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Donnerstag, 10. liTärz 1921. I
Nr. 57.
Lezugrpreis: tDionauid; 3.0ü ZRt ohne Hufteilgebüfrr. In Fu.Do bei uns abqetjoh 3,15 NN. Itnjelgenprei»: Sie Stiern ie ile aotoneimaß) 60 Stfl-. “ 10° • äuidjlaq, Me «etlame jeile (Teiibreite' 1.80 Ult. u. 10% Buidila.i. Bei Wiederhol.Rabatt.
üeraniroorilid) für den itounsontUen Teil: Karl Schulte. - <üt di» ünzeicen: I. Par ze >er»Fulda. ~ Ro'aiionsdrurl u. Verlag der Fuldaer zlctienbrudetei in Fulda. eernifitatet Rr. 0. Te>egr.-Ädre>se: Fuldaer Zeitung
48. ZaHrg.
deutscher lleich
Zucker st euer gcsctze Einnahme van 100 M
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54 Stimmen abgelehnt, der Zentrumsantrag fand dagegen eine firope Mehrheit.
(£3 so! ten dann die üblichen Wänlcbe und Beschwerden, wie sie jede E atsberatung mit sich biin. L Mit Bcisall wurde daS Bekenntnis des Reichsschatzministers Dr. von kta'Ner nufcenommen, daß er von der Notwen» Di, tcit der Erhaltung eines fesunden H indwerks so überzeugt sei, datz Dec MitielOanS vpr Förderuni durch ihn sicher iein könne. Schließlich wu de der Etat bei NclchSschahminifteriu nS genehmigt und das Haus tritt nunmehr in die Beratung del HaukhaltsetatS deS ReichSministeriumS des Innern em.
Auf die Kritik, die das Ministerium durch bte «bat. Braun (Loz.) und v. Delbrück (Dnat.) erfuhr, suchte Minister lloch dem Hause die nieten in den Zeit» Verhältnissen begiündeten schw erigkeiten klarzulegen. Die seiner Arbeit hindernd im Wege stehen. Er bet- wahrte sich vor allem gegen den Borwurf, dotz er eS an Der notwendigen Sparsamkeit habe fehlen lassen, dagegen bet der GesetzeSmacherei übertriebenen Elser ge< zeigt habe und besprach dann dar Verhältnis deS Reiches zu Preußen, das er unter Abweisung deS Gedankens einer Zertrümmerung Preußens verliefen möchte. Notwendig fet es zu diesem Zwecke, daß der Reichs «danke in den Emzelländern immer sestets Wurz.in fasse. Bemerlenswert war ferner, was der Minister über die Negelung deS Polizeiwefens sagte. Ec zeigte sich als nachdruck.icher Befürworter bet In» stitunon einer Reichskriminalpolizei, die allem tmjlanbe sei, ersoigreichen Kampf gegen oas Verbiechertum zu jüljren. Zum Schluß sprach Minister Koch der Beain« tenschast m den besetzten Gebieten für ihre treue Pflicht« erfiillung seinen Dank auS.
Donnerstag: Weiterberatung.
Deutscher Reichstag.
In der Mittwochsitzuna trat der Reichstag in die Weiterberatung des HauShatS del Reichsschah. Ministeriums ein. Abg. isammer (bin) begründete seinen Antrag auf ein Reicksgesetz, daS einheitliche Richtlinien und Grundsätze bei der Vergebung von SlultrS’cn der Staats- und Lanbe-be! örden an das Handwerk bezweckt. Demaegenüber beirünbete der ZentrumSabg. und Hanbwerkervertieter £ »he»Hagermann seinen und seiner Freunde Antraa, wonach die RetdiSre ierung ersucht wird, einen Ausschuß einzube. rufen, Dem sachverstänhi e Bei tretet bet beteiligten Ressort» sowie bet zustänbi. en Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerorganisat'onen anaehören sollen, um für die Vergebungen von Lcistun en un-> Lieferungen einheitliche Grün sähe für Reich und Länder zu schaffen. Dazu betonte bet Redner, daß der Antrag Hammer er, fahtuitgSgemäs; nicht zum Ziele fuhren würde, eine baldige einheitliche Regelung im Interesse de» Hand. Werks jedoch geboten ,ei. So wurde bann im Wege b-3 L-ammelsprutigS bet Antrag Hammer mit 202 geg.u
Die Ermordung Datos.
lieber das Attentat, dem bet spanische Ministerpräsident Dato zum Opfer gefallen ist, wird noch gemeldet: Als Dato Im Kraftwagen vom Senat nach .Haufe fuhr, folgten ihm drei Unbekannte, vermutlich Syndltakisten, aus Motorrädern und holten den Kraftwagen an bet Ecke bet Cerranvstraße ein, ipo sie ans den Minifterpräftdevten 27 Revolverschüst« abgaben. Der Chauffeur des Ministerpräsidenten fuhr mit der größten Geschwindigkeit nach der nächsten Unfallstation, wo die Arrzte mir noch brn Tod hrs Ministerpräsidenten fcst'tellen konnten. Er hatte zahlreiche Wunden, darunter drei tödliche. Die Angreifer hatten die Kugeln an ihrer Spitze abgeschnitten, um sie so in Dum- Dum-Geschosse umzunxmdÄn. Die Slngreifer entkamen. Bisher fehlt jede Spur von ihnen.
Demnach scheint der Ministerpräsident ein Opfer eines revolutionär-anarchistischen oder bolfchemstischen Attentats geworden zu fe*n. In letzter Zeit war Spanien bereits des öfteren durch anarchistlfch-bolsche- wisttsche Unruhen erschüttert worden und gerade Dato war, obwohl et redlich nach einer Versöhnung der sozialen Gegensätze strebte, seit langem das Ziel wildester Angriffe der radikalsten gewerkschaftlichen Elemente Spaniens gewesen, die ihm zum Vorwurf machten, unter bet Maske bet Dolksfreundlichkeit kapitalistischen Tendenzen zu dienen.
Dato war einer der namhaftesten Staatsmänner in Spanien, er war Führer der konservativen Partei und hat sehr oft Ministerposten, mehrere Male den des Ministerpräsidenten bekleidet. Während des ganzen Krieges hat er eine streng konsequente Neutralitätspolitik geführt.
August T bhlsen-D ü i te sind be etzt romben. Es finh eine belgische Na^fahtkompanie in S'äike von •200 Mann und eme ESkadton belaischer Kavalletie einoei tickt. Zwischen'alle sind nicht vorge'ommen. Man e’märtet den Einmaisch größerer Truppen- mass, . E« nebt d-»? Gerücht um, bah man die babe, auch Oberhanien zu besetzen. In irg leien sieben Kompanien Flatzo.cn und iompanien SBelutei-
* ® r Zteueranrschuh der Reichr ager erweiterte die Steuer treiben oer Krreasoertetzten bis zur Rentenhöhe von 8(K0 Mark unb strich das Recht, die Beiträge zu ben politischen unb gewerkschaftlichen Ormniintionen vom Einkommen abzuztehen. Der Abzuz ist nur noch zulässt,, für Die Beiträge zu Bereini lungen, die auS« schließlich wiflenschaftliche, kirchliche, künstlerische ober gerne,nnntzine Zwecke verrohen.
»♦ 50 COO dculsche Waggons ln Polen zurückgehal- len. In einer Aussprache über die Frage der deutschen Aussibrsperre gegen Polen, die Montag in Berlin statt- fand, machte ein Vertreter der Reichsregierung aufsehenerregende Mitteilungen über das unerhörte Ser« halten de: polnischen Eisenbahnbehörden auf dem ©e- biete des deutsch-polnischen Güterverkehrs. Danach ha-, ben die Polen trotz des seinerzeit vereinbarten Warenaustausches in gleicher Höhe nicht weniger als 50 000 i deutsche Waggons widerrechtlich zurückgehalten und sie sich ohne jede Eigenleistung rmgeeignet. Es handelt sich nicht etwa um die damals bei der Räumung der früher preußischen Gebiete zurückgelasfencn großen Anzahl von Güterwagen. Son derselben zuständigen Se"e mürbe ferner mitgefeilt, daß allein in der Zeit vom Mai bis, Oktober vorigen Jahres von den täglich von Oberschlesien aus nach Ostpreußen abgegangenen Kohlenziigens mit Eisenbahndienstkohle auf her Fahrt durch den polnischen Korridor 108 Züge spurlos verschwunden sind. All« Reklamalionen und Beschwerden in dieser Richtung sind völlig ergebnislos verlaufen. — Um so mehr ist es zu verwundern, daß noch keine schärferen ®e- genn oßnahmcn gegen die Unverschämtheit der Pole» angewandt worden sind.
Ausland
**'• Einladung Oesterreichs nach London. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Mayr hat ganz plötzlich eine Einladung zur Londoner Konserenz erhalten, et reist am Donnerstag nach London ab. lieber die Grünt« zu der überraschenden Einladung wird im „Reuen Wiener Tageblatt" ousgeführt: Einmal scheint England die Absicht zu hoben, eine möglichst ungleiche Behandlung Deutschlands und Oesterreichs zu zeigen. Das erklärt wohl auch die Eile, mit der die Einladung Oesterreickfs dem Abbruch der Berhandlungen mit Dr, Simons nad)folgte. Dann dürste England aber auch von der Absicht geleitet sein, das in letzter Zeit be* obachtete Bestreben starker deutscher Wirtschastskonzern» sich in Oesterreich auszudehnen, aus Rücksichten der Staatsräson unb zugunsten seines eigenen Kapitals etwas einzudämmen. Dazu kommt, daß England weiß, daß die österreichische Regierung für den Fall, daß die Hilferufe an die Entente vergeblich sein sollten. bereits Verhandlungen mit neutralen Staaten, in erster Linie it Holland rinpelcitct hat. die auf ein Abkommen wegen Errichtung einer österreichischen Pank und anderer Hiifsmaßnahmen abzielen. Man nimmt an, daß die österreichische Segierurig für um griähr ein Lahr von der drückendsten Rahrunasnot t 'ircit wird und das, ferner die Rohstoff- uro Kodlen- rerforgung in dem Maß« gesichert werden könnte, daß d'e Industrie wieder botbmrps Qivberemäffg w'rd arbeiten können. Das Kohkenprvt-l-m erbe'sht um so ormqlicher «io« Lösung, «U b* schwere Koch»cnso:gi,
An die Bewohner der veletzlen Gebiete.
Im A'ischlnsi an ihren gestern mitgeteilten Protest geaen die Einritt) unz «'ne? be oitbercn Zollgebietes am Rhein, haben die Abgeoidneten der besetzten G.biete einen Aufruf an die Bewohner der besetz eit Gebiete erlaffen, worin sie fonen:
Die Annahme ber Pariser Beschlüsse würbe für DeutschianD ein SktavenloS bedeuten, wie eS noch niemals einem großen Kulturvolk aufgebiirhet worden ist Was wir in London anboten, war da« Höhstmah besten, was Deutschland ira.ien kann. Man bat uni etc Angebote zurück,rewiesen, man app lliert an bie Gemalt. Die Sanktionen unb bie Zwangsmaßnahmen, bie über unS verhängt woi den sind, enthüllen b >s letzte, eigentliche Ziel ber Enientepolitck. Diese» Ziel ist DetttschlanbS Zertrü mmer uncik Aber bi^cseS Ziel wirb nicht erreicht. Dafür dir t ber ge-unde Sinn dcS deutschen Volkes, fein unzer örbarcr LebenSiviNe. Do» letzte und einzt-e, waS uns geblieben ist, linier Vaterland unb unsere Einheit, werden wir uns nicht rauben lasten.
Rheinlänbcrk Rheinhestenl Pfalz r! Lanier als zwei Jahre schon traut Jar bie schwere Last der feind, lichen Besetiung. Sie hat ba8 fflanb, bas Euch mit Deutschland eint, nicht relackert, sondern noch enger und fester geknüpft. Nun will man zu wirlsamen Mitteln greifen. Ihr wiht, waS Euch -uiedacht ist. Man will am Rhein eine Z allschran ke errichten, um En-b wirtschaftlich van Deulschland abzufchnüien. Die wirtschaitliche Trennung bedeutet ben ersten Schritt zur politischen LLiSreitzung, zur Annexion. Eure fchöne Heimat, bie Perle ber deutschen Länder, ist in Gefahr! Das Vaterland kann sie nicht schützen. Ihr allein könnt sie retten. WaS auch kommen mag, walpt Euer Deutschtum, haltet fest am Reich l Steine Macht ber Erbe ist stark genm. Euch gegen Euren Willen von Deutschland loSznreisirn. Bor allem: seid einig! Schtieht Eure Reihen! WaS immer auch kämmen mag — reicht Euch bie Hände zu einem ein«' müti en Gelöbnis: Komme, waS kommen mag, wir bleiben deutsch!
Rheinländer! Rbeinhestenk Pfälzer! Die An-ien ber ganzen Welt sinb auf Eu 6 gerichtet. Zernt Ihr, Da6 Deutsche Treue kein leerer Wahn ist, baß Ihr eher alles ertrnnet, aI8 bah Ihr Deutschland jemals Die Treue brächet. Haltet treue Wacht am deutschen Rhein! DaS Vaterland öeriraut auf Euch!
Berlin (Reichstag), den 8. März 192L
Die im besetzten rheinischen Gebiet gewählten ReichetagSabgeordnelen der Teulschen demokratischen Partei, der Deutschen Voikspartei, der Deutschnationalen Voikspartci, der sozialdemokratischen Partei, der Zen- trumLpartei.
Sie mache« nicht mit
IfallenS Ministerpräsident Giosiiti erklärte im Ministerrat unter Zustimmung aller anwesenden Mitglieder des Kabinetts, daß die ilalieniiche Negierung auf die Miiwirkung an ben Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland verzich et.
Tie Prager Zeitung ,Ga8' stellt halbamtlich fest, daß sich auch die Tschechoslowakei an den Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland n'cht beieiligen werde: aste gegenteiligen Gerüchte seien vollständig unbegriinber.
Die amerikanische Regierung gibt bekannt, daß die amerikanischen Truppen am Rhein nur für bie Anwendung bet Klauseln bes Versailler Vertrages bestimmt sinb, also nicht an weitergehenben Maßnahmen miiwirken werben.
* Berlin, 9. März. Aus Doorn wirb gemeldet. Der Kaiser feierte am Sonntag in Doorn das vierzigjährig« Bestehen feiner Ehe. Zu dieser Feier kamen der Exkronpriuz und Prinz Eitel Friedrich nach Doorn. Der Zustand der Kaiserin erlaubt keine Festlichkeiten.
* jteuc Vorlagen im Reichstag. Dem Reichstag sind, wie wir bereits vor einiger Zeit anäinbigten, her Gesetzentwurf betrcffenb eines Süß st aff Monopols sowie ein Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des Zucker st euer gefeites zugegangen. Ersteres soll eine Einnahme von 100 Millionen, letzteres eine solche von 1 Milliarde bringen. Ferner ist dem Reichstag ein ®e- fetzentwurf zugegangen über bie Vertretung ber Länder im Reichsrat. Rach der Vorlage bat im Reichsrat jedes Land mindestens eine Stimme. Ein Ucberschuß von mindest. 350000 Einw. wird 700 000 gleich gerechnet Kein Land darf durch mehr als zwei Fünftel aller Stimmen vertreten fein. Nach diesen Bestimmungen würde im Reichsrat vertreten sein Preuße« mit 26 Stimmen. Davan entfallen auf die Regierungs. mitglieber und bie Provinzen je 13 Stimmen, sodaß jede preußische Provinz eine Stimme Im Reichsrcu haben wirb. Auf Bayern entfallen 10 Sitze, auf Sachse» 7, auf Württemberg 4, auf Baden 3, auf Thüringen, Helsen und Hamburg je 2, auf bie übrigen Länder Je 1 Stimme.
Die Rückkehr der deutsche» Delegation.
Gestern abend nach Einbruch der Dunkclhnt traf die deutsch« Delegation aus London wieder in Berlin ein. Schon lange vor der Ankunft des Zuges hatten sich Zehntausende am Bahnhof emgefunden, um die Delegation zu begrüßen. Üeberall auf den Stationen, wo ber Sonderzug auf der Rückreise hielt, waren die Delegierten Gegenstand lÄchafter Ovationen. Nur in den neu besetzten Städten, die auf der Hinfahrt noch frei vom Feinde waren, mußte jede Begrüßung unterbleiben. In Berlin hatten sich auf dem Bahnsteig der Reichskanzler, Staatssekretär von Huniel und Staatssekretär Albert mit anderen Vertretern der Regierung und der Behörden eingefunden. Ms der langsam einfahrends Zug hielt, stieg als erster General v. Seeckt in Zivil aus, von Fehrenbach mit stummem Händedruck begrüßt. Dann wandle sich der Reichskanzler an Dr. Simons. Die beiden verantwortlichen Männer der Reichsleitung sahen sich lange ernst in die Augen. Dr. Simons sagte mit klarer Stimme: „SBir haben getan, was wir konnten!", worauf Fehrenbach unter herzlichem Händeschütteln erwiderte: „Wir setzten auch unser ganzes Dertranen in Sie!" Als dann die Delegation den Bahnsteig verließ, kam es zu gewaltigen Kundgebungen der Volksmenge, die die Delegierten bestürmten, ihnen die Hände schüttelte und Dr. Simons minutenlang so schr bedrängte, daß er nur mit großer Mühe sein Auto erreichen konnte. Der Bahnsteig, der weite Potsdamer Platz und die NÄenftraßen waren von gewaltigen Menschenmasien dicht besetzt. Der Wagenverkehr stockte vollkommen. Die Begeisterung war ungeheuer. Ohne Unterbrechung brausten vieltaufendstimmige Hochrufe auf Simons und Deutschland durch die Menge. Nur schrittweise konnte den Herren der Weg freigemacht werden. Bei der Abfahrt der Kraftwagen brach die Menge von neuem in spontane Huldigungen aus, man fang „Deulschland, Deutschland über alles" und die „Wacht am Rhein".
Än Elberfeld, der Vaterstadt Simons, halte eine große Menschennfenge den Zug erwartet, Musik- kapellen spielten, „Deutschland, Deutschland über alles" wurde gesungen. Auf die Ansprachen, die gehalten wurden, erwiderte Simons mit Wünschen. Er sagte, die Delegation habe in London alles versucht, um die Feinde von weiteren Maßnahmen gegen die Heimat abzuhalten. Es fei aber unmöglich gewesen mehr zu versprechen, als Deutschland zu halten imstande wäre. Das Vaterland würde aber alles überstehen, wenn nur alle Deutschen treu znfammenständen.
Beratungen i« Berlin.
Als erste parlamcntariscke Körperschaft wirb der Auswärtige Äusschuß des ReicbSlages Donnerstag nacbmittag ben Bericht des Außenministers entgegennehmen. Am Freitag wird dann voraussichtlich daS Plenum des Reichstages zu den Fragen Stellung nehmen, die auf die Londoner Konferenz Bezug haben. Im Auswärtigen Amt wirb ein Weißbuch vorbereitet, das dem Reichstag vorgelegt werden soll, worin der Gang der Verhandlungen in London wiedergegeben wird.
Die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen.
Zur Beschlagnahme der an der Westgrenze des besetzten Gebietes zu erhebenden deutschen Einfuhrzölle ist der dortige Zolldienst bereits durch französische Beamte und Militärs besetzt. Die beiden anderen Zwangsmaßuahmen, die Errichtung einer eigene« Zollgrenze zwischen besetztsm und um besetztem Gebiet und die Einbehaltung eines Teils bis zu 50 Prozent vom Preise der m den Ländern der Entente elngeführken deutschen Waren, erfordern noch Vorbereitung, bis sie praktisch werden können. Die Einbehaltung der 50 Prozent bedarf einer Ge. setzesvvrlage in den einzelnen Parlamenten. Lloyd Gwrge hat bekoTmtlich ferner anoekündigt, daß gewisse Maßnahmen getroffen werden sollen, um eine Umgehung diese: Gesetze der Berbandsiander zu verhindern.
Das zweischneidfge Schwert.
Die Verbündeten wie die Neutralen merken immer mehr, daß die Waffe, dke Frankreich in Bewegung gesetzt hat, ein zweischneidiges Schwert ist. Was Deutschland treffen soll, trifft alle die Kreise, die mit Deutschland Geschäfte treiben. Es häufen sich die Klagen über die Stockungen in Handel und Wandel sowie über die Unsicherheit, die hinsichtlich der bereits abgeschlosfenen Geschäfte und der Zahlungsverhällnisse entstanden ist.
Man hat sogar den Eindruck, daß die Unruh« im Auslande ärger ist, als in Deutschland selbst, weil wir Deutschen auf eine Heimsuchung solcher Art gefaßt waren. Sm Auslande dagegen hatte man von der Londoner Konferenz höchstens eine Drangfallerung der De u t i ch c n erwartet, aber nicht solche wirtschafts- Sn Sanktionen, die den ganzen Weltmarkt in nschaft ziehen. Die angekündigie halbe Konfiskation der deutschen Ausfuhr mit ihren verwirrenden Einwirkungen auf den Waren- und Geldverkehr bildet ein fatales Osterei.
Sn England werden schon lebhafte Proteste laut. Sn Frankreich noch nicht, we'l man dort zunächst in der vermeintlichen „Eloire" schwelgt und überhaupt in gcschösilichen Dingen etwas langsam von Begriff und Handlung ist. Aber gerade Frankreich wird bei Fortdauer dieses neuen Krieg« empfindliche wirt- fchafttiche Schäden haben, da feine Ausfuhr nach Deutschland, namentlich in Luxuswaren, Verhältnis- möfjig groß und recht lohnend war. Was die gram Hafen an ten neuen Zollschranken erbeuten, wird hinter »en drei Sahresmilltarden, die ihnen Simons schließ- lich gebeten hat. arg Zurückbleiben unb obendrein noch grcßcn Teil wieder ausgehoben werden durch die Einbuße an französischem Nationalvermögen. Der mi- wärisch^ „Ruhm", den die Besetzung von drei wehr- wfen offenen Städten einbringt, ist so wie so ein zwei- Nastes $;ng; auf keinen Fall kann man von dieser t8l0ite falt werden.
A:? dcr Welttrieg seinen Anfang genommen hatte, ^“fünbete der leitende Minister in England: Das
Geschäft geh' wie gewöhnlich. Setzt, nachdem der sog. Fricdensverlrag schon zwei Jahre alt ist, erleidet das Weltgeschöft. dos für England die Grundlage der Wohliahn ist, eine schwere Störung, und zwar nicht durch bie , bösen Feinbe", sondern durch die Staats- kurist ber eigenen Regierung, die sich zum Helfershelfer der französischen Gewalt- unb Katastrophenpolitit hat machen lassen. Und die Neutralen, die während des Krieges unter den „schwarzen Listen" und den sonstigen 'Erpresiungen des seebeherrschenden England so lang« und schwer gelitten haben, werden jetzt wiederum dem geschäftlichen Zwang« ausgeliefert, den England durch die teilweise Erneuerung der Blockade auszu- Lben gedenkt. Wenn die neuen Gesetze über die Be- sckiagnahme der deutschen Waren, über die Kontrolle der neutralen Lieferungen wegen des deulschen Ursprungs usw. In den Parlamenten verhandelt werden, wird sich der zweischneidige Charakter der Santtionen eist recht bekunden.
Als nächstes Opfer der neuesten Slaatskunst hat Deutschland keine Veranlasiung zur Schadenfreude: doch dürfen und muffen wir die internationale Gcfchästs- ftörung im Auge behalten, da sie eine bittere, aber heilsame Medizin bildet. Aus den schlechten Erfahrungen werben zuerst die Geschäftsleute und dann das mittelbar betroffene Publikum und in letzter Linie auch die verbohrten Staatsmänner die Erkenntnis schöpfen, daß Europa und die ganze Kulturwelt leidet, wenn ein so großes und slrißiges Volk, wie das brutsche, mißhandelt und in feinen Betrieben gelähmt wird.
Se schärfer sich die Wirkungen des Mißgriffs zeigen, desto eher wirb man sich zur Umkehr auf dem Irrwege entschließen. rtDa» kann ja nicht lang« dauern," ist die Redewendung des Tages. Auf diese Zuversicht gründet sich auch die musterhafte Ruhe, die In Deutschland herrscht, sogar an der sonst so nervösen Börse.
Erträgliche Zustände in der Welt lasten sich nicht durch Diktate und Sanktionen schassen, sondern nur durch die Mitwirkung Deutschlands. Man braucht unsere Zustimmung und unsere freiwilligen Leistungen. Man wird anklopfen wegen neuer Verhandlungen.
Lloyd Georges Mderspruch.
Das letzte Angebot, das Reichsmlnister Dr. S! - m o tt s in London machte, bestand darin, daß Deutschland sich bereit erkläre, eine feste Regelung für die nächsten fünf Sahre in Aussicht zu nehmen. Sn feiner Erwiderung fugte bann Lloyd George, die Alliierten könnten sich auf ein Provisorium mast einlasten, - und ber von den deutschen Sachverständigen ausgestellte fünfjährige P l a rr sei von keinem Staatsmann der Alliierten jemals ausgenommen worben. Diese Behauptung schlägt der Wahrheit geradezu ins Gesicht. Die französische und englische Regierung haben nicht lange vor der Londoner Konferenz in amtlichen Mitteilungen Deulschland sogar aufgcfordert, auf ein damals vorgefchlagenes Provisorium einzugehen. Der sog. Seydoursche Vorschlag, den damals Deutschland " annehmen sollte halt« allerdings neben der vorläufigen Regelung für fünf Jahre noch andere Elemente für einen auf der deutschen und französischen Zusammen- arbeit beruhenden Entschädigungsplan enthalten. Keinesfalls aber halte er weiter gehen tonnen als das deutfcke Angebot, das sämtliche Ziffern der Pariser Deschlüffe, allerdings nur für fünf Jahre, animhm. Es ist sehr zu bezweifeln, ab Deutschland imstande gewesen wäre, gerade in den nächste« fünf Jahren so ungeheure Lasten zu fragen, jedenfalls aber Hütte doch über dieses aus Ententekreifen ursprünglich stammend« Projekt verhandelt werden können.
Aus die stärkste Wirkung war auch die Bemerkung Lloyd Georges beredmet gewesen, daß das deutsche Bolk weniger besteuert sei als bas französische ober englische. Dazu führte seyx richtig Dr. Simons aus: „Man kann nicht die verfchledenen Belastungen auf den Kopf der Bevölkerung in Goldmork umgerechnet miteinander vergleichen. Verarmte Länder können natürlich nur eine geringere Kopfquote der Besteuerung tragen al* reiche Länder. Man muß die Belastung für den Kvpf vielmehr mit dem Einkommen für den Kopf vergleichen, und da ergibt sich, daß nach Abzug der Steuerbclastung ein Einkommen auf den Kopf der Bevölkerung übrig bleibt: in England von 1378,5 Gold- mark, in Frankreich von 702,5 Goldmark, in Deutschland von 330 Goldmark. Hieraus ergibt sich klar, daß nach Maßgabe einer Leistungsfähigkeit Deutschland am stärksten belastet ist.
Noch eine dritte Bemerkung Lloyd Georges fordert zum Widerspruch hermts. Im Unterhause besprach er dle für die Entente angeblich unannehmbare „De- binguffg" des Verbleibens von O b e r f ch l e f l e n bei Deutschland, di.' Dr. Simons für feine Zahlunasfähig. kett aufgcfbnt habe. Dann sagte er weiter: „Die De- volkeruna Deutschlands wurde selbst ohne Oberschlesien bie Secölferunn Großbritanniens und Irlands um 10 Millionen übersteiaen. Dle Alliierten könnten daher nicht glaubet», daß die Forderungen die Leistungsmog- ttchkeit elne? sleißi''en Volkes von über '>■'> Millionen Seelen übet ff einen." Es gehört irr der Fat viel dazu, die Leiffung-säblakeit eines um feine besten Rohstass- gebiefe, seiner Schiffe, feines Auslandsvermögens beraubten Landes mit der des englifiben Weltreiches zu vergleichen, dos feine Reichtümer seit Jahrhunderten aus den ungeheuren Kolovialgebieten schöpft, die es ständig auf da; rücksichtsloseste ausoebentet hat. Ein solcher Vergleich zeugt von einer Frivolität, die vielleicht selten noch ein btbeuienber Staatsmann in einem so ernsten Augenblick aufgebracht hat.
Weitere Ausdehnung der Befetznng.
Ancb Hamborn unb ber Kohlenhafen bet