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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 68.

Verantwortlich füt den ceüouwriellen Teil: Karl Schütte - für Vie Anzeigen: I. Parzeller-Fulda.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda

Fenuprecher Nr. 9. Telegr.-Adre-fe: Fuldaer Zeitung'

Mittwoch, 23* IHärz 192)»

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48. Zahrg.

Ab-

Prozent.

Leobickütz . Kreuzburg . Cber«®loßau Oppeln '. . Kojel. . .

Königshütte Ratlbor . . Rosenberg . Gleiwttz . . Kattowitz Lublinitz Hindenburg Beuthen Dagegen

Groß-Stcehlitz Tainowitz . Rybnik . . Pich ...

Ti-* Zollgrenze am Rhein.

Deutsche Ge enmaßnahmen.

Te" Rnchsrat und der vottswirttchaftl. Ausschuß des Reichstages nahm gestern eine Vciordnui'g belr. Regelung des Warenverkehrs zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet an. TaS von der Entente a:§ Slrafmaßnahme eingeführte Zollregime macht es notwendig, daß die Reichsregierung in der Lage ist, auf schleunigstem Wege Maßregeln zu er­greifen, um br andere 2chädigun gen der deuschen W itschast zu verhindern. Insbesondere wird nach Möglichkeit zu verhindern sein, daß nötige Inlandswaren in das besetzte Gebiet abströmen, und daß unerwünschte Auslandsware durch das besetzte Gebiet in das unbe ehre Gebiet erndringt. Eine Erweiterung der bestehenden Boischrijten der Außenhandelskontrolle wird sich nicht vermeiden lassen, insbesondere wird u. a. eine von deutscher Seite einzurichtende Rhein kon tro lle, eine lieber- wachung des Zuflusses und Abflusses von Ware statlfiuden müssen. Die Verordnung wurde ein­stimmig angenommen.

Durch französische Truppen besetzt.

Am Montag wurde der Bahnhof Osterfeld bei Oberhausen, der für die Verbindung zwischen Oberhausen und Essen wichtig ist, durch französtiche Truppen besetzt.

öffentlichen Aemtern. Wir proklamieren aufs Neue die 17. März noch nicht geschehen sei und besteht erneut Gleichberechtigung der Sprache in Schule, k gyf schleunige Durchführung der Pariser Forderungen. m"— -------- re,,r,*t h'*6 h" flO,rre ' Bekanntlich ist das n«ue Wehrgeseß, sowie eilt

Gesetz zur Ausführung der Artikel 177 und 178 des

Vertrags von Versailles, in den letzten Tagen verab» schiedet worden. — Es ist wahrscheinlich eine bewußt« I Schikane des Generals Rollet, daß er diese Note gerade i an dem Tage überreichte, an dem, wie er genau wußte, ! die von ihm verlangten Gesetze im Reichstag cmgenom- j men worden waren.

Der belgische Einfuhrzoll.

Der belgische Ministerrat entschied, die Zwangs­maßnahmen, die die Konferenz von London beschlossen hat, ebenfalls auszusühren. Ein Gesetzentwurf, daß eine Ausfuhrtare, die 50 Prozent nicht überschreiten darf, eingehoben wird, wird demnächst der Kammer zugehen. Die deutsche Durchfuhr nach Antwerpen soll nicht der Ausfuhrtaxe unterliegen.

Die französischen Gewerkschaften und der Wiederaufbau.

In einer vom französischen Allgemeinen Slrbetts- bund veranstalteten Tagung wurde ein Ausschuß ein­gesetzt, der eilt praktisches Wiederaufbauprogramm ausarbeiten soll. In dem Ausschuß sind alle betroffenen Departements vertreten. In der Aussprache führte der Führer des Arbeitsbundes aus: Die gegenwärtige Lage fei sowohl in nationaler wie in internationaler Beziehung unhaltbar. Seit dem Waffenstillstand sei kaum etwas geschehen für die Besserung der Lage in den verheerten Gebieten. Durch die Verquickung mit den politischen Interessen sei die praktische Lösung hintangehalten. Am 31. März treffe man sich mit den Vertretern der deutschen Gewerkschaften. Er hoffe, daß er die Möglichkeit haben werde, mit ihnen die Wiederaufbaufrage praktisch zu besprechen. Der Abg. Lebas, Bürgermeister von Roubaix, schloß sich diesen Ausführungen an und erklärte, daß die franzö- sischm Arbeiter keinerlei Konkurrenz von den deutschen Arbeitern zu befürchten hätten, im Gegenteil sei ea durchaus möglich, die beiderseitigen Interessen mitein­ander in Einklang zu bringen.

. 99 6

. 96,4

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. 50,2

Rach der Abstimmung. Das Gesamtergebnis.

Nach dem von der Interalliierten Kom­mission festgestellten Ergebnis hat die Gesamtab- stimmung in Oberschlesien ergeben 716 4 06 Deut­sche und 471406 Polen. Das sind 60,31 Proz. der Stimmen für Deuifchland, 39,69 Pro». Stimmen für Polen.

Kusland.

** Oesterreich. Die Eisenbahner aller Ka'e» eorien forbem bis Freitag oder SomSiog vor Ostern wieder einmal Vorausdezahlun en oder Lohn­erhöhungen, widrigenfalls sie weitere Enischließungen in Aussicht stellen, womit offenbar der '21 u S ft a n b angedrobt werden soll.

* Ein französisch-tschechisches IHilifärabfommcn ist soeben abgeschlossen worden. Wie verlautet, trifft es Vorsorge für den Fall eines monarchistifchen Umstur­zes in Deutsch-Oesterreich, Deutschland oder Ungarn, ferner für den Fall eines bolschewistischen Umsturzes in Deutschland oder Oesterreich und schließlich für den Fall eines auch nur teilweisen Anschlusses Deutsch- Oesterreichs an Deutschland. In diesem Fall hätte die Tschechoslowakei die Aufgabe, Ober- und Niederöfter, reich sofort zu besetzen.

* England. Auch das englische Oberhaus har die 50prozentine Einfuhrabgabe angenommen.

Folgendes sind die Prozeichlffern zu Gunsten Deu.fchlands in den einzelnen Kreisen des stlmmungsgebietes;

Deutsches Keich.

** Berlin, 22. Märrz. Das Reichskabinett hat die sofortige Einbringung eines Gesetzentwurfs betr. die gesetzliche Höchstarbeitszeit im Berg­bau unter Tage beschlossen. Hiermit wird die Re­gelung der Ueberschichten lediglich zu einer Frage der Produktions- und Lohnhöhe und es ent­fällt bei den Bergleuten der zum Teil noch bestehende Verdacht, daß die im Schiedsspruch für das Ruhrge­biet yorgefchlagene Beibehaltung von vorläufig vier Ueberschichtestundcn zur Wiedereinführung des regel­mäßigen Achtstundentags unter Tage führen könnte.

* Trengelöbvls des Kölner Zentrums. Der erwei­terte Ausschuß der Kölner Zentrumspart« gibt In einer Entschließung der rückhaltlosen Genugtuung darüber Aus­druck, daß die bevollmächtigten Vertreter der deutschen Neichsregierung auf den Londoner Verhandlungen es ab­gelehnt haben, die Par ser Beschlüsse zu unterzeichnen. Er bezeichnet die «ng^irohten und teils bereits vollzogenen Sanktionen als im schroffsten Widerspruch mit dem Frie­densvertrag und mit dem christlichen Empfinden stehend. Nur im Hinblick ans die Tatsache, daß neue Teile der gesegneten Gaue der Hsimatprovinz von (Enrentetruppen besetzt sind und angesichts der drohenden wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen erklärt er feierlich: „Keine Macht der Erde wird jemals es vermögen, uns und unsere Kinder nxmfenb zu machen in der unverbrüchlichen Liebe und Treue zum teuren deutschen Vaterland«."

• Krankenkasse und Aerste. Unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. Sietart fand am Montag im ReichsarbeitLministerlum eine Besprechung der großen Krankenkassenverbände und der Aerzteorganisationen statt, um gewisse Grundlagen für die gesetzliche Rege­lung der Beziehungen zwischen Aerzten und Kranken- kasien zu schaffen. Sowohl die Vertreter der Kaffen wie mich der Regierung sprachen sich gegen die gesetzliche Einführung der freien Arztwahl aus. Sogar der Vertreter der Krankenkaffen Württembergs, wo die freie Arztwahl restlos durchgesührt ist, war geaen die gesetz- liche Einführung, obschon er mit großer Wärme für die freie Arztwahl eintrat. Ein weiterer Punkt der Tages­ordnung betraf die gesetzliche Festlegung der Schieds-1 Instanzen, die in dem Berliner Abkommen vom 2)e»i zember 1913 festgelegt worden sind. Auf Grund der Verhandlungen soll ein Gesetzentwurf ausgearbeitet wer-, den, der zunächst zwecks Erörterung beiden Parteien vor- gelegt werden soll. ______

beiten an dem Wiederaufbau dessen, was der Krieg und der Abstimmungskampf verwüstet hat. Wir wollen zu­sammen die Republik Oberschlesien als freien Bundes st aat im Gefüge mit dem deutschen Reich errichten. Der Bruderkampf ist zu Ende. Die von den deutschen Parteien geforderte Amnestie ist gesichert. I Reichen wir uns als freie Männer die Hand zu fried- sicher und fruchtbringender Arbeit zum Segen der Heimat. ,

Pegriißmig der Heimattreuen durch den Reichskanzler.

I In Berlin kam am Montag abend der erste Heim- kehrerzug aus dem Abstimmungsgebiet an. Unter bett Klängen des Liedes „Lobe den Herrn" rollte der Zug

I unter großem Jubel in die Halle. Ob erb ü rgerm ei [t e r Voeß richtete Worte herzlichen Willkommens an die He-mkehrenden. Reichskanzler Fehrenboch begrüßte die Heimkehrer und sagte: Nach sorgenvollen Tagen ist nun endlich wieder Freude eingekehrt. Oberschlesien hat das gehalten, was wir von ihm erhofft, und es hat den Beweis geliefert, daß das deutsche Dolk mit seinem Glau­ben an Obeischlesien Recht behalten hat. Sie haben willig die Anstrengtmgen und Mühen der Fahri auf sich genom­men, um in der Heimat für Deutschland einzutreten. Sie hoben Ihre Freunde und Verwandten wiodergesehen, Sie । haben auf den Ihnen teuren Gräbern gebetet und S!« haben aus den heiligen Brunnen der Heimat wieder getrunken. Sie haben das Bekenntnis Ihres Deutschtums abgelegt. Rur der fft in tiefster Seele treu, der die Hei- mat siebt rote Du! Mühselig war die Fahrt. Greise und werdende Mütter haben sich ihr unterzogen, aber nicht umsonst! Sie haben es getan, damit ihr Vaterland, damit Oberschlesien mit dem Reich verbunden bleibt. Jetzt güt es, von neuem aufzubauen. Das deutsche Ober- schlesien. Glück auf!

Die Ansprache des Reichskanzlers löste nach einigen Augenblicken tiefer Ergriffenheit freudigen Widerhall aus. Rach einem dreifachen Hoch auf den Reichskanzler stimm­ten die Tausende auf dem Bahnsteig „Deutschland, Deutsch­land über alles" an.

Le Ronds böseS Gewissen.

Dem Vorsitzenden der interalliierten Kommission in Oppeln scheint die Anwesende.t ausländischer Presse- Vertreter bet der Abstimmung keineswe-S an enehm gewesen zu fein. ES war ihm sichtlich peinlich, daß sich die Vertreter der neutralen und alliierten Presse ge>ade in den Gebieten aufhielten, die vom polnischen Terror heimgesucht sind. General Le Rond hat deshalb am Samstag versucht, die ausländischen Preffevertreter kurzer Hand noch Oppeln au beordern mit der Be­gründung, sie müßten auS der Gefahrzone herauSge- zo,en werden. Er hat deshalb den Befehl gegeben, die Schlaiwagen, in denen die Journalisten ihr Unterkommen gefunden hatten, nach Oppeln zu fahren. Das Vor­haben des Generals Le Rand ist aber gescheitelt an dem Protest der Journalisten, und zwar in-besondere an den Vorstellungen der englischen und amerikanischen Pressevertreter.

Siegesfeiern. in Polen.

Aus Polen kommende Reisende berschten von Siegesfeiern in ranz Polen über den „glänzenden Er­folg" der polnischen Sache in Oberschlesien. Die pol­nische Regierung hält anscheinend absichtlich das tat­sächliche Abstimmungsergebnis geheim. So berich­ten auch polnische Zeitungen von einem großartigen polnischen Sieg. Ein in Danzig verbreitetes Extra­blatt der „Gazeta Gdansk" spricht von 70 Prozent polnischer Majorität insgesamt. In Kattow'tz seien 90 Prozent, in Beuthen 80 Prozent polnische Stim­men abgegeben worden. Danziger deutsche Zeitungen mit den deutschen AbstimTMingsergebniflen wurden sämtlich an der polnischen Grenze beschlagnahmt unter der Begründung, sie verbreiteten lügenhafte Ab­stimmungsresultate aus Oberschlesien.

Aus dem besetzten Gebiet.

Saargebiet. Die Regierungskommission des Saargt» btctfs Hal verordne,, daß vom 1. Mai ab alle Zahlun- gen ar; und von Aemtern in Frankenwährung zu leisten sind.

Kirchenschänder. Zwei Dragoner d«s in Landau in Quartier liegenden 5. französischen Draganerrcgiments zerstörten in dem Wallfahrtsort Weyher die L o ur- Desgrotte. Sie wurden später in Flemmmgen von der Landbevölkerung ergriffen und ihrem Regiment xu- geführt.

49,2 Prozent

39

37

29

Während also nur drei Kreise eine polnische Mehr- hest von über 60 Prozent aufweisen, haben wir neun Kreise mit mehr als 60 Prozent deutschen Stimmen vnd sechs Kreise, in denen mehr cts drei Viertel Stimmen für Deutschland abgegeben sind, während kein einziger Kreis eine polnische Dreiviertelmehrheit aufweisen kann.

Auf dem linken Oderufer haben sämtliche Wahlkreise sich als rein deutsch erwiesen. In Oberglogan, Leobschütz und Rattbor, das zum Teil allerdings schon auf das rechte Oderufer hinüber­ragt, stehen 130,000 deutschen Stimmen nur 24,000 polnische Stimmen gegenüber.

Auf dem rechten Oderufer sind Pleß und Rybnik überwiegend polnisch, dagegen die Kreise Kreuzburg, Rose-berg und Oppeln mit 163,000 deut chen Stimmen gegenüber 3 ,000 polnischen Stimmen als fast rein deutsch anzusehen. In den nicht zum Jndustriebeziik gehörenden Kreisen Groß- Strehiitz und Lublinitz, tue benachbart aneinander­liegen, Hal Lublinitz mit 1300 Stimmen eine schwache deutsche Mehrheit, Groß-Strehtitz mit 400 Stimmen eine schwache polnische Mehrheit.

Von den zum Industrie bezirk gehörenden Kreien hat Cosel, in dem die O^erunsichlaghäfen liegen, mit 36,000 deutschen Summen gegenüber 1 ,000 polnischen Stimmen und Gleiwitz mit 58,000 deutschen Stimmen gegen 32,000 polnischen Summen sich deutsch entschieden. In Hindcn- bürg ist Stimmengleichheit, Betuhen hat eine deutsche Mehrheit, im Kreise Kattowitz ist ein Uebergewicht von 6000 deutschen Summen, in Kön igshütte unter 42,000 Wählern eine deutsche Mehrheit von 32,000 Stimmen. Eine polnische Meorheit ist >m Jndustriebezirk nur vom Kreise Tarnow itz erreicht.

Die Gefahr der Teilung Oberschlcfiens.

Nicht bloß in der französischen Presse, sondern auch kn vielen englischen Zeitungen wird der Abstimmungs­sieg der Deutschen bitter beklagt, obschon er doch im eigenen Interesse der Entente liegt, soweit die letztere Geldleistungen von Dcuüchlcmd erwartet. Der Haß ist starker, als die Rechenkunst.

Es wird leidenschaftlich agitiert für die Austei­lung von Oberschlesien. Zum wenigften fordert man, daß die drei südöstlichen Kreise, in denen eine polnische Mehrheit sich ergeben haben soll, an Polen ausgelie- fert werden. Andere gehen aber noch viel weiter und wollen nach den wechselnden Prozentsätzen der Ab­stimmung eine durchgreifende Zerstückelung des Lan­des vinleilen, wonach die Polen auch dort einen Bezirk

W° £‘nc "«sehnliche Minderheit aufgebracht ~ $?s 'st ein Hohn auf das demokratische Prinzip, nach dem die Mehrheit emscheidet, und es ist ein Fre- vel gegen die wirtschaftliche Vernunft, da die Zerstük-

Eines hochentwickelten Industriegebietes zur der Produktion, zur Entwertung wichtiger c1"ve„n' 3UJ Untergrabung des Friedens und zur fc^aDigung beider Teile führen muß. Heber die Hab- UvIt t-' l darf man sich freilich nicht wundern; dllly uwso wehr ubbr die Blindheit der englischen und französischen Politik, die durch die Zerstückelung ihre ^Mwen Staatssmanzen schädigen würde. Unser Ver­treter Simons hatihnen auf der Londoner Konferenz doiy wahrlich deutlich genug gesagt, daß Deutsch- *a nd2 "^bsa h i gkx jt mit dem Besitz ’on Oberschlesien steht und füllt.

S°8’£ versagt, pflegt man von »rutschen Rüstungen zu deklamieren. So Dird auch fetzt wieder m em-M, französischen Blättern der Besitz von Oberschlesien glättet Deittsch- and, seine Kampsnnttel zu erneuern und deshalb müsse Dan der Sicherheit Halder möglichst viel an Polen «erweisen. Wir glauben nicht, daß Fach und Genos­sen so furchtsame Leute sind. Wohl aber glauben wir r<rß ihnen dir Gewalttätigkeit über a'lles' kcht, und daß sie' die Zerstückelung Deutschlands an M Ostgrenze nach besten Kräften betreiben, um desto sicherer die Ausdehnung und die Verlängerung der Besetzung im Westen betreiben zu können. Diesen Vampfhähnen macht es keinen Kummer, wenn Deutsch­land zahlungsunfähig ist. 3m Gegenteil: wenn Deutschland hinter den beanspruchten Leistungen zurück- bleibt, so Hot man st dermal den erwünschten Vorwand für weitere Gewatttate.u

Für die französischen Machthaber ist es sehr be­zeichnend, daß soeben in der Gesellschaft der Zioil- ängerrieure Frankreichs, die sich mit der Frage des Wiederaufbaues befassen sollie, der Staatspräsident M i l l e r a n b eine Rede hielt, die von der sachlichen Behandlung zur Hetze gegen Deutschland uberkilete und die Zahlungspslicht Deutschlands be­tonte, ohne sich um dessen Leistungsfähigkeit zu küm­mern. Vernünftiger und staatsmännischer waren die gleichzeitigen Verhandlungen des Allgemeinen Arbri- terverdandes irr Paris, die nach einer praktischen Re­gelung der Arbeiten zum Wiederaufbau ter zerstörten Gebier suchten und die Beihilfe deutscher Arbeiter in Anspruch nahmen! ?

Cs muß beachtet werden, daß mit den französischen Kriegstreibern auch gewinnsüchtige K a p i t a l i st e n an itmfeiben Strange ziehen. Die Vergewaltigung des deutschen Wirtschaftslebens in den Wsstprovinzen schädigt die französische Staatskasse, aber sie bringt mancher Prioatkasse Vorteil. Ebenso steht es mit der Verschleppung des Wiederaufbaues in dem zerstörten Rorüsrankreich: der Staat und eine Masse der Kriegs­beschädigten leiden darunter; doch man will keine deut­schen Pläne und keine deutschen Helfer, weil sich dann nicht mehr die profitablen Schiebungen machen lassen. Diese skrupellosen Spekulanten rechnen auch darauf, daß in Oberschlesien für das französische Ka­pital um so mehr zu ergattern ist, je mehr an das un­fähige Polentum zugcwiessn wird. Militarismus und Kapitalismus gehen Hand in Hand bei der weiteren Untergrabung des Friedens.

Aus den kapitalistischen Einflüssen erklärt es sich mny, wenn so viel englische Blätter die französi­schen Treibereien iMterstützen, obschon die Englänser aocy in der schwebenden Frage einen weiteren Blick und ein sachliches Urteil haben sollten.

Wird Lloyd George in der jetzt brennenden Frage der Auswertung der oberschlesischen Abstimmung sich ebenso nachgiebig gegen die französischen Gelüste zeigen, wie in der Entschädigungsfrage zu London? Davon hängt ungeheuer viel ab, nicht bloß für Obrr- , schlesien selbst, sondern für die gesamte weitere Ent- wickiung in Europa.

-ttajj wir in Oberschlesien die Mehrheit errungen haben, war ein Schritt vorwärts, doch erreicht ist oas Ziel noch nicht. Wir müssen uns noch wehren gegen ine angestrebke Zerstückelung Oberschlesiens. Eine Un- terstutzung hierbei dürfen wir durchaus erhoffen, oaß aus der Londoner Konferenz mit größter Eindring- »chrett klargestellt worden ist, wie sehr die Staatskassen der Entente sich selbst schasrn, wenn sie Oberschlesien n-cht beim bruche lasten und durch dessen Zersplitie- ri.ug Deulschlands Zahlungsfähigkeit vereiteln wollten.

Die Rache der EnLLSuschten.

. DerNn, 23. Mürz. (Trl.) Einsffmmig wel- den fre Blatter aus Kattowitz, daß in den Gc- Meten vstsich und südlich der Stadt der polnische Terror unumschränkt herrscht. Di- interalliierten Beharden versagen den Deutschen jeden wirksamen schütz; auch dis Atstimmun-spoltzei versagte roll- tandig. Die bewaffneten polnischen Ab­er l u n g e n mit ihrer militärischen Abordnung pas- kerten gestern die Grenze und haben eine Anzahl Grenzorte besetzt. Die Ortschaften Dirkmchal, Scop. pmicj, Janow und Nikischacht sind völlig in ihrer Cewalt. Die deutsche Einwohnerschaft flüchtet nach Kattowitz wo sich beim deutschen Abstim- mungskommifsar bereits viele zum Teil übel zuge- richtets deutsche Ftücktlinge gemeldet hal'en. In an- deren Erenzorten, so in Chorzow und Baingow sind Hallsr-voldaten, dre als Abstimmungsberechtigte her- emkommen, st bi glücklich in voller militärischer Aus- rustung und mit Waffen erschienen. Ueberall in die­sen Orten wurde die polnische Republik aus- gerufen. Aus der Kirche und Rathäusern In Bo- pittschutz und Gieschwald sind die polnischen I -leichsfahnen gehißt worden.

* Karlowltz, 22. März. Schon in den Nacst- mittaacstunden betrug die Zahl der deutschen Flüchtlinge, die aus dem Landkreise in die Stadt gekommen waren, 600—700, gegen Abend sind es sicherlich bereits über 1000. Die Polen stehen mit Eummiknütteln bewaffnet umher und prügeln selbst die deutschen Leute fort, die noch am Abstim­mungstag sich in den Orten des Landkreises aufoe- 1 halten hatten. Die Abstimmungspolizei bleibt völlig untätig, ebenso die interallüer- tsn Behörden im hiesigen Kreise. Die Franzosen ha­ben aus Beschwerde hin in der Stadt, in der das völlig überflüssig ist, den Marktplatz besetzt und abge­sperrt, wo sich die Flüchtlinge sammelten. In den Landkreis haben sie dagegen bisher eine einzige I Patrouille von 15 Mann entsandt. Die Grenze nach Polen ist bei Sosnowice offen. Polnische Banden ziehen herüber und hinüber. Die Hölle ist jetzt hier los.

* kattowitz, 22. März. Nach den letzten Mel­dungen weht auf den Rathäusern von B o g u s ch ü tz und N i k i s ch s cha ch t seit Stunden die polnische Fahne. Die deutschen oberschlesjschen Zeitunaen sind dort verboten.

Ein Ausruf an die Oberschlesier.

Verwaltung und Gericht. Wir verlangen, daß der Wille der Mehrheit enffcheldct, daß aber die Minderheit geschützt sein muß gegen jede Zurücksetzung. Wir laben unsere polnischen Brüder herzlich ein, uns die Hände zu reichen und mit uns zusammen zu ar«

Das Plebiszitkomm'ssariat, gez. Dr. Urbanet, erläßt Tie Verhaftung deS Bürgermeisters rind Polizei- elnen Aufruf an die Oberschlesier, in dem es heißt: Die Inspektors in Walsum ist erfolgt, weil im Besitze

Abstimmung hat eine übe^vicgende Mehrheit der dem- des Bürgermeisteis sich ein chinesischer To!ch befun-

schen Stimmen ergeben Die beut;ehe Mehrheit beträgt den haben soll. Die beiden Herren wurden nach slr ei„ ift ««Tm‘r Ä‘ H°i' wi-de- mlalf-n.

Darin liegt eine Gefahr für die Brüder von Tarnowitz, Der Vorsitzende der interalliierten Militärkommis- Pleß und Rybnik. Soll der Oberste Rat aus Eurer flau, General Rollet, hat eine Note an das Aus- tJ5al tren"en wärtige Amt gerichtet, in der er darauf hinweist, daß u°b,9e8rt"ifi Lüsche Regierung durch die Pariser Beschlüsse welches Euch mit'den oberschlesischen Brüdern verknüpft.' i’0-?' ™- '!a™ar ^ufgesordert worden sei, bis zum Oberschlesien ist ein einiges, untrennbares Gan- ! Marz das neue Wehrgcsetz zu verotfent- Z e s, es lebe dos einige, unteübane Oberschiesten! In • lichen und ein Ersetz üb:r die Auslösung aller klarer demokratischer Dollgerechtigkeit fordern mir, daß ! Selbstichutzorganisationen zu erlassen. Ge- jeder Bürger unseres Landes Zutrift haben muß zu allen ‘ wer al Rollet nimmt Vermerk davon, daß beides bis zum