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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.

Nr. 61.

Verantwortlich für den leöortioneUen Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. " Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Sermpretaer Nr. 9. Telegr.-Adrefse: Fuldaer Zeitung

Dienstag, |5* IITärz )92L

Bezugspreis: Monatlich 3^00 Mt. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei unsabgeholt3,15 Mt. Anzeigenpreis: DieKleinzeiie fLownelmaß) 60 Pjg u. 10°; Zuschlag, die Reklamezeile (Xe$t breite) ILO B!k^ u. 10% Zufchlag. Bei Wiederhol.Rabatt.

48. Zahrg.

Deutscher Protest beim Bölkerbunv.

Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat die lteichsregierung beim Sekretariat des Völkerbundes in Genf Protest eingelegt gegen die Zwangsmaß­nahmen, die sie für Rechtsbruch erklärt.

Bekanntlich hat Dr. Simons bereits in seiner letzten Londoner Rede diesen Protest angekündigt unter Hinweis auf die unzweideutigen Bestimmungen des Friedensvertrages, die die Anwendung der nunmehr verhängten Sanktionen ausschließen. Die Anmeldung Les Protestes lag nahe, wenn man sich auch einen un- mittelbaren Erfolg bei der gegebenen Sachlage nicht zu verspreche» hat. Daß aber auf diesem Wege unsere Rechtsverwahrung gegen das Londoner Gewaltdiktat erneut in offizieller Form in weitere Kreise dringt und vor allem auch von den neutralen Mitgliedern des Völkerbundes beachtet wird, läßt den Protest doch als mehr denn nur als bloße Kundgebung erscheinen. Auf deutscher Seite wird bis auf weiteres die Zurückhaltung zu bewahren sein, die sich als selbst­verständliche Folgerung aus dem Ausgang der Lon- doner Konferenz ergibt.

Das Wertzbuch über London.

In einem umfangreichen Aktenstück hat die deutsche Reichsregierung dem Reichstage ein sogenanntes Weißbuch überreicht, welches in der Reihe der vielen diplomatischen Aktenstücke der letzten Jahre einen ganz besonderen Platz einzunehmen berufen jein wird.

Dieses Weißbuch enthält in deutscher und englischer Sprache zunächst die Pariser Beschlüsse der Alliierten vom 29. Januar 1921 nach dem amtlichen Wortlaut, weiter die Einladung zur Londoner Konferenz, nebst Antwort der deutschen Regie­rung, sodann die in der Oeffentlichkcit schon bespro­chenen Sachverständigsn-Gutachten über die wirtschaftlichen Wirkungen der Pariser Beschlüsse und die Bemerkungen zur Denkschrift der Sachverstän­digen der Alliierten über den Haushalt des Deutschen Reiches. Ferner sind die von der Agence Havas am 2. und 3. Februar 1921 veröffentlichten Auszüge aus dieser Denkschrift der Sachverständigen der Alliierten ausgenommen: Es muß dazu bemerkt werden, daß diese Denkschrift trotz wiederholten Ersuchens der deut­schen Reichsregierung ihr nicht übermittelt worden rst, und daß die Regierung sich lediglich auf die Presse-Aeußerungen stützen mußte. Diese Auszüge, wie sie nun in dem Weißbuch ausgenommen sind, stel­len ein besonders wertvolles Dokument dar, zumal auch alle einzelnen Tabellen bezüglich der Ausstellungen der Entente an den deutschen Reichshaushalt mit ver- öffeullicht sind.

Am interessantesten ist dabei derVersuch einer Schätzung" der Ausgaben des deutschen Reichshaus- haltes, und zwar derjenigen Positionen, die die En- tente alszufällige Ausgaben" bezeichnet,die sich 1921 offenbar nicht wiederholen werden". Diese Auf­stellung, wie eine weitere über die Steuerverhältmsse, namentlich die indirekte Steuerbelastung in Deutschland ist für denjenigen, der diese Aktenstücke mit Eindringlichteil liest, und sich ihrer politischen und .wirtschaftlichen Tragweite bewußt ist, geradezu er­schütternd, weil aus ihr heroorgeht, wie weit tatsäch- lich die unmittelbare Kontrolle der Entente, äne einer Finanzkontrolle über Deutschland nach ägyp­tischem Vorbild gleichkommt, jetzt schon gediehen ist. Ferner bilden die Berichte über die Sitzungen der Londoner Konferenz ein wichtiges Material, denen die deutschen Gegenvorschläge beigefügt smd. Die Berichte selber sind in der Fassung der Leutscheit Niederschriften und in der Formulierung des Alliierten Sitzungsberichts gegeben. Aus dieser Tat­sache ergibt sich, daß sie sehr farblos sind. Sie geben nur eine nüchterne Aneinanderreihung der Ausführun- gen des Außenministers Simons einerseits, und des

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

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»Nicht hier. Liebster! . . . Droben in een Lergen, auf dem Throne meines Königreiches . . . Denn ihr sagt ja alle, daß ichRegina Belmonte", die Königin der Berge sei! Dort soll es fein! . . . Dort will ich Dir Antwort geben auf Deine Frage dort sollst Du ®ir den Brautkuß geben. Willst Du?"

»Alles was Du willst, stolze, schöne Regina!"

»Dann geh jetzt: Am Samstag treffen wir uns Dtoben beim Firnkreuz auf der Paßhöhe."

juchzender Freude voll kehrte er zum Salaner Tal «uruft, durchlebte eine Woche im Fieber und stand am tamstag droben am Firn . . .

. erinnerun9 an jene Stunde trieb ihm das Blut ins Gesicht, machte ihn erbeben vor Zorn und Grimm.

Es war damals die Zeit, da die Politik in Italien chre hochgehenden Wellen schlug, wo Garibaldi seine .jjunbert Bataillone aufstellte, um daserlöste Italien" jw befreien. Alle italienisch sprechenden Gebietsteile soll- ten von Oesterreich losgerissen und mit Italien vereinigt B x m ®or$ und Triest, Istrien und Dalmatien, Tessin uno Nizza, vor allem aber Triest und das schöne Süd- nrol. Ein weitverzweigter politischer Bund, die3rre« . .nta > betrieb mit fanatischem Eifer diese verbrecheri- ichen Pläne und der Haß gegen die Habsburger Dyna- ME gmg sogar so weit, daß die Mitglieder derIrre- ", a den Beschluß faßten, den Kaiser Franz Joseph tu ermorden ")

, Sin all das dachte Andreas Pallanta nicht; er ging auf4 Ut lcmcr Sie6e öu der schönen Regina Belmonte unh^h,^atter?en einen Wunsch, sie zu gewinnen seinem Werbe zu machen. Ganz erfüllt von die-

*) Es wurden auch wirklich zwei Attentate auf den Dbc h ^rübt. Der Urheber des einen, der Deserteur aof ax * wurde zur Strafe gehenkt, der Apotheker Ra-

' °er das andere verübte, floh auf italienisches Ge- chen,U>li> wurde von dem Gericht in Udine kreigespro-

englischen Premierministers Lloyd Georges anderer­seits. Aus dieser Art von Berichterstattung läßt sich ein Bild über den Gang der Verhandlungen nicht ge­winnen, höchstens, daß man aus den bei Lloyd Ge­orge beliebten Bemerkungen immer wieder ersehen kann, wie er mit der Uhr in der Hand verhandelte» wie er fortdauernd die deutsche Delegation zu Ent- schlüsien zu drängen versuchte.

Hamborn besetzt.

Am Samstag erschien ein belgischer Offizier auf dem Rathaus in Hamborn und erklärte, daß die Verbündeten der Auffaffung seien, daß Hamborn auch als besetzt gelte. Es liege zwischen dem besetzten Walsum und Duisburg und könne daher nicht frei bleiben, lieber Hamborn ist der Belagerungszustand verhängt worden. Mit Truppen wurde der Ort nicht belegt mit dem Bedenken, daß dies von dem Verhalten der Bevölkerung ahhängen werde.

FranzösischeTorfrapps bei Frankfurt a. Al.

Am Bahnhof Rödelheim sind 6 schwarze und 3 französische Offiziere stationiert, welche die Güter­wagen kontrollieren. An der Südwestgrenze von Frank­furt, bei M i t t e l d i ck im Frankfurter Stadtwald, haben die Franzosen in der Ziegelei von Holzmann u. Co. Büroräume mit Beschlag belegt.

Die Besetzung von Berlin

wird in der englischen Presse angedroht und der Abg. Bottomley brachte bereits im Unterhause einen Antrag ein, der den sofortigen Vormarsch der alliierten Trup­pen nach Berlin verlangt, um Deutschland die Bedin- oungen aufzuerlegen, die ihm zeigen würden, daß es dem Krieg verloren habe. Es ist überhaupt bezeich­nend, daß in den letzten Togen die englische Presse eine fast noch schärfere Tonart gegen Deutschland an- schlägt, als die französische. Das zeigt, wie sehr die öffentliche Meinung in England in das Schlepptau der französischen Agitation gekommen ist. Es beweist aber auch den Aerger, der in England über die unbe­friedigende Lage herrscht, wie sie aus dem Zustand der Zwangsmaßnahmen militärischer Art bisher erwachsen ist. Der nüchterne Sinn der Engländer bäumt sich mehr noch gegen den offenbaren Unsinn der wirtschaft­lichen Zwangsmaßnahmen auf, nicht etwa weil diese dem deutschen Wirtschafts-Interesse zu schaden geeignet sind und das vielleicht in einem viel größeren Maße Äs manche unter uns heute annehmen sondern weil ein finanzieller oder finanzpolitischer Erfolg aus diesen Maßnahmen nicht zu erwarten ist. Deutschalnd soll daher durch die immer fortgesetzten Drohungen mürbe gemacht werden. Ob mm gerade die Andro­hung einer Besetzung von Berlin ein geeignetes Mittel ist, uns einznschüchtern, ist doch noch sehr die Frage! Aber auch von einer anderen Seite her regt sich der Appetit! So verlangen die Polen einMan­dat" zur Beteiligung an der Ausführung der Zwangs­maßnahmen. Sie stellen sich das vor in der Vornahme eines polnischen Einmarsches in deutsches Gebiet. Es ist bemerkenswert, daß die Polen diese ihre Forde­rung aus das jüngst abgeschioffene französisch-polnische Bündni s stützen. Obwohl dieses Bündnis an sich nur den Charakter eines Militär-Abkommens hat, sind seine Ziele, wie gerade das jetzige Vorgehen der Polen zeigt, hochpolitischer Natur. Es ist mich bemerkens­wert, daß die Polen von polnischer Seite für bestimmte Anlässe in diesem Bündnis von Frankreich den Polen gegenüber zugesagt worden ist. Wenn noch ein Beweis gefehlt hätte, um das Unsinnige derZwangs­maßnahmen" gegen Deutschland auf Grund der Lon­doner Verhandlungen offenbar zu machen, so wäre es dieser polnische Anspruch.

ser glühenden Liebe stieg er zu Berge und wartete voll Sehnsucht auf die vergötterte Königin seines Herzens, die ihm schöner rmd liebenswerter erschien, als alle Frauen der Welt.

Und sie kam . . . Schön wie der goldene Sonnen­schein, strahlend wie eine Königin stand sie vor ihm.

Knieend reichte er ihr den Ring mit dem flammen­den Edelstein.Regina, nun schwöre mir, daß Du mch lieb hast!" ,

Sie zögerte, dann aber leistete sie den Schwur. Da küßte er sie stürmisch und jubelte:Du willst also mein Weib werden?"

3a, Andreas Pallanta", erwiderte sie,aber ich stelle eine Bedingung. Du sollst erst zeigen, daß Du einer Königin würdig und zu jedem Opfer bereit bist so wie es einst die Minneritter waren, die für die Dame ihres Herzens tausend Gefahren bestanden und sogar, in den Tod für sie gingen. Bist Du bereit, ihrem Beispiele zu folgen?"

Ja, Regina alles für Dich!"

Es liegt also nur bei Dir, daß Du mich gewinnst und der glücklichste Mann im Lande wirst . .

Was soll ich tun, Regina?"

Sie nahm ihn bei der Hand, führte ihn zu einem Felsvorsprung und zeigte hinaus ins Tal.Sieh, dieses Reich soll unser werden", sagte sie,darin werden wir wie ein Königspaar herrschen. Aber zuvor muß der Tyrann fallen, der jetzt über dasselbe gebietet"

Entsetzt starrte Pallanta sie an.Der Kaiser?" stammelte er.

Sie nickte, umschlang chn mit den Armen und flüsterte ihm zu:Dort drüben beim Paß läuft die Grenze. . . Nur zwei Grenzer bewachen sie . . ., ein Messerstoß in den Rücken und sie sind stumm für immer . . Dann ist der Weg frei für die Unseren, dann können unsere Bataillone ins Salaner Tal einmarschieren und es besetzen bis nach Bozen . . . Und bann sollst Du, Andreas Pallanta, der erste im Lande sein. . . Wie ein König sollst Du herrschen und ich, Regina Bel­monte, will Deine Königin sein. . . Aber zuvor müssen die Grenzer fallen. Und wenn Du ein Held bist, den ganz Italien bewundert, dann wirst Du drunten in Lozen wenn der Tyrann ieinen Einzug hält,"

Die Ursachen des Weltkrieges.

Die Sichtung und Zusammenstellung der Akten des Auswärtigen Amtes über die Ursachen des Wellkrieges ist nach mehr als einjähriger Arbeit abgeschlossen wertet). Die Drucklegung der ersten Bände, die im wesentlichen den Zeitraum von 1873 bis 1901 umfassen, ist im Gange. Mit dem Erscheinen des Gesamtwerkes, das 15 Bände umfassen soll, ist im Laufe dieses Jahres zu rechnen. Als Mitarbeiter an dem großen Werk sind Professor A. Mendelssohn- Bartholdy, Dr. Johannes Lepsius und Dr. Friedrich Thimme berufen worden, deren wissenschaftliches und persönliches Ansehen dem deutschen Volke, wie dem Auslande für die Gewissenhaftigkeit und Aufrichtig­keit der gewaltigen Arbeit bürgt. Die Veröffent­lichung läßt die Urkunden, deren sie über 1000 ent­hält, selbst sprechen und gewährt so jedem einen voll­kommenen Einblick in die auswärtige Politik des wilhelminischen Zeitalters.

Eine englische Stimme zur Schuldsrage.

DerManchester Guardian" vom 10. März ver­öffentlicht eine Zuschrift eines anglikanischen Geistlichen zur Schuldsrage. Der Verfasser tritt für eine Tagung sämtlicher Bischöfe der anglikanischen Kirche ein, auf der zweierlei festzustellen wäre: 1. daß Deutsch­land nicht allein die Schuld am Kriege trägt, sondern daß alle großen Nationen Eurovas, ein­schließlich der englischen, darin verstrickt sind, 2. daß die Anerkennung dieser Tatsache die Strenge der Alliierten mildern müffe. Der Einsender fährt dann fort:

Nach meiner Auffassung war Dr. Simons voll­kommen im Recht, als er sagte, daß die Frage der Kriegsschuld weder durch den Friedensvertrag, noch durch Anerkenntnis ober Sanktionen entschieden werden könne. Deutschlands Geständnis durch Unter­zeichnung des Friedensvertrages wurde erpreßt und entscheidet nichts. Die Berufung darauf, als auf die einzige Grundlage, auf der die Alliierten künftig mit Deutschland verhandeln werden, ist ein Stück inter­nationaler Heuchelei. Es ist dringend not­wendig, unseren Anteil an der Kriegsschuld anzuerken­nen und zu bekennen.

Es ist erfreulich, daß sich jenseits des Kanals Stim­men in die Oeffenklichkeit wagen, die auch in der Schuldftage den Muk zur Wahrheit haben. Lloyd George hat diesen Mut einmal in einer schwachen Stunde gehabt; es war, wie bekannt, am 22. Dezem­ber 1920, als er eine sonst kaum beachtete Rede über die Genfer Völkerbundstagung hielt. In den großen historischen Stunden aber, wenn er die Deutschen vor der ganzen Welt herunterkanzelt, vor der ganzen Well deklamiert und wenn es gilt, den Dei.-tschen das Kains­zeichen der Kriegsverbrecher aufzudrücken, um für maß­lose Forderungen eine moralische Begründung zu haben, dann kann Lloyd George mit dem Bekennermut nichts anfangen.

Die erste Abstimmung in Oberschlesien.

Die Abstimmung derjenigen Beamten und Stimm­berechtigten, die am 20 März mit Rücksicht auf die dienstliche Abhaltung nicht abstimmen können, ist am Sonntag bereits erfolgt. Die Stimmhandlung wies eine übergroße Beteiligung auf und verlief ohne jeden Zwischenfall.

Die Ueberorganisation der Verwaltung.

Aus Köln wirb uns geschrieben: In der letzten Hauptversammlung des Vereins der Industriellen im Regierungsbezirk Köln machte der bisherige Reichskom- miffar für Vereinfachung und Vereinheitlichung der Reichsoerwalwng, Herr Präsident Dr. Carl, sehr in- teresflmte Ausführungen über Reichsverwaltung und Wirtschaftsleben.

Mit großer Offenheit und die Kritik nicht scheuend, kennzeichnete der Redner, gestützt auf reiches Zahlen-

Der Kaiser?", schrie er.

"$a 2)ann wirst Du, wenn er an unserer Schenke oorüberreitet, ihm aus dem Erker heraus eine Kugel in den Kopf jagen"

Sie umstrickte ihn enger mit ihren weichen Armen, ihre Augen lachten ihn an, ihre Lippen boten sich ihm zum Suffe. . .

2Iber Andreas Pallanta berührte weder ihre Lippen, noch zog er sie in seine Arme. Sein Blut bäumte sich auf gegen dieses schmachvolle Verlangen, er bebte und gitterte vor Zorn und Abscheu, Entrüstung und Ekel. Er, der den Kaiser bewunderte und liebte wie einen Sater er sollte die Hand wider ihn? Kein, das war ja Wahnsinn!

Mit einem zornigen Griff machte er sich von der Verführerin frei und fuhr sie wie rasend an:Das also ist Dein wahres Gesicht, Du falsche Katze? Das ist Dein Giftzahn, Du falsche Schlange? Verrat und Treu­bruch verlangst Du von mir? Meine Heimat, mein schönes Land Tirol soll ich verraten und den Welschen auslief em? Meinen Kaiser soll ich ermorden? Na, Regina Belmonte, Du falsche Schlange, um den Preis verkauft sich Pallanta nit. Lieber gibt er's Herz­blut, ehe daß er zum Verräter an feiner Heimat und am Kaiser wird.*

Sie lachte schrill.Verrat und Mord wer spricht bann davon? Italien hat ein Recht auf dieses Gebiet und Tyrannenmord ist keine Sünde"

Lug und Trug! Dös all', soweit Du siehst, ist deuffches Land und soll es bleiben . . und mein Kaiser ist kein Tyrann, sondern a gütiger Herrscher, den alle gern haben, für den jeder sein Leben gibt."

Du willst also nicht?"

In Ewigkeit nit. Meine Ehr' steht mir höher als Du. Der Zauber ist gebrochen ich bin frei Ich hab nix mehr mit Dir gemein. Du hast den ehrlichen Deut­schen zu einer Schandtat verführen wollen durch Dein schönes G'sichtel und durch Dein süßes Lächeln, aber Du hast eins nit bedacht: die deutsche Treue. Die ist wie a Schild aus Erz, die geht für die Heimat uns fürn Kaiser in den Tob. Darum finb wir zwoa fertig miteinanb, weil ich Dein falsches Herz erkannt hab. Weiche von mir, Satan! Dös Wort sag ich Dir jetzt: w-ichel - -, Aber zuvor gibst Du mir meinen Ring

mateftal, den übermäßig großen Verwaltungsapparat Er e /kannte an, daß bei der Eisenbahn- und Postverwal- tunx, mit Eifer daran gearbeitet würde, Ersparnisse zu erzielen. Man brauche jedoch auch unbedingt eine Aenderung an Haupt und Gliedern bei der allgemeinen Reichs- und Staatsverwaltung, in erster Linie bei den ministeriellen Instanzen und deren Anhängseln, die ins Ungemesiene angewachsen seien.

Dabei handele es sich oft um für das Wirtschafte- (eben sehr gefährliche Stellen; die Schäden, die dieses infolge der Ueberorganifation erleide, seien gar nicht abzuschätzen. Der Redner schilderte, wie man alles staatlich fördern und regeln wolle, wie man namentlich auch auf dem Gebiete der Sozialpolitik eine unabseh­bare Zahl von Aufgaben sich gestellt habe, aber wie das Wirtschaftsleben ersticke unter dem Wust der Gesetze und Verordnungen. Der allgemeine Wirrwarr in der Verwaltung, das Durcheinanderarbei- ien der einzelnen Ministerien und die sich daraus er­gebende Unsicherheit belasteten das Wirtschaftsleben schwer, ganz abgesehen von der starken Verschwendung von Geld und Arbeitskraft.

Nötig fei, daß man sich bei der Stellung seiner Aus­gaben einstweilen auf das Allerdrin glich st e be­schränke. Dabei müsse man aber feste Ziele vor Augen haben und eine Politik auf lange Sicht treiben, keine Tagespolitik. '

Präsident Dr. Earl sprach weiter über feine Be< mühungen um eine Verminderung der Reichsministerien. Als erforderlich bezeichnete er ein Wirtschaftsministe­rium, dem alles zu unterstellen sei. Ungesund sei es, daß sich alles in Berlin konzentriere. An eine, straffe Zentralverwaltung müßten sich Bezirksoerwal, tungen mit weitgehender Selbständigkeit angliebern.

Ein neues UeverschichLen-Abkommen.

Nach der Kündigung des Uederschichten-Abkom- mens durch die Ruhrbergarbeiter sollte der Schlich- tungsausschuß über die Streitfrage entscheiden. Der hat nun einen Einigungsvvrschlag gemacht, wonach eine Lohnerhöhung von 8 M pro Schicht in Kraft tre­ten soll. Dafür wird an vier Tagen der Woche je eine Stunde Ueberfchicht cm die regelmäßige Arbeitszeit angehängt, jo daß also nach diesem Vorschläge 4 Stun­den Ueberscyicht wöchentlich statt der bisherigen 2 mal 3% Stunden gleich 7 Stunden verfahren würden. Für diese Ueberschichten soll der bisherige Loh naufschlag von 100 Prozent gelten mit der Erweiterung, daß dieser Aufschlag auch für die Uebertage-Arbeiter in Kraft treten soll, die bisher nur 50 Prozent erhielten

Der Vorschlag bedarf der Zustimmung beider Par- teien, um zum Schiedsspruch erhoben zu werden. Die freien Gewerkschaften und die Hirsch-Dunckerschen ha­ben in einer Funktionärkonferenz diesen Schi^sspruch abgelehnt, die christlichen und die polnischen ange­nommen.

Der Anschlag auf die

Berliner Siegessäule,

Der Anschlag auf die Siegessäule ist bisher nicht auf­geklärt. DasAchtuhr-Abendblatt" will wissen, daß es sich um ein politisches Attentat handle, das gegen ver­schiedene Berliner Denkmäler und auch gegen hervorragende Persönlichkeiten Deutschlands geplant gewesen sei und tat Zusammenhang mit mehreren Berliner Dynamitfunden stehe, die ihren Ausgangspunkt in einem Dynamiffwide hät­ten, der vor einigen Wochen in Frankfurt a. M. gemacht worden sei. Bisher feien sechs an diesen Dingen beteiligte Personen verhaftet worden.

. Demgegenüber erfährt Wolffs Telegraphenbüro von zu- ständiger Stelle, daß weder ein großes Komplott festge- stellt worden, noch umfangreiche Dynamitfunde gemacht worden sind. Im 3Serlauf der Entwaffnungsaktton sind allerdings von der Kriminalpolizei verschiedene Lager von Waffen und Sprengstoffen gefunden worden. Diese zeit­lich weit auseinander liegenden Feststellungen mit dem Anschlag au fdie Siegessäule in Verbindung zu bringen, liege bisher keinerlei Anlaß vor. Auch von geplanten Attentaten auf einzelne prominente Persönlichkeiten ist der Kriminalpolizei nicht das Geringste bekannt.

Für die Ermittelung der Urheber des Versuchs eines Attentats auf die Siegessäule hat der Cnttvaffnungskommif- sar eine Belohnung von 25 000 M ausgesetzt. Er ist

zurück. Du bist nit würdig, daß Du ihn trägst. Er ist ein Zeichen der Treue Du aber bist voll Lug und Trug, voll Teufelei und Verrat.

Mit einem raschen Griff riß er ihr den Ring »ora Finger.Geh Du Satan!"

Regitta stieß einen zornigen Schrei aus und zischte ihm ins Gesicht:Hüte Dich vor meiner Rachel Eine solche Schmach, wie Du sie mir angetan, vergißt ein Weib niemals! Darum sage ich Dir noch einmal: Hüte Dich, Deutscher!"

Andreas Pallanta reckte feine mächtige Gestalt.Ich fürchte Dich nit"

Aber kaum war das Wort gesprochen, so blitzte ein kleiner, scharfgefchliffener Dolch in ihrer Hand und wurde nach feinem Herzen gezückt. Doch traf er nicht. Seine Hand umklammerte ihr Gelenk mit eisernem Griff, daß ihr die Waffe entsank.Schlange!" rief er und stieß den Dolch mit dem Fuß hinab über 3en Felsen. Am besten roärs, ich tät auch Dich da hinabschleudern. Du falsches, ruchoses Weib"

Da wich sie entsetzt zurück, schleuderte ihm einen gräß­lichen Fluch zu und floh zu dem Felsentor des Paffes,' im nächsten Augenblick war sie verschwunden.

Pallanta atmete auf, ging zu dem Kreuze und legh die Finger zum Schwure auf das geweihte Holz.Beim heiligen Kreuz feis geschworen, daß mich nie mehr a welsches Weib betören soll. Deutsch will ich bleiben im Leben und im Tod, Dir Herrgott im Himmel droben, schwör' ich Treu, Dir und der Heimat und mei'm Kai­ser .. ."

Ganz durchglüht von diesem Gedanken sank er vor dem Kreuze auf die Knie und fing mit einer Inbrunst zu beten an, wie er noch nie im Leben gebetet hatte. Frei und erlöst erhob er sich, stieg hinab ins Tal, riß die unselige Liebe zu dem welschen Weibe aus der Brust wie ein Giftkraut und ward wieder ein ehrlicher, treuer, kerndeutscher Mann. Die Zeit heilte die tiefe Herzens- wunde; die unselige Jugendliebe lag hinter ihm wie ein böser Traum. Er nahm einige Jahre später ein bra­ves, sittsames Tirolermädchen, das er aufrichtig liebte, zur Frau und wurde ihr ein treuer, musterhafter Gatte.

(Fortsetzung folgt,'