FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 46
LeramworUich tüt öen Ltuauionellen Teil: Start Schütte. - tüt öit Anzeigen: I. ^atgei ler-gutöa. - gtofaftonsöruct u. »erlag Oet Fuldaer üldienbratferei in Fulda -ern>piecher Nr. 9. Teiegt.»a&reije: Fuldaer Zeitung
Freitag, 25. Februar >921.
Bezugspreis- Monauich4,00Illr.ayne ZusteUgebühr. In Fu.vo bet uns abgehott 3,15 All. Anzeigenpreis ; Die K > e inze tle doioneimaB) 6ü p,g, u. 10"» Zuschlag, die Reklamezelle (lepaiette' 1.80 lllt, u. 13% Zuschlag. "Bei Wiederdoi. Rabatt
48. Zahrg.
zur balbl schafts
Folgen die Reichsregierung dringend und einmütig, auf ihrer Ablehnung der genannten Vorschläge zu beharren."
Regierung die Verpflichtung der Wiederherstellung in loyaler Weise zu erfüllen suchen muß. Die Durchführung der Pariser Beschlüsse würde aber ~igen Zerstörung des deutschen Wirr- . . . lebens führen. Der Reichswirftchaftsrat ist überzeugt, daß Deutschland durch die Lahmlegung der unbebingt erforderlichen Einfuhr mit Riesenschritten der weiteren Verelendung zugeführt werden würde wie feine östlichen Nachbarn. Er hält es deshalb für feine Pflicht, vor dem Lande und der Welt zu bezeugen, daß er die Pariser B eschlüsse für undurchführbar hält und bittet die Regierung, in Erfüllung der Wiederherstellungspflicht die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit Deutschlands einzuhalten. Sollte auf dieser Grundlage keine Einigung erzielt werden, so bittet der Reichswirtschaftsrat in voller Erkenntnis der
Ruhe hinter der Kampffront.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht eine Warnung vor „unüberlegten Handlungen" radikal-nationalistischer Kreise. Auch Reichsmi- nister Dr. Simons hatte gestern im Reichswirtschafts- rat auf diese nicht näher gekennzeichneten Umtriebe Bezug genommen und erklärt, daß gegen jede Ausschreitung mit aller Strenge vorgegangen würde. Die „D. Allg. Ztg." erklärte,
es handle sich um einen nur klein en Kreis politisch kurzsichtiger Phantasten, beten Aktion schon aus Mange! an Waffen an sich ohne praktische Be- beulung se-in würde. Die eigentliche Gefahr liege darin, daß ein derartiges Abenteuer im Ausland erneut falsche Vorstellungen von militaristischen Regungen in Deutschland erwecken müßte und im Inland von radikaler Seite dem gesamten Bürgertum zur Last gelegt werden würde. Diejenigen, die in London die deutschen Interessen unter so schwierigen Umständen vertreten sollen, müßten die Sicherheit haben, daß in der Heimat kein Unfug verübt wirb. Eine Wiederholung der Verhältnisse, wie sie im März 1920 zuerst von rechts, bann von links herbergeführt wurden, wäre für den Bestand des Reiches verhängnisvoll. Es muffe daher die Aufgabe aller, die es angeht, fern, dafür zu sorgen, daß bas Land in Rillte bleibt urtb baß m Preußen möglichst bald orbmmgsmä6ig eine von der Mehrheit der Bevölkerung getragene Regierung efngefefct wirb. In der Zwischenzeit sollte jeder als Feind behandelt und gegebenenfalls unschädlich gemacht werben, der die Ruhe stört, mag er von links oder von rechts kommen.
Man muß leider annchmen, daß die ernste Warnung nicht aus Gespensterseherei hervorgcht, sondern sich auf tatsächliche Vorgänge stützt. Ader deshalb braucht man doch n i ch t ü n g st l i ch zu werden. Solche Abenteuer verlieren ihre ganzen Ausstchten, wenn sie nicht überraschend kommen, sondern vorher angekündigt sind. Die Erkenntnis, daß die Behörden und das Volk auf die Adroehr vorbereitet sind, wird hoffentlich die Phantasie »^ranlasion, die Sache aufzugeben oder wenigstens auszuschieben. Uebrigens sind ja die Aussichten für eine neue Auflage des Kapp-Putsches schon deshalb schlechter, well fetzt eine Militärmacht, die sich verführen und mißbrauchen ließe, nicht mehr zu haben ist. Im ungünstigsten Falle würde die Ruhestörung sicherlich nicht länger dauern, als das Abenteuer vom vorigen Jahre; aber die Wirkung wäre doch viel Wimmer, da die Franzosm und ihre unversöhnlichen Genosien den Zwischenfall ausnützen würden, um gegen das anscheinend friedensgefährlich« Deutschland die Ge- waltmaßregeln durchzusetzen.
Bei der Mohmmg des Ministers Simons sollte man nicht bloß an diese angeblichen Abenteurer denken, sondern allerseits den Zank und Hader für die nächsten Wochen ausschalten. Er beschränkte seine Bitte auch nicht auf die parteipolitischen Reibereien, sondern erbat sich auch für die wirtschaftlichen Streitigkeiten, für Sie Arbeitskämpfe, den Burgfrieden hinter de- Kampffterll von London. Weder Streit noch Streik darf die Geschlossenheit des ge! u”.\n Volkes stören.
Der König der Dolomiten.
Volksrvrnan von Felix Nabor.
1.
Ganz in den goldenen Sonnenglanz eines wundervollen Maientages gehüllt, lag das schmucke Tiroler- ®!*f zwischen den himmelragenden Bergen, die es wie *ne schimmernde Perle in köstlicher Schale, wie ein ®etnC5f ionuenbefchienenes Paradies mit liebevollen innert umfangen hielten.
Kristallener Schnee, eisige Firne, Lärchen und Föhren nern sm- fl°t3en flöhen — im Tale aber, wo auf famt« Iinashr^en9runb kokette Primeln ihre rosaroten Früh- tete > l . spazieren trugen, wo der Feigenbaum buf- ffimpfh-f bie ^le Sykomore schattete, wo auf blanken hefenh fr»urcUte Ulmen rauschten und fromme ßinben braune»/ e , 1 roo eben die Kastanien auf bicken, । Wpenleuchtern ihre weißen Kerzen aufstcck- q» träumend im Sonntags-Mittagsschlaf bas ü UM„ einem stahlblauen, mit flockigem Sil- Frühlingshlmmel unb blinzelte Snne Ä Brauenbächlein hervor schläfrig in bie S finS unh Xber Kirche aber war ein treuer Wäch-
K S tQ9te er in den Azur empor, spitz ^an3e eines Gottesstreiters, unb dal-' EKJL’ÄSS*' Turmkreuz, das Meisterstück bes ? S-n w ?'5', grüßte mit feinem Golbgesunkel Unö die ewigen Serge mit ihren
Rol^naarten *£■» ^ingliebrigen Satemar. den zackigen Rosengarten mit König Saurins Zauberreich, ie?*nnß fMe tühn ma,?ti8e' wildzerklüftete Ci- »etta, die schroffe, kühn aufstrebende Cella unb die ?*Äe Mormolata, die mit ihrem blendenden Glet- °il '^e geheimnisvolle, majestätische Schönheit
Schäumend wie wilde Jungen im Sugenbübermut bie 3u 5m' T ihre wllben Wasser zum Elsak unb Talfer und hinab ins welsch« La^d zu tragen. Von ihren rauschenden Fluten getränkt schießt »er Saft in die Säume, die Kamelien tnojpen 'br chm auf unb drüben im kleinen Klostergarten an ber grauen
Bor einem schweren Gang.
Reicksmiaister Dr. Simons über den Gang nach London.
2n der Vollsitzung des Reichswirts ch ast s- r a ts machte am Donnerstag der Reichsaußenministcr >Dr. Simons, zwei Tage vor seiner Abfahrt nach »London, noch einmal eingehende Ausführungen über oie großen Schicksalsfragen des deutschen Volkes, über tdie aus der Londoner Konferenz entschieden werden soll.
Zu Beginn der Sitzung hielt der Vorsitzende, Edler g. Braun, eine einleitende Ansprache, in der er der einmütigen Ablchnung der Pariser Forderungen durch ‘bas deutsche Volk Ausdruck gab. Wo nichts ist, da habe auch die Entente ihr Recht verloren. Das deutsche Volk werde lieber untergehen, als das Urteil dauernder Sklavenarbeit selbst unterschreiben. Exz. v. Braun fragte dann den Minister Dr. Simons, ob er entschlossen sei, die einmütige ablehnende Haltung des deutschen Volkes unerschütterlich und, wenn es sein muß, bis zum bitteren Ende zu vertreten und andere Vorschläge zu .machen, die die Lebensnotwendigkeiten des deutschen 'Volkes berücksichtigen.
Reichsminister des Aeußeren Dr. Simons antwortete in einer längeren Rede, in der er zimächst seiner Genugtuung Ausdruck gab, vor der Reise nach London sich mit der Vertretung der deutschen Wirtschaft, der „Kammer der Arbeit", in Verbindung setzen zu können.
Der Minister streifte zunächst kurz bie Entwaff- nungsfrage. Wir wollen, so setzte er auseinander, bie im Vertrage übernommenen Verpflichtungen loyal erfüllen, mir haben uns ja auch militärisch bereits bis aufs Hemd ausgezogen, so baß wir zu einem ernsthaften militärischen Angriff völlig unfähig sind. Doch bie meisten Neuftorberungen ber Entente gehen weit über bas Maß des Rechtes hinaus. Unter bem Deckmantel ber militärischen Abrüstung wolle man uns auch wirtschaftlich unb inbuftrieU leistungsunfähig machen, lieber bloss Fragen werbe man hoffentlich «och in London reden können.
Der Hauptgegenstanb der Londoner Verhandlungen, nach Mitteilungen der Agenee Haoas sogar ber einzige, werbe aber bie Frage her Enischäbigung jein. Wenn es sich hierbei, wie sich die französische Presse äußert, nur um bie Durchführung, nicht um bie Aen- berung der Pariser Beschlüsse handelt, bann gehen mir vergebens nach London, denn eine Durchführung Oer Pariser Beschlüsse ist ausgeschlossen.
Der Minister setzte dann nochmals eingehend die llnmöglichkett ber Pariser Beschlüsse über die Jahres- zahlungen unb die Ausfuhrabgabe auseinander unb meinte, in den Zumutungen, die uns in Pans auferlegt werden, liegt nichts weiter als ber Wille, die beutle Wirtschaft zu zerrütten, woourch allerdings auch bie Wirtschaft der Ententestaaten selber zerrüttet würde.
Dann kam der Minffter auf die deutschen Ge- genvorschläge zu sprechen, bei denen mir auch die Bebürfniffe unserer Gc/gner, befonbers bas gewaltige Finanzbebürfnis Frankreichs berücksichtigen müßten. Die Gegenseite will bie- beutsche Konkurrenz ausschalten unb bie beutsche Wirtschaftskraft als Arbeitsmaschine anspannen. Wir können unb bürfen aber nicht mehr für anbere leisten, als es mit unserem eigenen Bestehen in Einklang zu bringe« ist. Die Erfüllung bes Friede,is- oertrages barf uns nächt soweit ruinieren, baß unsere Sehens« unb Leistungsfähigkeit gefährdet ist. Auf Grund ber Anregungen ber Sachverständigen ist man bann im Kreise ber Regierung zu Vorschlägen gekommen, bie für bie beutsche Wirtschaft erträglich finb unb auch bie Be- bürniffe ber anberen berücksichtigen. Die deutschen Vorschläge werden nach diplomatischem Brauch nidjt veröffentlicht werden, bevor sie den Vertragsgegnern in London bekannt gegeben finb. Den Fraktionsführern des Reichstags unb dem Reichsrat werden vertrauliche Mitteilungen gemacht werden
Der Minister kam bann auf die Aeußerungen einiger deutsch-nationalen und kommunistischen Blätter zu sprechen, die geeignet feien, die Stellung der deutschen Delegation in London zu schwächen. Die deutsche Delegation brauche bas Vertrauen des Volkes, daß sie fest bleibe, und fle werde fest bleiben. Sie sei sich
ihrer Verantwortung voll bewußt, sie misie, baß bas s deutsche Volk bereit sei, auch bie Folgen - eines Nein auf sich zu nehmen.
Die vorgesehenen Sttasmaßnahmen verstoßen wider jedes Recht, sie seien von furchtbarer Schwere, so schwer, daß es noch nicht sicher fei, ob sie wirklich ausgeführt würben. In Versailles haben mir ein Strafurteil unterschrieben. Es werbe aber eine Zett kommen, roo daz Verfahren roieber ausgenommen werben müsse Trotzdem wolle bie deutsche Regierung bis dahin den Vertrag in den Grenzen des Möglichen erfüllen Durch Drohungen mit Strafmahnichmen wird man die Welt nicht von den Folgen des Krieges befreien können. Deutschland schickt jetzt seine Leute vor den Feind. Solange sie dort stehen, muß die Heimat fest unb geschlossen bleiben, rott müflen unserer Politik unb Wirtschaft eine Schonzeit einlezen. Der innerpolitische Kamps barf jetzt nicht auf bie Spitze getrieben werben. Unbebachte politische Abenteuer müssen unterbleiben. Solche Versuche wirb bie Regierung unnachsichtlich niederschlagen. In biesen schweren Stunden muß das deutsche Volk einig und geschloffen sein.
Im Anschluß an die mit lebh. Beifall aufgenommene Rede des Ministers gaben die Führer der Gruppen des Reichswirtschastsrats kurze Erklärungen ab.
Rsichsbutsabg. v. Siemens, als Vertreter der Industrie, erklärte u. a.: Wir haben zu unserem Vertretern in London das Vertrauen, daß sie der Wahrheit zum Siege verhelfen. Erweist sich die Lüge zu stark, so sollen sie wissen, daß die deutsche Wirtschaft geschloffen hinter ihnen steht. Mtt besonderem Nachdruck aber rufen wir Ihnen zu (der Redner wendet sich am Minister Simons): Sie haben nicht bas Recht, in London Wechsel auszustellcm, durch die Sie unsere Kinder und Kmdeskinder der Sklaverei Überliefern. (Stürmischer, lanoon haltend er Beifall.)
Nachdem u. a. noch Wissel! (Arbeitnehmernertrettr) sagte: Die deutsche Arbeiterschaft ist gewillt, bis an die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen. Aber sie . ist auch ebenso fest entschlossen, sich nicht für ein Menschenleben und länger in ein Sklave-nlobsn hinein treiben zu lasten-
Staatssekretär a. D. Aug. Müller legte bar, daß wir jetzt einer Einfuhr von 11,8 Milliarden Goldinark bedürfen, wenn wir den Stand vor dem Kriege zugrunde legem. Berücksichtige man aber, daß die Ausfuhr des deutschem Volkes im vergangenem Jahre nur 4,8 Milliarden Goldmark beträgt, so sei klar, daß nach Befriedigung des Ernährrmgs- bediiflniffes weitere Leistungen unmöglich sind. Deshalb sei kein Staatsmann imstande, das vorliegende Abkommen zu unterzeichnen.
Heinrich W i 11 h ö f t (Vertreter des Handels und der Danken) hält es für vollkommen ausgeschlvffsn, daß wir unseren Export in den nächstem Jahren beträchtlich heben können. Deshalb seien die Forderungen der Feinde nicht erfüllbar. Wir dürft«! uns nicht die Ehre dadurch nehmen lasten, daß wir einen Wechsel crusstellen, bei dessen Unterzeichnung mir überzeugt sind, daß wir ihn am Zahlumgs- tage nicht einlösen können.
Baltrusch (Christliche Gewerkschaften) führt aus: Die Forderungen der Alliierten waren nur durchzufüh- ren, wenn vorher die Gesetze des natürlichen wirtschaftlichen Geschehens ausgeschaltet würden. Arn meisten mürbem bie Arbeiter aller Länder betrogen morden. Die beste Lösung märe es, wenn eine gem^isame Beratung von Vertretern der Arbeitnehmer^!^- aus allen Län. dern zustande käme. Als Geschäftsführer der christlichen Gewerkschaften Deutschlands richte ich an die christliche Bevölkerung des Auslandes die Bitte und die dringende Mahnung, nicht zuzulassen, daß brufakr Kapitalismus ein 60 Millionenvolk zu 42jähriger Fronarbeit zwingt. Wir können nichts unterschreiben, was über unsere Kräfte hinausgeht. Cs ist unmöglich, ungeborene Generationen vorweg zu belasten. (Lebhafter Beifall.)
Frau Kromer vom Hausfrauen.^rband erklärte zum Schluß: Die deutschen Frauen und Mütter lehnen einmütig die Forderungen von Paris ab. Hier gibt es nur einen Willen aller Frauen und Männer. Möge ber Reichsminister ben Eindruck mit hinausnehmen, daß mir alle geschloffen hinter ihm stehen. Unser aller Wünsche begleiten ihn! (lebhafter Beifall unb Händeklatschen.)
Hieraus nahm der Reichswirtschaftsrat e i n st i m m i g unter lebhaftem Beifall eine Entschließung an, m der es heißt:
„Vertreter der deutschen Wirtschaft, Unternehmer wie Arbeiter, stehen a.ft dem Standpunkt, daß die deutsche ----, _---r~7ii ■iiji—i—......... mm....... Mauer der Deutsch-Orbenskirche”öffnen” sich lächelnb die silbrigen Blüten der Magnolien wie rosige, leuchtende Mädchenlippen. Süß duftet die Blüte des Buchses unb bes Feigenbaumes Holz in ber warmen Maiensonme unb in ben Rebgärten meinen die jungen Triebe bes Weinstockes aus überquellonden Augen ihre ersten schweren, funkelnben Tränen.
Ein lauer, weicher Winb kommt aus dem Süden, aus Welschland, in das paradiesische Taft aber bas ist auch bas einzige, was an Welschland erinnert, denn Dorf und Bewohner sind deutsch, jedes Fleckchen Erde ist kerndeutsches Land, geheiligt durch eine tausendjährige Tradition, und die Menschen, die hier stolz und aufrecht über die Heimaterde schreiten, sind deutsch bis ins Mark . . . Darum ist auch ein beständiger Kamps zwischen ben Tirolern unb ihrem südlichen Nachbarn denn schlecht vertragen sich welsches und tirolischro Blut . . . 3m schönem Land Tirol wohnt unentwegt die Treue und der Glaube an altehrwürdige, heilige Satzung — drunten im Welschland aber lauern Tücke, Falschheit und Verrat. Daher der Haß der beiden Rassen. Er ist für die beiden Völker ein ungeschriebenes Gesetz, er liegt ben Menschen an dieser Dölkergrcnze im Blut unb vererbt sich vorn Vater auf ben Sohn, von Ge. schlecht zu Geschlecht. Der Tiroler sieht in bem Welschen bas Urbilb ber Falschheit und seinen erbitterten Erbfeind, der sich durch die Jahrhunderte als Verräter verhaßt mochte, unsägliches Elend über das schöne Land und seine Bewohner brachte unb h imtückisch auf jede Gelegenheit lauerte, um sich auf ben feindlichen Nachbar zu stürzen und ihm sein Paradies zu entreißen.
Eine Glocke klang durch das stille Tal. Sie wußte nichts von Kampf und Völkerhaß, kannte nur Liebe und verkündete von hoher Warte den Frieden. Eine zweite und dritte erhob ihre eherne Stimme und jubelnd zogen die hehren Klänge durch die klare, maienfrische Luft.
Da erwachte das Dorf aus seinen Träumen und in den Gaffen wurde es lebendig. Aus den Häusern traten die Sergbauern — stämmige, wetterharte Gestalten, und die kraftsttotzrnden Burschen in der alten Tiroler Tracht: hellgrüne Borten auf schwarzem Wams, S Iberknöpfe an der Weste, ben (Bemsbart am Hut. Dann die Frauen j
unb die Mädchen — frische, treuherzige Gesichter unter goldumschnürtem Hut. Sie gehen zur Kirche, denn heute ist der Ehentag der Madonna. Darum ist auch der Marienaltor mit Blumen und weißer Seide geschmückt, zahlreiche Kerzen brennen zu Ehren ber reinen Magb, ber „Mutter der vielschönem Minne", unb eine feierliche Prozession, wobei bie Statue der Maienkönigin unter Gesang unb Orgelklang, von Weihrauchwolken umwolkt, von ben Jungfrauen des Dorfes durch die Kirche getra- gen wird, soll dem schönen Feste die Krone aufsetzen. Wenn aber ber Königin bes Himmels genügenb Ehre erwiesen ist, soll auch die Erde ihren Segen erhalten — bann zieht die ganze Dorsbevölkerung mit dem Priester an der Spitze hinaus bi die Berge, roo nach altem frommen Brauch dir Almweihe ftattfinbet.
Das ist ein bedeutungsvolles Ereignis im Leben des Bauernvolkes, eine Art Heimatfest in ben Bergen, ge- weiht burch ben Segen bess Priesters. Keiner will bei btefer erhabenen Zeremonie fehlen, und wer es wag.n wollte, sich der Teilnahme cm diesem altehrwürdigen Brauche zu entziehen, würde den Zorn des Volkes herausfordern und für ein Jahr geächtet sein.
Selbst der rundliche, allzubegucme Wirt zur „Alpenrose" fügte sich ihm, trat mit feiner noch rundlicheren Ehehälfte aus dem breit und behaglich hingelagerten Gasthause und schickte sich zum Kirchgang an. Aber es eilte ihm nicht allzusehr. Er blieb vor dem Eingang stehen, beäugte wohlgefällig das frifchgemalte Wirtschaftsschild, auf dem sein Name Anton Samer in Goldbuchstaben prangte, und schaute die Sttaße hinaus und hinab, ob nicht einer bes Weges käme, mit bem sich ein wenig plauschen ließe.
Sein Wunsch wurde erfüllt; von der Schmiede her kam M chael Pallanta festen Schrittes, eine Hünengestalt mit prachtvollem Blondbart und Augen so leuch- tend wie klarer Stahl. Die Daumen in den Hos-ngurt eingehängt, kam er breitspurig einher, nf t seinen dreißig Jahren schon ein ganzer Mann, der weh, was er wert unb. was er dem Leben schuldig ist.
„Schau, da ist er ja, unter Eisenwurm", sagte der Wirt zu seiner Gattin. „Grüß Dich Gott M chaelt Wollen wir nicht erst die Zunge anfeuchten, ehe mir in j
Roch schöner wäre es freilich, wenn aus parteipolitischem Gebiete noch vor der Konferenz ein positiver Beweis der Einigung hervorgelreten wäre. Müßte es nicht einen erbaulichen Eindruck im Inland und einen heilsamen Eindruck aus die Gegner machen, wenn die Riehrheitssoziaiisten glatt erklärten: Wir treten in die Reichskoalition ein und wollen mit der Derttschen Volkspartei Zusammenarbeiten! — und wenn zugleich die Deutsche Linkspartei ebenso glatt sich zuw Eintritt in die preußische Koalition meldete?
Aber die programmatischen Kreideslriche und die persönlichen Vorurteile lassen sich leider nicht so schnell überwinden. Wenn die Frage der Gleichartigkeit der beiden Koalitionen vor London nicht mehr gelost werden kann, so sollte man sie zum mindesten ruhen htjjen, bis die Entscheidung über Deutschlands Zutunfl gefallen ist. Die Erörterung der allen und neuen partei- poiitischen Gegensätze fuhrt immer wieder zu Streit und Verstimmung wegen Dingen, die im Vergleich mit den schwebenden Schicksalsfragen doch minderwertig: erscheinen und keine besondere Dringlichkeit beanspru, chen können.
Unsere Vertreter, die sich zum schweren Gang nach London anschickcn, müssen die Gewißheit mitnehmen, daß die demsche Heimat ruhig und fest bleibt, geschlossen und entschlossen bis zum äußersten. Also gilt für alle guten Deutschen die Parole: Burgfrieden bis» auf weiteres!
Die letzten Beratungen.
Der Ausschuß der deutschen Sachverständigen sür London hat Donnerstag den Text des Sach- verständtgen-G u t a ch t e n s endgültig formuliert. Am Donnerstag nachmittag beschäftigte sich das Reichskabinett mit dsm> Gutachten und den deutschen Gegenvorschlägen. Am selben Tage sprach Neichsmmist. Dr. Simons vor dem Reichswirtschaftsrat über diese Frage. Freitag findet die abschließende Vollsitzung der Sachverständigen statt. Samstag finden Besprechungen mit den Parteiführern des, Reichstags und zuletzt auch eine mit dem Reichsrat über diese Frage statt.
Die deutsche Delegation wird von Minister Dr. S i- m o n s geführt werden, andere Reichsminister werden der Delegation, wie schon jr.itgrtcilt, nicht angehören. Als Hauptdelegierte und Lachresierenten gehören der Delegation ferner an die Staatssekretäre Bergmann und Schröder vom Reichsfinanzministerium, Lewaldi vom Reichsministerium des Innern, Le Suire vom Reichswirtschaftsministrrium, General v. Seeckt und die Ministerialdirektoren im Auswärtigen Amt Goep- pert und o. Simson, außerdem 25 Referenten der einzelnen Reichsministerien. Preußen ist in der Delegation durch Geheimrat Felliikger (Handelsministerium), Bayern durch den Staatsrat von Meinet vertreten, den Leiter der bayerischen Zentrale für Industrie u. Handel.
Zu diesen Delegierten, die am Sonntag im Sonderzug abreisen, kommt noch das Büro (Kanzleibeamte, Maschiner.schreiberinnen, Telegraphisten usw.) in Stärke von etwa 3>1 Personen. Bei der Zusammensetzung der Deleg«lion war man von dem Bestreben geleitä, aus finanziellen Gründen dir Zahl möglichst gering zu hallen.
Aus Oberschlesicn.
Um einen po.ittschen Mörder zu schützen.
Vor dem Schwurgericht in Beuthen sollte gestern, der Prozeß gegen den Schlosser Wlyiczik, einen der! dar Piölber des Begründers der Zeitung äSolaj iJubu, T hoph i l Kupka, beginnen. Am 22. Februar Uetz öer oberste Juhizbeamie der Juterallilerlen Kommission in Oppeln den Beuthener Obelstaais- amvolt mit den Prozeßakten zu sich rufen und eröffnete ihm, daß die Akten erst geprüft werden müßten, da der Verdacht bestünde, daß die deutsche Justiz den Prozeß potilisch ausnützen werde. Es müsse erst dies Entscheidung des Generals Le Rond abgewartet wer-
bie Kirche unb zum Beten geh'n? Weißt, das Beleg macht halt so viel Durst."
„Reb nit allweil vom Trinken", giftete sich seine Gcrtin unb gab ihm einen sanften Rippenstoß.
„3a mein", erwiberte Samer, „von was soll ich näher reden? Seber reb't am liebsten von feinem Beruft — unb ber rneinig' ist nun amal im Evangeli verbrieft; bie Durstigen tränten. Das ist eine von ben acht Seligkeiten."
„Geh, ist ja nit wahr."
Der Wirt machte pfiffige Aeuglein. „Nit, . . . Dan» ist's eben a anbere Samarttenwerk, aber in der Bibel) steht's, barauf schwör i an Gib. Und darum kommen alle Wirte fchon deswegen in Himmel, roeil's bei jeüem Trunk, ben f bergeben, a gut’s Werk tun —"
„Unb wenn sie den Wein wässern — ist bös auch! a guat’s Werk?" fragte M.chael Pallanta lachenb, wobei seine starken, weißen Zahne zwischen seinen rote.» Lippen aufblitzten.
„Dös gibt’s bei mir nit“, versetzte Samer unb nickte bem jungen Meister wohlgefällig zu. „Rein wie Gottes Wort ist ber Wein in ber Alpenros. Wie ift's, nimmst a Viertel Roten?"
„Hab nix dagegen", erwiderte Michael, „nur muß es rasch g'schehn, sonst fährt mein Vater dazwischen — unb bann gibt’s a Donnerwetter am heutig.n Sonntag.“ .
Samer ließ bie kleinen, fünfen Aeuglein gagauf unb gafjab laufen unb sagte berutjigenb: „3a, der Richter ist a strenger Mann, mit bem ist nit zu spafsen. Aber, er ist nit um ben Weg — darum rasch a Viertel.“ .
Er trommelte mit ben Fingern an bas Fenster unb'. rief in bie Stube: „Gina — Gina, wo um’s Himmels- roillen steckst beim? . . . Schnell a Viertel für ben Herzallerliebsten — unb oans für Dein’ Vater. Wir müssen uns stärken zur Almfahrt."
Drinnen ertönte ein helles Sachen unb eine wohl- (nutenbe St rome erwiberte: „3st recht, Vater. — 3 komm schon."
Der Samer rieb sich schmunzelnd bie Hände uno neigte sich vertraulich zu dem Schmied: „Wenn bie Gina, mein Herzblattel, ben Wein für Dch holt, barift. sicher sein, daß sie vom besten nimmt" (Forts, folgt)