Nr. 49.
Veramworrltch tüt den itoauioneUen Teil: Karl Schütte, n für btt Anzeigen: I. Parze>!et-Fu<da. " •Jtotattonsbrud u. Vertag bet Fuldaer Ütctitnbnufcrei in Fulda, lerntprechet 9h. 9. Tetegt.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Dienstag, t. Mär- $921.
Bezugspreis: Monattich 3,00 Mt. ohne Zustellgebühr. Jn Fu-da bei uns abgetjolt 3,15 ZRt. Anzeigenpreis: DieKtetnzei e Cotonetmaü) 66 pjg„ u. 10° • Zuschlag, die Reklame zette (lejtbreitei 1.80 Btt, u. 10«-. Zuschlag. Bet WIebethot. Rabatt
48. Zahrg.
um in der er= be- bie
Aus -em Sesetzten Gebiet.
* Lotznabba« fm Saarbergbau. Zu den Feierschichten im Saarbergbau kommt nun auch noch eine Lohnberkürzung. Nach einer Kundmachung der französischen Dergwerksdirektion im Saargebiet muffen die Bergarbeiter mit einem Lohnabbau von mindestens vier Franken für die Schicht vom 15. März an rechnen.
* Reqnifliianen. Wie aus Kobleng gemeldet wird, Hot die nÄoralliierte Rhsinlondkomnnffion eine Derordmmg ertasten, die jeder Besatzrmgsavmee das Recht gibt, für ihre Bedürfnisse die nötigen Leffttmgem ausführen zu lasten. Die rnttitättschcm Behörden sollen berechtigt sein, von jedem -unbeweglichen Gut, öffanKchen und privaten Gebäuden, Scländen oder beweglichen Gegsn-ständen den ihnen geeignet erscheinenden Besitz zu ergreifen (I), ebenso zur Ausführung alle nötigen Maßnahmen zu treffen, insbesondere das Person«! und Htffspersonal der deutschen Verwaltung, sowie jedes andere Personal und alle anderen Hilfsmittel m Anspruch zu nehmen. — Diese Behandlung des besetzten DerrkschlarÄ als eroberten Gebietes widerspricht durchaus fccm Vertrag von Versailles, nach dem die Gconer lediglich als Sicherheitsmaßnahme das lürksilzeimsche Gebiet zu besetzen haben. Deutschland hat zwar hie daraus entstehenden Kosten zu bezahlen, von dem Recht, „Leistungen" im besetzten Gebiet anzusordern, steht im Vertrag nichts.
Deutscher Reichstag»
Das Entwaffnungsgesetz, das uns durch die Beschlüsse von Spaa aufgezwrmgen wurde, muß aus politischen und technischen Gründen eine Verlängerung über den 1. März hinaus erfahren, die nun bis zum 30. Juni des Jahres vorgesehen ist. Angesichts der
Die erste Vollsitzung der Konferenz, kn der die Entschädigungsfrage verhandelt werden soll, findet Dienstag vormittag halb 12 Uhr im Lancasterhouse statt. Am Nachmittag werden die Delegierten unter sich beraten. „
Borbereitung zur Abstimmung.
Die Vorschriften für bie Dolksabskimmun g in Oberschlesien werden jetzt von der Interalliierten Kommission henrusgegsben. Darin heißt es:
Die Abstimmung findet am Sonntag den 2 0. März für das gesamte oberschiefische Gebiet und für alle stimmberechtigten Kategorien statt. Der P a s° fier schein gilt als Pah und muh vom paritätischen Ausschuh des Ortes beantragt werden, in dem abgeftimmt wird. Die Passierscheine gelten gleichzeitig als Wahlkarten. Die Personen der Kategorie A (die in Ober- schlesien geborenen und dort wohnendem Stimmberechtigten) und C (die im Reiche wohnenden Stimmberechtigten) erholten den Passierschein von dem paritätischen Ausschuß ihres AMmnnungsortes. Die Personen der Kategorie D (dis „ausgewiesencn" Stimmberechtigten) erhalten einen ähnlichen Passierschein und diejenigen der Kategorie B (die nicht in Oberschiesien geborenen aber dort wohnenden Stimmberechtiaten) erhalten denselben Passierschein, den ober der paritätische Ausschuß des Ortes, in dem sie eingetragen find, cmsftellt. Personen, deren Gesiwdheits- zuftanid eine Begleitung notwendig macht, können auch für den ÄegleLer einen Paffi»schein erhalten.
Die Abstimmung erfolgt Mt einem Stimmzettel aus weißem Papier mit schwarzem Druck. Die eine Kategorie trägt den Vermerk: „Polskü, Polen". Die zweite Kateoorie den Vermerk: „Deutschland-Niemey". Zettel, Umschläge mÄ Urne werden von der Regiertmns-Kommis- sion geliefert. Die Abstimmung dauert von früh acht bis acht Uhr abends.
Der Sonderzrrgverkehr nach Oberschlesien.
Zu her Abstimmung in Oberschlesion hat die Eisen- blchmverwaltung umfangreiche Maßnahmen getroffen. Es ist ent Soilderzugprogvanun von etwa 2 5 0, © o n b e r= zögen aus allen Gegenden Deutschlands aufgestellt. Die Stimmeerechtigten aus Ostpreußen gelangen z. T. über den Seeweg nach Berlin, von wo aus ihre Weiterbeförderung m Sonderzügm erfolgt Jeder Somderzug hat einen entsprechenden Gegenzug, sodaß diejenigen Reisenden, die zuerst in bas Abstimmungsgebiet befördert werden, auch zuerst wieder die Rückreise antreten können.
Die Fahrscheine zur Abstimmung werden nur durch bie beteiligten Organffativnen ausgegeben. Jeder Zug wird etwa 850 bsi 1000 Reisende befördern. Für die ausreichende Erwärmung her Wagenabteile wird durch Etzfftellien bafondorer Heizkestelwagen Sorge getrogen. Ebenso wird auch dafür gesorgt werden, daß die Wagon gut tmstand und gut beleuchtet sind. Auch für eine ausreichende Verpflegung während der Reise ist gesorgt, besondere Rücksicht ist hierbei bei der Bemessung der Aufenthalte auf den Derpflegunasstationen genommen worden. An der Grenze des Abstimmungsgebietes findet eine Kontrolle statt. Die Sonderzüge werden mit groß, ter Pünktlichkeit verkehren können, da sie bei der Beförderung den Vorrang vor allen übrigen Schnell-, Personen- and Girterzügen haben.
Der März als Schickfalsmonat.
Dem Frühlingsmonat wird von historisch-politischen Heichendeutern nachgesagt, er sei der ausgesuchte Monat für Verschwörungen und Umwälzungen. Man greift bis auf 2000 Lahre zurück, aus die Ermordung von Lulius Cäsar in den Iden (dem 15.) des März. Ferner wird erinnert an die Rückkehr Napoleons I. von Elba im März 1815, an die deutsche Märzreooiution von 1848, an die Spartakus-Unruhen ram März 1919 und an den Kappstreich vom März 1920. Die Aus- lefe ist nicht verblüffend groß. Plancher andere Monat läßt sich mit ähnlichen Ereignissen belasten. Weder der Ausbruch noch das Ende des fuchtbaren Weltkrieges fielen in den März. 3m übrigen könnte man zur Erklärung der Märzereignisse anführen, daß in diesem Monat der bremsende Einfluß des Winters aufhört und der Frühling in der Regel von Stürmen begleitet wird, auch von Stürmen in den menschlichen Herzen und Köpfen. Bon einer Vorausbestimmung des März als Monat des llnhetts kann man nicht reden.
Dieses Jahr stellt er sich freilich als Schicksalsmomrt bar, weil er uns die folgenschwere LondonerKon- .serenz bringt und die Entscheidung über Ober- .Schlesien. Hinter dieser Gleichzeitigkeit steckt jedoch kein geheimnisvolles Gesetz, sondern die Entwicklung der Dinge, die wir selbst mit durchlebt haben, führt ganz natürlich dahin, daß endlich Termine zur ßöfung dieser schwebenden Fragen angeietzt werden mußten, nachdem lange genug die Regelung hinausgeschoben .war. Die Feststellung der Entschädigungssumme stand ja schon im Sommer vorigen Jahres auf dem Programm der Konferenz von Spaa, und wenn die sran- gösischen Machthaber ohne Hintergedanken gehandelt hätten, so wäre die oberschlesische Frage auch fchon im vorigen Lahre zu lösen gewesen.
„Spät kommt ihr, doch ihr kommt", kann man bat bevorstehenden Märzeveigniffen entgegenrufen. Sie treffen uns glücklicherweise nicht unvorbereitet und auch nicht im Zustande der Erschlaffung. Es kommt nur darauf an, daß wir einig und mutig bleiben, — sowohl gegen die Sttafandrohmrgen, mit denen man uns in London schrecken möchte, als auch gegenüber den Ge- spenstem polnischer Gewalttaten, die in OberschlesiM spuken.
Was die Vorspiele für London angeht, so herrscht eigentlich bei dm großmächtigen Gegnern mehr Unruhe, als bei uns. Wir find uns klar über das, was wir tun und lassen müssen: demgemäß warten wir mit Fassung das Ergebnis ab. Auf der Gegenseite läßt die Klarhett noch sichllich zu wünschen übrig, und besonders wacht sich die Sorge um die Eintracht, d. h. nm die Uebereinsiimmung von England mit Frankreich bemerklich.
Wenn Lloyd George mtt den Marschällen Fach und Wilson sich neuerdings besprochen hat, so kann man darin vielleicht ein Säbelrasseln erblicken zur Ein- schüchterung von Deutschland. Diese Taktik wäre ftei- lich verfehlt; denn wir wissen ja schon längst, was uns an Zwangsmaßrcgeln beschert werden soll, wenn wir nicht unterschreiben können, und sind auf diese Heimsuchungen eingerichtet. Die erwähnte Besprechung macht eher den Eindruck, daß Lloyd George immer noch Bedenken hat wegen der französischen Eewaltpiäne und sich Klarheit verschaffen wollte über die Durchführbarkeit und die Nachwirkungen der angeregten „Sanktionen".
Bemerkenswert ist eine Auslassung, die Poin- tare zugleich in der englischen und in der französischett Presse gebracht hat. Dieser Miturheber des Weltkrieges und rastloser Vorkämpfer der französischen Gewaltpolitik schlagt Mötzlich sehr ftiedliche Töne an und geht in der auffallendsten Weise England um den Bart. Er erklärt es für das wichtigste und das unbedingt notwendige, die Solidarität der Entente, besonders die Freundschaft mit England zu erhalten. „Deshalb", sagt er, „wäre es inkorrekt, irgend etwas gegen den Willen Englands und ohne vorherige Verabredung mit England zu unter nehmen. Eine Sonderpolitik Frankreichs in ten schwebenden Fragen wäre ein schme- rer Irrtum." Poincorr bemerkt schließlich noch, daß die Mitwirkung deutscher Arbeiter bei den Wte- derherstellungsarbeiten in Nordfrankreich annehmbar juni) erwünscht wäre, wenn sie in beschränkter Anzahl i kämen und in Sektionen eingetellt, so daß keine deutsche Kolonie und nicht der Eindruck einer neuen Okku- pation entständen. Auf den guten Willen des Herrn Poincan: verlassen wir uns selbstverständlich in keiner Weise: wir folgern aus seinen Redewendungen nur, daß er der Zustimmung von Lloyd George noch tücht Mer ist.
Die Dinge sind auf der Ententeseite noch in G3H- ckung, und das gibt unseren Gegenvorschlägen und bett Bemühungen unserer Vertreter eine gewisse Ausficht, daß doch noch eine friedliche Lösung gefunden werden könnt:.
Naivem wir für Oberschlesien die einheitliche Abstimmung gerettet haben, sehen wir der dortigen Abstimmung mit Zuversicht entgegen.
Mag also der März 1921 auch als Schicksalsmonat sich ankünüigM, mir gehen doch mit Ruhe in ihn hinein, denn wir haben nach besten Kräslen das unsrigc getan und brauchen die Hoffnung noch nicht aufzugeben.
Tie Londoner Konferenz.
Die deutsche Delegation ist Montag nachmittag in London eingetroffen. Sie war um 3 Uhr in Dover angekommen, wo ein Vertreter der englischen Regierung sie ,begrüßte, und setzte ihre Fahrt alsbald im fahrplanmäßigen Zuge fort, m dem zwei Wagen re- ferviert waren. Pünktlich um breLmertel 5 Uhr lief der Zug rn Lorüson in der Victoria-Station ein, wo der deutsche Botschafter S t h a m e r mit Mitgliedern der Botschaft und ein Vertreter Lord Curzons zur Begrüßung anwesend waren. Die Delegation begab sich in bereitstehenden Automv-bilon ins Savoy-Hotel. Sie ist dort bequem untergebracht, desgleichen auch die zugelassenen 20 deutschen Journal sien. Jedem Mitglied der Delegation sollen eine Reihe luxuriöser Räume zur Verfügung gestellt werden, die mit allen Bequemlichkeiten cmsaestattet sind-
gespannten innerpolitischen Lage bestand bei den bür- gerlichen Parteien der Wunsch, in der Vollsitzung des Reichstages in keine große Diskussion einr»treten. Man wollte das umsomehr vermeiden, als just in diesem Augenblick die deutschen Dertreier auf dem W ge nach London sich befanden, um Entscheidungen von erschütterndem Ernste zu treffen. Die radikale Linke hat aber diese Absichten durchkreuzt. Auch die Mehrheitssozia- listen schlossen sich übrigens diesem Vorgehen an, — diese Gelegenheit zu benutzen, die Vorgänge Bayern in ihrem parteipolittschen Sinne von Reichstagstribüne herab zu erörtern. Infolgedessen lebte man cm Montag vor übrigens sehr schwach letztem Hause eine teilweise recht lebhafte Debatte, durch die üblichen Agitationsreden der Linken einen überaus häßlichen Beigeschmack bekamen
Den Reigen begann der Unabhängige Soldmann. Die bayerischen Einwohnerwehren seien ein Herd der Gegenrevolution. (Gelächter rechts!) Dte Regierung Kahr stehe im Dienste der Reaktion. Der Redner fordert, daß die Reichsregierung energisch in Bayern vorgehen möge. In einer kurzen Erklärung umrecht der Reichsminister des Innern koch die Steilung der Reichsregierung. Sie habe die für ein waflenstolzrs Volk so schwere Aufgabe der Entwaffnung in die täand genommen; sie werde innerhalb der gestellten Fr ft?n diese durchzusetzen wissen, auch Bayern gegenüber. Am Vorabend der Londoner Konferenz halte es die Reichs: gie- rurn für unangebracht, in eine eingehende Erläuterung dieser F age einzutreten. Die'mehr halte sie es für ihr» Pfficht, die Einheitlichkeit dos deutschen Volkes aufrecht zu erhalten. Auch der mehrhei!ssozial sti>che Abg Vogel findet scharfe Worte gegen das Verhalten der bayerischen Regierung. Denn ihre Maßnahmen seien geeignet, der Reichsregierung passiven Widerstand und
ungeheure Schwierigkeiten zu bereiten. Er habe die Ueberzeugung, der Widerstand bestimmter bayerischer Kreise gegen die Reichsregierung beruhe auf einem Einverständnis mit der Entente. Diese Behauptung ruft im Hause begreifliche Entrüstung hervor und unter lchärstem Widersprach und erneuter Erregung der bürgerlichen Abgeordneten bezeichnet er die bayerischen Machenschaften als den Versuch zur Wiederherstellung der Monarchie in Bayern unter Anschluß Oesterreichs. Der deutschnationale Abg. von Gräfe bedauert, daß diese Debatte Überhaupt möglich sei, während die deur- schen Delegierten sich auf der Reife nach London befänden. Seine Freunde würden später zu diesen Dingen Stellung nehmen. Der Kommunist Dr. Lxvi, mit allgemeinem Gelächter empfangen, sagt seinen kommunistischen Spruch herunter und verschwindet bann wieder unter dem Gelächter des Hauses. Für die deutsche Volkspartei, das Zentrum und die Demokraten erklärt der Abg. Vrünninzhaus, daß im gegenwärtigen Augenblick AenderungLn des Entwaffnungsgesetzes, wie sie die Linke vorschlägt, eine unnötige Störung der Londoner Verhandlungen bedeuten. Die von ihm vertretenen Parteien stimmten der Vorlage zu.
Unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Hauses spricht nunmehr Dr. Heim von der bayerischen Dolkspartei. Seine außerordenllich eingehenden Kenntniffe der bayerischen Verhältnisse gestatten es ihm, eine große Anzahl der von den linksradikalen Rednern erhobenen Beschuldigungen gegen die Einwohnerwehr und die bayerische Regiorung zu entkräften. Heim führt eine scharfe Sprache und reitet eine scharfe Attacke gegen die linksradikalen Parteien, die mit stürmischen Zwischenrufen quittieren. Aber Heims Beredt-amkeit meistert sie. Es sei nicht wahr, daß die bayerische Regierung ein Gefangener der Orgesch sei und unter Bekundungen des Erstaunens van allen Seiten des Hauses teilt er mit, daß das Statut der bayerffchen Einwohnerwehren von einem sozialistischen Minister herstamme. Er beze'chnet das Gerede von reaktionären Verschwärungen und bayerischen „Mörderzentralen" als Schwindelgcschichten, auch daß Ludendorff Verbindung mit Eschertsch haben solle, sei unwahr. Wer das sei wahr, daß es Leute gäbe, die sich ein Geschäft daraus machten, Nachrichten von links nach rechts und gleichzeitig von rechts nach links weiter zu verbreiten. Irgend eine Bedeutung militärischer Art komme den Einwohnerwehren nicht zu, sie seien allein eine Polizeitruppe. . Der Redner schließ! mit dem Hinweis darauf, daß es auch in seinem und feiner Freunde Wunsch läge, wenn die Einwohnerwehren nicht mehr eine notwendige Einrichtung darstellten. Nachdem noch mehrere Vertreter der sozialistischen Parteien zu Wort gekommen waren, wird der Gesetzentwurf angenommen.
Die (Etatsberatung wird bann fortgesetzt beim Reichsfinanzministerium. Abg. Hertz (U. S.) erstattet Bericht über bie Ausschußverhandlungen und über die Steuerangelegenheiten Erzberger und van den Kerkhoff. Reichsfinanzminister Dr. Wirth gibt sodann eine Erklärung ab, in der er mitteilt, daß in der Sache des beklagten Amsterdamer Bankhauses Grusser, Philipps u. Co. die Untersuchung ergeben habe, daß in mehr als 10 Fällen Kapitaloerschiebungen ins Ausland vorgekomm-n seien und daß bisher eine Gesamffumme von 2,51 Mill onen als verschoben festgestellt seien. Im einen Falle Spiro sei bisher festgestellt, daß die einzuziehenden Summen 6 Millionen Mark übersteigen. Das Verfahrne gegen die beiden Mitglieder des Hauses Hohenzollern fei noch nicht abgeschloffen.
Dienstag: Weiterberatung.
Deutscher Keich.
* Berlin, 28. Febr. Der frühere deutsche Gesandte in Stockholm, Frhr. v. Lucius, ist in das Auswärtige Amt berufen worden. — Logattonsrat Dr. v. Pritt- witz, der vor einiger Zett als Konsul noch Triest gmg, ist der deutsch«! Botschaft in Rom zugeteiü worden. — Unter Mitwirkung des Minister!- Stogerwald gründeten die christlichen Gewerkschaften mtt einem Aktienkapital von zunächst 10 Millionen Mark einen Bankverein für deutsche Arbeit".
* Gin 85. Ienlrumsmandol. Dom Landesfekre- tariat der preußischen Zentrumspartei erfahren wir, daß dem Zentrum noch ein weiteres Mandat, das vierte der Landeslifte, zufällt. Die oüerdintzs erst teilweife vorliegenden endgültigen amtlichen Ergebnisse aus den Wahlkreisen haben die dem Kandidaten ^Staatssekretär Linz noch fehlenden 2365 Stimmen in einen Ueberschuß von 449 Stimmen verwandelt. Die noch zu erwartenden Meldungen werden die Stimmenzahl des Zentrums wahrscheinlich noch um em Wenig« he- bon. — Aus dem noch nachträglich errechneten Wahlerfolge möge man allseitig die Lehre ziehen, daß es bei der Verhältniswahl auf jede Stimme an = kommt. ~
• Die Hdfe'offen der Beamten Das Reichsfinanzministerium hat feine Reisekosten-Verordnung für du Reichsbeamten im Entwurf fertigqestellt. Dadurch soll der Grundsatz durchoeführt werden, daß den Beamten nur der mit der Dienffreise verbundene Aufwand ersetzt wird. Än dem System Der festen Tagegelder und der UebernaditS cld r hält Die Verordnung feit. DaS System der .9 ilo metergelber wird Wegfällen, bas volle Taie eld soll für die Beamten dis zur 5. Besotdiin 8 ruppe 28 Mark, bis zur 8. 32 Mark, bis nur 12. 36 Mark, für die 13 40 Mark und für die Beamten mit Einzel ehäliern 48 Mark betrauen. Das Uebcrnachiueld beträ t bie Hälfte dreier Sätze. Bei Reifen wird den Beamten bis zur 6. Gruppe die 3- Wagenklaffe ersetzt, den Beamten bis zur 12. Gruppe die 2. Waaenkiatze, die übrigen dürfen die 1. Wagen- klafle benutzen.
(») „Ter Denkst" — Die nette Slegerwaldsche Heilung. Die von Wohlfcchrtsmimster Stegerwald auf der Essener Tagung Les Deutschen Gewerkschafisbundes cmgekimdigie neue Timeszeittma erscheint am 1. April in der Derlagsanstalt Cito Stollberg u. Co. unter bem Namen „Der Deutsche, Tapeszeitung für deutsche Volk-gemeinschaft". Sie soll für das gemeinsame Wirken aller schaffenden Stände am Wiederaufbau Deutschlands eintreten. Die Derlagsleitung hat Otto S oll» berg, der frühere Derlc"'^direftor der . Stete fexn 2111g. 3!g." übernommen. Z):e Chefredaktion übernimmt Dr.' ALoff Barter, Geh. RegierungsrÄ, der aus feiner bieherigen Tätigkeit als Mm fterialrat im Reich2- i verkehrsministormm zu diesem Zwecke ausscheiden wird.
ss Tie ,rb in" 1-om» »nisten. Die B ort- j Führerin des Kommunismus nach russifch-bolfche-
gnr dem Nachvaraevle;.
Lin schwerer Raubüberfall.
= Großenbach (kreis Hünfeld). Ln der Frühe Les heutigen Tages (Dienstag), gegen YA Uhr, drangen hier Räuber in Las Anwesen des Landwirts Hilpert ein. Sie überfielen in der Dunkelheit die Bewohner und einer schoß aus einer Pistole auf den Besitzer. Land» wirt Hilpert erhielt einen schweren Bauchschuß uns wurde in lebensgefährlich verletztem Zustand in das Fuldaer Landkrankenhaus überführt. Die Räuber, es handelt sich um 3 Mann, sind unerkannt entkommen. Sie haben in dem Garten noch nass« Wäsche mitgenommen. Angaben, die zur Ermtttlun-
gusland.
** Ein internalionaler sozialistischer Kongreß, der in der vorigen Woche in W i e n tagte und Sottntag geschlossen wurde, brachte die Gründung einer neuen Ln- ternationule, der alle die sozialistischen Parteien angehören, die zwischen der zweiten (Genfer) und der dritten (Moskauer) Internationale stehen, wie bie_ deutschen Unabhängigen, die Schweizer Sozialisten, die österreichischen und delltjch-böhmischen Sozialdemokraten, die englische Unabhängige Arbeiterpartei und andere mehr. Ln das Exekutivkomitee wurden u. a. auch die Führer der 11. S. P., Ledebsur und Crifpien, gewählt.
** Eine Konferenz der „Tlachfoigestaalen" — das sind die Staaten, die aus dem ehemaligen Oesterreich- Ungarn hervorgegangen find — ist bereits feit langem geplant, um die im Friedensverirag strittig gebliebenen Fragen zu löfen. Ursprünglich sollte die Konferenz in Porto Rosa stattfinden, aber jetzt hat die italiemsche Regierung die Regierungen von Deutsch-Oesterreich, Ungarn, Böhmen, Polen und Südslawien zum 31. März nach Rom eingeladen.
* Die Einwanderung nach Amerika gesperrt. Wie aus Washington gemeldet wird, hat das Repraserttan- tenhaus, das vom Senat bereits genehmigte Einwan- derergefetz angenommen. Danach wird vom 1. April ab für die Dauer von 15 Monaten die Zahl der Ein- nxmberer einer jeden Nationalität auf 3 Prozent ber. Ausländer gleicher Nationalität festgesetzt, die zur Zett ber Volkszählung von 1910 sich in den BereiniZtm Staaten niedergelassen hatten. Da im Lahre 1910 ungefähr 700000 Personen in Amerika einwcmderten, werden in den nächsten 15 Monaten insgesamt nur cao 21 000 Einwanderer zugelassen werden. Diese Maß-^ nähme der bereinigten Staaten wird zurückzuführen, sein auf die Furcht vor einer allzu riesigen deutschen Auswanderung, die mit Rücksicht auf den Eeschastsstm- stand und die große bestchende Arbeitslosigkeit in Amerika katastrophale Wirkungen auslöfen mußte.
* Steigendes Elend in Ruß and. Eine Reihe von neuen Destiimnungen des Moskauer Rats der Volks- kommiffare beleuchtet die wachsende Not in Rußland. So wurde den Sowjetbeamten ihre Vorzugsration e n t- zogen, und sie müssen sich mit den Verpflegungsrationen der Arbeiter begnügen. Der Moskauer Sowjet soll im Laufe einer Woche der Arbeiter- und Bmrern- inspektion nicht weniger Äs 100 Mitglieder des Sowjets zur Verfügung stellen, um die Ausgabe von Der- pfleftungsrationen in allen Behörden ohne Ausnahme auf Ungesetzlichkeiten zu untersuchen. Gleichzemg wird der Mangel an Heizmaterial immer größer. Aus emer c-anzen Reihe von Bahnstrecken in der Ukraine ist der Verkehr eingestellt. Bis vor kurzem war der Mmrgel an Heizmaterial hauptsächlich in ben Fabriken des Südens sehr groß. Letzt ist d:e Krisis auch tm Zentrum eingetreten. In Petersburg, wo die Industrie seit bem- vorigen Herbst sich zu beleben anfing, werben jetzt aus Mangel an Heizmaterial die wichtigsten Werke geschlossen. 5m Zentrum herrscht auch großer Nahrungsmittclmangel. Der Mangel an He,zmateriÄ macht es unmöglich, die für das Donezsebiet bere.tge- stellten 1000 Waggons Nahrungsmittel fortzuschaffen.
wistischen Methoden, Klara Zetkin, hat vor einiger Zeit in Halle in einer kommunislifchen Versamrn- lung ge agt: „Kommunist sein, deißt edler Mensch sein!" Wie es mit diesem Edeltum der Kommunisten aussieht, möge man aus einer Mitieilung erjehen, die dem Vaiwäris zugeht.
„In Osternienburg (Provinz Sachsen) fand am 20. Februar eine öffentliche Bergarbeiterversammlung statt. In 2er Au» prache bat ein alter, lange orpani« (teilet Bergarbeiter um» Wor: und trug folgenden Vorfall vor: „Vor einigen Tagen waren wir auf dem Heimwege von der schicht. Vor uns ging ein Trupp junger Kameraden, die der kommunistischen Partei an- gehörien. Man unterhielt sich vor uns über politische Dinge. Im Laufe des Gesprächs sagte ein kommunistischer Kamerad: „Wenn es dre Partei von mir verlangt, erschieße ich meinen eigenen Bruder" Ich glaubte mich verhört zu haben und bat. das Lctztpesagte noch einmal zu wiederholen und nun meinte der junge Kamerad sich stolz brüstend; „Jawohl, wenn es die Partei befiehlt, erschieße ich meinen Bruder, wenn er anderer politischer Meinung ist". Ich war ganz entsetzt und erwiderie, „so etwas kann nur jemand sa en, der keinen Bruder hat." „O ja", sagte der Kommunist, „ich habe sogar zwei Brüder." Ich war außerstande, muh weiter mit dem Manne zu unterhalten; mit einem kräftigen Pfui auf den Lippen ließ ich dies» Sorte Menschheilsbeglücker unter sich."
■Silit Recht sagt bet „Vorwärts" dazu, daß hier dank der beispiellosen Verhetzung durch bie kommunistische Pteffe die geistige und sittliche Verwirrung Formen angenommen hat, bie eine „Gefahr für den Kulturfoltschriti ber Arbeiter bilden". Unb_ über diese Presse urteilt der „Vorwärts" weiter: „Schuld trägt nicht die irregeführie, zur Rohheit systemarrsch erzogene Jugend, sondern jene Presse, die täglich in gemeinster Art an die niedrigsten Instinkte appelliert gegen jeden hetzt, der anderer Dieinung ist und so den Boden für solche unglaubliche Rohheit vorbereitet." Der „Vorwärts" vergißt bloß hinzuzusügen, daß das alles letzten Endes die Frucht seiner eigenen Saat ist. Wir können eS freilich verstehen, daß die Sozialvemokraren daran nicht gern erinnert fein wollen!