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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

48. Zohrg.

Donnerstag, Z. Hlärz 1921

Pir. IZ

und Die

»ur ent-

Gesetzentwurf über eine erhöhte Anrechnung der während des Krieges zurückgelegten Dienstzeit wurde an den' Haushaltsaus'chuß zurückverwicsen.

Donnerstag: Kleine Vorlagen.

Sine verhängnisvolle Irreführung der SlrverLnehmerfchast.

Zu den bevorstehenden Neuwahlen der Be­trieb sriite erläßt der geschäft-führende Ausschuß dec sozraldemvkrat. gewerkschfattichen Betriebs- räterentrale und des Äfa-Bundes einen ae-

!g«ramwori!tch für den ivoauwneüen Teil: Kar> Schütte. :: stir die Anzeigen: I. Par ze' i er-Fulda. -

iHoiaiwnsörud u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, 'erniptecher Nr. 9. Ti legr.-Adrelle: Fuldaer Zeitu ng

memfamen Aufruf, der nicht unwidersprochen blei- den darf. Danach sollen diese Betriebsräte eintreten fürdie Durchführung der Sozialisierung des Kohlenbergbaues",

fürdie Kontrolle der Produktion" und fürdie restlose Zusammenfassung der Arbeiter und Angestellten in den Be­trieben", .

für dieDurchführung des vollen Milbe-, timmungsrechts in allen Fragen der Wirt- chaftsfiihrung" und

für die Ueberführung der kapitalistischen Profit- wrrtschaft in die sozialistische Gemeinwirt- s ch a f t".

Mchtunggchend sollen hierfür u. a. sein die Be- schlüff« des ersten sozialdemokratischen Betriebsräte« Kcmgresses.

Dieses bedeutet also nichts mehr und nichts we­niger, als daß erstens die RAe zu politischen Zwecken mißbraucht werden sollen und zwei­tens, daß ter alte mausetote Ma' xismus mir feinen verhängnisvollen Irrungen, Utopien und Phan­tasien aufs neue wieder aufleben soll. Für das erste Anliegen sind nicht die Betriebsräte, sondern einzig und allein die politischen Parteien und gegebenenfalls die Wirtschaftspokitischen Ovganisiationen zustandg. Und ist für das zweite die Arbeitnehmerschaft denn noch nicht genügend durch die unsinnige Idee belogen und betrogen worden? Wie kann der große Teil der sozialdemo-krati- schen Führer, welche doch selbst nicht mehr an diesen Unsinn glaubt, es .zulassen, daß die hinter ihm stehende Arbeiter- und Angestelltenmasse noch weiter angeschmiert wird?

Wenn der Kohlenbergbau nach der marxistischen Idee sozialisiert wird, so sei nur aus zwei verhängnis­volle Wirkungen hingewiesen. Diese Sozialisierung laust aus eine Verstaatlichung hinaus. Durch den Friedensvertrag ist aber jeder Staatsbesitz an die Entente verpfändet. Wir lieferten dadurch unfern Kohlenvorrat in die Hande unserer Feinde. Auf eine weitere Wirkung weist der Bezirks- leiter Dorhölzer des sozialdemokratischen Metallarbei- terverbandes nach derMetallarbeiterzeitung" Nr. 6 dieses Jahres treffend hin, indem er sagt:

Die Bergleute wollen die Sozialisierung, weÄ sie glauben, dadurch bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen: die anderen wollen die Sozialisierung, well sie der ArHcht sind, dadurch billigere Kohlen zu er- flattert*

Ist diese schnurstracks entgegenstchende Zwecksetzung des Sozialismus schon sehr interessant, so kommt für sie die Festsetzung der Lohn- u. Preishöhe noch hinzu, was der linksstehende Dr. R. Hilferbing über di« So- zialifierung auf -er schon erwähnten BetriebsrAetatzlmg (VerlagFreiheit", Berlin) sagte, nämlich:

Solange der Sozialismus nicht in der gan- zen Welt verwirk!echt fft, solange ine deutsche Wirtschaft im Getriebe der Weltwirtschaft steht, solange werden auch die kapitalistischen Dreisgesetze ihre Geltung behalten, und es sst eine Utopie und eine gefährliche Utopie, weil sie auf falsche Wegr siihrt, zu meinen, daß man durch irgendwelche Orgam- sasionsformen die bapftaüsüschen Preisgesetze für irgend eine, einzelne Jndlchrie oder ein einzelnes Gebiet aufheben kann."

Die Verwtrklichimg des Marxismus auf der gern- zen Welt mch das Ausscheiden der deutschen Wirtschaft aus der Weltwirtschaft wird die jetzige und kommende Mfilschengenerativn kaum erleben; wie dieses über­haupt mcht möglich sein wird. Wie trotz dieser offen vorliegenden Widersprüche noch solche Forderungen er­hoben werden können, und nicht nur diese Arbeiter, son­dern auch die Angestellten imb Beamten der sozial- demokratischen Afa sich ein solch« ohne Widerspruch vorsetzen lassen, das bleibt ein ungelöst« Rätsel.

Gegen die geforderteKontrolle der Pro­duktion" durch die Betriebsräte m den Betrieben wendet sich die eigene, soeben erschienene sozialdemo­kratischeBetviebsrAezeitung", Nr. 9, in einem an­schaulichen Artikel ihr« Schriftleiters. Sie schrei«! unter anderem:

Die Kontrolle der Produktion seivon unten herauf prccktisch nur in der Form denkbar, Laß eine über der Unternehmung sichende Instanz von ausreichender Sach­kenntnis und mit gemermowtschaMchem Charakter mit der Prüfung der Beschwerden oder Bemerkungen bei Arbeit, nehmet zu beauftragen ist", der Schlichtungsausschuß könne sich ebenfalls nicht dmnit beschäftigen. Diese Aufgaben könnten höchstens von allgemein wirtschaftlichen Organi­sationen, ober von weiteren Wirtschoftsstellen übernommen werden, die das Gesamtenteresie über dem Emzelmteresi« zu schützen und den nötigen Ausgleich herbeizuführen hät­ten.Völlig abwegig und verhängnisvoll ist so heißt es wörtlich weiter aber die Propaganda, die einen direkten Kampf zwischen der Werksleitung und dem Betriebsrat um die Produktionskontrolle fordert. Er zerstört bte entbehrliche Werksdisziplin, lähmt und zerstört die produktive Arbeit ober führt zum Syndikalismus.

Zum Ueberfluß wird dieses auch noch begründ^ mA dem Hinweis auf die schwierige Stellung leitender. Angestellten.Entweder sind sie Bertrauensfente der Unternehmung, werden entsprechend bezahlt und hÄren Aufstiegsmöglichkeiten oder sie sind Vertrauens­leute großer Beleg schäften,in welchem Falle sie das lweingeschränkte Vertrauen der Unternehmer oder Unternchnumgsleitimgen verlieren." Wofür also solche Widersprüche und Srrungen?

Wofür fordert man auchdie resklose Zusam­menfassung der Arbeiter und Ange­stellten in den Betrieben", wenn nach demselben Aufruf jedes gemeinsame Vorgehen bei den kommenden Betriebsrätewahlen, mit andersgesinnten Arbeitnehmern und Gewerkschaftenunter allen Um­ständen auszuschließen" ist? Natürlich ist angesichts einer solchen Zerfahrenheit eine reinliche Scheidung der Geister bei den Betriobsrätewahlen erforderlich. Für die weiten Massen der nüchtern den- kenden Angestellten und Arbeiter ist es jetzt sogar dringend notwendig, gegen solche Zustande eigene selbständige Wahlvorschläge und Wah­len eimulejtm

Deutsches Reich.

** Berlin, 2. März. Der Wahl des kommunistischen Abg. Kilian zum besoldeten Siabtrat in Halle hat her Regierungspräsident im Einverständnis mit dem Minister des Innern die Bestätigung versag. Gegen den früheren Leiter der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, Gr. Gustav Wyneken, hat nach Mel- düngen thüringischer Blätter die Staatsanwaltschaft Anklage aus § 175 (Päderastie) erhoben.

Q Di- Regierungsbildung in Preußen wird fetzt m der Presse hauptsächlich nach Gesichtspunkten erörtert, die M bezw. gegen die Erweiterung der bisherigen Regierungsmehrheit geltend gemacht werden. Mit der Zentrumspresse hat sich bte demokratische Parteipresse für die Erweiterung ausgesprochen. Dagegen kämpft ein Teil der sozialdemokratischen Presse, namentlich derVorwärts" und dieSozialistische Korrespondenz" hartnäckig gegen die Einbeziehung der deutschen Volks­partei in die preußische Regierung und den Wiederein- tritt der Sozialdemokratie in die Reichsregierung. Wenn diese beiden sozialistischen Organe aber den Ein- druck zu erwecken versuchen, daß der von ihnen ver­tretene Standpunkt von der Partei einmütig geteilt werde, so ist das doch nicht ganz zutreffend. So tritt der frühere Reichsminister Noske für eine Verbreite­rung der Koalition in Preußen durch den Eintritt der Deutschen Volkspartei und dem Reich durch den Eintritt der Sozialdemokratie ein. Auch andere maßgebende Mitglieder der Sozialdemokratie teilen den Stand­punkt Noskes.

W Gegen die DergnügungsfutP. In einem Schrei­ben an den Reichspräsidenten wies in diesen Tagen der Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes auf die Auswüchse des öffentlichen und teilweise auch des pri­vaten geseüsckaftlichrrt Lebens imb die überhandnehmen­den Lustbarkeiten hin, die in schreiendem Mißverhältnis zu der Not und dem Ernst der Zeit stehen, und bat öre Regierung um Abhilfe. Daraufhin wurde dem Roten Kreuz mitgeteilt, daß sich der Reichspräsident bereits am 16. Februar an den Reichskanzler mit der Bitte gewandt hat, im Rahme* der gesetzlichen Mög­lichkeiten diesen Auswüchsen entgegenzutre- t e n, und daß sich der Reichskanzler daraufhin mit den Lindesregierungen wegen der zu ergreifenden Maß­nahmen in Verbindung gesetzt hat.

70. Geburtstag des Herrn Verlegers Heinrich Otto. Am 3 März feiert einer der verdientesten Veteranen der Zentrumspresse, Herr Verleger Heinrich Otto, feinen 70 Geburtstag und zugleich das goldene Jubiläum sei­ner Pressetätigkeit. Er war seit 1872 Redakteur, später Verleger derNiederrheinischen Volkszeitung" in Kre­feld. Im Jahre 1877 war er Mitbegründer des Augu- stinus-Dereins und von 1889provisorischer" Vorsitzen­der des Augustinus-Dereins. Dieses Provisorium dehnte sich aber auf volle 20 Jahre aus. In dieser Zeit und unter der entscheidenden Arbeit Ottos wurde der Ver­ein, was er für die katholische Presse heute ist: Die all. enthalben anerkannte Organisation, welche die Inter- essen der fati). Presse auf ollen Gebieten zu wahren nieiß. Sm Sahre 1909 trat Herr Otto von dem Vorsitz des Vereins zurück, da ihn andere Ehrenämter allzu viel belasteten, blieb aber Mitglied des Vorstandes bis auf den heutigen Tag. In Godesberg, wo er feit 1910 weilt, entfaltet er noch heute als Vertreter des Trierer Mo° fella-Derlags und weiterhin als Vorsitzender des Deut, scheu Buchdruckerverveins Kreis II eine ebenso uner­müdliche wie erfolgreiche Tätigkeit. Der Vorstand des Augustinus-Dereins wie auch der Buchdrucker-Verein werden dem Jubilar ihre Glückwünsche in einer kleinen Gedenkfeier nebst bleibendem Andenken übermitteln.

weiter anzuhören, sondern ihre Vorschläge als unan­nehmbar imb sogar als nicht erörievungssähig zu er­klären, wonach das Wort den militärischen Beratern der Entente zu über lassen wäre. Zweifellos gehen sehr mächtige Pariser Einflüsse in dieser Richtung. Ob aber die entscheidenden Männer der Gegenseite auch schon zum äußersten entschlossen sind, ist indessen nicht zu erkennen. Die Ansicht der deutschen Delegation ist jedenfalls gewefen, daß ihre Vorschläge zum Vorteil beider Teile zur Grundlage weiterer Verhaichlungen gemacht werden könnten, und es wird sich zeigen, ob es ihr gelingt, diesem Standpunkt Geltung zu verschaf­fen, so daß sich trotz allen bösen Vorzeichen doch Be­sprechungen anbahnen ließen. Die Art, in der die deutschen Grgenvorscküäge präsentiert worden sind, wird hier vielfach "kritisiert. Während die mächtigen Gegner ihren Wikern gegenüber es für angebracht hielten, die einzelnen Jahresleistungen anfzuzählen und in einer gewaltigen Schlußsumme zusammenzurechnen, hält es die deutsche Delegation für nötig, alles auf dieses Jahr zu kapitalisieren, wobei nach Abzug der schon geleisteten 29 Milliarden noch 30 Milliarden herauskommen. Diese stehen den 226 Milliarden bis zum Jahre "*063 gegenüber, zu denen man in der Pariser Rechnung gelangt war, und die singvistifchen Blätter in London verkünden deshalb, die Deutschen fröfen weniger als ein Siebtel des Verlangten. Das ist Unsinn und Lüge. Aber man muß auch sagen, daß unsere PolM es sehr wenig versteht, ihre Anerbietun­gen in verführerischem Lichte erscheinen zu lassen, ob- wlchl doch die Gegenseite diesmal den Weg sehr deutlich gewiesen hatte.

Die nächste Vollsitzung.

rotb London, 2. März. Die nächste Vollsitzung der Konferenz unter Teilnahme der deutschen Delegierten findet am Donnerstag, mittag 12 Uhr, im St. James- Palast statt. In der Sitzung wird der deutschen Dele­gation bte Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge mitgeteilt.

Em drohendes Ultimatum.

Die heutige Siiuation wird voraussichtlich fein: Drohung mit Gewalt, aber Bereitschaft zu einer Fristgewährung zwecks Uebertcgung des neuen Barsch! qgs. ________ _ _______________

lieber 26 Milliarden für die Ausführung des Arichensverkroges in 1921.

Im Reichshaushatt für das Rechnungsjahr 1921 sind, wie der Reichsfinanzmittifter am Dienstag mit- teilte, mehr als 26 Milliarden Mark für die Ausfüh­rung des Friedensvertrages eingestellt. Auf die Kosten des Befatzungsheeres im Rheinland entfallen davon allein über 7 Milliarden. Eine Ausgabe von 3 Milliarden bedingen die Lieferungen von T i e r e n art die Alliierten auf Grund des Friedensvertrages. Für weitere Lieferungen von Kohlen, Koks und Chemikalien und für Wiederaufbaulei- stungen werden mehr als 8Ya Milliarden Mark angesetzt. _____

Bezugspreis: MonaiUch 3,00 All. ohne Zustellgebühr. In (juiba bei unsabqehoit 3,15 ZRL Anzeigenpreis: DieKieinzeNe Goioneimäß) p|g u. 10°;« Zuichlag, die Reklamezeile lTerib'eike' 1.80 INk u. 10°<> Zuschlag. Bei Wiederhat.Rabatt.

tetn können. Der Reichstag ist tm gegenwärtigen Augen- Mitf noch nicht in der Lage, dazu SteAmg zu nehmen. Die Regierung kann in dieser Stunde Mitte tstmgen uaer die Ihnen bekanntem hinaus nicht geben. Aber unter dem Druck der ganzen Ereignisse, die auf uns lasten, treten wir vorläufig in die Grfebigttng der festgesetzten Tages- orbni.T.g ein, immer in der Hoffnung, daß die künftigen Ereignisse unsere Arbeiten nicht zu Nichte machen.

Der Entwurf über die neue Postgebüh r en er­höh u n g, nach dem bekanntlich eine Postkarte 40 Pf-, em Brief 60 Pf. ufw. kosten soll, geht nach längerer Ge° chäftsordnunesdebatte an einen besonderen Ausschuß.

Es folgt'die zweite Lesung des Gesetzentwurfs Entlastung der Gerichte, der die Landgerichte lasten imb die Schöffengerichte betasten will.

Alle Redner des fiauies stimmen dem Gesetz zu fordern eine Erweiterung des Siihneverfahrens.

Linksparteien haben zwei Anträge gestellt, die den Mit- telpunkt der Debatte bilden, nänllich einen Antrag auf Ruteffung der Frauen zum Schöffen amt und einer andern aus Aufhebung der Strafen für die Ver­te i d i g e r. Die Abstimmung ergibt in beiden Fallen irotz des Einspruchs des Iustizminifters eine geringe Mehr­heit für die Anträge. Für das Zentrum sprach der Abg. Marx. Er wender sich gegen die Zulassung von Frauen als Schössen und bezeichnet dies als einen Eingriff von jo entscheidender grundsätzlicher Bedeutung, baß man ihn bei dieser Gelegenheit nicht vornehmen könne. Der Zu­ziehung der Lehrer als Schöffen stimmten die Vertreter aller Parteien bei. Im übrigen nahm das Haus die Vorlage ohne wesentliche Aenderungen in der Ausschuß-

Huslanb.

* Oesterreich. Der Tiroler Landtag hm beschlossen, am 24. April eine Volksabstimmung vorzunehmen über die Frage: Wird der Anschluß an das Deutsche Reich gefordert?

* Rußland. Finnische Meldungen berichten von einem weiteren Anwachsen der Hungerrevolten der Petersburger und auch der Moskauer Garnison.

Was wir Sieten!

In oberslächlicher Gegenüberstellung ist der Unter- styied zwischen den von der Entente geforderten 226 Milliarden Goldmark und dazu noch einer jährlichen zwölsprozentigen Ausfuhr-Abgabe mit den mmmehr oo n der Deutschen Reichsrcgierurrg angebotenen fünfzig Milliarden Goldmark, von denen die Vorleistungen in Höhe von 20 Milliarden noch ab­gezogen werken sollen, überaus kraß. Um die von Deutschland vorgeschlagene Summe in ihrer Wirkung aber voll zu überschauen und zu be­urteilen, muß man sich klar darüber werden, daß diese 50 Milliarden Goldmark den augenblicklichen K a p i t a l w e r t der in 42 Jahresraten von der En­tente zur Ableistung geforderten erst künftig nach und nach zu zahlenden 226 Milliarden Goldmark unter Rückdiskont der vorgesehenen 8 Prozent darstellen. Im Effekt ist die gegnerische Forderung von 226 Milliarden Eoldmark bewilligt! Das muß man sich vollkom­men klar machen. Im Gegensatz zu den Alliierten geht allerdings Deutschland davon aus, daß die aus Grund des Waffenstillstandes wie der Verpflichtungen des Frie­de ns Vertrages bisher vorgesehenen Leistungen auf die Gesamtsumme angerechnet werden müssen. In den Pariser Vorschlägen ist davon bekanntlich überhaupt nicht die Rede.

Der große UnterschiÄ» zwischen den Pariser For­derungen und den deutschen Gegenvorschlägen liegt vor allem darin, daß die Pariser Beschlüsse 42 Jahresraten vorsehen. Die deutschen Gegenvorschläge wollen da­gegen der Entente sofort einen größeren Be­trag bieten und zwar einen Betrag, von dem Deutschland sichere Garantien zu stellen sich für fähig halt. Demgemäß erbietet sich Deutschland einen er­heblichen Betrag von den nach Abzug der Borleistun­gen übrigbteibenben dreißig Milliarden Goldmark und zwar acht Milliarden Goldmark in Anleihe im gesamten Ausland zu stellen. Nach dem heutigen Stande der Mark wäre das eine Summe von armahem'ü 100 Mil­liarden Papiermark. Für diesen Betrag ist Deuttch- lattd bereit, die nötige Sicherheit zu gewähren. Deutsch­land will die Gesamtsumme'von 30 Milliarden Äald- mark mtt 5 Prozent verzinsen. Vom 1. Mai 1926 ab sollen die vorweg mobilisierten acht Milliarden Eold­mark mit 11'/- Prozent jährlich getilgt werden. Für die fünf kommenden Iochre will Deutschland jährlich eine Milliarde Goldmark, also 12 bis 13 Milliarden Pa­piermark Jahresraten entrichten. Der Gegenwert soll durch Sachleistungen gedeckt werden. Auf diese 1 Milliarde Goldmark Jahresrate soll dann bis zum 1. Mai 1926 Ker Betrag der 5prozentigen Zinsen der noch nicht mobilisierten Restschuld von 22 Milliarden Gold­mark angerechnet werden. Bei dieser überaus kom­plizierten Berechnungsform würde unter Zugrunde­legung einer dreißigjährigen Abtragungsfrist die in Paris ausgestellte Gesamtsumme von über 22Ö Milliar­den Goldmark abgegolkm fein.

Beratungen in Berlin.

Fast alle Fraktionen des Reichstages sind gestern nach Schluß der Reichstagssitzung zusamMMgetreten, um Stellung zu den Londoner Vorgängen zu nehmen. Vermutlich wird man versuchen, eine Einheitsfront im Reichstag zu bilden. Der Verlauf der Verhandlungen in London hat in Kreisen des Reichstags keineswegs überrascht, höchstens, daß die so kurzbünvig ablehnende Erwidenmg Lloyd Georges, bevor er die Ausführun­gen Dr. Simons vollständig angehört hat, auffallend ist. Man wundert sich über die staatsmännische lln- klugheit, die in der vorschnellen Unterbrechung Lloyd Georges liegt. Wenn man in den Fraktionen mit einem für uns ungünstigen Ausgang der Londoner Verhand- lungen rechnet, so geschieht es aus der Erkenntnis her­aus, daß'sich die englischen und französischen Minister mit ihren Mi"iarden-Phantasien in eine Sackgasse ver- ilaufen haben. Die deutschen Vorschläge betrachtet man im Reichstag als überaus weitgehend. Man ist sich darin einig, daß sie die Höchstgrenze der deutschen Lei­stungsfähigkeit erreichen. Optimistische Anschauungen über den Ausgang der Londoner Zusammenkunft hört man nirgends, aber die Stimmung ist fest.

Das R e i ch s k a b i n e 11 trat im Laufe des Nach­mittags zu einer Sitzung zufammen. um sich mit den Berichten von der Londoner Konferenz zu beschäftigen. Es wird versichert, daß die Regierung sich durch keine Strafandrohung und durch keine Einmarschmaßiiahmc der Alliierten davon abbringen lassen wird, das Pari­ser Diktat abzulehnen. Darüber müssert sich die Alliier­ten klar fein, daß Deutschland nur dann weiter verhan­delt, wenn die deutschen Gegenvorschläge wenigstens als ^Äunggebend bei den weiteren Verhandlungen ver­wertet werden.

Die Verhanvlungen in London.

lieber die gestrige NachmÄtagssitzung der Alliierten tzeißt es in dem amtlichen englischen Bericht: Aus der Rachmittagssitzung der Konferenz herrschte unbedingte Uebereinstimmung sowohl mit Bezug aus die deutschen Gegenvorschläge als auch ans die Folgen. Die Enffchridilng wurde c i n st i m m i g gefaßt. Die Sitzung war von großer Bedeutung.

Weiter wird aus London berichtet: Die juristischen und sinanziellen Sachverständigen der Alliierten haben d:e Maßnahmen beraten, die angesichts der Haltung Deutschlands in her Reparationsfrage ergriffen werden sollen. Sodann haben die Chefs der alliierten Dele- gaiionen sich $ufammengefuntren und die Berichte dieser Sachverständigen cnigegengemmmren unb im Anschluß daran mit den militärischen Sachverständigen Foch und Wilson konferiert.

Diedeutsche Delegarion hatte gestern tagsüber fritiertet Fühlung mit den Alliierten. Augenblicklich ist nicht vorauszusehen, wozu die Alliierten sich entschlie­ßen. Die Haltung der deutschen Delegation ist unver­ändert abwartend, trotz der starken Drohungen.

Aus Berlin wird derFrkst. Zig." gemeldet: Die Berichte, die aus London und besonirers aus Paris hierher gelangen, lassen, wörtlich genommen, wenig Hoffnungen auf eine irgendwie gedeihliche Fort­setzung der Konferenz. Will man dem Berichterstatter der Haoasageniur glaubert. so hätten sich die Alliierten rinttimmch enticklosjen, die D-mtsch-m überhaupt nicht

Oberfchlefierr.

Gute Absiimmungsaussichien.

Der deutsche Wstimmungskommissar llrbanet,. gab kürzlich bei einer Rede in Tarnowitz einen Ueberblick über die Abstimmungsaussichten. Er erwähnte, daß wir mit Zuversicht rechnen können, daß die Polen, selbst dort, wo sie eine starke Anhängerschaft zu haben glauben, in ihren Berechnungen getauscht werden, daß sich überall eure deu t f che M ehr h e i t ergeben wird. Der polnische Terror habe auch auf deutscher Seite das Vaterlandsgefühl gesteigert. Mit stolzem Bewußtsein, den Steg errungen zu hoben, werden wir aus diesem Kampf hervor gehen können.

Um allen Abstimmungsberechtigten die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, hat der preußische Justizmmister angeorbnet, daß die Gerichte Gesuchen der Parteien. Angeklagten, Zeugen, Sachverständigen, Schössen oder Geschworenen, die aus Anlaß der Ab­stimmung in Oberschlesien zwecks Verlegung ansteheu- der Verhandlungstermine eingereicht werden, in wei­testem Matze ent gegenkommen sollen.

Der Abtransport der englischen Truppen, die für Oberichlesien bestimmt sind, Hot Mittwoch begonnen. Die Truppen werden in vierzehn Sonderzngen über Frankfurt "a. M., Bebra, Erfurt, Liegnitz nach Ober­schlesien befördert.

Ein Wortdruch der Interalliierten Kommission. Der oderschlesische Iuslizbeamlenbund in Beuchen hat toeatn des Falles Kupka einen Protest gegen das Vorgehen der Jnterallierten Kommisscon be­schlossen: Tarin heißt es u.a.:

General le Rond hat den Justizbeamten lemerzeit die Zufichcrnng gegeben, daß Ein, riffe in die Recksts- pflege nicht mehr Vorkommen würden, und die nieder- nelegtc Arbeit wurde infolgedessen wieder ausgenommen. Das gegebene Wort ist nicht gehalten worden. Die Bebouptima der Jnterallierten Kommission, daß es sich um eine politische Straffache handle, ist unrichtig. EL bandette sich lediglich um die Auiktarung eines ge- meinen Mordet- Cb die Beweggründe politischer Natur waren, sollte durch die Huuptverbandlung aufgeklärt werden, zumal der Än.ieklagte die Tat bisher bestritten bat. GS muß der Anschein erweckr werden, daß der Jnterallierten Kommission die in der Aanptverhand- lung zu erwartende Aufklärung gewisser Vorgänge offensichtlich unangenehm war, und daß sie infolge­dessen den Prozeß mit Gewalt verhindert hat.

Gegen die schwarze Schmach.

>n New-Jork landen sich, rote die .Frks. 3tg> melde!, am Montag dreitzigtaukens Menschen zu einer Demonstration gegen bte schwarze schwach -usammen. Eine An-abi h-öer Beamter dielt An- wracken. Die aanze Veranstaltung »erlief höchst eindrucksvoll.

Deutscher Reichstag

der Sitzung t>»m Mittwoch erklärte Prösi- X» ? Löb-: In einer anderen Stabt Europas falten heute t unb mor.-en Entscheidungen, die von unabseh. baren Folaen füi >mfer Land und unteren Erbtet!