FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
fit. 40.
Leranlwonlich iur Öen ceOoutoneUeu Teil: Karl Schütte. - für die Anzeigen: I. Parzeiier-Fulda. :: RotMonsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda, ^ernipredjer Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Sreltag, IS. Februar 1921.
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Ml. ohne Zustellgebühr. JnFuwo bei uns abgeholt 3,15 AN. Anzeigenpreis: DieKleinzetle iCownelmag) 60 JJfg, u. IO6,.Zuschlag, di- Reklamezeile (lertbreite) 1.80 2HL, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt.
48. Zahrg.
Aer entfesselt HlassenkampT und Bürgen Krieg? Die Radikalen, rechts und links, der Erfolg ihrer Uenteinungspolftik kann nur Untergang sein. Politik
der Versöhnung, des Wiederaufbaus
kann nur gelingen
der Partei aller Stände und Berufe, der Partei des sozialen und wirtschaftlichen Ausgleichs, der Partei der unermüdlichen und opferwilligen Mitarbeit,
===== dem Zentrum! ======
Sozialistische Zukunftspläne schlimmster Art hat die unabhängige „Programmkom- mission für das Schul- und Bildungs wesen" aufgestellt und in den Parteiblättern veröffentlicht. Darin haben sich diese Leute ganz offen und imgeicheut darüber ausgesprochen, rote sie sich das Verhältnis zwischen
Kirche und Staat vorstellen, wenn sie einmal die Herren sind. Die hier aufgestellten Leitsätze bezwecken nichts anderes als die Vernichtung der katholischen Kirche. Hier einige Proben:
Alle staatlichen rmd kommunalen Leistungen an die Kirche hören auf.
Kein staatlicher Beamter, Angestellter oder Arbeiter darf für Zwecke der ReligionsgemÄnschafien verwendet werden.
Keine Behörde darf Erhebungen über konfessionelle Zugehörigkeit anstellen.
Die kirchlichen Feiertage werden nicht als gesetzlich anerkannt; doch bleiben die Sonntage Ruhetage; Ostern und Pfingsten sind im Kalender festzulegen.
Staatliche rmd kommunale Anstalten, einschließlich der Schulen dürfen keine religiösen Feiern veranstalten.
Die Religionsgemeinschasien unterstehen dem allgemeinen Deremsrecht; als Mitglieder gelten nur die, die sich nach Inkrafttreten dieser Regelung zum Beitritt melden.
Das bewegliche Vermögen der bisherigen Kirchenge- meindrn wird öffentliches Eigentum.
Desgleichen ihre Grimdstücke und Gebäude, die aber den religiösen Vereinen von den Behörden zur Abhaltung religiöser Handlungen von Fall zu Fall oder auch für bestimmte Zeit mietweise überlassen werden können.
Abschaffung des Religionsunterrichts im Schulpro- gramm.
Die bloße Aufzählung dieser Programmpunkte sollte genügen, um jeden Katholiken, der noch nicht ganz mit seinem Glauben gefallen ist, davon abzuhalten, einem Kandidaten dieser Partei seine Stimme zu geben.
Also, „alle staatlichen und kommunalen Leistungen an die Kirche sollen aufhören". Dabei handelt es sich um die „staatlichen Zuschüsse" zu den Besoldungen und Pensionen für die Geistlichen und die Bau- und Erhaltungspflicht an Kirchen, Pfarrhäusern ufw. Diese Leistungen sind aber nichts weniger als ein Almosen oder ein freiwilliger Aufwand aus der Staatskasse, vielmehr sind sie eine gerechte und heilige Pflicht, die der Staat übernommen hat und übernehmen mußte, als er bei der Säkularisation der Kirche im vorigen Jahrhundert den größten Teil ihres Eigentums und Vermögens gewaltsam weggenommen und sich selbst angeeignet hat. Der Staat hat sich ausdrücklich in der Verfassung zu diesen Leistungen verpflichtet und ist feinen Verpflichtungen seither auch nachgekomwen. Die Unabhängigen dagegen wollen diesen feierlich übernommenen Verpflichtungen zur Be- ftrcthmg der kirchlichen Bedürfnisfe nicht mehr nach- kvmmen und der Kirche keinen Pfennig mehr geben, ein Hohn auf Recht und Gerechtigkeit im Staate der Unabhängigen. Aber damit wäre es noch nicht genug. Eine weitere Forderung ihres Programms lautet:
„Das bewegliche Vermögen der bisherigen Kirchengemeinden wird öffentliches Eigentum." Das heißt auf deutsch: auch bas Vermögen, welches die Kirche nach der Säkulari- Mon noch in chrem eigenen Besitz hat, also vor allem
Pfrimdvermögen der Pfarreim, Kaplaneien und jNtigen Kirchenstellen, das zur notdürftigen Besol- der Seelsorger im Laufe der Zeiten gestiftet und Eklelegt worden ist und welches auch der Staat in Näßten Kulturkämpferei nicht anzutasten wagte: mefes bis heute rein und ausschließliche Vermögen der Küche unb der einzelnen Kirchengemeinden zur Er- Mtung einer geordneten Seelsorge soll nach dem Programm der Unabhängig en eirrfach genommen m,b bem neuen konfessionslosen heidnischen Staate bis zum letzten Heller überliefert werden. Wie und woraus die Seelsorger künftig besoldet und die Eigen ^notwendigen Aufwendungen für Kirche und Kultus bestntten werden sollen, nachdem der Staat chnen den letzten Rest ihrer Unterhaltsquellen genom- ™en hat, davon sagt das Programm der Unabhängigen kem Wort. Aber ihre Forderungen gehen noch roetier. Sie lauten: „Des gleichen auch die kirch- llchen Grundstücke und Gebäude sollen öffentliches Eigentum werden, gleich dem bewegllchen Besitz der Kirche." Hierzu wird allerdings noch der Beisatz gemacht, daß die- lelbm den rehgwfen Vereinen von den Behörden zur Abhaltung rÄigiöser Handlungen von Fall zu Fall P&er auch für bestimmte Zeit mietweise Überlassen wer- können. Also unsere katholischen Kirchen landaus landab, die ehrwürdigen, vielfach so herrlichen und "tajestätrschen Gotteshäuser, die unsere Väter und Ahnen mit tausend Opfern an Geld und Arbeit zur Ehre Gottes und dem Heil der Einzelnen wie der Gemeinden errichtet haben, all unsere Stadt- und Land- *Wn mit ihrer o"jo herrlichen und wertvollen Aus
stattung an Wären, Gemälden, Gestühl, Orgeln, Glocken ufw. sollen den Kirchengemeinden kurzerhand genommen und als Eigentum des modern heidnischen Staates erklärt werden, welcher uneingeschränkt nach voller Willkür mit diesen Heiligtümem anfangen kann, was er will. Er k a n n sie auch — welch eine Ironie — den bisherigen rechtmäßigen Eigentümern wieder vermieten, so daß diese auf ein oder mehrere Jahre oder auch Jahrzehnte darin sich versammeln und Gottesdienst halten können, aber dazu ist der Staat nicht gezwungen, das ist in sein Belieben gestellt und er kann diese mietweise Benützung der Kirchen und Pfarrhäuser jederzeit kündigen. Natürlich haben daim die Gläubigen für diese mietweise Ueberlassung alljährlich entsprechende Summen an den Staat zu zahlen, die von ihm jederzeft beliebig gesteigert werden können. Wenn aber der Staat oder eine Gemeinde es für gut hält, dann können sie jederzeit Kirchen und Pfarrhäuser an andere Leute, an Anders- ober Ungläubige vermieten ober verkaufen, die Gotteshäuser in Versammlungshallen für politische Parteien, in Konzert- und Theatersäle, in Volkshallen, Museen, Ausstellungsräume und dergleichen verwandeln oder auch sie abbrechen beziehungsweise auf den Abbruch versteigern lassen. Die Kirche soll also auch noch bas Letzte und Heiligste, ihre ehrwürdigen Gotteshäuser durch einen Federstrich des Programms der Unabhängigen verlieren.
Jedes weitere Wort ist überflüssig. Diese geradezu entsetzlichen und grauenhaften Programmpunkte sprechen für sich selbst. Katholisches Volk, am 2 0. Februar sollst du dich entscheiden, ob du durch die Abgabe deines Stimmzettels dazu beitragen willst, daß diese roten Zukunftspläne der Verwirklichung näher kommen. Sas ist der Fall, wenn die sozialdemokratischen Parteien, einerlei welcher Schattierung, die Mehrheit erlangen. Wenn Kirche und Glauben, Gottesdienst rmd Gotteshaus dir noch teuer und heilig ist, bann darfst du keinen sozialdemokratischen Stimmzettel abgeben, bann darfst du nur eintreten für diejenige Partei, die allein seit Jahrzehnten die religiösen Interessen des katholischen Dolksteils unentwegt vertteten hat, bas ist die
Zentrumspartei.
Das Zeugnis der Gegner.
Auch in diesem WalMampfe suchen gelegentlich die Deutschnationalen das Zusammengehen des Zenttums mit der Mehrheitssozialdemokratie in der Koalition anszuschlachten. Run hat kein Geringerer rote der deutschnationale Führer Helfferich, als er noch Staatssekretär war, selbst dem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie bas Wort geredet, indem er laut Sitzungsprotokoll des Staatsministeriums vom 3. Januar 1916 folgendermaßen ausführte:
„Bei der Größe und der Bedeutung, welche die sozialdemokratische Partei im Reiche und im Volke nun einmal hat, sei es die bedeutungsvollste Aufgabe der Regierung, einen großen Teil der Sozialdemokratie für die positive Arbeit zu gewinnen. Die Regierung müsse dahin arbeiten, daß die Revisionisten nicht von den Radikalen niedergekämpft würden, und die große Waffe der sozialdemokratischen Wähler aus den Schützengräben auf dem Boden unserer Gesellschaftsordnung zurückführen. Dazu sei gewiß auch Aussicht vorhanden, aber doch nur, wenn man sich zu Zugeständnissen verstehe, denn sonst würden die eifrigen Bemühungen der sozialdemoklatischen Partei, rhren inneren Zusammenhang aufrechtzuerhalten, nicht zu überwinden )ein."
Also schon im Jahre 1916 befürwortete Helsserich nicht allein das Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie, sondern war sogar zu Zu- geständniffen an dieselbe bereit. Ist es nicht eine Unehrlichkeit unb Heuchelei sondergleichen, wenn seine Parteifreunde heule aus durchsichtigen Gründen dem Zentrum ein Verbrechen daraus machen wollen, daß es die Koalition mit den Demokraten und Mehrheitssozialdemokraten eingegangen ist und dadurch das V a- terlanb vordem völligen Untergang bewahrt und wertvolle kulturelle Guter gerettet hat, die sonst umviederbringlich verloren gewesen mären?
Es war eine große, schwierige und verdienstliche nationale Tat, als das Zentrum bald nach der Revolution dem rollenden UnAiicksrad beherzt in die Speichen griff unddenSturzindenAbgrundvcr- hinderte, während die Volksparteiler und die Deutschnationalen untätig beiseite standen. Hätte bas Zentrum das damals nicht getan, wäre Deutschland im roten Sumpf erstickt.
Ehre und Anerkennung deshalb dem wackeren Zentrum, das zuerst von allen bürgerlichen Parteien das Vaterland über die Partei gestellt hat.
Ihm geben wir am 2 0. Februar «ufere Stimme.
Auch die Provlnziallandtagswahlen sind wichtig!
Wer kümmerte sich früher um den Provinziallandtag? Das Volk nicht, weil es nicht zu ihm zu wäUen hatte. Künftig wird es anders fein. Warum? Weil am 20. Februar der Provinziallandtag bezw. der Kommunallandtag in gleicher geheimer direkter Wahl von allen wahlreifen Männern und grauen gewählt wird. Alle Parteien bewerben sich um Sitze in ihm. Schon daraus erhellt die Wichtigkeit der Provinziallandtagswahl: Warum dieser Kampf um Sitze im Provinziallandtag?
Da ist zunächst die wirtschaftliche und Geld- fr a g e. Der Kommunvllandtag erhebt Millionenbeträge an Steuern. Er unterhält unb baut die Prooin- ziaistraßen, die auch unsere Gegend durchziehen, er unterstützt die Meliorationen, das Urbarmachen von Oedland, die Anlage von Wafferleitungen, gründet landwirtschaftliche Winterschulen ufw.
Hast du ein Interesse daran, wie die Steuern festgesetzt unb rot» die Unterstützungsgelder verteilt werden? Dann mußt du zum Provinziallandtag w ä b l e ni
Doch viel Wichtigeres noch steht auf dem Spiel! Der Kommunallandtag hat auch erhebliche Kulturaufgaben zu lösen. Solche Kulturaufgaben der Provinz- bezw. des Kornmunal- lanbtages find z. L. Landarmen-, Irren-, Taubstummen- unb Blindenwesen, Landkrankenhäuser, Unterstützung milder Stiftungen, Rettungs-, Idioten- und anderer Wohltätigkeitoanstalten; Unterbringung von Fürsorgezöglingen, Hauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte unb Kriegshinterbliebene, Krüppelfürsorge.
Außerdem hat der Provinziallandtag die Elternbeiräte zu wählen, die beim Provinzialschulkollegium lind bei den Kommunalregierungen über den Charakter der Schulen und die Erteilung des Re- li g i o n s u i> t e r r i ch t s mit zu entscheiden haben.
Die Sozialdemokraten fordern die Verweltlichung der Provinzial Heilanstalten! Die barmherzigen Schwestern sollen also aus diesen Anstalten heraus. Kann das Zentrum im Kommunallandtag nicht ein gewichtiges Wort mitsprechen, bann wird die Erdrosselung der christlichen Liebestäligkett von links her kommen. Sind unsere Provinzialanstalten einmal verweltlicht, wird es schwer hallen, sie wieder zu oer- christlichen. Retten wir sie daher, ehe es zu spät ist!
Daher güt: Am 20. Februar, dem Großwahltage, darf kein Zentrumswähler, keine Zentrumswählerin an der Wahlurne fehlen!
Die Kaiserin in der Wahlagitation.
In der Wahlagitation der Deutschnatiolmlen spielt der nachfolgende, in Schreibmaschinenschrift vervielfältigte unb anscheinend massenweise verschickte Auszug aus einem angeblichen Briefe des früheren Prinzen August Wilhelm von Hohenzollern eine bedeutende Rolle:
„Denken Sie, diele fchniachvolle Regierung will die lleberführung meiner armen Mutter bei Tage verhindern, Grüner sagt, seine Leute würden streiken: Braun erklärt: Alles wird durch Reichswehr abgesperrt, damit die Bevölkerung nicht teilnehmen kann. Weismann sagt: Früher hätte man Liebknecht und Rosa Luxemburg auch nicht mit allen Ehren beisetzen lassen (gelogen, denn Bebel und Singer wurden im Triumph durch den Tiergarten geschleift). Dies muh mündlich schnell verbreitet werden. Bitte helfen Sie uns dabei, damit in weiten Kreisen diese Schamlosigkeit bald bekannt wird. Ebert exklärt: Sie ist eine preußische Person unb geht mich nichts an. Wie es mir als Sohn dabei ums Herz ist, können Sie sich denken. Stets dankbarst Ihr August Wilhelm, Prinz von Preußen."
Es handelt sich vermutlich um eine Fälschung, um einen für den wahlagitatorischen Zweck präparierten Brief, der sich an Besprechungen anlehnt, ine, wie man aus der „Voss. Zig." erfährt, in der Tat in den letzten Wochen von Vertretem des ehemaligen Kaifer- hauses mit der preußischen Regierung gepflogen worden sind wegen einer Leichenfeier in Potsdam. Daß dieser Brief überhaupt verschickt wird, zeugt von einer Geschmacklosigkeit, die man auch durch die Heftigkeit des Wahlkampfes nicht zu erklären, geschweige denn zu entschuldigen vermag. Im Hause Doorn ringt eine Frau, mit der man nur tiefstes menschliches Mitgefühl haben kann, mit dem Tode. Wenn auch keine Hoffnung auf Genesung besteht — sie lebt doch noch. Es ist eine Gefühllosigkeit ohnegleichen, die Lebende zu den Toten zu roerfen unb mit der Leiche der noch lebenden Kaiserin ein wahlposittsches Geschäft zu machen. — Amtlich wird erklärt, daß der Reichspräsident die ihm in dem angeblichen Briefe des Prinzen August Wilhelm zugefchriebene Aeußerung niemals getan habe.
Die deutschen Gegenvorschläge
für die Verhandlungen in London, die zurzeit von den Sachverständigen beraten werden, werden voraussichtlich Anfang der nächsten Woche fertiggeft'Bt fein. Wie wir hören, ist in Aussicht genommen, die Gegenvorschläge des Kabinetts zum Gegenstand einer Besprechung zwischen der Reichsreg'erunq und den Re'chs- tagsfrattronen sowie Vertretern des Reichswirtichasis- rats zu machen. Voraussichtlich werden diese Verhandlungen im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten geführt werden. In welcher Form die deutschen Gegenvorschläge der Entente zugehen werden, darüber ist noch keinerlei Beschluß gefaßt: auch nicht über die Frage, ob die Gegenvorschläge vor dem Zusammentritt der Londoner Verhandlungen überreicht roerben ober ob sie erst in London selbst von der deutschen Abordnung mitgeteilt werden. Die Zusammensetzung der dMtschen Abordnung ist noch nicht erfolgt. Es steht noch nicht endgültig fest, wer außer dem Außenminister Dr. Simons mit nach London gehen roirb.
Eine neue Rede Simons.
Der Re'chsmiwster des Aeußern Dr. Simons hielt am Mittwoch m der Karlsruher Festhalle eine weitere politische Rede, in der er sich in der Hauptsache mit der bevorstehenden Londoner Konferenz beschäftigte. Er führte u. a. aus, es fei unsere Aufgabe, den Franzosen nachzuweisen, daß es ihnen aus dem von ihnen betretenen Weg nicht gelingen werde, ihre schwierige Sage zu erleichtern. Wir müffen versuchen, die schwebenden Fragen zu lösen unb mit Vorschlägen an die Londoner Konferenz Herangehen, die innerlich durchdacht und praktisch durchführbar sind. Der Londoner Konferenz sieht der Minister mit roeng Vertrauen entgegen. Wenn wir jetzt nach London mit Gegenvorschlägen gehen, so wird die öffentliche Meinung in England in gleicher Weise revoltieren, wie die deutsche öffentliche Meinung gegen die Pariser Beschlüsse revolttert hat. Darüber müssen wir uns klar fein. Es ist möglich, es ist sogar llwhr- scheinl'ch, daß die Londoner Konferenz in ihren ersten Versuchen kein Ergebnis der Verständigung haben roirb. Es roirb außerordentlich schwer fein, sich in London über die neuen Methoden^ zu einigen. In den kommenden schweren Zeiten müsie das deutsche Volk festhalten an dem Wenigen, was wir aus dem Zusammenbruch gerettet haben. Zu diesem Wenigen gehöre die Unversehrtheit b e s Reichs- aebenfens. Die Pariser Beschlüsse liefen auf einen
Zusammenbruch alles dessen hinaus, was das deutsche Volk bisher auf geistigem und wirtschafte bem Gebiet geleistet habe. Die vorgesehenen Zwangsmaßnahmen beabsichtigen eine Trennung des Deutschen Reiches. Aber jede Bestrebung von außen, die darauf hinausgeht, das deutsche (Stammgebiet auseinanderzu- reißen, werde auf den einmütigen Widerst a n d des ganzen deutschen Volkes treffen. Er gehe nach London mit dem Gefühl, daß dieser Einhetts- gedanke nicht aus dem deutschen Volke herausgorissen werden könne. Dieses Gefühl gebe ihnen die Kraft, den unannehmbaren Fr■' 'ngen eilte ••treten.
Noch einmal seis gesagt.
Unser Stimmzettel enthält unter der Auf. schuft:
Landtag. Provinz. Kreis.
nur das Kennwort
Zentrumspartei.
Wer diesen Stimmzettel ab gibt, wählt damit sämtliche Kandidaten der Z e n t r um s l i st e n.
Er muß aber zwei solcher Stimmzettel abgeben, den einen für die Landtagswahl, den anderen für die Provinziallandtagswahl und für die Kreistagswahl.
Der Wähler bekommt im Wahllokal zwei verschiedene Wahlumschläge. Der eine ist für die Landtagswahl bestimmt, der andere füi die Provinziallandtags- und Kreistagsroahl.
Der Wähler st ecke je einen dieser Stimmzettel in jeden der beiden Umschläge.
Er hat bann, ohne sich irgendwie um die komplizierten Bestimmungen über gültige und ungültige Stimmen kümmern zu brauchen, für alle drei Wahlen gültig gewählt!
Laßt die Stimmzettel unverändert! Gar leicht werden sie ungültig!
Die Wahlfrist.
Die Wahlen geschehen am S o n n t a g, 2 0. Fe b r. 1921 von morgens 9 Uhr bis abends 6 Uhr. Haben alle eingetragenen Wähler abgeftimmt, und ist anzunehmen, daß Wahischeininhaber nicht mehr kommen ober noch zeitig genug einen benachbarten Wahlbezirk zur Abstimmung erreichen können, so kann der Wahlvorsteher auf einstimmigen Beschluß des Wahlvorstandes die Abstlmmung als geschloffen erklären.
Rumäniens Forderung an Deutschland.
Bekanntlid) hat die Pariser Konferenz für Deutschland eine Entschädigungssumme festgesetzt, ohne vorher die Einreichung der verschiedenen Ansprüche der einzelnen bereästigten Länder abzuwarten. Gleichzeitig aber wurden die Regierungen der verbündeten Länder aufgeferbert, mit möglichster Beschleunigung eine Aufstellung ihrer Ansprüche einzureichen. Wie die Bukarester Zeitungen melden, hat nunmehr Rumänien burdj seinen Vertreter N'eulcea bei der Reparationskommis- sion in Paris eine Entschädigungssumme von 31 Milliarden Goldleistung angemeldet. Hierzu ist zu bemerken, daß der Bettag, der von der deutschen Militärverwaltung durch die Santa Generala veranstalteten Bank- notenmission sowte bas Golddepot der Santa Generala bei der Reichsbank in Berlin in die Gesamtsumme nicht eingerechnet ist. Ebenso ist bas Quantum ober- schlesischer Steinkohle, auf bas bie Rumänen nach dem Versailler Vertrag einen Anspruch erheben und das nadj vorläufiger Schätzung etwa 10 000 Waggons jährlich betragen soll, noch nicht sestgelegt.
Jntereffant ist bei der phantastisch hohzm Forderung Rumäniens, daß dieses Land nach Boulogner Beschllis- sen nur 2 Prozent der von Deutschland zu leistenden Wtederautmachungssumme zu erwarten hat. Hieraus kann fid) der Leser ein Bild machen, welches Ergebnis die 2tüfforberung der Reparationskommifsion an die einzelnen Staaten, eine ungefähre Schätzung ihrer Entschädigungsansprüche abiugeben, haben wirb. Im geschäftlichen Leben pflegte man bislang außeraewöhn- lich hohe Rechnungen durch das Wort ..Avothekerrech- nung" zu bezeichnen. Wenn das deutsche Volk in Zukunft in ehrlicher Entrüstung gegenüber Ueberforderun- cen feiner Hernn Luft machen will, wird es nur den Begriff „Bukarester Rechnung" m prägen haben, und jedermann wird im Bilde fern Wir haben feit 2 Jahren fdiou manche Taten beobachtet, die auf Wahnsinn zurückzuführen find. Fast aber scheint es. daß wir die tollsten Blüten wahnwitziger Gesinnung noch zu erwar. ten haben.
&ne hochherzige Gabe her Katholiken Nordamerikas.
Die „Kölnische Volkszeitung" meldet: Erzbffchm Dr. Schulte erhielt vom Erzbischof in Ghkarn ein Kabel- telegramw daß eine Liebesgabe von 30 Millionen ’Sfunb Mehl für die Notleidenden Deutschlands geschickt werden solle. Der Erzbischof von Chicago hat um d>e Gestellung des erforderlichne Schiffsraums gebeten. Der Reichskanzler und der Reichs-rnäbrungsminister haben den Kölner Erzbichof unter Worten der Anerkennung für diele große Tat der Katholiken Nordamerikas telearavhisch wissen lasten, daß der Schiffs, raum unverzüglich zur Verfügung gestellt werde.
24 000 Mann farbiger Truppen im befehlen Gebiet
Ueber die Stärke der im Dezember 1920 im besetzten Rheinland befindlich gewesenen farbigen Truppen w>rc auf Grund einer amtlichen Umfrage folgende liederlich!