Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.

fit. 69.

Wrantworttich für den ceoauioneUen Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Par zel ler»Fulda. u

Notationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, .temiprectjer Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

Donnerstag, 24. Marr ;92j.

Bezugspreis: Aionatlich Z.00 Ml. ohne Zustellgebühr. Zn Fulda bei uns abgehoit 3,15 Alt. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile Colonelmav) 60 JJfg, u. 10% Zuschlag, die Neklamezeile (Textbreitef 1.80 Mk^ u. 10% Zufchlag. Bei Wiederhol. Rabatts

48. Zahrg.

Zum Karfreitag.

Ls sind Gefühle tiefster Wehmut und Trauer, wo­mit wir die Tage der Erlösung begehen, aber auch des Trostes, da wir wissen, daß das Kreuz, das in diesen Tagen auf Golgatha aufgerichtet wurde, der große, unzerbrechliche Anker ist, an dem das Lebensschiss der Menschheit befestigt ist.

Trübe Wolken ziehen sich in diesem 3t. > am deutschen politischen Horizont zusammen und zu der inneren gläubigen Trauer kommen am Karfreitag noch die bangen Sorgen um Deutschlands Sein oder Nicht­sein. Zahllosen deutschen Brüdern und Schwestern ist die Verbindung mit dem Heimatlande genommen, zahl­lose aufstrebend« Kräfte sind gelahmt durch die Gewalt­maßnahmen rachsüchtiger Feinde, die täglich auf mehr Elend für das geplagte Volk der Deutschen sinnen. Noch dringt die Sonne durch das trübe politische Firmament hindurch; doch wir, wehr- und widerstandslos, wollen zu Gott um ein frohes Osteraufwachen flehen und auf einen Sieg der Liebe auch im Leben der Völker hoffen.

Liebe ist es, der wir bedürfen. Der Schieber-, Wucher- und Verbrecherteufel feiert seine Orgien in­mitten eines armen Volkes, und großen Teilen un­serer Mitmenschen ist der sittliche und moralische Halt genommen. Rücksichtslosigkeit und Haß diktieren un­berechenbare Handlungen. Im roten Schein des Mes- siaskreuzes mögen Nächstenliebe und Versöhnung in unsere Herzen einziehen. Christen- und Menschen­pflicht soll es uns sein, Mitmenschen, die den sicheren Lebenspfad verloren und sich in den Fährnissen der Zeit verirrt haben, wieder zu suchen und aufzurichten.

Nur den christlichen Geist der Nächstenliebe und des Opfers kann die Menschheit retten. Im duldenden Heilande, welcher für seine Brüder das schwere Kreuz auf die Schulter lädt und am Kreuzesstamm sein Le­ben opfert, um die sündige und schuldbeladene Mensch­heit zu erlösen, müssen die Einzelnen und ganze Völ­ker wieder ihr Lebensideal erblicken. Dann allein gibt es eine Rettung aus dem Elende der Gegen­wart. T

Die GoldrniMarve abgelehnt.

Gestern, am 23., ist der Termin abgelaufen, zu dem die Reparationskommission in einer Note au die deutsche Regierung vom 16. März die" Zahlung einer Goldmiliardc in bar gefordert hat, und zwar als Rate auf die nach ihrer Meinungrückständigen" 12 Milliar­den Goldmark zur Tilgung der deutschen Vorlesttunaen. In einer Note an die Alliierten hat die deutsche Re­gierung diese Zahlung von einer Milliarde Goldmark abgelehnt.

Die deutsche Regierung steht auf dem Standpunkte, daß die bis zum 1. Mai zu bezahlende Summe von 20 Milliarden Goldmark bereits durch die anzurrchnenden Beutegüter, Staatseigentum in den ab­getretenen Gebieten, die Schiffe und die vielfachen Lieferungen an Kohlen, Maschinen, Farbstoffen u|w. bereits mehr als getilgt ist. Die Reparationskommis­sion erklärt dagegen auf Grund von Schätzungen, die ihr Geheimnis sind, daß Deutschland erst etwas mehr als 8 Milliarden bezahlt habe, also noch 12 Milliar­den zu leisten habe. So hat sie für die Schiffe, die England im wahrsten Sinne des Wortes im Ramsch verschleudert hat, nicht deren wirklichen, sondern den er­zielten Verkaufswert eingestellt (mit 500 Millionen statt 7 Milliarden). Ein solches Verfahren kann von Deutsch­land nicht anerkannt werden. Außerdem ist die ver­langte Vorausbezahlung von einer Milliarde Gold­mark nirgends im Friedensvertrage zu begründen. Die Ablehnung dieser doppelt unbilligen Forderung war daher selbstverständlich.

*

3n ihrer oben erwähnten Note verweist die deut­sche Regierung auf ihre Denkschrift, in der belegt ist, daß die deutsche Lieferung etwa 20 Milliarden

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

18] __________,

Sein männlich-schönes Gesicht war vom raschen Zang gerötet, seine Augen strahlten vor Glück. Schnell rat Cr auf Rositta zu, grüßte sie mit freudigem Jauch­en, schloß sie jn Die Arme und küßte sie. Endlich ist °*r 0r°6e Tag gekommen, wo du mein bist!" rief er. r* X," 2ir nit sagen- wie groß mein Glück ist. End- my, envlich führ sch Dich heim in mein Haus, Du Süße, Lu Schönste, Du Herrlichste! . . Du meine Königin!"

Sie lächelte und trat zur Seite, damit er ihre Mutter f^te; Er tat es kühl und fast feindselig.

^bedrückte ihn und er war dann stets verlegen und em wenig unbeholfen, obwohl das sonst nicht seine

ar hatte sich jn der Stadt und im regen

Bertefjr mir gebildeten Menschen ein sicheres Benehmen angeeignet und Rositta brauchte sich feiner, obwohl er nur em Dorstchnued war, nicht zu schämen. Er hatte sem Examen als Tierarzt glänzend bestanden, besaß gute Umgangsformen und in der Kraft seiner Erschei­nung tarn 'hm kaum eia anderer gleich. Trotzdem gab er sich m der Nahe der alten Jrrendentistin verschlossen und zurückhaltend; ihr allzu kluger Geist, ihr allzu tiefer haß gegen alles Deutsche wirkte lähmend auf ihn Sein Blick umdüsterte sich, er ruckte von ihr ab und suchte Stosittas Nähe, deren feuriges Wesen wie warmer Son­nenschein auf ihn wirkte.

Das Gespräch stockte und es war gut, daß die alte Dienerin ©ufetta das Mahl auftrug, mit dem sich alle drei stillschweigend beschäftigten. Susetta brachte dun­kelroten Wein in einer strohumflochtenen Flasche, der schwer wie Oel in den geschliffenen Gläsern lag. ' Mi­chael liebte diesen schweren Wein nicht; ihm war, als trinke er Blut in sich hinein. Doch konnte er sich dieses Zechgelages nicht entziehen, das Regina Belmonte zu einem feierlichen Akt gestaltete. Sie stieß mit dem fangen Paare an, hielt das Glas empor wie einen Gralskelch und sagte, die Augen durchdringend auf Mi­chael gerichtet:Dir trink ich Minne, jünger Sohn der Serge!Jöebenf; daß ich Dir. mein KMichstes wurrr-, >

bereits ausinache, und sie erklärt sich bereit, mündlich und schriftlich weitere Beweise für ihre An­gaben zu liefern. Die deutsche Regierung führt ferner aus, daß man unter den heutigen Verhältnissen von Deutschland keine Barzahlung erwarten könne, daß wir die Barmittel zum Einkauf von Lebensmitteln und Rohstoffen brauchten. Weiter wird protestiert gegen die in der Reparationsnote aufgestellten kur­zen Fristen, und auseinandergesetzt, daß es tech­nisch unmöglich sei, in dieser Zeit eine Anleihe vorzu­bereiten, aufzunehmen und die Mittel abzuführen. Es wird auch hingewiesen auf die Bestimmung des Frie­densvertrages, wonach bei jeder Forderung die wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands berücksichtigt werden soll. Um aber die Frage der Erfüllung der Verbindlichkeiten aus Artikel 235 des Friedensver­trages endgültig zu regeln, schlägt die deutsche Regie­rung umgehende mündliche Verhandlungen mit der Reparationskommission vor, damit die bis­herigen Leistungen bewertet werden. Die Regierung ist bereit, Sachverständige zu diesem Zweck nach Pa­ris zu senden und wenn sich ein Fehlbetrag ergeben sollte, in Verhandlungen über die Aufnahme einer auswärtigen Anleihe einzutreten. Eine solche An- leihe dürfe jedoch nur im Zusammenhang mit dem ganzen Reparationssystem erörtert werden.

Zusammentritt des Wiedergutmachungsausschusses.

wtb Paris, 23. März. (Tel.) Havas. Die Wie­dergutmachungskommission Hal in der heutigen Nach- mitragssitzung den Wortlaut der an die deutsche Regie­rung zu richtenden Antwortnote bezüglich des Restbetrages der bis zum 1. Mai zu zahlenden 20 Milliarden Go ld mark festgesetzt. Ferner erörterte sie die Vorschläge, die sie den alliierten Regierungen in Verbindung mit dieserneuen Ver­tragsverletzung" unterbreiten wird.

Neue Forderungen.

Nach Informationen an zuständiger Stelle betragen die Forderungen der Entente zur Wiederherstellung des Wildbestandes der zerstörten Gebiete an leben­dem Wild 120 Hirsche, 63 000 Rehe, 660 000 Hasen, 195 000 Fasanen, 75 000 Fasaneneiex und 6 Millionen Rebhühner. Zur Zeit wird in Paris über die Durch­führung und Ablieferung und Über die Frage der Mög­lichkeit solcher Ablieferungen überhaupt verhandelt.

Die Unteilbarkeit Oberschlesiens.

wird auch im neutralen Ausland fast einmütig aner­kannt, selbst große Teile der amerikanischen und engli­schen Presse, sogar einige französische Blätter stellen sie fest. An dem überwältigenden Sieg Deutschlands wird nirgends mehr gezweifelt. Nur die polnische, die französische und ein Teil der englischen Presse sucht ihn zu verkleinern, indem sie einfach die Tatsachen ver­dreht und von deutschem Terror (!) spricht. Auf Grund der Teilresultate der Kreise Pleß, Rybnik und Tarnowitz wird in vielen französischen Blättern, auch in einigen englischen Blättern, wieTimes"Mor- ningpost" u. a. einer Absplitterung dieser Kreise zu- gurcstcn Polens das Wort geredä. Besonders die französische und polnische Presse hat eine systematische Hetze zu diesem Ziele in Bewegung gesetzt. Aber ganz vereinzelt findet man schon in Frankreich Stimmen, die, wenn auch recht widerwillig, feftstellen, daß Ober­schlesien auf Gruntz des Abstimmungsergebnisses deutsch bleiben muß. Sie hängen aber alle daran die Schluß­folgerung, daß nun Deutschland keinen Vorwand mehr habe, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Der größte Teil der englischen Presse steht auf demselben Standpunkt. Die skandinavische, holländische, schwei­zerische Presse, auch italienische und amerikanische Blätter stellen die Unteilbarkeit Oberschlesiens als zwei- stllos fest, und folgern daraus, daß es unbedingt bei Deutschland verbleiben müsse.

traue, mein sonniges Kind! Behüt es wohl! Dies Haupt sti Dir teuer wie Dein eigenes und wehe, wenn Du ihm auch nur ein Haar krümmst: mein Fluch und meine Rache würden Dich treffen. Ihr Schicksal liegt in Deiner Hand. Du kannst Rositta, mein Sonnen- kind, zum höchsten Glück führen oder aber ins tiefste Elend stürzen. Vom Manne hängt des Weibes Wohl und Wehe ab. Gib meinem Kinde Sonnenschein und halte stets Deine Hand schützend über ihrem teuren Haupte. Versprichst Du mir das?"

Michael hatte erst laut auflachen wollen, weil er die ganze feierliche Zeremonie dieser freigeiftigen Frau für eine lächerliche Komödie hielt. Als er aber ihre fun­kelnden Blicke wie spitze Dolche auf sich gerichtet sah, die wie eine düstere Prophezeiung klangen, lief ihm ein kaltes Grauen über den Rücken und ganz vom Banne dieses rachesüchtigen Weibes bezwungen, erwiderte er mit gepreßter Stimme:Ich verspreche es rnadre"

So laß uns trinken und dann Abschied nehmen." Sie stteß mit beiden an und trank ihr Glas langsam leer, wobei ihre Augen wie zwei Flammen auf Michael gerichtet waren. Meder fühlte er das unheimliche Grauen und der Wein erschien ihm bitter wie Galle, odaß er an ihm zu ersticken fürchtete. Mit unsicherer Hand stellte er das Glas auf den Tisch und erhob sich.

Der Abschied war kurz. Rositta halste und küßte ihre Mutter stürmisch und voll heißer Zärtlichkeit. Mi­chael küßte ihr kühl die Hand und reichte seiner Braut den Arm. Fest an ihn geschmiegt, Kußhände nach ihrer Mutter zurückwerfend, schritt Rositta an seiner Seite durch die Türe.

Die alte Susetta kniete bei der Türe und zeichnete drei Kreuze auf die Schwelle:Gesegnet sei Euer Aus- gang! Gesegnet Euer Eintritt ins neue Leben! Die Madonna schütze und alle Heiligen geleiten Euch, Amen." Diei Tränen rannen der alten, treuen Seele aus den rotumrandeten Augen und weinend küßte sie den Saum des Kleides ihrer jungen Herrin.Addio, mein Herzchen! Addio, Du Seele meiner Seele! Die Stimme brach ihr, sie bedeckte Rosittas Hand, die diese ihr lächelnd entgegcnstreckte mit Küssen und stellte sich, als das Paar vorüber war. mit segnend erhobenen Händen unter das Tor. 1

Der polnische Terror.

Der polnische Terror östlich und südöstlich von Kat- towitz greift nach den letzten Nachrichten immer weiter um sich. In Myslowitz ist der deutsche Hauptmann der Abstimmungspolizei Ulbrich von den Polen tödlich verwundet worden. Eine polnische Bande von 30 Personen hat in der Stadt das Polizeirevier g e st ü r rn t und die Beamten vertrieben. Das rein deutsche Dorf Anhalt ist von seinen Bewohnern auf polnische Drohung hin geräumt worden. Die Kreiskontrolleure verweigern jedes Ein­schreiten und berufen sich darauf, daß sie erst ein­schreiten dürften, wenn es zu Zusammenstößen kommen sollte.

Alliierte Truppenverstärkungen.

Im Auftrage der Reichsregierrung hat der deutsche Bevollmächtigte, Fürst Hatzfeld, ernsteste Vorstellun­gen bei der interalliierten Kommission wegen der Zu­stände im oderschlesischen Industriegebiet erhoben und

Das Eingreifen der Polizei im Industrierevier des mittleren Deutschland zur Bekämpfung der anar­chistischen Zustände, die sich in den dortigen Betrieben entwickelt hatten, hat den Kommunisten einen will­kommenen, lange gesuchten Vorwand zur Einleitung einerAktion" gegeben. Eine Generalstreikhetze der allerwildesten Art hat im ganzen Mansfelder In­dustriegebiet begonnen und in vielen Betrieben gelang es den kommunistischen Hetzern, den Streik durchzu- setzen. Die Mehrheit der Arbeiterschaft ist im Grunde genommen Gegner dieser unsinnigen Streikaktton. Die Parteileitung der Mehrheitssoziakstten und Unabhän­gigen und die Gewerkschaften wenden sich gegen den Streik. Aber sie vermögen sich gegen den Terror der Linksradikalen nicht durchzusetzen. Hier hilft eben nur eisernes Durchgreifen, das auch von den ordnungs- ttebenden Elementen der Arbeiterschaft gewünscht wird.

Die Zustände im mitteldeutschen Industriegebiet, die schließlich zum Eingreifen der heutzutage in solchen Sachen doch gewiß sehr langmütigen Polizei geführt haben, waren auch geradezu h a a r st r ä u b e n d. In den größeren Betrieben wurde in solchem Umfange gestohlen, daß der Schaden sich im Jahre auf meh­rere Millionen Mark bezifferte. Verdächtige Personen zu kontrollieren, dursten die Torwächter der Betriebe überhaupt nicht mehr wagen. Wo der Versuch hierzu unternommen wurde, wurde er in den meisten Fällen mit schweren Mißhandlungen beantwortet. Anord­nungen der Betriebsleitungen blieben unausgeführt. Die ordentlichen Behörden konnten gegen den Terror der von unklaren, verantwortungslosen Kommunisten aufgepeitschten Masse nichts ausrichten.

Am tollsten waren die Zustände in den Städten Löbejün und Sangerhausen, deren Stadt­verordnetenversammlungen mit ihrer kommunistischen Mehrheit jede Steuer ablehnten und daher eine ge­ordnete Finanzwirtschaft unmöglich machten. Löbe­jün hat bekanntlich bankrott gemacht, und in Sanger­hausen ist die Stadtv.-Versammlung aufgelöst worden.

Jetzt wird ernstlich eingeschritten. Doch wird von amtlicher Seite darauf aufmerksam gemacht, daß es sich lediglich um eine polizeiliche Aktion zur Wiederherstellung geordneter Zustände handelt. Es darf aber auch kein Zweifel daran gelassen werden, daß mit größter Entschiedenheit gegen Räuber und Er- presser vorgegangen werden wird und auch gegen die­jenigen, die mit ungesetzlichen Mitteln Räuber und Er­presser in Schutz nehmen.

Anschläge auf öffentliche Gebäude.

Freiberg, 23. März. Heute morgen kurz nach 10 Uhr ist auf das hiesige Gerichtsgebäude ein

Draußen ratterte mit dumpfem Gepolter ein Auto. Rositta schlug vor Verwunderung die Hände zusammen. Michael ist das für uns?"

Natürlich, mein Liebling. Ich dachte, es würde Dir Freude machen, schnell wie der Wind durchs Land zu fahren der neuen Heimat zu

Sie warf sich ihm an den Hals und küßte ihn. Mille grazia! Nun trag mich hinein schnell!"

Lachend hob er sie empor, setzte sie in den Wagen und nahm an ihrer Seite Platz. Ein Surren und Pfauchen, ein Rattern und Schnauben, bann schoß der blanke Wagen davon.

An dem weinumrankten Fenster lehnte Regina Bel­monte und sah ihm nach und das Unerhörte geschah: der Frau, die nie im Leben gemeint, rannen zwei Trä­nen über die alabasterweißen Wangen.--

8.

Eine blaue Rauchfahne hinter sich lastend, fuhr das Auto durch Eaton und hielt vor dem Widum. Michael und Rositta stiegen aus und begaben sich in den Psarr- hof.

' Die Leute liefen erstaunt aus den Häusern und be­sprachen das große Ereignis. Es war unerhört, daß Michael Pallanta sich eine Frau aus Welschland holle, wo doch jedes Kind wußte, daß die Welschen Todfeinde der Tiroler waren. Cs war eine Schmach und eine Schande fürs ganze Dorf, war Verrat an der Heimat. Durfte man das dulden?

Der Unwille der Bevölkerung wuchs zur Wut, immer dichter wurden die Gruppen, immer erregter die Ge­müter.

Michael Pallanta und Rositta Belmonte kümmerten sich nicht darum. Leise lachend fliegen sie die knarrende Treppe des Widums empor und Rositta rümpfte die Nase.Hier herein bringst Du mich nicht mehr", sagte sie,hier riecht es nach Weihrauch und Frömmigkeit, und beides liebe ich nicht."

Aber Kind, sei doch vernünfttg", verwies er die leicht­fertige Rede.Wir brauchen den Pfarrer jetzt und später"

LFMfttzmm. folgt.)

sofortigen militärischen Schutz der Bevölkerung gegen die polnischen Gewalttaten verlangt. Die interalliierte Kommission fait daraufhin zugesichert, daß Truppenverstärkungen nach Kattowitz und Beuchen entsandt werden.

Ein Notschrei.

Die deutschen Parteien und die Gewerkschaften Oberschlesiens haben folgenden FunkspruchAn alle" abgesandt:

Nachdem die Polen m der oberschlesischen Volksab­stimmung unterlegen sind, üben sie, von der polnischen Grenze ausgehend, gegenüber der deutschen Bevölkerung in den Ifartbgemeiniwn den ungeheuerlichsten Terror aus. Mehrere Deutsche sind bet der Abstim­mung ermordet worden. Die Bevölkerung sttömt zu Tau- senden in die überfüllten Städte. Hunderte von Ser- wundeten suchen Schutz und Hilfe. Wir fordern von der ganzen Kulturwelt die Einwirkung auf die inter­alliierte Kommission, damit diese barba­rischen Zustände sofort beseitigt werden.

und Bombenanschläge.

schwerer Anschlag verübt worden. Anscheinend war eine Bombe in die Abortanlage des Amtsgerichts im ersten Stock gelegt worden. Es erfolgte eine schwere Explosion, die großen Schaden anrichtete. Die Abort­anlage wurde vollständig zerstört, die Decken und di« Fensterscheiben vollständig zertrümmert. Besonders stark waren die Verwüstungen in unmittelbarer Näh« des Tatortes. Es wurde eine Person verletzt.

Rodewisch bei Auerbach i. V., 23. März. Die terroristischen Anschläge auf das Rathaus in Falken­stein in der Nacht vom 6. März haben in der letzten Nacht in unserem Orte Nachahmung gefunden. Heute früh gegen halb 4 Uhr wurde die Einwohnerschaft von Rodewisch durch eine hesttge Erplofion aus ihrer Ruhe gestört. Verbrecherhände hatten in ein Kellerfenster des Rathauses Spreng st off gelegt und zur Entzündung gebracht. Die rechte Vorderwand des Ge- meindeamts wurde zum Teil zersprengt und auf die Straße geschleudert, während im Innern des Gebäu­des arge Verwüstungen angerichtet und sämtliche Fen­sterscheiben zertrümmert wurden. Man rechnet infolge der Zerstörungen und Beschädigungen der Wände und Decken mit einer Abtragung des Rathauses. Auch die Nachbargebäude hoben durch die Sprengung gelitten, zahlreiche Fensterscheiben gingen in Trümmer. Der wachhabende Schutzmann Graslaub erlitt einen Ner- venchok. Die Gendarmerie von Untergöltzsch und die örtsiche Sicherhestspolizei waren sofort zur Stelle. Man vermutet, daß der Anschlag von Elementen Der-, übt worden ist, die in einem Automobil von Falken­stein kamen und nach der Tat in Richtung Lengenfeld davonfuhren. Kurz nach 6 Uhr traf der Vertreter der Staatsanwaltschaft von Plauen im Auto ein. Di« Kriminalpolizei von Auerbach hatte dreioiertel Stun­den vor dem Anschlag aus das Rathaus in Rodewstsch auf der Klingenthaler Straße zwei junge Männer an­gehalten, die verdächtig waren. Einer der Burschen im Älter von 21 Jahren konnte fest genommen wer­den, während der andere entfloh und auf den ihn Der« folgenden Kriminalwachtmeister Paul mehrere Schüffe abgab, die aber glücklicherweise ihr Ziel verfehlten. Der' Verhaftete hatte unter dem Mantel verborgen sechs Pfund Spreng ft off, die mit Zündschnur" versehen waren. Er gibt an, aus Danzig zu stammen, ver­weigert aber im übrigen nähere Angaben über feint! Person. Man glaubt, es mit einem Ausländer zu tun zu haben. Ob dieser Bursche mit zu dem Verbrecher­komplott gehört, ist noch nicht festgestellt.

Leipzig, 23. März. Am Mittwoch, halb 11 Uhr vormittags, fand im Landgerichtsgebäude an der Elstenstraße eine Bombenexplosion statt, die großen Schaden anrichtete. Die Bombe rft in dem im Parterre links liegenden Wort niedergelegt wor­den. Bei der Explosion hat sie die ganze Innen­einrichtung des Aborts und des Vorraumes in Spltt» ter geschlagen. Durch die Gewalt der Explosion fft auch die obere Decke der Räume zerstört worden. Hun­gerte von Fensterscheiben nach dem Lichthof hinaus sind zertrümmert, ganze Fensterkreuze sind heraus- gerissen. Glücklicherweise ist kein Menschenleben dabei zu Schaden gekommen. Das Landgerichtsgebäude wurde sofort abgesperrt. Die Erörterungen an Ort und Stelle wurden von den Kriminalkommissaren Nitzsche und Jakoby angestellt.

Wie in Rodewistch, Freiberg und Leipzig fand auch in Dresden am heutigen Vormittag ein Dombem anschlagauf das Iustizgebäude am Mün­chener Platz statt. Neben dem Nerhandlungssaale, in dem gerade ein größerer Spielerprozeß verhandelt wurde, waren in einem kleinen Raum zwölf Kriminal­beamte untergebracht. Vermutlich galt das Attentat diesen Beamten. In der elften Dormittagsstunde er­tönten in dem öffentlichen Abort zwei schwere Detv- nattonen, die die Wände und Fenster zertrümmerten und die Decke in die Höhe hoben. Zwei in der Nähe l>efindliche Aufwartefrauen wurden verletzt; ebenso der Gerichtsberichterstatter Kießling, der schwere Verletzun­gen an Armen, Beinen und Füßen davonttug. Er war gegen die Decke geschleudert worden, woraus man auf die Gewalt der Explosion schließen kann. Der Materialschaden stt sehr beträchtlich. Nach der Explo­sion wurden sofort alle Ausgänge gesperrt. Ein jun­ger Mann, der noch sehr eilig entwischen wollte, wurde verhaftet. Es stt noch unbestimmt, ob er mit dem Anschlag in Verbindung steht.

Schwere Zusamn mslötze in Eisleben.

wtb Eisleben 23. März. In der Stadt ertönte heute nacht mit Zwischenpausen Gewehrfeuer und heute vormittag auch Handgranaten»Detonatio­nen in den Straßen. Die Streikenden sprengten drei Weichen der Bergwerksbahn der Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft heute nacht in di« Lust. Die Stimmung ift dadurch verschärft, da^ ip