren b. hl. LlntoinuS. Auss. d. Allerhl. von morgen» 5V. MS zum Schlüsse bei Hochämter. Vi8 M. m. AntoniuS-A.; V,9 Levttenamt m. sakram. Segen, daraus Kreuztoeg-R.; nachm. V-5 AntoniuS-A.

Evangelischer (SotteSVievA.

Ostersonntag, 27. März. Fnlb«. Corrn. SV» Sup. Ruhl (hl. Abendmahl), nachm. 2 Pfarrer Reich. Großenlüder. Vorm. 91/, Pfarrer Weber (Konfirmation unb Abendmahl). Bieberstein. Borin. 9 Pfr. Reich.

Ostermontag, 28. März. Vorm. SV, Pfr. Web«, nachmitt. 2 Konfirmantenprüfüng. Bad Salzschlirf. Vorm. SV, Sup. Ruhl.

ten ein. Im dämmerigen Flur stand der Richter; bas Staunen schien ihm die Sprache genommen zu haben.

Vater," sagte Michael,hier bringe ich Dir meine Braut

Der Richter sagte kein Wort. Stumm beiriete er auf die Türe unb ließ bas Brautpaar eintreten; verlegen saßen sie sich an dem großen Tische gegenüber. Rositta betrachtete erst neugierig ihren zukünftigen Schwieger­vater, unb als ihr bessert forschende Blicke unbequem würben, sah sie sich gelangweilt in dem großen Raum« um. Sie fand alles altmodisch unb bäuerlich unb rümpfte die Nase. Nur die alte Standuhr in dem braunen Ge­häuse interessierte sie; sie erhob sich unb unterzog bas alte Kunstwerk einer genauen Musterung. Da hob die Uhr zum Schlage aus Ein alter Bauer trat heraus und rief feinem Sohne durch ba? Spielwerk zu:

Ueb immer Treu unb Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab, Und weiche keinen Finger breit Don Gotte, Wegen ab . . .

Rositta schüttelte sich vor Lachen, ließ die Uhr immer wieder repetieren unb gebärdete sich wie ein Kind, bas mit seiner Puppe spielt und darüber den Ernst bes Le. bens vergißt.

Inzwischen entschieden die beiden Männer über ihr Schicksal und ihre Zukunft.

Du willst also gegen meinen Willen bös wälsche Mädel, diese Zierpuppe, zu Deiner Frau machen?" jagte ber Richter.

3a, Vater," erwiderte Michael.Gib endlich Dein' Widerstand auf unb laß mich meiner Dege geh'n. Mr wollen uns vertragen, Kater. Ich bin doch kein bum­mer Bub' mehr unb woaß, was ich will."

D' Liab macht Dich blind," warnt, der Richt«. Wenn Du ins Unglück rennst ich wifl nit dran schuld sein."

Na, Du bist nit schuld, Vater. Ach frtn f^der Stirn i« genug. Glück oder Unglück z' tragen. 8*6 uns drum m Frieden unb Eintracht leben. Unser fxme her Platz genug für uns beide, unb ich werd' Dich nst i* gering, ften inkommodieren, weil ich ja 's vermögen »w ber Mutter selig gerbt hab."

(Fortfttzunß folgt.)