Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aetiradrnckerei in Fulda

Jto 68.

Mittwoch, 23. März 1921.

Zentrum und Mittelstand.

Ein« Mittelstandsfrage von größter Bedeutung fand In einer der letzten Sitzungen des Reichstages eine ein- gehende Erörterung. Bei der Beratung des Haushalts des Reichsschotzministeriums wurde auch das Kapitel 'flRchsbekleidungsämter" angeschnitten. Letztere hoben thr« eigene Geschichte. Während der Kriegszeit waren «icht weniger als 26 Reichsbekleiüungsämter von der Hee­resverwaltung errichtet worden, um den großen Anforde­rungen der Truppe an DeHeidungsstücken und Schuhwerk genügen zu können.

Bei der überstürzten Demobilisierung war naturgemäß der sofortige Abbau dieser Aemter nicht leicht zu bewerk­stelligen. Die erste Schwierigkeit bestand darin, die große Zahl der in den Aemtern beschäftigen Handwerker ander- wellig unterzubringen. Es lagerten überdies noch gewär­tige Vorräte an bestimmten Rohstoffen, deren Verarbei­tung nur in den genannten Aemtevn geboten erschien. So blieben die Reichsbskleidungsämter vorläufig bestehen und ihr eoentl. Abbau wurde von der Nationalversamm­lung abhängig gemacht. Letzter» «rtlärte stch für eine Wetterführung der Aemter, wenn if*s den Interessen der Allgemeinheit entspräche und sofern dieselben in der Lage wären, genau so gut und vorteilhaft wie die Prioatindustri« zu produzieren. Dabei war Voraussetzung, daß die Reichs- beklerdungsämter dieselbe soziale und steuerliche Belastung erführen wie Privatunternehmen.

Inzwischen mußte infolge der GebwtsMretungen, vor allem aber wegen Ausbleibens entsprechender Aufträge ein Amt noch dem andern aufgelöst werden, sodaß heute nur noch 12 derartige Aemter bestehen. Aber auch hiervon wird noch ein großer Prozentsatz bald der Vergangenheit angehören. Der Reichstag Has <8ch nämlich m diesem Sinne ausgesprochen. Ihm. tag-s Anträge des Haupt­ausschusses auf Entschließungen vor, wonach die Reichs- bekleidungsämter nur soweit ftrrtbestchen dürfen, als sie durch Bekleiüungsaufträge für die Reichswehr und die Schutzpolizei oder durch Aufträge von Gemeindeverwal­tungen ausreichend beschäftigt seien. Damit wären die Reichsbekleidungsämter auf ihren ursprünglichen Aufgaben- kreis zurückgeführt worden, nämlich Versorgung un­serer Heeresangehörigen, wozu in diesem Zu­sammenhang auch die Sipo zu rechnen ist. Darüber hin­aus war nach der beantragten Entschließung auch die Zulassung non. Aufträgen der Gemeindeverwal­tungen vorgesehen, die Kommunen hätten also in Kon­kurrenz mit dem Handel treten können, wie dies bereits im letzten Jahre zur größten Benachteiligung der Manu- faktur- und Schuhbranche geschehen ist. Es fft nicht zu bestreiten, daß die Fertigwaren der Reichsbekleidmigs- simter, die durch Kommunen und Gewerkschaften verteilt würben, vorübergehend billiger in die Derbraucherkreise kamen als die Produkte der Prrvotindustvie, die bei der Ungunst der Ko.i-junktn-rvcrhältnisie den plötzlichen Abbau nur unter größten Verlusten mitmachen konnte.

Wie ober heute de Reichsbelleidungsämter wirtschaf­ten, beleuchtete eingehend der Zentrumsabg. Ersing. Er wies noch, daß die Bekleidungsämter trotz starker Begün­stigung durch den Staat heute großen Arbeitsmangel auf- weisen. Nach Mitteilungen des Post» wie auch des Eisen- bahnministerrums fei in absehbarer Zett mit größeren Aufträgen nicht zu rechnen. Entscheidend für den Abbau der Aemter fei jedoch der Umstand, daß dieselben, ttotzdem -st keinerlei Stoa s. und Kommunalsteuer zahlten und für ihre vom Reich erhaltenen Darlehn nur 6 statt der allge- mein üblichen 8 Prozent Zinsen zu geben brauchten, mit einer großen Unterbiüanz gearbeitet hätten. Selbst der sozialistische Minister Severing habe erklärt, daß er die Aufträge der Polizei nicht ganz den BekleLungsämtern geben könne, weil diese teurer arbetteten als die Privat» industrie. Somit liege der Abbau der Reichsbekleidungs- Lmter nicht nur im Interesse der in ihrer Existenz bedroh­ten mittleren und kleineren Textil- und Schuhhändler, sondern auch des steuerzahlenden Verbrauchers.

Die sachlich hochstehende Rode des Zentrumsvertreters trug wesentlich dazu bei, daß bet der Abstimmung der sozialdemokratische Antrag auf uneingeschränktes Weiter­bestehen der Rrrchsbekleilungsämter, der die Unterstützung der gesamten Linken erhielt, aogelehnt wurde. Ander-

s.n Antrag, -er vorsieht, daß die erwähnten Aemter bis auf wenige, Vie ied^gl ch -er Versorgung der heeresangehörigen dienen sollen, abgebaut werden, mit 459 gegen 113 Stimmen Annahme. Möge der Abbau «sch erfolgen, möge es aber auch der Regierung geting n, trie ta. 6000 Arbeiter, die heute noch in den Reichsbeklei-

Der König Der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

17] ---------

Sie holte tief Atem und sagte mit zitternder Stimme: ,SB erb glücklich mit der andern!"

Er drückte nochmals krampfhaft ihre Hände und stürmte mit lautem Gruße davon dem Glück ent­gegen.

Gina aber stieß, kaum daß sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, einen leichten, wehen Schrei aus unb brach ohnmächtig zusammen.

Drunten im Welsch'.and, hoch über'm weinreichen Ltschtale, steht auf einsamer Höhe ein einsames Haus. Zwischen Zypressen versteckt blinzelt es wie ein lauern- b«r Bandit unterm Spitzhut hervor.

3m blauen Duft bes Abends breitet sich wie ein Paradies das Etschtvl aus. Leuchtende Obstgärten und Welschkornfelder, lustoolle Landhäuser mit rauschenden Springbrunnen, lachender Himmel über blühenden Weinbergen, Iasminduft und Ouellengeriesel überall! Smnbetörend lachen die Mädchen, große Korallen im Dbr, voll Anmut unb Grazie schreiten bte schlanken E>d)önen mit den dunklen Augen durchs Tal, und ihre Lippen locken wie rote Giftbeeren im dunklen Walde, südlich lacht hier das Leben, sinnbetörend lachen die Widchen!

Rositta Belmonte ist die schönste von allen, und dort bas Haus auf einsamer Höhe zwischen den dunklen Zy­pressen ist ihr Königspalast. Ein Landhaus im italieni­schen V'.llenstil, maisgelb getüncht und rosa gefärbt. Brette Faffaden, gekuppelte Säulen und Bogenfenster, das flach vorspringende Dachgesimse mit verwitterten Fresken und Skulpturen bedeckt, schmal vorstehende Dalkone alles erinnert an den Süden. Vielleicht hat der stolze Bau einstmals einem ebenso stolzen Fürsten- gcschlechte als Sommerrestdenz gedient unb rauschende Feste mit schönen Damen, galanten Kavalieren und- mischen Nobili gesehen; jetzt ist er seiner Pracht ent- kleidst, mit Schmutz bedeckt, von wildem Sch'ingge- wachs überwuchert und von feiner stolzen Höhe herab­gesunken zur verrufenen Dftcria, in der das scheue Ge­lichter des Trentino Stelldicheins gibt und seine nächt- lichen Orgien feiert

In einem großen, saalartigen Zimmer mtt verbli­chener Pracht, das in bläulicher Dämmerung fliegt, da die Blätter des Weinstockes einen blaugrünen Schimmer um d>« Fenster weben, steht die Herrin des krause»

dmigsänllem beschäftigt sind, ohne Zett- unb Brotverlust in der Prwatindustrie umerzubnngen.

Die LoS von Rom-Bewegung

in der Tschecho-Llovakei.

Aus Prag rorrb derKatholischen Korrespondenz" ge­schrieben:

lieber die katholische Kirche der tschecho-flovakischen Republik ist eint schwere Heimsuchung hereingebrochcn: eine unheilvolle Abfallsbewegung, hervorgerufen und ge- nährt durch einen raffinierten Kulturkampf.

Was wir jetzt hier erleben, ist im Grunde genommen ehre Wiederkehr der Ereignisse, bte wir vor anderthalb Iahrzehnlen zu beflogen hatten. Die Abfallsbewegung, die damals entsetzte, fteilich in wett geringerer Stärke als heute, wurde aus Preußen und Sachsen ins Land ge­tragen. Träger dieser Bewegung waren die Abgesandten des Evangelischen Bundes, die mit ihrer Los von Rom- Hetze in den mährischen urtb böhmischen Landen eine Agitation im Sinne der Alldeutschen verknüpften. In gleicher Weise wird heute die antrkirchliche Propaganda mtt national-chauvmistischsr Agitation verbunden, mir daß es diesmal nicht deutsche, sondern tschechischeNationale" und Kirchenfeinde sind.

Die KalholikenfeinÄe sind hauptsächlich in der tschechi- scheu national-sozialistischen (kleinere Gewerbetreibende unb Beamte), in der sozialdemokratischen (Arbeiter) und in der nationaldemokrattschen (Intelligenz) Partei organi- fiert. Obschon ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele vielfach weit auseinander gehen, fanden sie sich zusam­men zu einer Aktion großen Stils zu Gunsten des Frei- denkertmns unb der sog. tschecho-slovokischen Kirche, die im Januar 1920 gegründet wurde. Da sie auch in zahl- reichen Gemeindeoertretungen Prag, Pilsen, Pardu­bitz usw. die Mehrheit haben, steht ihnen nicht nur der staatliche, sondern auch der kommunale Deamienappa- rat für Agitation gegen die katholische Kirche zur Der- fügung. Ihre Macht nutzten sie weidlich aus, besonders als es galt, bei der Volkszählung im Februar ein für die Kirche möglichst ungünstiges Ergebrsis zu erzielen die römisch-katholische Kirche zähite in der Tsch cho-Slo- oakei rund 11 700 000 Seelen, während etwa 590 000 zur griechisch-unierten unb 931 000 zur protestantischen der verschiedenen Bekenntnisse rechneten. In den Rathäusern, auf den Postämtern, in den öffentlichen Lesehallen wurde in Proklamationen zum Abfall von der katholischen Kirche aufgeforbert, sog. Abfallskanzleien wurden errichtet, die Anschlagsäulen mußten zu giftgalligen Derungkimpsun» gen derrömisch-katholischen Kordatsch (Prager Erzbischof) Kirche" herhaiten, die in der wahnsinnigen Versicherung gipfelten, ausgerechnet Tschechien sei berufen, Rom den Todesstoß zu versetzen! Und die Ma^-n suchte man zu ködern durch den Hinweis auf den Geldbeutel, auf eine angeblich zu erwartende hohe (bis zu 600 Kronen be­tragende) Kultussteuer, die die römischen Katholiken bei der in Aussicht stehenden Trennung von Kirche und Staat zu entrichten litten.

Es wird noch geraume Zeit dauern, bis die genauen Ergebnisse der Volkszählung vorliegen. Erst bann wird sich übersehen lasten, welchen Erfolg die Agitation gegen die Kirche gehabt hat. Wir rechnen auf katholischer Seite mit einer Einbuße von etwa 15 Prozent, soweit die tschechische Bevölkerung in Frage kommt. Insbeson- drre dürste Böhmen davon betroffen fein, wo freit'j) die deutsch-sprechenden Gebiete eine Ausnahme machen, denn hier hatte die Agitation der Freidenker für Kon­fessionslosigkeit fast gor keinen Erfolg. Die katholische Slovakei mit ihren zweieinhalb Millionen römischen Kacholiken blieb von der Abfallsbewegung ebenfalls fast unberührt. Noch dem Urteil der protestantischenKostnicke Iiskry" istder Austritt der Kirche in der Slovakei bis setzt ganz unbedeutend, beim bislang hat die Abfalls­bewegung dort nur bei ber tschechischen Intelligenz (Be­amte in der Slovakei) oder bei der organisierten Sozial- demokrotie Freunde gefunden". Zum Unterschied von den Ländern der böhmischen Krone kann man nach dem Urteil dieses protestatnischen Organsin der Slovakei nicht von einer antirömischen religiösen Bewegung reden". Einst- weilsn tut man gut daran, auch die Ziffem, die aus ein­zelnen Orten Böhmens beretts gemeldet werden, noch mtt größter Vorsicht aufzunehmsn, denn es handelt sich hier lediglich um Schätzungen, nicht aber um end­gültige Ergebnisse.

Geradezu märchenhafte Zahlen weiden auch genannt, wenn vom Abfall der katholischen G e i st l i ch e n die Rede

Regina Belmonte, die Königin der Berge, hochaufge- richtet in der tiefen Fensternische. Trotz ihrer Jahre ist sie noch immer ein schönes Weib hoch und schlank, leicht zur Fülle neigend, mit den hochmütigen, mar­morkalten Zügen einer Agrippina, mit dem düsteren Gesichte einer Nonne und der stolzen Haltung einer Sibylle. Ein weiter, dunkler Mantel hüllt sie vom Halse bis zu den Füßen ein, in besten Falten tausend Rätsel unb düstere Geheimnisse zu schlummern scheinen. Ihre dunklen, großen, weitgeöffneten Augen sprühen in jugendlichem Feuer, ihre DNcke funkeln wie Dolche.

Ringsum war Totenstille ... Die satten Zypressen standen regungslos, mit gesträubten Haaren, wie rie­senhafte Wächter bei dem Palaste ihrer Herrin.

Nun klang eine wehmütige Melodie über die stille Höhe düster und traurig wie ein Totenlied.

Regina Belmonte schob mit ihrer wohlgepflegten Hand den Blättervorhang zur Seite. Unter den Zypres- fen saß ein junger, schwarzhaariger Bursche und blies auf dem Pifferv, der italienischen Schalmei, ("in Abend- lied. Vielleicht war es auch dn Trauer- ober Liebes­lied.

Regina Belmonte furchte die Brauen. .Sollte der junge Pifferaro fein Herz entdeckt unb an Rositta ver­loren haben?" flüsterte sie.Das märe bumm könnte aber auch ein Vorteil sein für die Zukunft. Dann ist er stets ein fügsames Werkzeug, ein Dolch in meiner Hand" Sie fetzte eine kleine, silberne Pfeife an den Mund und stieß einen kurzen Pfiff aus. Der Pifferaro fuhr zusammen, brach sein Spiel ab unb flog zum Fen­ster:Du befiehlst, Domina?"

Geh hinab ins Tal unb labe die Getreuen zur 53er- fammlung für heute nacht," sagte sie.Glocke neun- Aber vergiß keinen."

Nein, Domina, ich habe alle im Kops."

Um so bester, Angelo. Unb damit Dir der Weg nicht zu sauer wird, fülle Dir in der Küche die Taschen mit Feigen und stecke Dir eine Zigarette in den Mund . . . Bist Du nun zufrieden?"

Mehr als das ich bin glückselig. Grazia, Sig­nora! Mille grazia!"

Er sprang leichtfüßig ins Haus unb verließ es schon nach wenigen Minuten wieder, eine Zigarette im lin­ken Mundwinkel. Stolz schritt er ins Tal hinab, eine blaue Rauchfahne wehte hinter ihm drein.

Den wäre ich für sechs Stunden los," sagte Re­gina Belmonte,unb nun zu Rositta."

Sie ließ einen Gong ertönen, unb gleich darauf trat RoNtta ein strahlend in Jugend unh Sckönheit, Pian­

ist. Es dürfte stch aber um kaum mehr als 170 abtrünnig geworden« Priester handeln: hiervon ist etwa ein Drittel in den Dienst der ffchecho-slooakischen Abfallskirche getre­ten, während die übrigen sich weltlichen Berufen zuge­wendet haben. Di«Iesnota", ein Bund von Geistlichen, der für einenationale" Kirche unb trie Verehelichung bsr Geistlichen kämpft, ist vom Prager Erzbischof aufgelöst worden. Höchst bettübend fft der Stand des priester­lichen Nachwuchses. Während in früheren Jahren in bet Frager Erzdiözese, di« rund zweieinhalb Millionen Ka'.ho- ltten zähl», wenigstens 4050 Priesteramtskandidaten (einschließlich der Ordensgeistlichen) b!e Priesterweihe er- halten konnten, sind es diesmal nur neun, 3 Tschechen und 6 Deutsche! Die religiöse Stumpfheit weiter Kreise der Devölkerurg kommt in diesen Zahlen klar zum Ausdruck.

Das alles stnd schmerzliche Feststellungen. Aber bte Scheidung, so betrüblich sie fft, bedeutet zugleich Klärung. Dos Schifflein der Küche wirst von Zett zu Zett Ballast aus unb steuert dann um so leichter durch die hochaus­spritzenden Wogen.

Bolschewismus vor 125 Jahren.

Der brave alle Ben Akiba hat noch immer recht brhaitrn. Alles schon dagewesen! Selbst der liebet« Lenin in Petersburg, der sich als Präsident derNörd­lichen Kommune" mit Erfolg bemüht, bei der Aus­rottung derelenden Bourgeoise" seine bolschewistischen Genossen im übrigen Rußland in den Schatten zu stellen, Herr Sinowjew, der in Halle so offenherzig etwas über die bolschewistischen Originalmethoden zum Besten gab, hat schon vor fünf Viertel Jahrhunderten einen Vorgänger gehabt. Freilich haben Babeuf und seine Freunde nicht die Zeit gesunden, Fett anzu­setzen. Die Franzosen waren damals offenbar noch nicht reif für solche hohen Ideale, und so blieb die Bebeufsche Bewegung vom Jahre IV (1768) nur eine Episode.

Genau wie die Bo'schewiki machten sich auch Babeuf und Geirossen höchst wenig aus dem Volkswirten; je­mand, der dem Volke ernstlich das Glück bringen will, muß auch die Courage haben, das Volk im Notfälle gegen feinen Millen glücklich zu machen. So lau.ete schon damals die Parole. Von diesem Gedanken bis zur Unterdrückung einer jeden Art von Parlament ist nur ein Schritt, den auch Babeuf ohne Zaudern getan Der erste Punkt feines Programms war die Eadotie- tuirg der Wahlen. Wenn er trotzdem dem Gedanken einer Nationalversammlung Raum gab, so tat er es des­halb, weil er der Gefügigkeit der Versammlung sicher sein konnte. Und das komlle er, weil er sich die Er­nennung der meisten Mitglieder selbst coibei/cuien hatte.

Zur Verwirklichung feines eigentlichen Programms schritt Babeuf sehr bald. Er begann mit einer Art Eoziali fierung des Lebens nüttelhanders, indem er die Bäcker und Weinhärkcler zwang, dem Volke unentgeltlich Brot und Wein zu liefern. Als sich das auf die Dauer nicht durchführen liefe, entschloß er sich, ihnen eine Entschädigung aus der Naattkafee zu ge­währen. Dann ging er an dieSozialisierung" der Währungen. Ein Dekret ordnete an, daß sich die Ob­dachlosen und schleck t Behausten bei ihren wohlhaben­deren Mitbürgern einquartieren sollten. Ganz wie in Rußland. Um die Ausführung der Anordnungen zu sichern, griff man zu terroristischen Mitteln.Jede Widersätzlichkeit wird mit Gewalt unterdrückt werden," erklärte Babeuf,die Widerspenstigen werden ausge- rottet," und er drohte ihnen mit dem Aushängen. Lei Anwendung solcher Mittel werde der Widerstand, meinte er, weder sehr stark noch von Dauer sein.

Doch das waren alles nur die Vorbereitungen, der erste Schritt auf dem Wege zur Zukunstsgcfellfchaft, deren Grundlage Babeuf in dem Satz zu-ammenfaßte: ..Wirklich? Gftjchl eit oder der Tod." Selbstverständlich soll'? auch schon iamcls das gesamte Eigentum, dieses Erbübel aus der Tyrannenzeit", mit Stumpf und Stil abgr schafft werden. Und Labeuf ist der erste, der den Besitz ein Verbrechen genannt hat. Zuerst ging es natürlich ebenso wie in Rußland an die Verteilung des Grundbesitzes. Babeuf dekretierte,daß alle Güter der Ausgewanderten, der Verschwörer und Volksfeinde un­ter die Vaterlandsrerteidiger und Notleideni-en verteilt werden." D'e Emigranten waren leicht zu erkennen. Schwieriger hätten dir Dinge schon für die Verschwörer und Volksfeinde gelegen, wenn Babeuf die Frage nicht höchst einfach mit der Erklärung gelöst hätte, daß unter Verschwörer u. Volksfeinden die Besitzenden zu verstehen seien. Mit anderen Worten, jeder formte nehmen, was

gend im Schmuck seidener Gewänder.Hier bin ich, Mutter "

Regina Belmonte sah sie lange an.iieme ent­scheidet sich Deine Zukunft, sagte sie mit ihrer tiefen, wohllautenden Stimme.Bist Du Dir besten und Del- ner Pflichten als Mitglied der Irredenta bewußt?"

Gewiß, Mutter"

Bist Du auch Deiner Macht über Michael Pallanta sicher?"

Hab keine Sorge, Mutter. Ich halte ihn in meiner Hand wie diese Drange, und wenn ich es befehle, muß er fein Herzblut lassen." Sie preßte die Blutorange so heftig zusammen, daß der rote Saft cusfprifete und schlug dann ihre kleinen, blitz, m Raubtierzähne in das rosige Fleisch der duftenden FruchtMichael Pal­lanta ist Wachs in meiner Hand, und wenn Du es be­fiehlst, reifee ich ihm das Herz aus dem Leibe und lege es als Opfergabe auf den Altar des Vaterlandes." Und wie einen Schwur schmetterte sie den Dcrdischen Hym­nus in den Saal:

Italia, mein Vaterland,

Dir diene ich mit Herz und Hand!"

Da begann Regina Belmontes Gesicht zn strahlen, nnd sie küßte Rositta leidenschaftlich auf Mund unb Wangen.Diavo, Rositta! Du bist Deiner Mutter roürbhe Tochter!"

Und während Rositta das Lied zu Ende sang, stand Regina Belmonte hochaufgerichtet, die Hand zum Schwur erhoben, wie die Statue einer Göttin, am Fenster und lauschte den Tönen Erst als Rositta geendet hatte, liefe sie sich lang'am, mit einer schmerzevollen Gebärde in dem stolzen Gesichte, auf den gepolsterten Fenstersitz nie. der und rührte sich nicht von der Stelle. Denn ihre Fuße waren teilweise gelähmt, unb die berühmtesten Aerzte von Trient bemühten sich seit Jahren, das Uebel zu heilen, ohne daß es ihnen gelingen wollte. Nur eine leichte Besserung war konstatiert, aber an diese knüpfte Regina Belmonte alle Hoffnung.

In diesem kranken Körper aber wohnte ein stolzer, kühner Geist, der die verwegensten Plaue smmiedele. Sie beherrschte das ganze Trentino, unb alle Fäden der Dmschwörunq liefen in ihrer Hand zusammen. Dieses einsame Hans war Ihre Königsburg: hier hielt sie ihre nächtlichen Versammlungen ab, bei denen stt das Fmer des Haffes gegen Oesterreich schürte, die Trägen auf­peitschte, die Lauen entflammte und zur Rache an- spornte. Don diesem Herrsch"rsitze ans erteilte sie ihre Befehle, an diesem kleinen Marmortifche diktierte sie

ihm gut dünkte. Für die Armee galten dieselben Grundsätze. Jeder Soldat war selbstrerständlich Eigen­tümer seiner Uniform und Waffen, aber er erhielt auch noch offiziell das Recht der Plünderung zugefprochen. Als Stützen der neuenOrdnung" im Innern ward« evth eine Rote Garde gcfchmfrn. Sie rekrutiert« sich aus Freiwilligen, die einen hohen Sold erhielten, uno deren einzige Aufgabe darin bestand, die schlechten Büroer zu bekämpfen, denen es einfallen soll:«, ihren Besitz zu verteidigen. Das Bobeufsche Regiment, hat nur wenige Wochen gedauert. Dann kam das Direk­torium, das ihm ein Ende wachte und das seinerseits selbst der Schrittmacher war sür das Kaisertum.

Aus dem Nachdargebiet.

s= Poppenhausen (Rhön). Der Dienstmagd Ro­salia W e ck m a u n irr Somborn (Bezirk Kassel) ist für 25jährige treue Dienstzeit bei dem verstorbenen Herrn Dechanten Dr. Fischer in Poppenhausen ein Geldgr- schenk des Kreises von 50 Mark und ein Anerkonnungs- schreiben bewilligt worden.

Gersfeld. An der städtischen Brunnenleitung im Ehrengrund wußte kürzlich eine schadhafte Stelle aufgegraben und ausgebeffert werden. Während der Arbeitspause wurden von böser Bubenhand die freigelegten Tonrohrstellen mit Holzstücken verstopft, Dadurch niachte sich eine mehrtägige für die Stadt kostspielige Arbeit nötig. Jugend von heute!

Au« der Rhön. In Fladungen verschied der frühere Postverwalter, Posthalter und Gasthosbe- sitzer Heinrich Full. Mit ihm ist eine bekannte und bettelte Persönlichkeit der Rhön dahingegangen. Diele Rhönfreunde kehrten beim alten Full in derPost" zu Fladungen ein. Man lauschte dann gern den Er. zähiungen des alten Herrn, der wohl auch als Original geschätzt und geachtet wurde, namentlich seiner Schilde- rungen aus seinen Wanderjahren wegen, die ihn nach Oesterreich, Ungarn und dem Balkan brachten. Er machte auch den Feldzug 1870-71 mit.

mc Offenbach (Main). Montag früh sprang am Nebenbahnhos ein jungverheirateter 21jähriger Mann von einem einfahrenden Zug zu früh ab und wurde von einem noch lausenden Wagen erdrückt. Der Verunglückte war sofort tot.

mc Frankfurt a. Hl. Die Leiche des -verstorbenen Stadtpfarrers Prälaten Ludwig A b l wurde von Hof- heim nach Frankfurt überführt und wird im hohen Dome aufgebahrt. Don hier erfolgt die Be­erdigung nach dem Hauptsriedhof. Der Leichenzug, an benf sich die gcf-^ ten Pfarreien und katholischen Ver­eine der Stadt beteiligten, durchzieht die Stadt.

spd Frankfurt a. 211. Am Postamt 9 haben fünf langjährige Postschaffner und zwei Postaus Helfer nachts, wenndie Luft rein war" seit dem Jatzc« 1917 systematisch die ihnen anvertrauten Post- pakete beraubt. Die erbeuteten Waren, Lebens­mittel, Kleider, Schuhe, Stoffe und unzählige ander» Sachen, wurden von den Dieben auf dem Börneplatz verschachert. Für etwa 60 000 Mark Waren konnten bei den Leuten noch beschlagnahmt und der Post zurück- gegeben werden. Für die Beraubung der Pakete hat­ten die inzwischen verhafteten Diebe ein förmliches System cuegeflügelt, das erst durch Zufall entdeckt wurde und dann zur Entdeckung der Täter führt«.

A Gemünden a. 2H. In der Nacht zum Sonntag wurde in der Pfarrkirche zu Harbach e inge­bt o dj e n. Der oder die Diebe konnten als Beute eine Monstranz und einen silbernen Becher mitnehmen.

fpd Wiesbaden. Die Zahl der stellenlosen Schulamtsbewerberinnen beträgt im Re­gierungsbezirk Wiesbaden gegenwärtig rund 200. Da­gegen kann die Nachfrage nach Hauswirtschaft- lichen Hilfskrästen aller Art in keiner Weise befriedigt werden.

vermischtes.

* Die Slegessäulen-Alkenläker verhaftet. Montag abeni gelang es her Berliner Potizel, eine Reche von Personen ftstzunehmen, unter benen sich bi« Hauptschuldigen am SegessäMn-Attentat befinden. Sre waren schwer b e» wassnet bei einer Beratung, die offensichtlich neue $er- brccherische Unternehmungen zum Gerenstand hatte. Der Zugriff der Polizei geschah so plötzlich, daß jeder WÄer­stand im Keime erstickt wurde. Mehrere der Festgenom­

bas Urteil über unliebsame Beamte in Tirol, unterzeich­nete ihre Todesurteile wie ein Fcmrichter . . .

Ein weitverzweigtes Netz von geheimnisvollen Fa­den lief durchs ganze Land, ein Heer von Verschwörern biente ihr, und ihre Agenten unb Spione durchzogen ganz Tirol, ohne daß es jemand ahnte. Sie beherrschte diese Welt unb die paradiesischen Täler, ohne daß es das Delk wußte, sie war die ungekrönte Königin dieses Reiches. I

Ein geheimnisvoller Nimbus umgab sie; manche hiel­ten sie für eine entthronte unb verbannte Fürstin, an­dere schrieben ihr geheimnisvolle Zauberkräfte zu, und bte Abergläubigen sprachen gar von einem Geisterver­kehr mit König ßaurin, der droben in den Eisregionen des Rosengartens Hof hielt und umgeben von feinem Hofstaat, von tausend Schneejungfrauen, weißen Wölfen und seinen Schneeablern, im Sturmgebraus durch fein weites Reich fuhr. >

Regina Belmonte tat nlckffs, um die Märchen, bte sich um ihre Person gebildet hatten, zu zerstören. Sie ließ die Leute bei ihrem Glauben. 3e geheimnisvoller ihr Leben war, desto mehr Bewunderer fand sie, umso treuer dienten ihr die Menschen.

Unb alle dienten ihr, auch ihre Tochter. Als diese ihr Sieb beendet hatte, setzte sie sich zu ihrer Mutter, schlang ben Arm um sie unb sagte:Laß uns Abschied feiern, Mammina, heute ist der letzte Tag, an dem ich bei Dir bin."

Regina Belmonte fuhr ihr über bas üppige, blau­schwarze Haar.Ja Abschied", sagte sie.Aber n-cht in Trauer, sondern in Freude. Wir haben unser Ziel erreicht. Du wirst die Frau bes reichsten Mannes von Salan. Wir waren bisher arm heute hebt ein neues Leben für uns an der Siern der Belmontes ist im Steigen. Neuer Glanz wird unfern Namen umstrahlen unb wenn erst unsere Zeit gekommen ist, ziehe ich zu Dir nach Salan ünb nehme Besitz von dem Reichtum, der- uns zufallen wirb. Vergiß bis bahin niemals, was ich Dir jeden Tag mit Flammenschrift ins Herz schrieb: Italien über alles! Lerne Deinen Mann unb die Men­schen zu Salon zu beherrschen, daß Dein Wille oberstes Gesetz ist, daß sie Deine Sklaven werden. Dieses schöne Land muß unser werden unb seine Schätze an Wein und Obst, an Frucht unb Vieh müssen uns zufallen, über kurz ober lang Für die nord sehen Barbaren die Arbeit für uns, die Kinder bes Südens, das Ge­nießen, die Stift unb Freude! Vergiß das niemals, Ro- fitta. Bald wird mein- Saat aufgehen und bas blühende Land von Trient bis zum Bretsch unser eigen sein. Dann