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JVo 42.

Morrtag, 21. Februar 1921.

Huldaer Eieitung

Druck der Fnldaer äteitenbrncfetei in Fnlb«

Der Sion wieder deutsch!

Während des Krieges waren die deutschen Benedik­tiner aus Jerusalem ausgewiesen und nach Heluan in Aegypten in die Verbannung gesandt worden Da­mit nun das Sionskloster nicht vermalst bleibe hatte der cheilige Stuhl angeordnet, daß es von belgischen Bene­diktinern aus der Abtei Maredsous vorübergehend über­nommen werde Ende vorigen Jahres verließen diese auf Weisung des Zeitigen Stuhles Jerusalem, um wie­der deutschen Benediktinern die Verwaltung der Sions- kirche und des Klosters als den vom Heiligen Stuhle bestellten Vertretern des Deutschen Vereins vom Hl. Lande zu übergeben. Unterdes war zwischen der Lei­stung dieses Vereins in Köln und der Vertretung der Beuroner Kongregation des Benediktinerordens Mitte Dezember ein ordnungsmäßiger neuer Vertrag für dreißig Jahre abgeschlossen worden. In demselben ist !ausdrücklich festgelegt, daß Kirche und Kloster der Dor- mitio in Jerusalem Eigentum des Deutschen Ver- ,eins vom Hl. Lande sind und bleiben, ebenso dessen dort befindliches Inventar. Die Benediktiner übernehmen den Gottesdienst und die Pastoration auf dem Berge Sion nach der im Benediktinerorden übli­

chen Weise. Dafür überläßt ihnen der Verein die Ge­bäulichkeiten mit dem Dereinsinventar zur Benutzung rmter besonders vereinbarten Einzelbedingungen.

Damit ist den deutschen Katholiken das von ihnen erbaute und 1910 eingeweihte Heiligtum auf dem Sion endgültig zurückgegeben. P. Maurus Kaufmann O. S. B. aus Beuron hat als Prior die Leitung des Konvents .übernommen. Er war vor dem Kriege Prorektor des griechischen Kollegs in Rom. Außer ihm find z. Zt. noch zwei weitere Patres und zwei Lainbrüder auf dem Sion tätig. Den deutschen Pilgern, die demnächst wie­der zum Hl. Lande reifen werden ist somit eine herz­liche landsmannschaftliche Aufnahme und Unterbrin­gung sowohl durch die deutschen Lazaristen im St. Paulushospiz wie durch die deutschen Benediktiner auf dem Sion gesichert.

In der außerordentlichen Hauptversammlung dgs Deutschen Vereins vom Hl. Lande am 17. Februar in Köln unter dem Vorsitz des Herrn Erzbischofs Dr. Karl Joseph Schulte wurde beschlosien, gelegentlich des im Mai 1922 in Rom ftattfinbenben Eucharistischen Kon­gresses eine große deutsche Pilgerfahrt nach dem Hl. Lande durch den Verein zu veranstalten. Deren Teilnehmern soll dann Gelegenheit geboten werden, auf der Rückreise an dem Kongreß teilzunehmen. In Rück­sicht auf den vom Verbände der Vereine katholi­scher Akademiker für die Tage vom 9. bis 21. Mai nach Rom veranstalleten Pilgerfahrt wird der Ver­ein vom Heil. Lande von dem von ihm geplanten Früh­jahrspilgerzuge abgesehen und dafür einen Herbstpilger­zug im September ober Oktober b. I. nach Rom ver- «nstatten. _____

Die Wahrheit fommt ans Licht.

Gegenüber der heute noch in den Enientestaaten aufrechterhaltenen Behauptung von einer Schuld Deutschlands am Kriege lesen mir in der englischen ZeitschriftForeign Affairs":

Je mehr Memoiren und Bücher man liest, die in den verschiedenen Ländern über dos, was sich vor dem 1. Aug. 1914 zugetragen hat. geschrieben worden sind, desto mehr erkennt man, daß keiner der führenden Män­ner jener Zeit den Krieg tatsächlich ge­wollt hat. Sie glitten gewissermaßen Hinern, oder bester sie taumelten unb stolperten hinein, vielleicht aus Torheit! Ich zweifle jedenfalls nicht daran, daß eine Aus- sprache den Krieg vermieden haben würde." Diese bemer­kenswerten Worte sind nicht von einem Mitglied derVer­einigung demokratischer Kontrolle", sondern von Lloyd George am 23. Dezember 1920 in derEmpire Par» liarnentary Association" gesprochen worden. Sind wir da­mit nicht schön reingefallen, nachdem 7 Jahre hindurch aufrechterhalten worden ist, daß der einzig für den Krieg verantwortliche Teil die deutsche Regierung und vor allem der deutsche Kaiser sei?! Sckön reingefallen sind wir, wenn man sich dessen erinnert, daß der Krieg noch um zwei Jahre verlängert worden ist, nachdem die Mittel­mächte »den Eintritt in Friedensoerhandlungen vorgeschla- gen hasten und zwar aus dem einzigen Grunde, wefl Deutschland allein für den Krieg verantwortlich gewesen sein sollte und beftraft werden müsse. Schön reingefallen such wir, wenn man sich erinnert, daß der Friedensi'er- trag von Versailles, der Europa ruiniert, erwiesenermaßen aufgebaut ist auf der Legende, daß Deutschland ein Ver- brecherftaat fei, der die Kriegsfackel in eine Vereinigung von friedlichen europäischen Staaten geschleudert habe, 'welche er sich durch und nach sorgfältig vorbereitster Der- -schwörung und Ränken zum Opfer ausersehen hatte. Am 4. August 1917 verkündete Lloyd George dem britischen Volke, daß wirbis zur Vernichtung aegen die gesähr- ltthste aller Verschwörungen kämpfen müßten, die jemals in 'so sorgfältiger, geschickter, hinterlisttger, heimlicher Weise, big in die kleinsten Details mit unbarmherziger, zynischer Entschlossenheit gegen die Freiheit der Völker geplant wor- 'ben ist. Nur auf diesem Boden ist der Friede von Ver­sailles zu rechtfertigen." Wenn aber, wie Mr. Lloyd George jetzt vertritt, keines derführenden Länder" Europas den -Krieg wünschte, sondern jeder nur hineingestolvert ist, so

Falscher Werf,

Roman von h. Abt.

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Gertrud blickt ihn an, und in ihren Augen ist es wie ein Gebet, daß diese Stunde ihn befreien möge, von einer Siebe, die ihm nur Leid schuf. Und sie spricht mit tiefem, heiligem Ernst:

Als brüderlicher Freund ... so habe ich Sie lieb und sage ich Ihnen: Auf Wiedersehen!"

Anton Weibrecht hat noch einmal die Hand ergrif- ken, hält sie fest in der seinen und sagt, Blick in Blick E ihr, langsam wie ein Gelübde:Auf Wiedersehen!"

21.

2er Winter ist vergangen. Blühender Frühling >!n85sn>n- still ernstem Gesicht blickte Gertrud in -tr<?iensIan3 hinaus. Gottlob, baß der Winter vor­über ist mit seiner langen toten Einsamkeit und mit ^gemeinten Besuchen teilnahmvoller Nachbarn. Gottlob, daß der Frühling mit dem, was er zu schaffen brachte, bie ^-tt beschränkte und sie nur noch selten die jzrage zu Horen brauchte:Wann kommt er zurück?"

Wann . . .? Kein Wort von ihm, das davon sprach. Und kein Ausdruck der Freude darüber, daß der heimat­liche Besitz iym erhalten geblieben. Nur ein gebiete« rische. Fordern der vollen Klarheit alles Geschehenen, der seine eigne Entscheidung folgen werde.

Und volle Klarlegung alles Geschehenen war ihm geworden. Der Srtef war abgegangen in dem Gertrud ihrem Manne geschrieben, von wem in Wahrheit die Hilfe gekommen war.

Der beste, gütigftc, selbstlos edelste der Menschen ... so Halle sie Anton Weibrecht genannt. Sie hatte nicht viel von ihm erzählt, ihr Zartempfinden hatte sie abgehalten. wortreich zu werden. Doch was er ihr gaü, was sie ihm dankte, das verriet sich auch ohne Worte.

Etwa zwei Monate dauerte es, bis Brief und Aut- wort hin- unb hergegangen waren. Hoflenb, zagend in Sehnsucht unb Pangen begann Gertrud die Wochen abzuzählen. Doch die Frist lief ab, ohne daß sie ihrem Hoffen die Erfüllung brachte. Und von neuem vergingen Tage Wochen und kein Wort, kein einziges Wort von ihm war ihr zugegangen.

ist der Versailler Friede nicht nur eine teuflische Beleidi­gung für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Mr. Lloyd George hat jetzt einen Teil der Wahrheit cnt- schleiert. Diese Offenbarung ist eine große Anklage, nicht nur für den Versailler Frieden, sondern für die ganze Ge­waltpolitik, für die keiner mehr verantwortlich ist, als er selbst".__

Die Sklavenhändler.

Die Derbungen für die Aremdeulegion.

Allen Gesetzen der Kultur unb der Dtenschlichkcit Hohn sprechend ist die sich immer unverschämter in Deutschland breitmachende Agitation und Anwerbung für die französische Fremdenlegion. Unter falschen Vorspiegelungen werden die Söhne deutscher Männer und Frauen verschleppt und mit Gewalt zum Eintreten in die Fremdenlegion gezwungen. Sie sind bestimmt, Frankreichs unruhige Kolonien zu schützen und deren wilde Bewohner niederzukartätschen, um bann selbst von den rachgierigen Eingeborenen meuchlings ermor­det zu werden oder von den Peitschenhieben ihrer fran­zösischen Offiziere im heißen afrikanischen Sand zu verrecken . . .

Schon stets ist das Kapitel von der französischen Fremdenlegion eins der dimkelsten und schaurigsten der Weltgeschichte gewesen. Besonders aber jetzt, wo die Werber immer frecher und rigoroser besonders in Deutschland und den nordischen Staaten ihrem verbre­cherischen Handwerk nachgehen. Wievieleir Müttern hat dieses Gesindel die Kinder geraubt? Wiemelen Arbeitslosen haben sie an Stelle der versprochenen Ar­beit die Freihest gestohlen? Wievielen idealistischen jungen Burschen haben sie für ihr abenteuerliches Blm Schläge und menschenunwürdige Behandlung gegeben? Kaum sind die Fälle zu zählen, die sich nicht nur im besetzten Gebiet, sondern auch in Berlin, Dresden, Bres­lau und den anderen deutschen Städten und sogar auf dem Lande ereignen.

Ein gutgekleideter, durchaus harmlos ausfehender Mann spricht in gutem Deutsch einen jungen Deutschen an. der ihm arbeitslos, notleidend oder abenteuerifch erscheint. Das Gespräch kommt in Gang, der Fremde zahlt für den Deutschen die Zeckte, gibt ihm Geld, ver­spricht ihm eine gutbezahlte Stellung und lockt ihn zum Bahnhof. Dann geht es nach Metz ober Mainz in die Fremdenlegion! Hier gibt es fein Entrinne», der Fremde entpuppt sich als Werber und der junge Deutsche muß Fremdenlegionär werden. Nur ganz selten gelingt es, aus der Kafernenhölle, in der die Verpflegung schlecht und die Behandlung grausam ist, zu entrinnen. Von der Kaserne geht der Transport nach Südfrankreich und von da zumeist nach Nordafrika, wo die Behandlung noch schlechter wird, von der Ver­pflegung gar nicht zu reden, unb das heiße, ungesunde Klima die Kräfte der jungen Leute zermürbt. An ein Fortkommen oder Fliehen ist hier nicht mehr zu denkem Die einzige Erlösung und darum ost begierig herbeigemünscht, ist der Tod!

Immer wieder kommen Berichte aus allen deut­schen Gegenden von der Verschleppung deutscher Jüng­linge und hin und wieder bringt ein Brief Kunde von den Qualen, die die armen Legionäre ausstehen. So wie die deutschen Frauen einmütig gegen die schwarze Schande protestiert haben, so auch muß das ganze deutsche Volk, die ganze Kulturwest zum Protest gegen bic Schande der französischen Fremdenlegion, gegen dieses Vorgehen der übermütigen unb haßerfüllten Franzosen ihre warnende unb verbietende Stimme er­heben! Achtung und Freiheit jedem, der Menschen­antlitz trägt! Nieder mit der Schmach des 20. Jahr­hunderts!

Die Beamte» nach ihrer Verheiratung.

Alle Ausnahmebestimmungen gegen weibliche Be- omte hat die Reichsverfassung beseitig. Auch Beam­tinnen müssen nickt mehr mit ihrer Verheiratung aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden. Für die sich dar­aus ergebenden Widersprüche der Pflichten haben die Reichsverwalllmgen nach Verhandlungen mit den Lan­desregierungen und mit Frauenverbänden Grundsätze aufgestellt, die von der Reichsregierung genehmigt wor­den sind. Alle entgegenstehenden Gesetze, Verordnun­gen, Verfügungen, Anstellungsbedingungen usw. sind alsbald aufzuheben. Das Reich verzichtet gegenüber dem Rechte des Ehemannes, den Wohnort seiner Frau zu bestimmen, nicht auf bas Recht, den Dienstort der verheirateten Beamtin anzuweisen. Es soll aber auf die Wünsche der neri>eirate1en Beamtin Rücksicht genom­men werden, indem sie auf Wunsch an den Wohnort ihres Ehemannes versetzt wird. Die verheiratete Be- amtin ist zur Annahme eier Dienstwohnung verpflich-

Draußen auf den Feldern war die Ernte gereift, hatte der Schnitt begonnen.

»Ein gutes Jahr," hatte stolz der Inspektor gesagt Ein paar solche noch, unb der alte Schaden ist wett- gemacht."

Sie hatten die erste Einfuhr hereingebracht. Hoch- beladen standen die Erntewagen auf dem Hof vor der offenen Scheune, des Abladens gewärtig. Knechte und Mägde saßen beim Mittagsmahl. Still unb leer lag der Hof da in der Flimmerglut der Julisonne.

Still und leer der Hof. Und keiner hatte den ge­wahrt, der hereingeschritten war, ein paar Sekunden den Schritt hemmte und den Blick ringsum sandte, über die neuen, stattlichen Gebäude, über den hochgetürmten Erntesegen und dann weiter geeilt war zum Gutshause hinüber, zur Tür hinein . . . hinein!

Die Stunde der Mittagsruhe ... Mit halbgeschlosie- neu Augen saß Gertrud im Sessel zurückgelehnt. Auch sie hatte sich's verdient, eine kurze Rast zu halten, hatte sie doch gleich den Leuten von frühem Morgen an wa­cker geschafft. Müde wie die schlaffen Glieder lagen die Gedanken in ihr, und stumpf hatte ihr Ohr zunächst des kräftigen Schrittes nicht acht, der draußen im Trev- penflur laut ward. Plötzlich aber, noch immer bas Haupt zurückgelehnt, waren ihre Augen weit aufgerificn . . . und bann ein Aufschrei in Unglauben und Scl>a- keit ...

Du . . Du . . Franz! . . Du!"

Franz Lützenkirchen hält sein Weib in den Armen. Hat sie an sich gerissen und küßt sie stumm, in wilder Heftigkeit.

Sekunden Ewigkeiten, in dem» es in ihr jubelt und jauchzt: Er ist zurückgekehrt. Er liebt Dich! Du hast ihn wieder!

Seine Arme haben sich endlich von ihr gelöst, er keht ihr gegenüber, spricht zu ihr:

Du hast mich nicht zurückerwartet?"

Sein erstes Wort, sein Willkommen. Es kommt ihr nicht zum Empfinden, wie dunkel, wie verhalten feine Stimme klingt, wie in seinen Augen etwas aufflackert, was kein FrPidenstrabl ist. Noch denkt sie nichts weiter, als daß er ba ist. Und so ru*t sie's, jauch tzt ie's ihm zu:

Gott fei tausendmal Dank, Franz, daß Du wieder hier bist. Nun bist Du wieder Herr auf Deinem Besitz." j

tet. Sie hat aber grundsätzlich das Recht, Ehemann und Kinder darin aufzunehmen. Sofern es nicht aus sachlichen Gründen geboten ist, daß eine verheira­tete Beamtin die Dienstwohnung bewohnt, hat sie das Reckt ,auf die Dienstwohnung zu verzichten. Einoehendc Bestimmungen sind auch für Diensterleichterungen bei der Niederftmft getroffen. Zum mindesten darf die verheiratete Beamtin zwei Wochen vor und vier Wo­chen nach der Niederkunft dienstlich nicht beschäftigt werden.

aus dem n^daraevier.

spb. Frankfurt a. M. Ocr Professor an der Han­delshochschule Berlin, Dr. Hel lau er hat einen Ruf an die Wirtschafts- und Sozialwissensckaftliche Fakultät als Vertreter der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere des Welthandels, zum, 1. April b. 3. angenommen. Das Sommerhalbjahr 1921 läuft vom 15. April bis 15. Slugust. Für bas Sommerhalbjahr haben 224 Dozen­ten Vorlesunaen angekündigt, borimter 80 Prioatdozen- ten. Die Dozenten der Universitäc aeben vom April abStudienführer" heraus, die den Studierenden zei­gen sollen, wie sie die einzelnen Wissenschaften mit Er­folg studieren sollen. Zunächst erscheinen Führer über Rechtswissenschaft, Medizin, Geschichtswissenschaft,Sprach­wissenschaft und Chemie.

Aus Geisa uuv Umgebung.

-- Dermbach. Nach Zeitunzsmeldungen hat die Gebietsregierung einstimmig den Staatsrat Hoer- schelniann zum Bezirksdirektor in Dermbach gewählt. Bekanntlich lehnt ein großer Teil der Bevölkerung im rein landwirtschaft­lichen IV. Bezirk den sozialdemokratischen Herrn Hoerschelmann entschieden ab.

Aus Oberhessen und den Hess. Aenrtcrn.

A Kirchhain. Von der Eisenbahndirektion Frank­furt waren einige höhere Eisenbahnbeamte hier, welche mit der Kreisverwaltung Verhandlungen wegen Uebernahmc der Ohmtalbahn führten.

Vermischtes.

* Ter Ausstand der Straßenbahner im Ruhr- gebiet. Ter Arbeitgeberverband für die Straßen­bahnen gibt bekannt, daß alle Ansständifchen ent­lassen seien, die nicht bis zürn 19, Februar die Ar­beit wieder cufgenommen hätten. Von dem Aus­stand werden 33 Bahngesellschaften betroffen. Im ganzen Jndustriebeürk, von Duisburg bis Hagen und Vohwinkel, verkehrt keine Straßenbahn. --- In Düsseldorf sind die Straßenbahner gleichfalls in den Ausstand getreten- Im linksrheinischen Gebiet wird der Verkehr aufrecht erhalten, wei! die Be­satzungsbehörden gedroht hatten, mit den schärfsten Mitteln gegen die Streikenden vorzugeben und eine Verstärkung der Besatzung in Oberkassel vorzu­nehmen.

* Die Gruft Blüchers in Krieblotvitz, bei Canth in Schlesien, wurde von Einbrechern erbrochen und der Sarg geöffnet- Geraubt wurde nichts, da sich keinerlei Kosbarkeiten in dem Sarg beranken.

* Das Geld schreit. Das muß man wirklich jagen, wenn man von den sich mehrenden Mordtaten um des Geldes willen liest. Es ist unglaublich, daß sich so viele Leute, um der Steuerzahlung zu entgehen, so große Varsummen im Hause hinlegen, daß bas Geld förmlich zu Diebstählen, Einbrüchen und Gewalttaten auffordern muß. Die Besitzer meinen, es wisse niemand etwas da­von, aber sie verraten sich oft selbst durch leise Andeu­tungen ober Unvorsichtigketten, unb daraus wirb im Nu ein Gerücht. Das Geld schreit. Das ist ein wahres Wort. Unb lohnt bas zinslose Verstecken, ba bie Zinsen doch mehr einbringen, als bie Steuer ausmacht?

* Glück im Unglück. Wie ein Unglück manchmal für einen einzelnen auch zum Glück werden kann, zeigt folgender seltsame Fall, der sich bei dem Eisenbahn­unglück im Leipziger Bahnhof zugetragen hat: Ein 23jähriger Bäcker aus Leipzig, der den Krieg als Kriegsfreiwilliger mitgemacht hat und bei einer Minenexplosion im Osten verschüttet wurde, wobei er Gehör und Sprache verlor unb in russische Gefangen­schaft geriet, kam am Freitag mit dem Unglückszug von Wurzen nach Leipzig. Durch das Auffahren der Loko­motive auf den Prellbock erhielt der Mann einen hefti- >en Stoß gegen den Hinterkopf, so baß er bas Bewußt­em verlor. Leicht verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht. Ws er dort aus seiner Betäubung erwachte, hatte er Sprache und Gehör roieöergefunben.

* Selbstmord einer belgischen Svionin. Belgische Blätter melden: Fräulein Luiie Tbullier, die zu-

Auf meinem Besitz den Du mir wieder gewon- icn hast!"

Was ist das? Sie starrt ihn an. Wie Bitterkeit und Hohn klingt's aus seinen Worten. Die helle Sonne tm sie her will sich jählings verdunkeln. Ihre Gedan­ken jagen durcheinander, fassen, begreifen nicht, und sie fragt:Franz hättest Du's nicht gebilligt, was ich getan? Es ist ja doch alles alles gut."

Er gibt keine Antwort. Gebilligt ... Er vermeint die Stunde wieder zu spüren, wo es wie ein brennendes Feuer in ihm gewütet, wo fast ein Toben über ihn kam, daß er nicht wie ein Sturmwind über ba/ Meer fliegen konnte, um selbst zu sehen, zu hören um vor allem jenemselbstlos gütigen, edelsten, besten der Men­schen" feine Hilfe zurückzuschleudern vor die Füße unb um fein Weib sich zu holen mit sich zu nehmen in die Frembe hinaus sein Weib wenn es noch sein Weib gebtieben wenn er sie nicht verloren über bem, was sie für ihn zurückgewonnen hatte.

Er streicht sich über bie Stirn unb müht sich, ruhig zu fein, indem er sagt:

Ick) habe, seit ich Deinen Brief erhielt, nur im Sturm gelebt, und was mich hergetrieben, steht auch jetzt allem voran. Laß mich völlig klar sehen "

Gertrud ist blaß geworden. Alle herzklopfende Freude ist in ihr verstummt. Das also bas Wieber- sehen. Was allem voransteht . . . für nichts anbercs ihn denken und empfinden läßt . . . was ihn heimlich wieder fortgetriebr-n unb heimlich wieder zurückkehren ließ . . . fein Besitz und immer nur sein Besitz! Tiefe Bitterkeit quillt in ihr empor, bn sie sagt:

Frage mich über bas, was Dir noch nicht ganz aus meinem Briefe verständlich geworden ist. Aber zu­vor . . . willst Du's Dir nicht ein wenig bequemer zu Hause machen?"

Er hat den leichten, Hellen Sommerüberzieher noch nicht abgelegt. Nun streift er ihn hastig ab, wirft ihn über die Lehne eines Sessels unb läßt sich selbst auf ben Sitz nieder.Warum liehest Du mich zunächst glauben, daß Deine Mutter hier helfend eingefdjritten fei?"

Auch darüber hat ihr Brief ihm bereits die Erklä­rung gegeben, doch fegt sie es ihm noch einmal:

Weil ich nicht wußte, ob es Dir möglich sei, sofort Zurückzukehren, und weil ich glaubte, es müsse Dir

fammen mit Miß Covell die Organisation inS Leben gerufen hatte, die während des RtiegeS die Fluch* belgischer und alliierter Soldaten begünstigte, hok sich in Mons vergiftet. Fräulein Thullier hatte zahlreiche Auszeichnungen bekommen, darunter das Kreuz der Ehrenlegion und das französische Kriegskreuz. Neuerlich sind aber Tatsachen bekannt geworden, die ihre Rolle etwas verdunkeln. Es liegen Beweise vor, daß die Dame während des Krieges zahlreiche Personen bei den deutschen Be­hörden denunziert hat.

Literarisches.

Vie Reichtümer de; göttliche« herze»; Zes«. Ge. danken und Erwägungen zur Herz-Jesu-Litanei. Von P. Jos. Lucas p. 8. M., Priester der Kongregation der Pallottiner. 430 Seiten. Preis 16 Mark. Verlag der Kongregation der Pallotiner Limburg a. d. L, Der durch andere Veröffentlichungen bereits bestens be­kannte Versaffer will uns hier in ein tieferes und liebevolleres Verständnis der Anrufunaen der Herz. Jesulitanei einführen nnd so die Schätze und Reich­tümer des göttlichen Herzens Jesu erschließen. Die geistvollen, auf solider theologischer Grundlage ausge- bauten Erwä gungen in ihrer klaren, von Heilandsliebe durchglühten Form unb ihrer bei aller Einfachheit oft Poesie- und bilderreichen Sprache bereichern unsere Herz-Jesu-Literatur mit einem wirklich empfehlens­werten Werke, das bleibenden Wert besitzt.

Doa Bnlonio. Novelle. Von Klara Gräfin Prey- fing. 8° (IV u. 110 S.) Freiburg i. Dr. 1920, Herder, 5 ,K; geb. 8.40 M und Zuschläge.

Ein Priesterroman und doch keiner, ein Priester­schicksal, menschlich so ergreifend unb psychologisch so tief, daß Karl Muth in einem Nachruf auf bie frühoollendetL Verfasserin sagen konnte. Coloma ausgenommen hätte wohl kein katholischer Erzähler der Neuzeit bie Gabe be­sessen, so unbefangen den Menschen im Priester unb ben Prjester im Menschen zu sehen unb für beide gleich erfolg­reich um unsere Liebe zu wecken, wie es die Verfassers» in Bezug auf ihren Helden getan.

Cebensguellen vom Heiligtum. Lesungen für Freunde der Liturgie. Von Dr. theol. Ludwig Fischer, Hoch- schul-Prosessor am Lyzeum zu Bamberg. 8° (VIII u. 204 S.) Freiburg i. Br. 1920, Herder. 15 JI; geb. 19 <M und Zuschläge. Geschichtlicher Werdegang und, Aufbau der Liturgie im ©tunbengebet, Opfer unb Kirchenjahr werden in einfacher, lebendiger Sprache bargelegt. Die Schrift will zu verständnisvoller Teilnahme am liturgischen Leben der Kirche anleiten.

Grundfragen der kirchlichen Mystik dogmatisch er­örtert und für bas Leben gewertet. Von Dr. Engelbert Krebs Professor an der Universität zu Freiburg i. Br. 12» (VII u. 266 ©.) Freiburg i. Br. 1921, Herber. 14.20 Mk.; geb. 17.80 Mk. unb Zuschläge.

Literatur unb Leben geben heute ben katholischen Seien unb Seelsorgern viel zu fragen über Wesen unb Bedeutung mystischer und pseubomystischer Erscheinun­gen. Eine wirklich werwolle religiöse Vertiefung vieler ernsten Menschen geht Hand in Hanb mit einer nervösen Unruhe anderer, die nun in Schrift unb Handlung ver­wirrend auf jene ein wirken. Dazu kommt die Fülle pro« fanwissenschaftlicher Studien über bie Mystik; historische, psychologische und ästhetische Untersuchungen wenden flch diesem Gebiete zu. Die Theologie ha: hier cm erster Stelle mitzuarbelten. Aus Gegenwart unb Vergangen­heit besitzen mir große gelehrte Werke kathosischer Auto- rcn iiver die mrstische Theowgm. Eme kurze, nuf den Aeußcrungen des kirchlichen Lehramtes, auf der Heilige» Schrift unb ber großen Tradition der Kirche beruhenbe Erörterung ber Grundfragen bietet sich hier dem Leser dar und will ihm so eine theologisch begründete Stellungnahme zu ben Einzelfällen des Lebens ermög­lichen. Daß dabei ber Sinn für bie natürlichen Unterlagen mystischer Erscheinungen nicht verloren ging, erkennt' man aus bem fünften Kapitel. Ein drastischer Einzelfall der Gegenwart (Schippach) roirb im siebten Kapitel besprochen. So verbindet bas kleine Buch Theo, rie und Praxis unb darf darum auf dankbare Auf­nahme rechnen.

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doch größere Ruhe geben, ohne Sein Zutun die Dinge sich zum Guten kehren zu lassen, wenn Du Dich dafür nicht einem Dir Fremden verpflichtet fühlen mußtest."

Einem mir Fremden ... der Dein Freund war." Cs klingt, wie wenn ein Richter zu einem Angeklagten spricht.

Sie blickt ihn klar und ruhig an.Ja, ich hatte mich an ihn gewandt, wie an einen Freund."

Lützenkirchen nickt, seine Hände halten fest die Arm­lehnen bes Sessels gefaßt.

Und dieser gute Freund also kam, da er gerufen warb, und war so selbstlos gütig, für einen ihm völlig Fremden an die Hunderttausende zu opfern . . . weil jenes Fremden Weib ihn darum bat . .

Franz!" . . . Sie ist emporgefprungen. Etwas in seinen Worten hat sie getroffen, daß ihr Stolz sich auf­bäumt und zur Wehr setzt.

Ich kannte den. den ich um Hilfe bat, und ich durjW bie Hilfe annehmen."

Du kanntest ihn . . . unb Du durftest . . . und Du haft Dir nichts Schlimmes babej gedacht . . ."

Er stößt ein höhnendes Lachen aus, ab es dem Lachen ist ein zerrißener Klang, der sie ins Herz trifft und aus ibreit Augen wieder warm die Liebe leuchten läßt, als sft sanft erwidert:

Nein, ich dachte nichts Schlimmes dabei . . . denn ich dachte an Dich."

Auch ihn hatte ihr Wort getroffen. Er ist verstummt, aber in ihm wühlt es weiter, so daß er von neuem be­ginnen muß:

Und Du dachtest nicht daran, daß ich nie, nimmer hätte wieder zurücknehmen dürfen, was mir fo wieder­gegeben wird?"

Eiskalt fühlte es Gertrud über sich hinwegwehen. Erdrückt lag wieder, was mit heimlichem Glücksgefühl in ihr zu flüstern begonnen, baß all fein Aufbegehren gegen sie ja nur Ausgeburt einer törichten Eifersucht sei eifersüchtiger Liebe

Du darfst es. Und darfst es, ohne Dir mit einem Gedanken bie Freude an Deinem Besitz vergällen zu lassen. Denn ich selber war besorgt, daß nichts ge­schah, was gegen Deinen Stolz gegangen wäre".

(Fortsetzung folgt.)