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48. Zahrg.

Zreitag, Mär- 1921

Nr. 58

le aus Koblenz

eine

disponieren.

Gegenwehr.

Äurland.

* 17 neue Garnisonen in Polen Ans Warschau wird gemeldet: Der Kriegsmimster stimmte der Errichtung von 17 neuen Garnisonen in Polen zm 14 dieser Stationen befinden sich in itnmitteöatt® Räbe der oberschlesischen Grenze.

* Italien und die komnmnrstenbewegm«. 2a Italien tobt ein mehr ober weniger heftiger Kampf der ordnungsliebenden Elemente mit umstürzlerische» Kräften, liebe roll in Italien sind Selbsts chutzoerbände gegründet worden, denen vornehmlich Studenten und Söhne bürgerlicher Familien, daneben aber auch viele Arbeiter ihre Dienste leihen. Die sogenannten goetfft. finden, wo es notwerchig erscheint, die Unterstützung der militärischen Macht. Das Auftreten der Facisti ist keinsweos provokatorisch, sondern es dient ledig­lich -er Alnoehr kommunistischer Tumultdemonstratis- nen. Besonders auf dem Lande finden sie gegenüber dem roten Terror ein reiches Arbeitsfeld. Natürlich sind die Taten der Selbstschutzverbände fortwährend Verlemndunysobjekte der linksradikalen Zeitungen und Kämpfer. DerAvanti" weiß tägsich von blusigen Derbrechertaten der Facrsti zu berichten, verschweigt ober geflissentlich, daß kommunistische Treibereien bett Anlaß dazu boten. Auch die BerlinerFreiheit" glmcht den italiemfchen Kommunisten Vorspanndienste leisten zu müssen.

ans dem üachvargeditt.

[] Wanfried a. W. Am 27. Februar fand da» hier unter regster Anteilnahme der katholische» völkerung dieEinführnngdesneuenPfarrerl! statt. Schon des Samstags hatte der Kirchenvor-l stand seinen neuen Seelsorger am Bahnhof herzlich!

Die westeuropäische Zeit wirb in der Nacht zum 15. März für die Bahnen des besetzten Gebietes eingesührt: sie stimmt mit der mitteleuropäischen Zeit überein, so­daß dann also kein Unterschied zwischen der Eisenbahn- zcit rechts und links des Rheins besteht.

Ein Uebersall französischer Soldaten. Am 3. März abends 11 Uhr kam in Worms einem Fabrikanten auf fceni Heimweg in einer etwas weniger belebten Straße ein französischer Soldat entgegen und verlangte in un- Mlichem- Tone eine Zigarette Er erhielt eme Darre zog oder im gleichen Augenblick blitzschnell sein Seiten aemehr heraus und schlua dem Herrn nach dem Gesicht Neffen Arm und linkes Auge wurden verletzt. 3m fei f,c Moment versuchte ihm der Soldat in die Srufi- mich' zu areifen. Aus dem Hinterhalt sprangen noc. dre^fraiizösische Soldaten hervor und schlugen mit den

Oberschlefien.

Die ersten Abskimmungssonderzüge

mit fast 10 000 Abstimmlem sind im Eisenbahndirek. tionsbezirk Breslau angenommen und haben ihren Bestimmungsort erreicht. Nachrichten über Beanjtan- düngen oder über Schwierigkeiten beim Grenzübertritt sind nicht bekannt geworden. Aus allen Stationen Schlesiens wird gemeldet, daß die Stimmung der Ab- stimmungsberechtigten vorzüglich ist. Bei der Einfahrt der Sonderzüge auf den Haltestellen herrscht jubelnde Begeisterung. Unter den Reisenden befinden sich Männer und Frauen bis in das höchste Alter, auch junge Mütter haben es sich nicht nehmen lassen, in die Heimat zu eilen. Alle Reiseteilnchmer sind zuversicht­lich und des Erfolges gewiß. Die von den leitenden Stellen getroffenen Verpflegung--- und sonstigen Maß­nahmen werden lobend und dankbar anerkannt. Die Besetzung der Züge ist überall gut. Transportschwie­rigkeiten irgend welcher Art sind bisher nicht einge­treten. ________________

Aus vern besetzten Gebiet.

Auch die Unabhängigen durften in diesem edlen Wett- freit nicht fehlen, und so trat für sie der Abg. Ludwig aus den Plan, der ebenfalls eine sorgfältig vorbereitete Erklärung vorlas, die einen anderenDreh" hatte und an die internationale Solidarität der Arbeiterschaft zum gemeinsamen Kamps gegen denKapitalismus appel­lierte Als er die englischen und französischen arbeitet als Mithelfer in diesem Kampf ansprach, ging ein dröh­nendes Gelächter durch den Saal.

Man schritt dann zu der Wahl der Präsiden, ten, die insofern keine Ueberraschungen bot, als der bisherige Präsident Cdnert (Soz.) als erster Präsident wieder gewählt wurde. , , / o. <

Durch Zuruf werden die Adgg. Dr. P o r f ch (Ztr.), Dr. v. Kries (Dntl.) und Dr. Garnich (D. Dp.) zu Dizepräsidenten gewählt. t -

Präsident Ceinert teilt mit, daß das Staats- Ministerium feinen Rücktritt genommen hat, da ein Auftrag erledigt ist. Es wird bis zur Wahl eine» neuen Ministeriums die Geschäfte witersühren.

Dann vertagt sich das Haus auf Freitag.

Nach Meldungen, die von Ententeseite aus Koblenz kommen, hat die Frage der deutschen Zolleinnahmen eine schwierige Lage geschaffen. Nach einer Beratung von 48 Stunden sei die Rheinlandkommisiion in Koblenz zu dem Beschluß gekommen, daß nichts unternommen werden könnte ohne die Mitarbeit ober wenigstens das Einver­ständnis der amerikanischen Truppen. General Allen, der amerikanische Befehlshaber, habe aber keine Instruktionen über diese Angelegenheit aus Washington erhalten. Man erwartet, daß die Alliierten mit der ame­rikanischen Regierung verhandeln werden. Aber inzwischen

Die Londoner Konferenz

«st immer noch, und zwar ohne die Deutschen. Sie beschäftigt sich jetzt mit den gegen die Deutschen an» iumenbenben Zwangsmaßnahmen. In ihrer Sitzung vom Mittwoch nahmen die alliierten Delegierten Sennt» > bis von dem Bericht der Rheinlandkommission über die Äollzwangsmaßnahmen und des Marschalls Fach über dte militärischen Maßnahmen.

Die wichtigste Entscheidung besteht in der Annahme ,,öes Grundsatzes der Anwendung der Strafmaßnahmen für alle Verstöße Deutschlands gegen den Versailler .Vertrag, ft, es, daß es sich um die Entwaff­nung handle oder um die Auslieferung derK r i egs- schuldigen" ober um sonstige Verpflichtungen, d. h. . man will erst dann die Zwangsmaßregeln zmück- nehrnen, bis alle diese Fragen für die Alliiertenbe- l friedigend" gelöst sind.

Die ersten Dornen.

des mühsam wieder in Gang gebrachten deutsch-eng­lischen Handels. Die Liberalen unter der Führung des früheren Premierministers Asquith schließen sich diesen Bedenken an, auch sehen sie in den Zwangsmaßnah­men einen Bruch des Friedensvertrages, sie werden dem Gesetz daher im Parlament Opposition machen; allerdings ist diese zu schwach, um Erfolg zu haben.

Bedeutend stärker ist diese Opposition in Sta­tt e n, roo die Zwangsmaßnahmen nur einen ganz ge­ringen Anhang haben. Italien ist auf die deutschen Exportwaren in hohem Maße angewiesen, sodaß es sich durch diese Zwangsmaßnahmen empfindlich schä­digen würde. Giolitti hat ja auch bereits inoffiziell erklärt, daß Italien sich nicht an den Zwangsmaß­nahmen beteiligen werde. Desgleichen ist die Stim­mung in Belgien, das besonders als Durchgangs­land für deutsche Waren im Interesse seines großen Handelshafens Antwerpen nur von einer möglichsten Steigerung der deutschen Ausfuhr Vorteil hat, und in Japan sehr stark gegen diese Zwangsmaßnahmen. Auch erklärten die Delegierten dieser Länder bei den Londoner Besprechungen, daß sie durchaus gegen die zur Durchführung der Kontrolle nötige Wiederbelebung der Handelskontrolle in den neutralen Staaten seien.

* Rotterdam. 10. März. Der Börfenberichterstat- ter der LondonerTimes" meldet, daß die Höhe der infolge des Ausgangs der Londoner Konferenz annul­lierten deutschen Geschästsausträge aus 48 Millionen geschätzt wird.

Die Schwierigkeiten der Zollerhebung.

Deutsches Reich.

* Berlin. 10. März. Ununterbrochen laufen bei. der Reichsregierung 'W> allen Gegenden des Reiches und aus allen Schichten der Bevölkerung Kundge­bungen ein, die das Einverständni s mit der Haltung der deutschen Regierung gegenüber den Forderungen der Entente betonen. . I

»* Vie Loimsteuer. Der Steuerausschuß deS Reichs- taaeS erörterte gestern die Fraae einer Lohnsteuer. Em Vertreter des preußischen Finanzministeriums bean­standete, daß für die Gemeinden die Möglichkeit entfalle, daS Existenzminimum zu beftcuetn. Das Reich muffe für den hieraus sich ergebenden Ausfall Ersatz schaffen- Staatssekretär Dr. Zapf betonte demgegenüber, der Gesetzgeber habe nicht beabsichtigt, das aus soziale« Gründen steuerfrei gelassene Existenzminimum dep Gemeinden zu überlasten. Ein Rechtsanspruch auf Ersatz für die den Gemeinden erwachsenden Ausfälle bestünde nicht Nach längerer Debatte wurden gegen die Stimme« der sozialistischen Parteien folnenbe Beschlüsse gefaßt; Die Einkommensteuer beträgt für die ersten an, gefangenen ober vollen 21000 Mark des steuerbaren Einkommens 10 v. H.; für die weiteren angefangenen ober vollen 60o0 Mark 20 v. £>.; für die weiteren 5000 Marl 30 v. H.; für die weiteren 5000 Mark 35 v. H.; für die weiteren 5000 Mark 40 v. H.; für die wetteten 70000 Mark 45 v. H.; für die weiteren 80000 Marl 50 v. H.; für die weiteren 200000 Mark v. H.; für die weiteren Beträge 60 v. H. Die Einkommensteuet! ermäßigt fick für jede zur Haushaltung zahlend« Person, deren Einkommen dem Einkommen de» Steuer« pflichtigen hinzuzurechnen und die mcht selbständig zm: Einkommensteuer zu veranla ien ist, um je 120 Swart Ferner wirb für ständig beschäftigte Arbeitnehmer bestimmt, daß 4 Mark bei Tages- ober 100 Mark des MonatöarbeiiSlohnes von dem Steuerabzug frei bleiben. Die erstmalige Peranla iung erfolgt für das Rechnung», fahr 1920 nach dem steuerbaren Einkommen im Kalender« fahr 19 0.

« Wiederkehr der Otfebriefportos? 3m 27er Aus- schuß wurden die Beratungen über die neuen Postgebüh­ren fortgesetzt. Gegenüber den wiederholt erhobenen Dor- würfen, die Post arbeite nicht wirtschaftlich, wies Staats­sekretär Trucker darauf hin, daß die vorhandenen Hilfs- kräste systematisch entlassen würden. Die Mehrheit d« Konunission vertrat den Standpunkt, daß das ermäßigte Ortsporto wieder eingeführt werden müsse. Die Regie­rung erklärte sich hierzu bereit, wenn dafür eine Erhöhung des Fernbriefportos auf 70 Pfennig eintrete oder sonst em Ausgleich geschaffen werde. .

c. Dar neue hausgeotlfenarfetz. Der Vorentwun eines Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse de» HauspersonalS ist nunmehr im ReichSarbeitSmrnistertiuw fertiggestellt. Die Vorschläge der Gesellschaft für Sozias reform sind dabei entsprechend berücksichttgt worden.! Der Entwurf regelt die Rechte und Pflichten auS dem. Hausaehitfenvertrag, insbesondere die Dauer der Arbeits- bereitschaft, die Fieizeiten und die Ruhepausen. Pari»; iätisch zusammengesetzte Hausdienstausschüsie sind nacht Bedürfnis zu errichten und sollen Einzelstre,tgkeite« zwischen Hausgehilfen und ihren Arbeitgebern schlichtes Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß bet Entwurf auch dem Schutze der jugendlichen HauS, ehilfeiu in angemesiener Weise Rechnung trägt. Nach öster­reichischem Vorbild ist auch ein Personalausweis vor-, gesehen, der der Jdentilätsfeststellung des Hausgehilfen, dienen soll und dessen Ausstellung grundsätzlich nicht­versagt werden darf.

Die Handelskammer in Altona hak, dem Beschluß der Hamburger Im- und Exportfirmen folgend, einstimmig beschlossen, ollen Bevölkerungskveisen des Bezirks auf bas dringendste zu empfehlen, vom Bezug und Kauf englischer, französischer und bel­gischer Waren vollständig Ab st and zu nehmen, solange die Regierungen dimer Länder das deutsche Wirtschaftsleben in unerhörter Weise durch Gewalttaten zu vernichten bestrebt find.

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Beranuvonlich für öen teüauionelten Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Parze«ler-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda, .^ermpiemet Rr. 0. leiegr.-Adressr: Fuldaer Zeitung

Das Ende der Nederfchichten

im Ruhrdergbau

lieber die Erneuerung des Ueberschichtenabkommeus im Ruhrbergbau waren in den letzten Tagen Verhand­lungen geführt worden, sie find jetzt endgültig g e - schestert. Von Montag ab werden auf den Zechen keine Ueberschichten mehr verfahren. Die gleichzeitig geführten Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen der Bergarbeiterverbände blieben ebenfalls ergebnislos. In dieser Angelegenheit soll demnächst ein Schiedsgericht zusammentreten.

Hamborn wieder geräumt.

Die Besatzung von Hamborn ist wieder zurück- oerufen worden: nur die Hafenanlagen in W a l - (um, die hauptsächlich zur Versorgnug der Thyssen- (chen Werke dienen, sind stärker besetzt worden. An ven Bahichöjen des besetzten Gebiets mußten sömlliche Schilber, die die abreisenden Oberschlesier zur Treue tzurn Reich und zur Abstimmung für Deutschland auf­forderten, entfernt werden. Es ist auch schon zu klei­nen Zusammenstößen zwischen den Truppen und den Arbeitern gekommen. Ein Arbeiter wurde verhaftet, weil er der Aufforderung eines belgischen Postens nicht nachkam und diesen schlug. Ein Fran­zose wurde verprügelt.

Voreilige Kritik.

Die Kritik an dem Verhalten des Ministers rtt London hat bereits mit ungewohnter Hef­tigkeit begonnen, während die einfachste Pflicht der Gerechtigkeit geboten hätte, zunächst e nmal den Mann zu hören, den man jetzt zum Sündenbock stempeln will. Merkwürdigerweise sind es gerade politisch rechtsstehende Kreiie, die Kreise der deut­schen Volkspartei, die ein wahres Kesieltreiben gegen Simons eröffnet haben. Obwohl London so aus­gegangen ist, wie nach ihier Ansicht schon Spaa hatte ausgehen sollen, sind sie ganz unb gar nicht zufrieden and behaupten, daß Simons in London geheimen Einflüssen unterlegen sei und Angebote gemacht habe, die im Widerspruch zu den Ansichien der Sachverständigen ständen.

Es ist das Verkehrteste, waS wir tun konnten, wenn wir jetzt, statt unser empörtes Gefühl gegen de» Gegner zu wenden, Kritik an der aus London heimgekehiten deutschen Telegation üben wurden. Es mag nicht alles richtig gewesen, was Dr. Simons und seine Mitarbeiier in jedem einzelnen Augerckl ck gesagt und getan haben. Darüber werden sie dem Reichstag Rede und Antwort stehen. Man muß sich jetzt vor der deutschen Klitikjucht fürchten, die es fertig bringen formte, an der deutschen Delegation herumzunörgeln und dabei den entscheidenden Ge- sichispunkt zu übersehen, daß auch bte geirtrdtefte Verhandlungsfiihrung von deutscher Seite es nicht fertig gebrach« haben winde,den klafferidenSpalt zwischen den unerjüllbaren Forderungen der Gegner und dem »eulschen Anerbieten zu überbrücken. Man vergesse doch nickt, daß der Gegner zugestandenermaßen 11 n- mögl ickes von uns bcrlan te. Es wäre ja ein wahres Wunder, wenn eS in London zu einet Einigung gekommen wäre. Mögen sich alio uniere Besserwisser in Deutschland wenigstens bemühen, die Hauptsache nicht unter Nebensachen verschwinden zu lassen. Tas werden sie nicht leugnen können, daß die deutsche Delegation in London alle Verhand­lungsmöglichkeiten ei schöpft hat, daß sie zum Schluß soweit ging, den Alliierten vorzuschlagen, daß für die nächsten fünf Jahre die Pariser Beschlüsse die Grundlage einer Einigung bilden sollien. Dieses Provisorium ist von der Gegenseite abgelehnt worden.

Wichtiger als Kritik zu üben an dem, was ge­schehen ist, scheint nun dock Kl arheit darüber zu gewinnen, was weiter zu geschehen hat.

Tas Neichskabinett

steht hinter Dr. Simons.

Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten fand Lonne«slag voimittag eine Sitzung des Kabinetts statr, in bet der Minister des Auswärtigen über die Londoner Bethanotungen Bericht erstattete. Auf Grund dieses Berichts und der eingehenden Auf­klärungen, die sich in ausführlicher Aussprache er­gaben, faßte das Kabinett einen Beschluß, der die Tätigkeit des Ministers einmütig billigt unb sich mit feiner Haltung in Lonbon ernvetstan­den erklärt. Der Reichspräsident fchlotz daran den Ausbiuck beS Dankes für bte hingebende Arbeit des Reichsministets unb bet Delegation.

Auch in bet gestrigen Sitzung des Auswär­tigen Ausschusses hat, wie verlautet, die Dar- stellung des Ministers vorwiegend günstige Auf­nahme gesunden.

herrsche Berroirrung.

Lähmende Wirkung auf die Wirischafi im befehlen Gebiet.

Die augenblickliche Wirtschaftslage dsr besetzten Gebiete wird vor allem durch die absolute Ungewiß­heit über das, was werben wird, gekennzeichnet. Weder von Berlin noch von Koblenz liegen Jnsormationen oder Snitruftiwien vor. Niemand weife, wann und rn welcher Weise die zollpolitische Abschließung des besetzten Gebietes vorn übrigen Deutschland vi-r sich g-chev mrd obj« über/ Haupt in der angekündigten Art erfolgen wirb. 3m Augenblick ist äußerlich noch alles beim Alten. Der Der- kehr ins unbesetzte Gebiet ist tatsächlich im wesentlichen unbehindert. Güter- unb Personenzüge fahren wie bisher. Der Rheinoerkehr wird lediglich durch den wieder, einmal miserablen WasierstlMd eingeschränkt. Trotzdem liegt na- taaemäft die Absperrung als eine lähmende Drohung über dem ganzen Wirtschaftsleben. Das Geschäft, das vorher schon still war, ist vollkommen ins Stocken geraten und niemand vermag über den nächsten Tag hinaus zu

Deutscher Reichstag.

In der Donnerstazssitzung des Reichstages wurde die Aussprache über den Haushalt des Ministeriums des Innern fortgesetzt. Als erster Redner des Tages betonte der Zentrumsang. Dr. Schreiber, daß bas_ Innenmini­sterium ein Gradmesser sei für die geistige Höhr und für die politische Reife de- Balkes. Der gegenwärtige Ma- terialismus breitet sich mehr und mehr aus und ge­fährde al'mk>b!,ch auch den Ktnatrzweck Die Gesetz­gebung müsse auf die Heberwinfeung des Materialismus eingestellt n erben. 3n diesem Sinne fei das Reichs- jugendwohlfahrtsgefetz und das in Aussicht gestellte Ge­setz gegen die Schundliteratur warnt zu begrüßen. Der Staat habe die Pflicht, zur Ueberwinbung des Mate­rialismus die kulturellen und religiösen Berbänbe zu unterstützen. Daneben fei es notwendig, daß auch die Familie mitschöpferisch tätig sei unb zwar in erster Linie auf dem Gebiete der Schule. Redner tritt ein für eine warmherzige Unterstützung der deutschen Wis­senschaft und weist darauf hin, daß die Kultur Europas nicht blühen könne, wenn Deutschlands Wissenschaft ver- kümmere. Die tiefgehenden und sachkundigen (Erörte­rungen des Zentrumsredners fanden starken Beifall. Dann kam her Abg. Eoerling (bt. 23p.) zu Wort. Die Frage, ob der Minister die in einem guten Haushalt erforderliche Sparsamkeit flbe, sei nicht leicht zu beant- warten. Man müsse aber auch zugeben, daß bei den mancherlei Erfordernissen des Innenministeriums die Sparsamkeit nicht leicht geübt werden könne. Eine Ehren­pflicht sei es, in diesen Tagen der Beamten in den be­setzten und den annettierten Gebieten zu gedenken. Es sei Aufgabe des Innenministeriums, eine größere Ein­heit der Kultur zustande zu bringen. Reichsminister koch suchte behauptete Unrichtigkeiten zu korrigieren; im übrigen sagte er Berücksichtigung der geäußerten Wünsche zu. Zum Schluß der Sitzung führte Dr. Moses (Unabh.) unter Aufbietung größter Lungenkraft scharfen Kampf gegen den Reichsinnenminister wie auch gegen das Gesamtkabinett. Er erntete dafür den Beifall seiner Getreuen und das mitleidige Lächeln derer, die gewohnt sind, Dinge objektiver und vielleicht auch tiefer zu beur­teilen. Nach einigen richtigstellenden Worten des Reichs­ministers Koch vertagt sich das Haus auf Freitag, da der Auswärtige Ausschuß zusammentritt, um den Bericht des aus Landon zurückgekehrien Außenministers Dr. Simons entgegenzunehmen. ,... i

Landtagseröffnung.

Gestern trat der neue preußische Landtag zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen. Bereits den ganzen Vormittag über hatten Besprechungen der Frak- ttonen stattgefunden, die sich in erster Linie mit der Re­gierungsbildung befaßten. Das bisherige Staatsmini­sterium hat dem Landtag in einem Schreiben feinen Rücktritt mitgeteilt.

Um 2 Uhr eröffnete der Alterspräsident Abg. Herold (Ztr.) die Sitzung, die außergewöhnlich stark besucht ist, mit BegrLßungsworten an die bisherigen Mitglieder des Hauses und an die Neueingetretenen. Mit schar­fen Worten wendet er sich dann gegen die alsSank- ttonen" bezeichneten Gewalttaten und Rechtsbrüche der Entente und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß hier­durch die Einigkeit des Volkes nur noch gefestigt werbe. Das deutsche Volk wird sich nicht zerschlagen taffen, es hat den Willen zum Weiterleben. Er gedenkt dann der Abstimmung in Oberschlesien und sagt, die Oberschlefler werden den Ost- und Westpreußem in der Treue zum Reiche nicht nachgeben. ..

Herolds Ausführungen weckten stürmischen Beifall im ganzen Hause. Nur die Kommunisten und die Un­abhängigen verhielten sich schweigend. Man merfte gleich, daß sie etwas besonderes vorhatten. Adolf Hoff­mann, der an der äußersten Spitze der äußersten Lin­ken seinen Platz eingenommen hatte, studierte fortwäh­rend in einem wohlvorbereiteten Schreibmaschinen. Manuskript, von dem man später erfuhr, daß es die Antwort auf die Rede des Alterspräsidenten barfteUen sollte. Es war auch danach. Adolf Hoffmann macht sich allmählich zu einer Hanswurst-Figur, und diesem feinem Ruse" bereitet er nun auch im Landtage wieder alle Ehre. Die Erwiderung, die er gegen Herold vom Stapel lief;, war nichts anderes als ein mit den üblichen Phra­sen stilisierter Hufruf für Sowjettußland, und ein Kampfruf zur Einführung der Rätediktatur. Adolf Hoff­mann würbe für seine Redeübungen durch das Geläch­ter der überwältigenden Mehrheit des Hauses schier er­drückt. Er war selber zuweilen verdutzt darüber, aber er mußte doch das von Moskau biitierte Phrasengewim­mel abklappern

uldaer Zeitung

Amllicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Die Abgabe vom Verkaufspreis der deutschen Aus­fuhrware bereitet den Ententemachthabern schon aller­hand Schwierigkeiten. Man hatte beschlossen, von bett alliierten Käufern einen Teil bes Preises, den sie für deutsche Ware bezahlen müssen, einzubehalten. Hier­zu ist aber in ollen Ländern ein besonderes Gesetz notwendig, und nun ist die Londoner Konserettz be- sthüftigt, einen solchen Gesetzentwurf, wie er gleich« artig in allen alliierten Parlamenten vorgelegt werden soll, auszuarbeiten. Hierbei stellt sich bereits heraus, daß diese Maßnahme schon unter den Alliierten selbst eine starke Gegnerschaft findet.

Das einzige Parlament, das diesen Gesetzentwurf ohne weiteres schlucken wirb, wirb wohl bas fran­zösische sein. Auch in England wirb es schließlich wohl Annahme finden, besonders da es die Unter­stützung derjenigen industriellen Kreise findet, die die deutsche Konkurrenz sürchten. Andererseits ist aber . der englische Handel alles andere als erbaut von dieser drei sranzowche öototuen yciuui unu um ueu

Maßnahme. Man befurchtet eine schwere Störung ' Bajonetten auf ihn ein. Ser Angegriffene flüchtete Er

ist gesundheitlich erheblich geschädigt; auch sind ihm Gar­derobestücke weggekommen und seine Sachen ruiniert worben. Die Wegelagerer sollen bis nach 12 Uhr nachts an derselben Stelle geblieben unb noch mehrere Passan­ten belästtgt und geschlagen haben.

* Die kosten für die Rheinlandkommisfion. Die Kosten für die interalliierte Rheinlandkommisiion für 1920 haben neuert)ings von 40 auf 115 Millionen erhöht werden mästen. Rechnet man, so bemerkt dazu das23erL Xogebl", zu dieser Summe noch die auf etwa 13 Millio­nen geschätzten Ausgaben für bte amerikanische Vertretung bei ber Rheinlandkommission unb mindestens weitere 12 Millionen für die Unterbringung der Delegierten der Rheinlandkomimssicm, so ergibt sich, daß diese Kommission im Rechnungsjahr 1920 das deutsche Reich 140 Mil­lionen Mark ko st en wird. Da es sich dem Verneh­men nach bei der Rheinlandkommission um einen Beach- tenapparat von etwa 1350 Beamten und Hilfskräften han­delt, so kommen auf den Kopf im Durchschnitt rund 103 700 Mark Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß von den 1350 Kopsen etwa 1000 zmn Unterpersonal gehören. Diese Zahlen zeigen, wo die Besatzungsmächte ohne Schwierig­keit Geld für die Wiederherstellung freimachen können.

Ter Aufruhr in Rußland.

Eme Rigaer Meldung, baß bte Kronstäbter Revolutionäre Petersburg erobert hätten und bte boljchewiftlschen Führer aus der Stadt geflüchtet seien, klingt nicht jebr glaubwürdig. Jtn Gegenteil scheint bte Sowjetregierung Herrm ber Lage zu fein. Der Artilleriekamps zwischen Kronstabt unb Peters- bürg hat stark gbgenomrnen. Tas Rosta-Bureau meldet, es zeige sich in den Reihen der aufwändigen Matrosen immer weniger Lust, den Kampf fortzu- setzen. Tas wirb auch burch finniiche Meldungen begütigt, die erklären, innerhalb der Kionstäbter Garnison bestehe Uneinigkeit. Man nimmt an, daß der Kron tädter Auiruhr von ber Sowjet- regierung binnen wenigen Tagen niedergeschlagen sein wirb, zumal es ausgeschlossen sei, daß die Auf­wändigen über große Lebensmitteloorräte verfügen.