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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 56.

tietaniwonlid; tüt Den iroauionellen Teil: Karl Schütte. - Mr DU Anzeigen: I. Parzei >rr»Fu!da. z RotaUonsdruü il Verlag Der Fuldaer zldienDrjrferei in Fulda. Semtptedier Nr. 9. Telegr.-ADresse: Fu Idaer Zeitung

Mittwoch, 9. Märr i921.

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48. Zahrg.

Der Reichskanzler

über die Gewalttaten der Entente.

Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Reichstags ergriff Reichskanzler Fehrenbach das Wort zu einer Erklärung. Er führte aus:

Die Londoner Verhandlungen sind abge­brochen. Unsere Delegation ist auf dem Rückweg. Ich bin der Meinung, daß in eine Erörterung der in Lon­don geführten Verhandlungen erst nach der Rückkehr un­seres Außenministers Dr. Simons eingetreten werden kann. (Lebhaftes Sehr richtig!) Aber zu einer Maß­nahme. welche die alliierten Regierungen beschlossen und bereits in Wirksamkeit gesetzt haben, glaube ich ver« pllichtet zu sein, Stellung zu nehmen, nämlich zu den Sanktionen. Ich besinne damit, daß ich dieses Wort in das richtige Deutsch übersetze (lebhaftes Bravo): es sind nichts als Gewalttaten. (Sehr rich­tig!) Ehrwürdige Begriffe des Rechtes haben mit sol. eien Maßnahmen nichts zu tun. Es gibt keinen Rechts- boden für die militärischen Maßnahmen, die die alliier­ten Regierungen setzt eingeleitet haben, um einseitig ge­forderte Leistungen non uns zu erzwingen. (Sehr wahr!) Dem Protest, den Herr -Dr. Simons schon in London gegen die Beschlüße der Alliierten erhoben hat, schließe ich mich namens der deutschen Regierung und des deut­schen Volkes an. (Bravo!) Dieser Rechtsbruch wird auch durch Verkleidungen nicht verhüllt oder, gar ge­heiligt. Der Rechtsbruch erscheint um so schmäh­licher, wenn er gedeckt wird durch die Namen der Staatsmänner der siegreichen Mächte, und wenn er sich richtet gegen ein Volk, dem man jegliche Wehr genom­men hat, um sich gegen die Gewalt zu wehren. (Hört! hort.) Dieser Rechtsbruch wird auch dadurch nicht ge­mildert, daß er als Drohung bereits in dem Moment vnqekündigt morden ist, wo die Entente durch ihre Pa­riser Beschlüsse ihre unmöglichen Forderun­gen an das deutsche Volk gestellt hat.

Die letzten Wochen haben uns in der Ueberzeugung festigen können, daß durch diese von den Alliierten ge­übte Art weder eine Regelung der europäischen Derhält- niffe noch eine Liquidierung des Krieges möalich Ist. (Lebhafte Zustimmung). Und wenn in dieser Weise fort­gefahren wird, kann das Hebet nur vergrößert werden (erneute Zustimmung). Glauben wirklich die, alliierten Staatsmänner, daß auf diese Art eine geordnete R e< gelung in hi e europäischen Wirren einge­führt werden kann? Es ist unmöglich. Sie werden sich dadurch selbst nur immer weitere Ungelegenheiten schossen, und man wird nach ööfumen aufs neue suchen müßen, die aus der Svbäre konstruktiver Unmönlich- kriten überleiten in tatsächliche, menschlichen Kräften mögliche Wirklichkeit (Sehr i^chtta!) Es mu<- an die Stelle der Gewalt hrr ehrlich»» Wille, b I e Weltge- mein schast des guten Willens treten.

Wir sind bereit gewesen, zu unserem Teil di-se Welt­gemeinschaft des guten Willens zu betätigen. Wir haben uns nicht geweigert, aus dem Verlust des Krieges die nötigen FolgerunaeN zu ziehen und auf uns zu nehmen. Wir sind uns völlig darüber klar, daß wir beim Wie­deraufbau her Welt die schwerste L a st zu tragen haben. Wir haben uns auch redlich bemüht, unsere Geoner zu überzeugen von den Grenzen her deutlch-n Lelltun"ssähigkeit. (Zurufe auf der äußersten Linken.) Zunächst haben wir den Tatsachen ins Auge zu sehen, die durch die Derwirksichung der Sanktionen über das deutsche Volk hereingebrochen sind. Es kommt für das deutsche Volk, das während des Krieges so unendlich Vieles durchgemacht hat, aberma's eine schwere Zeit. Jetzt gilt es für das deutsche Do'k die Höhe sei­ner Spannkraft, die Ausdehnung seiner Geduld und sei­ner Treue im Aushorren tu beweisen. Ich habe Vertrauen zum deutschen Volk. Dor allem aber geden­ken wir in diesem Augenblick der von den Maßnahmen der alliierten Mächte zunächst betroffenen deutschen Gebiete, die wir in heißer Liebe umfassen. Es war herzerhebend für uns wahrznnehmen. welcher Geist in diesen Gebieten herrscht, welche Entschlossenheit, welche Ausdauer und welcher Mut, alles auf sich zu nehmen, wenn es gilt, dem ^aterlande hie Treue zu leisten. (Leb­hafter Beifall.) Wir danken unseren Brü­dern im bedrohten Gebiet für diese Beweis» ihrer Anhänglichkeit und werden alles hm, was möglich ist, um Ihnen ihre schwer? Lage zu mildern. (Erneuter Beifall.)

Noch ein Wort zur Schuldfrage. Der Dttn'ster des Auswärtigen Dr. Simons hat In London an Ne Ge- K apvelliert. Ich glaube aber feststellen zu dürfen.

is Urteil schon heute feststeht. (Beifall und Hört! Hört!), daß es jedenfalls in her Richtung feststeht, daß die Aufbürdung der Schuld ausschließlich auf die deut­schen Schultern nicht bloß eine Derkennimg, sondern eine Kränkung der Herren Iswolski, Polneor^ sowie auch gewißer englischer Staatsmänner bedeutet. (Lebhostes Sehr richtig!) Ich überlaste dos Urteil der Geschichte, ich bin aber der Meinung, daß die Geschichte Ihr Urteil wahrzunehmen haben wird nicht bloß über die Schuld am Kriege, sondern auch über das Diktat des Bersailler Friedens. (Stürmt- scher, langanhaltender Bestall.)

Dos Haus beichloß, in eine Aussprache er ft nach Der Rückkehr deS Ministers SimonS einzutreten.

"Die Meltgemeinschast des guten Willens."

Ueber den Abbruch der Londoner Besprechungen herrscht in Deutschland nach wie vor ruhige Fassung vnd eine feste Hoffnung, daß auch diese Krisis über­wunden und zu neuen Verhandlungen unter besseren Violinisten führen wird. Diesem Gefühl hat auch der Reichskanzler Fehrenbach in seiner kernigen Ansprache an den Reichstag treffenden Ausdruck ge­geben, als er aussprach, daß die alliierten Rsgierun- yen durch ihre Zumutung unmöglicher Forderungen keine Regelung der europäischen Wirren schaffen wür­den. An die Stelle von Gewalt muffe der ehrliche Wille, die Weltgemeinschaft des guten Willens treten.

Die Erkenntnis der wirstchntslichen Solidarität, die Weltoemeinschaft des guten Willens zur gegenseitigen Aushilfe, hat in London sich noch nicht durchsetzen können, obschon sich dazu etwas bessere Ansätze zeig­ten, als in Spoa. Die Entwicklung kann aber auch nach der Abreise der Diplomaten ihren Fortgang neh­men. Warum sollen nicht alle Deteilioten klüger wer­den durch die bitteren Erfahrungen, die sich aus dem setzt eingeleiteten gewalttätigen Zwischenspiel ergeben werden? Die Erfahrungen werden sehr bitter sein für Deustchsaich, aber auch bitter für Frankreich. Dort erhält man um so weniger Beute und um so wchr wirtschaftlichen Schaden, je schärfer die Gewalt-

-----------------------------------------------,------- taten auf die deutsche Arbeit und die deutsche Leistungs­fähigkeit wirken.

Wir müffei, mH einer allmählichen Ernüchterung der Franzosen rechnen. Denn das entschiedene Ein­greifen von England t.af man nach bisherigen Erfah­rungen kaum erwarten.

Warum ist Lloyd George abermals umge­fallen? Er betrachtete offenbar die ganze Sache nur von dem einen Gesichtspunkte aus: England mutz das gegenwärtige französische Ministerium am Leben erhalten und überhaupt die Freundschaft mit Frankreich um jeden Preis sichern, weil sonst Nordamerika, der gefährliche Rivale Englands, sich hinter Frankreich steckt und damit aus dem europäischen Festland eine starke Stütze gewinnt in seinem Handelskrieg und Flottenwettbau gegenüber England.

Den übermütigen Franzosen ist augenblicklich ein weltpolitisches Urbergewicht in den Schoß gefallen, weil sie von der Eifersucht zwischen Nordamerika und Eng­land profitieren. So geben die Vereinigten Staaten zum zweiten mal den Ausschlag zu ungunsten Deutschlands. Sie haben durch ihre ungeheuren Lle- femngen an Geld, Soldaten und Kriegsmitteln die militärische Niederlage Deutschlands herbeige­führt, und jetzt, in dieser Zeit des dauernden Unfrie- dens haben sie durch ihren Druck auf England den Aus- schlag gegeben für den diplomatischen Fehlschlag von London.

Will man ba von einer diplomatischen Niederlage sprechen, so trifft dieses Wort mehr auf die englische Staatskunst zu, als auf die deutsche, unsere Ver­treter bringen freilich keinen Erfolg von London heim, aber auch keineswegs eine Einbuße an Ansehen. Un­sere Vorschläge zur Güte sind von den Gegnern obge­wiesen worden, doch haben wir mit erhobenem Haupte den Schauplatz verlassen können. Die englische Politik aber hat sich gebeugt. Lloyd George hatte die Konferenz nach London einberufen in der Hoffnung, dcch er dort nicht nur das formelle Präsidium, sondern auch die tatsächliche Leitung und die Entscheidung in seiner Hand haben werde. Doch die Franzosen haben ihm das Heft aus der Hand genommen und in feiner eigenen Hauptstadt ihm den Beweis geliefert, daß das britische Weltreich unter den obwaltenden Verhältnissen dem Pariser Eigenwillen imchgeben muß.

Bei uns zu Lande gibt es sogar Leute, die es als vortellhast für Deutschland anfetten, daß die Gegner in London das letzte Angebot von Dr. Simons (15 Milliarden oder noch mehr in den 5 Probejahren) nicht angenommen haben. Sie meinen nämlich, diese Ver­pflichtung wäre schon über unsere Leistungsfähigkett hinausgegangen, und wenn die Entente das Angebot aufgegriffen hätte, so würden wir bald in Verzug ge­kommen und dann erst recht den Straf- rmd Zwangs­maßregeln ausgeliefert worden sein. Wie dem nun sein mag, unser Vertreter hat jedenfalls den eindrucks­vollen Beweis des guten Willens bis zum äußersten gegeben. Wenn man daraufhin mit den rechtswidri­gen und verderblichen Zwangsmaßregeln antwortet, so wird die Gegenseite bald spüren, daß allzu scharf schar­tig macht, sowohl schartig in moralischer, als auch in realpolitischer Hinsicht.

Wir müssen leiden, aber wir werben Genossen im Leiden haben, und wir beruhigen uns mit der Zuver­sicht, daß auf die Londoner Konferenz eine bessere Konferenz zu Genf oder sonstwo folgen wird, auf der man endlich zu einem erträglichen Vergleich kommt.

Der Bruch.

Gemalt geht vor Recht. Diese bittere Wahrheit haben wir schon oft erfahren müssen. Aber es ist un­erhört auch in der Aera der brutalen Gewalt, in der mir seit Jahren leben, daß Rechtlichkeit, Freiheit, Menschlichkeit, jene Ideale für die die Entente zu käm­pfen sich rühmte, so schnöde verhöhnt und frei) miß­braucht werden, wie es jetzt geschieht.

Worum ging denn der Streit? Der letzte Simons« scke Vorschlag ging dahin, ein öjähriges Provisorium zu schassen, welches zunächst einmal für diese Zeit genau die gleiche Summe (13% Milliarden Goldmark), brachte, wie sie in den Pariser Beschlüssen gefordert war. Außerdem sollte für bk lOprozentige Ausfuhr- abgebe ein ausreichender Ersatz geboten werden. Die Entente hatte also siir vorläufig fünf Jahre alles, was sie verlangte, nicht einen Heller weniger! Wie ber Rest der Kriegsentschädigung abzutragen wäre, darü­ber wollte die deutsche Delegation am Donnerstag weitere Vorschläge machen. Ob wir bas Angebot hät­ten burchführen können, ist aflerbingg eine große Frage. Es hatte in ben beteiligten politischen unb wirt­schaftlichen Kreisen, wie man uns aus Berlin schreibt, geradezu Bestürzung hervorgerusen, denn dort war man von der Unmöglichkeit ber Erfüllung überzeugt. Aber Simons hat bas Aeußerste ausbieten zu müssen ge­glaubt, um ben Haden nicht abreißen zu taffen.

Unb bennoch laßt bie Entente ihre Truppen mar­schieren! Obwohl sie für bie nächsten 5 Jahre alles in Aussicht gestellt bekam, was sie selbst forderte, unb ihre Forderung war doch wahrhaftig nicht bcschci- ben! Trotzdem greift sie zu Zwangsmaßregeln, bie ihnen diese Milliarden nicht verschaffen können, aber ihnen Hunderte von Millionen Mark an Derwaltungs- kostett aufbürben. Ist das nicht Heller Wahn- k j n n? Hat hier nicht bie Gewalt einen Ihrer rohesten Triumphe über Rechtlichkeit unb Menschlichkeit errun­gen?

Wir neiben bem Marschall Fach unb seinen Solda- len benSiegerruhm" wahrhaftig nicht. Große Trup- penmassen mit einer Ausrüstung an Kriegsgerät, als ob es gegen halb Europa zu kämpfen gälte, finb in Bewegung gesetzt zur Besetzung breier wehrloser Städte. D e rSieg" ist billig. Die Weltgeschichte wirb ihn einst anders bezeichnen!

Die Rückkehr der deutschen Delegierten.

Nach Schluß der offiziellen Sitzung der Londoner Konferenz haben, entgegen Meldungen, die in der Pieffeaufiauchien.weitereSachverständmenßeratungen nicht mehr ftattgefunben. Die deutsche ®elrgation, die geiiern nachmittag London verließ, wird heute abend in Berlin erwartet

DerSiegeszug".

Unter des ruhmreichen Fach Führung haben die Armeen der Entente neue Lorbeerkränze an ihre Fah­nen geheftet. Sie sind unter Fanfarengeschmetter mit Tanks, Artillerie und Maschinengewehren, wie schon gemeldet, in drei wichtige deutsche StMe, die Rhein­häfen des Ruhrgobiets Düsseldorf, Duisburg^und Ruhrort eingerückr. In Düsseldorf hoben die Fran­zosen, die natürlich auch Farbige, Amvmiten, mikge- bracht haben, im Hofgortrn Geschütze crusgescchren und Schützengräben angelegt, um sich gebührend vor der waffenlosen Bürgerschaft ju sichern. Auch wurde der Belagerungszustand verhängt. In Duisburg, finb Belgier eingerückt, ebenfalls mit Geschützen, Maschinen­gewehren unb allem Kriegsgerät, auch Pcmzerautos fehlten nicht. Auch in Ruhrort, wo ebenfalls Bel­gier einzogen, waren bie Truppen bis an bie Zähne bewaffnet. Es hat ihnen niemand etwas getan.

Abgesehen von ben beim Einmarsch vollzogenen Sperrmaßnahmen hat bas gewohnte Leben und Trei­ben in ben neu besetzten Städten kaum eine Störung erfahren. Die Brvölkerrmg, bie auf die kommenden Ereignisse vorbereitet war, verhält sich ruhig und be­sonnen. Der Verkehr war zeitweise gestört. Der Eisenbahnverkehr über bie Düffelborf-Neußer Brücke ist frei, ber Verkehr auf den nördlich von Düsseldorf gelegenen Brücken aber ist gesperrt. Es besteht Grund zu ber Annahme, baß bie Sperre baldigst wieder auf­gehoben wird. Die Alliierte Kommission hat den Köl­ner Zeitungen mitgeteilt, daß Nachrichten über die Truppenbewegungen und Verschiebungen verboten sind. Außerdem hol die Rhriniandkommrssion für bie Zeitdauer von 8 Tagen bie Telegraphen- unb Telephonzensur verordnet, bie nach Ab­lauf der Zeit jedesmal um 8 Tage verlängert werden kann.

Lloyd George über bie Strasmaßnahmen.

Lloyd Georae sprach sich vor dem Unterbaute über den Bruch mit Deutschland aus und erklärte, et habe zu der Schlußfolgerung kommen muffen, daß Dr. Si­monS nicht in eer Laie gewesen sei, irgend einen Vor­schlag zu unterbreiten, der von den Alliierten hätte an. genommen werden können. Die nunmehr besetzten Städte seien die Hauptzentren eines äußerst wicht»? en Jnvustriebezirks. Es fei schon Anweisung gegeben, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die festen Vorbedingungen zur Durcksührun i der weiteren Straf. Maßnahmen zu sickern. Lloyd George betonte sodann die Vorteile der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen, die er bei weitem vorziehe. Die Neutralen wurden davon unterrichtet werden, saß der springende Punkt für die Regelung des »an-en Ve, fahrens die Herkunft der Waren sei. Die Neutralen wüßten daher, woran sie sich zu hatten hätten und dürften sich nicht darüber beklagen,.daß man sie ungerecht behandele.

Bedenken In England.

In Londoner Geschäftskreisen nimmt man die wirt­schaftlichen Zwangsmaßnahmen sehr ernst. Man erblickt allgemein darin eine schwere Gefährdung der müh'am wieder angeknüpften Beziehungen, die auch für England angesichts der fortdauernden Wirtschaftskrise, der Sto­ckung des Handels, der Arbeitslosiqkeit und des Preis­sturzes unentbehrlich sind. Llond Georges Idee der Ab­führung eines Teiles des Kaufpreises deu-fchcr Wa-an wird als verderblich angesehen. Die Besorgnis vm Ein­griffen in Privatrcchke dürfte die Zurückziehung von Guthaben aus England zur Folge haben, nachdem sich gezeigt, daß für die Alliierten Rechtsschranken n'cht existieren. Eine entsprechende Tendenz ist bereits be­merkbar. Die Pariser Ideen werden ollgemeln als phantastisch bezeichnet Die Blätter der liberalen Oppo­sition und derDailn Herold" fuhren aus, daß d'e Zwangsmaßnahmen nicht nur unsinnig, sondern auch rechtlich unhaltbar seien. DieDaily News" spricht mit Bitterkeit von dem Siege Frankreichs und befürchtet schwere Folgen Sie glaubt an die Möglichkeit einer baldigen Fortspin"ung des Fadens, woran auch andere denken. DerManchester Guardian" bringt «'nen be­achtenswerten Artikel unter ber Ucberfdjr-ff:Ein neuer Krieg", In dem es u. a. heißt: Die Alliierten verstoßen gegen den Vertrag, den sie selbst formuliert haben. Wenn wir unsere Verträge brechen, gibt es überhaupt keine Go-nntien mehr gegen Gesetzlosigkeiten. England ist wirklich krieosrnübe unb wir sind nicht mehr vorbereitet, einen neuen Krieg zu beginnen.

Die Zollgrenze.

wtb Köln, 9. Mär-z. (Tel) Nach einet Meldung der .Köln Zig' wirst die in Aufsicht genommene Zollgrenze am Rhein bereits ihre Schatten voraus. Wie das Blatt hört, wurden bei einem großen Werke im besetzten Gebiet im Hinblick auf die kom­mende Zellabführung ein Jndustrie-Auftrag im Werke von 60 Millionen Mark rückgängig ge­macht. Es versteht sich von selbst, daß eine solche Abbestellung von den schwersten Folgen für die Ar­beiterschaft begleitet sein wird.

Dlockade?

London, 8. März. DieDalln Mail" kündigt bereits eine Blockade gegen Deutschland an, die sich auch auf die holländischen Häfen erstrecken soll, falls Deutsch'and versuchen sollte, seine Waren über hollän­dische Häfen zu verschiffen.Daily News" meinen dazu, daß sich weder die Neutralen noch Amerika her- artige sch'kanöse Belästigungen von Seiten der Alliierten bieten lassen würden.

Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Deutschland hat sich bereit erklärt, den Wiederouf. bau der zerstörten Gebiete in Nordsrankreich zu ermög­lichen und jede ehrliche Abschätzung würde den Beweis erbringen, daß mit dem Gelbe, das Deutschland her­geben wollte, dieser Aufbau sich durchführen, alle wirk­liche Not sich beseitigen läßt. Aber alle Leute, befriedi­gen, die sich an dem Wiederaufbau bereichern wollen, das kann Deutschland nicht. Man muß einen Unter­schied machen zwischen dem im Kriege annerichteten Schaden und zwischen ben Milliarden, bie in Frank­reich durch Nachlässigkeit, Sorglosigkeit, Bummelei ^ver­loren gehen ober die Taschen non Schiebern unb Spe­kulanten füllen. Sogar in französischen Blättern ist bic unolaubliche Wirtschaft, bk sich in bem Zerstörungs­gebiet breit macht, schon einer scharfen Kritik begegnet. Ein französischer Minister hat erklärt, baß dort riesige

Summen durch eure überaus zahlreiche, schwerfällige wtd überflüh'iae Bürokratie vergeudet worben seien. Ein sehr ernster Journalist hat Mitteilungen von der Epe- fulation gcrnciyi, dir sich dort eingenijtet hab. Es haben sich Gesellfchasren gebildet, die den vbsachlosen Besitzern ihre Forderungen abkaufen. ist klar, daß die Ent­schädigungssumme auf diese Inicht geringer, son­dern immer höher wird, daß ab,r die Geschädigten von der Entschädigung nur ein:: Pappenstiel erhalten. Ein anderer Abgeordneter, Jean Hennessy, versichert, daß die von ihm vertretene Ansicht, der Wiederaufbau lasse sich schnell und wirksam nur mit deutschem Ma­terial und mit deutschen Arbeitern durchführen, immer mehr an Boden gewinne. Er habe Briefe aus den zerstörten Gebieten erhalten, in denen dieser Lösung rückhaltlos beigestimmt werde, und er meint, die Zu­lassung der Deutschen werde im wesentlichen nur von ben Unternehmern bekämpft, die im verwüsteten Ge­biet große Gewinne zu erzielen hofften. So fei auch ber gegenwärtige. Wiederaufbau Minister Louchenr, ein Großindustrieller, als Leiter der Sociele generale d'entreprife, di? die nieisten Arbeiten in dem Wieder, ausbaugebiet ausführe, persönlich an bem Ausschluß ber Deutschen beteiligt.

Wir können nicht untersuchen, wieweit die Be­schuldigung Hennessys gegen den Minister Loucheur auf Tatsachen beruht. Wir können vielmehr nur wünschen, daß Hennessys gesunde Ansicht an Derbreitung gewinne. Sie deckt sich durchaus mit dem Genfer Beschluß der dQitschen und ftanzösischen Bauarbeiter, wonach ihre Drganiftittonen gemeinsam cm bem Wiederaufbau Mit­wirken, ihn aber nicht zu einer Quelle unberechtigte» Gewinns werden lassen wollen.

Der Papst über die Fortdauer des Krieges.

In bem geheimen Konsistorium, in dem be«. Papst bie Ernennung neuer Kardinale mitteilte, hielt er eine An prache, worin er daran erinnerte, daß trotz der Unterzeichnung des Friedens die Wut des Krieges nicht au'aehört habe und daß die Kämpse zwischen den Klassen und Nationen an­bauerten. Ter Papst beklagie jede Gewalttat von wem sie auch ausgegangen sei und wies darauf bin, daß er alles in seiner Macht Siebende getan habe, damit Fr eben und Ruhe in die Gesellschaft zuriick- keyrten. Wie er in der Enzyklika zur L undertjallr« fekr-ber Franziskaner erflätt habe, werde man sich der Wohltaten des Friedens erst erfreuen können, wenn die christliche Barmherzigkeit alle Geister durchdringen und brüderliche Liebe sie verbinde» werde.

Harding verzögert den Friedensschluß mit Deutschland.

Hardings Pläne, den Friedenszustand mit Deutsch­land wiederherzustellen, sind nach einer Meldung aus Washington durch die Krise in. der Kriegsentschäbi- gungsfrage durchkreuzt worden. Harding ist der An­sicht, daß die Annahme der Resolution Knox in dem Augenblick, in bem bie Alliierten gegen Deutschland mobil machen, um die Annahme ber Kriegsentschäbi- gungs-Forderungen zu erzwingen, als eine Kränkung der Alliierten betrachtet werden könnte.

Aus dieser Meldung geh! klar hervor, wie falsch es wäre, wenn Deutschland an den Prösidentenwechsel in den Vereinigten Staaten irgendwelche Hoffnungen knüpfte.

Ein Protest ver rheinischen Abgeordneten.

Die am Dienstag im Reichstag versammelten par- lamentar'schen Vertreter der besetzten Gebiete haben einmütg was folgt erklärt:

Die von den gegnerischen Mächten angedrohie Errich­tung eines besonderen Zollgebiets am Rhein würde eine offensichtliche schwere Verletzung des Ver­sailler Friedens bedeuten, da die Errichtung eines solchen Zollgebiets nicht, wie der Versailler Frieden als Bedingung für «'ne solche Maßnahme Vorsicht, den In- terefien des besetzten Gebietes dient, sondern im Gegenteil dessen Interessen arfs schwerste schädigen wurden. Aber auch die Errichtung eines besonderen Zollgebiets und die damit unzweifelhaft verbundenen wirtschaftlichen Schädigungen der besetzten Gebiete würde dir Bevölkerung dieser Ge­biete in ihrer Treue zum deutschen Vaterland« nicht wan­kend machen.

Der belgische Deutschenhaß.

Am Sonntagereign.-te sich in Brüssel ein bezeichnender Zwischenfall. Eine Gruppe Krie isteiinehmer stürmte die Wohnung einer Deutschen, Demolierte sie und ver. letzte den Inhaber sehr. Als die Polizei einschritt und Verhaftungen vornahin, nahm das 'fiublttum pe en sie Pa tei und versuchte das Revier zu stürmen. Die Un­ruhen nahmen erst ein Ende, als Die Verhafteten ent­lassen wurden. ___

Die Fahrt zur Abstimmung.

Die Fahrt aller tjcimatsireuer Oberschlesier nach ihrem Mutterlande, um dort für das Deutschtum ihr» gewichtige Stimme abzugeben, nimmt am heutigen Mittwoch ihren Anfang. Seit Monaten ist mit den Vorbereitungen für diese Heimalsahrt energisch von allen Stellen gearbeitet worden, .so daß das umfang­reiche Werk als vollkommen bezeichnet werden kann.

Alle kranken und allen Leute über 69 Jahre fahren zweiter Klasse: ieber Zug führt einen Arzt, Kranken, schwestern und Krankenvsleger mit. Verpflegung braucht niemand auf diese Reise mitzunehmen, hierfür ist aufs beste gesorgt. Bei allen Rachtzügcn werden warme Würstchen. Brötchen und Kaffee in beliebiger Menge verteilt, für die Mahlzeiten wird den Reisenden auf den Stationen genügend Zeit gelassen.

In geradezu wunderbarer Weise hat sich das Hei- maisgesühl der in Oberschlesien wohnenden Deutschen aus Anlaß der Abstimmung geäußert. Ueberall, autf im kleinsten Dorf, ist her Beschluß gefaxt worden, daß Männer und Kinder ihre Betten den Gästen aus dem Reich zier Verfügung stellen, während sie selbst in Turn­hallen, Schulen, Massenquartieren ufm. nächtigen. Sei­ner der Abstimmungsberechtigten wirb also in einem Maffenquartier untergebracht. Ueberall freut man sich auf die Ankunft ber Oberschlesier, betten diese Z-It dir schönsten Festtage bedeuten soll, die sie je erlebt haben

Ein Dillkommengruß.

Heimattreue Oberschlesier! Beim Betreten der ober- schlesischen Muttererde rufen mir Euch zu: Herzlich will­kommen in der Heimat! Das Recht bat gesiegt! Wir