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Freitag, 18. Februar 1921.
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■ unseres Volkes Untergang ' ■ will, der stärke die Radikalen rechts und g I links, der Ipalte das Volk in zwei feind- g I liche Lager, der lasse die veutschnationalen g ' und die Unabhängigen und Kommunisten in g ■ blutigem Dürgerkriege aufeinanderplahen. g ! wer unser Volk retten will g ■ ■ ■ und wiederaufrichten, der stärke die g
g Partei der vesöhnung aller Stände j
[ und Berufe, der stärke die Partei des g
■ Pflichtbewußtseins und der Tat, der g
■ werbe für die Partei der unüber- j
windlichen Mitte!
: Der wählt Zentrum!:
Brief an einen Akavemiker.
„Erkämpsung der kirchlichen Freiheit auf allen Gebieten, der Gleichberechtigung der Katholiken im Deutschen Reiche, Wiederherstellung der christlichen Schule. Durchdringung aller staatlichen Einrichtungen mit christ lichen Grundsätzen usw. sind noch lange nicht erreicht, werden nicht so bald vollständig erreicht werden, und wenn sie erreicht werden sollten, müssen sie erhalten werden Die Katholiken im Deutschen Reiche sind eine geboreneMinderheit, nur durch ihre Einigkeit gegenüber ihren gespaltenen Gegnern üben sie einen maßgebenden Einfluß aus. Diese Einigkeit kommt in den Zentrumsfraktionen zum Ausdruck und zur Betätigung. An dem Tage, wo die Zentrumsfraktionen "aushören oder einflußlos werden, werden die Katholiken im Deutschen Reiche auf allen den cor« her erwähnten Gebieten wieder aus das schmachvollste geknechtet. Die Zentrumsfraktionen in den Parlamenten sind daher nach menschlichem Ermessen als dauernde Institutionen eine absolute Notwendigkeit."
Dieser Brief, dessen Inhalt für die Gegenwart geschrieben zu sein scheint, stammt aus der Feder des Grafen B a l l e st r e m, des bekannten Zentrums- ak aerrdneler. und Reichstagspräsidenten, er ist gerichtet an den Monn, zu dem die katholische Akademikerschaft Deutschlands als ihrem genialen Führer im Staats- und Geistesleben ehrfurchtsvoll emporblickle, der die Leiden des katholischen Akademikers bis zur Hefe kosten mußte nud dessen Berufung zum Reichskanzler in des Vaterlandes Wlbfter Not in den Kreisen, die heute um die Stimmen der katholischen Akademiker werben, als nationales Unglück empfunden wurde. Das Andenken des Grafen 5) e r t l i ng mahnt zur Treue gegenüber der politischen Partei, die als einzige bisher für die berechtigten Belange des deutschen katholischen Akademikers einaetreten ist. Tua res coitur: Deine Schicksals stunde ist gekommen, katholische Akademikerschaft Deutschlands. Darum in Treue fest zum Zentrum.
Sieg ver Religion
über von Bolschewismus.
Unlängst wurde aus Stockholm gemeldet: Die Nachrichten über die Lay» in Sowsetrußland zeigen, daß das Religionsgefühl. das die Bolschewisten im Volke ausmerzen wollten, doch jetzt den Sieg davon getragen hat. Ueberall. sowohl bei der Zivilbevölkerung wie bei der roten Armee kann man von einer Wiedergeburt des Relrgionsgefühls sprechen. Studenten und Professoren veranstallen religiöse Versammlungen. Zivilisten predigen in beit Kirchen mit (Erlaubnis der Priester. Mit der Politik der Abkehr vom Christentum haben die Bolschewisten einen vollen Bankerott erlebt. Im übrigen ist es nicht nur die Arbeiterwelt, die sich wieder dem orthodoxen Christentum zuwendet, sondern auch in hohem Maße das intellektuelle Bürgertum.
Besonders in Südrußland ist die religiöse Bewegung sehr stark, sie erstreckt sich dort auch auf fre Juden, welche die jüdischen Bolschewisten als Feinde der Religion cerabscheuen. (Em belgischer Ingenieur, der in Baku tätig gewesen war, berichtete, daß unter den Arbeitern dieser Gegenden die religiöse Bewegung einen großen Umfang angenommen habe. Im Kaukasus sei ein bemerkenswerter religiöser Aufschwung auch unter
§a1|d)er wert.
Roman von S). Abt.
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20.
Es wollte Winter werden. Scharfer Nordost trieb einzelne Flocken durch die Luft, die rote spitze Nadeln bas Gesicht trafen. Dennoch zögerte ®ertrub, in das $QU5 einzutreten. Auf der Freitreppe stehend schaute sie auf den Hof, wo hell die neuen Gebäude schimmerten, (rs war mit fieberhafter Hast geschafft worden, den unterbrochenen Bau noch vor dem Winteranfang zu vollenden. Das neue Vieh war in die Ställe eingestellt, die Speicherräume waren mit Vorrat gefällt, und draußen auf den verwüsteten Feldern hatte sich der Inspektor bemüht, die Spuren des Wetterschadens zu vertilgen.
Jawohl, das Menschenmögliche war allerorten ge- schatir worden, und wohin Gertrud schaute, überall trat ihr daraus der Name dessen entgegen, dem alles zu danken war und der doch in faft änastlicher Scheu jeden Dank ablehnte. Sie hatte Anton Weibrecht nicht wieder gesehen, seit alle äußerlichen Angelegenheiten geordnet und keine w'chügen Besprechungen fein Kommen mehr bedingten. Dennoch drängte cs Gertrud, gerade seitdem alles zum Rechten gekommen war ihn nochmals zu sprechen. Es verlangte sie danach, ihm etnmal ohne Rückhalt zu zeigen, wie sie es empfand, was er für sie getan.
Sie hatte an Weibrecht geschrieben und ohne direkt um sein Kommen gebeten zu haben, doch durchscheinen lassen, welche Freude es ihr sein werde. Ob er die stumme Bitte verstehen, ob er kommen würde?
Der Brief, der ihres Mannes Ankunft auf Haiti meldete und geschrieben worden bevor er von dem glücklichen Wandel der Verhältnisse auf Lützenburg erfahren — es hatte ihr entgegengewcht aus diesem Schreiben wie ein Hauch der Fremde, aus der es tarn. Viel freundliche Nachfrage für sie, auch Bedauern, daß sie durch Schweres hindurch müsse, allerlei guter Rat. Vorschläge, wo sie wohl am besten ihren A"fenthalt nehme, wenn sie Lützenburg verlassen — ein Brief, in seinem
Auldaer
den dortigen Mohammedanern wahrzunehmen. Er ist verbunden mit einer Rückkehr zu den früheren Traditionen eines strengen Familienlebens und sittlicher Lebensführung. Die MohamedEr des Kaukasus tehen in offenem Gegensatz zum Bolschewismus. JBon verschiedenen Seiten wird ferner gemeldet, daß in Süd- rußland, besonders abe- auch in Zentralrußland die Neigung zum Katholizismus in ungewöhnlicher und unerwarteter Weise sich ausbreitc.
Diese Meldungen lassen erkennen, daß das im Gninde tiefreligiöse russische Volk in den furchtbaren Prüfungen, die es seit Jahren erduldet, den Weg zur religiösen Tradition seiner Geschichte wieder zurücksin- det. Der Materialismus der sozialistischen Lehre hat schmählichen Schiffbruch erlitten Das alte Wort: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen, hat den Massen die Augen geöffnet. Die Gottlosigkeit des marxistischen Sozialismus, die über Rußland so namenloses Elend brachte, hat auch den Blindesten bewiesen, daß diese Gottlosigkest für ein Volk tödliches Uiiheil bedeutet, weshalb die russischen Arbeiter selbst allmählich zur Religion wieder zurückkehrem Allen Anzeichen nach bereitet Rußland der Welt noch manche Ueberraschungen vor.
Pauschalierung der landw'rtschl. Betriebe zur Umsatzsteuer.
Die Aussührungsbestimmungen zum Umsatzsteuergcsetz von 1919 gewähren landwirtschaftlichen Betrieben bis zu einer bestimmten Umfatzhöhe (40 000 JO Erleichterungen in der vorpeschriebenen Auszeichnungspflicht, well die kleineren Landwirte sich bis jetzt in der Regel an eine ordnungsmäßige Buchführung oder auch nur eine Auszc'ch- nung ihrer Einnahmen nicht haben gewöhnen können. Es ist daher zugelassen, daß für derartige kleinere landwirtschaftliche Betriebe der Umsatz, der sich im wesentlichen mit den Roheinnahmen zuzüglich des Eigenverbrauchs deckt, „pauschaliert" wird, d. h. Normalertragssätze feit- gesetzt werden. Die Pauschalierung ist nur ein Hilfsmittel der Schätzung, sie erübrigt nicht di« Abgabe einer Steuererklänmg seitens des Landwirts und schließt nicht aus, daß dieser auf Grund seiner Aufzeichnungen usw. eine abweichende Veranlagung seines Betriebes durchsetzt; ebensowenig sind die Steuerbehörden strikte an die Pauschalsätze gebunden.
Entsprechend diesen allgemeinen Richtlinien ist für den Bezirk des Landessinanzamts Kassel für die Reel — ausgenommen sind Weinbaubezirke, Gemüse-Gär tn--reim, Obstzucht usw. — die Pauschalierung sür di« unter 10 Ha. großen Betriebe festgesetzt worden. Dabei mußte entsprechend den Verschiedenheiten der Bodenbeschaffenheit, des Klümas. der Bewirtschaftung usw. in den verschiedenen Tellen des Landesfinan-arntsbezirks don einzelnen Fmanz- ämtern der weiteste Spielraum gelassen werden. Die Finanzämter sollen alljährlich unter Zuz'ehimp von lond- wirsschastlichen Sachverständigen für ihre Bezirke, zunächst Musterbeispiele von landwirtschaftlichen Betrieben nach Boden- und unter Umständen nach Größenklassen bet« ausgreifen und deren Umsätze für das vergangen" Kalendersahr im einzelnen eingehend verrechnen. Die so gern ornen en Normalsätze sind dann den Cinzclvenankagungen zu Grunde zu legen, wobei Zu- oder Abschläge für besonders guten oder schlechten Kulturstand, Viehhaltung usw. in Frage kommen.
Diese Pauschalierung hat vielfach das Gefühl ausgelöst, daß sie zu einer Bevorzuguna der Landwirtschaft führe. Das rft natürlich nicht der Zweck der Pauschalre- rung; sie ist vielmehr mit größtmöglicher Genauigkeit durchzuführen, — es kommt dem Reich a f iede Mark an. Sie ist nur eine Uebergangsmaßnahine. Ziel bleibt and, hier die Erziehung des Landwirts zur Duchführuno fehler Einnahmen. Die Pauschalierung wind baldmöglichst wieder obeebaut wenden, der Landwirt wind in feinem eigenen Interesse gut daran tun, sich jetzt schon an eine ordnungsmäßig« Aufzeichnung zu gewöhnen. In Zukunst wird dann auch bei den kl-in-ren Landwirten der Mangel an Aufzrichnunaen als schuldhafte Vflichft>erfttzmip angesehen werden muffen und d'« R^ckstsfolne haben, daß »egen eine dann erfolgte Schätzung die ordentlichen Rechtsmittel nicht gegeben sind.
Wo Pcwsch-rlieruna nicht eintritt, und Einz»loercm- laaung vorzunehmen Ht, tritt zu dem Außenumsatz der Eigenverbrauch für den Landroftt und feine Fa- mili- hinzu, wahrend der Verbrauch für das landwirt- schasslich« Gesinde (n'cht auch für in« häuslichen Dien.st- boten) von der Umsatzsteuer ausgenommen ist. Bei unter» hastungsberecktigten Famklienanaehöriaen tritt die Steuer- pflicht für deren Naturalbezüge stets ein. auch wenn Dienstverträge mit dem Vater usw. abgeschlossen sind. Dieser Eigenverbrauch kann natürlich nicht sich nur auf bie rationierten Mengen an ßcbcnsmitMn beschränken, sondern muß den vollen Lebensbedarf (auch Holz. Federn, Wolle und Häutet umfassen, fomeü er aus der eigenen Wirtschaft entnommen worden fff. Berechnungen eines derartigen E-oemverbrauchs mit 1200 oder aar 700 Mark sind selbstverständlich- unhaltbar, muß doch der Arb-iter für seine Lebensbedürfnisse täglich mindestens 8—9 Mark für den Kopf ausneben! Wenn auch bei der Bewertu"g des Eigenverbrauchs nur von den Preisen auszugehen ist, die von Wie-ervenkäusern gezahlt zu werden pflegen. so ist andererseits dock die Lebenshaltuna des Landwirts vielfach eine bessere als die eines Arbeiters. Wenden derartig« gerinne Eigenverbraiichszifsem wie oben ermähnt angegeben, so können diese Angaben, wenn ihnen nicht ent«
Wortlaut ja zumeist nur von ihr handelnd, aber dahinter doch ein fieberischer verbissener E ser, im Neuen die Kraft zu zeigen, ein Neues aufzubauen.
Der Brief hatte in Gertrud den Entschluß gefestigt, auch ihren Gatten zunächst glauben zu lassen, daß durch Hllfe ihrer Mutter der Zwangsverkauf von Lützenburg nicht mehr erforderlich fei. Der Rechtsanwalt hatte, ihren Gründen beipflichtend, sich bereit erklärt, dieser Darstellung nicht zu widersprechen und Lützenkirchens weiterer Bestimmungen abwarten zu wollen.
Warten — warten — die Tage — die Wochen — vielleicht die Jahre — immer warten — und den Jammer des Berlassenfeins zu überwinden suchen durch tätigen Fleiß, der von früh bis spät schaffend die Hände regte — bas war seit Monaten ihr Leben — Werktage, einer an den andern gereiht, eine dunkle Rette, der keine kürzeste Feststunde eine lichte Unterbrechung gab.
Aber doch — wie helle Festesfreude kam es über sie, als sie vom Fenster aus einen Wagen auf den Hof kohren und einen aussteigen sah, den Guten, den einzigen Freund.
Den Hausflur entlang fliegend, die Außentreppe hinab eilt sie Anton Weibrecht entgegen, bevor er noch in das Haus eingetreten ist.
„Wie gut von Ihnen, daß Sie gekommen sind!" Ihre Augen glänzten. Halb iit's ein Läch ln, halb ein heimlich Weinen, was ihm daraus als Wiillkommen entgegenleuchtet Aus ihrer Freude, ihn zu sehen, ktingr sie ihm heraus, die bittere Einsamkeit ihres Herzens, die es schon als ein Glück empfindet, ihn zu begrüßen — nur ihn — —
Anton Weibrecht schreitet neben Ihr her, wie sie. bevor sie ihn in das Haus führt, ihm erst alles Vollendete auf dem Hofe zeigen will. Er muh hinein in die Ställe, das neue Vieh sehen, in das neue Molkerei- gebaute, wo sie ihm stolz von ihrer erworbenen Tüchtigkeit berichtete die sich hier besonders betätigt hat.
Es tut ihm roch, wie er sie so voll Eifer sieht, wie ihr ganzes Wesen, ohne daß sie selbst sich d:ssen bewußt wird, es ausspricht: „Ich tu’s für ihn! Und ich freue mich für ihn, bin stolz für ihn und mein Herz krankt an Sehnsucht nach ihm."
Leitung
sprechende Außenumsätze gegenüberstehen, den Schluß zu- lassen, daß die gegenüber den Normalertragen fehlenden Mengen im Schleichhandel ab gesetzt sind, was zu einet dementsprechenden Veranlagung führen mußte. Es soll schließlich noch darauf hrngewiesen werden, daß weder bei der Pauschalierung noch bei der Emzeloeranlagung lonstige Abzüge (außer den Naturasbezügen des landwirtschaftlichm Gesindes) gemacht werden dürfen; insbesondere auch nicht solche für Werbungskosten.
Christliche Arbeiler gegen die Pariser Beschlüsse.
Die am 14. Februar in Frankfurt a. M. tagende Konferenz christlicher Gewerkschaftsfunktionäre Mitteldeutschlands. die über 100 0 0 0 chrtst l.- nationate Arbeiter vertreten, protestierten in der allerschärfsten Weise gegen die neuesten Eu'schad«- gunasbeschlüsse der Alliierten, nach denen bas deutsche ißolf über 40 Jahre unter dem Druck und der Knute seiner ehemaligen Feinde seufzen soll.
Vom Standpunkt der schäftenden Arbeit, Insbesondere der auf ihren Arbeitsverdienst angewiesenen Arbeitnehmer, kann es gegen die beabsichtigte Erdrosse, luno namentlich hervorgerufen durch die zwolfprozen- jige" Ausfichrabgabe, die den Ruin der deutschen Dolks- wirsschaft bedeuten würde nur ein entschiedenes N ei n geben. Ungeheuer groß und furchtbar »st jetzt schon die Not und das Elend im deutschen Volke, Kinderkrankheiten und Kinder- und Frauensterblichkeit nehmen von Woche zu Woche zu, weite Kreise des Volkes verfügen uichr mehr über das Allernotdürftigste. Eine weitere Versmlechterung dieser Lage würde bas deutsche Volk ,u Grunde richten und aus der Weltwirtschaft aus. schließen Die Wirkung der angedrohten Repressalien würde aber auch für das übrige Europa verhängn'svoll „erben Ramms der christlich oraanistert-n Arbeiter Mitt-ldeurichlands fordern wir daher alle für Deut'ch- lanb« Zukunft mitverantwortlichen Organisationen auf, die Schicksalsfragen der Nation über alle inneren Gegensätze zu stellen und die Regierung in ihrem schweren Abwehrkampf nachhaltig zu unterstützen.
Kirche und $$ule.
* Eine soziale Großlal der argentinischen Laiho- liken. Die argentinischen Bischöfe haben in einem gemeinsamen Hirtenschreiben zu einer allgemeinen Sammlung für soziale Zwecke aufgerufen. Der Erfolg übertraf olle Erwartunaen. Das Gesamtergebnis bestes sich auf über 10 Millionen Pesos (nach dem Friedens- kurfe etwa 15 Millionen Mark, heule das Sechsfache) Von dem G?lde werden errichiet: 1. Das soziale Volksbüro für jonale Wohltätigkeit. 2. Das Volkswohnhaus zur Bejeitiaung der öffentlichen Unsittlichkeit. 3. Die Arbefterhochschule. 4. Die ländliche Kreditkasse 5 Das weibliche technisch« Institut. 6. Das Iugend- biidmmsathenäum. 7. Die Unterstützung bestehender ähnlicher Einrichtungen und Errichtung neuer nach Be- bar?. — Diese Großtat der argentinischen Katholiken sucht ihres nkithen. Und sie ist ein Beweis für die Opfeewilliakett sowie auch für das soziale Verständnts derselben. Das tst der sicherste Weg zur Lösung der sozialen Frage.
Aus Oberhessen unv von Hess. Aemtern.
A Marburg. Am 18. Februar begeht die hier wohnende Pfarrerwitwe Haas ihren 95. Geburtstag. Sie dürste die älteste Marburgerin fein.
A Marburg. 3n der Stadtverordneten- sitzung wurde allen Ernstes die Einstellung der Straßenbahn, die in der letzten Zeit nickt auf ihre Betriebskosten kommt, sondern mit Defizit arbeitet, erwogen. Der Au-Gli stellt sich im letzten halben Jahre schon auf rund 46 000 Mark, für das pnme Jahr rechnet man 70 000 Mark. Es wurde sckließssch beschlossen, die Herabsetzung des Tarifs von 40 auf 30 Pfg. in Am sicht tu nehmen und das Personal zu ver- rinm-rn Außerdem soll der Unterbau nach und nach befestigt werden, weil andauernd mehrere Arbeiter mit Am-besserung m beschäftigt werden miMen. Ferner be- sch'o^en tue Siadwerordneteti Me Erhebung einer Zie» gensteuer von 20 Mark zur Deckung der Unkosten der Bockhaltung. ____________ ___________
Vermischter.
* Ein« Räuberbande, hie feit Umbruch der Revolution im Siegerland imb Westerwold u. a. mit Erschießen von zwei Landwirten m-hrere Kraftwgo->n- lodungen Mehl und Getreide erpresste, konnte in Gienen verhaftet werden. Die Räuber, deren fiaupta-'füh- rer der Gastwirt Alfred Konrad aus Eiserisld und der Technik-r Leineba-m aus Lanq-na-, bei Kreuztal sind, Nnd sömff'ck 'M West"rwa'd und Siegerland wohnhaft. Bei der Verübung eines neuen Verbrechens konnten sechs von den Räubern verhaftet und der Kraftwagen beschlagnahmt werden.
Aber er lächelt ihr zu und zeigt Interesse für alles, was sie ihm zeigt und erklärt, und ist glücklich, hin unv wieder ein Lächeln bei ihr aussteigen zu fchen. das dem ähnelt, wie sie es ehedem auf dem Kindergesicht getragen hat.
Drinnen im Zimmer hat sie's eilig, es ihm behaglich zu machen. Ihm aber ist's, als fei er am Ersticken. Tiefe Traulichkeit des Daheims, ihre vertraulich herzliche, fast zärtliche Art, die ihm vor Augen führt, was seines Lebens höchstes Glück hätte fein können und doch immer, immer das des andern fein wird — er glaubt, es nicht ertragen zu können, fo noch Stunden ihr gegenüber zu sitzen Er durchmißt bas I mmer, schreitet durch die offenstehende Tür iri den großen Nebenraum und steht mit gesenktem Kopf vor dem marmornen Genius des Friedens.
„Dafür habe ich Ihnen auch noch nicht gedankt, so wie Ich's müßte."
Weibrecht zuckt zusammen, ar5 er so dicht neben sich ihre Stimme oenrmmt. Gertrud aber achtet es nicht, denn heiß gl'illt's ihr aus dem Herzen heraus und läßt sich nicht mehr auf den L'ppen zuröckdämmen.
„Für nichts habe ich Ihnen gedankt, so wie ich es müßte. Und dank es Ihnen doch ko viel mehr, als ich es nur zu sagen vermag. Und ob mir noch einmal mein volles Glück wiederkehrt oder nicht,. Ihnen gilt mein Dank, solange ich lebe. Fast eins Fremde war ich Ihnen, und Sic haben so viel, so unendlich vieles für mich getan. Und ich kann es Ihnen mit nichts vergelten mit gar nichts weiter, als Sie liebhaben und Ihnen danken."
Sie hat mit bebendem Druck feine Hände gefaßt, und im heißen Impuls ihres tiefen Empfindens beugt sie sich plötzlich darüber, mit ihren Lippen sie berührend.
Anton Weibrecht hat sich lesierissen. fast hat er sie von sich gestoßen, taumelt selbst einen Schritt rückwärts und steht nun wie erstarrt da.
Gertrud ist tief erschrocken. Angstvoll forschend, fragend blickt sie in sein Gesicht
Da gewahrt sie darin den Ausdruck einer so bittern Qual, aus feinen Augen springt es ihr entgegen wie ein Wehgejchrei: „Was hast Du mir getan?"
Druck der Fuldaer Actieudruckerei m «Wbo
* Der Prozeß Kaiser. Vor dem Landgerich Müncken I stand am Dienstag der von den zlu bäneein der modernen Richtung sehr gefeierte Dichter Georg Kaiser und seine Frau, die des Diebstahli und der Unterschlagung in mehreren Fällen beschuldigt wurde. Die Angeklagten gaben ihre Straf« taten ohne weiteres zu. Der Dichter begründete seinen Diebstahl mit finanziellen Schmierigkeiten. Er sei eines der roenben produktiven Talente, die es jetzt gebe, und fo müsse er sich feinet dichterischen Produktion unter allen Umständen und mir allen Mitteln erhallen. Als Dichter stehe er außerhalb der Gesetze. Tas Gericht erkannte diese Grundsätze aber nicht an, sondern verurteilte ibn zu einem Jahr Gefängnis, rechnete ihm aber 4 Monate Um er» suchungsbafr an und gab ihm eine längere Be» währimosfrist. Seine Frau, die sichtlich völlig unter dem Einfluß ihres Mannes stand, wurde unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und erhielt für die oanze Strafe Bewäbrunas'rist.
* (Eine große Zunahme der fliegenden Händler besonders mit Lebensmitteln, wird aus vielen Gegenden Deutschlands gemeldet. Auch ein Zeichen, daß die Nei- gimg zu fleißiger Handarbeit sinkt. Der Verdienst ist bei den schwankenden Preisen im Lebensmittelhandel freilich fraglich, die gute Zeit dafür ist vorbei.
* Geren den .Ttatf. Der Bund der Erneuerung wirtschaftlicher Sitte und Verantwortung hat kürzlich an die preußischen Minister, sowie an den Reichsminister des Auswärtigen die Anregung gerichtet, bei Prüfungen und Vorstellungen cen Frackzwang abzusckafien. Sämtliche Minister haben dieser Anregung sofort entsprochen und haben ihre Amis- kreiie angetoie en, nur ein oche, angemessene Kleidung, die den ' e>, ;,en Per^ck'in'ffen en»kp 'rfit, zu forbern.
• „Ein Mönch als Mörder." Durch den römischen Vertreter des „Berliner Tageblatt" wurde, eine „pikante Geschichte" von einem „Mönch als Mörder" rn die deuriche Vlätterwelt gesetzt. Die „Freiburger Tages- post" hat sich an zuständiger Stelle in Neapel erkundigt und darüber folgenden Bescheid erhalten: Es handelt sich um einen ehemaligen Ordensmann, ein ver- trmmenes Individui'm. das bas Verbrechen einaeftanh, aber gar keine Reue zeigte. Eiarolino — so heißt der Mann — ist erblich belastet Zwei Brüder sind an Nervenkrankheit gestorben. Die Geschworenen haben' ihm deshalb auch mildernde Umstände zugeßilltgt, e'n deutsches Gericht würde ihn wohl in eine Nervenheil- anstatt gesteckt hoben. Die Familie, der Eiarolino ent- stammte, .war ach'bar. Schon lange vor der Tat hat Eiarolino keine Messe gelesen. Er lebte auch längst nicht mehr im Kloster, sondern In seiner^ Familie. Seine Ausschweifungen machten ihn zum Mörder. Er verlangte von seinem ehemaligen Provinzial Geld Als dieser es ihm verweigerte, erschlug er ihn kalten Bttftes, um ihn zu berauben. Vor Gericht luchte Eiarolino sich zu entfdmlb’gen. Indem er behauptete, die anderen Insassen seines Klosters trieben es äh"llch. Er wußte in- des keinen Namen zu nennen. Die Verhandlung spielte sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ab. Dennoch hat ein Blatt Neapels dieselbe wie auch die Selbfthinnraphte und die an Eiarolina gerichteten Liebesbriefe veröffentlicht. Der Redakteur des Blattes wurde menen Vergebens gegen die öffentliche Sittlichkeit zu 10000 Lire Geldstrafe und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Kirche und Franzl-kanerkloster lehnen die Verantwortung für den Mörder Eiarolino ab. Er hatte beiden längst den Rücken geteert
Auszug aus den Registern des Standesamts Fulda-
Sterbefälle vom 4.—11 Februar 1921.
4. »Februar. Bü-lerin Klara Müller. 32 I. 5 M. 3 T. 5. Paula Neidert aus tzos-n eld, 5 I. 18 T. 5 Ehefrau Maria Paul, 63 I. 27 T. 5. Postschaffner Geori Enkemuer, 50 I. 26 T. 5. Näherin Franziska Fuß aus Oberweihsn''runn 40 F 11 M. 2 T 6. Johannes Gcibel, Stunde 6. Landwirt Josef Flach au? Rom-thal, 55 I. 2 M 25 T. 6. Maria Franziska Bug, ledii, 67 I. 2 M. 25 T 8. Ehefrau Maria Zöllner aus Vacha, 40 I 4 M. 1 T. 8. Dienstmädchen Adelheid MeierHoft 59. 3 R. 7 T. 8. Witwe Juliane ZteHling, 79 I. 8 M. 19 T.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, 19. Fehr. Vorabend ottesdienst 5,20, morgens 8,30, nachm. 4, Sabbathausmna 6,35 Uhr. — Wochengottesdienst: Morgens 6,45, nachm. 5,15, abends 6,35 Uhr.
Coqnakj Rum, Liköre, Edelbranntweine empfiehlt
Joseph Schmitt, Fulda Boro und Kellerei: Panlustor 4-6 Kleinverkant: Marktstrasse -*2.
Sie vermag den Blick nicht von ihm zu wenden, und doch fühtt sie es wie Entsetzen von ihm zu sich hinübergleiten, eine Ahnung, eine bleiche Furcht, die sie rote tiefstes Schuldbewußtsein zu Boden drückt und sie in zitternder Abwehr stammeln läßt:
„Nein . . . nein! Sagen Sie mir, daß es nicht wahr ist! Daß ich nicht für alles Gute Ihnen ... das angetan habe!"
Anton Weibrecht hat wieder die Herrschaft über sich gefunden. Ihr Entsetzen gibt ihm die Straft der Ruhe zurück. Sonst sagt er:
„Verzeihen Sie mir und vergessen Sie diesen Augenblick. Und glauben Sie mir, daß nur ich es bin, der Ihnen für Gutes zu danken hat . . . nur für Gutes."
Gertrud hörte kaum, was er spricht. Die plötzliche Erkenntnis, was Anion Weibrecht für sie empfindet, hat sie völlig überwältigt, und unter dem Ansturm desscn, was das Erkennen in ihr heraufbeschwört, schlägt sie die Hände vor bas Gesicht und bricht in fassungsloses Weinen aus.
Er steht ein paar Sekunden mit zusammengebissenen Zähnen, bann hat er die .Hände vom Gesicht gezogen und sagt mit feinem guten Lächeln:
„Ich bin kein sonderlicher Held, Sie haben es jetzt gesehen. Wollen Sie mir es denn so schwer machen?"
Ein paarmal schluckt und würgt sie, dann hat sie die Tränen wieder hinabgezwungen. Und während die vergossenen ihr noch auf den Wangen glänzen, hebt sie die gefalteten Hände roic zur Abbitte:
„Ich habe cs wahrhaftig nicht gewußt. Gott ist mein Zeuge, daß mir nie nur ein leises Ahnen davon gekommen war."
Er nimmt die gefalteten Hände und hält sie innig zwischen den seinen.
„Sic dürfen mir bas nicht antun, daß Ihnen jetzt vielleicht ein Bereuen kommt, sich an mich gewandt zu haben. Sie haben mir damit, dass ich etwas für Sie tun konnte, das erfti> wahrhafte Glück meines Lebens gegeben, das schwöre ich Ihnen. Und nun versprechen auch Sie es mir daß Sie meiner weiter gedenken wollen als eines Freundes, eines Bruders, zu dem Sie kommen. den Sie rufen, so oft Sie seiner bedürfen." (F. f.)