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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

48. Zahrg.

Samstag, 19. $ebruar 1921

Nr. 41

tiejugepreis; Monmuch 3,UU 2IU. ogne Zu,tellgeduhr. In ömöu bei uns abgetjolt 3,1b 2JIL Äazetgenpreis: Sie St i e t n je H« (Soioneimaß) 6u p,g u. lOi. Zuichlag, die Sietlamc jette (Te$>»rettet 1.80 Zllt., u. 10°-o Zuiwlat> «et Wiederhol. Rabait

Hetunuvonlid) tüt bett .cuautoneüen Teil: Kar i «schulte. z füt dk Anzeigen: 3. Parze 11 el - FuiOa. z iRotaftonsÖntd u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda ernthedier Nr. 9. Teiegr.-Adre «e Fuldaer Leitung

Des Volkes Schicksalsstunde.

Das deutsche Volk ist in bitterer Not. Unsere .Feinde setzen den Krieg gegen das besiegte Deutschland saus wirtschaftlichem und finanziellen Gebiete fort. Sie drohen uns mit Entschäbigungsbedingun - gen, die uns zu Arbeitsskaoen machen. 42 Jahre lang sollen wir und unsere Nachkommen Fron­dienste leisten. Was sollen wir In dieser Not tun?

Einig sein!

3n dieser Schicksalsstunde heißt es: Zeige, daß -u ein Deutscher bist! Stemme dich an gegen Las Schicksal, tue deine Pflicht, vor allem tue deine Pflicht gegenüber deinem Vaterland! ~

Was fordert das Vaterland von dir?

Es verlangt von dir, daß du dafür eintrittst, daß «Ruhe und Ordnung, Zucht und Sitte auf. recht erhalten und geschützt werden. Die notwendige Ißtefuninmg muß von innen her kommen. Hierfür .'zu arbeiten liegt auch in deiner Macht. Vornehmlich *<nn morgigen Sonntag, dem Großwahlt agl

Jeder Staatsbürger muß morgen sein höchstes Staatsbürgerrecht, sein Wahlrecht zum Preußischen Landtag, zum Prooinziallandtag und zum Kreistag ausüben. Da darf es keine Wahl- müdigkell geben. Denn dem Wahlrecht entspricht. die Wahlpflicht. Alle Gutgesimiten müssen am 20. Februar an die Front! Männer und Frauen, Jüng­linge und Mädchen! Jeder Deutsche, der 20 Jahre clt ist und in Preußen wohnt, hat das Wahlrecht. Keiner darf zu Hause bleiben. Das hieße $a, den Wühlern und Umstürzlern das Feld räumen.

Nein, heißt es: Alle Mann cm Bord! Zuviel steht auf dem Spiel.

Der Wahltag wirb für unser Schicksal von größter Bedeutung und Folgenschwere sein. Von dem Wahl­ausfall wird zum guten Teil die künftige Ge­staltung der Volksschule und das künftige Derhättnis von Staat und Kirche in Preußen abhängen, Dinge von äußerster Wichtigkeit und un­übersehbarer Tragweite.

Seien wir uns bewußt, daß hier folgenschwere Ent- scheidungen des künftigen Landtages harren. Deshalb muß das Zentrum, das nach dem Eingeständnis von Freund und Feind diejenige Partei gewesen ist, die allein uni) entschieden und erfolgreich die christlichen Kulturgüter verteidigt hat, in möglichster Stärke wieder aus den Wahlen hervorgehen.

Die bisherige Schulpolitik hat bewiesen, daß wir mitten in einem Kulturkampf stehen, der sich von dem der siebziger Jahre nur durch die Form unter­scheidet. Unsere Schule will man an den Staat ausliefertt, damit bann eine religionsfeindliche Mehrheit uns die konfessionelle Volksschule rauben kann. Das ist das letzte Ziel des Sozialismus, der ein er­bitterter Gegner der konfessionellen Schule ist.

Welch andere Partei als bas Zentrum leistete ehren igleich erbitterten und erfolgreichen Widerstand gegen leben Angriff auf die konfessionelle Schule, welch an­dere Partei kämpft so zäh und zielbewußt für das un- schätzbare Gut der Unterrichtsfreiheit? Welch andere Partei tritt so beharrlich und entschieden für die gehei­

ligten Rechte der Eltern und der Kirche auf die Schule ein, wie bas Zentrum es während des halben Jahr­hunderts seines Bestehens getan hat?

Deshalb tut uns im kommenden Landtag ein starkes Zentrum dringend not.

Nicht vergeßen werden darf dieKirchenpoli tit. Die Reste der Kulturkampfgesetzgebung sind in Preu­ßen noch durch besondere Gesetze zu beseitigen. Die wichtigste kirchenpolitische Aufgabe des neuen Santages wird die Neuregelung des Derhältnisies von Staat u n d K i r ch e sein. Ein neues Konkordat muß abge° schloßen werben. Daß da die Katholiken für eine starke politische Vertretung unbedingt sorgen mässen, liegt klar aus der Hand. Wiederholte Aeußerungen rechtsstehender Blätter laßen bereits erkennen, daß das Zentrum auch bei den Rechtsparteien in diesen kirchen­politischen Fragen aus wenig Derstärchnis imb noch weniger Entgegenkommen stoßen wirb.

Bewußt stellt das Zentrum die Kulturpolitik in ben Vorbergrunb, weil diese eine viel größere Auswirkungskraft auf die Gestaltung der Volks- gemeinschaft hat, als man im allgemeiiren cumimmt. Voninnenheraus muß die Erneuerung kommen, dafür müßen aber sichere und feste Fundamente vor­handen fein. Die liegen in der christlichen Wellanschau- ung, deren treueste Hüterin und entschiedenste Ver­fechterin die Zentrums Partei ist.

Aber auch den wirtschaftlichen Fragen legt das Zentrum große Bedeutung bei. Zu Beginn des Wahlkampfes haben unsere berufenen Parteiführer sich an alle treuen Zentrumswähler in Preußen mit einem herrlichen Wahlaufruf gewandt, in welchem bas Wirt­schaftsprogramm unserer Partei von neuem entwickelt worben ist. Es genügt, biefes durch fünf Jahrzehnte wohlbewährte Zentrumsprogramm in einigen Stich­wörtern noch einmal zufammenzufaßen:

Das Zentrum verurteilt imb verwirft jede Klassen- ober Parteiherrschaft.

Sozialeer Ausgleich muß der Leitstern jeder christlichen Politik sein.

* Bürgerliche Freicheit im Rahmen des gemeinen Rechtes muß als Sonne bas Ganze durch­wärmen. Das Zentrums-Programm fordert weiter:

Schutz und ausgleichende Förderung der einzelnen Berufsstände als notwendige ©lie­ber eines gefunden Wirtschaftskörpers.

Hebung des fleißigen Arbeiter st anbes; Aufrichtung eines lebenfähigen Mittelstandes, auch in Kaufmannschaft und Handel; Erhaltung und Förderung eines lebensstarken Bauernstandes; Schaffung eines zufriedenen Berufsbeamten, tu ms; dründliche Unterstützung des durch Krieg und Teuerung schwer geschädigten Handwerker- ftanbes; gewissenhafte und weitherige Fürsorge für die Kriegsbeschäbi gt en imb Kriegs­hinterbliebenen.

Die Zentrumspartei ist, was sie war, und wird fein, was sie ist, eine echtechristlicheVolkspartei, die ihre Fürsorge allen Ständen, ohne Unterjchied des Bekenntnisses, widmet.

Das Werk des nationalen Wiederaufbaues wird uns nur dann gelingen, wenn die unerschöpflichen Kräfte des Christentums wieder zur Entfaltung gebracht wer­den. Dafür tritt die Zentrumspartei ein.

Während 50 Jahre hat es treu dem Daterlande ge- dient. Es wird auch in dieser schweren Schicksalsstmide

dem deutschen Volke all seine Kraft zur Verfügung stellen.

Werfen wir alle Müdigkeit, Verzagtheit und Ver- brossenheit entschlöße nab. Stellen wir uns am morgigen Sonntag bekenntnistreu unb opferbereit unter bas sturmerprobte Zentrumsbanner, lasten wir in unseren Herzen die Begeisterung wieber auslobern, ble unsere Väter durchglüht Hal. Treten wir geschlossen ein für die Zentrumspartei, b ieallzeit eintritt für

Vahrheil, Freiheit und Recht!

Die Stimme ver Bischöfe.

Es ist eine allbekannt. Tatsache, daß die meisten von denjenigen, die in unserer Gegend seit den Tagen der Revolution ihre Stimme zugunsten der Sozialdemo- krarie abgegeben haben, in ihrer religiösen Gesinnung nichi zur Sozialdemokratie sich rechnen. Aus Kriegs­verärgerung. aus log. wirtschaftlichen Gründen haben sie geglaubtrot" wählen zu müßen. Allmählich wer­den auch die Verführten und Getäuschten einfehen ge­lernt haben, daß dir Sozialdemokratie nicht nur wirt­schaftliche Ziele verfolgt, sondern auch kulturelle und zwar r e i i g i o n s s e i n d l i ch e; sie ist die Partei der Reltgions-, Glaubens- und Gottlosigkett. Wer die­ser Partei seine Stimme gibt, macht sich mitschuldig an alle dem, was biete Männer gegen Religion, Kirche, christliche Schule Erstreben Denkt an das ernste Mahn­wort der B i I ch ö f e in ihrem gemeinsamen Hirten­schreiben vom 8. Jan. 1919:

,Es bedeutet gar nichts, daß manche, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, dennoch borgeben, gute Katholiken sein zu wollen. Wer den Sozialismus un­mittelbar oder mittelbar durch eigenes Tun ober durch Nachlässigkeit oder durch Saumseligkeit unterstützt, versündigt sich an Christus und seiner Kirche Wer za Cbrtuus uno seiner Kirch t hält, kann ei nicht mit dem So talismus batten.»

Erinnert euch auch an das Wort des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Fulda in seinem letzten Fastenhirtenbrief. Folgen­schwer nennt eurer Oberhirt die Rechte und Pflich­ten, so oft bei den ve. jchtebenen Wahlen zu entscheiden ift. in wessen Hände die einzelnen Gewalten in Staat, Provin), Kreis oder Gemeinde gelegt werden sollen. Zunächst haben da",fährt der Hochw. Herr Bischof fort, alle Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen die Gewifsenspflicht, von dem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Niemand darf sich dieser strengen Pflicht aits Gründen der Bequemlichkeit, Un- entschloßenhett oder Feigheit entziehen. Sodann ge­bietet das Gewißen, n » r s o l ch e Männer und Frauen zu wählen, von denen man weiß, daß sie sich im Gebrauch ihrer Gewatt im Staate oder in den ver­schiedenen Körperschaften vor Gott verantwortlich füh­len und entschlossen sind, sie nur nach Gottes Willen zu gebrauchen. Es märe eine Sünde vor Gott, wenn ein Wahlberechtigter, Mann oder Frau, aus Ver­bitterung gegen gewiße Volksklaßett, aus Unzufrieden- heil über wirkliche oder vermeintliche Mißstände ent­weder gar nicht oder schlecht wählen würde, am Ende gar solchen Männern oder Frauen feine Stimme geben wollte, die auf U m st u r z in d e r G e - fellschaft, auf Zwietracht unter den Volksge­noßen, auf Kampf gegen die Kirche filmen, oder die den Eltern unb der Kirche ihr von Gott ver­liehenes Recht auf Kind und Schule rauben oder verkümmem wollen. Laßt euch zu solch sünd­hafter Handlungsweise durch keine Rücksicht oerleiten, selbst wenn euch dafür wirtschaftliche Vorteile in Aus­sicht stehen würden. Denket daran, daß ihr auch hier­über bei der Beicht unb besonders dereinst vor Gottes Gerich ernste Rechenschaft oblegen müßt"

Alte Ladenhüter?"

Für die unversöhnliche Gegnerschaft der Sozial­demokratie gegen das Christentum liegen unzählige Zeugnisse aus den Schriften und aus dem Le­ben der Sozialstten vor. Unzählige Aeußerungen wir- tenden Gotteshasses und wüster Religionsspötterei sagen offen und laut, daß der Sozialismus ein unversöhnlicher Feind der Kirche ist. Es handelt sich nicht umalte Ladenhüter", die nur diepersönliche Meinung eines Pnvat- mannes" darstellen, wie ein in den letzten Tagen in Fulda verbreitetes sozialdemokratisches Flugblatt be­hauptet, sondern aus allen Jahrzehnten der sozialdemo- kratrschen Bewegung bis in die neueste und allerneueste Zett lassen sich beliebig viele Aussprüche sozialdemo­kratischer Führer beibringen, die bartun, daß die So­zialdemokratie die Feindin jeder Religion ist. Wir haben erst vor einigen Tagen aus dem aller- neuesten parteivfsiziösen Dorwärtskalender eine Anzahl Belegstellen angeführt, aus denen jeder, der nicht blind fein will, erkennt, daß auch heute die führenden Geister genau fo denken wie Bebel vor 48 Jahren, als er sagte, daß Christentum und Sozial- bemofratie wie Feuer und Wasser einander gegenüberstehen. Die führenden Genoßen lehren ge­radezu, daß die sozialdemokrattsche Lehre unoer« einbar sdimit der Kirchenlehre. Dieselbe Erkenntnis hat man auf katholischer Seite schon längst. Die berufenen Hirten, die Bischöfe und Geistlichen, haben darum Mchtgemäß immer wieder die Gläubi­gen vor der Sozialdemokratie gewarnt und sie gelehrt, daß man nicht gleichzeitig aufrichtiger katho­ll s ch e r C h r i st und überzeugter Anhängerdes Sozialismus fein könne. Es ist Flunkerei, wenn das erwähnte Flugblatt glauben machen will, es gebe katholische Geistliche, die der Sozialdemokratie gegen­über eine andere Haltung einnähmen; die nimmt auch der dort genannteKaplan Hohoff in Hüffe" nicht ein, von dem das Flugblatt behauptet, daß er ein begei­sterter Anhänger der sozialdemokratischen Lehren ge­worden sei. Dieser Pfarrer Hohoff ist ein fobegei­sterter Anhänger" der Sozialdemokratie, daß er noch not Mimatsfrist imWestfälischen Vcllksblatt", dem Paderborner Zentrumsblatt, einen Artikel veröffent­licht hat, in dem erstchmitallerSchärfegegenj die Sozialdemokratie ausspricht.

Es bleibt bei dem, was Bebel gesagt hat: C h r i- stentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser!

Noch einige Pröbchen.

Was wir wollen ist Zertrümmerung alles Pfaffen^ regimentes, vollständiger Bruch mit allem römischen We-I sen" sagt tiaffale und Karl Marx, der 2. Gründer der Sozialdemokratie schreibt:Die Aufhebung der Re­ligion ist die Forderung eines wirklichen Glückes,"Der Glaube an Gott und Jesus Christus, dem Welterlöser, ist mit dem richtig verstandenen Sozicilis- mus unvereinbar", sagt Kautsky, der neuere wissen- Ichastlidre Dertteter der Sozialdemokratie. Bei allen Führern der Sozialdemokratie zeigt sich bewußte Loslösung von Christentum und Kirche und in der ge­tarnten sozialdemokratischen Presse muß man ein höhni- sches oder mitleidiges Ablehnen des christlichen Glau­bens feststellen. Die christlichen Festtage werden von der Sozialdemokratie verhöhnt.Wir sind dabei, die, West aus den Angeln zu heben und die Tore der Zu-, kunst einzuschlagen. Man soll uns gefälligst mit solchem Firlefanz wie Karfreitag und Ostern, Opfertod und Auf-l erstehung in Ruhe laßen. Abgemacht, das soll das letzte, Mal gewesen sein. Ab 1921 wird von Ostern keinerlei Notiz mehr genommen" schrieb der mehrheitsso­zialistischeStettiner Volksbote" in der Oster-, nummer 1920: und der mehrh eitssozialisti sche. Abg. Hellmann forderte in Weimar bei der Beratung der Dersaßung:den Religion sunterrichtals gesonderten Unterricht aus der Schule vollstän- dig zu entfernen",der Religionsunter, richt und das Bekenntnis muß heraus" (aus der Schule).Die öffentliche Schule wird tir-, chenfrei" war seine Parole (stenographischer Bericht

Unsere früheren Landtagsavgeordneten.

Bei Gelegenheit der Fuldaer Feier des goldenen Jubiläums der Zentrumspartei veröffentlichten wir die Namen der führenden Reichstagsabgeordneten des Wahlkreis« Fulda-GersfeD-Schlüchtern. Heute brin­gen wir eine Zusammenstellung der ehemaligen Zen- ttumsabgeordneten, die vom Fuldaer Land in das Preußische Abgeordnetenhaus während «r letzten 50 Jahre entsandt worden sind. Hierfür men zwei Wahlkreise in Betracht: Wahlkreis Fulda Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld.

a) Wahlkreis Fulda.

Ununterbrochen war der Landtagswahlkreis Fulda wahrend des halben Jahrhunderts durch Abgeordnete ntr umspartei vertreten, ebepfo wie der N^chbtagswahlkrÄs Fulda-Gersfeld-Schlüchtern. Guts- H e r r l e i n - Margrethenhaun auch unser erfter Abgeordneter im deutschen Reichstag hatte s 5 kurhcss'schen Ständekammer als Vertreter Fulda angehört, wurde dann, als Kur- Allen loo6 zu Preußen kam, auch in den Preußischen Lan«^! gewählt und trat dann nach den Neuwahlen non iN/u Der am 13. Dezember 1870 gegründeten Zentrumsframon des Abaeordnetenhaufes bei. Wäh­rend der kampfesheißen 70er Jahre vertrat er also gulba in ben beiben Berliner Parlamenten.

Sem Nachfolger wurde für kurze Zeit der geistliche Semmarlehrer Koch, ein Opfer des Kulturkampfes. Wegen fernerultramontanen", d. h. treu kirchlichen Gesinnung mar er oom Lehrerseminar Fulda nach Elten an der holländischen Grenze strafversetzt worden, hatte aber die neue Stelle nicht angenommen, sondern den Staatsdienst verlaßen. AlsSeminarlehrer a. D." gehörte er bis zu den Neuwahlen 1882 dem Ab­geordnetenhaus an. später war er Strafanstalts- Pfarrer in Wehlheiden und starb als Dechant von Hünfeld, hochgeehrt von feinen Pfarrkindern und noch heute dort unvergeßen.

Ihm folate dann Amtsrichter Goetzmann in Bergen, der den Wahlkreis vertrat von 18821893

Sein Bld findet man noch aüf den weitverbreiteten Gruppenbildern der Zentrumssraktton aus den acht­ziger Jahren.

Für eine Wahlperiode war dann unser Landtags- obgeorbüder der hochangesehene Fuldaer Bürger und Kaufmann Robert Kircher 18931898, der lei- der 1898 ehre Neuwahl ablehnte, sich aber nicht nur in Stadt und Land feines Heimatsbezirkes, sondern auch bei seinen Fraktionskollegen m Berlin solches Ansehen und solche Beliebtheft erworben hatte, daß er zweifellos bald wieder ins Parlament zurückgekehrt sein würde. Die großen Hoffnungen, die man auf diesen vortrefflichen Mann setzte, wurden leider durch einen allzufrühen Tod vernichtet.

Ihm folgte als Abgeordneter der frühere Direktor des Fuldaer Gymnasiums, Geheimrat Dr. Goebel, der zweimal, 1988 und 1903, geroäftft wurde, ober schon 1904 durch den Tod feiner treu und gewissen­haft ausgeübten parlamentarischen Tätigkeit entrißen wurde.

Für den Rest der Landtagstagung (19041907) erkoren die Zentrumswahlmänner den Führer des Zentrums im Reichstag, Dr. PeterSpahn, später preußischer Justtzminstter, noch heute Mitglied des Reichstags.

Bei den Neuwahlen 1908 entschied man sich für Amtsgerichtsrat Rhiel, der sich größ­tem Eifer den parlamentarischen Arbeiten widmete und der besonders als tatkräftiger und nachdrücksicher Vertreter der Jntereßen feines Wahlkreises das unge­schmälerte Vertrauen seiner Wähler sich erroarö. Nicht bloß bet den Neuwahlen 1912 wurde er wiedergewählt, sondern er wg auch als die Revolution den alten Landtag ^eggefegt halte 1919 in die Preu­ßische La. ^..soersammlung ein, gewählt als zweiter Kand'dtt auf der Zentrumsliste von Heßm-Naßau. Auch für die Wahl des ersten Landtags des neuen Dolkssiaates Preußen steht er wieder an zweiter Stelle und wird fo auch meiterbin m feiner geradezu vorbild­lichen Rührigkeit NN Parlament arbeiten fürs Väter­lich und für den Heimatwahlkreis,

b) Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld.

Auch dieser Wahlkreis war mit einer einzigen kürzen Unterbrechung durch Zentrumsabgeordnete vertreten. Bei den Wahlen 1870 wurde Amtsrichter Rübfa m-Fulda (Vater des jetzigen Herrn Dommusik­direktors in Fulda) gewählt, trat ebenfalls als einer der ersten der zu Beginn der Parlamentstaguna ge­gründeten Zentrumsfraktion bei und vertrat bann Hünfeld-Gersfeld bis zu feinem Tode am 6. Sept. 1886. Den gesamten Kulturkampf hat er mitaemacht; fach heute rühmt man, wie wacker und unerschrocken er sich den Jntereßen seines Wahlkreises und auch Fuldas gewidmet hat.

Sein Nachfolger sollte Amtsrichter Sßanfd in Wenders werden. Ader infolge eines unerhörten Drn kes von feiten der Regierung wurden einige Wahl- mämrer aus dem Kreise Gersfeld der Zentrumsparole untreu und stimmten für den Landrat Krekeler in Gersfeld. Die Stimmen der unerschütterlich treuen Zentrumswahlmänner aus dem Kreise Hünfeld und der treu gebliebenen aus dem Kreise Gersfeld unter­lagen damals dem Regierungskandidoten.

Bei der nächsten Neuwahl im Jahre 1888 wurde die Scharte wieder ausgewetzt, glänzend siegte der Zentrumskandidat ©eridjtsfefretär Schmitt m Bat­ten-Hilders mit 98 gegen 59 Stimmen und mit großer Bravour wählte dann ununterbrochen der Wahlkreis jedesmal den Zentrumskandidaten, trotz aller Künste und der stets klug ersonnenen Wahlkreisgeometrie der Regierung mit einer fast bei jeder Wahl steigenden Mehrheit, während früher einmal der Wahlkreis mit nur einer einzigen Stimme Majorität gehalten wor­den war.

Weiterhin war der Kreis dann von 1^931898 vertreten durch Kaplan Friedrich Dasb ach aus Trier. Dieser edle Priester, dem die Regierung 1875 im heißesten Kulturkampf jede Amt-Handlung und jeden schulplanmäßigen Unterricht verboten hatte, der darum bis zu seinem Tode im Jahre 1907Kap­lan" blieb, hat sich größte Verdienste erworben als

Gründer der Paulimlsdruckerei in Trier, als Präsident des Trierfchen Bauern- und Winzervereins und ms Gründer desPaulinusblattes" und derTrierer Landeszeitung". Wenn während der Kulturkampfs- jahre von feiten der Regierung und der Regierungs­parteien das WortKaplan" mit Haß aus einer ge­wißen Furcht genannt wurde, dachte man vorzugs­weise an ihn. Der Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld konnte stolz darauf (ein, Kaplan Dasbach in den Landtag zu senden.

Ihm folgte 1898 als Abgeordneter für Hünfeld- Gersfeld Forstmeister Kaute ht Burghaun, später Forstrat in Potsdam und Oberfvrstmeister ht Aachen, ausgezeichnet durch große Sachkenntnis in Forstfragen, deflen Beziehungen der Kreis Hünfeld die Bahn zu verdanken hat.

Der letzte Abgeordnete für diesen Wahlkreis (feit 1908) war Rechnungsrat Drinnen berg, der sich durch seine selbstlose, opferfreudige Arbeit in der Raiff- eisensache (Darlehnskaßm) um die Landbevölkerung hochverdient gemacht hatte. Nach der Revolution zog auch er, als vierter Kandidat der Zentrumsliste für Hessen-Nassau gewählt, in die verfaßunggebende Preu- ßfsche Landesversammlung wieder em. Es ist eine, Tatsache, die Beachtung verdient und die sonst mroends ihresgleichen hatte, daß nach den furchtbaren Stürmen und der Katastrophe von Ende 1918 das Fuldaer Land sowohl 'm die Nationalverfammlung wie auch in die Landesversammlung dieselben drei Abgeordneten wählte, die auch vorher unsere engere Heimat in den Parlamenten vertreten hatten: ein schöner Beweisür die sprichwörtl. gewordene Treue der Zentrumswähler.

Möge auch weiterhin unverbrüchliche Treue das feste Band tolingen um Zentrumspartei und Zen­trumswählerschaft, möge vor allem der moraige erste Großwahltag, den wir mitzumachen haben, ein neues Ruhmesblatt werden in der Geschichte unserer Partei, ein vielverspreckrender Anfang des Zweiten Halbjahr- Hunderts der Partei, die würdig ihrer großen Traditionen auch rretcrfjin kcmp n muß für Wahrheft, Freiheit und Recht. K. Scheller.