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JVi 4b.

yreUag, 25. Februar 192L

- Fuldaer Zeitung Druck bet Fuldaer AeUendruckerei i« Fulda

Neue Belastung des Hausbesitzes.

3m Reichsgesetzblatt Nr. 19 vom 23. d. M. wird bas Gesetz, betreffend die vorläufige Förderung > e s Wohnungsbaues, bekannt gegeben.

Darnach sind die Länder (Preußen, Boyern, Sach­sen, Baden usw.) verpflichtet, zur Förderung des Woh- Mngsbaues in den Rechnungsjahren 1921 und 1922 zusammen mindestens einen Betrag von 30 M, auf den Kopf der Bevölkerung aufzuwenden.

Zur Deckung der aufzuwendenden Beträge muß von den Nutzungsberechtigten (Hauseigentümern) eine Ab­gabe erhoben werden. Diese Abgabe kann auf die Lahre 1921 bis 1940 verteilt werden. An Stelle derselben können Zuschläge zu den bestehenden oder neu einzu­führenden Steuern von bebauten Grund st ückm »nd von Gebäuden erhoben werden. Nach dem 1. 3uli 1918 fertig gestellte Gebäude sind von dieser Abgabe befreit.

Die Gemeinden sind verpflichtet, zu den von bett Ländern zu erhebenden Abgaben nach näherer Be­stimmung der obersten Landesbehörde (für uns die preußische Regierung) Zuschläge zu erheben. Die Grundsätze für die Bemessung und Erhebung dieser Ab­gabe und Zuschläge treffen die Länder, wenn bis zum 1. Mai kein besonderes Reichsgesetz erlassen ist. Da zu dieser Abgabe, die zwar nach der Kopfzahl der Be­völkerung zu berechnen ist, aber nur die Nutzungsberech­tigten von Gebäuden herangezogen werden können, so bÄeutet dies eine nicht unerhebliche Belastung des

Die Lohnsteuer.

Die Art der Eingebung der Einkommensteuer der Angestellten, Beamten und Arbeiter durch einen vor­läufigen Abzug von 10 Prozent von Lohn und Gehalt bietet manche 'Schwierigkeiten, fo einfach sie aussicht. Besonders ist zu befürchten, daß man die verbleibenden Rückstände in den meisten Fällen nicht einziehen kann, weil heutzutage die überwiegende Mehrheit der Beam- en, Angestellten und Arbeiter nicht imstande ist, zu die­sem Zwecke Ersparnisse zu machen. .

Das Reichsten,-Ministerium hat daher eine Denk­schrift auso-arbeitet, in der der Borschlag gemaust wird, den vorläufigen Steuerabzug vom Lohn in eine Lohn­steuer umruwmrdcln, durch die der Steuerpflicht aus dem Arbeitseinkommen völlig genügt wird. D. h. also, die Ein'ommenste'.'.er soll gleich bei Zahlung des Lohnes be-w G°baltes durch den Arbeitgeber abgezogen wer­den. Diese Lohnsteuer soll nach folgenden Grundsätzen cmsaestaltet werden.

Sie beträgt 10 P r o z e n t und geht bis zu 20 000 Arbeitseinkommen. Der Familienstand wird durch Ab-ug eines festen Betrages (jährlich 120 Mark »ntfprechend einem steuerfrei bleibenden Lohnbetrag non 1200 Mark) für jede der auf den Arbeitslohn an- oewiefenm Personen berücksichtigt. Sog. Werbungs­kosten werden ebenfalls durch Abzug eines festen Be­trages (jährlich 60 Mark entsprechend einem Lahres- betrcg von 600 Mark) obgegolten. Bezieht der Steuer­pflichtige neben dem Arbeitslohn weiteres Einkommen beträgt das Gesamteinkommen nicht mehr als 20000 Mark, so wird das weitere Einkommen selb­ständig der Einkommensteuer unterworfen, sofern der Steuerpflichtige nicht die Veranlagung nach seinem Ge­samteinkommen beantragt. Beträgt das Gesamtein­kommen, sei es, daß es nur aus Arbeitslohn oder aus Arbeitslohn und weiterem Einkommen herrührt, mehr als 20 000 Mark, so tritt eine Veranlagung des ge­samten Einkommens unter Anrechnung der Lohnsteuer ein: der über 20 000 Mark betragende Einkommens­teil wird mif einem scharfsteigenden Steuersatz belegt.

Eine Veranlagung würde sich somit für die Masse der Lohn- und Gehaltsemmpfänger, da sie bei den heu­tigen Geldverhöltnissen mit ihren Lohn- und Gchalts- bezugen immerhin unter der Grenze von 20 000 Mark bleiben, erübrigen.

Eine allgemeine Ermäßigung der Einkommen­steuer mürbe die Folge dieser Neuregelung sein, denn die alle nicht aus Lohn und Gehalt fliehenden Einkom­men können natürlich nicht benachteillgt werden. So würde infolgedessen die Einkommensteuer bis zu einem steuerbaren Einkommen, d. h. nach sämtlichen steuer­freien Abzüaen, bis zu 20 000 Mark ganz allge - meinlOProzent betragen, während sie jetzt schon bei 1000 Mark 10 Prozent beträgt und dann um je 1 Prozent bei 1060 Mark Mehreinkommen steigt. Die Staffelung der Sätze der höheren Einkommen würde dementsprechend schärfer ansteigen, sodaß bei 100000 Mark Einkommen die bisherigen Sätze erreicht sind.

Unpolitische Zeitläufe.

Bon Fritz Nrenkemper.

Berlin, 23. Februar 1921.

Sind Sie zufrieden mit dem Wahlergebnis?"

Daraus möchte ich antworten mit der Redensart, die öfters die geistreiche FrageWie geht's?" erledigen soll:

Es muß gut sein, bis es besser wird.

Das soll heißen: Es ist nicht ganz so, wie ich es wünschte; aber es hätte auch noch schlimmer kommen können. Daher gebe ich mich vorläufig zufrieden und Hoss«, daß es in Zukunft noch besser wird.

Dian sieht, daß diese Redensart, die etwas abgenutzt wrösieht, doch ihren vernünftigen Inhalt hat. Sie paßt mst Immer auf die irdischen Ereignisse; denn in diesem Mängel sind in der Regel die Schicksale ge­mischt: der Mensch muß sich genügsam mit der kärg­lichen Gegenwart abfinden und nach einer besseren Zu- tunst streben. ,

^°hflirauch wachsen Rosen und Dornen. Wenn lm*ere Partei sich ruhmvoll behauptet, so sind wir froh s m" $$enn aber die Verschiebungen bei den an- öern Parteien uns gegen den Strich gehen, so Hilst kem »cheuen und Verzagen, sondern man muß sich mit den Luswuch^n d-r allgemeinen Wahlsreiheit avfinden, io gut er fo schlecht es eben geht. Die Verschiebung der Sitmwen wirkt ja nicht grundstürzend. Die Sache wird schon wieder eingerenkt. Tas ist diesmal nicht >o schwer, wie im Juni vorigen Jahres noch den ver­zwickten Reichstagswahren. In den entscheidenden Vunlten bleibt es ja beim alten Erstens gibt es keine rote Mehrheit, die zur verhängnisvollen Klassenherr­schaft führen konnte Es muß also nach wie vor demo­kratisch regiert werden mittels einer Koalition. Und rwei-ens ist keine Koalition möglich, in der nicht das Zentrum den Kern bildet. Das genügt zu unserer -Leruhigung. Trimborn und Porsch werden schon nach v«m rechten sehen.

Welche Partei hat am meisten gewonnen?

Die Partei der N i ch t w ä h r e r. Die Wahlbeteili­gung ist nämlich im Durchchnift sehr stark herunterze- öongen, vielleicht um 20 Prozent.

3ft das gut ober schleckst? Wiederum gemischt Wer SU Haust bleibt, richtet noch nicht so viel Unheil an, ®e derjenige, der für eine gemeinschädlich- Partei stimmt. Andererseits ist es ein übles Z-ichen für die Keistige und sittliche Reise des Volkes, wenn io viele

Hausbesitzes. Der Trost, daß die Abgabe auf 20 Jahre verteilt werden kann, erleichtert die Last je­denfalls nur in geringer Weise, die aber wieder da­durch verschärft wird, daß auch die Gemeinden Zu- schläM zu erheben haben.

Die die Enlschad'gnngsfummeerrechnet" isurde.

Wir die Entschädigungssumme hochgeschraubt wurde, plaudert Eugene Lautier in der Pariser Zei­tungHomme libre" aus. Wir Haden schon ' -ad) im Zusammenhang mit den Erörterungen über L.. Höhe der von der Entente geforderten Wiederherstellmigs- summe darauf hingewicfen, daß die Forderungen maß­los übertrieben sind. Während die Zerstörungen in Nordsrankreich von französischer Seite zwischen 80 und 150 Goldm'lliarden geschätzt werden, bat sie der Engländer Keynes aus Grund sorgfältigster Berech­nung lediglich auf 20 Milliarden Eoldmark geschützt. Einem deutschen Ansinnen, die Höhe der Schäden im einzelnen zu belegen und Nachweise für die Berech­nungen zu bringen, ist bisher wohlweislich nickt ent­sprochen worden. Wie man die Forderungen immer mehr in die Höhe schraubte, erzählt nun Eugene Lau­tier wie folgt:

Nach dem Frickerrsschluß hätten Staatsmänner von der Kammertribüne behauptet, daß Deutschland alles zahlen müsse, als ob es Hunderte von Milliarden regne. Und diese Reden hätten die Regierung ermutigt, der Bevölkerung der ersetzten Gebiete viel mehr zu schenken und noch viel mehr zu versprechen, um sich cWmütig zu zeigen. Man habe nicht nur be­schlossen, diesen Opfern des Krieges jeden Anteil an den Kriegslasten zu erlassen, hebe nicht nur zueosacü, sie für alles Unheil, das ihnen von den Deutschen widerfahren sei, voll zu entschädigen, sondern man habe sofort in An­rechnung der Preiserhöhung die Summe der bean­spruchten Entschädigung mit fünf multi­pliziert. Schließlich sei dann die Einschätzuna einer Lokalkommission überlassen worden, deren Mitglie­der einander gegenseitig sehr hoch geschäht hätten. Dazu käme noch die Spekulation von Z w i s ch e n k ä n d l e r n, die alle Forderungen an den Staat auskausien und genau wußten, daß sie gegen 500 Prozent bei diesem Geschäft verdienen könnten. Ms im Senat der Antrag eingebracht war, alle Cntschädigungsanträge zu ver­öffentlichen, damit sie der Kritik ausgefeht würden, sei dieser Antrag leider a b g e l e h n t worden."

Tic Wiederherstellung des Eisenbahnmateririls.

Von den Betriebsräten der Eisenbahn-Haupt- werkstätte Fulda wird uns zu dem ArtikelWieder- Herstellung des Eisenbahnmaterials" in Nr. 44 vom 23. 2. 1921 über die Verhandlungen im Sachver- ftänbiaenbeirat des Reicksverkehrsminifteriums über die Instandsetzung des Eisenbahnmaterials ge­schrieben:

Um in der Frage, ob die Leistungen der Privat­firmen, die mit Reparaturen von Eisenbahnmaterialien wie Lokomotiven, Tender, Personen- und Güterwagen usw. betraut sind, qualitativ und quantitativ größer sind, als tue der Staatsbetriebe, klar zu sehen, muß zu­nächst als feststehend betrachtet werden, daß man bei Beurteilung der Arbeitsleistungen sich nicht auf be­stimmte Normalien feftiegen kann. In den Staats­betrieben befinden sich durchschnittlich 9000 Lokomotiven in Reparatur, in Privatwerken etwa 1000; während aus unseren Werken wöchentlich etwa 520 geliefert werden, liefern die Prioatwerke wöchentlich etwa 100 Lokomotiven. Die Angaben erstrecken sich auf den Stand vom Ende Januar d. 3. Um zu einem annähern, den Vergleich zu kommen, muß man Vergleiche ziehen zwischen der Art der Reparatur-Arbest, der dazu ver­wendeten Zeit, dem Material und dem Lohn. Es ist nun begreiflich, daß es ?X?atmerte gibt, die infolge ihrer Ausstattung mit allen modernen technischen Hilfs­mitteln, wie z. B. Henschel u. Sohn-Kassel. Krupp in Essen usw., quantiatio und qualitativ besser arbeiten können als unsere zumeist veralteten Eisenbahn-Repa­raturwerkstätten. Qualitativ sind ohne Zweifel die in den Eisenbahnwerkstätten hergestellten Reparaturen bes­ser als die der Privatindustrie, sehr oft bedürfen die von der Privattndustrie ausgeführten Reparaturen ein Nachreparieren in den Eisenbahnwerkstätten. Dieses Kapitel ließe sich mit Beweisen nicht erschöpfen. Die Ersenbahnverwaltung beabsichtigt auch unwiplschattlich arbeUenbe Privatwerke obzustoßen. Im allgemeinen ist in den Eisenbahnwerkstiltten eine stete Zunahme der Produktion zu verzeichnen, es erklärt sich schon da heraus, daß wir mit einem Materialmangel nicht mehr so zu rechnen haben, wie in den vergangenen Jahren. Dievergleichende Darstellung der wirtschaftlichen Hatte der Reichseisenbahnen in den Jahren 19131919 und 1920" beweist eine Zunahme der Betriebsleistungen, diese dürfte Zeugnis ablegen über den Fleiß und Tüch-

Tausende von Bürgern ihr höchstes Ehrenrecht unbe­nutzt liegen lassen und sich um die Zukunft des armen Vaterlandes nicht kümmern. Sie gleichen den stumpf­sinnigen und hartherzigen Leuten, die gle chgültig vor­übergingen an dem Mann, der zwischen Jerusalem und Jericho Halblot geschlagen dalag.

Die ganze Wahlagitation hat eigentlich den Zweck, aus den Reihen der Nichtwähler Rekruten anzuwerben. Die Schlafmützan sollen heruntergerissen, die Saum­seligen auf die Beine gebracht, die Zweifelnden und Schwankenden gewonnen werden. Wenn trotzdem noch so viele abseits gestanden Haden mit den Händen in den Hosentaschen, so muß uns das ein Antrieb sein, die Werbearbell fortzusetzen. Fortzusetzen auch in der Zwi­schenzeit von drei bis vier Jahren, die bis zum nächsten Generalappell verstreichen kann. In den wenigen Wo­chen der sog. Wahlbewegung läßt sich nicht alles aus- rütteln und einschulen. Wer viel Brotkorn ernten will, muß schon geraume Zeit vorher düngen und pflügen und eggen und säen und von langer Hand alles be­sorgen. Der gute Landwn t arbeitet sofort für die künftige Saat, wenn er die diesjährige Ernte ringe- bracht hat. Die ttichtige Partei knüpft an den Ausgang der Wahl sofort die Vorarbeit für die nächstfolgende Wahl, indem sie ihren Apparat für die Aufklärung und Sammlung der Wähler nicht einschlafen sollen, müssen die Führer und Wächter der Partei rührig auf dem Posten bleiben.

Die stetige, ruhige, gemächliche Tätigkeit der großen und kleinen Organe der Partei ist wesentlich tjr die gesunde Fvitenlwicklung. Das gilt nicht bloß für die Smmrlun- der Trägen, sondern auch für Oie Stju'ung des Nachwuchses.

Schwarzseher haben uns bange machen wollen mit der Behauptung, die Jugend ginge zum großen Teil unserer Partei verloren. Nun, bei der letzten Wahl hat ja darauf auch eine Probe stattgefunden. Die Wählerschaft verschiebt sich natürlicherweise immer so, daß von Jahr zu Jahr ein Teil der älteren Mitglieder durch Tod abgeht und dafür die jungen Jahrgänge nach­rücken, die neuerdings das Wahlmaß von wenigstens 20 Jahren erreicht haben. Da die Zentrumsstimmen sich in den meisten Wahlkreisen gleichgeblicben sind oder gar den Prozenflatz der Wahlbeteiligung überschriiten haben, so ist ein Ausfall des Nachwuchses nicht zu be­klagen Sagen wir vorsichtshalber: noch nichft Der- sichrer sind genug am Werk. Vorsorge ist geboten. Da-

tigteit der Staatsorbeiter und Beamten. Hervorzuheben ist daß hohe Löhne, d. h den Teuerungsverhältnissen angepasst, das beste Mittel zur wirtschaftlichen Lestung eines Betriebes sind, davon sollten die maßgebenden Instanzen Notiz nehmen; eine altbekannte Tatsache ist aber, daß die Löhne und Gehälter der Siaa'sarbeiter und Beamten weiter hinter denen der Privat-Jndnstrie stehen. . I. F.

Wie in dem erwähnten Artikel mitgeteill wurde, wist die Reichseisenbahnverwaltung anftreben, in den Eifenbahnti erkstätten die Produktion durch bessere Lohn- und Prämienmethoden zu heben.

aus dem Nachbargediet.

Poppenhausen. Wahlsonntag. Herrlicher Son- mnschnrr lockte Jung und Alt hinaus in die erwachende Natur, auf die lichtumflossenen stolz ragenden Berge der Rhön. Glücklich die Menschen, die all das genießen können! Der sonst um diese Jahreszeit von Kurgästen noch freie Ort zeigt unoewohntrs Leben im Straßenbild. Schier alles ist auf den Beinen, nicht zuletzt, um zur Urrüe zu schreiten, von dem für alle Staatsbürger glei­chen Rechte Gebrauch zu machen. Don 405 Wahlbe­rechtigten übten 380 94 Prozent ihr Wahlrecht aus. Dio fehlenden 6 Prozent entfallen ausschließlich auf Kranke, dis das Bett Hirten müssen, und auf Nicht- anwesende. Auch die beiden ältesten Bewohner des Ortes erschienen an der Urne: Die 92 Jahre zählende Barbara Herbert (genannt Bärbel) und die auf f a st 100 Jahre zurückblickendr Flora Kreuzer. Strahlenden Auges erzählte nachher einem Besinher die hochbetagte Frau, die noch ohne Brille zu lesen ver­mag:Ich habe mich so gesreut, daß ich auch habe wählen dürfen." Möge Gott die ehrwürdige Greisin weiterhin behüten! Im übrigen ging wie vieler- orts auch in unserem Dorfe die Stimmenzahl der 11. S. P. D. von 28 auf 8 zurück, während dös Zen- trum an Stimmen gewarnt. Sch.

---- Gelnhausen. Ein junoes Mädchen ans Kempfen­brunn, welches in Höchst einen P-ergiftungsver- srtck gemacht batte, in re in es Lysol und Efsigeüen; trank/ tst nach qualvollem Leiden den schweren Ver- brcnnungen erlegen. Die Ursache zu der unseligen Tat soll Liebeskummer gewesen sein.

(mc) Frankfurt o. M. Sn der Stadt haben mehr­fach Läd»n ihre Pforten geöffnet, die nur serbi­sches Schweinefleisch verkaufen. Das Pfund kostet 1216 M und ist von au-gezeichneter Qualität. Nur das Fleisch ganz schwerer Tiere, von über v'er Zentnern, wie wir sie in Deutschland kaum noch vom Hörensagen kennen, soll etwas den bekannten Geschmack des amerikanischen Speckes haben. Die serbischen Schweine werden meist an der Grenze geschlachtet und in Kühlwagen an betr. Verbraucherorte befördert. Einer der amerikani schon Farmers ohne, die dm ersten Transport Milchkühe nach Deutschland begleiteten, ist an einer schweren Krankheit im hiesigen städtischen Krankenhaus g e st o r be n. Die Beerdigung findet am kommenden Montag unter Beteiligung der amerikanischen Kolonie und der Behörden auf dem Hauptfriedhof statt.

spd. Weilburg. Der Spitzenkandidat der deutschen Volkspartei für den nassauischen Kommunallandtag, Landwirt Philipp Fink aus Meyer, stürzte von seinem Gespann, dem die Pferde durchgingen, geriet unter die Räder und wurde getöte t.

spd Oberursel. 50 junge Ob st bäume ab­gebrochen und ihrer Krone beraubt, wurden in einer der letzten Nackte im alten Eisenbohn^ckackt zwischen Oberursel und Homburg. Die Bäume sind Eigentum der Eisenbcckndirektion. Es handelt sich vermutlich um einen Rackeakt.

)-( Limburg. Der LanbeSausschrtß der Zentrumsp rtei tritt am Mon'ag, den 28. Februar, zu einer Sitzung mit besonders wichtiger Tagesordnung zusammen.

spd., Sckma'kalden. Dor Leiter des KreiSer- nährungsamtes kauf'e ohne Wissen drs Kreisaus- ickusses'einen großen Poften Schuhe. Die Sckuhe wurden nicht rechtzeitig abgestoßen. Dor KieiS bat nunmebr einen Verlust von 250000 Mark an diesem Handel zu veibuchen. So gelstS, wenn die Behörden sich in Tinge einlassen, für die sie nickt da sind.

mc. Aschaffenburg. In letzter Zeit wird übet Forstfreveltaten im Sp essart sehr geklagt. Tie Leute aus den Staaten ziehen vielfach mit

her dürfte sich empfehlen, unverzüglich Veronstatiung-n einzurichten, die besonders für die jugendlichen Elemente paffe.tb sind. Zur Sammlung und Bckchrung!

Fängt man in der Schule mit den schwierigsten Auf­gaben und den sauersten Arbeiten an? Nein. Der Lehrer sucht lieber durch Zuckerzeug und gemülliches Plaudern die Herzen und die Köpfe der Kinder aufzri knöpfen. Darum meine ich, man sollte in den Jugcnd- abenben der Partei nicht mit großen, inhaltschmeren Re­den anfangen, sondern mit kleinen, gemeinverständli­chen, drastischen und witzigen Ansprachen, dem soz'alen und geistigen Niveau der Zuhörer entsprechend und ein» gerahmt von künstlerischen Darbietungen. Also eine Art von politischem Volksunterhaltungs- Abend.

Dllefach hat man den AusdruckVolksbildung" qe- wählt. Sehr richtig, aber nicht gerade zugkräftig! Das Blldungsetikett riecht nach Schulschweiß. Schiebe man lieber dieUnterhaltung" in den Vordergrund und sorge nur dafür, daß dabei die Ausbildung nicht zu kurz kommt. Je gemütlicher, desto besser!

Wer dem Nachwuchs etwas Angenehmes bietet, der wird auch die Gleichgültigen und Saum'eligen der alte­ren Jahrgänge anziehen. Das sind zum großen Teil auch Naturen die in ihren Denken und Wollen noch etwas kindlich (oder gar kindisch) geblieben sind, muß sie auch zu gewinnen suchen durch angenehme Darbietungen, die den Boden für nute Lehren lockern und den Gemeinsinn entwickeln helfen.

Andouernde Mühe und auch Kosten macht es: doch die eigentliche Wahlagitation in be? letzten Wachen vor der Abstimmung wird durch die langhändige Vorarbeit wesentlich erleichtert

Wer seinen Stimmzettel nicht tos geworden ist, der gleicht dem Reisenden, der seinen Zug verpaßt hat. Er muß bis zum nächsten Zuge warten. Der näckste Wahl­zug geht aber fahrplanmäßig erst nach vier Jahren ad für die Preußenwähler und erst nach VA Jahren für die Reichsroähler, wenn nicht inzwischen ein? Auflösung fj-r> einörechen sollte wie ein politischer Blitzschlag. Der Nichtwähler hat lange Zeit, sich zu ärgern über feine Faulheit.

Wer seine Stimme in die Urne gebracht bat, darf sich die Hände reiben; er hat vorläufig bas feurige getan.

Karren hinaus und fällen was ihnen vor die Axt kommt, ganz einerlei, ob es sich um Jungholz ober Schonungen handelt. Tritt einmal ein Förster einer solchen Frevelbande gegenüber, so kann er erleben, daß man ihn mit dem Tods bedroht. In den fei« ten'teu Fällen wird einmal einer bie>et frevler zur Anzeige und Aburteilung gebracht. Der Schab en, den die Gemeinen und der Staat durch solche Holzdiebe erleiden, die sich mitunter auch an schon geschichtetem und verkauftem Holz vergreifen, geht in die Tausende.

Aus Oberheffen und den Hess. Aemtern.

fpd Marburg. Etwa 50 Geschäftsleute, die die ui ihren Schaufenstern ausgelegten Waren nid)' mit Preistafeln versehen batten, würben mit Straf« manbaten bebalt. Sie wollen gegen bie Strafe richterliche Entscheidung beantragen.

vermischter.

* Tas Ende des StraßenbahneransstandeS. Eine Urabstimmung im rhernisck-westfälischen Industrie« gebiet über die Frage der Fortsetzung ober den Ab­bruch des Ausstandes der Straßenbahner ergab eine Viersünftelmehrheit für die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Einigung ist in der Hauptsache auf Grund eines früher abgelehnien Vorschlags der Arbeitgeber erfolgt.

* Verschüttet wurde in der Grube Sophie bei Wolmirsleben (Bezitk Magdeburg) drei Arbeiter bitid) Niedergehen der En ecke. Zwei bet Berum glückten konnten nur a'§ Leichen, bet brüte schwer verletzt geborgen werden.

* Im Ricsengebirge herrscht starke Kälte. In Krummhiibet sind 8 Grab Kälte, bie Schneehöhe beträgt 25 Zentimeter, in Brückenberg sogar 60 Zenilmet-t.

Großes Erdbeben in China. Bei der chinesischen Jnlandsmission in London sind Meldungen eingetroffen über ein Erdbeben, das sich in Nordwestchina ereignete. Die Provinz Sanfi: soll hierdurch am meisten gelitten haben. Bei dem Erdbeben sind 40 000 Quabrattnetlen in vier Provinzen von der Verwüstung betroffen wor­den. In einzelnen Orten wurde fast die Hälfte fämt- lieber Häuser zerstört. Man n mmt an, daß viele Tausend Personen den Tob gefunden haben.

Literarisches.

SiUting Daniel, P., Einführung in bie Liturgie be Karwoche. Mk. 6,50. Dr. Benno Filser, Verlag, Augs­burg-Stuttgart.

Die vot liegende Einführung in die Liturgie der Karwoche hot sich zur besonderen Aufgabe gesetzt, mit dem Verständnisse für die Liturgie der Karwoche zu. gleich das Verständnis für die Liturgie überhaupt zu fördern. Die Vorträge wenden sich vor allem an Ge­bildete, die in Ausbau, Sinn und Geist der Ka tags, liturgie eingefübrt werden möchten. Dem entspricht die ganze Art der Behandlung. Ohne durch gelehrt« Ballaste zu ermüden, verwerten bie Borträge bie wich­tigsten Ergebnisse der liturgischen Forschung und zielen vor allem darauf ab, die liturgischen Grundged.inlen herauSzustellen und ihre gegenseitige Beziehung zu offenbaren. Die Sprache ist dem Gegenstände gemäß schlicht, würdig uns klar: aber sie folgt zur Höhe empor, wo die Gedanken sich zum Höchsten, zunz Ewigen und Göttlichen erheben.

Großmutters AWchentage. Die Gechichte von Jung- Nanni. Von Helene Pages. Mit 8 Bild rn van Rolf Winkler. 8? (IV u. 144 S.) Freiburg i. Br. 1920, Herder. 9 Mk.; geb. 13 Mk. und Zuschläge.

Helene Pages hat das Verdienst, daß sie mit ihrer Darstellung eines weiblichen Lebens in den frischen, immerneuen Alltag gegriffen und eine Gestalt von Kraft und Anmut aufs treueste nach der Wirksichkeft gezeichnet hat.Klein-Nanni" des BuchesGroßmut- ters Sugenbtanb", das so sehr gefällt, ist im vorliegenden zweiten zum Mädchen geworden, das in der Schule des Lebens sein Ü8ro* verdienen, die Traume des Herzens beschwichtigen, seine Se"st bewahren mutz und am Ende den Mann ber ersten Liebe zum Gatten gewinnt.

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8-rS ie irr «Futöskr Jtiluai* m Scheret» Ersetz

Noch dem Wahltag gibt es aber noch Diel Arbeit füi die Rechenmeister Denn die Verhältniswahl, rot« sie jetzt betrieben wird, ist ein kunstvolles Zahlenspiel. All bie Millionen von Stimmen müssen genau rrg;ftrien werden auf das Konto jeder einzelnen Partei. Nach der Zusammenstellung gilt es zu dividieren durch je 40 000. Die einzelnen Reste, bie ba übrig bleiben, sind wieder auf ber Verbandssiste zu verzeichnen und zu divi­dieren. Dieselbe Verrechnung ber Reste wiederholt sich dann bei den Landeslisten. Darum dauert es auch für unsere Neugier sehr lange, bis bas Gesamtergebnis voll­ständig klar unb festgestellt ift >'

Nach bem umständlichen Rechenexempel kommt nun das Schachspiel, d. h die Führer der politischen Parteien müssen sich darüber entscheiden, wie sie die neugewählten Figuren aufstellen und ziehen wollen. Ueber die verzwickte Frage der Koalition können sie sich ihre weisen Köpfe weidlich zerbrechen. Zu wählen ist sehr leicht; aber bas Wahlergebnis in ber Gesetzgebung unb Gesckästslührung richtig zu verwerten, bas ist eine schwere Kunst.

W'r gewöhnlichen Bürgersleute überlassen bas den berufenen Meistern des politischen Schachbretts.

Wir beruhigen uns damit, daß nach wie vor die rich­tige Partei Trumpf ist. Näml'ch: das Zentrum, Unb sorgen wir daür, baß es so bleibt.

Was sind 226 Milliarden Goldmark? Nach den Forderun-en der Entente fall Deuticklanb in 42 Jahren 226 Milliarden Gold mark zahlen. Das ist mehr, a's das deutsche Volk vor dem Kriege an Vermögen befaß. Unb inzwischen sind wir wahr­haftig nickt reicher geworben. Rechnet man dies« (Summe, um sie zu veranschaulichen, in Stein« koblen um, so würben bei dem Prei'e von 20 Goldmark für eine Tonne Kohlen dieie 226 Milliar­den Goldmark die Kaufsumme für 11,3 Milliarden Tonnen Steinkohlen darflellen. Nack dem Stande der Kohlenförderung von 1920 130 Millionen Tonnen geböten 87 Jahre dazu, um die'e Stein­kohlen zu fördern. Zum Ab'ronspart wurden 750 Millionen Eisenbahnwagen erforderlich fein, den Waggon zu 15 Tonnen Ladefähigkeit gerechnet. Es ergäbe sich also ein Eisenbahnzug von 71/» Millionen Kilometer, d. h. rund 19 Ei>enhahnzüge nebenein« anbet von der Erde bis zum Monde. Etne Jahres» icnte würde einem Ko lenzuge ent prechen, der 41/» mal um den Acgucuor hecumreicht» *cu