Einzelbild herunterladen
 

M 5Z.

Samstag, 5. März 1921.

Drtttes Blatt.

Die rrerre EinSommensteuererklärung. n.

2. Einkommen aus Gewerbebetrieb.

Hierzu gehören:

1. Einnahmen aus gewerblichen oder Krgbaulichen Unternehmungen;

2. bei persönlich hastenden Gesellschaftern einer Kommanditgesellschaft auf Aktien die Tantiemen und Vergütungen sowie die Gewinnanteile dieser Gesell­schafter, welche auf ihre nicht auf das Grundkapital gemachten Einlagen entfallen;

3. bei Gesellschaftern einer offenen 5)andelsgefell- fchaft, einer Kommanditgesellschaft oder einer anderen Erwerbsgesellschaft, bei der der Gesellschafter als Unter- nehmer (Mitunternehmer) des Betriebes anzusehen ist, ihr Antell am Geschaftsgewinne zuzüglich etwaiger be­sonderer Vergütungen, die der Gesellschafter für Mhe- waltungen im Interesse der Gesellschaft für deren Rech­nung bezogen T>at.

Der Geschäftsgewinn ist durch Vergleich der Be- «-«bseinnahmen und der Betriebsausgaben unter Be­rücksichtigung des Unterschiedes in dem Stande und Werte der Erzeugnisse, Waren und Vorräte des Be­triebes, sowie des beweglichen Anlagekapitals am Schluffe des Geschäftsjahres gegenüber deren Stande und Werte am Anfang desselben festzustellen. Den Ge- schästseinnahmen ist auch hier der Wert der Gegen­ständ«, Ausbeuten und Diechtleistungen hinzuzurechnen, die der Steuerpflichtige aus dem Betriebe seines Ge­werbes für sich und feinen Haushalt oder für andere Zweck« entnommen hat, die außerhalb des Betriebes liegen.

Bei Steuerpflichtigen, welche Handelsbucher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches führen, ist der Geschäftsgewinn nach den Grundsätzen zu berech­nen, wie sie für die Inventur und Bilanz durch das Handelsgesetzbuch vorgeschrieben sind.

3. Einkommen aus Kapitalvermögen.

, Einkommen aus Kapitalvermögen sind:

1. Dividenden, Zinsen, Ausbeuten und sonstige Ge­winne, welche entfallen auf Aktien, Kuxe, Genußscheine ’orote auf Anteile an Kolonialgesellschasten, an berg­bautreibenden Vereinigungen, weiche die Rechte einer juristischen Person haben, an Genoffenschaften und an Gesellschaften mit beschränkter Haftung;

2. Einkünfte aus der Beteiligung an einem Han­delsgewerbe als stiller Gesellschafter;

3. Zinsen von Anleihen, die in öffentlichen Schuld­büchern eingetragen oder über die Teilschuldverschrei- dunaen ausgegeben sind;

4. Zinsen aus Kapitalforderungen jeder Art einschl. der Zinsen aus Einlagen und Guthaben bei Spgrkas- sen, Banken und anderen Kreditanstalten;

5. Zinsen von Hypotheken und Grundjchulden, Ren­ten und Rentenschulden.

Bei Tilgungshypotheken und Tilgungsgrundschul­den gilt nur der Test der Zahlung als Einkommen, der auf den jeweiligen Kapitalrest als Zins entrichtet wird.

6. Vererbliche Rentenbezüge;

7. Diskontbeträge von Wechseln und Anweisungen einschl. der Schatzwechsel, soweit es sich um Kapital­anlagen handelt.

Eine Anrechnung der Kapitalertrags- (teuer ist grundsätzlich nicht zulässig. Nur zum Schutze der Kleinrentner findet ein« Anrechnung der gezahlten Kapitalertragssteuer statt. Die Höhe der Anrechnung hängt von der Höhe des Einkommens ab. Sie wird erst demnächst in der zur Beratung stehen­den Novelle zmn Einkommensteuergesetz abgestust und festgesetzt werden. Die Anrechnung erfolgt nur, wenn der Steuerpflichtige über 60 Jahre alt. oder erwerbs- unfähig oder dauernd behindert ist und er sein Ein­kommen hauptsächlich aus Kapitalvermögen bezieht. Das Formular enthäst unter B Ziffer a—d diesbezüg­liche Fragen.

4. Einkommen aus Arbeit.

- Zum Einkommen aus Arbeit gehören:

1. Gehälter, Besoldungen, Löhne, Tantiemen, Gra­tifikationen oder unter sonstiger Benennung gewährte Bezüge und geldwerte Vorteile der in öffentlichem oder privatem Dienste angestellten oder beschäftigten Per­sonen (Arbeitslohn);

2. der Erwerb aus wiffenschäftlicher, künstlerischer, schriftstellerischer, unterrichtender oder erziehender Tä­tigkeit, aus der Berufstätigkeit der Aerzte, Rechts-

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

7] ----------

Die schlichten Bergbewohner hatten nicht Worte für ihre Bewunderung und koynten nur staunend in die Pracht hineinschauen; der Pfarrer aber fand das rechte Wort und den rechten Ton. Er griff in König Davids Harfe und stimmte, einem königlichen Sänger gleich, den tönenden Hymnus an: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und seiner Hände Werk zeigt an das Firma­ment".

Es klang machtvoll und da auch der Alpenrosenwirt und der Richter mit Tenor und Baß einfielen, tönte es, als fahre die Dreifalligkett im Sturmwind durch die Berge.

Alle staunten die Sänger an, nur Eina mußte im­merzu weinen. Ihre Mutter erschrak darüber und fragte besorgt: „Was hast denn, Kindel?"

„Sterben möcht ich, weil ich soviel unglücklich bin —"

„Bist nit g'scheit," tagte die Wirtin. „Sterben — wo Du jetzt Deinem Glück entgegengehst?"

„Vorbei Mutterl, vorbei!" seufzte Gina. „Der Mi­chael —'* Und nun kam es zutage, langsam und stoß, weise, Wort für Wort, wie Blut, dos aus einer liefen Wunde tröpfelt. „Der Michael — geht — mit einer — anderen".

Der Wirtin verschlug es den Atem und sie mußte sich setzen „Heilige Jungfrau — was sagst?"

Van ihrer Mutter gedrängt, erzählte Gina zögernd, was geschehen war, und schüttete all ihr Leid in der Mutter Schoß.

Diese war wie zerbrochen. „Allmächttger — so was!" tief sie. „Wenn das der Vater erfährt — und der Rich ter. Verrat' kein Wort, daß Michael —"

Gina schüttelte traurig den Kopf „Nit ums Leben!

• -. Lieber sterben."

Frau Sarner faßte Ginas Hand. „Stemm, wir wol­len beten. Vielleicht hilft die Himmelsmutter. Vielleicht kommt Michael doch noch z'rück zu Dir —'

Gina gab keine Antwort. Sie glaubte nicht an die Verheißung ihrer Mutter. Mechanisch formte sie die Lippen zum Gebete, aber ihr Her; war nicht dabei. Ihre Seele folgte dem gesiebten Manne, für den ihr

Mldaer

amvälte, Architekten, Ingenieure und der Ausübung anderer freier Berufe;

3. Wartegelder, Ruhegehälter, Witwen- und Wai­senpensionen und andere Bezüge oder Geldwerte, Vor­teile für srühere Dienstleistungen ober Berufstätigkeit;

4. " die Einnahmen aus einmaliger oder dauernder Tättgkeit jeder Art.

Die bisherigen Steuervorrechte der Staatsbeamten find beseitigt, jedoch mit der Maßgabe, daß die zur Bestreitung des Dienstaufwandes gewährte Entschädigung außer Ansatz bleibt Bei Privat- angestellten bleiben hingegen die Entschädigungen, die zur Bestreitung des Dienstaufn ander gewährt werden, nur insoweit außer Ansatz, als ihr Betrag den tat­sächlich erforderlichen Aufwand nicht übersteigt. Das Arbeitseinkommen minderjähriger Kinder ist dem Einkommen des Haushaltungsvorstandes nicht zuzurechnen. __________

Küsterdienst Organistendienst SchulSienft- Kurze geschichtliche Andeutungen gelegentlich der im Gange befindlichen Aufhebung der letzten organischen Verbindung derselben.

1. Wenn vor Jahrhunderten im Fuldaer Land eine KirchengMieinde gegründet und ein Gotteshaus für dieselbe erbaut wurde, jo stellte man naturgemäß auch gleich eine Person an, die als Laie oder auch zum „Lstiarier" (Türschließer) geweiht (die unterste Stufe der niederen Weihen ist das Ostiariat) den kirchlichen Dienst als Küster zu besorgen hatte. Diese „Dienstschul­digkeiten" bestanden, wie eine alte Urkunde aus 1780 jagt, darin, daß der Küster den Herrn Pfarrer vor um) nach dem Gottesdienst bediente, aus Sonn- und Feiertage wie auch auf Mittwochen, Samstags abends die Orgel spielle, die Kirche säuberte, morgens, mittags und abends zum Englischen Gruß wie auch zum Got­tesdienst und um 11 Uhr, ferner dem Gewitter und wenn Eins verstorben läutete, daß er die Schulkinder die Religion, das Lesen, Schreiben und Rechnen in den Stunden lehrte, welche von der Hochfürstlichen Schulkommission sind dazu verordnet worden; bei ver­lobten Wallfahrten vorsage und singe, die Uhr auf­ziehe und richte. Auch das Gießen der Attarkerzen, die Begleitung des Geistlichen bet den Krankenperoi- fionen, die Assistenz bei den Taufen und Kopulatio­nen usw. In einem Falle wird auch zu dem „allhiesi- gen Schuldienst die Gerichtsschreibereiarbeiten, die An­fertigung der Gemeinderechmmg" aufgezählt.

2. Für alle diese Leistungen wurde ursprünglich dem Küster eine mehr oder minder entsprechende Ent­lohnung, meist in Naturalien und Nutznießung von Grund und Boden aus MUteln des Kirchenvermögens oder aus Beitragsleistungen der Gemeindeglieber zu- gewiesen. So heißt es einmal in 1702: „Don jeglichem Bauer in dieser Pfarrei, so einen Pflug zum Acker führet, eine Garbe Korn, eine Garbe Hafer, wie auch auf Michaeli, sodann auf Weihnachten, jedesmal 1 Laib Brot. Die 64 armen Hüttner und Hinlersejf- linge aber geben kein Brot noch Korngarben, aber zu­sammen 3 fl 2 Kreuzer. Das beständige (Selb, so in hiesiger Pfarrei von sämtlichen Psarneuten zusammen­gelegt und einem Schulmeister jährlich wegen der Orgel zugestellt wird ist, 6 st. Von einer Kopulation % fl. Lorn Begräbnis eines Alten mit Bedienung der drei Seelmleffen */2 fl 7 Kreuzer usw.

Die Abgaben an1 Brotfrucht zum Lebensunterhalt nannte man „Schüttkorn", weil es dem Küster auf den Hausboden geschüttet wurde auf Michaelisiag oder Martini (11. Noo.). Das Schüttkorn wurde auch „Läutekorn", Läutegarben", später auch „Schulkorn" genannt.

Die Nutznießungen des Küsters erstreckten sich auf Aecker, Wiesen mü Obstbäumen, Grasnutzung auf dem Kirchhof usw. Solche Entlohnungen erhiett ehemals auch der Schäfer und Schweinehirt, der Nachtwächter und der Geistliche in der Gemeinde. Was die Küster­wohnung anbelangt, so ist für die alten Pfarreien folgendes festzuhalten. Dem Kirchendiener, der nach dem karolingischen Worte mansionarius, auch Meßmer Mesner genannt wurde, hatte in nächster Nähe der Kirche eine einfache Wohnung, während der Geist­liche, wenn er überhaupt im Orte eine Wohnung hatte, öfters abseits davon wohnte. Dieses Küsterhaus war Zubehör der Kirche, auch wenn die Gemeinde es erbaute. Es wurde fast immer auf kirchlichem Eigentum errichtet. So sagt eine Urkunde: Das Schul- Haus steht an dem alten Kirchhof bei der Kirche, wo ebenfalls das alle Beinhaus steht, woraus das Futter und Stroh zmn Gebrauch aufbewahrt wird.

3. Da die katholische Kirche zu ihrer Missionsarbest nicht nur Predigt, Messelesen und Sakramentenspen-

Herz so treu und innig schlug. Aus Furcht, sich vor dem Vater und dem Richter zu verraten, wagte sie nicht mehr zu meinen; sie verbiß ihren Schmerz und preßte all ihr Leid in ihr armes, gequältes Herz hinein, daß sie darin zu ersticken drohte. Aber keinem außer ihrer Mutter verriet sie ihre namenlose Qual.

Die Sonne brannte heiß vom Himmel, aber mit je­dem Schrttt hinauf in die Berge schien die Welt schöner zu weroen. So weit das Auge reichte — Berg an Berg, Gcpfet an Gipfel, leuchtende Felswände, in den Höhen gleißende Gletscher, die wie silberne Panzer funkellen und blitzten, in der Tiefe waldige Täler und schäumende Bäche; wenn sich zwischen den Bergen ein Ausblick öff­nete, sah man weit ins flache Land hinaus, sah blaue Seen und blitzende Flüsse, sah schmucke Dörfer mir schimmernden Häusern und hochragende Kirchen mit spitzen, schlanken Türmen — und dar alles erschien, von der Höhe aus betrachtet, wie niedliches Spielzeug, das auf den grünen Auen zerstreut lag und über das der Schöpfer fein blaues Gezeit mit den süberfchimmernden Wollenschleiern gespannt hatte.

Das alles war so schön und wundersam, daß man sich nicht satt sehen konnte. Und das Schönste an dieser stillen, freudigen Schau: das war die Heimat, die da im Sonnenglanze, behütet von den ewigen Bergen und beschattet von den Wipfeln der heiligen Wälder, vor ihnen iaz.

Nur Gina konnte dieses Anblickes nicht froh wer­den. Ihr Herz suchte in der Heimat nur den einen, der ihr lieb war, und da sie ihn nicht fand, verblaßte aller Glanz und ein Trauerschleier senkte sich auf ihre Seele. Sie vermochte sich nicht zu freuen, konnte nur beten und meinen. Beten für die Heimat — und wei­nen um ihren Liebsten. —

Nun mar das nächste Ziel, an dem sich die Berg­fahrer Rast gönnen duften, erreicht. Dor ihnn lag, einer grünen Aue gleich, ein weites Almfeld, von stei­lem Gewände und Latschengestrüpp begrenzt; über Öte Höhen schauten die Berggipfel wie steinerne Riesen mit verwitterten Gesichtern, langen Eishärten und glitzern­den Sonnenäuglein auf das fülle Almfeld herab

In der Ferne, über sanften, grünen Matten, klangen die Glocken weidender Kühe durch die stelle, klare Luft. Ihr harmonisches Zusammenksingen mar ein wunder-

Zeitung

düng rechnet, sondern Kultmarbeit im weitesten Sinne sofort betreibt, erhielt auch der Kirchendiener (Küster oder Mesner) aus dem Lande, der durch seinen Verkehr mit dett Mönchen aus Fulda und den Ortsgeistlichen vor den übrigen Dorfbewohnern etwas voraus hatte, lasen, schreiben, rechnen konnte, etwas Latein ver­stand, zu seinem Kirchendienst in freien Stunden die Auflage, den Kindern, die (ehemals ohne Schulzwang) zu ihm kamen, in der Religion und welttichen Fächern zu unterrichten. Aus 1702 sagt die Spezifikation der Einkünfte eines Schulmeisters: Die Schul nimbt ihren Anfang in fefto f. Martini (11. Noo.) und endigt auf Ostern, wird von jedem Schulkind, deren anjetzo 72 sind, während der Zeit neben dem gebührlichen Schulholz, so jedes täglich zu bringen schuldig ist, be­zahlt 1 Kopfstück, also 24 ft.

Dieser zwangsfreie Unterricht, zu dem der Küster die nötige Zeit und Gewandtheit hatte, wurde im Küsterhause erteilt.

4. Es steift deshalb für die alten Pfarreien um Fulda zweifellos fest, daß das Schulhalten zum Stifter- bienst hinzukam. Als Entgell wurden zunächst nur die Einkünfte des Küsters gerechnet. Erst viel später tam das sog. „Schulgeld" auf, als der Schuldienst sich eben weiter eittwickelts, mehr Zeit in Anspruch nahm als der Küsterdienst und formt der erste Zweck (Nießner zu (ein) zurücktrat hinter dem zweiten Zweck ^Unterricht zu erteilen und Gesang zu leiten). Von dieser Zeit an ließ sich auch der Stellenintzaber lieber „Schulmeister", „Lehrer" nennen als wie früher „Küster", „Mesner" ober „Heiligenmeister". Das Wort „Schullehrer" spricht sich auch viel leichter und bequemer aus als das Wort „Küster", „Kirchen- diener", besonders wenn der Fuldaer sagt „Schol- lehrer".

5. Für diese organisch verbundenen ersten Küster- unü Schullehrerstellen in den einzelnen fßfatreieu (die Errichtung von einer 2., 3. und mehr Stellen ist erst viel später die Rede) übernahm der Staat seit der Säkularisation in 1803 an Stelle der Fürstbischöfe die Sorge. Er übertrug diese organisch verbundenen Kir­chen- und Schmstellen geeigneten mit der nötigen Vor­bildung aus Normaischulen, später aus Lehrersemina- rien hervorgegangenen Persönlichkeiten, wies ihnen den herkömmlichen Kirchendienst mit all seinen Obliegen- heften an und besoldete sie anfangs mit dem aus dem bisherigen Küster- und Schuldienst fließenden Gehall und nur allmählich wurde durch Zuschüsse der Ge­meinde und des Staates die materielle Lage der Küper- M!ü ersten Schulstelleninhaber ausgebessert.

Ta nach moderner Auffassung zunächst der „nie­dere" KircheMenst mit der Stellung eines auf einer Vorbereitungsanstalt erzogenen Lehrers nicht mehr vereinbar war und andere geeignete Personen dafür sich auaj fanden, wurde zunächst dieser abgetrennt. Die Entschädigung an die Kirche entspricht aber fast in keinem Fall den tatsächlichen Ausgaben, die dadurch die Kirchengemeinden au;gehalst bekommen haben. Augenblicklich soll nun auch die organische Berbindung zwischen dem „hohem Kirchendienst", dem Organisten­dienst und der ersten Schulstelle beseitigt werden, damit in Zukunft die Uebemahme des Organtstendienstes von irgend einer geeigneten Persönlichkeit (Lehrer, Ge­meinderechner, pensionierte Lehrer, stellenlosen Lehrer­innen usw.) von einem freien kündbaren Vertrag ab­hängig gemacht werden kann. § 16 des Volksschul­lehrer-Diensteinkommengesetzes (23. D. G.) vom 17. De­zember 1920 sagt: „Die organische Verbindung zwi­schen Kirchen- und Schulamt ist zu lösen. Jedem Leh­rer (Lehrerin) ist es gestattet, bas Kantoren- ober Organistenamt freiwillig zu übernehmen. (Eine An­rechnung des hierbei erzielten Nebeneinkommens auf das SteUengehall darf nicht stattfinden. Bis zur er­folgten Lösung der organischen Verbindung bleibt es bei" der Stellenzulage zum Grundgehalt."

6. Die für die kirchlichen Gemeinden sehr erheb­lichen entstehenden Anforderungen, welche z. B. in der Limburger Diözese U. Mitteilung der „F. Ztg." auf 900, 1200, 1500 Wk. allein für den Sonntagsgottes­dienst und die vorgeschriebenen Andachten von dem Lehrerverband dort errechnet werden, nötigen die kirch­lichen Organe auf die Ausbildung geeigneter, musi­kalisch veranlagter, im Dorfe ansässiger Personen in kirchlichen Vorbereitungsanstalten mü aller Kraft hin­zustreben, um die Vergütung auf eine für so viele leistungsunfähige kirchliche Gemeinden erschwingliche Höhe sestzutegen.

Auch mögen die Kirchenvorstände rückgratsfest ihre alten, uralten Rechte wahren, sich nicht überstürzen oder überrumpeln lassen bei den Verhandlungen. Die Schulgemeinden wurden in 1911, nachdem die Item fanies Glockenspiel, voll Zauber und voll Metoüle, war der Gruß der upoernünftigen Kreatur an den Schöpfer, den Herrn der Welt.

3m Anblick der schönen, grünen Alm, die für die Talbewohner ein „Land von Mich und Honig" mar, wurden den Bergbauern die Herzen weit und die Augen blank. Da hiesi der Pfarrer frohen Mutes seine Berg­predigt, denn er wußte, daß die Samenkörnlein, die er ausstreute, auf ein gutes, ftuchtbares Erdreich fielen. . .

„Sorget nicht ängsttich für Euer Leben," sprach er. „Betrachtet die Bügel des Himmels; sie säen nicht, fie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen — und Euer himmlischer Later ernähret sie. Seid Ihr nicht viel mehr als sie? . . . Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie fie wachsen; sie arbeiten nicht und spinnen nicht, und doch sage ich Euch, daß selbst Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie eine von ihnen . . . Wenn nun Gott das Gras auf dem Felde das heute steht und morgen in den Ofen gewor­fen wird, also kleidet, wieviel mehr Euch, Ihr Klein­gläubigen? . . . Sorget daher nicht ängsttich für Euer Leben . . . Suchet zuerst das Reich Gottes und feine Gerechtigkeit, alles andere wird Euch zugegeben wer­den ..."

Die Augen leuchteten auf, die Herzen schlugen ra­scher bei dieser frohen Botschaft; nur der Wirt zur Alpenrose senkte zerknirscht sein Haupt, denn manch heimliche kleine Sünde beschwerte sein Gewissen. Darum schlug er bußfertig und reuevoll an seine Brust und bekannte: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa, wie er es einst als Ministrant an den Stufen des Al- tcres getan hatte. Heute glaubte er an den Stufen zum Throne Gottes zu stehen, so ernst und feierlich war ihm zu Mute, so zerknirscht und demütig war er in feinem Sinn. Er faßte sogar den heroischen Entschluß, für eine ganze Woche dem roten Terlaner zu entfaaen, nur daß Gott huldvoll auf ihn und fein Haus berablchaue und seiner Alm Fruchtbarkeit — und seinem Kinde Glück und Segen schenke.

Dann aber hob er freudig den Kopf, weil der Pfar­rer, gleich als ob er in feiner Seele wie in einem auf- geschlagenen Buche gelesen hätte, demselben Gedanken laut und feierlich, nur in etwas schöneren Worten, Aus. druck verlieh. Denn der Pfarrer besprengte das Almfeld mit geweihtem Wasser — gen Ost und West, gen Nord

Druck der Fuldaer Metieabrntferei in Fulde

ramg des „niederen Kircheftdienstes" in Geld trage« wandest war, bas die Schulgemeinde an die Kirchen» gemeinde zu zahlen hatte, einfach vom Staat durch einen gleich hohen Zuschuß entschädigt. So muß auch etzt, wo der Staat den Land-Gemeinden das Wahl« recht der Lehrers genommen und dafür die Schul- losten möglichst weitgehend übernehmen will, die Schul­gemeinde gerecht und weitherzig die Kirche entlasten bei der von kirchlicher Seite gar nicht erstrebten Tren­nung der organischen Verbindung der Küster- un­ersten Schulstellen. —r—

aus dem llachvargevier.

fpd Gießen. Diebe stahlen aas einem hiesigen grfc jerert Schuhwarengeschäft in der Nacht zum Donners- tag für 50 000 Mark Schuhwar en bessere, Art.

9 Hanau. (Tel.) In der am Donnerstag abge­haltenen Sitzung bet Stadtverordneten er­regte es bei der Wahl bet Mitglieder für die Kommissionen den Anstoß eines kommunistischen Führers, daß eine Kaiser Wilhelm Kommission be­liebe. Aufklärend wurde mitgeteilt, daß die tm Jahre 1871 errichtete Stiftung für ein Standbild Kaiser Wilhelms, deren Mittel bis jetzt übet 100000 Mark betragen, mit Zustimmung der Erben des Stifters dem Fonds für Errichtung eines Ehrenfriedhofs zu­fallen würden. Besonders heiße Au-einanbersetzungen zeitigte der Antrag des Magistrats auf Beitritt zum Universitätsbunde Marburg und Bewill gung von 500 Mark hierfür. Die Sozialdemokraten und Kommunisten hatten beantragt, die vom Magistrat bereits ausgesprochene Bewilligung au'zuheben. Der Antrag, dem Universitätsbunde Marburg beizutreten, wurde mit 20 gegen 19 Stimmen angenommen. Zum ©cbluffe gab es persönlich gehaltene Zwischen­rufe; die Rechte verließ den Sitzungssaal, es trat Besch lußunfähigkeit ein und die Sitzung mußte geschloffen werden.

mc Frankfurk. DadesFrankfurterLebens» mittelamtes letztes Stündlein Ende März schla­gen soll, beginnt man allmählich mit dem Abbau. Es sind noch größere Mengen Fleischkonserven vor« Händen, die die Dose zu 12,00 Mark cur die verschiede­nen statischen Aemter gegeben werden, wo sie an die Beamten Der teilt werden. Da man aber von der Güte der Ware nicht ganz überzeugt ist, sagt man den Beam, ten anstandslosen Umtausch bei nicht völliger Gesund, heft der Ware zu. — In der Fahrgaffe steht das stadt« bekannte Haus „Zum König von England", das der Besitzer bei Kriegsausbruch schleunigst zum „König von Bayern" umtaufte, obwohl König. Georg groß und breit in die Lande schaut. Bei der jetzigen Renovation hat man das Haus wieder auf seinen ursprünglichen Namen umgetauft, ohne die Worte „zum König von Bayern" zu entfernen. Jeder, der also vorbeikommt, kann sich ein Bild von der ®e< sinnungstüchtigkeit des Besitzers machen. —< Das bekannte Dersteigerungshaus „Kunsthos Drei Ad», ler" ist zum Preise von 2 Millionen Mark in den Besitz einer Bank über gegangen, die ihre Geschäftsräume darin eröffnen will. Ueberfjaupt sind die Banken sehr stark auf der Suche nach Geschäfts» räumen. So bezahlte die Kommerz- und Diskont- Bank einem Kaffebesitzer für Ueberlaffung feines 8o« totes eine Million, zwei anderen im gleichen Hause liegenden Geschäften je 250 000 Mark und übernahm noch die Verpflichtung, den beiden Geschäften neue 2ä\ den in gleicher Geschäftslage zu besorgen.

fyd Limburg. Die beiden Düngermittel-^ schwindler Guthörl und Steilchouvr, die feit Wo«, chen unter einem großen Reklameaufwand ihre ge­fälschten Düngemittel anpriesen, wurden hier fest« genommen.

— Wanfried. Unserem fetftjerigen Pfarrer, Herrn Führ, ist vorn 22. o. Mts. ab die neu gegründete Pfar­rei Rommerz durch den Hochw. Herrn Bischof in Fulda übertragen worden. Herr Pfarrer Führ hat deshalb feine hiesige, ihm gewiß kiebgeewordene im«) ihn hochoerehrende Gemeinde, sowie unser schönes Städtchen, in welchem er 5 Jahre segensreich gewirkt hat, verlassen. In dem von ihm zu einem wahren Schmuckkästchen ausgestatteten Kirchlein fand am 20. v. Mts. die Abschied sfeier statt, die Zeugnis davon ablegte, rote innig Seelsarger und Gemeinde mit einander verwachsen waren, und rote es der Scheidende verstrmden hat, die Herzen all« sich zu gewinnen. Der Scheidende mag versichert fein, daß öte Wünsche und Mahnungen in ferner Abschtedspredigt von Dank erfüllten Herzen ausgenommen roorven sind, und daß sie ihn nie vergeßen werden. Der Gottesdienst wurde verschönt durch mehrstimmigen Gesang der Iung-

unb Süd — und betete bann: „Allmächtiger Gott, wir flehen voll Demut zu Deiner Güte: schenke Gedeihen unb Fruchtbarkeit! Wende ab jeben Unstern der Witte­rung, verheerenbe Stürme, Hagelschlag, Lawinen, Blitze unb Ungeroitter! Verleihe uns Deinen Schutz unb gieße vom Himmel her Dein Heil über uns Unwürdige aus. Vernichte mit Deiner mächtigen Hand die feindlichen Mächte der Lust, welche das Menschengeschlecht be­drohen! Laß die Milde Deiner Barmherzigkeit bleibend über uns walten, damit wir, die wir Deinen Zorn fürch­ten, seine Huld erfahren — durch Christum unfern Herrn ..." ?.

„Amen! . . . Amen!" rief der Wirt so laut unb nickte so eifrig mit seinem in Schweiß gebadeten Gesicht, daß ihn alle verwundert anschauten. Sie ahnten ja nicht, welche tiefe und aufrichtige Sinnesänderung in der Seele dieses allzusehr an irdischen Gütern hängenden Mannes vorgegangen war. , '

Nur der Pfarrer erriet feine Gedanken unb warf ihm einen aufmunternben Blick zu. Dann hob er die Kreuz- partikel hoch empor, daß fie wie das Auge Gottes büßte, neigte ihn nach den vier Himmelsrichtungen unb sprach mit lauter, feierlicher Stimme den Segen: „Benebletio Sei ommpotentis — Patris — et Filii — et Spiritus Saneti — bescenbat super vos et super fruchte terrae. — Ser Segen bes allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes komme herab über Euch und die Früchte der Erde . .

Wie ein Sturmeswehen "langen die heiligen Worte über das weite Almfeld unb pochten an die Tore der Berge unb an die Herzen der Menschen, daß diese er. schauernd Haupt und Knie beugten.

Feierliches Schweigen herrschte, dann stteg ein froher Cobgefang zum Himmel, als er verklungen war, löste sich die Prozeffion auf und alle ließen sich zu kurzer Rast auf den Matten nieder, um auch den Leib ein wenig zu stärken unb zu laben, nachdem die Seele mit Himmelstau erquickt worden war. Als der Pfarrer feine Herde so friedlich um sich versammelt sah, jagte er zu dem Richter: „Wer denkt da nicht an die fünftausend in der Wüste am Galiläischen Meere, die der Herr mit fünf Gerstenbroten unb zwei Fischen speiste? . . . Nur daß ich kein solches Wunber wirken kann."

„Aber satt roerben's doch," nickte der Richter.

(Fortsetzung folgt)