Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Samstag, 26. Mär- 1921.
Bezugspreis: Momuitch Z,00 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Ml. Anzeigenpreis: Die K i«tnze il« Coioneimaiz) 60 pfg„ u. 10°|o Zuschlag, dir Reklamezeile (leporette) ILO 2HL, u. 10% Zuschlag. Bel Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
IK 70.
LZerantwonlich für den itoainonellen Teil: Rar' Schulte, u für dir Lnzergen: I. Parzriler-Fu-^. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei in Fulda. :?ernivrecher Nr. ti. Telegr.-Aüresse: Fuldaer Zeitung
Die Antwort aus Paris.
Die Kriegsenlschädigungskommisswn hat die Note 6er deutschen Regierung, wodurch diese die sofortige Zahlung von einer Eoldmilliarde und die Bar,ah. lung von 12 Milliarden bis zum 1. Mai ablehnte nunmehr beantwortet. Sie kommt ,u dem Schluß, daß Deutschland bis zum ]. Mai 1921 zwanzig Goldmilliarden bezahlt haben muß .und die NichtbezahlungeneueSrrafmoßnahmen Hervorrufen könnte. Durch die Nickrleistung der Abschlagszahlung von einer Milliarde Goldmark bis 23. April habe Deutschland seine Verpflichtungen .unerfüllbar gelassen und die Kommission hat be- sfchlossen, dieses „Versagen" Deutschlands jeder der Interessierten Mächte mitzuteilen.
In der Note wird ..klärt, es stehe der Reparations. kommiffion allein zu, den Wert der deutschen Liefe, jungen und Leistungen sestzusetzcn, ebenso auch zu de- : vlnsmem welche d>-Lsr IteiUv*'1*” tute J)ie_ 20 MMur. i
Ostermorgen und Erdensorgen.
„Was sind das für Reden, die ihr untereinander (üfy t, und warum seid ihr traurig?" Wenn wir heute Ebenso befragt würden, wie damals dir Lunger auf dem Wege nach Emaus, |o würde meistens die Antwort hüten: W ir tauschen unsere Klagen und Sorgen aus wegen der schlimmen Zustände in der Welt, und dir stimmen uns traurig.
Der unerkannte Wegegenosse legte den verzagten Länger» dar: dass die beklagten Ereignisse in den heilsplan göttlicher Vorsehung gehörten, und führte sie zu der Schlußfolgerung: Mußte nicht Christus dieses leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?
In der Gegenwart würde die entsprechende Beweisführung dahin auslaufen: Mußte nicht die Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts solches leiden, um reif zu werden für die Seligkeit?
Darin liegt der hohe Werk der christlichen Feste, daß unser Denken und Fühlen emporgehoben wird aus den Wirren und Wehen der Erdenwelt. Es wird uns der Spiegel der Ewigkeit vorgehalten, und in dem bekommen ine Zeitereignisse ein ganz anderes Gesicht. Was uns als entsetzl. Unheil erscheinen wollte, stellt sich im Lichte des Glaubens als eine vorübergehende Prüfung dar zur Buße und Besserung. Aehnlich wie die Operation durch die sorgsame Hand des Arztes, die zwar schmerzhaft ist, aber doch zur Heilung und zur Beglückung geführt.
Es wird uns freilich nicht leicht, den Druck der äußeren Leiden zeitweilig abzuschütteln. Auch den Jüngern des Heilandes wurde es damals schwer, sich in den schrecklichen Ereignissen der Martertage zu- recht zu finden. Ihre Aufklärung und Tröstung konnte nur angebahnt werde» durch die Botschaft von der Auferstehung und vollendet werden durch das Er- scheinen des Auferstandenen und seine mächtige» Worte. Wir brauchen heutzutage nicht erst stufenweise in das tröstliche Geheimnis eingeführt zu werden: wir wissen aus den Evangelien und aus der vollen Glaubensüberzeugung, baß der Herr wahrhaftig auferstanden ist und sein Werk der Erlösung vollendet hat. Wir kennen sein Wirken, seinen Triumph, feine Lehren und seine Verheißungen. Es kommt nur daraus an, daß die Kraft des Glaubens in uns 3 genügend anspannt, um den Druck der Zeitereig.
e aufzuheben. Das muß gehen bei klarem Kopf und gutem Willen. Wir muffen wenigstens eine erfrischende Atempause gewinnen an hnfwn F-st-n.
Dem braven Christen muß es möglich sein, was der Dichter ersehnt in den Versen: Ach, aus dieses Tales Gründen» die der kalte Nebel drückt, könnt' ich doch den Ausgang finden, o, wie fühlt ich mich beglückt! Der Ausgang ist da: der Aufschwung ist zu erreichen, wenn der Glaube an die göttliche Weltord- nung uns lehrt, daß alles Leid nur die Vorbereitung für die Freude ist und alles Vergängliche zur Nebensächlichkeit zusammenschrumpft im Vergleich mit der Ewigkeit, für die wir geboren sind.
Für den Kranken, der auf dem Schmerzenslager liegt, gibt es keine bessere Stärkung, als wenn ihm die überzeugende Gewißheit beschert wird. Ich werde wieder genesen, ich werde wieder gesund und glücklich werden! Einen solchen beseligenden Heiltrank können die leidenden Christen schöpfen aus dem Osterge- heimnis. Torheit und Bosheit der Menschen, Teufel und Tod können die Erde freilich zu einem Jammer- tal machen, aber sie können den, der wirklich strebt, nicht um die Freiheit der Erlösung bringen. Die Anwartschaft auf die Auferstehung und das ewige Leben müssen sie ihm lassen.
Im Lichte der Ewigkeit wird die Lekdenszeit kurz, die kämmende Seligkeit unendlich lang. Die Hoffnung auf die bessere Zukunft sollte uns jedoch nicht zur fatalistischen Untätigkeit verleiten. Wie die Wahrheit und Tugend zu gewinnen, so soll auch jeder Christ nach seinen Kräften mitwirken, daß sich das Reich Gottes schon auf Erden immer mehr entwickelt. Der Aufblick zum Himmel darf nicht die Tatkraft in der Welt lähmen, sondern muß sie vielmehr anspannen und heben. Denn zum wahren Glauben und zu der tröstlichen Hoffnung gesellt sich die Liebe, die den Mitmenschen den Weg zur Erlösung zu erleichtern sucht durch gemeinnützige Verwertung der Kräfte, die der Schöpfer jedem Einzelnen geschenkt hat.
Dem treuen Christen wird nicht allein bas Dul- ®en erleichtert, sondern auch die Arbeit versüßt. Es 2* sicher, daß sein Schassen und Mühen auch unter den schlimmsten Verhältnissen nicht fruchtlos ist, denn *lL ttchll sich als bescheidenes, aber doch wirksames Glied der Schar, di« der Allerhöchste zur Arbeit in sei- mn Weinberg berufen hat .
. _.~™! Frühling fruchtbar werden soll, erfor- . ,6r "blßige zweckmäßige Arbeit. Helfen wir alle in treuer Kraftanftrengung dazu mit, daß auf den schweren Winter ein erfrischender Lenz folgt. Die Muhe lohnt sich-, benn wenn wir den Frühling aus .Erden mass mehr erleben sollten, so erleben wir ihn im Jenseits, wo der Plan der Weltrettung sich in ewiger Osterftler vollendet.
den an^urechnen seien. Sie habe keine Verpflichtung dabei d:e oeutsche Regierung anzuhören. Das lange Schweigen der Kommission wird damit erklärt, daß sie der deutschen Regierung möglichst viel Zeit lassen wollte, um Matzreaein zur Erfüllung "ihrer Verpflich- tungen treffen zu können. Bei der Forderung von einer Milliarde Eoldmärt sei die Kommission von der Ge. wißheit ausgegangen, oatz Deutschland diese Summe bezahlen könne. Die Auslegung des Artikel» 235 des Fliedenkverlrages über die Zahlung der zwanzig Milliarden durch die deutsche Regierung sei offenbar unrichtig, wenn sie glaube, daß sie im Falle eines Fe^lbe- träges am 1. Mar die bisverigen Gutscheine einfach durch zin^entragende Schatzscheine ersetzen könne. Die 20 Milliarden Golsmark nach Art. 235 können nicht mit den 20 Milliarden, die die erste Rate der borge- {ebenen Gutscheine darstellen, vermengt werden. Diese ersteren 20 Milliarden muffen vielmehr in flüssigem Geld oder in entsprechenden Werten bezahlt werden und sollen zunächst die Kosten des Besatzungsheeres und der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln decken Aus jeden Fall muffe dieser Betrag biS zum 1. Mai bezahlt werden.
Die Note kommt dann zu den eingangs angeführten Schlußfolgerungen.
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Dis Kommission weiß natürlich ganz gut, daß die von ihr bis zum 1. Mai verlangte Zahlung von 12 Goldmilliarden eine völlige Unmöglichkeit ist, mußte doch Deutschland schon die Zahlung von nur drei Milliarden in London als unmöglich ablehnen. 3m Friedensvertrag 8. Teil Artikel 2 § 9 heißt es übrigens: „Auf Antrag der deutschen Regierurng hat die Kommission alle Gründe und Beweise anzuhören, die von Deutschland hinsichtlich aller seine Zahlungsfähigkeit betreffenden Fragen vorgebracht werden." Was hat diese Bestimmung für einen Sinn, wenn die Kommission, ohne auch nur die Vertreter Deutschlands zu hören, unmögliche Leistungen festsetzt und deren Nichterfüllung mit Sirefen bedroht? Es scheint indessen, daß man tatsächlich bet dieser Politik verharren will, um auf diese Weise den vergeblich in London versuchten Druck auf Deutschland noch zu verstärken. Schon spricht man in Paris von einer neuen Konferenz in Paris oder London, um die „neue frech« Weigerung" Deutschlands mit neuen „Sanktionen" zu bestrafen. Taffächiich schieben die Alliierten kleinere Truppenabtellungen schon immer weiter vor.
Vor der Reparationskommission.
Nach einer Meldung des ,Petit Paristen' wurden Dienstag zum erstenmal Vertreter Deutschlands von der Wiedergutmachungskommission „angehört". Die Kommission forderte bte Vertreter auf, ihre Einwendungen gegen die Höhe dec Entschädtgungs- zahlungen für Pensionen vorzubringen. Die mutierten fordern von der Wiedergutmachungs-Kommission gemeinsam eine Summe von 90 Milliarden Goldmark für Pensionen.
Solange auf diese Art und Weise verhandelt wird, nämlich indem die Deutschen wie Verbrecher vor dem Gericht „verhört" werden und nur antworten, wenn sie gefragt werden, sonst aber den Mund zu halten haben, ist eine Verständigung niemals zu erzielen.
Die Holzforderungen.
Die DerhMdlungen zwischen der dsutschen Regierung und der Reparationskommission wegen der zu gewährenden Preise für das gemäß dem Verfailler Vertrag an die Entente zu liefernde Holz haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Reparationskommiss sion ist daher zu einem Diktat unter Festsetzung der Preise geschritten.
Durch das Mittel der Ausschreibung wird versucht werden, ob die Lieferung zu den von der Kommission bestimmten Preisen aufgebracht werden kann.
Die kommunistischen Unruhen haben keine Verstärkung erfahren, vielmehr darf man die Hoffnung hegen, daß es bald gelingen wird, die Schar von Wegelagerern, die sich den Anschein geben, politische Ziele zu verfolgen, unschädlich zu machen. Vereinzelt wird behauptet, daß die eigentliche Aktion der Kommunisten erst nach den Feiertagen einsetzen wird. BiS zum Osterdienstag sollen die Unruhen in Mitteldeutschland hingezogen weiden, damit starke Kräfte der Polizei dort gefesselt bleiben. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, daß die nächste Woche eine Verstärkung der Unruhen bringen wird. Die Betriebe sind an den Osterfeier- tagen geschlossen und zu einer verhetzenden Agitation bietet sich keine- Gelegenheit. So darf man also wohl einer ruhigen Auffassung der Gesamtlage das Wort reden.
Eine wohlvorbereitete Aktion.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bomben- und Dynamit-Attentate und die sonstigen Gewalttaten eine wohloorbereiete kommunistische Aktion sind, die ihre geistigen Urheber in Moskau zu suchen hat. Die kommunistischen Blätter schreien seit Wochen in das Land, daß die Arbeiter sich bewaffnen und endlich zur bewaffneten Taten schreiten müßten. Diese blutige Saat ist jetzt aufgegangen. Zur Kennzeichnung der geplanten Aktion dient am besten et» Aufruf, der in den Straßen Berlins am Donnerstag verteilt wurde. Unterzeichnet ist dieser Aufruf von der „Allgemeinen Arbeiterunion", von den „Politischen Räten der Erwerbslosen", von der Kommunistischen Arbeiterpartri Deutschlands" und von der „Kommunistischen Arbeiterjugend". Darin wird den bevorstehende Kampf als der „E n t f ch e i d u n g s ka m p s" bezeichnet. Das deutfche Proletariat müsse zum „General- a n g r i f f" übergehen. Und wester heißt es wörtlich: „Die Genossen im Reich beginnen schon auszu- marschieren. Von Zwickau bis Braunschweig reicht bereits die Front: Hamburg, Schlesien, Ruhrgebiet reihen sich an. Nur Berlin schläft noch." Schließlich wird in dem Aufruf die Bildung von Aktious- ausschüssen der revolutionären Räte, die Bereinigung mit 6yL2ltbeiislc[cn, die Ausübung passiver Resi
stenz und die Besetzung der Betriebe während der Feiertage gefordert. Alle Eisenbahntransporte sollen lahmgeiegt und die „Schutzbandiren des Kapitals" — die Polizei — entwaffnet werden. Die „Robe Fahne" gab am Mittwoch abend unter der Ueberschrift „Klar zum Gefecht" die Parole aus, olle Truppen- und Waffentransporte nach Mitteldeutschland und Hamburg zu verhindern und zum Gegenangriff auf der ganzen Linie überzugehen.
Mit Genugtuung muß man feststellen, daß nicht nur der „Vorwärts", sondern auch die „Freiheit", das Organ der Unabhängigen, energisch Front machen gegen diese revolutionären Banden, mst denen der oe- jonneike, ordnungsliebende und geschulle Arbeiter nichts gemein hat. Der „Vorwärts" zieht aus dem Verhalten der berliner „Roten Fahne" den Schluß, daß Moskau Leichen brauche, daß mit aller Gewalt ein Konflikt erzwungen werden sollte. Das Blutvergießen in Hamburg sei die direkte Folge der kommunistischen Wühlarbeit.
Angesichts der kommunistischen Aufforderung zum Barrikadenkampf ist es von Lntoresse, festzustellen, daß weder in Hamburg noch in Mitteldeutschland sich unter dm Opfern irgend ein kommunistischer Führer befindet. Diese Herrschaften verstehen es ausgezeichnet, andere für sich sterben zu lassen, und wenn sie im Brustron ihrer llederzeugung predigen, daß man für eine große Idee auch das Leben einsetzen müsse, so meinen sie damit stets das Leben der anderen. Nach der „Roten Fahne" ist jetzt die Entscheidnugs- stunde da, die das Proletariat aus die Schanzen ruft. Auf diesen Schanzen aber wird man kommunistische Führer vergebens suchen: sie befinden sich ganz anderswo. Adolf Hoffmann hat sich von seinem Arzt die Notwendigkeit einer längeren Erholungskur bescheinigen lassen. Kurt Geyer ist in Moskau und die beiden kleineren „Götter" Otto Braß und Wilhelm Koenen sind auf dem Wege nach Moskau, ebenso der Chemnitzer Fritz Heckert, ein Mitglied der lommunistischen Zentrale; Paul Levi endlich hat sich gleichfalls nach dem Ausland begeben, aber nicht nach Moskau, das nichts von ihm wissen will, son- dem nach dem warmen Süden, wo es allerdings gefahrloser ist als in Eisleben.
Diese Art, andere in den sicheren Tod zu hetzen, selbst aber gerade zur kritischen Zeit ins Ausland zu verduften, ist so ziemlich der Tiefstand erbärmlichster Feigheit und Niedertracht.
Kommunistische Generalstreikparole.
Die Zentrale der Vereinigten Kommunistischen Partei .Deutschlands fordert in einem Ausruf der Roten Fahne zum Generalstreik auf. In diesem schwülstigen Erguß werden die Tatsachen siech in ihr Gegenteil verkehrt, der frivole Friedensbruch der kommunistischen Räuberbande wird in „eine Provokation der Orgesch- banditen" umgefälscht. Die Arbeiter sollen „überall in den Generalstreik treten und die Transporte von Truppen und Waffen verhindern.
Die sozialistischen Blätter, die „Freiheit" und der „Vorwärts', hoffen, daß die Arbeiterschaft den Lockungen der Kommunisten nicht folgen wird. Wir möchten dieselbe Hoffnung hegen und von dem überwiegenden Teil der Arbeiterschaft wünschen, daß er die Hetzer zum Teufel jagt.
Auch die Parteileitungen der Sozialdemokraten und der Unabhängigen, wie die Gewerkschaftskommission weilen die Streikpropaganda energisch ab.
In Berlin hat die. Streikhetze keinen Erfolg gehabt. In die Betriebe der Firma Ludwig Loewe u. Co. drang eine Schar Arbeitsloser ein und versuchte, die Arbeiterschaft zur Stillegung zu veranlassen. Da ihnen dies nicht glückte, zogen sie wieder ab. Angesichts der Gefahr, daß die Kommunisten den Versuch machen tonnten, die Werke gewaltsam zu besetzen, ordnete die Betriebsleitung die vorläufige Schließung an.
(geplante Aktenkake.
Die in Neukölln von der Berliner Kriminalpolizei verhafteten Kommunisten, die in dem Verdacht standen, als Mitwisser oder Täter an dem An- schlag auf die Siegessäule beteiligt gewesen zu sein, sind zum Teil nach langen Vernehmungen überführt worden, zum Teil haben sie ihre Beteiligung eingestanden. Sie sind eingeschriebene Mitglieder der Kommunistischen Arbeiterpartei.
Aus ihren Geständnissen geht hervor, daß für Karfreitag mehrere Bombenanschläge in Berlin geplant waren. Das Fehlschlagen des Attentates auf die Siegessäule hatte die Bande veranlaßt, am Tage nach dem Anschlag eine Beratung abzuhalten, in der neue terroristische Akte beschlossen wurden. Beab- sichtigt war, neben dem Polizeipräsidium, dem Rathaus und einer möglichst großen Anzahl der Siegesallee-Denkmäler, auch gegen ver- schiedene Derlagshäuser der büraerlichen Presse Anschläge zu verüben. Sprengstoffe, vor allen Dingen Dynamit und Pikrin müssen in großen Mengen zur Verfügung gestanden haben. Es ist bisher nicht gelungen, die Verstecke in denen die Sprengmittel aufgehoben werden, zu entdecken. Das Ziel, „die Revolution wieder in Gang zu bringen", glaubten die Verbrecher auf diese Weise am besten erreichen zu können. Wie sie ange- 6en, bezweckten sie „Einschüchterung des Bürgertums" und erwarteten den sofortigen Anschluß der Arbeitslosen, mit deren Aitfe der allgemeine Aufstand der Ar- beiterschaft und Stillegung sämtlicher Betriebe erreicht werden sollte.
Die Schutzpolizei hat besondere Sicherheitrmaßnah- men getroffen. Die gesamte Polizeitruppe befindet sich in veffchärfter Alarmbereitschaft. Alle wichtigen amtlichen Gebäude haben Wachen erhalten.
Die roten Kampftruppen.
wtb Halle, 25. März. Sn Leunaberg, wo rote Kampftruppen formiert sind, tyrannisieren 16- bi» 17- söhrige Burschen, mH Dolchen und Schießprügeln bewaffnet, reise Arbeiter. Die Leu!« werden wahllos zum Eintritt in di« rote Kmnvftruppe gepreßt, mit dem Erfolg, daß sie di« erste Gelegenheit zum Desertieren be- nutzen. Bei der Feuerwehr des Werkes beschlagnahmte man die Feuerräder und di« Kraftwagen und requierierte Strvhfäcke für die Einrichtung eines Lazaretts. Die Laft- und Kraftwagen der Werkes wurden beschlagnahmt und für dir Zwecke der roten Truppen verwendet. Einige dieser Wagen sind spurlos verschwunden.
wtb Qurrsurk, 25. März. Ein« kommunistische ver» sammlung befchtvß hier Die Verkündigung des General- streike». In Schraplau und Stetten sowie in anderen Ortschaften liest man an den Häusern Anschlag», m denen di« gesamte Sevölleyma rmMeq.18 ugd 35
Jahren zum sofortigen Eintritt in die rote Kampftruppe ausgefordert wird. W«r dem Aufruf nicht Folg« leiste, werde erschossen.
wtb Halle, 25. März. Der .Halleschen Zeitung" zufolge ist die Bildung der roten Kampftruppen in der Gegend von Leuna hn Gange. Das Riesenwerk von Leuna ist in der Hand der Roten, die sich bewaffnet haben und zu Kompanien formiert find. Bis jetzt sind sie etwa 6000 Mann stark. Die roten Regi- menter verfügen über einen wohlorganisierten Nachrichtendienst mit Raüsahrertruppen usw. Gestern gingen tont- mumstifche Patrouillen in Halle von Haus zu Haus und besohlen den Männern, sich zum Eintritt in die rote Sterne« bereitzuhalten. Furchtsame, di« der Parole nicht folget) wollten, wurden mit Erschießen bedroht. 3n Leuna werden alle vorbeikommenden Männer zum Eintritt m die roten Kampftruppen gezwungen. Nach verschiedenen Ortschaften wurden von den industriellen Zentren aus Streifzüge unternommen, um wehrfähige Männer zum kommunistischen Waffendienst zu pressen. Zwischen Leuna und Ummendorf sind mehrere tau ferch Gewehre, die messt nagelneu sind, an die roten Kampftruppen verteilt worden. Die technische Rothilfe steht aktionsbereit, doch hat sie noch keinen Beseht zum Einsetzen erhalten. Die Hettstedter Bahnlinie fft durch eine Brückensprengung zerstört worden.
Der Kampf um Eisleben.
Noch heftigen Kämpfen, die leider auch Opfer forderten, hat sich eine nicht unbeträchtliche Verstärkungstruppe nach Eisleben durchgeschlagen. Der Erfolg ist sichtbar.
Donnerstag nachmittag erschien die erste PatrouiL» der Polizeitruppen wieder in den Straßen, die in kurzer Zeit von herumiungernden Menschen gesäubert waren. Die neu eingetroffenen Truppen haben eine ganze Anzahl von Kommunisten als gefangen eingebracht, die ihnen als Spione der Roten Armee ent« aegengefchickt waren. An dem in der Richtung auf Halle zu gelegenen Stadteingang hatten die roten Truppen Barrikaden errichtet, die jedoch kein wesentliches Hindernis darstellten. Die Gefangenen wurden sofort zum Auftäumen der Straßen verwendet. Das Gelände östlich von Eisleben ist von roten Banden frei. Der Bahnhof ist den Kommunisten entriss fen und von der Schutzpolizei besetzt worden, ebenso ist der im Seminar untergebrachte Teil der Schutzpolizei befreit.
Wie bedrohlich die Lage vor dem Eintreffen der Verstärkungen war, zeigt der folgende amtliche Bericht der Pressestelle beim Oberpräsidenten der Provinz Sachsen:
Die Lage Ist in Eisleben sehr bedrohlich. Die ® e- sechte dauern fort, überall P lunderung und Brände. Die sozialistischen Führer haben wegen schwerster Bedrohung aus Etsleben flüchten müssen. Di« Eisenbahnbrücke in Lissendorf an der Eisenbahnlinie Halle—Sangerhausen wurde gesprengt. Die sozialistischen Führer schätzen die Waffen der Kom- m u n i ft c n bei Etsleben auf mindestens 40 Maschinengewehre, 8000 bis 10 000 Gewehre und erklären, daß die übrige Bevölkerung schleunigste durchgreifende Maßnahmen mit schweren Kampfmitteln forbert. In Oberröblingen und Stedten sind größere Brände beobachtet worden. Fremdländische Elemente führen überall die Bewegung
Tausende von Arbeitern aus der nahen und wetteren Umgebung hatten die Stadt ringsum einge» schlossen und den größten Teil der Stadt besetzt. Der Zugverkehr Halle-Sangerhausen ruhte vollständig. Jetzt ist die Sicherheitspolizei Herrin der Lage. Gestern hörte man nur ab und zu einen Schuß. Die Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorgenosnmen. Die Zahl der blutigen Opfer ist beträchtlich. Genaue Zifferangaben sind aber noch nicht möglich. Ein Beweis, daß der Ausstand gut organisiert war, liegt in der Tatsache, daß die Streikenden in den Dörfern rund um Eisleben richtige Truppenaushebungen Borge« Kommen hatten durch Trornmelschlag und Bekanntmachungen, wonach sich alle Arbeiter vom 20. bis zum 50. Jahre zur Verfügung zu halten haben. L» einigen Orten hat man sogar die Rekrutierung bis zum 15. Jahre herab vorgenommen. Die neuen Rekruten wurden dann einfach aus verfteckten Waffen- * lagern, die sich in dm Schächten befanden, mit Militärwaffen versehen. -
Unterwerfung der Eislebener Kommu- nistenführer
Amtlich wirst» mit geteilt: Die Kommunistenführei in Eisleben erschien am Freitag beim Kommandeur und baten um Einstellung des Kampfes im ganzen Marisfelder Gebiet. Der Kommandeur lehnt« auf Weisung des Oberpräsidenten jede Verhandlung mit den auftührerischen Arbeitern ab und stellte folgende Forderungen:
1. Die aufrührerischen Banden stellen sofort den Kampf ein. Dann wird die Sicherheitspolizei nicht mehr schießen. 2. Alle Waffen und Munition wer- den sofort abgegeben. Diejenigen, die freiwillig abliefern, werden nicht nach ihrem Namen gefragt und auch nicht verfolgt. Sämtliche Kraftwagen und fort fügen geraubten Sachen sind sofort zurückzugeben.
Die erschienenen Komunistenführer versprachen, bef thren Leuten mit allen Mitteln dafür eingutraten, daß die Bedingungen angenommen und vorbehaltlos befolgt werden.
Ein netter Bürgermeister.
wtb Hettstedt, 23. März. Heute mittag drängte cm der Schule, in der bi« Schutzpolizei untergebnicht sst eine große Menge und verlangt di« Auslieferung der Waffen. 3n der gestrigen Stadtverordneten- sitzung wühlten die Kommunisten in Abwesenheit bei bürgerlichen und rechtssozialistischen Stadtverordnete« den im vorigen Jahre zu einer Zuchthaus st rase verurteilten Alvert Gericke zum Bürgermeister.
wtb Eislebeu, 25. März. Hettstadt ist nach heftigem Kampfe durch Verstärkungen entsetzt worden. Di« nach Eisleben gekommenen Verstärkungstruppen «wurden auf dem Anmarsch mit Phosphor beschossen, durch befielt Verwendung die Mehrzahl der Wagen der Aufmarschteuppr» in Flammen aufging.
Hölz nicht verhaftet!
Die Meldung, daß der Kommunist Hölz in JDuebhn bur.r verhaftet worden sei, trifft nicht zu. Es handel! sich um einen anderen Kommunisten, der unter dem Nauieu de- sächsischen LandenführerS aufßetr4teu tjss
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