Montag, 7. März 1921.
- Fuldaer Leitung 0«^ Druck der Fuldaer Artieudrsckerei itt Fnlda.
-u ' ■ -LU *~*—-■■milWI II !■ 1 m-AM—MT—111111 '■'r*-^-! - 1 ■'■* —--IK.U. TM.. -2^ --- ,XUW< JWMfaJjMgg^ggg;
^Geordneter Schulbetrieb"
im Lichte der Gegner.
Sn Nr. 211, Jcchrg. 1920 der „Fuld. Ztg", war karauf hingewiesen teerten, welche (Äfahr den konses- siottellen Ähuien durch die Auslegung des Ar- tikels 146 der Reichsversafsmrg von feiten der Gegner drohe. Es zeigt sich heute klipp und klar, daß man systematisch daraus hinarbeitet, den Bekenntnisschulen ben Garaus zu machen. Beweise hierfür ließen sich in großer Menge erbringen. Wir wollen hvtts zwei solcher Stimmen zum Wort kommen lassen. In der Sanuarnummer 1921 der Haünnouatsfchrkft „Der Nternbeirat" sHerausceber ist der Regierung» - und Schulrat E. Witte, Kassel, bekannüich ein Sozialdemokrat) heißt es in einem Artikel „Der geordnete Schulbetried nutz di« Reichsver- Fassung" auf S. 21:
„Die Grundschule muß darum — erst dann kann In einem Schulorte von einem geordneten Betrieb die Rede sein — so viele aufsteigende Klassen haben als nach der Schülerzahl der Gemeinde irgend möglich ist, und in Orten mir ausreichender Kinderzahl muß die Möglichkeit bestehen bleiben, die Kinder nach ihrer geistigen Fähigkeit in Normalklasien, in Klassen für Schwächte- fahigte, schließlich auch in Klassen für besonders Sei. ltungsfähige gesondert zu unterrichten. Erst wenn die Grundschule in dieser Weise ausgebaut ist, nur dann, wenn ein solcher Ausbau der Grundschule nicht gefährdet wird, kmm nach den Bestimmungen der Reichsver- safsung an die Einrichtung von Sonderschulen nach dem Bekenntnis oder nach der Weltanschauung gegangen werden. Durch Schulen dieser Art darf die dann verbleibende gemeinsame Grundschule in ihrem Klafienauf- bau nicht geschädigt werden. . . Neben einer voll aus- gebauten achistufigen Grundschule kann die Einrichtung einer nur 4- oder gar nur 2- oder einstufigen Konfessionsschule nicht gefordert werden, auch dann nicht, wenn die zunächst bestehende gemeinsame Schule acht- stufig bleiben würde, und <tne vierklassige gemeinsame Grundschule darf nicht in zwei gesonderte zweiklaffige Bekenntnis- oder Weltanschauungsichulen aufgeteilt werden: der geordnete Schulbetrieb sämtlicher — im ersten Falle eines Telles — der Kinder würde durch eine solche Maßnahme beeinträchtigt werden. . .
Man sieht, hier wird ganze Arbeit für die Bekämpfung drr Bekenntnisschule geleistet, es werden alle Tore vrrammelt und keine Lücke bleibt, durch welche etwa die konsessilmelle Schule hinDurchschlüpfen könne. Hoffentlich wird der Artikel 146 doch etwas anders aus- gelegt.
Der Geschüftsführcnde Ausschuß des Deutschen Lehrervereins hat unter Bezugnahme auf die Denkschrift der Bischöfe eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, indem er u. a. den Artikel 146 gleichfalls so auslegt, daß es fürderhin kaum mehr Bekenntnisschulen geben würde. Auf den Ge- iamtinhÄt der Eingabe einzugehen, wäre sehr lohnend. Wir wollen heute nur darauf Hinweisen, daß darin u. a. verlangt wird, jede Unterstützung von Privat- schulen für Kinder eines bestimmten Bekenntnisses ans Staats- oder Eemeindemiüeln zu verbieten, und auch Punkt 2, wo es ^ißt:
„Er kann deshalb auch nicht in der Absicht der Der- faffung liegen, daß alle bestehenden konfessionellen Schulen als im Sinne des Art. 146 Abs. 2 gegründet gelten, wenn nicht ein erheblicher Teil der Erziehungsberechtigten eir.e Abstimmung ausdrücklich verlangt."
” Man höre und beachte weiter:
„Nach dem Wortlaut der Verfassung unterliegt es keinem Zweifel, daß die Freunde der konfes- kionellen Schuld vielmehr die Pflicht haben, die für einen An trag auf Errich- tung einer solchen Schule erforderlichen Stimmen zu sammeln; auch dieser Antrag muß bestimmten Bedingungen genügen, ehe ihm Rechnung getragen werden kann."
Danach wäre der Bestand der jetzt bestehenden — selbst achtstufigen — konfessionellen Schulen nicht ohne weiteres gesichert, es müßte mich für sie ein Antrag eingebracht werden, daß sie bestehen bleiben dürften. Um einem solchen Antrag durch die dahinterstehenden Stimmen Gewicht zu geben, heißt es jetzt schon das Volk aufklären und ihm klar machen, um was es geht, damit es zur Stunde der Entscheidung seine Pflicht kennt und tut. _
aus Mche und Schule.
* Rom, 4. März. Der Papst empfing am Freitag vormittag den Erzbischof Dr. Schulte und den Ensbischof v. Faulhaber von München.
Sus dem Kachvargeviet.
-t. Lahrbach. Am 4. März, dem Herz-Iestr-Freitag, uÄirben die sterblichen Ueberreste des im Fuldaer Land- krankeirhaus verstorbenen Herrn Pfarrers Dr. Adalbert
Der König der Dolomiten.
Volksroman von Felix N a b o r.
8j -----------
„Gewiß, Pallcmta. Und Wunder wirkt der Herr auch heute noch an feinem Dolke. Denn die Fruchtbarkeit der Almen und der weidenden Rinder — ist das nicht auch ein Wunder der Güte Gottes. Darum gilt für uns das Wort: „Hebe Seine Augen auf zu den Bergen, von welchen Dir Hllfe kommt!" . . . Hilfe für den Leib, Hilfe für die Seele. Und wenn ich nun rundum blicke und den Sonnenschein der Zufriedenheit auf allen Gesichtern fehe, so darf ich annehmen, daß alle diese Hllfe erfahren haben . . . Nur die blonde Gina habe ich heimlich meinen sehen — und Euren Sohn den Michael, suche ich vergeblich in der Schar der Frommen. Vermöget 2hr mir dies zu erklären, Richter von Salon?"
Der Richter zuckte zusammen, als hätte man ihm ein kaltes Eisen auf die Brust gesetzt. Sich einen solchen Vorwurf machen zu lasten, war er nicht gewohnt. „Wie kann ich wißen, warum die Gina meint?* erwiderte er ein wenig gereizt. „Wer sieht in solch a klein's Mäd- chenherz? Und was meinen Sohn Michael betrifft, so muß ihm auf dem Weg an Unfall zug'stoßen sein . . . Er hat kurz vor dem Gottesdienst a scheu's Roß 'bändigt --"
„So, so," sagte der Pfarrer und schaute ihn durchdringend cn. „Ich glaubte, es bestände vielleicht ein Zusammenhang zwischen den Tränen des blonden Mägdeleins und dem Fernbleiben Eures Sohnes —"
„A Zusammenhang? . . . Nicht, daß ich wüßck. Wie ■meinen S’ dös, Hochwürden?"
„Nun, dir beiden find ja in der Stille versprochen . . . und da dachte :ch, es könnte zwischen den jungen Leuten, wie es des öfteren oorkommt, ein kleiner Zwist entstanden sein. Auch am blauesten Himmel ziehen manchmal dunkle Wolken auf, der Donner kracht und der Regen rinnt. An ein solches Gewitter im Mai habe ich denken müssen, wie ich die Gina hab' weinen sehen. Vielleicht könnt Ihr ihre Träum stillen. Versucht'?, tut ein gutes Werk. Und die Gina, das liebe, unschuldige Mädel verdient's, daß man ihr beisteht und ihren Kummer hellt."
Aus Oberhessen und ven Hess. Aerntern.
A Marburg. Sn der Schalterhalle des hiesigen Hauptpostamts wurde in einfacher, aber würdiger Weise in Gegenwart sämtlicher Beamten und Angestellten der Post eine Gedächtnistafel mit den Namen
AuS Geisa und Umgebung.
)-( Dermbach. In der letzten Elternratssitzung wurde lebhaft Klage über die Würdelosigkeit geführt, die unsere Jugend sich dem Kriegerfriedhof von 1866 gegenüber zu schulden kommen läßt. Nicht nur, daß man die Umfriedigung stark beschädigt habe, sondern die nähere Umgebung sei derart beschmutzt, daß man kaum herantteten könne.
Ricken im Schallen unseres altehrwürdigen Kirchleins an der Seite des im Jahre 1892 hier verstorbenen Pfarr«s Franz Toner Post (auch eines geborenen Fuldaers) zur letzten Ruhe beftatiet Mit dem 80jähr. Dechant Geiftl. Rat Schnaus von Batten, der die Beerdigung vornahm, hatten sich an die 30 geistliche Mit- brütet des Heimgegangenen, sowie die Lehrerschaft des Dekanates Hilders eingefirnden; auch die Herren Landrat Dr. Wichens, Gersfeld und Obsrjägermeister Frhr von der Tann bemerkten wir im Trauergefalge. In einer eindrucksvollen kurzen Leichenrede schilderte Herr Geist!. Rat Schnaus nach dem Seelenamt im Anschluß an das Wort des Psalmisten „Du bist ein Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedechs" die hohe Würde und die hohe Berantwvrtrrng des Priesters und forderte die trauernde Pfarrgomeinde zum Gebet für den Heimgegangenen treuen Seelenhirren auf. Darauf würbe der von weißgekleideten Mädchen mit brennenden Kerzen u. Kränzen umgebene Sarg zum Gottesacker getragen und unter den Gebeten der Kirche der geweihten Erde übergeben; nach einem stiinnumasrollen Grablied der Herren Lehrer löste sich die Trauernsrsamm- lurtg auf. Fast 14 Jahre hat Herr Pfarrer Ricken in Lahrbach als NachfÄger des in Salzschlirf verstorbenen Herrn Pfarrers Kiel überaus fegensreitf) gewirkt. Als eifriger Verehrer des hl. Herzens Sefu ha: er die Herz- Sesuverehrung besonders gepflegt und gefördert; sein Begräbnietag war rin Herz-Sesu-Freihrg und die vielen hl. Kommunionen, die seine Pfarrkinüer ihm cm Morgen desselben aufgeopfert haben, werden ihm in der Ewigkeit erquickenden Trost und wirksame Hilfe gebracht haben. Wie er an seiner früheren Pfarrstelle in Aufenau, die der allerseligsten Jungfrau geweihte Pfarrkirche restaurierte und mit einer kunstvollen Muttergotlesstatue schmückte, so hat er auch in Lahrbach durch Errichtung einer ßourtesgioüe die MÄtergottesverehrung gefördert. Neben seiner mit größter Gewissenhaftigkeit ausgeübten seelsorgeriichen Tätigkeit fand der Verstorbene noch Zeit zu ausgedehnten wissenschaftlichen Studien. Bereits auf dem Gymnasium, wo ihn Dr. Gies in die Botanik rinführls, B' ;te er besonderes Interesse an den P i l z e n; es fügte , daß fein Beruf ihn in wald- und pilzreiche Gegenden führte und da er auch zahlreiche Reifen in Mitteldeutschland zum Pilzsammeln ausnützte, hatte er ausgiebige Gelegenheit, fich eine gründl. Pilzkenntnis zu erwerben, die er durch jahrzehntelanges, mit rastloser Energie trotz wiederholter Kränklichkeit betriebenes Selbststudium! so erweiterte, daß er zu einer der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Pilzkimde wurde. Das Ergebnis seiner Forschungen ist die in den Jahren 1910—15 erschienene Monographie der Blälter pilze, die schnell eine über die Grenzen des AeukMn Sprachgebietes reichende Berühmtheit err» langte. Sein zweites Werk, das bereits in 2. Auflage oorliegeiche „Vademekum für Pilzfreunde" behandelt sämtliche in Mitteleuropa vorkommenden Pilze und hat, worauf in ter Urkunde zmn Ehrendoktor der Universität Würzbllrg besonders hingewiesen wird, nicht wenig dazu deigeiragen, daß in neuester Zeit das Interesie für die Pilzkunde in weite Kreise gedrungen ist und daß die volkswirtschaftliche Bedeutung ter Pilze die verdiente Anerkennung gefunden bat. Ein stilles, bescheidenes, aber erfolgreiches Priester- und Gelchrtenleben ist mit dem Tode Nickens zu Ente gegangen und die Diözese Fulda kann stolz darauf sein, ihn zu den ihrigen zählen zu können. Zu seinem am 30. März bevorstehenden 70. Geburtstage waren ihm neue Ehrungen zugedacht. Die Zeitschrift „Der Pilz- und Kräuterfreund", teilte in ihrer letzten Nr. mit, daß eine eigene Festnummer „den Auftakt geben sollte zur Feier eines Jubelfestes, das die Welt der deutschen Pilzforscher und Pilzfreunde Ende März, fo es Gottes Wille ist, wird begehen können". Gott hat es anders gefügt, die Festnummer wird nun zu einer Trauernummer werten für „den hervorragendsten Kenner und Erforscher der Pilze", der mit Ricken dahingegangen ist. R. I. P.
»Will's versuchen," nickte der Richter. „Auch ich hab die Eina gern und nix wär mir lieber, als wenn sie recht bald als Schwiegertochter in mein Haus.emziehen tat. Gleich red ich mit ihr."
„Tut das, Pallcmta. Sch will inzwischen eine kleine Kollation zu mir nehmen. Gleich nachher setzen wir unfern Bittgang fort — hinauf zum Kreuz am Firn."
Der Richter ging hinüber zu einem Latschengeftrüpp, bei dem sich die Sarnersche Familie niedergelassen hatte. Der Wirt war in einer SümMung, die. zwischen Himmelssehnsucht und Erdenfreute die Mitte hielt. „Am liebsten tat ich mich aufn Herbst zur Ruh' setzen, sagte er. „Dann können Gina und der Michael die Wirtschaft übernehmen —"
„O mein," rief Gina, „bis dahin hat's no guate Weg."
Der Wirt sah sie groß an. „Guate Weg?" fragte er erstaunt. „Ihr zwoa seid's doch einig — oder nit? Mein' Segen habt's, ba fehlt also nur no der Segen vom Pfarrer —"
Gina schüttelte bekümmert den Kopf. „Dem Michael prtffierfs nit mit'n Heiraten,* sagte sie gepreßt.
„Ach so! . . . Nachher muß man halt a bi siel nachhelfen. Wart nur, bös will ich schon einfäbcln." Er nahm einen Schluck aus dem Plutzer und reichte ihn dann seiner Frau.
„Dor wird wohl nit guti gehn," seufzte Gina und wandte ihr Gesicht ab, um ihre hervorbrechenden Trä- nen zu verbergen. Aber erschrocken fuhr sie zusammen, als sie sah, daß der Richter auf sie zukam.
„Ja, wie ist's denn, Diandl?" fragte er. „Wo bleibt denn der Michael? Der Herr Pfarrer hat mir schon an Wischer geb'n, weil der Michael nit bei der Pro- zesiton ist und hat g'moant, zwischen Euch zwoa hab's a Gewitter geb'n."
„Aber gewiß nit," erwiderte Gina und errötete bis unter die Haarwurzeln, „wir haben toan Streit g'habt."
„So . . . Aber wo ist der Michael?" forschte der Richter mit gerunzelter Stirne.
Da Gina ihren Liebsten nicht verklagen wollte und die Wahrheit nicht sagen konnte, geriel sie in pemvolle Verwirrung und suchte einen Ausweg. Sie sand jedoch keinen und nahm in ihrer Bedrängnis ihre Zuflucht zu einer Notlüge, „Dem Michael itt halt a bissel ungut
der im Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Marburger Post enthüllt. Die einfach-schöne Eichentafel trögt die Namen von elf Angehörigen des Marburger Postamts, die aus dem Kriege nicht wieder zurückgekehrt sind.
△ Marburg. Wegen Landesfriedensbruchs Hanen sich 18 Landarbeiter aus der Hornberger Gegend vor dem Landgericht zu verantworten. Es handelte sich um einen anfangs September v. Js. dort ausgebrochenen Landarbeiterstreik, bei ivelchen die Angeklagten in Hombergshausen in zwei Gehöfte eingednmgen und gewaltsam die dort in Tättgkeit befindliche Dreschmaschine ftilhelegt haben sollen. Tie Verhandlung endete damit, daß die Haupt- anführer -u vier und die übrigen zu drei Mona en Gefängnis verurteilt wurden. Das Gericht billigie jedoch "sämtlichen Beklagten auf die Dauer von drei Jahren Strafaufschub -u.
— $f-ts Oberhessen. Man schreibt ans: Der Ariikrl- fdjeriter aus Obech essen in der „F. Z." Beiblatt Rr. 60 scheint es nicht fassen zu körnen, warum die sonst so treuen Zontrumswahler von Bauerbach und Ginseldorf ter ZMknrmsparole für dir Kreistagsmahl nicht gefolgt find. Darum fei kurz folgendes bemerkt: Ws zum 1. Male über triefe Angelegenheit verhandelt wurde, einigten sich bie Vertrauensleute der Zentrumspartei dahin, mit der Hessischen Arbeitsgemeinschaft zusammenzugehen, wenn dem Zenirirm auf der gemeinsamen Liste zwei sichere Sitze eingerämnt würden. Das war freilich etwas viel verlangt. Denn wenn man mit eigner Kraft nur einen Kandidaten durchbringen kann, soll man ron den öfteren nicht gleich zwei sichere verlangen. Itttesson darüber sollte sa verhandelt werten, und di« Verhandlungen nahmen auch insofern einen guten Derlam, als tem Zenirums- kandidaten auf der gemeinsamen Liste di« 4. oder 5. Stelle eingerämnt werden sollte. Das war ein mmchmteres Angebot, da die Höllische Arbeitsgemeinschaft okme Zen- tnrm 14 Sitze erobert Hai. Doch der Führer des Zentrums im Kreise Marburg hatte es sich in ten Kopf gesetzt, eine eigne Aentrumsliste aufzustellen, und während ter Vertrauensmann ter Zentrumswähler mit den Vertrauensmännern der Heffischsn Arbeitsgemernschast noch verhandelte, war schon m ter vberhessischen Zeitung zu lesen, daß das Zentrum für den Kreistag eine eigne Lifte auf« gestellt habe. Da war etwas nicht ganz in Ordnung! Wenn wieder einmal Wahlen im Kreise Marburg vorzubereiten sind, werden sich die Zentrumsroählsr der katholischen Orte nicht mehr blindlings einer einseitigen Füh- tung aiwertrouen, sondern werden sich führen lassen von Leuten. die die örtlichen Verhältnisse kennen und denselben Rechnung tragen; dann wird eine Zersplitterung, wie wir sie diesmal hinsichtlich der Kreistagswahl erlebt haben, nicht mehr vorkommen.
vermischtes.
* Ehrung eines TsingwukrreWrs. Die Leichs des Leutnants v. Fries aus Klofterzella, der sich bei der Verteidigung von Tsittgtau besonders hervorgetan und durch seine Tapferkeit die Bewunderung der Japaner erworben hatte, ist als besondere Ehrung auf Kosten mehrerer Japaner, darunter des bekannten japanischen Krösus Baron Jwasaki, in die Heimat geschasst worden.
* Das Erdbeben in China. Havas verzeichnet eine aus amerikanischer Quelle stammende Meldung aus Peking, nach der bei tem jüngsten Erdbeben in den chinesischen Provinzen Kans» und S ch e n s i 250 000 Menschen umgekommen sein sollen.
MS,z«g aus don Registern des Standesamts Fulda Sterbefälle vom 25 Februar bis 4. März 1921.
25. Februar. Metzgers-Witwe Maria Auguste Völker, 61 I. 10 M. 20 T. 27. Johann Ernst Schrimpf aus Künzell, 1 I. 1 M. 16 T. 1. März. Studienrat Lorenz Neumann, 42 I. 10 M. 12 T. 1. Pfarrer Dr. phil. Adalbert Ricken aus Lahrbach, 69 I. 11 M. 1 T. 1. Ehefrau Magdalena Frank, 48 I. 4 M. 14 T. 1. Landwirt Joseph Hilpert aus Großenbach, 34 I. 9 M. 5 T. 2. Erwin Berke, 8 M. 28 T. 2. Witwer Leonard Rützel, 75 I. 3 M. 26 T.
Gsttes-ienKor-mmg.
Dienstag,8. März. Frnueuberg. Fünfter Dienstag d. Novene z. Ehren d. hl. Antonius. 'Nuss. d. Allerhl. von morgens 5H» bis z. Schluß d. Hochamtes. */»8 M. m. Artonius-A., V-9 Levitenamt, darauf Fasten-Pr. u. Kreuzweg-A., nachm. V»5 Antonius-Andacht.
Amtliche Anzeigen.
Auf Grund ter Verordnung über die Freimachung mm Arbeitsstellen während der Zeit ter wirtschaftlichen Demobilmachung vom 25. April 1920 (RGBl. S. 708) wird für den Kreis Fulda angeontmet was folgt:
§ 1. Alle Arbeitgeber find verpflichtet, diejenigen bei ihnen beschäftigten Arbeitnehmer zu entlüften, welche
worden," sagte sie errötend. „Das wilde Roß hat ihm an Stoß auf d' Brust geben. Da hat er fich brunt’n beim Totenrirchlein a bissel auf d' Seiten g'macht und sich ins Gras g'legt, bis ihm besier wird. G'wiß wahr, so ist's."
„Raa — wenn weiter nix ist!" lachte der Richter. „Der Bub wird sich bald wieder auf rappeln — aber was woanft berat zum Herzzerbrechen Diandl?" fügte er ver. wundert hinzu.
Ema vermochte nicht zu antworten. Sie warf sich ihrer Mutter an die Brust und begann zu schluchzen. Das Herz wollte ihr brechen vor Weh. Kaum, daß die Lüge wie eine giftige Schlange über ihre Lippen gegiit. ten war, reute es sie, und in ihrer Brust brannte eine Hölle von Qual. Ihre Wangen brannten vor Scham, ihr Herz pochte zum Zerspringen, und unaufhallsam fteffen ihre Tränen.
„So red halt," drang der Richter in sie. „Wenn zwischen Euch zwoa alles in Ordnung ist, warum woanst nachher, daß es an Stoan erbarmen könnt? Hast mich am End angelogen? Dann fei Dir Gott gnädig, Diandl, denn schau, wer fei’ Leb'n auf einer Lug aufbaut, der geht b’ran z' Grund."
Ginas Lügenbau, den sie aus übergroßer Liebe errichtet hatte, brach unter dem drohenden Blicke dieser stahlblauen Augen zusammen. Sie bedeckte schamvoll do- Gesicht mit beiden Händen, und ihre Lüge wurde zu einem Berge, der sie erdrückte. Sie begann zu zittern und brachte kern Wort hervor.
Aber ter Richter ließ nicht von ihr. „Gina," sagte er mit einer Stimme, dir ihr wie Gewittergrollen ins Ohr klang, „Gina, ich frag Dich auf Ehr und Gewissen, vor Gott und dem Himmel, wo ist mein Sohn?"
Eina nahm ihre Hand von den Augen und schaute den zürnenden Richter so angstvoll an, als schaue sie in das Angesicht Gottes. Und da konnte sie ihre Lüge nicht wiederholen, sondern mußte die Wahrheit bekennen. „Er ist fort," stammelte sie, „zum Maientanz ... mit einer andern — mit ter schönen Rositta Belmonte —“
„Das Gesicht des Richters verzerrte sich bei diesen Worten und war furchtbar anzuschauen. Dis Adern auf feiner Stirne schwollen an, die Augen loderten wie geuerf lammen, seine Fäuste ballten sich zu Hämmern, i „Wädel", sagte er mit tiefer, bebender Stimme, „warum
35=3
1. nicht auf Erwerb aus dieser Beschäftigung angewiesen sind oder
2. bei Kriegsausbruch oder später als Arbeiter in einem land- ober forstwirtschaftlichen Haupt- ober Nebenbetrieb als Bergarbeiter oder als Gesinde berufsmäßig tätig war en, z. welche unverheiratet sind und seit dem 1. Januar 1919 von einem anderen Ort als bett Kreisen FuDa, Htrafest, und Gersfeid in einen dieser Kreise zugezoge« sind. Est« Ausnahme findet statt für Spezialarbeiter, welche nicht in den Kreisen FuLda, Gersfeld und Hünfeld vor. Händen sind.
In ten Fällen des Absatzes 3 hat die EntlaffungspfScht keine Gültigkeit, wenn der Arbeitnehmer Schwerbeschädig, ter ist ober wenn er am 1. August 1914 seinen Wohnsitz als Reichsdeutscher im Ausland ober in Teilst des Reichsgebietes hatte, bte seitdem vom Deutschen Reiche ^getrennt sind ater von fremden Mächten besetzt worden sind, sofern die Rückkehr in diese Reichsstelle ihm infolge Maßnahme» fremder Machthaber verwehrt ober für ihn aus politie scheu Gründen mit erheblichem Nachteil verknüpft tfL
Die Entiasslmgspflicht bezieht s«h ferner nicht auf: , 1. Vom Arbeitgeber beschäftigte eigene Haushaltsoogv- hörige. . „ „ .
2. Generalbevollmächtigte und mt Handelsregister ober, im Genossenschaftsregister eingetragene Organe trat, 23et» treter des Unternehmers. , ... .
3. Arbeiter in einem land- oder farstanrtschastucho,- Haupt- ober Nebenbetriebe.
4. Bergarbeiter.
5. Gesinde.
6. Bühnen- oder Orchesiermitglieder.
§ 2. Der Magistrat ter Stadt FuDa wird ermächtigt, die Anordnung durchzusührett.
§ 3. Für jeden aus Gründ vorstehender Anorkmrmg zu entlassenden Arbeitnehmer ist eine durch ten Kr«s- arbettsmrchweis nachgewiesene Ersatzpersrm einzustellen.
§ 4. Der Demöbilmachmtgscmsschuß bezw. der Magistrat ist befugt, allgemein yter in Einzelfällen Ausnahme« oon der durch seine Anordnung begründeten Eutlasiungs- pflicht zu bewilligen, wenn diese im öffentlichen Interesse liegen oder zur Vermeidung von unbillige« Härten erfot«1 terfid) sind. „ . .. „
§ 5. Die Neueinstellung von Arbeitnehmern, berat WesterbeschästiMng nach § 1 dieser Anordnung rmzuläfsig ist, fit verboten.
§ 6. Soweit der Demobilmachungs-Ausschuß bezw. ter Magistrat auf Grand dieser Anordnung die Entlassung von Arbeilnehmem angeordnet hat, sind die Arbest- gober verpflichtet, ihnen zu kündigen. Die Kündigungsfrist fit die gesetzliche ober die vertragliche, sofern diese bte kürzere eft, mindestens aber eine zweiwöchige. Dte Kündigung hat für den ersten Termin zu erfolgen, für den sie zulässig «st.
Jede auf. Grund dieser Verordnung ausgefprodjene Kündigung ist binnen 48 Stunden dem Kreisarbeitsnach- weis zu melden.
§ 7. Dor der Kündigung nach 8 8 hat ter Arbeitgeber den Arbesterrat (Angestelltenrat) ober wo ein solcher nicht besteht, den Betriebsrat (Betriebsobmorm) zu hören, ton die Stelle dieser Vertretungen treten in ten durch § 62 des Betriebsrätegesetzes fest gelegt en Fällen die dort bezeichneten Vertretungen der Arbeitnehmer. Wo weder ein Arbesterrat (Angestelltentmt) noch em Betriebsrat (Be- tritiisobmtmn) noch eine der letztgenannten SBertrehmgen besteht, tritt an ihre Stelle 'die Mchrheit ter Arbeiter und (Angestellte). Ist diese nach 8 1 vorgeschrieben« Anhörung nicht möglich, so ist sie unverzüglich nachzuholen.
§ 8. Arbeitgeber, die einer nach § 3 erlassenen Anordnung schuldhaft zuwiderhandeln, sickesontere ohne wich» tipen Grund die Einstellung einer ihm nachgewiesene« Arbeitskraft verweigern, können von dem Demobik« . mochungsausschuß für jede nicht besetzte Arbettsstelle mst einer Buhe bis zu 3000 M. belegt werden.
Dem Arbeitgeber steht binnen einer Woche die Beschwerde beim Demobilmachungskommiflar zu. Dieser entscheidet endgültig.
8 9. Zur Durchführung dieser Anordnung haben alle tn Betracht kommenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer! jederzeit dir vom Demobilmachungsausschuß bezw. Magi- fttat angeforberten Auskünfte zu erteilen und Meldungen zu erstatten.
§ 10. Vorsätzliche Zuwiderhandlungen gegen die auf Gnmd der Verordnung vom 25. April 1920 von den De» mobilmachungsorgcmen erlassenen Anorbmingsn wertes soweit sie nicht mit Buße bedroht sind, mit Gefängnis-, strafen bis zu 1 Jahr und mit Geldstrafe bis zu 1000Ö Jt ober mit einer dieser Strafen bestraft. Die Strafverfolgung tritt auf Antrag des Demobilmachungskommissars ein.
§ 11. Diese Anordnung tritt drei Tage nach ihrer 23er* öffmtlichung in Kraft. Mit diesem Tage tritt die Anordnung des Demvbilmachimgsausschuftes Fulda vom 2. November 1920, Fuldaer Zeitung Nr. 255, außer Kraft.
Fulda, den 17. Februar 1921.
Der Canbtaf u. Vorsitzende des Dsmobilmachnussavsschvff«» Freiherr non Doernberg.___________
Messweine
liefert billigst
Joseph Schmitt, Fulda
Päpstlicher Hojliejerant K Vereidigter Messwelnlie|eranf.
hast mir's nit drunten im Tal g’fagt, ehvor wir die Wallfahrt angetreten haben? Da Hütt' ich Michael noch zurückhatten können. Aber jetzt, fürcht' ich, ist's z' spät dazua. Denn ich kenn die Art der welschen Schlangen. Die umstricken ihr Opfer mit ihrem glatten, schL (ernten Leib, die spritzen ihm Gift ins Bluctt. O SIntel, was hast Du durch Dei' Unterlassungssünd für Unheil ang'ncht'? . . . Jetzt kommt ’s Unglück über uns wi< a Sawin und bringt Elend und Jammer und Not —"
„I — i hab's Enk nit z' sagen traut," stammelt» Gina, völlig zermalmt von der Wucht dieser furchtbaren Anklage. „I hab Michael zurückhalten wollen — uni' hab 'glaubt, er hör auf mich und werd' umkehr'n. «. hab ihn doch soviel gern und leid' gräßlich unter seine» Untreu' .. ."
Der Richter zwang mit übermenschlicher Kraft seine» Zorn und seinen Schmerz nieder, feine Züge glätteten sich, er fuhr Gina mit der harten Hand zärtlich übers blande Haar und sagte leise: „Du hast aus Lieb g'fehlh Gina, aus allzu großer Nachsicht, drum sei Dir vergeb'»» Aber bös Leid, was über Dich kommen wird, dös kann auch ich ntt von Dir abhalten, bös rann nur der Herr, gott Betet — ich will derweilen hinabsteigen ins Ta) und sehen, ob ich den armen Menschen no retten kann/
,Mäs," rief der Wirt, „Du willst die Gemeinde in» Stich lassen, Du, der Richter von Solan?"
„Ich muaß, Samer," erwiderte Pallcmta mit beben, der Stimme. „Mein Bub ist bi G'scchr, mein eigene, Blut ist bedroht, mein Sohn, der letzte aus unser'» G'schlecht, mei' Stolz und mei' Freud ist in der G'wall non einem Satan und muß erlöst werden, sonst wird a zum Verräter an uns ... und an der Heimat . . I und am ganzen Volk. Samer, Du lieber Freund, sag dem Psarre nur bös eine Wörtel: den Richter ruft bi» Pflicht ms Tal — dann woaß er Bescheid Er kenns mich. Er woaß, daß mich nur was Furchtbar's nötigen kann, euch jetzt zu verlassen . . . Gott befohlen — und Gott mit uns allen — und Gott mit dem armen Sun, der, den a Schlange ins Paradies g'lockt hat." i
Er drückte den breitkrempigen Hut auf den Kopß grüßte hastig zu dem erstaunten Pfarrer hinüber unf stieg mir weit ausholenden Schritten dem Berg hma^
Eortjetzrmg folgte