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Fuldaer Zeitung

^*.^1 Truck der Fuldaer Aetieadrurkerei m Fulda

stehlt. Er schreibt:

1.

'M 55.

Laurstag, 5. März 1921.

fragen: wo bleiben die 20 000 Gatten and Brüder? Sollte das Verhältnis in ganz Deutschland so sein, so wären noch mehrere hunderttausend von männlichen Wählern heranzuholen. Also müsien die wackeren Frauen nicht bloß gut stimmen, sondern auch kräftig werben. .....

Das sog. schwache Geschlecht ist stark und kann noch stärker werden.

Der Earieu lm März. Sm Obstgarten kann mit dem Pflanzen von Baum und Strauch fortgefahren werden und ist möglichst bald zu beenden. Sst an den jungen Bäumen die Rinde geplatzt, eine Folge ter winterlichen Sonnenbestrahlung bei Frost, fo schropst man sie, was von Mitte März bis Mai vorgenommen werden kann und zugleich ein gutes Mittel gegen Gummifluß, Krebs, Frostplatten und ähnliche Krank­heiten ist. Der Kampf mit den Schädlingen ist fort- zusetzcn, denn das Spritzen mutz vor dem Erscheinen der Knospen beendet sein. Das Veredeln ist mit dem Steinobst zu beginnen. Es können alle Gemüses Freien ausgesät werden, die frosthart sind und an Ort, und Stelle bleiben, z. B. Radieschen, Salat, Spinat, Zwiebeln, Möhren, Mairüben, Rote Ruben, Peter­silie, Erbsen, Pasfbohnen usw., auch die Gewürzkräuter mit Ausnahme der ganz feinen. Schnittlauch wird geteilt und gepflanzt, Steckzwiebeln, Knoblauch und Meerrettich gelegt und der Boden um Rhabarber gelockert. Die angetriebenen Erbsen mid Pufjbohnen können ins Freiland kommen. . 1

Allerlei Derbheit. Wenn eine Bulgarin nach der Hochzeit das Brautgcmach betritt, leuchtet dort eine Kerze. Rach uralter Sitte wird diese Kerze erst bei einer Totenfeier wieder angezündet. Sn Frankreich kann sich jedermann selbst den Adel zulegcn, wenn ihm sein bürgerlicher Name nicht mehr gefallt. Sn den letzten 50 Sohren vor dem Kriege haben mindestens J5J 000 Franzosen Gebrauch davon gemacht. Sn Mazedonien stehen Ackerbau und Viehzucht auf denk- bar tiefster Stufe. Sogar das Düngen der Felder ist meist unbekannt. Kaum mehr als der zehnte Teil des Landes befindet sich erst unter wirklicher Kultur. Den größten Fischreichtum von allen Wofferöecke» der Erde besitzt der Eriesee in den Vereiniz-'e» Sica- ten. Sn Hannover wurde erst im Jahre 1340 btt Tortur abgeschafft. Sn Alaska werden die Pafisache» für die Goldgräber zwischen Dcrofon City erb Fort Gibeon durch Hundeposten besorgt. Hierfür werden gegen 200 Hunde gehalten Die beste Sorte Kork kommt nicht mehr aus Spanien, funbern aus Freden. Es gibt dort mehr als 10 Millionen F^ur Kmkcichen» Wälder. -7- Die Wärmemenge, welche rin erwachsener Mensch täglich ertrugt, rwe genügend, um 30 Liter Wasser von 10 Grad Eelfvu» aus 180 Brod zu et* warmes w

len Elemente ansehe, so kommt es mir vor, als ob da die Manner die Vorhand hätten.

Die gefährlichste Schicht von Wählern sind offen­bar die jungen Burschen von 20 bis 25 Sahren oder gar bis 30 Sahren. Zum größten Teil haben sie statt solider Bildung nur Phrasen und Schlagwörter auf­geschnappt: die Lebenserfahrung hat sie noch nicht klug gemacht; in ihrem jugendlichen Stürmerdrang wollen sie aufs Ganze gehen imd werden leicht radikal. Welch ein grüner Bunge ist so ein Zwanzigjähriger! , An­spruchsvoll, tollpatschig, frech und unbeholfen! Wieviel reifer und geschickter stellt sich in der Regel ein Fräu­lein gleichen Alters dar? Sie ist dem Mitschüler von ehemals um mehrere Bahre in der Entwicklung vor­aus gelaufen. Man sicht Hausfrauen von kaum zwan­zig Bahren, die unter den schwierigsten Verhältnissen eine ganze Familie in der bestmöglichen Weise versor­gen und regieren, während das sog. Oberhaupt der Fa­milie, auch wenn er einige Bahre älter ist, eine Dumm­heit auf die andere häuft. Das weibliche Geschlecht kommt eher zur Vernunft als das männliche und es bleibt auch im allgemeinen vernünftiger.

Was der Kommunist alsGefühlspolitik" schilt, ist der schöne Sin» der Frauen für das Ideale. Ein Erundübel unserer Zeit ist ja der Materialismus und gerade die Sozialdemokratie hat mit ihrem alten Programm und ihrer rücksichtslosen Agitation dieser Richtung breiten Weg gebahnt. Insbesondere in der Bekämpfung der Religion und der Untergrabung des Familiensinns. Bebel verkündete die Got­tesleugnung als Parteiprogramm und bei der Sucht nach staatlicher, zentralistischer Sozialisierung wird das allerschönste und beste soziale Gebilde, die Familie, in den Hintergrund gedrängt. Kein Wunder, wenn klar denkende und edel fühlende Frauen sich widersetzen gegen die Zerstörung der wertvollsten Güter und ihre Heiligtüm-r retten wollen: das Heiligtum des Gewissens und das Heiligtum des häuslichen Herdes.

Sc mehr Kulturkampf betrieben wird, namentlich in Sachen der Schule, desto mehr weibliche Stimmen werden die Linksparteien verlieren. Und je arger die Zuchtlosigkeit und Liederlichkeit sich aufspielen, desto stärker wird die Reaktion aus den Kreisen der braven Frauen werden.

Wenn gerade das Zentrum eine außerordent­lich starke Anhängerschaft auf weiblicher Seite hat, fo erklärt sich das aus der richtige» Erkenntnis, daß diese Partei b«n letzten Schutzwall bildet für die Religion und für die Familie.

Also ein Hoch den klugen und treuen Wählerinnen!

Aber auch ein Rippenstoß für die männlichen Wähler. Wenn in Köln 60 000 Frauen für das Zen­trum stimmen und nur 40000 Männer, io muü man

Unpolitische Zeitläufe.

Don Fritz Nienkemper.

Berlin, 2. März 1921.

Hoch klinge das Lied von den braven Wahl­frauen wie Orgeltvn und Glockenklang l

Sprecht nicht mehr vom schwachen Geschlecht, beim die Wählerinnen haben sich als stark erwiesen. Die treue und tapfere Weiblichkeit ist die feste Wehr gegen den Umsturz.

Wie haben die weiblichen Wähler gestimmt? Das läßt sich im ganzen nicht genau aufrechnen, well fast überall im Wahllokal bunte Reihe gebildet wird. Sn den Wählerlisten steht alles durcheinander, mögen sie auch noch so verschieden sein an Sahren und an Haaren. Die Umschläge sind für alle gleich und gehen sämtlich in dieselbe Urne. Es find nm vereinzelt Stichproben möglich, nämlich dort, wo ausnahmsweise für jedes Geschlecht besondere Wahllokale eingerichtet sind. So in Köln a. Rh. Dort hat sich nun bei der letzten Wahl ein Doppeltes ergeben: Erstens, daß ebensoviel Frauen wie Männer ihr Wahlrecht ausgeübt haben, und zweitens, daß für das Zentrum beträchtlich mehr weibliche Stimmen abgegeben sind, als männliche. Auch bei den DeMfchnationalen hatten die Frauenwähler noch die Mehrheit, allerdings nur knapp, mit 51 Proozent. Rach links hin nahm der Anteil der weiblichen Stim­men fortwährend ab; bei den Mehrheitssozialisten waren es nur 40 Prozent, bei den Unabhängigen und Kommunisten nur 33 ober 32 Prozent.

. Wer den Schaden hat, pflegt zu schellen und zu schimpfen. So kann man in einem kommunistischen Blatt lesen, die Verleihung des Wahlrechts an die Frauen sei ein»unpraktische politische Gesetzes macherei" gewesen, und die Frauenmit ihrer vielfach unklaren Gefühlspolitik" vermehrten nur den allgemeinen Wirr­warr.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die Koinrnu- »isten wollen ja gerade den allgemeinen Wirrwarr, damit sie im Trüben fischen könne», und die weiblichen Wähler haben zur Erhaltung der Ordnung entscheidend bei getragen. Die Enttäuschung auf der Linken ist frei­lich bitter. Die roten Herren hatten sich ausgedacht: Wir haben ja schon eine Menge von geschulten So­zialistinnen; die werden am Wahltag alle antreten, und unsere Genossen werden noch ihre Frauen urtb Töchter in Masse mitbringen, wogegen die bürgerlichen Frauen größtenteils bei ihren Kochtöpfen ober in der fiirdje bleiben werde»; also kann das Frauenstimmrecht uns das Uebergewicht sichern." _ Das war arg daneben gerechnet. Die Frauen und Töchter von manchen Ge­nossen haben ganz anders gestimmt, als das rote Ober­haupt bei Familie, und viele von ihnen sind wegen der Memungsverfchiedenhost ja Haufe »eblwbeu. Da-

eines Kindes, das er mehr liebte, als irgend ein Vater fein Kind lieben kann, hat er doch erdulden müssen. Drei Tage hat er mit Maria in furchtbarer Bangigkeit nnb Seelenpein den verlorenen Jesusknaben gesucht. Was er da ausgestanden, spricht sich in den bekümmer­ten Worten der Gottesmutter aus:Kind, warum hast Du uns das getan? Siehe, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht." (Luk. 2, 48.)

So sehet ihr denn, geliebte Diözesanen, wie dem hl. I Joseph kein Leid erspart blieb. Er kennt bar um aus eigener Erfahrung das menschliche Elend und hat schon I Deshalb ein teilnehmendes Herz für alle menschliche | Not und Betrübnis. Noch mehr dürfen wir seines Mit- I gefühls versichert sein, weil er im Himmel teilnimmt an ben erbarmungsreichen Gesinnungen des Herzens Jesu. Dazu kommt, daß durch ben Stellvertreter feines I göttlichen Pflegefohnes, ben hl. Vater, also im Namen I Christi selber, alle Nöten und Bebrängnisse der ganzen Kirche und der einzelnen Gläubigen ihm vor 50 Jahren I durch den feierlichen Akt seiner Erwählung zum Schutz- Herrn der Christenhell ein für allemal ans Herz gelegt sind Das sind fürwahr Gründe genug, uns mit un- I erschütterlichern Vertrauen auf ben hl. Joseph in allen I Lebenslagen, besonders aber für unsere Todesstunde, zu erfüllen, da die (einige durch die Gegenwart Jesu und I Maria begnadigt war.

Zu einem besonderen Vertrauen auf den Schutz des hl Joseph fordern uns auch große $)eilige auf, allen voran die hl. Theresia.Stets hat dieser Vater meine Seele" so schreibt sie in ihrem Leden (Kap. 6) ,mich erhört, über mein Gebet und meine Hoffnungen hinaus."Den anderen Heiligen," so versichert sie,hat er Macht verliehen, in diesem ober jenem Anliegen zu helfen: aber der glorreiche heilige Joseph, ich weiß es aus Erfahrung, vermag in allen Nöten zu helfen, «o möge denn der bevorstehende (Bnabenmcmat und be­sonders bas Fest bes hl. Joseph uns Anlaß fein, alle un- i'ere großen und kl-inen Anliegen vertrauensvoll in bie I Hände unseres mächtigen Schutzpatrons zu legen Sa­gen wir auch zu ihm, wie bie Aegypter zu'hrem Joseph: Unser Hell ruht in deiner Hand." (1. Mos. 47, 25.)

, 3.

Sicher hat ein jeder aus Euch, geliebte Diözesanen, dem hl. Joseph diese ober jene Not zu klagen. Viel­leicht aber denken nur wenige an die große Not, die alle Angehörigen der Diözese Fulda betroffen hat: ich meine ben drückenden Priestermangel. So viele host- nungsvolle Alumnen des Priesterseminars 13 an der Zahl hat der Krieg hinweggerafft. Eine Anzahl von Seelsorgsgeistlichen sind gerade in letzter Zeit durch den Tob ihrer gesegneten Tätigkeit entriffen werben. Die | Kleriker, die in den nächsten Jahren Voraussicht! ch zum I Priester geweiht werden, reichen bet weitem nicht aus, I bie entstandenen Lücken auszufüllen. Bedenket dabei, daß bte Ausgaben der Seelsorge gegenüber den moder­nen Bedürfnissen sich fortwährend steigern. Fürwahr dl» Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige.

(Luk. 10, 2.)

Dazu kommt, daß unsere kirchlichen Anstalten, die der Heranbildung der Priester dienen, besonders das I Bischöfliche Priesterseminar und das Konvikt, in,olge der fortgesetzt steigenden Teuerung der Lebensmittel nnb Gebrauchsaegenstänbe in die größte finanzielle Not gera- I ten sind. Während in früher. Zeiten das Priesterfeminar I vom ersten Studienjahr ab fämtl. Fuldaer Alumnen fo- I stenlos unterhalten konnte und auch das Konvikt sich I mit einem mäßigen Pensionspreis begnügen konnte, sind I beide dazu nicht mehr imstande. Das Kostgeld im Kon- I vikt muhte bedeutend erhöht werden, und das Seminar I ist genötigt, fett Oktober v. I von den Alumnen aller I Jahrgänge einen hohen Tagespreis für Verpflegung und I Unterhalt zu erheben. Es liegt auf der Hand, daß d'.e I Aspiranten des Priestertums in beiden Anstalten zu I e;ncn*. nur ganz geringen Teile diese Kosten aufbringen können. Ebenso ist tlar. baß bei einer Fortdauer dieser überaus traurigen Verhältnisse gar viele brave und be­gabte Jünglinge von vornherein auf bas Streben nach I Dem Priestertum verzichten ober vom theologischen Siu- I diurn abgeschreckt werden, oder daß deren Eltern wegen oer unerschwinglichen Kosten dem Verlangen ihrer Söhne nach dem Dienste des Altars nicht Folge geben

I können.

Das sind bettübende Aussichten, bie sich da eröffnen, I bas sind Sorgen, die nicht nur schwer auf dem Bischof I lasten, sondern auch alle Priester und ©laubigen an« I gehen.

Auch in dieser allgemeinen Not der Diözese wenden I toir vor allem unfern Blick zum heiligen Joseph. Er ist I ja derjenige, der den Hohenpriester des Neuen Bundes, I von dem alle priesterliche Würde und Vollmacht in der Kirche ausgeht, Jesus Christus nämlich, im stillen Hause

(ßeflebfe Diözesanen!

Wie der hl. Kater in seinem Schreiben bemerkt, brach das Unheil des Krieges zu einer Zeit über die Völker herein da der Naturalismus b. h. Das Versunkensein in bas rein Natürliche und Irdische, sich ihrer bemädjügt hatte.Es ist dies eine überaus schlimme Zeitkrankheit, bie in der Seele das Verlangen nach den himmlischen Gütern lähmt und schwächt, die Flamme der göttlichen Liebe im Herzen erstickt, den Menschen der heilenden und ertjebenben Gnade Christi entzieht, ihn des Glau- | benslichtes beraubt und so bie schwachen Kräfte seiner verderbten Natur den ungezügelten Leidenschaften über­antwortet." So kam es, daß während dieser letzttn Jahre gar viele Menschen all' ihr Streben einzig und allein auf bie hinfälligen Erbengüter richteten.^ bah Neid und Feindschaft zwischen den einzelnen Ständen um sich griff. Durch die lange Dauer des Krieges wurden diese Hebel noch gesteigert, vor allem deswegen, weil er auf der einen Seite den breiten Masten eine unerträg­liche Teuerung brachte, auf der anderen Seite einigen wenigen übergroße Gewinne in den Schoß warf.

Mit tiefem Kummer beklagt es weiter der hl. Sa­tor, daß infolge der durch ben Krieg herbeiaeführten lan­gen Trennung der Ehegatten das heilige Band der ge. penfeitigen Pflichten bei manchen gelockert wurde, bis zur Verletzung der ehelichen Treue. Ist Euch nicht auch bekannt, welche betrübende Erfahrung, so manche mit einer zu Beginn ober währenb des Krieges allzu rasch abgeschlossenen Ehe gemacht haben?

Auch die Achtung vor der elterlichen Autorirtät und die ganze Erziehung der Kinder hat, weil die starke Hand des Vaters so lange fehlte, allgemein großen Schaden gelitten.

Daneben tritt eine verhängnisvolle Irrung auf dem Gebiete der gefellschafllichen Ordnung auf, nämlich wie der hl. Vater sich ausbrückt bas Streben nach einer Art von Weltrepublik, in der allgemeine Gleich­heft und Gütergemeinschaft herrschen, in der es keine Gewalt der Eltern über die Kinder, der Obrigkeft über die Bürger, auch nicht Gottes über die Menschen mehr gben soll.

Der hl. Vater fährt dann wörtlich fort:Damit wir nun die uns anverttauten Gläubigen, die durch die Ar­beit ihrer Hände sich den Lebensunterhalt verdienen, auf dem Wege der Pflicht erhalten und sie vor der An­steckung des Sozialismus, jenes Todfeindes der christ­lichen Ccbensauffaffmifl schützen drängt es uns mit aller Macht, ihnen allen ben hl. Joseph vor Augen zu stellen als den besonderen Führer und Schützer ihres Lebens."

Mit welch' erhabenen Tugenden hat nicht Joseph fei* nen Stand als Arbeiter geziert! Mit solchen Tugenden, die ihn würdig machten, der Gemahl Mariä, der Unbe- fleckten, und der gesetzliche Vater Jesu, des Sohnes Got­tes, zu sein.

Daher sollen alle in Der Schule des hl. Joseph ler­nen, die gegenwärtigen, flüchtigen Dinge lm Lichte der zukünftigen, ewig dauernden, zu dettachten. Die Ent- behrungen des irdischen Lebens sollen sie lindern durch die Hoffnung auf die himmlischen Güter und den Besitz dieser ewigen Güter durch bie Erfüllung des göttlichen Willens erstteden, indem sie genügsam, gerecht und fromm in dieser Welt leben."

Gewiß dürfen und sollen so fügt der hl. Vater unter Berufung auf Leo XIII. hinzu im besonderen auch bie Arbeiter auf rechtmäßigem Wege ihr Los besser zu gestalten suchen; aber Vernunft und Gerechtigkeit ver­bieten es, bie von der Vorsehung gewollte Ordnung um*

Der Bischof von Zulda

über bie geier bes Zosephrmonates.

Wie schon erwähnt, waren am 8. Dezember vor. Iah tes 50 Jahre verflossen, seitdem der hl. Joseph durch Den hochsei. Papst Pius IX. zum Schutzpatron der kathol. Kirche erklärt wurde. Der hl. Vater Benedikt hat be­stimmt, daß eine entsprechende Gedächtnisfeier zu Ehren des hl. Joseph überall in der katholischen Well abge­halten werde. Die Bischöfe haben in ihrer letzten Kon- ferenz in Fulda ben Monat März für diese Feier aus- erwählt. Der Hochw. Herr Bischof Joseph Damian teilt bas in einem Hirtenwort den Diözesanen mit, in dem er daran erinnert, wie gerade bie gegenwärtige trau­rige Sage uns wie von selbst auf den hl. Joseph bin- weist, in dem er weiter zeigt, wie die vielgestaltigen per­sönlichen Nöten und Bedrängniste eines jeden von uns gerade beim hl. Joseph gut aufgehoben sind, und endlich ein überaus großes und dringendes Anliegen der Diözese Fulda verttauensvoll dem hl. Joseph und allen emp-

zustoßen. Gewalt anzuwenden und durch Aufstände und Unruhen etwas erreichen zu wollen, wäre ein törichtes Unterfangen, da hieraus nach viel schlimmere Uebel sich ergeben würden. Deshalb sollen die Besitzlosen, wenn sie vernünftig sein wollen, den Versprechungen von Auf­wieglern kein Gehör fchenken." Das sind Worte Leos XIII des großen sozialen Papstes, bie Bene­dikt XV. sich zu eigen macht.

Durch solche immer wachsende Verehrung des hl. Jo­seph werden wir so fährt der hl. Vater fort immer weiter in die Tugenden der hl. Familie eingeführt wer­den. Das sind vor allem standesgemäße Keuschheit, Ein- ttacht und Religiosität.

Wenn so im Hinblick auf das Beispiel bes hl. Jo­seph unsere Familien im christlichen Geiste neu gefestigt j sind, dann wird neue Kraft und gleichsam neues Blut I sich in die ganze menschliche Gesellschaft unb bas gesamte gesellschaftliche Leben ergießen.

Wohlan denn, geliebte Diözesanen, blicket auf Bo- I seph, und was fein Beispiel Euch sagt, das tuet! Da- I durch werdet Ihr, soviel an Euch liegt, vieles beitragen I zur Erneuerung der Gesellschaft im christlichen Geiste.

v 2.

Seid Ihr, geliebte Diözesanen, in dieser Weise be­strebt. jene Tugenden des hl. Joseph ft, Euch, be. sonders in Eurem Familienleben, nachzubiloen, dann werbet Ihr auch in Eueren persönlichen Anliegen auf seine mächtige Hilfe rechnen dürfen. Das um so mehr, als er aus eigener Erfahrung alle Nöten des Le­bens kennt und deshalb mit jedem menschlichen Lew Mitgefühl haben wird.

Oder hat der hl. Joseph nicht alle Prüfungen des Le­bens durchkosten müsien? Denket an den stillen Kum­mer, der sein Herz bedrückte, als er, noch nicht belehrt über bie geheiligte Mutterschaft feiner jungfräulichen Gattin, von quälender Ungewißheit, was zu tun sei, ge­ängstigt war. Wer von Euch ähnlichen Familienkummer zu tragen hat, gehe zu Joseph!

Oder Ihr sprecht von drückender Armut ober Woh­nungsnot. Wer war ärmer, als bet hl. Joseph in Beth-

I lehem, als er für sich, Maria unb das göttliche Kind I trotz allen Suchens keinen Platz in der Stadt, ja nicht I einmal in der Herberge fand, und mit dem Statt als I Wohnung unb ber Krippe als Wiege für ben neugebore­nen Heiland sich begnügen mutzte.

So manche Eltern werben durch Krankheiten von I Familienangehörigen schwer unb lange helmgesucht. Es I tut ihnen weh, das Kind ober ein anderes Anverwand- tes hilflos leiben zu sehen. Auch dieses Leib hat der hl. Joseph an sich erfahren, als bas Jesuskind am 8. Tage nach feiner Geburt der schmerzlichen Beschneidung nach dem Gesetze sich unterziehen mußte und zum er-

I ftenmale sein unschuldiges Blut vergoß.

I Wie drückend ist die Sorge der Eltern um die Zu- I kunft ihrer Kinder! Wie ganz anders gestaltet sich oft I deren Lebenslauf, als bie Eltern es hofften unb wünsch­ten! Tröstet Euch: der hl. Joseph trug noch schwereres

I Leid, als er aus dem Mund des greifen Simeon die Weissagung hörte:Dieser ist gesetzt znm Zeichen, dem

I man widersprechen wird, tmb ber Worte an Maria: IEin Schwert wirb deine Seele durchdringen." (Luk.

2,34 f.)

Andere werden durch die Verhältnisse gezwungen, I die Heimat zu verlasien, in die Fremde zu ziehen und I dort ihr Brot in schwerer Arbeit zu verdienen. Au» diese Nottage kennt ber W- Joseph ganz unb gar. 3a noch mehr. Als ein Verfolgter, besten Pstegesohn ber gottlose Herobes nach dem Leben strebte, mutzte er ins fremde heidnische Land Aegypten ziehen unb dort sich

I kümmerlich ernähren.

| Gar oft geschieht es, daß durch böswillige Menschen I ober widrige Umstände die schönsten Pläne durchkreuz:, I die scheinbar sichersten Aussichten zerstört, die greifbar» I sten Vorteile entrissen werden, unb man rotlos vor fol­genschwere Entscheidungen gestellt wird. Aehnriches ist

I dem hl. Joseph zugestoßen. Eben hat er Aegypten oer« I lassen mit dem festen Entschluß und der guten Aussichc ! fein Heim in Judäa, in ber Dcwibsstadt Bethlehem wie­der aufzusuchen unb bauernb zu begrünben. Da zwingt ihn die Furcht vor Archelaus, dem Sohne des Kinder-

I Mörders Herobes, in das abgelegene, verachtete Na­zareth zu ziehen.

I Bitter ist jeder Verlust, der den Menschen kifft, mag I er einbüßen Hab unb Gut, teuere Angehörige, liebe I Äinber, ober mag er gar es erleben müsien, baß ein I Sohn, eine Tochter, ohne bie Schuld ber Ellern, Glaube I unb Unschuld preisgibt unb in Gefahr kommt, schließlich I bes Himmels verlustig zu gehen. Der hl. Joseph konnte I zwar bet ber Heftigkeit seines Pflegesohnes nicht in I solche Bitterkeit geraten, aber bie Qual des Verlustes

gegen war in den bürgerlichen Kreisen der Wahleiser der Frauen sehr groß. Dort wurden Die Hausmütter tmb die Fräulein wirklich überrascht von dem Wahl­recht, das ihnen die Revolution in den Schoß warf. Sie hatten noch keine Hebung in der politischen Arbeit. Sie wurden sozusagen ins Wasser geschoben, ehe sie schwimmen gelernt hatten. Und siehe da, sie sanden sich wunderbar gut zurecht in dem ungewohnten Element.

Bch möchte sagen: Wemr das weibliche Stimmrecht nicht eingeführt wäre, so hätten wir vielleicht eine rein sozialistische Mehrheit im Reichstage und in Preußen erhalten. Das wäre ein fürchterliches Verhängnis gewesen, wie man aus den Erfahrungen in Groß-Berlin ersehen hat, wo sich im Rathause eine olche Mehrheit ergeben und zu der schlimmsten Wirt- chafi geführt hat. Was wir im Reich und im Staat n den letzten zwei Bahren gerettet und gebessert haben, verdanken wir der Koalition, und zu der Koali­tion haben entschieden die weiblichen Wähler mit» gewirkt. Sie haben tatsächlich das Vaterland vor dem Arsammenbruch bewahrt.

Unklare Gefühlspolitik" wirst der enttäuschte Kom­munist den Frauen vor. Mir kommt ihr Verhalten recht klar und zielbewußt vor. WennGefühle" da. hinter stecken, so ist das kein Fehler und keine Schande. Darob kann nur einer schelten, der sich einbildet, mit feinem bischen kalten Verstand vermöge er alle Weis­heit und Tugend zu erfaßen. Das ist eine törichte Selbsttäuschung. Was kein Verstand der Verständigen sieht, das ahnt in Einfall ein kindlich oder weiblich Ge­müt. Der Mensch in seinem dunklen Drange ist si des rechten Weges wohl bewußt. Und wollt ihr wis­sen, was sich ziemt, so fragt nur bei edlen Frauen an. So gibt es viele Sprüche bei den Dichtern und Denfern, die ben Wert der unmittelbaren Erkenntnis des Wahren unb Guten hervorheben im Gegensatz zu der destillierten Weisheit, die man mühsam aus allerhand ausgeklügelten Lehrsätzen und Programmen sich zurechtfabriziert.

Was die weiblichen Wähler in die politische Werk­statt bringen, ist keine verwirrende Gefühlsduselei, son­dern ein frischer Luftzug in di« staubige Atmosphäre und die gesunde Vernuttst in die graue Theorie.

Sa, darf man die Frauen für vernünftiger halten wie die männer? Die Sache liegt so: Es gibt in beiden Geschlechtern drei Sorten von Menschen: 1 Ueberkluge an Weisheit und Tugend, 2. eine Mittel­klasse von normaler Befähigung und 3. eine Unter­klasse von Schwächlingen im Denken und handeln. Zu den Helden von Rr 1 mag wohl das männliche Ge- schlecht die größte Anzahl stellen. Bn ber Mittelklasse scheinen mir die Frauen zu überwiegen. Und wenn [ ich in' die brüte Schicht ber verbohrten und versteck-

zu Nazareth gehegt und gepflegt, beschützt unb behütet har. Der hl. Joseph ist es. ber für diesen Hohepriester durch feiner Hände Arbeit den Unterhalt aufbrachte und jenes Fleisch und Blut genährt hat, das am Kreuze als Opfergabe für uns dahingegeben wurde. Gott selbst hatte ja durch seinen Engel dem hl. Joseph den Priester­beruf des Heilandes geoffenbarl und ihn zugleich m Be­ziehung zum Priestertum Jeftr Christi gesetzt mit den Worten:Du sollst ihm den Hamen Jesus geben, denn er wirb fein Volk erlösen von feinen Sünden. (Matth. 1, 21.)

Wir haben daher allen Grund, auch in diesem gro­ßen Anliegen des Nachwuchses füs den»Priesterftand den M Joseph vertrauensvoll anzurufen, besonders im Mo- nät März. Möge der hl .Joseph auf unser Flehen durch feine Fürbitte bei seinem hohenpriesterllchen Pflegesohn viele opferfreudige Priesterberufe erwirken.

Laßt uns aber auch in unseren Anliegen ben hl. Jo­seph nachahmen! Wie er in tatkräftiger Weise für bie Mittel zum Leben und Unterhalte des Heranwachsenden ! Hohenpriesters Jesus gesorgt hat, so ist es jetzt mich Euer aller Pflicht, durch Unterstützungen und milde Ga­ben zum Unterhalte unserer jungen Priesteramtskandi- Daten beizusteuern. Mögen von jetzt an, besonders un tzosephs-Monal, - - -

bie Gaben zum 5f. Josephs-Pfennig reichlicher und allgemeiner fließen! Mögen größer- Zuwendungen zu diesem Zwecke von jenen gemach, wer ben, deren Verhältnisse es erlauben! Möge bie Kirchen, kollekle, die ich hiermit für den Sonntag vor dem jefte bes hl. 3oseph anordne, so ausfallen, daß wir wenigstens von ben augenblicklichen drückenden Sorgen befreit wer. ^Jhr dürft, geliebte Diözesanen, davon überzeugt sein, daß Ihr für Euere Spenden und Zuwendungen die ja einzig unb ausschließlich an die künftigen Priester ver­teilt werden sollen, Euch bei Gott einen besonderen

I Lohn sichern werdet Es sind ja Gaben, nieiergetegt auf ben Altar, Spenden, bie das Priesteramt Christi

I unterstützen sollen. . . _ .

Seid auch gewiß, daß jeden Tag m d-r Kapelle des I Priesterseminars von allen Alumnen gemeinsam für D.e I Wohltäter gebetet wird, daß dieselben Alumnen, wenn sie dereinst am Altar« stehen, Eurer nicht vergessen werden, I mich wenn Ihr vielleicht längst im Grab ruhet und dem Gedächtnisse der Menschen entschwunden seid.

Macht Euch aber auch dadurch für das Priestertimi verdient, daß Ihr, soviel an Euch liegt, recht > ferebrufe wecket unb fördert. Das geschieht dadurch, datz Ihr durch christliche Erziehung und gutes Beispiel m Euren Famili-n dem Rufe Gottes in den Herzen Eurer Kinder keine Hindernisse entgegensetzet, sondern chm in jeder Weis« die Wege ebnet. Sprechet in Eurer Familie und m der Gesellschaft nur mit größter Achtung vom katholischen PriesiettiMi! Flößet auch Euren Kindern die Ehrftlrcht I unb Liebe zum Priestertum ein und durchdringt Euch selbst mit dieser echt katholischen Gesinnung!

Fürwahr, wer wie der hl. Joseph m seinem Lebm bas Priestertum Christi unterstützt hat, wirb auch 'M Tode dessen Segen an sich erfahren. Er darf hosten, dereinst wie I Joseph, unter dem besonderen Beistände Jesu zu sterben. I i Arn 50jährigen Gedächtnisfeier der Erwählung des I hl Joseph zum Schutzpatron der katholischen Kirche wirb I folgendes ungeordnet:

1. In allen Pfarr-, Filia!-. Kurarie- und Klosterrirftser. I l-Kapellen) soll an jedem Mittwoch des Monats Marz I am Morcren während (bezw. nach) der Hauplmesie oder am Nachmittag (Abend) das hl. Sakrament ausgesetzt, die Litanei vom hl. Joseph gebetet und der sakramentale I Segen gegeben werden 3m Anschluß cm die ^Litanei ist I dasGebet um Priester nach dem Herzen Jesu zu beten.

2. Das gleiche gilt für die drei dem Feste des bl 3o- Nchxn Tage und den Festtag (19. Marz)

gen, welche an ber dreitägigen Andacht vor dem 19. März teilnehmen, können unter den gewöhnlichen Bedingungen einen vollkommenen Ablaß gewinnen.

y. Am Sonntag den 13. März wird während fämt° WWWMorMcgottesdienste in den oben I. 1 genannten Kjtthen eine Kollekte für den St. Josephspfennig zugunsten der bedürftigen Priefteramtskandidaten abgehalten. Die hcchw Herren Seelsorger unb Rektoren bitte ich, die Kote leite bei der Ankündigung warm zu empfehlen und sich zur Entgegennahme weiterer Gaben bereit zu erklären.

Der Ertrag der Kollekte und sonstige Spenden mögest noch währenb bes Monats März an unsere Kollektenkasie (Postscheckkonto 80204) e'mgesamdt werden.

Fulda, den 22. Februar 1921.

f Joseph Damian,. Bischof.