Jli 64.
Freitag, 18. Marz 1921.
* Mldaer Leitung
Druck der iyttfbner Äetiendruckerei in Fulde
Der Kampf um die Linienführung
des Weser-Main-Kanals.
Zur GrLuduvgsversmumlung de» See-Hlata-fiund» am 19. März in Fulda.
Der Kampf um den Weser-Main--Kanal hat mit derselben Schärfe eingesetzt, wie seinerzeit beim Mittellandkanal. Ws im Dezember die Nachricht kam, daß das .Dorarbeitsamt" nach Eisenach käme und nicht nach yann.-Münden, wurde dies als ein Erfolg der zuerst «ufgetauchten „Werralinie" vielerorten begrüßt. Man hielt Hann.-Münden für zu stark im Banne Kassels liegend, das seinerseits naturgemäß eine „Fuldalinie" wünscht und nicht nur an einem 18 Klm. langen Stichkanal (Fulda) liegen will. Aber chann.-Münden wird und muß Ausgangspunkt jeder Weser-Main-Derbindung sein und bleiben, hat also in dieser Hinsicht wenigstens keine Voreingenommenheit.
Drei Pläne kommen im wesentlichen in Betracht. Der aus dem „Verein für Schiffbarmachung der Werra" her- vorgegangene „Werrakanalverein" hat unter seinem früheren Vorsitzenden und Vorkämpfer Senator Meyer- Hameln, und unter dem jetzigen Vorsitzenden Oberbürgermeister Becker-Minden die ersten sichtbaren Erfolge erziest. Durch Herstellung der Verbindung mit dem Preußischen Verkehrsministerium im Jahre 1918 kam man so weit, daß am 27. April 1920 der Unterstaatssekretär Peters namens des Reichsverkehrsministeriums tn der Nationalversammlung die Bereitwilligkeit erklärte, technische und wirtschaftliche Untersuchungen im Rahmen allgemeiner Vorarbeiten für die Erbauung von Talsperren im Werra- und Fuldagebiet, für die Gewinnung von Wasserkräften aus diesen Flüssen und für ihre Verbindung mit dem Main durch eine Wasierstraße ausführen zu lasten und unter näher angeführten Bedingungen die Geldmittel zu übernehmen. Im Oktober 1920 kamen dann die Verhandlungen zwischen Reichsverkehrsministerium, den beteiligten Provinzen und Staaten und dem Werrakanalverein zum Abschluß, nach denen das Ministerium die Vorarbeiten und das Material des Vereins übernahm, andererseits aber der Verein bezw. die Jnterestenten die Hälfte der Unkosten in Höhe von 250 000 Mark aufzubringen versprachen. Das Vorarbeitsamt Eisenach wurde nunmehr beschlosten und unter dem Leiter der Werra-Stauanlage zu Hann.- Münden, dem Reg.- und Baurat I n n e ck e n-Münden begründet. Es soll in 2 Jahren die genannten Vorarbeiten ausführen und erhält einen aus 30 Mitgliedern sich zufammenfetzenden großen Beirat, in dem Länder, Provinzen und Werrakanalverein vertreten sind, sowie einen Berwaltungsausschuß von 9 Köpfen. Der Werrakanalverein hat im ersteren 16, im letzteren 4 Mitglieder.
Alle Pläne und Linien sehen 1000 Tonnenschiffe vor. Der ursprüngliche und erste Plan des Werrakanalvereins ging davon aus, daß die Werra ihrem ganzen Charakter und ihrer Länge nach (276 Klm.) der Hauptfluß der beiden bei Münden zusammenströmenden Waster- läufe ist, hat doch die Fulda nur eine Länge von 154 S(m7"allerdings die größere Wassermenge. So führt die „Werralinie" in etwa 290 bezw. 278 Klm. (unter Abschneidungen) von Hann.-Münden (120 Meter über N. N.) über Witzenhaufen, Sooden-Allendorf, Eschwege, Wanfried, Treffurt (daher auch „Treffurt-Linie" genannt), Kreuzburg, Hörschel bei Eisenach, Gerstungen, Berka, Vacha, Salzungen, Wernshausen, Wasungen, Meiningen nach Ritschenhausen, übersteigt die Waster- scheide in + 310 Meter mit einem 9 Klm. langen Tunnel und fällt über Römhild, Heldburg, Kaltenbrunn, Rettelsdorf und Halstadt zum Main (+ 230 Meter). Der Ausstieg wird in einem Havestadt und Contagschen Pro- jekt mit ca. 50 Schleusen erreicht, nach einem Senator Meyerschen aber in 14 viel stärkeren Staustufen. Der Abstieg nach dem Main erfolgt nach Meyer in 4. nach Havestadt und Contag in 7 Staustufen. Eisenach erhält einen Stichkanal von 6 Klm., Coburg einen solchen von 24 Klm. 6 Werra- und 3 Fuldasperren sollen zusammen etwa 600 Millionen Kbm. Master liefern und der Weser die genügende Wastcrführung von ca 2 Meter verbürgen, die ihr die Edertalsperre nicht verschaffen konnte. Einschließlich der Staustufen würden fo ca. 300 Sto Hürnen Kilowattstunden elektrische Kraft gewonnen. /Der genannte Plan ist zweifellos bisher am ein- gehendsten durchg-arbeitet worden Sein Ziel ist eine einheitliche Nordsüdwasterftraße von Bremen über den Main zur Donau, von der Nordsee nach ganz Mitteldeutschland und nach dem Süden. Diese im Herzen Deutschlands laufende Wasserstraße beansprucht für sich bcn Vorteil, jederzeit von feindlichen Einflusten frei und ungefährdet zu fein — denn die Weser ist ja der einzig- deutsche Strom, der uns auf seine ganze Länge ge- blieben ist.
Eine Abart dieser Verbindung wird von Kastel aus vertreten, denn Kastel, das zwar bereits seit 1895 durch 7 Schleusen in der Fulda für den Weserverkehr erschlossen ist verlangt mehr als einen „Nebenanschluß" und
Unpolitische Zeitläufe.
Von Fritz Rienkemper.
Berlin, 15. März 1921.
Warum wollten denn die bösen Buben gerade die Siegessäule in die Lust sprengen? Das ist mir rätselhaft. Dieser Schornsteinbau aus dem Königsptatz in Vertin kann nach meinem' Gefühl keine Bewunderung erregen, aber muh keinen Hatz. Eine harmlose Säule, die im Grunde nur den Beweis liefert, daß wir vor 50 Jahren mehr Geld als Geschmack hatten! Gut gemeint, aber schlecht geraten. Die Berliner machen bekcmmlich über alles ihre schnodderigen Witze; die Siegessäule bot besonders reichlichen Stoff. Die vergoldeten Beutekaiwnen, mft denen die Säule garmert ist, führten zu dem Titel ZigarrenstänLer. Die Siegesgöttin da oben, die zu groß und schwerfällig geraten ist, mutzte sich sogar Bemerkungen gefallen lassen, die nicht für jeden Familientisch passen. Die ortsüb- lichen Scherze waren aber schließlich nicht böse gemeint. Le länger die Säule dastand, desto weniger wurde sie von den Einheimischen beachtet. Es waren überwiegend Eingewanderte und Touristen, die sich die Turmtreppe hlnausbemühten.
Dazu kam freilich noch eine kleinere Gruppe von Menschen, die vielleicht zur Erklärung des jüngsten Rätsels überleiten kann. Eine Zeillang pflegten die Selbstmörder die obere Galerie der Säule zum Todessprung zu benutzen. Das wurde so arg, daß man vorsichtshalber ein Drahtgeflecht über dieser Galerie an» brachte. Wer sich der Aussicht halber hinaufbemüht hatte, sand sich schließlich in_ einem großen Vogelbauer wieder. Die Vorliebe der Selbstmörder war schon ein Zeichen, daß diese Säule eine besondere Anziehungskraft ausübie auf krankhafte Gehirne. Die Urheber des jüngsten Attentats find aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht ganz gesund. „Brustkrank im Kopfe", wie der Berliner sagt. Ihre Verrücktheit geht ;Nicht auf Selbstmord, aber auf die Ermordung anderer Leute und die Anhäufung von Sachtrümmern. Warum lunü wozu? Anscheinend nur aus araufamsr Luft am
will, wie die Tagung der „Freien Vereinigung der We- serschlffahrtsinterestenten" im Juli 20 erwies, ein Umschlagsplatz von Bedeutung an der neuen Wasserstraße werden. Ein Senator Meyersches Projekt sieht z. B. für 1000 Tonnenschiffe statt der bisherigen 7 kleinen/ Staustufen eine einzige bei Wilhelmshausen in der Fulda auf der Strecke Hann.-Münden-Kaflel vor und will bann oberhalb Fulda und Eder bis Melsungen und Gensungen schiffbar machen und den Anschluß der Fulda über Bebra-Hönebach zur mittleren Werra, anderseits den durch Schwalm-Ohm-Lahn nach dem Gießener Becken ermöglichen. Auch die Meyerschen Projekte arbeiten bereits mit genauen Unterlagen und haben Rentabilitätsberechnungen aufgcstellt. Das wesentliche für alle Kasteler Pläne ist die Ausschaltung bezw. Umgehung des Unterwerragebietes und der Aufstieg in der Fulda bis Bebra, von wo aus der Uebergang ins Werratal gedacht ist. Dieser Plan würde es dem süd- hannoverschen Gebiet, dem Eichsfeld nfnj. unmöglich machen, die auf der Niedersächsischen Binnenschifsahrts- tagung in Hannover 1920 nach Franziusschen Gcda-i- kengängen in Aussicht genommene Verbindung der Leine mit dem neuen Kanal über Eichenberg zu erreichen, als deren Vorarbeiten man die Harztalsperren und die darauf folgende Leinekanalisierung ansieht und betreiben will. Auch das Mühlhäufer-Thüringer Land bliebe auf diese Weise ausgeschaltet, weil eben Kassels Internsten andere Wege gehen.
In anderer Form tritt als schärfster Konkurrent die Fulda-Kinzig-Linie dem Werrakanal entgegen, gleichzeitig aber Kastel für sich einnehmend. Frankfurt tritt hier-rnuf den Plan und fucht die Jnteresten Süddeutschlands,Badens, Württembergs, des Ober- und Mittelrheins, des Neckars für diesen Plan zu gewinnen. Man nennt ihn eine Umgehungslinie des feind lichen Einflustes auf dem Rhein, der so freie Bahn zur Nordsee erhalten soll. Diese Weser-Fulba-Kinzig-Main- linie ist aber etwas ganz anderes als der Wffermain- kanal über die Werra. Anstelle der Rorbfüb Linie tritt hier eine Diagonale. Ganz richtig wies der Frankfurter Stadtbaurat Uhlfelder darauf hin, daß beide Projekt- ganz verschiedenen Zwecken dienen und an und für sich ganz gut neben einander bestehen können. Für biefen Fulda-Kinzig-Kanal treten außer Frankfurt, Fulda, Kassel mit ihrem Hinterland, Vogelsberg, Spessart, selbst Taunus ein. Man errechnet für ihn eine Länge von 259 Klm. (20 weniger als für den Werraplan), nur 6 Klm. Tunnel (statt oben 9), dazu eine Steigung nur bis 272 statt 310 Meter. Aber wie gesagt: wir Haden es hier mit einem völlig anderen Weg zu tun.
Auf alle Anschlußmöglichkeiten (z. B. durch Thüringen zur Elbe, durch die Lahn nach Koblenz) einzugehen, erübrigt sich. Im wesentlichen wird sich der Kampf um die Linie Weser-Werra-Main und andererseits Weser Fulda-Kinzig-Main abspielen. Wie er auch enden mag, die Notwendigkeiten, aus Kohlenmangel heraus die Schiffahrt auszubauen, und aus Kohlennot heraus Wasserkräfte nutzbar zu machen, werden die Pläne fördern, und Wefer und Main werden dereinst durch einen Kanal verbunden fein.
vermischtes.
* Oberschlesiens Viehzucht. Die Polen haben kürzlich eine Sta.istik übet den Viehbestand ihres Landes herausgebracht, die zu offensichtlich den Anschein der Unrichtigkeit trägt Ihre Feststellungen ollten den Oberschlesiern darlegen, welchen fchonen Zeiten sie im polnischen Paradies entgegensetzen Eine Richtigstellung hat gezeigt, daß die Zahlen ,n Wirklichkeit "weit über die Hälfte kleiner sind. Ter Reichsminister a. D. Gothein stellte fest, das; nt Deutschland auf 1000 Einwohner 77 Stuck Rtnd bteb und 271 Schweine mehr als in Polen kommen und auf einen Quadratkilometer 8 mal fo viel Schweine. Es nimmt deshalb nicht Wunder, daß die Polen nach Oberschlesien nicht nur wegen feine, Soden schätze und seines Gewerbes, sondern auch Segen seiner Vieherzeugung schielen. Oberfchlesiens Pfetdebestand ist der 32 Teil, sein Rindviedbestand der 33. Teil und der Schafbestand der 27. Teil des gesamten preußt'chen Bestandes. Käme Oberschlechn an Polen, so würde das neben einem Verlust für die deutsche Landwirtschaft auch für Oberschlesten von Nachteil fein, weil der größere Viehbestand Oberfchlesiens auf dem Geviertkilometer dem weit geringeren Polens cus Aufbesserung dienen würbe, worunter natürlich Oberfchlesiens Ernährung sehr leiden müßte. _
Eingesandt.
Für Veröffentlichungen an dieser Stelle trägt die Redaktion nur die preßgesetzltche Verantwortung.
Zu den Ausführungen des Vorsitzenden des 6aus- und Grundbesitzervereius vom 15. März 1921: Es ist uns
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Vernichten und Schrecken. Wenn die Unholde einen klaren/politischen Zweck verfolgten, hätten sie ihr Dynamit doch nicht in der harmlosen Siegessäule vergeudet.
Wenn die auswärtigen Leser einmal nach Berlin kommen, so tonnen sie nach meiner Ansicht sich den Aufstieg auf die Siegessäule sparen. Nicht der Angst halber, sondern wegen der unzulänglichen Höhe. Man sieht zu wenig. Wer Berlin von oben herab betrachten will, steige lieber auf den Rathausturm. Der hat 620 Stufen, wie ich in eigener Zählung (vor 50 Jahren) festgestellt habe. Von dieser Höhe steht man wenigstens viel, wenn auch nicht gerade viel Schönes. Oder man wandest langsam den Kreuzberg hinauf zu dem Denkmal der Befreitmgskriege, wo man ohne besondere Arfftrengung einen Rundblick über die große Stadt hat. Oder man fährt in den Grünewald zum Kaiser-Wilhelm-Turm an der Havel, wo man sich durch den Augenschein überzeugen kann, daß die Umgebung von Berlin gar nicht so häßlich ist, wie der Spott über die Sandbüchse vermuten läßt.
Zum Königsplatz in Berlin wird freilich jeder Fremdling gehen oder fahren muffen; denn neben der geretteten Siegessäule liegt das Reichstagsgebäude, und diese Fabrik der vaterländischst Politik muß man doch besuchen. '
Die Nähe des Reichstages hat es auch mit sich gebracht, daß seit der Revolution der Königsptatz sehr viel benutzt wird für radikale Demonstrationen. Als die knallroten Umstürzler noch im Besitz von vielen Waffen waren, bot das Berliner Reichstagsgebäude so wenig Sicherheit, daß die Nationalversammlung vor- sichtshalber nach Weimar ging. Nach der Rückkehr in die Ncichshauptstadt mutzte die Volksvertretung doch noch einen Ansturm ter ausgehetzten Massen vom Königsptatz aus über sich ergehen tasten. Zum Glück scheiterte der Versuch.
Bei den zahlreichen Aufkäufen in dieser Gegend ist bisher keine ernste Zerstörung angerichtet worden. Das ist ein verhältnismäßig günstiges Zeichen in der wirren Zett. So stehen auch in der Siegesallee, die von der vielbesprochenen Säule ausgeht, die vielen Stand-
nicht unbekannt, daß in manchen Städten die Mietszu- säÄge von 26 bis auf 75 Proz. erhöht worden find, das fit aber kein Grund, hier in Fulda auch eine Erhöhung ber Mieten vorzunehmen. In anderen Städten liegen wahrscheinlich die Verhältnisse anders wie hier. Zum Teil kommt es auch daher, daß die Stadtparünnente eine für die Mieter ungünstige Zusammensetzung haben; oft liegt auch in der Erhöhung der Mietszuschläge, der Betrag für die lausenden Reparaturen. Jedenfalls ist es nicht immer angängig, sich auf andere Sliidte zu berufen, denn mir glauben nicht, daß, wenn andere Stä die einmal mel- leicht in späteren Zeiten dazu übergehen sollten, die Mie- ten zu ermäßigen, daß sich dann der HausbesiMwerem so schnell darauf berufen würde. Wir wollen nun in folgen» dem zeigen, daß der Mieterverein wohl berechtigt war, gegen die beabsichtigte 60prozentige — wir dachten frei- lich, es wäre bloß eine 50prozentige — Erhöhung der Mieten vorzugehen. Dorausschicken möchten mir noch, d<ch der Magistrat den Antrag des Hausbesitzervereins nicht abgelehnt hat, sondern nur mit Rücksicht auf dos bevorstehende Reichsmietengesetz seine Entscheidung verschoben hot. , ,
Der Mieterverein vertritt auch heute noch den Standpunkt, daß die berechtigten Jnteresten der Vermieter durch den 8 10 der Höchstmieteverordnung hinreichend gewahrt strfi). . _ .
Die Behauptung, daß die Häuser m Fulda sich vor dem Kriege nicht rentiert hätten, ist in dieser allgemeinen Form jedenfalls nicht richtig. Zugegeben werden kann höchstens, daß einige Häuser sich nicht rentiert tjaten. Sor Sgm Kriege haben, was die mittler °n und kleineren Woh- mmgen angeht, nur 21/- Pro.z. Wohnungen leer gestanden. Der normale Zustand ist aber 7 Prozent. Damit fallt die Behauptung, daß die Mieter die Ueberproduktron vielfach zum Herabdrücken der Mieten benutzten, in sich Zusammen. Die Housbesitzerr sollen doch rW immer m ' dem alten Ladenhüter kommen, daß die Höchstrnretenord- nung die Bautätigkeit verhindert, da ja die, Neubauten rar nicht unter diese Verordnung fallen. Uebrrgens würde auch eine lOOprojentige Erhöhung der Mieten die Bau- tätigteit nicht wesentlich heben. Wir haben in dieser Hinsicht schlechte Erfahrungen gemacht; denn vor der Höchstrnleteorbnung wurden trotz der mit der «Reparatur begründeten Erhöhung der Mieten fast gar keine Reparaturen gemocht. Ich erinnere in dieser Hinsicht nur an die Artikel' „Hausruinen". Der Einsender hat wirklich Recht, wenn er sagt, daß Druck Gegendruck erzeugt, allerdings m einem cttM5 anderen Smne. Die conti (tu ernben A. T. recht hohen Forderungen der Hausbesitzer haben den Widerstand der Meter gestärkt. Mr müssen gegen unbillige Forderungen Einspruch erheben. Denn wenn wir einmal nachgeben, dann kommen noch den 60 Proz. 100 und 200 usw. bis die treibenden Kräfte im Hausbesitzerverein ihre vorläufigen Wünsche, die Mieten bis auf 500 Vrmuit zu steuern, erreicht haben.
Don der Lage der Beamten und Arbeiter scheint der o-inl^er keine Abnuna zu haben. (Die Emi-nd""-"-n der Beamten- und Arbeiterorganisationen, zu denen heute Verbandes gekommen ist, hoben sich zu dieser Frage bereits reäußert. D. Red.t
Wir nroteftieren nicht aus Veranuaen, sondern aus bitterer Not, und da steht der Mieterverin geschlossen hinter seinem Vorsitzenden. Wir sind wirklich begierig daraus zu erfahren, inwiefern der Haus- und Grundbesitzerverein besonders zur Befestigung der Wohnungsnot beigetragen b-n Freilich w'Nen wir sehr aut. da^> <■"«’>« ferner W» glieder m wirklich anerkennenswerter Weift in der Wohnungskommission mitirrbeiten, aber das tun unsere Vertreter auch. Wir wissen aber auch, daß manche und zwar einflußreiche Mitglieder des Hausbesitzervereins dem Woh- nungsamte große Schwierigkeiten bereiten, und das letztere nennen wir Förderung der Wohnungsnot.
Blutmer Hohn ist es. wenn der Vv'-kit-ende des Hausbesitzervereins von einem gemütlichen Herrn spricht, nachdem viele Hausbesitzer fest Jahren nichts mehr in den Wohnungen haben reparieren lasten und das Geld, das für diesen Zweck bestimm! mar, anderweitig verwendet haben. Und dabei wunde doch vor der Höchstimeteorb- nung, wie schon gesagt, jede Steigerung mit Reparaturen begründet. Wenn heute ein Mieter nicht in einer Woh- nuna mahnen will, in W di" Tankten non h»n Wänden herauf erhängen, wo die Decken geschwärzt sind, und der Fußboden ausgetreten ist, mit anderen Worten, wenn er eine gemütliche Wohnung haben will, dann muß er sie sich selber machen oder machen taffen,, wenn er_ dazu in der Loge ist, was wir aber nach den obigen Ausführrungen bezweifeln.
Mieterverein Fulda: Prof, ßübinger, DovsitzerÄer. *
Obiges Eingesandt des Mietervereins ist um einige uns unwesentlich erscheinende Abschnitte gekürzt worden. Die Redaktion tft nicht in der Lage, Zuschriften, die in Be- zug auf ihre Länge völlig aus dem Rahmen der übrigen Zeitung fallen. auszun"hmen. Wir bitten die Einsender, sich kurz zu fassen. Notürsich müssen die Einsender auch persönlich die Verantwortung für das „Eingesandt" übernehmen, ob sie nun selbst die Verfasser sind oder ein anderer. Der Redaktion kann nicht zugemutet werden, sich zum Vrügelknaben für Ausführungen herzugeben, auf deren Gedankengänge sie, soweit die Rubrik „Eingesandt" m Frage kommt, keinen Einfluß übt. Die Redaktion.
Märkte.
(:) Mrchhain, 15 März. Zum heutigen Schweine- markt waren 354 Tiere angefa ren. Käufer waren
bilder der alten Fürsten und Staatsmänner noch unversehrt da. In seinem Ahnenstölze und seiner Prachtliebe hat bekanntlich Kaiser Wilhelm IL diese breite Straße durch den Tiergarten mit der versteinerten Geschichte der HohenzollernFeit in weißem Stein auf grünem Hintergründe geschmückt. Die Straße ist überladen mit den Bildwerken, und neben den bedeutenden und ehrwürdigen Persönlichketten sind der Vollständig- kett halber auch manche (Statuen und Büsten angebracht, die keinen besonderen Respekt vertragen können. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß in diesen wirren Zetten sich keine Frevlerhände an den empfindlichen Bildwerken vergriffen haben.
Ueberhaupt sind die alten Denkmäler, Bauten und Einrichtungen aus der monarchischen Zeit bisher, in anerkennenswerter Weise verschont geblieben. Die ein- geschwovenen Umstürzler auf der äußersten Linken stellen zwar glegenllich einen Antrag, daß die „militärischen" oder „imperialistischen" StraßemWwen geändert werden sollen. Hoffentlich werden diese und ähnliche Gelüste nach „Revolution in Äußerlichkeiten" nach wie vor erfolglos bleiben. Die Schwärmer für die „Republik" würden ja ihrer eigenen Sache ein arges Schwächezeugnis auestellen, wenn sie zugäben, daß Denkmäler oder Straßennamen aus der monarchischen Zeit eine Gegenrevolution in Gang bringen könnten. Wenn die Neuerer vernünftig bleiben wollen, so müssen sie ihre Kraft auf das Wesentliche und Wichtige richten und bei allem Fortschrittstrieb doch den ge- schichtlichen Sinn wahren. Die Menschen sind keine Engel oder Teufel, die mit Fittichen durch die Lüfte segeln, sondern sind alle Sprößlinge des Adams- geschLrchtes, die auf den Schultern ihrer Vorfahren stehen. Die Revolution kann Fürsten u. Minister beseitigen: aber sie kann kein neues Volk schaffen. Wenn man der Sache auf den Grund geht, so bleibt in der Entwicklung der alle nationale Faden, wenn auch die Nummer sich ändert. Man soll die alten, Überlieferten Einrichtungen und Bezeichnungen ruhig fortbestehen lasten, bis fi? entweder von selbst abfallen oder durch ihr Beharrungsvermögen das Anrecht ans Unsterblichkeit erweisen, "" —
in größerer Anzahl erschienen und der Handel war lebhaft. Kleinere Sau. ferkel wurden mit 440—460 ML pro Paar, größere mit 600—700 Mark pro Paar ge handelt. Angemästete Läuferschweine wurde« mit 80t bis 1000 Mark bezahlt
Gotter-ienftor-nung.
Katholischer Gottesdienste
Dom. Heute nach der Josephs-Anbacht D eicht- gelegenheit.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, 19. März. VorabendgotteSbienft 5,45. morgens 8, nachmitt. 4,30, Sabbathausgang 7,20 Uhr. — Donnerstag, 24. März. Purim. Morgens ,15; nachmittags 3, abends 8,30. — Woche ngottesd teuft, Morgens 6,30, nachm. 5,45, abends 7,20 Uhr.
Amtliche Anzeige«.
Nacktem der Herr Regierungspräsident infolge der erhobenen Vorstellungen das Haferlieferungssoll von 7000 Dztr. auf 2000 Dztr. herabgesetzt hat, werden den Landwirten in den nächsten Tagen die Aufforderung« wr Haferlieferung zugehen. Die Landwirte haben je Morgen 0,30 Ztr. Hafer zu liefern. Sie erhalten füe den Dztr. Hafer 145 Mk. und für die über 50 Proz, ihres Ablieferungssolls hinausgeliefarten Mengen di« gleichen Mengen Mais zum Preise von 60 Mk. je Ztr ohne Sack ober die l^fache Menge Maissuttermehl zm» Preise von 45 Mk. je Ztt. einschließlich Sack.
Landwirte, welche ihrer Ablieferungspflicht nicht nachkommen, müssen dem Preußischen Landesgetreideamt namhaft gemacht werden. Das Preußische Landes- getreibeamt will von biefen Landwirten für den nicht- gelieferten Hafer den dreifachen Betrag des Preifes für Jnlandshafer einziehen.
Angsichts des großen Mangels an Hafer für bt« Hafernährmittelfabriken ist es im Interesse der Volks- ernährung und Gesundheit notwendig, die angeforber» ten geringen Mengen abzuliesern.
Fulda, den 11. März 1921.
Der Landrat. I. V.: Fchr. v. Gagerv.
Nach einer Mitteilung des Reichsmonopolamts fü> Branntwein läßt die gesteigerte Branntweinerzeugung die Aufhebung der noch bestehenden DelchrSnkungen für den Demg von Drennfpiritus und damit den Fortfall des bisherigen Bezugsmarken-Systems zu.
In Zukunft kann deshalb jeder Verbraucher feinen Bedarf an Brennspiritus bet den bekannten Verkaufsstellen ohne Beziigsmarken decken.
Die noch im Besitze der Gemeinden besindlichen Be- zugsmarken sind alsbald an die Verwertungsstelle der Reichsmonopolvorwaltung für Branntwein, Berlin W 4 Schillingstrahe 14-15, zurückzusenden.
Fulda, den 13. März 1921.
Der Lsndral. 3. V.: Frhr. v. Gagern.
Betreffend: Stand der Maul- und Klauenseuche am 1. TRän 1921 im Kreise Lauterbach (Oberhesten).
1. Sperrbezirke (sämtlich neu verseucht): Sauter, bach, Blihenrod, Frischborn, Eifenbach, Rixfeld, Schütz und Bernshausen. . '
2. Beobachtungsgebiete: Maar, Rudlos, Heblos, An- gersbach, Dirlammen, Hopsmannsfeld, Almenrob mit Sickendorf, Rimlos, Schadges, Herbstein, Hutzdorf. Frau. Rombach, Pfordt und Nieder-Stoll. 1
3. Gefährdetes Gebiet: Die übrigen Gemeinden ge- hören zum gefährdeten Gebiet, mit Ausnahme der Gemeinden Ober-Moos, Gunzenau, Reichslos, Freiem fteinau, Salz, Radmühl, Holzmühl und Fleschenbach welche seit dem 25. Februar 1921 freigegeben find.
Fulda, den 14. März 1921.
Der Lmldrai. 3. V.: Fchr. v. Gagern.
Die Witwe Martina Schönherr von ßübertnürtb ffl vom Amtsgericht Fulda wegen unzureichender Milch- lieferung zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt worden.
Fulda, den 15. März 1921.
Der Laudral. 3. V.: Köhler.
Zur Ermittelung des Ergebnisses der Landwirt fchasiskammerwahl vom 20. März b. 3. habe ich ein, Sitzung bes Wahlausschusses auf Montag, ben 21 März b. 5s., vormittags 11% Uhr in mein Dienst- zimmer anberaumt. --— XV
Ich gebe biefes hiermit bekannt.
F u l b a, ben 15. März 1921 ----------
9et Wahlkomm.st t. I. V.: Frhr. v. Gagern-
Cognakj Rum, Liköre, Edelbranntweine
empfiehlt
Joseph Schmitt, Fulda
Büro und Kellerei: Paulustor 4-6 Kleinverkauf: Marktstrasse 32.
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In der Gegenwart leiden wir nicht bloß an körperlicher Unterernährung, sondern auch an Geistes- krankhett Sn das letztere Gebiet gehört die Mord- und Zerstörungswut, die sich gelegenllich in tollen Ausbrüchen kundgibt. Das ist sehr bedauerlich; aber wer noch Halbwegs seine Vernunft zusammen hat und feine Nerven behmstchen kann, der darf sich nicht anstecke» und auch nicht bange machen lassen. Alle glttgesinnta» Bürger müssen um so fester zusammenhatten gegen die zerfetzenden und zerstörenden Kräfte.
Eintracht mach stark. Das sehen wir an unser« Widerstandssähigkett gegen die Pariser Zwcm^acke und das zeigt sich auch m der hoffnungsvollsten Weise an dem guten Verlauf der Vorbereitungen für d« A b- stimmung in Oberfchlesien. Am Palmfonn- tag wollen wir der Brüder und Schwestern, die dort für unser gemeinsames Hell ringen, mit unseren innigsten Wünschn und Gebeten unter die Arme greifen, und zwar in der zuversichtlichen Hoffnung. Schieß- lich siegen doch die Wahrheit und die Dermmst.
— 50 Zahre Deutscher Reichstag. Das fünfzigjährige Jubiläum des Deutschen Reichstages fällt auf den 21. März 1921. Bis dahin hatte es fett 1867 einen Norddeutschen Reichstag und das nur zu einer einzigen Session zusammengetretene deutsche Zollparlament gegeben. Der erste RÄchstagspräsident war Dr. Simson, der spätere Reichsgerichtspräsident, der schon 1849 Präsident der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M. gewesen war. Der Reichstag tagte im großen Saale der ehemaligen königlichen Porzellan-Manufaktur in der Leipzigerstraße in Berlin, die Bismarck etwas summarisch durch Milttär räumen ließ, als diese Behörde sich mit ihrem Fo-rtzuge gerade nicht fthr beeilte, hier ist der Rrichstag geblieben, bis er 25 Jahre später in fein eigenes Heim übersiedelte. An Stelle des ersten Reichtagsgebäudes erhebt sich das ftühere preußische Herrenhaus, in dem heute der Reichswirtschaftsrat uni> andere Behörden amtieren. ' ns.