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Nr. 43.

tierantroortlid) für den nüauionellen Teil: KarI Schütte. » für bk Änzeigen: I. Parze« ler-Fulda. u Rorationsbruä u. 33erlag her Fuldaer Actienbnrckerei in Fulda ernipi edier Nr. 9. Ietegr.-2lbref|e: Fuldaer Rettung

Dienstag, 22. Februar 1921»

Bezugspreis: Monatlich Z,0ü M. ohne Zustellgebühr. JnFmda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKieinzeile Coionetmab) 60 pfg u. 10°i»Zuschlag, die Reklamezeile (Xepbreite) 1.80 Btt., u. 10% Zufchlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Der Wahlausfall in Preutzerr.

Bis Montag abend 11 Uhr lagen aus 19 von f2 Wahlkreisen die Ergebnisse vor. Danach können bisher 327 Abgeordnete als gewählt gelten. Diese vertetlen sich auf die einzelnen Parteien folgender» Maßen:

Deutschnationale . .... 57 bisher 50,

Deutsche Volkspartei .... 46 21,

Zentrumspartei......67 88,

Demokraten.......17 65,

Mehrhertssozialisten .... 95 145,

Unabhängrge ......20 24,

Kommunisten......23 0,

Wirtschaftspartei.....2 1.

Dieie Uebersicht hat sich ergeben aus den Wahlen nach den Kreisvorschlägen und aus der Berechnung der Reststimmen und oen Berbinüungserklärungen. Es fehlen noch die Resultate aus den Wahlkreisen 15 (Osthannover), 20 (Köln-Aachen) und 21 (Kob- lenz-Trier). Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, ist es möglich, auch die auf die Landesvorschläge entfallenden Abgeordneten zu berechnen.

*

Auch heute ist das Wcchlbild noch nicht klar, aber es verstärkt sich der gestrige Eindruck, daß die U n a b - hängigen eine schwere Niederlage erlitten haben. Im Vergleich zu der letzten Reichstagswahl im Juni 1920 haben sie große Verluste zu beklagen. Ihre Wähler sind zum großen Test zu der Mehrheits­sozialdemokratie übergegangen, ein kleinerer Teil auch zu den Kommunisten. Die oben zum Vergleich beige- 'fügten Zahlen geben den Besitz cm Mandaten in der schon anfang 1919 gewählten Pr. Landesoersammlung). Andererseits haben die Deutschnationalen ihre Stimmenzahl auf Kosten der Deutschen Volkspartei er- yeblich vermehrt.

Don den beiden oppositionellen Flügeln ist also der eine verstärkt, der andere geschwächt worden. Das hebt sich insofern gegenseitig auf, als die zur positiven Arbeit befähigten Parteien in ihrer Gesamtheit keine Einbuße erleiden. Es fragt sich mm, ob und wie das Zusam­menarbeiten dieser Parteien zu ordnen und zu sichern ist.

Zunächst ist durch die Niederlage der Linksradika­len die Gefahr einer rein sozialistischen Mehr­heitabgewendet. Die Mehrheit der sogenann­ten bürgerlichen Parteien bleibt bestehen; d. h. es kann von einer einseitigen Parteiherrschaft keine Rode sein, weder im Reich noch in Preußen. Die bei­den Regierungen müssen nach wie vor aus der Koa- ilition hervorgehen.

Die Koalition war bisher im Reiche und in Preu­ßen nicht gleichmäßig. An der Regierung in Preußen nahmen die Mehrheitssozialisten teil, sogar in führender Stellung. Im Reiche aber hatten sich die Mehrheits­sozialisten seit den Wahlen vom vorigen Juni abseits gestellt, sie waren nicht gerade in den Schmollwinkel gegangen, aber doch auf die weniger verantwortliche Stellung derwohlwollenden Neutralität" zurückge­gangen. Die Uebereinstimmung beider Koalitionen ist natürlich sehr wünschenswert; namentlich auch mit Rück­sicht aus die Einheitsfront in der hochpolitischen Krisis der Gegenwart. Zu dem Zwecke müßten die Mehr- .heitssozialisten entweder in die Reichskoalition wieder eintreten oder aus der preußischen Koalition sich aus- schaltm in ähnlicher Weise, wie es vor 8 Monaten im Reiche geschah. Der erste Weg scheint uns nicht aus­sichtsreich, es bliebe also zu erwägen, ob die parlamen­tarischen und ministeriellen Verhältnisse in Preußen im Sinne der Reichstags-Koalition sich umgestalten ließen. Also durch Eintritt der deutschen Volkspartei unter dem notwendigen Verzicht von feiten der Mchr- heitssozialisten.

Angesichts der bürgerlichen Mehrheit des Wahler- gebnifses könnte vielleicht die Erweiterung der Koalition nach rechts, d. h. durch den Eintritt der

Deutschnationalen wieder angestrebt werden. Das wäre ober ein sehr gewagtes Experiment. Abgesehen von allen anderen Erwägungen, die sich aus der extre­men Richtung eines Flügels der deutschnationalen Par­tei ergeben, muß man gegenwärtig in Betracht ziehen, welchen Eindruck die Beteiligung dieser Partei an der Regierung auf das Ausland machen und wie sie die bevorstehenden Verhandlungen in London beeinflussen würden. Man muß sich schon darauf gefaßt halten, daß das bloße Anwachsen der deutschnationalen Partei von den Franzosen und deren Gesinnungsgenossen in England als ein Anzeichen von deutscher Kriegslust hingestellt und daraus dieNotwendigkeit" von weiterer Entwaffnung und wirtschaftlicher Aussaugung herge­leitet wird. Menn wir zu einer erträglichen Verstän­digung in London kommen wollen, so müssen wir nach Möglichkeit alles vermeiden, was bei den Gegner neues Mißtrauen oder Uebelwvllen erregen könnte. Das müssen auch die patriotisch denkenden Anhänger der deutsch-nationalen Partei einsehen, da gegenwärtig mehr als jemals zuvor der Leüsatz gilt: dem Vater­lande muh alles geopfert werden, auch die Interessen der Partei.

Glücklicherweise hat das Z e n t r u m sich im Wahl­kampf ruhmvoll behauptet. Es bildet nach wie vor den Mittelpunkt und den Kern der praktischen Politik, mid wie im vorigen Sommer der Zentrums­führer Trimbom das Ergebnis der Reichstagswahl zur Bildung einer rüchtigen Regierung auszuwerten ver­mochte, so hoffen wir auch jetzt auf eine gedeihliche Lösung und sogar oüf eine schnelle Lösung.

3m Wahlkreise Hessen-Nassau

wurden bisher gezählt: DN 144 058, DD 148 722, Z 126 701, D 81881, S 307 244, U 37 236, K 42 818, Wirtschastsp. 7768. (Es fehlen noch 9 Land­kreise.)

Als gewählt können schon jetzt gelten: Zen­trum: Dr. Stemmler, Rhiel, Schmitt (Molsberg); Demokraten: Goll, Kimpel; Deutsch-Naüonale: Rit­ter, Christian, Werner; Deutsche Volkspartei: Kalle, Seifert, Schwarzhaupt; Sozialisten: haufchildt, Wit- tich. Ege, haese, Grzesinski, Weber, Schreiber; Un­abhängige: hüttmann; Komm.: Schubert.

Aus dem Kreise Fulda.

Kreis Fulda (amtliches Gesamtergebnis). Land­tag: Zentrum 24 769 (1920: 23 790), Mchrh.-Soz. 4024 (1756), U. S. P. 1180 (4359), Deutfchnationale 1142 (1208), Deuttfche Vottsp. 886 (1242), Demokr. 797 (1131), Wirtschaftspartei 371 (0), Kommunisten 248 (36). Provinziallandtag: Z 24 619, S 4192, Hess. Arbeitsgem. 1986, U. S. P. 1164, Demokr. 913. Kreistag: Z 24 620, S 4192, Hess. Arbeitsgem. 1976, U. S. P. 1164, Demokr. 924.

Dcwon entfallen auf die Stadt Fulda Land­tag: Z 6708 (1920: 6500), S 2355 (1174), DN 896 (781), D 668 (847), U 618 (2034), DW 710 (686), DW 348, K 26 (18). Provinz: Z 6693, S 2476, Heff. Arb. 1599, D 725, U 612. Kreis: Z 6692, S 2476, HA 1589, D 736, U 612.

Auf die Landgemeinden des Kreises: Land­tag: 3 18 061 (17 290), S 1669 (582), DN 246 (781), U 562 (2325), DD 176 (686), D 129 (284), DW 23, K 222 (18). Provinz: Z 17926, S 1716, U 552, Hess. Arb. 387, D 188. Kreis: Z 17 928, S 1716, U 552, HA 387, D 188.

Aus dem Kreise Gersfeld.

Dietges. Landt.: Z 76, S 1, II 1. Prov. und I Kreis: Z 73.

Rommers (Kr. Gersfell)). W 89. Landt.: Z 1, TV 72, S 7, U 3. Prov. u. Kr.: Z 72, S 7, U 3.

Rodenbach. W 138. Landt.: M8 95, S 2, ll 17. Prov. u. Kr.: Z 94, S 2, U 18.

Reulbach. Landt.: Z 222, DD 1. Prov.: Z 223. Kreis: Vereinigte Liste 223.

Aus dem Kreise Hünfeld.

Kreis Hünfeld. Es wurden abgegeben (ohne Stimmbezirk Obernüst) im Kreise Hünfeld (Stadt und Land): Landtag: Z 7719 (1920: 7657), DN 1528 (1485), DV 599 (625), D 272 (239), S 1165 (1479), U 263 (423). Bemerkenswerter Rückgang der sozialistischen Stimmen! Provinz: Z 8578, HA 928, S 1248, U 241. Kreis: Z 5753, S 1113, U 225, Kriegsb. 1010, Beamte 596, Bauern 617, Weber-Rasdorf 300, Altstadt 1816. Für den Kreistag find gewählt: 10 Zentrumskandidaten, 3 Kandidaten Altstadt-Burghaun, 2 Kriegsbeschädigte (Hüttner Quell-Mackenzell, Lehrer Neuber-Großen- moor), Sozialdemokraten 2, Bauern: Bohn-Rasdorf, Büraermeister Weber-Rasdorf, Beamte Ney-Hünfeld.

haselstein. W 151. Landt.: 124, DN 3, DV 3, S 1, U 2. Prov.: Z 120, HA 3, U 2. Kreis: Z 84, KB 25, B 8, 11 1, ungültig 5.

reibol; b. Eiterfeld. W 201. Landt.: Z 130, DB 4, <5'19, U 5. Prov.: Z 112, S 19, U 4. Kreis: Z 77, S 19, U 4.

Obernüst. Lodnt.: Z 120, DN 10, DV 3.Prov.: Z 120, HA 12. Kr.: Z 120, Altstadt 9.

Aus dem Kreise Schlüchtern.

Romsthal. Landt.: Z 158, D 8, DN 14, S 19, Kl. Prov.: Z 132, D 8, S 18, Arb.-G. 42. < Kr.: Z 130, DN 8, S 18, Arb.-G 42.

Slsrbfritz. Landt.: Z 4, D 30, DN 235, DV 27, S 215, U 11. Prov. u. Kr.: Z 4, D 30, S 219, HA 257.

Ans dem kreise Gelnhausen:

Altenmittlau. W 490. Z 449, DV 4, S 1, K 14. Horbach. Landt.: Z 237, DN 7, S 3, K 18.

Mernes. Landt.: Z 239, S 47, D 3, DN 3, ung. 9. Prov.: Z 226, S 42, D 3, nng. 33. Kreis: Z 220, S 39, D 3, Handel u. Gew. 29, ung. 7.

Somborn. Land!.: Z 1006, D 47, DV 10, S 90, Ul,® 62.

Aus der Provinz.

Rotenburg (Stadt). S 747, Z 67, U 20, K 35, D 255, DN 242, DV 458.

Kreis Rotenburg. S 6111, Z 110, U 68, K 206, D 1530, DN 2517, DV 3490.

Kreis Wolshagen. DN 3393, DV 1424, Z 1275, D 289, S 4386, U 9, K 89.

Fritzlar. Landt.: Z 992, D 114, DV 117, DN 174, S 253, K 82. Prov.: Z 959, HA 359, S 295, K 85. Kreis: Z 959, HA 369, S 293, K 85.

Kreis Marburg. D 3033, S 4790, DN 8353, DD 5839, Z 1296, ll 1431, K 506, Wirtfchastsoartei 535, Christi. Dp. 85.

Angedlmken. Z 140, DN 10, S 17, D 2, DV 3, ungült^ 3.

Schröck (Kr. Marburg). Landt.: Z 349, DV 2, »1,111,61, ung. 6. Prov.: Z 336, D 2, U 2, S 1, ung. 1, HA 15. Kreis: Z 335, D 3, U 2, S 2, ung. 2, HA 16. Mit Ausnahme der Kranken und der nach Westfalen gezogenen Arbeiter haben sämtliche Wähler ihrer Wahlpflicht genügt. Innigen Dank den Zentrumswählern, die treu zur Fahne ge­halten falben, so daß wir gegen die vorige Wahl einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Don allen Seiten suchte man die Wähler vom Zentrum loszu­reißen. Hier tat sich besonders die Hess. Arbestsge- meinschaft hewor, die es darauf abgesehen hatte, Un­einigkeit in die Reihen der Zentrumsleute, besonders der Landwirte zu säen. Daß es chnen nicht gsstmgen ist, zeugt davon, daß unsere Wähler keine Waschlappen sind, sondern, daß sowohl Männer und Frauen durch­drungen find von den hohen Zielen der Zentrums­partei und daß Parteidisziplin in chnen steckt. Hut ab vor Euch, Ihr töpfern treuen Zentrumswähler.

Kreis Frankenberg. DN 365, DV 2020, Z 70, D 1367, S 2240, U 592.

Falscher Wert

Roman von H. Abt.

86) -----------

Lützenkirchen starrt seine Frau an. Ohne sich klare Rechenschaft darüber zu geben, hat er es doch schon ge­wahrt, daß sie verändert ist. Aber wie verändert! Halb kinderhaft in ihrer schüchternen, sanften Weichheit hat ** sie verlassen, sie in der Erinnerung getragen und faer vor ihm jetzt ein Weib, stolz und frei in selbst­bewußter Kraft. Er saßt die Wandlung kaum. Wie sst sie geschehen . . . wodurch . . . westen Hand hat m das weiche Wachs ihrer Seele die feste Form ge­drückt? Westen Hand?"

Austpringend hat er feine eigene auf ihre Schulter gelegt.

Wann kam dieser . . . Freund zu Dir?"

8ibt nicht sofort Antwort, blickt ihn nur an, als suche auch fie in ihm, dem Veränderten, jenen, den sie einst gekannt ... zu kennen geglaubt. Dann sagt sie langsam:

. gleichen Tage, als ich den Brief erhielt, der «Mir sagte, daß Du fortgegangen seiest."

unb da hast Du ihn um seine Hilfe gebeten?"

Sie nickt nur, und er fährt fort:Und er war gleich bereit dazu ... Dir zuliebe?"

Er war gleich bereit dazu . . ." wiederholte sie seine Worte und sieht ihn immer nur an mit einem eigentümlichen Jucken im Blick.

Und Du . . . er hält ihre Hand gepackt, hält sie in der seinen als wolle er sie zerbrechen.Du zahlst's nun mit Dankbarkeit zurück und hast ihn gleichfalls lieb."

Reglos läßt sie ihre Hand in dem packenden Griff der feinen, und stolz und fest sagt sie:Ja, ich habe ihn lieb."

Gertrud!" . . . Ms habe er einen Schlag vor die Brust empfangen, so ist er von ihr zurückgewichen. Und dann schrillt sein Lachen auf.

Warum auch nicht. . . wenn sich doch eine nichts Schlimmes dabei denkt . . . wieder nichts Schlimmes . . . was sie auch tut . Und nun weiß id)s ja wohl, was mir noch nicht völlig klar gewesen war . . .!"

Nein, Du weißt noch nicht alles . . ."

Hell wie eine Glocke klingt Gertruds Stimme und hocherhobenen Hauptes steht sie ihrem Manne gegen­über.Du weißt es nicht, daß ich von Anton Weib­rechts Güte erst dann die Hilfe annahrn, die ich zuvor abgelehnt hatte, als durch das Wiedersehen mit meiner Mutter mir offenbar geworden war, welche Schuld sie Dir gegenüber begangen hatte. Eine Schuld, von der ich völlig frei mar, zu deren Sühne aber ich mir das Recht zuerkannte, so zu handeln, wie ich es getan."

Eine Schuld, von der ich völlig frei war . . ." Die Worte klingen in ihm gleich Hammerschlägen nach. Wie ein Stammeln kommt es von feinen Sippen:

Gertrud, Du ... Du hättest von nichts gewußt . . . von nichts . . ."

Ich wußte van nichts anberm, als daß ich Dich liebte, und an Deine Liebe glaubte. So wurde ich Dein. Und meine Seele lag offen vor Dir in Wahr­heit."

Er stöhnte auf. Er wehrt sich dagegen . . . will ihr nicht glauben, nicht ganz ... es wäre zu viel, zu Unverzeihliches, was er ihr angetan hat.

Du hast es selber . . . Deine eignen Worte mußten mich glauben lassen . . ."

Meine Worte Dein Unglauben hat ihnen die Deutung gegeben, und Dein Unglauben war stärker als Deine Liebe, die hätte kommen müssen und mit klaren Worten die Wahrheit fordern, wo ihr ein Zweifel kam."

Und Du selber" ruft er fast schreiendwenn Du es anders wußtest, warum hast Du nicht selbst ge­sprochen, Dich nicht verteidigt?"

Verteidigt?" Ein bitteres Lächeln fpielt um ihre Lippen.Ich wußte ja gar nicht, wessen Du mich am klagtest. Und ich fühlte mich schuldig vor Dir . . . denn ich war arm zu Dir gekommen, unb ich sah es, Dein Besitz hätte eine reiche Frau gebraucht."

Oertrub!" Er macht eine Bewegung, als wolle er zu ihr stürzen, vielleicht zu ihren Fußen nieder sie bewegt abwehrend den Kops.

Das ist es nicht das hat mir bitter weh getan, aber ich sah es, wie Dein Besitz Dir ans Herz gewach­sen war, wie Du littest, als es ihn zu verlieren galt, unb ich konnte es begreifen unb verzeihen, wie barüber |

Dein Herz gegen mich erkaltete. Verziehen habe ich es Dir auch, daß Du glauben konntest, ich hätte teilge­habt an betn verübten falschen Spiel, hätte mit Trug unb Lüge Dich mir gewonnen. Doch dieses heute daß es Dir möglich schien, ich könne die fein, der solche Sprache, solches Mihttauen gebührte ... ich grolle Dir nicht deshalb, Franz, aber Deine Wiederkehr hat mich arm gemacht, tausendfach ärmer, als ich es an dem Tage gewesen, da ich mich von Dir verlassen sah. Da glaubte ich noch, daß ich noch einfttal Deine Liebe be­sessen, heute hast Du diesen Glauben zerbrochen. Denn Du hast mich ja niemals, niemals gekannt.."

Stillen Tones hat sie es gesprochen, und still will sie an ihm vorüber aus dem Zimmer schreiten. Da stürzt er ihr nach, die Arme in abbittender Reue ihr entgegenftretfenb:Vergib mir Gertrud. Ich habe Dir schweres Unrecht getan, doch ich will es Dir gutmachen von heute an."

Sie nickte langsam vor sich hin.Ja, es beginnt wohl ein Neues von heute an. Wir werden uns beide erst hineingewöhnen müssen . . . jedes für sich."

Seine Arme hakten fie nicht zurück, als sie leise die Zimmertür öffnet unb wieder hinter sich schließt.

22.

Der Heimgekehrte stand allein. Heimgekehrt? . . . Das fein Heim . . . Franz Lützenkirchen blickte sich rings um im Zimmer, das selbst im allerkle-nsien keine Veränderung erfahren hatte, unb doch, wie dünkte es ihm fremd.

Er näherte sich dem Fenster und blickte, von den Gardinen gedeckt, hinab auf den Hof. Gerade gegen­über standen die noch nicht abgeladenen Erntewagen. Die körnerschweren Halme schienen herüberzuwinken, ihm die Heimkehr zu segnen. Und weiter ringsum, wohin fein Auge traf, Ordnung, Gefestigtes. Sein (Eigentum . . . fein Besitz . . .

Es schwoll empor in ihm. Nicht Freude, die die Arme breiten möchte . . . etwas Dunkles, Drohendes, das die Fäuste ballte gegen diesen Besitz, der ihm so viel gegolten unb um den er den höheren, den höchsten verspielt - . . verloren

Kreis Kirchhain. S 1620, Z 4680, U 299, K 18, D 552, DN 2186, DB 1110.

Kreis Ziegenhain. DN 5500, DV 1541, Z 69, D 1206, S 2997, U 43, K 133, Wirtschaftp. 18.

Frankfurt. S 75 995, DV 30 071, DN 25 915, 3 23681, D 22 009, U 11 361, K 10 166, DW 4737.

* Berlin. Nach dem vorläusigen amtlichen Er­gebnis für den Wahlkreis Berlin 2 ist der bereiis als gewählt gemeidele Zentrumsabg. Prof. St- Faßbender nicht gewählt worden.

Die Ncichstagsnachwahlen.

Auf Grund der bei den Reichstagswahlen für den Wahlkreis Schleswig-Holstein abgegebenen Stimmen erhallen TN, TV u. D ;e 1, S 2 Mandate.

Aus den Reichstagswahlen in Ostpreußen liegen bisher die Ergebnisse aus 41 von 43 Wahl­bezirken vor. Demnach entfallen auf die TN 4, DV 2, Z 1, S 3, und K 1.

Die Bürgerschaftswahlen tn Bremen und Hamburg, die gleichfalls am Sonntag stallsanben, ergäben in Bremen einen Sieg der Bürgerlichen, in Hamburg hat sich die bisherige sozialdemo- lratisch-demokratffche Mehrheit, wenn auch stark ge- ltchiet, erhalten.

EinheltlicheAbstimmungallerOberschlesier.

Tie Londoner Konferenz Hal beschlossen, daß die oderschlesischen Landeseinwohner und die auswärts wohnenden Abstimmungsberechtigten zu gleicher Zeil abstimmen sollen.

Die einheitliche Abstimmung entspricht dem Friedensvertrag, war aber trotzdem von der Entente zunächst verweigert worden. Jetzt erst sind die be- weisktästlgen Argumente der deutschen Regierung gegen die Trennung der Abstimmung als berechtigt anerkannt worden. Hoffentlich werden nun auch die erforderlichen Maßnaomen getroffen, um die Ab­stimmung gegen Störung und die Abstimmungsbc- rechltgten gegen Bedrohungen zu schützen.

Abstimmung am 20. März.

Nach einer Mitteilung des Londoner Berichter­statters des .Temps' soll die Volksabstimmnngs- tömmiffion als Abstimmungstag den 20. M ärz ober, wenn sich unüberwindliche Schwierigkeiten dem entgegenstellen, ein benachbartes Datum festlegen. Der Oberste Rat hat, sodann Kenntnis davon ge­nommen, baß sich die biitltche Regierung verpftichlet, der Abslimmungskommliston vier Bataillone zur Verfügung zu stellen.

Auf dem Wege zur Entscheidung.

Die Beratungen der deutschen Sachverständigen.

Der Ausschuß der deutschen Sachverständigen zur Ausarbeitung der deutschen Gegenvorschläge hat die letz­ten Tage der vor. Woche und geftem tagsüber verhan­delt. Die Beratungen waren vertraulich u. nahmen, wie bekannt wird, einen interessanten Verlauf. Es sind sehr viel neue Anregungen gegeben und erörtert wor- deli. Der Gesamtausschuß wird heute wieder zusam­mentreten. Auch der inzwischen wieder nach Berlin zurückgekehrte Außenminister Dr. Simons und die übrigen beteiligten Reick^minister werden dann an den Beratungen teilnehmen. Mitte der Woche dürfte sich das Reichskabinett, ferner auch die Fraktionsführer des Reichstags, die Auswärtigen Ausschüsse des Reichs­tags und Reichsrats und auch Vertreter des Reichs- wirtschaftsrats mit den Beschlüssen der Sachverstän­digen beschäftigen. Sie Abreise der deutschen Dele­gierten erfolgt am Sonntag.

Die Dorberellung für die Orieuikonferenz in London sind imterbeffen gleichfalls in vollem Gange Am gestrigen Montag hatten Lloyd George, Briand und Graf Sforza eine vorbereitende Aussprache.

Er hielt die Hände vor die Augen gepreßt und. konnte sich doch nicht decken gegen die brennende, un­barmherzige Helle, die aus dem Innersten ihm empor- lohte. Unb in der Flammenlohe, da stand ein Bild, ein holdes Kindergesicht, zwei blaue Augen, rein wie des Himmels Klarheit, unb denen er doch nicht geglaubt. Da war ein Herz, das ganz fein eigen gewesen und das er gekränkt, bis es sich gewandelt und von ihm gewendet hatte.

Als Gertrud nach einer Weile wieder in bas Zinn mer trat, eine Deckplatte mit' Eßgeschirr in den Händen wagend, stand er da, den Ueberrock wieder an, den Hut in der Hand.

Ich sage Dir Lebewohl, Gertrud. Es war kein gutes Wiedersehen, das wir gehalten. Vielleicht, wenn ich zurückkomme, daß es eine glücklichere Heimkehr ist."

Er sprach ruhig, mit festem Ernst. Sie hat die Deck­platte niedergesetzt, und fragte stockenden Tones:

Du willst fort . . . willst Du nicht zuvor eine kleine Mahlzeit . . ."

Er schüttelte den Kopf.Ich baute Dir. Mir ist's, als könnte ich nicht roieber mit Dir am gleichen Tisch niedersitzen, bis ich es freien Herzens vermag."

Das Blut ward kalt in ihren Adern.

Fortgehen willst Du . . . wieder fort . . .

Um wiederzukommen . . . anders als heute. Ee

ist kein Abschied auf lange. Doch daß ich jetzt gehe, so

gehe > . . glaube mir ... es ist das Rechte für uns

beide."

Ihre Augen forschten in feinem Gesicht, meinten darinnen zu lesen, und sie sagte, näher zu ihm heran- tretenb:

Ich glaube zu wissen, wohin Dein Weg führt. Und Franz, verleide Dir es nicht selbst, Dich wieder Deines Besitzes zu freuen. Du kannst es. Glaube mir, daß Du es kannst. Du würdest unverdiente Kränkung geben, wolltest Du zurückweisen, was so ehrlichen Herzens ge­boten wurde."

^Fortsetzung folgt)