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Jli 59.

SamSrag, 12. März 192L

- Fuldaer Rettung Druck der Fuldaer Aetieudrnckerei tu Fulda

Zweites Blatt.

Die deutsche« Kanalprojekte.

Don Stadtbaurat Eberlei n-Fulda.

Im Frühjahr 1918 erschien eine Kanalstudie von dem lübeckischen Wasserbaubirektor a. D. Oberbaudirck- tvr Dr. 2nq RehderDer Nord-Süd-Kanal und das zukünftige Mitteldeutsche Kanalnetz zwischen Weser und Elbe mit Anschluß an die Donau und Oder und an den Main und Rhein. Deutsche Seegeltung und Reichs­wasserstraßen".

Die Studie, die nur in beschränkter Anzahl hergestellt und daher nicht in den freien Verkehr gegeben werden konnte, erkchien noch während des Krieges, zu einer Z it, da man den unglücklichen Ausgang des Krieges und die furchtbaren wirtschaftlichen Schäden roch nicht ahnen konnte. Der unglückliche Ausgang des Krieges hat uns aber erst recht gezeigt, daß nur durch den Ausbau der natürlichen und künstlichen Wasserstraßen Deutschlands Wiederaufbau möglich ist. Aus dieser Erkenntnis ist be­reits ein lebhafter Kampf der einzelnen Landesteile und Städte über die Linienführung der Wasserstraßen im Einzelnen entbrannt. Immerhin bildet aber die groß­zügige Rehdersche Linienführung die Grundlage für alle Planungen. Und bei der Planung der einzelnen Waffer- straßen muß davon ausgegangen werden, wie ste sich dem großen Kanalplan einfügen.

Nach Rehders Ansicht hat das Mitteldeutsche Kanal­netz drei wichtige Aufgaben zu erfüllen: L Die neuen Binnengroßschiffahrtsstraßen sind so anzulegen und aus­zubauen, daß sie auf möglichst gleich langem, zentralem und kürzesten Wege nach allen beteiligten deutschen Seehäfen führen und diese inbezug auf den See­verkehr, der kurz mit Nord- und S iid-Der kehr zu bezeichnen ist, instand setzen, nicht bloß untereinander, sondern in der Versorgung des deutschen Gebietes auch mH den ausländischen Seehäfen in wirksamen Wettbe­werb zu treten. 2. Die großen Durchgangs-Kanal­straßen sind so anzuordnen, daß sie den Binnenschiff- fahrtsverkehr tunlichst auf die freien offenen Flußwas- ferftrafjen überleiten, jedoch zugleich in der trockenen Zeit, wo die großen schiffbaren Flüsse die Bollschiffig- teit mehr oder weniger verlieren, dem Durchgangsver­kehr und den Hauptversandorten ausreichend Ersatz für die Flußschiffahrt bieten und eine Schmälerung oder Lahmlegrmg sowohl der die Seeschiffahrt bedienenden wie der bei Kriegszeiten für den inneren deutschen Verkehr unentbehrlichen Binnenschiffahrt vollständig ver­hindern. 3. Die vorhandenen größeren Binnenschisf- fahrtssttaßen sind durch geeignete kurze Hauptverbin- dungsstraßen mit möglichst günstiger Ausnutzung der natürlichen Wasscrspeisung zu einem einheitlichen, der Entwickelung des Wasterverkehrs mit den deutschen See­häfen besonders Rechnung tragenben Wasserstraßennetze zuiammenzufügen und in diesem die Kanaffttaßen für den großen inneren Verkehr, der mit O st-W e st-B e r- kehr bezeichnet werden kann, als möglichst kurze Durch- gangssttaßen für den Massenverkehr, also besonders für Massengüter der Bodenschätze (wie z. D. Kohle, Eisen, Kali, Steinsalz, Steine usw.) und der Landeserzeugniffe auszubilden. Auch diese Durchgangssttaßen sollen, so­weit angängig, mit den Straßen des N o r d-S fi d-D e r- kehrs vereinigt werden, damit sie den Maffenverkehr über die Seehäfen fördern und unterftützen können.

Das große Verdienst Rehders besteht darin, daß er die ganze Kanalfrage vom reichsdeutschen Stand­punkt aus betrachtet, und so die Wettbewerbsfähigkeit des Deuffchen Reiches dem Auslande gegenüber ins Auge faßt. Demnach genügt es nicht, daß im Innern des Landes die verkehrsreichen Industriegegenden durch Wasierfttoßen verbunden werden. Es kann auch nicht im deuffchen Interesse liegen, daß die Binnenwasser- straßen an Flüsse angeschlossen werden, an deren Mün­dung. ausländische Welthäfen gelegen sind. Gerade die Erfahrungen des Krieges haben uns gezeigt, wie ver­hängnisvoll es war, daß der beftausgebaute und ver­kehrsreichste Fluß im Auslande mündet. Rehder fordert deshalb von einem einheitlichen Kanalnetz mit Recht, daß es die deutsche Industrie und die deutschen Natur- und Rodenprodukte auf dem kürzesten und vorteilhaftesten Wege mit den Welthäfe n, und zwar mit den den t- scheu Welthäfen verbindet.

Der kleine Binnenwasserweg der Ems ist durch den Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals bis in das west­fälische Industriegebiet hinein verlängert und als Groß- schiffahrtsstraße ausgebaut. Die Weser ist bis nach Min­den schiffbar gemacht. Aber das 160 Kilometer breite Landgebiet zwischen Weser und Elbe, das quer dem Seehasen Hamburg vorgelagert ist, blieb vom Schiff­fahrtswege abgeschlosien. In frühester Zeit war dieses Gebiet bereits durch einen in der Mitte über Lüneburg und Uelzen führende Schiffahrtsstraße verbunden. Mit Lübeck und der Dftfee könnte es über Lauenburg durch ben Elbe-Trave-Kanal bie kürzeste Verbindung erhalten. Das vor Hamburgs Ausgangstor liegende Gebiet um­faßt sehr verkehrsreiche und bettiebfame Länder, näm­lich die Provinzen Hannover und Sachten, das Herzog­tum Braunschweig und im weiteren Hinterlande noch das Königreich Sachsen, das bis in die Täler des Erz-

Der König der Dolomiten.

Dolksroman von Felix Nabor.

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Doch im selben Augenblick durchzuckte ihn wie ein Blitz der Gedanke:Wenn es nicht Rositta war, so kann doch ihre Mutter, dieses falsche, ränkesüchtige und haß­erfüllte Weib, ihre Hand im Spiele haben. Wollte sie om Ende mich selbst ins Herz treffen?"

Effi Schauer überlief ihn. Es war ihm, als strecke sich eine bleiche Hand nach ihm aus, um ihm ben Dolch in bie Brust zu stoßen; er sah zwei ^glühende Augen auf sich gerichtet.

Er fuhr sich über die brennenden Augen mtb lachte hriser.Gespenster? . . . Fort mit euch!"

Bie wichen, aber der Name blieb

Belmonte!" gellte es ihm Ins Ohr, wild und zornig ein haßerfüllter Racheschrei.

»Belmonte! Belmonte!"

Dieser Name war der Schicksalsruf seines Lebens. Diele Jahre war er verstummt gewesen und nun Hub er mit einem Male wieder zu tönen cm wie eine begrabene Harfe, die ein Erdbeben aus ihrem Grabe schleudert, mit deren zerrissenen Saiten der Sturmwind spielt. ...

Sie klangen in schrillen Dissonanzen durch bie dunkle Frühlingsnacht, es war eine ernste, tiefe, schauerliche Melodie, die ihm der Name Belmonte ins Ohr sang Die Erinnerung erwachte aus ihrem Grabe und sah ihn mit starren Augen an . . .

Auch an ihn, den starken, gefesteten, kerndeuffchen Mann, war einstmals bie Versuchung herangetreten <wch er wax einmal im Paradiese geweilt, hatte bie Schlange gesehen unb ihren Biß empfunden . . .

5Das war freilich viele, viele Jahre her. Das war Wals gewesen, als er noch jung war und ein feuriges O*rj in der Brust trug. Als das Leben mit seiner Mt und seiner Freude noch lockte, als ihm bas Blut 3ugenbungeftüm burch die Adern braust- . . . Als deuffchen Recken die Sonne des Südens ins G sicht £>ien und bie welsche Sirene ihr feuriges Lieb fang.

da, Tamburin raffelte unb in feiner Tasche die Sil« *tIige klirrten und die Goldfüchse aus dem Beutel Iprangen . . .

3u Bozen war's gewesen, in der fogenumrantten Re- senstadt, . ,

gebirges hinauf als eine einzige Industriestadt bezttch" net werden kann. Außer Braunkohlen und anderen Na­turprodukten finden sich in diesem Landstriche die ab­bauwürdigsten, ausgedehnten Kalilager. Will man ober in diesem bisher abgeschlossenen Gebiet nunmehr eine erstklassige Schiffahrtsstraße von Westen nach Osten hinburchlegen den Mittellandkanalso versteht sich bei richtiger Bewertung der Derkehrsvorteile des Was­serwegs unb ber beuffchen Wettbewerbsfähigkeit mit bem Auslande von selbst, daß man gleichzeitig von ber ElbeNordsee (Hamburg) und ber Ostsee (Lübeck) aus, also von ben Seehäfen Hamburg-Harburg-Lübeck aus- gehenb, einen Nord-Wasserweg über Lüneburg unb Uelzen durch die Lüneburger Heide bis tief ins Hinterland hineinführen muß, ber nicht bloß den Ver­kehr des Mittellandtanals zu ben genannten Seehäfen hinleitet, fonbern gleichzeitig unter Mitbenutzung der dafür geeigneten Kanalstrecke Hannover-Elbe auch das ganze Gebiet jenseits des Mittellandkanals für den See­verkehr auf dem kürzesten Wasserwege zu ben vor­handenen Seehäfen aufschließt. Was ber Mittelkanal von Westen nach Osten unb umgekehrt als Verkehrs­träger schassen soll, das muß ber sogenannte Nord-Süb- Kanal als wichttgste Ausgangsstrecke des Wasserweges für bas Mitteldeutsche Wassernetz in ber Richtung von Norben nach Süden unb umgekehrt leisten."

Um auch Bremen eine stets vollschiffige Wasserstta- ßenverbindung mit Bayern zu sichern unb zugleich in bester kürzester oollschiffiger Weise mit bem mitteldeut­schen Kanalnetz oberhalb Magdeburg zu verbinden, hat Rehder noch die kanalisierte Aller von Celle aus durch einen rund 30 Km. langen vollschiffigen Kanal mit dem Mittellandkanal bei Ohof verbunden.

Die Mittelbeuffche Kanalstraße burchschneidet ganz Mitteldeutschland von ber Oder bei Breslau bis jum Main bei Hanau. Sie soll den kürzesten Weg von bem kohlenreichen unb industriellen Schlesien, dessen Kohlen- Vorrat sogar noch den westfälischen übersteigt unb von ber ostdeutschen Korn- unb Lebensmittelkammer nach Mitteldeutschland unb bem Rhein, wie auch nach der Oberelbe hin eröffnen unb außerdem nach beiden Enden hin die Fortsetzung der nordsüdlichen.Kanalstraße bil­den. Rehder schreibt:Ein guter Hausvater sorgt da­für, daß feine Vorräte gleichmäßig an bie Bedürftigen verteilt unb nicht einseitig erschöpft werden."

Der östliche Zug dieser Mitteldeuffchen Kanalsttaße führt zunächst in schleusenloser Strecke von Halle nach Deutsch zur Elbe bei Belgern, überschreitet diese mittels Brückenkanals, durchschneidet bann bas Niederlausitzer Braunkohlengebiet an Elsterwerda unb Rußland vorbei unb führt über Weihwasser, Leippa unb Liegnitz bis zur Ober bei Breslau. Ttzrrch Stichkanäle sollen bie an« grengenben Industriegebiete an die Kanalstraße ange- schlosfen werben.

Der westliche Teil der Mitteldeuffchen Kanalsttaße verläuft von Halle über Schraplau, Ulftebt durch das Kaligebiet nach Sangerhausen unb von bort mehr süd­lich durch bas Unstruttal über Adisleben, burchschneidet die Wafferscheide zwischen Unftrut unb Nesse, führt im Nessetal nach Eisenach und von ba bem Hörfeltal fol­gend nach der Werra.

Die Mittelbeuffche Kanalstraße von Breslau bis zur Werra hat eine Länge von 538 Km. unb erfordert 26 Staustufen.

Rehber hat nun eingehend bie AnschlußMög­lichkeit der bayerischen Wasserstraßen an die deutschen Welthäsen untersucht unb ist zu dem Schluß gekommen, baß bie beste Verbindung vom Mit­tellandkanal bei Lehrte durch ben Hildesheimer Zweig­kanal bis nach Sarstadt unb weiter durch bas Leinetal über Northeim, Göttingen nach Witzenhausen an ber Werra, alsdann ber Werra folgenb bis Gestabt, von da über Ortmannshausen, Sontra nach bem Fuldatal bei Weiterobe oberhalb Bebra und alsdann im Fuldatale hinauf über Fulda hinaus und von hier die Fliede aufwärts über Flieden nach Schlüchtern im Kinzigtale führt. Von hier geht ein Kanalzug im Kinzigtale hinab bis nach Hanau oberhalb Frankfurt am Main und ein anderer über Jossa im Sinntale nach Gemünden a. M.

Von Dankmarshausen führt ein etwa 15 Km. langer Derbindungskanal von dem Mitteldeutschen Kanalzuge nach bem Fuldatal bei Weiterode, wodurch die Mittel­deutsche Kanalstraße von Breslau bis zur Werra über bas Fuldatal hinaus bis nach bem Main hin vervoll­ständigt wirb.

Der eben beschriebene Kanalzug ist vom Mittelland­kanal bis zur Werra bei Witzenhausen 136 Km. lang mit 18 Staustufen (Scheitelhaltung auf 4- 198 m über N. N.) und von Witzenhausen bis zum Main bei Hanau 198 Km. mit 33 Staustufen. Die Strecke von Schlüch­tern bis zum Main bei Gemünden hat eine Länge von 35 Km. mit 6 Staustufen. Die Scheitelhaltung des Weser-Fulda-Mainkanals liegt auf -4- 272 m über N. N. Es erscheint aber möglich, bie Anzahl der Stau­stufen noch um etwa 8 zu verringern. Der von anderer Seite bisher geplante Werra-Mainkanal ist von Witzen­hausen bis zum Main bei Bamberg 2 8 Km. lang mit 63 Staustufen unb einer Scheitelhaltung auf 4. 358 m über N. N. (nach neueren Planungen auf 4- 319 m über N. N.) Die Doppeloerbinbung Witzenhausen-Ha- nau unb Witzenhausen-Gemünden ist also immer noch 25 Km. kürzer als bie Linie Witzenhausen-Bamberg.

Wer kennt nicht Bozen, die Schöne, bie selig in ber Umarmung zweier fröhlichen Gesellen, bes Eisak und bcs Taffer, ruht und ein wenig kokett zur welschen Etsch hinüberäugt? . . . Bozen, deren Weine an Eisak unb Etsch schon Virgil besungen, deren Rebensaft Kaiser Augustus Lieblingsgetränk war: ber Isera unb Trami­ner, ber süße Muskat unb ber feurige Brno Santo, und vor allem ber köstliche Magdalener! . . . Bozen, bie Liebliche, dieser Traum im Süden mit feinen zauber­haften Mondnächten, dem Duft ber Magnolien unb bem Lautenklang in lauer Lenzesnachtl . , . Ach, Bozen, Bozen!

Liebliche, schön gerundete, epheuumwachsene Erker mit glijjernben Scheiben, die wie Kirchenlaternen unter weit vorspringenden Giebeln hängen. Lange Kamin, schkäuche unb schmale, blätterumschlungene Türen, erz- beschlagen unb schön verziert nach ber Sitte bes Halte- Nischen Südens . . . Kleine, enge Gaffen, bie wirr unb kraus, aber sauber unb blank zu ben Bergen hinauf' springen oder scheu wie Diebe hinter niederen Häusern hinschleichen, über Rietschen zu heimlichen Hoftreppm und Brückenstegen kriechen und sich bann plötzlich an Mauern, Buschwerk und Gärten vorbei ins Freie stür­zen, auf grüne Wiesenhänge, die ins Sonnenland mün­den! ... Auf weitem, freien, sonnenbeglänzten Platze ein köstlicher alter Brunnen mit hohem, ziertich-.n Sau- kenschaft unb einem kühnen Ritter auf der Spitze. Aus zahlreichen Röhren ber Sprubel schäumender Wasser, die sich, von deutschen Sagenbilbern bewacht, fröhlich und frisch in das runbe Marmorbecken stürzen unb aller­lei Kurzweil treiben . . .

Da unb bort zwischen engbrüstigen Bürgerhäusern ein kleines, vornehmes Patrizierpalais mit wappenge- schmückten, Portal, hohem, stolzen Giebel, ibyllischem Hof, Hermen zwischen bunttem Marmor und einem Löwenkopf auf ber gebuckelten Tür . . .

Alles überragend ber gotische Dorn mit dem kunst­voll durchbrochenen Helm unb tief in der Altstadt bie Torwölbungen mit ihren großen, gähnenden Mäulern, unb dann dieLauben", bie Slutabern der Stadt. . .

Wer nicht im Lenz ben Duft der Linden atmete und nicht im Maien das Blühen ber Bozener Täler sah, wer nicht köstlichen Wein schlürfte in holzgetäfelter Trink­stube, ber kennt dich nicht, bu wunderliche Stadt!

Aber Andreas Pallanta hatte bas alles erlebt unb wandelte wie ein Verzauberter durch die alten Gaffen,

Rehder hat nicht den bisher in erster Linie vorge- schlagenen Anschluß durch ben Werra-Main-Kanal nach Bamberg, sondern den mehr westlich gelegenen nach Honau und Gemünden als den besseren erkannt, um auch bas ganze Maingebiet von Bamberg bis zum Rhein, sowie ben Oberrhein oberhalb Mainz ersoffen zu können. Hierburch erreicht er noch einen erfolg­reichen Wettbewerb ber deutschen Seehäfen mit Rotter­dam, der burch ben Anschluß nach Bamberg völlig aus« geschlossen erscheint. Durch ben Anschluß bei Gemünden werben bie bayerischen Kanalverhältniffe in keiner Weise benachteiligt, um so weniger als die Linie durch bas Fuldatal nach Gemünden mit der Scheitelhaltung 86 m (nach neueren Planungen allerdings nur mehr 38 in) niedriger bleibt, als diejenige über Meiningen nach Bamberg. In letzter Zeit hat die Linie durch das Kin­zig- und das Sinntal noch mehr an Bedeutung gewon­nen ba nunmehr bie gerade Verbindung von Gemünden durch das Werratal nach Schweinfurt gesichert ist, wo­durch der Umweg über Würzburg-Ochsenfurt (bie so­genannte Ochsenfurter Mainschleife) vermieden wird. Gerade bie in dieser Mainschleife liegenden bayerischen Städte Karlstadt, Würzburg, Ochsenfurt, Marktbreit und Kitzingen haben an ter kürzeren Verbindung durch das Sinntal das lebhafteste Interesse. Durch den unglücklichen Ausgang des Krieges hat die Weser als einziger reinbeutscher Fluh und damit auch die Weser- verbindung bedeutend an Wert gewonnen.

Des weiteren erbringt Rehder auch den Nachweis, daß die geplanten neuen Wasserwege auch den Anschluß der österreichischen Wasserstraße in bevorzugtem Maße an die deutschen Seehäfen vermitteln.

Daß Rehder in seiner Kanalpudie auch die wirt­schaftlichen Verhältnisse eingehend prüft, versteht sich eigentlich von selbst. So widmet er natur« gemäß insbesondere der Ka l i in d ust r i e einen 33 Seiten langen besonderen Abschnitt, wobei zuletzt noch Vorschläge über bie Benutzung der Kanäle zur unschäb- lichen Ableitung ber Endlaugen gemacht werben. Das vorgeschlagene Kanalnetz durchzieht bas Kaligebiet so­wohl in nordsüdlicher als in ostwestkicher Richtung so, daß fein ausgedehntes Kalifeld ohne Anschluß an die Großschifsahrtssttaße, sowohl zur Seeausfuhr zur Ver­breitung ins Binnenland, nach Oesterreich-Ungarn und nach Ostreichen hinein, durch ben daselbst geplanten Ost­kanal, verbleibt.

In einem 49 Seiten langen Abschnitt folgen endlich wirtschastl. Betrachtungen in verkehrstechnischer, handels­politischer unb militärischer Beziehung, in denen an Hand der Perkehrsstatistiken bie Entwickelung ber deut­schen Binnenschiffahrt aus bem Seeverkehr und ber Ein­fluß der Massengüter ber Seeschiffahrt auf den Ver­kehr der deuffchen Binnenwafferfttatze überzeugend nach­gewiesen wird.

U. a. kommt Rehder zu dem Schlrffse, daß Rohstoffe, wie Kohle, deren mir ja im Inland genügend Vor­rat haben, nur deshalb vom Ausland bisher in so aus­gedehntem Maße bezogen wird, weil unsere Fundstellen noch nicht genügend durch immer leistungsfähige voll­schiffige Wasserstraßen mit ben innendeutschen Ver­brauchsstätten und ben Seehäfen verbunden sind.

Was ben Wettbewerb zwischen Eisenbahnen unb Wasserw egen anlangt, so ist Rehder der An­sicht, daß die Wafferfracht bie billigste Beförderung der hauptsächlichsten Massengüter Kohle, Erz und Dünger­salze ist. Wollte man diese mit wirtschaftlichem Erfolge auf ben Eisenbahnen befördern, so müßte man hier Spezialtarife einführen, die die Selbstkosten der Be­förderung bei weitem nicht decken. Nach Hofrat Otto von Schneller, Wien, ist der Widerstand in der Fort­bewegung auf bem Wasserwege siebenmal kleiner aTs auf dem Bahnwege, bezogen auf gleiche Einheit unb horizontale Bahn. Die tote Last ist auf dem Wasser­wege nur %, auf ber Bahn bie Hälfte der Nutzlast. Die Vorhaltung ber Transportgefäße ist auf bem Was­serwege viermal so billig wie auf ben Eisenbahnen. Die Personalkosten finb im Betriebe bei ben Wasser­straßen nur halb so groß wie bei ben Eisenbahnen. Die Transportkosten sind baher auf bem Wasserwege ganz erheblich billiger als auf den Eisenbahnen und wenn man die Massengüter auf ben Bahnen unter Selbst­kostenpreis befördern muß, so ist es nur wirtschaftlich unb keineswegs mit einer Schmälerung der Eisenbahn- siberschüffe verknüpft, wenn man diese Güter auf ben Wasserweg verweist. Man barf nur nicht in kurzsichtiger Weise forbern, daß dieser Gütertransport nun durch Hobe Kanalabgaben auf einmal Wassersttaßenüberschüffe abwirft.

Wenn Rehders Kanalstubie schließt:Die deutsche Derkehrspolitik muß großzügig deutsch werden, wenn Deutschland seinen von überall beneideten unb bestritte­nen Platz in der Weltwirtschaft behaupten und weiter ausbauen will" undber Bau ber deutschen Reichs­wasserstraße wird bem deutschen Volke unb ber deutschen Industrie in ber schweren Uebergangszeit nach bem Kriege Arbeit und neue Kraft verschaffen", so ist einer­seits zu berücksichtigen, daß bie Studie vor Ausgang bes Krieges erschienen ist, andererseits aber soll sie uns eine Mahnung fein, daß nur durch Ausbau der Waffersttaßen Deuffchland wieder wirtschaftlich gesunden kann.

staunte in Heller Mondnacht Herrn Walters von ber Vogelweibe Bildnis auf dem Iohannisp'atz an, tränt aus dem vielarmigen Röhrenbrunnen und wurde doch den Zauber nicht los. Das war an jenem Tage gewe­sen, als er ftin Meisterstück machte zu Bozm und leim Meisterttank" saß bis zum dämmerigen Abend . ..

Unb dann nahm ihn ber Zauber erst recht in seine Arme.

Da saß er, stolz, daß ihm sein Meisterstück so trefflich gelungen war, in einer Weinen Weinstube, mit einem zierlichen Erker mit grünlichen Butzenscheiben bei einer Flasche Traminer, unb ihm zu Häupten brannte ein purpurrotes Licht wie eine ewige Lampe. Und wie ein grünes Katzenauge schaute der Mond durch bie Butzen­scheiben unb lachte ihm bald höhnisch, halb neckisch bis Gesicht. ....

Aber schöner als Sonne und Mond unb als sämtliche Sterne am Firmament büntten ihm die Augen ber schö­nen Hebe, die die Gläser füllte unb mit ihm anstieß auf Glück unb Liebe, und ihn anschaute mit ihren Feuer­augen, bab ihm das Her; auf bie Zunge sprang unb er sinnlose Worte stammelte . . .

Ach, wie war sie schön, die schöne Regina B'lmonte, dieKönigin der Berge"; wie süß klang ihre Stimme, wie bezaubernd war ihr Lächeln, wie köstlich ihr Wttn, der prickelnd durch bie Kehle floß unb in ben Adern wie Feuer brannte!

Ihm erschien sie wie eine junge Königin, bie von ben Bergen herabgestiegen war, um ihn, den jungen Meister von Salon zu beglücken .,. . Unb in ihre Augen schau­end, teerte er Becher um Becher, bis ihm die Sinne glühten und bie (Bebauten durcheinander wirbelten . . . Was ba geschah in jener Maiennacht in dem rosig er­leuchteten Erter hinter ben grünen Butzenscheiben ob sie ihn mit ihren heißen Lippen geküßt er wußte es nimmermehr! . . . Aber bas wußte er, daß sie seinen schweren Kopf in ihre Hänbe nahm unb ihm bas Haar aus ber Stirne ffrich und ihn lange, unendlich lange arffchaute mit ff" n goldschillernden Augen so lange, daß sich ihre Bücke wie glühende Pfeile in sein Herz bohrten unb in Brand setzten . . .

Unb von selbiger Stunbe an war er ber schönen Re- gna Belmonte verfallen mit Leib und Seele . . .

Den ganzen Sommer über wanderte er jebdn Sams­tag, sobald in ber Schmiede au Satan ber Hammer ben [

Das Beispiel Frankreichs, bas nach bem verlorene« Krieg 1870-71 sofort mit bem Ausbau feiner Wasser­straße begann, soll uns hierin eine Lehre fein.

Durch ben unglücklichen Ausgang des Krieges finb wir zwar wohl auf Jahrzehnte hinaus nicht imstande, an den Ausbau der Wasserstraßen heranzutreten. Allein wir müffen schon jetzt bie Vorarbeiten in Angriff neh­men unb bürfen unter keinen Umständen zulasten, daß durch irgend welche Maßnahmen das großzügige ein- heitiiche Waffersttaßennetz irgendwie durch örttiche 2n- t.ereffen beeinträchtigt wird.

Zu ben Vorarbeiten, bie bereits jetzt ausgeführi werden können und müffen, gehört in erster Linie ber Ausbau der Wasserkräfte. Sie müssen uns wenigstens zum Teil bie Mittel schaffen, um später an den Ausbau der Waffersttaße schreiten zu können.

Eine Ehrenpflicht.

Wer die breiten ober engen Straßen der alten Uni» versitätsstadt Göttingen aufmerksam durchschreitet, kann im Umherwandeln ein wenig Geschichte studieren. Das Unterrichtsmaterial ist allerdings etwas dürftig: man findet nämlich an vielen Häusern kleine weiße Denk- tafeln, die an berühmte Bürger der Georgia Augusta, jo jemals in dxm freundlichen Leinestädtchen gelebt ha­ben, erinnern sollen. Bier Namen unb Jahreszahlen können hierbei in eine Verbindung gesetzt werden: es ist einmal bas gelehrte Dioskurenpaar, bie Professoren Ganß unb Weber, die erstmalig 1833 ben Elektro­magnetismus mit Glück unb Erfolg zu telegraphischen Zwecken anwandten. Als sie vom Zoologischen Mu­seum aus über ben nördlichen Johanniskirchturm zur Sternwarte hin einenKupferbraht spannten, gerieten viele Ehöttinger" in nicht geringe Beunruhigung, ber be­sorgte Magistrat pflog mit ben gelehrten Physikern einen interessanten Schriftwechsel und ba man sich endlich davon überzeugte,als sey mit dieser Vorrichtung Ge­fahr irgendwelcher Art, fürnehmlich bei) Gewittern" nicht verbunden, erteilte man für die Versuche bie Ge­nehmigung. Ganß unb Weber blieben zeitlebens ein­trächtig befreundet unb wirkten bahnbrechend auf ihrem Gebiete. * In eben jener Zeit widmeten sich zwei Stu­diosen mit mehr ober minder heißem Bemühen bem Studium ber Jurisprudenz. Beide angehenden Exzel­lenzen waren damals freilich einander unbekannt, spä­ter liegen sie als Staatsmänner eine ganze Welt auf­horchen, zumal wenn sie in grimmer Fehde lagen unb auf politischem Kampfplatz ihre scharfgeschliffenen Klin­gen kreuzten: Bismarck unb Winbthör st. Es läge heute so sehr nahe, Vergleiche darüber anzustellen, welcher von beiden mit seinen politischen Anschauungen, deren überragende Bedeutung bis auf unsere Tage nachwirkt, den rechten Weg einschlug, allein zu bitter ist die Gegenwart, um mit restloser Genugtuung bem einen von ihnen zu bezeugen: er habe Recht behalten. Bismarck wohnte in seinem ersten Göttinger Semester Rothensttaße 27, später am Wall, hinter berkleinen Mühle" bei Gärtner Voß, Windthorst hatte sein Stu­dentenquartier tm löblichen GasthofZum Schwarzen Bären" aufgeschlagen, ber in einer Nebengasse zur Hauptstraße, derWeender" gelegen ist. Hier wohnte ber junge Studiosus im Schatten ber katholischen Kirche, wörtlich genommen, denn auf bem Nachbargrundstück befindet sich bas Pfarrhaus mit angebauter katholischer Kirche. Diese warf allerbings einen bescheidenen Schat­ten, denn eine Regierungsverordnung hatte Vorsorge getroffen, baß das Haus des Herrn nach der Sttaße hin als Wohnhaus gebaut erscheine. Ein Turm durste das Gotteshaus nicht zieren. Sollte etwa mit dieser Vorrichtung auch eine Gefahr irgendwelcher Art, für» nehmlich bei) Gewittern verbunden seyn?" Nun, bann hätte man boch einen Blitzableiter anbringen können. Die Gefahr lag wohl auf einem anderen Gebiete: ber brave Bürger ober Student durfte doch nicht an katho­lische Dinge erinnert werden! Schade nur, daß dieses Verbot zugleich ein Versuch mit untauglichen Mitteln war, denn schließlich blieben ja doch so viele Zeugen blühenden katholischen Lebens im Stadtbilde erhalten, bie bis auf unsere Tage bie reiche Entfaltung religiösen Lebens veranschaulichen: St. Nikolai, St. Alban, die Marien- und Pauluskirche. >

Windthorst lernte in Göttingen wohl zum ersten Male Diasporanot kennen. Eindrücke aus der Jugend- zeit sind bleibend. Abgesehen von der Engherzigkeit obrigkeitlicher Bevormundung war auch die Taffache, daß die Gemeindeangehörigen vorwiegend den minder-' bemittelten Volksschichten angehörten, mitbestimmend, daß, die äußere Ausgestaltung bes Gotteshauses nur auf das Notwendigste beschränkt blieb. Heutigentags, nachdem sich die Seelenzahl mehr als verdoppelt hat, es gehören übrigens 70 Ortschaften bes Außends-

letzten Schlag auf den Amboß getan, hinab nach Bozen, saß in bem rosig erleuchteten Erker, trank roten Tra­miner, schaute in bie Augen der schönen Regina unb lauschte bem Gesang bet zaubersüßen Sirene . . .

Eines Tages kaufte er um schweres Geld einen gol­denen Ring mit einem großen Rubin, um ihn der schö­nen Regina Belmonte an den Finger zu stecken. Aber immer wieder zögerte er, denn dies Sinnbild ber Treue wollte er nur einer geben, bie ihm von ganzem Her- zen gut war. Don Regina Belmonte aber wußte er nicht, ob sie ihn auch treu unb aufrichtig liebe; sie um­schmeichelte ihn zwar wie ein schnurrendes Kätzchen, aber noch niemals hatte sie ihn in ihre Seele schauen lasten ... f

Ihm wurde plötzlich heiß bis hinauf zu den graue« Stirnhaaren, so schämte er sich seiner Ingendtorhett. Mit raschen Schritten ging er in die Schlafkammer, wühlte in einer kleinen, eifernen Truhe und kehrte mit bem Rinne zurück . . . Das Gold war matt und sein Rubin glänzte in Hellem Feuer unb leuchtete wie Blut.

Da lief ihm ein eisiger Schauer über den Leib. Blut . . . und nix wie Blut unb Rache, das ist die Losung her Belmonter", sprach er vor sich hin.Seht vielleicht der Ring mit bem Mord am Firnkreuz in Verbindung? ..." Er legte ihn vor sich auf ben Tisch unb starrte ihn an . . . Und wieder wurde die Erin­nerung in ihm lebendig und in blitzartig erleuchteten Bildern tauchte die Vergangenheit auf ...

Wieder drunten im Erkerwinkel zu Bozen! . . . Ro­siges Licht, rubinroter Wein. Reginas Zauberaugen unb Pakantas hastige Frage:

Regina, Herrlichste, Unvergleichlichste, sag es mir endlich unb erlöse mich von dieser Qual: bist Du mir gut?" -

Ein girrendes Lachen, ein glühender Kuß, heiß unb versengend wie die Sonne des Südens.Nur gut? . . . Dummer, deutscher Bär, fühlst Du nicht, wie ich brenne, wie ich lobre?"

Strobfeuer vielleicht. Sag mir offen, ob Du mich liebst? Schwöre es mir, dann . . ."

Ein hastiger Griff in bie Tasche, aber der Ring war nicht zu finden, er hatte ihn wohl vergesten und zu Hause in seiner Kammer liegen lasten . . .Dann bring ich <ni' Brautring . . . Aber schwöre luoor*

(Fortsetzung folat) - __