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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 53.
iberanimorntd; tut Oen uvuuumellen Teil: KorI Schürte. - iür Dit tintigen: I. Parze er-Fulda = tRotarionsöruä u. Verlag der yulhaet Äctiendnrckrret In Fulda Termpiediet Nr. 9. Teiegr.-ähreije: Fuldaer Zeitung rnmii—i■■■■■■!mm i im ...... nn imum। imiumwi
Samstag, 5. ttTärz i921.
Bezugspreis - Monaiäch 3.00 Uli. oqiu ^uiteUgeouijt. In Fu.üo bei uns abgeholl 3,1b Mt. rlnzeigenpreis: LteKieinzeile Colonelmav) 60 p(g„ u. 10°« Zuschlag. die Reklamezeile fTetibretie* 1.80 Hit., u. lO°'o Zuschlag. Bei Wiederbo! Rabatt
48. Zahrg.
Die Rede Lloyd Georges
wird jetzt im Wortlaut durch das offiziöse Wolffsche Vureau verbreitet. Danach hat sich Lloyd George nicht gescheut, sogleich zu Beginn seiner Ansprache die deutschen Vorschläge eine „ausgesprochene Herausforderung der Alliierten" zu nennen. Das heißt zum Fenster hinaus reden, denn Zn Wahrheit weiß man in London so gut wie in Berlin, daß diese Gegenvorschläge Line in der Geschichte einzig dastehende Belastung eines Dolkes auf Geschlechter hinaus darstellen und daß ein ,starker Glaube an das deutsche Volk, seinen rastlosen ,Arbeitswillen und seine Sparsamkeit dazu gehört, um Pe für erfüllbar zu halten.
Dann begann Lloyd George ein langes Klagelied über die deutsche Unbußsertigkeit, offenbar nach französischem Konzept, worin er namentlich beklagte, daß Michsminister Dr. Simons in Stuttgart die V e r a n t- wortung Deutschlands am Kriege abge- lehnt habe. Die Zustimmung des deutschen Volkes M dieser Rede beweise, daß es ebenso denke. Do für Den Verband der ganze Vertrag auf der deutschen Schuld Dcruhe, stellten das deutsche Volk und seine Regierung die Grundlage des Vertrags in Frage. Für den Verband sei die Frage, wer den Krieg verschuldet B erledigt. Der Frankfurter Friede vom Jahre habe die Schuld Frankreichs zur Voraussetzung liefern demgemäß alle Kriegsschulden auferlegt. So fei jetzt die deutsche Kriegsschuld die Voraussetzung, ohne die alle Konferenzen zwecklos verlaufen würden. Der Verband wolle Deutschland weder zerstören noch jknechtvn; vielmehr betrachte er ein freies, zufriedenes rrrÄ blühendes Deutschland als wesentlich für die Zivilisation. Es brauche nur die Pflicht der Wiedecherstel- ßungsschäden zu erfüllen, nicht die Kriegskosten zu bezahlen, wie es einst Frankreich gemußt habe, denn das fei für ein einzelnes Land unmöglich, wozu übrigens Koch heftig den Kopf schüttelte.
Es folgte eine breite bis ins Einzelne gehende Darlegung der Nöte der Verbandsländer, namenttich der Wer Wüstungen in Frankreich und Bel- Ri en. Er verstehe nicht die Psychologie eines Landes, Pas nach solchen Taten solche Vorschläge mache. Jeder xutgememte Plan wäre wohlwollend geprüft worden, linier diesen Umständen bedauere er, daß Deutschland eine Einladung zur Konferenz erhallen habe. Sm Namen der Verbündeten erkläre er, daß die Ausführung des Frieüensvertrages durch Deutschland durchaus ungenügend fei und ein weiteres Versagen Deutschlands, fei es aus Böswilligkeit oder aus Schwäche feiner Regierung, nicht gedulde werden könne. Lloyd George schloß mit der Bekanntgabe des. schon gemeldeten Ultimatums.
Die Bemerkungen über die Kriegsgreuel sind rührselige Effekthascherei. Daß der Krieg fürchterliche Verwüstungen, zumal in Frankreich, angerichtet hat, wissen wir, und das deutsche Volk ist bereit, seinen Teil Dazu bejzutragen, um diese Wunde zu heilen. Wenn Lloyd George sich aber darauf beruft, daß Deutschland Durch seine Unterschrift unter dem Frieüensoertrag seine Verantwortung für den Krieg anerkannt habe, fo ist das eine Erpressermethode. Denn er weiß ganz genau, daß wir den Paragraphen von der „Schuld" Deutschlan'ds stets als unberechtigt erklärt haben, daß wir die UMerschrift nur leisteten, weil wir durch gefährlichste Drohungen gezwungen wurden, und well nach der Ansicht aller ehrlicher Menschen von einer Festsetzung des Schuldmaßes überhaupt nicht gesprochen werden kann, so lange die Alliierten nicht auch ihre Vorkriegs- often veröffentlicht haben. Deutschland ist nicht fchuldig und sühll sich nicht schuldig, es ist zum mindesten nicht schuldiger als die anderen. Das muß Lar und deutlich betont werden. Die Rede Lloyd Geor- ges zeigt, daß die Echuldfrage es ist, um die sich alles Dreht. Mit dieser Luge steht mrd fällt der ganze Friedensvertrag. Sie ist fein wundester Punkt, und wir Deutschen haben nicht die geringste Veranlassung, diese wunde Stelle zu schonen, sondern haben allen Grund, sie aufzureißen, damit der ganze Eiter, der sich unter ihr verbirgt, austritt.
Wie es um die Kriegsschuld der Völker steht, weiß Lloyd George ziemlich genau; er hat erst vor einigen Wochen in öffentlicher Rede geäußert, daß keiner der «iropäischen Staatsmänner den Krieg gewollt habe. Es ist also Heuchelei, wenn er es vom Verantwortungs- Panüpunkt als ein Entgegenkommen der Alliierten bezeichnet, daß sie nicht auf einem Ersatz der Gesamt- k r i e g s k o st e n bestehen. Und sein Vergleich mit
?a^re. 1871 schlägt ihn selber. Es kommt doch nicht darauf an, ob man das Ding Kriegskosten, Ent- toam^nng ober Reparation nennt, sondern die Summe ist wichtig, und wir, die wir von Frankreich vor 50 ßogren 5 Milliarden forderten, stehen doch wirklich Pesftr da als heute die Alliierten mit ihrer Milliarden- (otberung, b,e in die Hunderter geht.
lEiger hohn klingt es, wenn Lloyd George in dieser Veromdung verkündet, die Verbündeten möch- ten ein zusnettenes, glückliches und blühendes Deulsch- icnd. Uno doch haben ihm die deutschen Sachverständigen bewiesen, wie bei Annahme der Pariser Forde- rungeir dieses Glück in Deutschland aussehen würde:
ganzen Welt gehaßte und >efchde.c, den Lohlstand auf dem ganzen Erdball rui- pterende, feine eigenen Arbeiter aber in maßloser Ar- »Litszeit tötende Fabrik.
Verständigungsmögltchkeilen?
xer xatz m der Rede Lloyd Georges, der die For- d-n-nsen der Alliierten an die Deutschen enthält, lautet in der Uebersetzung wörtlich:
/S“1« nicht bis Montag mitgetM wird, daß Deutschland entweder gewillt ist, die Pariser Beschlüsse anzunehmen ober Vorschläge zu unterboten, die auf andere, gleichermaßen befriedigende Weise geeignet sich, eine Er- füßunfl ihrer Verpflichtungen „ach dem Vertrage von Denailles zu gewährleisten" (unter Derückfich- Äffin
der Heftigkeit, mit der Lloyd George Deutsch- Md wegen seines früheren und jetzigen Verhallens
angriff, hat die Entente also kein unbedingtes Diktat verhängt, sondern noch Raum gelaffen für „andere" Vorschläge, — allerdings mit der schwerwiegenden Klausel, daß diese Vorschläge „gleichermaßen befrie- digend" (ein sollen, d. h. daß sie dieselbe Gesamtsumme aufbringen, die in Paris verlangt worden ist.
llm den Zusatz von den „Zugeständnissen der Pariser Beschlüsse" zu versteheii, muß man sich in den Gedankengang der Gegenpartei versetzen. Dott behauptet man, daß nach dem Versailler Vertrag Deutschland den ganzen Kriegsschadeir in den verbündeten Ländern ersetzen müsse, und daß die 226 Milliarden, die man in Paris gefordert hat, noch hinter dieser Verpflichtung zurückbleiben, so daß also die Pariser Beschlüsse eigentlich ein Gnadengeschenk bedeuten.
Aber wo bleibt die Leistungsfähigkeit Deutschlands? Die macht den verbündeten Gegnern anscheinend kerne Sorgen. Denn Lloyd George hat in dieser vereinbarten Ultimatums-Rede auch wieder das alte Lied gefangen von der geringen Besteuerung der Deutschen. Rach feiner Behauptung und nach Ansicht seiner Fremrde geht es uns Deutschen viel zu put. sowohl im Punkte der Steuern wie in Sachen ter Staatsschulden und überhaupt im wirtschaftlichen Leben. Wir sollen uns bcffcer befinden als die Sieger. Dieser Aberglaube, der auf oberflächliche oder böswillige Berichte der Regiemngs- und Zeitungskorrespondenten beruht, ist leider nicht auszuroüen und kann bei den weiteren Vechandlungen verhängnisvoll werden.
Wir können beim besten Willen nicht mehr versprechen, als wir zu leisten vermögen. Don der anderen eSeite kann man vernünftiger Weise auch nicht mehr Saft aus der Zttrone erwarten, als darin steckt. Bestehl man dott darauf, daß die Gesamtleistungen Deutsch- lairds die Schlußsumme der Pariser Beschliisie erreichen, so wird die Grenze der Möglichkeit überschritten. Man kann.sich höchstens nochden Ausweg denken, daß für die verlangten Zahlungen eine fo schonende Form und eine solche Fülle von erleichternden Maßnahmen gefunden werden, daß Deutschlarck) ein solches Risiko allenfalls übernehmen könnte. Aichers ausgedrückt: diejenigen Machthaber der Entente, die wirklich eine friedliche Lösung wünschen, muffen durch Schonung der ersten Jahve, durch Ermöglichung einer erleichternden Anleihe, durch Freigebung bes deutschen Handels und durch weitere Unterstützung der deutschen Volkswirtschaft dazu mitwirken, daß sich die Leistungsfähigkeit ihres Schuldners bis zu der gewünschten höhe erhebt.
Aus dieser Erwägung ergibt sich leider, daß der verbliebene Steg zur Verständigung verzweifelt schmal ist. Es fehlt da drüben teils an der ttchtigen Erkenntnis, teils am Willen zum Frieden.
Vielleicht wäre es taktisch richtiger gewesen, wenn unsererseits in London fofort deutlicher auf die Gren- zm der deulschen Leistungsfähigkeit hinpewiesen worden wäre. Unser Vertreter ist streng sachlich vorge- gangen und hat eine Rede gehalten, wie sie für eine Versammlung von Ministern sich paßt, bei denen man die erforderlichen Vorkenntnifse ooraussetzen darf. Lloyd George hat dagegen eine Rede gehallen, wie sie für eine Volksversammlung geeignet ist. Eine Rede zum Fenster hinaus, die Stimmung machen soll und die sogar den melodramatischen Einschlag der Schilderung der Kriegsminen nicht verschmäht. In der Dearbeftung der öffentlichen Meinung sind uns die Gegner immer noch überlegen. Wir muffen in dieser Hinsicht uns zu einem schärferen Wettbewerb aufschwingen, fonst trium- phiett dairernd die Unwahrheit.
Auch in dem Fall, daß die letzte Ausgleichsbrücke zusammenbricht und es in London zum Krach kommt, ist eine stärkere Anstrengung zur Klärung der Welt- mcimmg notwendig. Denn die „Sttasmaßnahmen", die uns dann beschett werden, können nichts anderes herbeiführen, als eine kostspielige und schmerzhafte Probezeit, in der sich bald Herausstellen wird, daß die Gewaltpolitik das gewünschte Ziel nicht erreichen, das erstrebte Geld nicht erpreflen kann. Dann wird doch wieder verhandelt werden müffen über einen erträglichen Ausgleich, und zwar müssen die psychologischen Vorbedingungen s ch o n j e tz t gepflegt werden.
Lloyd George über das Ultimatum im Unterhaus.
JmNnterhausekam am Donnerstag Lloyd George auf die Entscheidung der Londoner Konferenz zu sprechen und sagte: Unsere Foroerungen müffen der Leistungs- fähi'keit Deutschlands angemessen sein, aber die Vorschläge, die Dr. SimonS machte, sind kläglich, töricht und tief unter der Leistungsfähigkeit Deutschlands. Deutsch, land ist nicht in dem Matze besteuert tote Frankreich und England. Wir dürfen nicht gestatten, dag die Steuerlasten der Sieger schwerer sind, als die der Besiegten.
Die Haftung der Reichsregierung,
Unter der LÄttmg des Reichskanzlers sand Freitag nachm'tdag eine Aussprache des Sachter;tänMgenausschusscs über dis wirtschaftlichen Wirkungen der von der Londoner Konferenz angetrrofjten Zwangsmaßnahmen statt. Alle Anwesenden waren einer Meinung darüber, daß die Maßnahman auf das deutsche Wirtschaftsleben die schwersten Wirkungen ausüben würden, daß triefe Wirkungen ober die Regierung von ihrem Standpunkt, die Unterschrift von Verpflichtungen abzulehnen, die Derrischkmd zu erfüllen außer Stande fei, nicht abbringen könnten.
Del einer Besprechung, die gleichzeitig der Reichsminister des Innern mit den parlamentarischen Vertretern des besetzten Gebietes abhrelt, wuibe festgestellt, daß lrie angekünüigten Zwangsmaßnahmen schwer, aber nicht unenuortet feien und daß bte Regierung wegen der zu befürchtendem Schädigungen soweit wie möglich bereit Vorsorge getroffen habe. Die angedrohten Maßnahmen könnten keine Veranlassung geben, die vom der Reichsregierung bisher sm genommene Haltung zu ändern.
3n Erwartung der Regierungserklärung.
Reichskanzler Fehrenbach wird am Samstag im Reichstag unmittelbar nach Bdginn der Sitzung das Wort ergreifen, um namens der Regierung eine Erklärung über das Ultimatum der Entente abäugeben. Daran wird sich eine zweistündige Pause
anschließen, m der den Parteien Gelegenheit gegeben werden soll, zu der Erklärung der Regierung Stellung zu nehmen.
Von neuen Vorschläge» nichts bekannt.
wtb Berlin, 4. März. Nachdem an zuständiger ©teile vorliegenden Nachrichten ist die Lage in London unverändert lieber neue dkutsche „R.parauons"- vorschlöge ist nichts bekannt.
Kundgebungen znr Londoner Konferenz.
Der Reichsoerband der deutschen Industrie, der Rcichsaueschuß der deutschen Landwirtschaft und der Zentraloerband dess Großhandels haben dm Reichsminister Dr. Simons eine telegraphische Kimdgebmrg zugehen lassen, wonach Industrie, handel und Landwirtschaft unbedingte Festigkeit gegenüber dem Ultimatum der Entente erwarten.
Die Niederrheimsche Handelskammer in Ruhrort richtete an den Reichspräsidenten, den Reichs- kanzler imb das Auswärtige Amt folgende Drahtung:
Die heutige Dollverfammllmg der Rkederrhei- nsschen Handelskammer fft sich der Tragweite der bei Ricksta-imahm« des Diktats der Entente m Aussicht gestelltem Maßnahmen für dos deutsche Wirtschaftsleben, mÄosondere auch für das von ihr vertretene Gebiet voll bewußt. Um so mehr darf sie in dieser Stunde Anspruch auf Gchör echibcm. Sie bittet die Reichsregierung aufs dringendste, im der Vertretung des einmal für richtig und gerecht Erkannten unter allen Umständen fest zu bleiben.
Ruhrort gehört zu den drei Otten, die nach den geplanten „Santttonen" mit besetzt werden sollen. Um so bedeutsamer ist diese Entschließung.
56 deutsche Verbände und Vereine in der S ch w e iz richteten an die Reichsrscperung in Berlin folgende Kundgebung: 3n tiefer Sorge um das Vaterland beschwören die unterzeichneten 56 deutschen Verbände und Vereine in der Schweiz die Reichsregierung, in London standhaft zu bleiben.
Der Präsiventenwechsel in Amerika.
Freitag vormittag 11 Uhr (das ist 5 Uhr nachmittags mitteleuropäischer Zeit) ist Präsident Harbin g feierlich durch feinen Vorgänger Wilson in fern neues Amt ein geführt worden. Aus Wunsch des neuen Präsidenten waren die Feierlichkeiten wesentlich ringe- schränkt worden. Die Antrittsbotschast, die der Präsident bei dieser Gelegenheit verlas, bedeutet sein poli* ttsches Programm. Hartring erklärte, die neue amett- kanische Regierung beabsichtige, sich in die politischen Angelegenheiten Europas nicht verwickeln zu lassen. Sie lehne es ab, an irgend einer dauernden militärischen Allianz teilzunehmen oder irgendwelche ausländischen Verpflichtungen zu übernehmen. Sie sei jedoch bereit, an einer Konferenz über die Abrüstungsfrage teilzunehmen, Harding trat für die Schaffung eines Weltgerichtshofes ein. Er erklärte weiter: Wir werden keiner Nation einen gerechten Grund geben, mit uns Krieg zu führen. Ich hoffe jedoch, daß, wenn uns von neuem der Krieg aufgezwungen wird, er ganz Amerika in nationaler Verteidigung vereinen wird, harding trat in Anbetracht des Wettbewerbs des Auslandes für den Schutz der amerikanischen Industrie ein. 5n Bezug auf die Schiffahrt erklärte der Präsident: „Mr können nicht mit Erfolg verkaufen, wenn wir die amerikanische Ware nicht in amerikanischen Fahrzeugen aus die Weltmärkte bringen." Äußerem trat der Präsident für eine Verminderung der Steuerlasten, eine angemessene Krediterleichterung und für den Frieden in der Industrie ein. Der Präsident erklärte ferner: Für die Schuldenverpflichtungen, die aus dem Kriege entstanden sind, muß gesorgt werden, da keine Zivilisation ihre Nichtanerkennung überleben könnte.
Wilson wird Rechtsanwalt.
Der frühere amerikanische Präsident Wilson veröffentlicht eine Erklärung, datz er vom 4. März an sich in New Dort und Washington in Gemeinschaft mit dem Siaatssekretär Colby als Advokat rnederläßt. — Nach den Erfahrungen, die Deutschland mit Wilson als Anwalt des Rechts gemacht hat, darf es einigermaßen zweifelhaft erscheinen, ob dieser Mann die Dualitäten besitzt, feine Mandanten zu befriedigen.
Abstimmungsvorhereitungen.
3er Deutsche Schutzbund schreibt: „Bei der Beförderung der Abstimmungsberechtigten nach Oberschlesien liegen besonders schwierige eifenbahnbetriebstchni- sche Derhällnisse vor und zwingen zu bestimmten Maß- nahrnen, deren reibungslose Durchführung eine glatte Abwicklung des gesamten Verkehrs gewährleisten. Nichtbeachtung kann zu schwerwiegenden Verkehrsstockungen und nicht ntrerheblichen Unbequemlichkeiten für die Reisenden führen. Wir bitten daher die Abstimmungs- reisenden, durch vertrauensvolle Anerkennung aller Maßnahmen der beteiligten Stellen zu einem glatten Verlauf der hin- und Rückreise und damit zur eigenen Bequemlichkett selbst beizutragen. Die Beförderung aller Stimmberechtigten an einem Tage, dem Tage vor der Abstimmung, ist, wie jeder leicht einsieht, eine Unmöglichkeit. Es mußte notgedrungen eine Verteilung der Zuge für den Antransport auf einen zehntägigen Zeitraum vorgesehen werden. Dasselbe gilt für den Rücktransport. Die in den ersten Tagen abbeförderten Stimmberechtigten haben daher einen Anspruch auf entsprechend frühzeitige Rückbeförderung. Die in den letzten Tagen vor der Abstimmung abceisenden Stimmberechtigten müssen notgedrungen die auf den Fahrscheinen vermerkte Zeit, im allgemeinen elf Tage, im Abstimmungsgebiet verbleiben.
Füge sich jeder den zwingenden Notwendigkeiten und halte sich jeder vor Augen, daß nur der wirklich heimattreu ist. der nicht nur an seine Person, sondern auch an das Gelingen des Ganzen denkt."
Sicherung der Abstimmung.
Ilm die ruhige Durchführung der Abstimmung z« gewährleisten, wird die interalliierte Kommifsion schon in den nächsten Tagen über das Äbstimmungs-
gebiet sowohl den Belagerungszustand als auch dai Standrecht verhängen. Politische und sonstige Versammlungen werden während Der Tauer des Äs lageiungszustandes veiboien sein.
Aus vem besetzten Gebiet.
Zn (Litt sind die „©eiben*, nämlich die Marokkaner kürzlich durch schwarze Kolonialtruppen ersetz worden, deren Stärke auf zwei Regimenter ge- schätzt wird.
* (Ein Schwerverbrecher. Ein junger Kaufmann aus Wiesbaden hotte dott auf der Straße, als er an einen französischen Genera! gestoßen war, versäunck, sich zu ent- schuldigen. Tas Kriegsgericht in Mainz nahm wegen der Nichteirlfchuidigung an, daß eine Anrempelimg bes Generals beabsichtig l gewesen sei, und oerurtriiie den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 000 Mark.
* Maßlose Ansprüche. Die britische Dcsatzurgsbehörde in Köln hat te« Errichtung ron Baracken für 200 Unter- offiziers- unö Mamsschaftsfaiyrlien innerhalb dreier Monate, ferner von 400 Wohnungen für Unteroffizierssami» lien in massigen Häusem bis Ende Oktober 1921 verlangt, andernfalls würde zur Räumung eines Häuserblocks in der Nähe der Kasernen für diese 600 Familien geschritten^ werden. Die Kosten für diese Forderungen betragen für die Darackm 13 Millionen Mark, für die massiven Wohnungen 42 Millionen Mark. Dazu kommen noch 18 Millionen Mark für bte Wohmmgsausstattnng, deren Lieferung seibitverständlich mitoetlangt werden wird, und die sehr hohen Kosten für den Gründ erwerb. Diese maßlose Forbemmg der brttischen Besatzungsbchörde widerspricht dem RHÄnlandabkommen, das eine Cinguartterung nur für Offiziere und Zivikbeamte kennt, und auch nur für deren Familie einen Anspruch auf Unterbringung zuläßt,
Deutscher Reichstag.
Beschämende Austritte.
Zu Beninn der Sitzunr vom Freitag erklärte Pläsivent £5bt, daß die Neichsregierung noch nicht in der Lage fei, über den Stand der Londoner Verhandlung Mitleitung zu machen, da die ihr aus London zuge« gan enen Informationen noch nicht vollftändi \ seien. Er werde in ständiger Fühlun > mit der ÜRe.nervo \ bleiben. Es sei zunächst abzuwarten, bis endgültige Nachrichten ein,.erraffen fe>cn.
Dem widersprechen die Abzg. tebebosfr (llnabh.) und Levi (Komm), die beantragen, fofort in die Besprechung der Londoner Verhandlungen einzutreten. Der Antrag wird aber abgelehnt.
Man tritt bann in die Tagesordnung ein. Nach Erledigung einer Anzahl kleiner Anfragen folgt die erste Lesung des Reederei-Abfindungsvel fahrens. In Anbetracht der autzerpotitischen Lage beantragt Adg. Schiffer (Dem.), den Entwurf debattelos einen Ausschuß zu üoerweifen. Alle Redner stimmen dem Antrag zu, nur der Adg. vszttzerr (Unadh.) erklärt, den Arbeitern sei daS Hemd näher als der Rock, sie wollten die Ge-i legenheit benutzen, um über den Stettiner ©eneralfheil; zu sprechen. Der demokratische Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. (Wilder Lärm bei den Linkst radikalen.!
Darauf verliest Präsident £5be den ihm soeben zugegangenen amtlichen Wortlaut der Erklärung Lioyd Georges und fügt unter stürmischer Zustimmung hinzu, eS gäbe wohl im ganzen Hause niemand, der diese Erklärung mit dem Versailler Vertrag, für vereinbar hält.
Auf wiederholte Versuche des Abg. Adolf hoffmamr (Komm.), das Wort zur Geschäftsordnung zu ergreifen, erklärte der Präsiden^, datz er das Wort zur Geschäftsordnung nicht geben könne, da dies nur bei Gegenständen zu geschehen pflege, die auf Ser Tagesordnung ständen. Darauf entsteht bei den Kommunisten und Unabhängigen ein furchtbarer Tumult und auch der übrigen Abgeordneten bemächtigt sich eine derartige Empörung über das Verhalten der Linksradikalen, bafc, der Präsident eS für angezeigt hält, bte Sitzung für, 10 Minuten zu unterbrechen.
Inzwischen sind die f^raktionen zu länieren Beratungen zusammengetreten, die Sitzung wird schließtich nicht wieder aufgenommen.
Deutscher Reich.
** Berlin, 4. März. Der Reichsrat genehmigte den neuen Etat für 1921, der bereits ein Defizit von Über 46 Milliarden enthält. — Dev Reichspräsident empfing den neuernannten tschechoslowakischen Gesandien Blasimil Tusar zur Em«' pfangnahme seines Beglaubigungsschreibens.
* Der König von Spanien an den Reichspräsidenten. Aus das Dankschreiben des Reichspräsidenten Ebert an den König von Spanien für das, was Spanien für die Linderung des Loses der deutschen Gefangenen und überhaupt an Liebeswerken getan hat, ist jetzt ein Er- widerungsschreibm des Königs beim Reichspräsidenten eiirgetroffen. Das Schreiben hält die internationalen Formen inne, redet den Präsidenten mit „großer und guter Freund" an und gibt ihm den Exzellenztitel. Es betont, daß eine derartige Kundgebung, wie sie der Präsident namens des deutschen Volkes an den König gerichtet habe, die größte Belobung des Strebens Spaniens sei. „Ser Brief ist in herzlichstem Tone gehalten.
ts Ter Mitzerfvig des SPardiktatorS. Die Nachricht von dem Rücktritt des „Finanzdiktators" Carl ist denjenigen politischen Krei'en, die einen Einblick in das amtliche Getriebe besitzen, nicht überra chend gekommen. Wer unterrichtet ist über die Widerstände, die gerade in den maßgebenden Ministerien von denjenigen Beamtenkategorien gemacht werden^ die durch das Wnkiamwerden einer derartigen Spat- samkeitsakiion betroffen wurden, der mußte sich von vornherein sagen, daß biet alle Mühe vergebens sei. Als den Hauptsitz des Widerstandes wird das Reichs» ministerium des Innern bezeichnet. Die Pläne deS „Finanzdiktators" zielten int we entlichen auf eine Zuiamiiienlegung verschiedener Ministerien mit dem Endeifolge, daß ca. 5000 Arbeitskräfte hätten eripari werden können. Tiefe Pläne können nun aber nicht durchgefühn werden, da sich diejenigen Krei e, die von den Maßnahmen hätten betroffen werden sollen, auf das enei gischste gegen sie wehiten. Mgn bat alles getan, um in den Aeintern selber den Vorschlägen des Finanzdiktators die allerstärksten Hemmnisse zu bereiten. Infolgedessen sah der von der Regierung ;nt Führung der Sparsamkeitsoktion berufene Manu die AuLtichlsloüükeil feiner Sieben