Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
Nr. 67.
BeraMworrUch für den reoauionellen Teil: Karl Schulte. ~ für bk Anzeigen: I. Parzeller-Fulba. u SRotatlonsbrud u. Verlag der Fuldaer Aetienbruckerei in Fulda. Kernlprecher Nr. 9. Telegr.-Abresse: FulboerZeilung
Dienstag, 22. llTärz 1921.
Bezugspreis: Monarlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns adgeholl 3,15 Mk. Anzeigenpreis: Die K lei n ze ile iLolonelmag) 60 pfg„ u. 10"^ Zuschlag, die Reklamezeile (lep breite) 1.80 2Ut„ u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabait.
48. Zahrg.
9er deutsche WillmiWsieg
Rosenberg Kr., Stdt. u
Ld.
Kreuzburg Lubttnitz Tarnowitz Grotz-Strehlttz. . ' ' ' Oberglogau Cosel Gleiwitz, Stadt und Land. Leobschütz ..... Ratibor, Stadt und Land . Kattowitz, Stadt und Land . Königshütte Beuthen Hindenburg Oppeln, Stadt und Land . Pletz
Rybntt
deutsch 24200 43000 15 100
17600 22 500 32700 36300
folgende
polnisch
11400
2300 13800 27000 22900
4500 11700
Bekanntlich hat bi? Rcxarationekommiffion vor kurzem die S ch a d e n a u f st e l l u n g e n der Entente-Staaten der Reich?rcgi"runc »ug ft:!tt und ihr ein? nur ganz unerhört kurze Frist zur Bean'wonung gegeten. ist der Reichsregterung natürlich un- mögtich. die Angaben der Entente-Staaten, die ja in den meisten Fallen gewaltig übertrieben sind, in dieser kurzen Zc't genügend nachzuprüfen, trotzdem tut sie
I natürlich olles, um bi? Prüfung zu beschteünigen. Da ! hat jid; denn nun bei der Nachprüfung etwas recht i Interessantes erzeben. Deuischtand hatte Snchver- 1 Ländige nach Paris geschickt, die mit ten Lachver-
Da brürfte er ihr heftig und leidenschaftlich die Hände. „Vergelts Gott tausendmal!" rief er und alme-e auf," als sei er nun von einer schweren Last befreit. Schau, fttzt ist mir ordentlich leichter, weil ich met' Sünden-
Das arme, bedrängte Deutschland macht doch noch moralisch? Eroberungen, und die werbende Kraft des deutschen Gedankens kann uns zur Stärkung dienen in dem Abwehrkamps, den Reich und Volk gerade jetzt zu bestehen haben gegen fremde Gewalttat und Beutegier.
Der Dank des deutschen Volkes.
Reichspräsident Ebert erläßt folgenden Ausruf: Die deutsche Sache in Oberschlesien hat einen entscheidenden Sieg errungen. Er ist dem einmütigen Einstehen des gesamten deutschen Volkes zu danken. Die eingesessene Bevölkerung hielt ungeachtet aller gegnerischen Versuche, sie dem deutschen Gedanken zu entfremden, in ihrer überwiegenden Mchrheit treu zum Vaterlande. Die stimmberechtigten Oberschlesier aus dem Reich und Ausland hoben, erfüllt von ihrer Siebe zur Heimat, die Entbehrungen und Mühen nicht gescheut und sind, allen Einsch-üchterungsversuchen zum Trotz, vollzählig nach Oberschlesien geeilt, um ihrer Pflicht gegen Heimat und Vaterland zu genügen. Mit der größten Opferwilligkeit haben alle Schichten der Bevölkerung durch die Grenzspende zu den Mitteln beigesteuert, um auch dem Aermsten die Reise nach Oberschlesjen zu ermöglichen. Die A b st i m - mungsorganisationen halfen durch hingehende, unermüdliche Arbeit und mustergiltiges Zusammenwirken das große Werk vollenden. Ihnen allen ohne Ausnahme ist ter bleibende Dank des deutschen Volkes gewiß!
Das Gesamtergebnis.
Das Gesamtergebnis der Abstimmung ist folgendes: 742000 deutsche Stimmen, 472000 polnische Stimmen.
58000 32000 65 100 300
48700 20700 76400 69800 31800 10800 73900 73500 45200 43000 81H00 26000 14400 41000 28500 50000
vom Kreiskontrolleur den Befehl, Nachforschungen an« | zustellen. Als mehrere Beamte das Hotel betraten, wurden sie mit Schüssen empfangen. Sie erstatteten Meldung an den Kreiskontrolleur, der einem englischen Offizier und mehreren Be- I amten den Auftrag gab, nach dem Rechten zu sehen. I Diesen gelang es bald, Ruhe und Ordnung zu schaffen. Ein ähnlicher Vorfall hat sich am Samstagabend ebenfalls vor dem Hotel Lomnitz ereignet. Ein Deutschgesinnter, der sich verbeten hatte, mit polnischen Flugblättern belästigt zu werden, wurde von den Polen in das Hotel Lomnitz geschleppt.
In einigen Stadtteilen von Kattowitz kam es zu schweren Schlägereien zwischen französischen und englischen Soldaten, weil die Franzosen nicht energisch genug gegen polnische Störungsversuche ausgetreten sind. .
Polnische Rache.
I Gewalkkäkigketten — Morde und Plünderungen.
I 3m ganzen Landkreis Beuthen flackern be- forgniserregende polnische Unruhen auf. In I Deutsch-Pickar wurden die Gebrüder Dudek, von denen ter eine Mitglied des paritätischen Ausschusses ist, er- I schossen. Auf der Straße Beuthen-Miechowitz wurde I die Straßenbahn angehalten, sämtliche Leuse her» I ausgezerrt und vor den Augen der Fran- Izosen verprügelt und schwer mißhan. I beit. Einige erlitten einen Neroenchock. Die Ortsstelle I Orzegow des deutschen Plebiszitkommissariats wurde oer- I trieben. Dabei wurden 30 Personen teils schwer, teils I leicht verletzt. Bon Hohenlinde trifft die Meldung I ein, daß die Polen die Straßenbahnen anhal- I t en, Drohungen gegen die Deutschen ausstoßen und mit Gesang durch die Straßen ziehen. Aus Borstellun.
| gen antwortete ter Kreiskontrolleur, er habe keine Leute zur Verfügung. 3n Karg entwaffneten die pol«
I Nischen Apobeamten die deutschen Apobeamten. Die polnische Apo schlägt auf die Leute ein. Heute abend zog
I in Beuthen eine Bande von 60 Polen in geschlosse- | nem Zuge zum Hotel Lomnitz. An den General Le Rond wurde ein Telegramm um Hilfe abgesandt.
I In Karbowa bei Kattowitz wurden Handgranaten I geworfen. In Schoppinitz wurden polnische Umzüge veranstaltet und Gewalttätigkeiten gegen
I die Deutschen verübt sowie die Wohnungen der Deutschen geplündert. Ein abstimmungsberechtigter Ber-
I liner wurde auf der Straßenbahn mißhandelt, I ebenso feine Frau. Ein in einem Kraftwagen vorüber- I fahrender französischer Offizier nahm ihn mit. Schwache > französische Abteilungen wurden nach Schoppinitz ge- I fandt. Eine schwere Schießerei ist zur Zeit im Gange. Die Deutschen flüchten. In Ioscphsdorf ziehen Banden umher und drohen, die Deutschen zu erschlagen. Aus Laurahütte werden gleichfalls Zusammenrottungen gemeldet, welche schwere Gefahren für die Deutschen befürchten losten. Die zuständigen Kreiskonttolleure wurden wiederholt dringend von verschiedenen Seiten um Hilfe gebeten, bisher jedoch ohne jeden Erfolg.
Die Abstimmung in Pietz ungültig?
Wie dem „Verl. Tagebl." gemeidet wird, haben i die Italiener die Abstimmung im Kreise Pietz, die bekanntlich eine bedeutende polnische 'Mehrheit ergab, für ungültig erklärt, weil in diesem Bezirk die Abstimmungsfreiheik durch polnischen Terror stark beeinflußt worden sei. (An zuständiger Stelle ist eine Bestätigung dieser Nachricht bisher nicht eingegangen.)
Die ersten Zurückkehrenden.
Der erste Schnellzug aus dem Abstimmungsgebiet traf gegen ein Uhr Montag nacht in Breslau ein. Heller Jubel begleitete die Einfahrt der einkommenden Züge. Einstimmig war dos Lob der deutschen Abstimmungsberechtigten über die überaus herzliche Ausnahme bei ihren deutschen Brüdern in Oberschlesien.
Die einzelnen Kreise.
Aus den einzelnen Kreisen sind bisher Zahlen bekannt geworden:
packcil las bin Und jetzt, wo mir verzieh'n hast, jetzt gibst mir noch a oanzig's gm's Wörtel mit auf'n Wra, gelt ja?“
• me*n Landolet kannst haben, Herzensbruder —"
T, für den alten Rumpel kästen. Hab junge Fuß'. Addio!" 1 ;
Motto trat ins Haus des Richters, indesten Michael mit federnden Schritten durchs Dorf ging. Ihm war so trügen.”13 er Sl“8et' bie 3« seiner Liebsten
Doch plötzlich gab es ihm einen Stoß, als hätte eine Totenhand nach ihm gegriffen. Er prallte förmlich zu- ruck und starrte ins Fenster der „Alpenrose". Dort stand Gma, blaß wie eine Leiche. Bei ihrem Anblick drohte I ihn die Schuld, die er durch seine Untreue auf sich ge. laben hatte, zu erdrücken. Er konnte nicht oorübergehen, ohne die Last, die sein Gewißen beschwerte, adgeworsen zu haben. Rasch wandle er sich um und schritt aus das Wirtshaus zu.
Als ihn Gina so unerwartet kommen sah, wurde sie ngch um einen Schalten bleicher und wollte aus der Stube fliehen, aber fein bittender Blick hielt sie zurück Die Hände auf das zuckende Herz gepreßt, stand sie ihm gegenüber. „Was hat er mir wohl z' jagen?" dachte sie. „Will er mein Leben durch a gut's Wort ausrichten — oder will er’s vollends zertrümmern?"
Sein düsterer Ernst verhieß nichts Gutes. „Grüß' Gott, Gina," jagte er mit unsicherer Stimme. „Hob nit vorbeigeh'n können, weil mich bas brückt. Woaßt scho, was ich mein' . . . Bin a ehrlicher Kerl, Gina, mag nit lügen und hoamlich tun, drum sog ich's Dir offen.- es kann nit fein. Schau —"
Als er ihr schneeweißes Gesicht und ihren todtraurl- gen Blick sah, verließ ihn plötzlich der Mut und er konnte es nicht über sich bringen, diesem armen Mädchen den Todesstoß zu geben. Ihr Anblick rührte und erschütterte ihn. Mit geneigtem Köpfchen, wie eine geknickte Blume, stand sie da, und Träne um Trane fiel aus ihren lieben, unschuldigen Blauaugen auf ihre blossen Wangen.
Er halte ihr kühl und nüchtern den Abschied ^eben j wollen, aber als er sie so zerbrochen und unglücklich, so ; hilflos und elend und dabei und anmutsvoll, :
üon stiller Liebe erfüllt vor vq, "onnte er nicht j
f)art und grausam gegen sie sein. Seine Schuld an diesem unglücklichen Mädchen wuchs zu einem Berge an, der seinen Racken beugte, und das Mitleid mit ihr war so mächtig, ihr Anblick so rührend, daß es den starken Menschen auf die Kniee riß. „Gina," rief er mit be. beider Stimme, „Gina, tu mir verzeih'nl Schau, ich kann hast nit anders! Ich kann nix dafür, daß ich — die andere soviel gern hab. Weißt, mit der ßiab, da ift’3 wie mit dem Frühling — auf einmal ist er da, uno bann mußt grob jauchzen und Dich freu’n. D'rum tu Dich nit tränten, daß es so tommen ist. Weißt, wo einen ’s Herz hinzieht, ba mußt hingeh'n, ob D' willst oder nit, ba tannft nix dagegen machen, denn 's Herz, bös ist ftärter als der ftärtite Ries'. Dös zieht Dich über Berg und Tal, über Länder und Meer'. Jst's so — oder nit?"
„3a, ja," nickte Gina und zog ihn empor. „Mußt nit knien, Michael, bin jo, nur a armes Menschenkind."
„3a, bös bist," erwiderte er, sich erhebend, „a armes, aber a liab's und guafs Menschenkind. Ich mag Dich a g'wiß recht gern, aber schau, die andere, die ist mit halt doch no viel lieber —"
Sie zuckle zusammen, als würde ihr ein Messer ins Herz gefloßen, aber mit Aufbietung all ihrer Willens- traft bezwang sie den rasenden Schmerz in ihrer Brust und sagte mit ihrer lieben, süßen Stimme; „Dos woatz Ich, Michael. Drum bin ich Dir a nit bös, ganz g'wiß nit —"
-Bist mir wirklich a kein bissel bös?" fragte er er- freut, daß sie so willig auf seine Wünsche einginq.
Sie sah ihn aus wehmutsvollen Augen an, aus denen ihm ein ganzes Meer von Liebe enlgegenleuchteie und schüttelte ihr blondes Köpfchen. „Sein bissel!"
An den deutschen Bevollmächtigten in Oppeln, Fürsten Hatzfeld, hat ter Reichsprüsiteni folgendes Telegramm gerichtet:
Eurer Durchlaucht spreche ich im Namen des ganzen deutschen Balkes unsere allerfreudigste Genugtuung über das Ergebnis der Abstimmung in Oberschlesien aus. Ist auch nach den bisherigen Berichten den Erfolg in emzel- nen Kreisen durch rechtswidrige gewaltsame Beeinflussung beeinträchtigt warten, so bleibt bie unumstößliche Tatsache bestehen, daß sich das oberschlesische Volk in überwiegender Mehrheit für Deutfchlanb entschieden hat. Ein hervorragendes Verdienst an diesem Ergebnis ist Ihrer und Ihrer Mitarbeiter auf- opfernber Tätigkeit zuzuschreiben. Ich bitte Sie und 3brc Mitarbeiter, der steten Dankbarkeit der Reichsregie' rung und des deutschen Volkes versichert zu sein. qez. Ebert, Reichspräsident.
Der Minister des Innern hak ungeordnet, daß sämtliche Dienstgebäute geflaggt werden sollen.
Ter polnische Wahlterror.
Die aus Oterschlesien eingelaufenen Abstimmungs- ergebnisie lassen erkennen, daß die Abstimmung noch um wenigstens 10 Proz. günstiger für Deutschland ausgefallen wäre, wenn die interalliierte Plebiszitkom- mission alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ange- I mentet hätte, um den Terror der Polen, besonders in ten Kreisen Pletz und Rybnik, zu bekämpfen. Aus Telegrammen, die bei der Reichsreg'emng eingelaufen sind, geht hervor, daß es in diesen Kreisen zu haar st raube »den Wahlschwindeleien und zu Vergewaltigungen schlimmster Art von feiten der Polen und Franzosen gekommen ist; es rst schon jetzt als sicher und durch zahlreiche Zeugen bekräftigt festgestellt worden, daß in vielen Städten und Dörfern dieser beiden Kreise die deutschen Wahlvorsteher bei der Ausübung ihres Amtes vergewaltigt worden sind und infolgedessen mußten zahlreiche Wahllokale während ter Wahl geschlossen werten.
Bor dem Hotel Lomnitz in V e u t h e n, dem Sitz der polnischen Propaganda, entstand Sonntag abend ein großer Menschenauflauf, nachdem bekannt geworden war, daß ein Deulschgesinnter von ten vor ter Tür stehenden Wächtern in das Innere des Hotels I geschleppt worden ist. Die Deuthener Polizei erhielt
,,,ten 17 on ter Abstimmung beteiligten ober- schlej,scheu Kreisen weisen also 13 eine deutsche uud nur orer, Pletz, Rybnik, Tarnowitz und Grotz- Strehlttz eine polnische Mehrheit auf. Dabei ist zu berücksichtigen, daß bie polnische Mehrheit im Kreise Er.-Sttehlitz nur wenige hundert Stimmen zählt, andererseits ist auch die deutsche Mehrheit im Kreise Beuthen gering.
Son ten Kreisen mit polnischer Mehrheit stauten Pletz und N y b n i k» die Sirdostecke Oberschiesiens, seit Montern unter ten, schärfsten polnischen Terror. Ob hier in allen Orten die Deutschgesinnten überhaupt es haben wagen können, ihr Stimmrecht auswüben, ^scheint sehr zweifelhaft. Der Kreis Tarnowitz ,m Osten liegt nördlich der Kreise Kattowitz und Beuchen an ter polnischen Grenze. Der Kreis Grotz- Etrrhlitz, ter eine knappe polnische Mehrheit von 400 Stimmen auswrist, liegt genau in der Mitte des Abstimmungsgebiets und ist rings von Kreisen mit deutscher Mehrheit umgeben. In den S t ä d t e n ist durchweg die Mehrheit ter Stimmen für Deutschland abgegeben worden, auch in Mtyslowitz, im Kreise Pletz «nd in der Stadt Rybnik sind die Polen unterlegen
Utter das oberschlesische Industriegebiet im entzeren Sinne an ter östlichm (polnischen) Grenze -zwischen ten Kreisen Pletz imö Tarnowitz läßt sich folgendes sagen: Im Landkreis Kattowitz nörd- lich des Kreises Pletz an ter polnischen Grenze hasten sich Deutsche und Polen annähernd die Wage. Aber die Stadt Kattowitz mit ihrer überwältigenden Mehrtest von weit über 80 Prozent deutschen Stimmen- entscheidet zugunsten des Deutschtums. Auch Königs- jhutte, die größte Gemeinte Oberschlestens, fit zu mtfyc als 80 Prozent deutsch. Das gleiche Verhältnis gilt auch für die Stadt Tarnowitz. Die Stadt Beuthen weist eine glänzende deutsche Mehrheit auf, l« . -m,t. ten umliegenden Ortschaften ergibt flch ein Verhältnis von 60 Proz. deutsch zu 40 Proz. p/vlnisch. Insgesamt hat dos o b e r s ch l e s i s ch e Industrie-
Die Zwangsmaßnahmen.
Französische Derdcehungslünsle.
Das französische Kriegsministerium erklärt zu den Nachrichten über weitere stillschweigende Besetzung, neuen Gebietes, wie der Städte Mülheim, Ham»' ö o r n ufa?., daß diese Nachrichten unrichtig seien. Biei Bewegungen ter Truppen, die stottgesunten hätten, seien „einfache Verlegungen von Vorposten (1)", die nach der Inspektion durch General Weygand für notwendig erachtet wurden. Die neuen Vorposten wurden ungefähr zwei Kilometer weiter nach Osten vorgeschoben; sie befänden sich jetzt direkt an der Ruhr und' können tee Wege nach Duisburg und Ruhrort überwachen.
Hierzu wird deutscherseits treffend bemerkt: Aus diesen gemuntenen Erklärungen geht nur das eine mit Sicherheit hervor, daß die teuischen Pressemeldungen wahr sind, und daß die Ententetruppen tatsächlich in dem Bestreben, wichtige Eisenbahnknotenpunkte in ihre Hand zu bekommen, noch über die in ten Londoner „Sanktionen" genannten Städte Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort hinaus die Besetzung ausgedehnt haben. Die Londoner Sanktionen hielten sich nicht an ten, Frietensvertrag, jetzt hält sich die Entente nicht einmal mehr an ihre eigenen Sanktionen. Die Reichs- rcgierung wird wegen dieses neuen Willküraktes erneut Protest erheben. — Der Protest wird allerdings wenig helfen.
Sie lassen sich nicht in die Karlen schauen.
I gebiet eine deutsche Mehrheit aufzu- I weiten. •
Das Ergebnis ist gut und rechtfertigt die Sieges« I feier, ober das Ergebnis könnte in einigen Punkten I noch besser fein.
I Gut ist die allgemeine Mehrheit von 61 Proz. für I Deutschland. Lberschlesien im großen und ganzen ha- I den wir damit gerettet. Es bleibt jedoch die Sorge, ob nicht einige Erenzteile im Südosten uns schließlich abgesprochen werten, weit in ten Kreisen Pleß, Ryk>- nik und Tarnowitz, durch ten Terror unter ten Arbeitern und durch dte Bauernfängerei mittels Land- versprechungen polnische Mehrheiten aufgebracht wurden, eine ganz schwache Mehrheit auch in Groß- Str e h l i tz. Die Abtrennung von Bezirken südlich von Beuthen oder die Eintreibung eines polnischen Keiles nördlich von Deuthen wäre ein schwerer Schlag für die industrielle und kulturelle Entwicklung Oberschlesiens.
I Die Möglichkeit einer solchen Schmälerung unseres sieges liegt leider in der Hand der Entente, da der Vertrag von Versailles leitet nicht das Gesamtergebnis der Abstimmung für bindend erklärt, sondern die Kautschuk-Bestimmung enthält: „Der von ten Einwohnern ausgedrückte Wunsch, wie auch die geographische und wirtschaftliche Lage ter Ortschaften" fei ?u berücksichtigen. Die wirtschafüiche Lage fordert freilich die Unteilbarkeit des Gebietes, da die
I dortigen Industrien in einer hochentwickelten Organisation auf Zusammenarbeit angewiesen sind im Austausch der Produkte, im Verkehrswesen und in ter zentralen Erzeugung von Kraft und Licht. Iete Einschiebung einer Lantesgrsnze muß schädlich wirken nach beiten Seiten unÄ 'geradezu verderblich für das abgefchnittene Glied. Wenn jedoch die mächtigen Po-
i lenfreunte sich auf ten „Wunsch ter Bevölkerung" i steifen, so kann vielleicht doch das Unrecht und die Unvernunft noch einen Teilerfolg erzielen.
I Zunächst muß noch klargestellt werten, ob wirklich die polnische Mehrheit in diesen vier Kreisen ehrlich zustandegekommen ist. Es scheint, daß dort ter p o l - nisch e Terror auch noch am Abstimmungstage ! ’M in einigen Wahllokalen wirksam gewesen ist vielleicht sogar Fälschungen der Abstimmung stattgefunden haben. Von deutscher Seite muß sorgsam und schnell, amtlich und mit privater Hilfe, genau festgestellt werden, wie es in diesen Brennpunkten der Korfantvschen Agstation zugegangen ist, damit nicht bloß ter Oberste 5nat, sondern auch die öffentliche Meinung ter ganzen Welt über bie wahre Bedeutung dieser polnischen örtlichen Mehrheiten aufgeklärt werten, ehe das letzte Wort über die Beschneidung Oterschlesien's gesprochen i
Die deutsche Partei hat sich, das steht unzweifelhaft fest, keines unerlaubten Mittels ter Agitation bedient Sie Erfamtmehrheit von 61 Prozent ist in keiner Weise I anzutasten. Sie ist ein durchschlagender Erfolg der I Kutschen Sache und ein Ruhmesblatt für alle Beteiligten angesichts des schweren Druckes, ten die polnische Agitation und Banditen sowie ihre französischen Gönner ausubten, angesichts all der Listen und Lügen, mit tenen fre die Deutschenfreunde zu schrecken und zu verwirren suchten, angesichts des Mißbrauches ter Reli- gton und der Eidschwüre und angesichts ter Vorteile, bie das Polen tum durch die Berufung auf die waffer- xolmfche Muttersprache hatten. Wenn man das alles in Betracht zieht, kann man nicht genug loben und bonten für das gute Ergebnis, das uns Oberfchlesien wenigstens tm großen und ganzen sichert und das sich würdig anschließt an die Abstimmungssiege von Schles- wig und Wr stpreu ßen.
Der König der Dolomite.
Volksroman von Felix R a b o r.
16] '
A "• 7.
Eben aks Signor Motta das Haus des Richters be- OunLrooII,e' ,am Michael aus der Schmied,e. Sein finfter' denn er hatte mit feinem Vater X’ft0 einen schweren Strauß bestanden. Mit "aß er den feisten Weinhäudler, des- L Ä?"-eln überheizter Ofen glühte, und hatte kam ihm ^t terbofcs Wort auf den Sippen. Hoch dieser n i°Ästem°m Unterwürfig zog er den Hnt und rief irfi DiA trT»T°ne: "lanss'nie, welche Freude, daß um Dir endlich zu danken, daß Du Dei?boter hast. Ja, Du bist ein Held wie
LV,.,? ron' D" besiegst nicht nur gefallene En. Bet, sondern foqar wilde Rosse. Sei mir gegrüßt, Freund meiner Seele und laß Dir den Bi-uderkuß ge-
Sein 3->rn verrauchte schnell beim Anblick dieses zap. ^!"ben Kautschukmannes, und lachend c/rroiberte er: „Richt küssen, rief er „Du verbreitest einen Dunst, als .mennft n. an Weinfaß habet hättest. Pfui, am hellen lag!
„Aber Mensch, Herzensfreund und Retter" sprudelte Motta hervor, „was fallt Dir ein, mich aiupfuin! Der Wein ist die edelste Gottesgabe —*
„Eben darum soll man ihn mäßig genießen" „Aber ich bitt Dich. Earissime, es wckren nur xmei Flaschen. Bei der Madonna: nur zwei."
„Mir egal. Ader auf jeden Fall ve-vzicht' ich auf einen Bruderkuß. Und wennst zu mein* Vater willst da kimmst grab recht mit Dein' Weinbarripf — ber wirb Dir den Kopf gründlich waschen. ttlfo immerhin noanti!" Er stieß ihn wie einen Ball zogen die Türe an deren Klinke er sich festhielt.
Mit blödem Lächeln sah er M chae! an. „Menn Du vielleicht nach Bozen willst —"
„— geht's Dick nix an," gab TLichael unwirsch zurück.