Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
. Nr. 39.
-derantroonltd; für den iroauumetlen Teil: Karl Schütte, für die 'Anzeigen: I. Parzelier-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ermpiecher Nr. 9. Telegr.-Adreise: Fuldaer Zeitung
Donnerstag, 17. Februar 1921
Bezugspreis: Monmlich 3,00 Ml. ohne Zustellgebühr. In gmvo bei unsabgeholl3,15 Mt. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile Colonelmak) 60 Psg„ u. 10°l,Zuschlag, die Reklamezeile (lepbrette' 1.80 UlL, u. 10«-. Zuschlag. Bel Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
Falscher Wert
Roman von tz. Abt.
nachkefen, seit Jahrzehnten vorausgefagt. Nicht olle haben es geglaubt. Aber der Anschauungsunterricht ist wirksamer. Die Sozialisten ihn jetzt durch. Und für die Kommunisten unö Unabhängigen besorgen
er arbeitet gegen.die Rettung aus dem Schiffbruch, die wir jetzt mit dem gesammelten Aufgebot unserer letzten Kräfte anstreben müssen.
Die unerfd erliche Entschlossenheit des Volkes, die Pariser Beschlüsse abzulehmn, muß sich in Preußen gerade jetzt, am Vorabend von London, dadurch bewähren, daß die Mehrheit der Wähler trotz aller Müdigkeit und Verdrossenheit auf Eigenbrödelei und sonstige Seitensprünge verzichtet und sich bei der Aus- Wung seines Bürgerrechts mir leiten läßt von der gewissenhaften Erwägung: Wird meine Abstimmung die Rettung Deutschlands aus der gegenwärtigen Bedrängnis erschweren oder erleichtern?
Sie Entschlossenheit des deutschen Volkes zum äußersten Widerstand gegen die angedrohte Versklavung muß nicht bioß unerschütterlich sein, sondern auch zielbewußt. Wer den Zweck ernstlich will, muh auch die Mittel ernstlich wollen und kräftig anwenden. Ein wesentliches Mittel zur Stärkung der Reichspolitik in diesem schicksalsschweren Zeitpunkt ist die Schaffung einer Landtagsmehrheit, die mit dem Reichstag und der Reichsregierurg gedeihlich Zusammenarbeiten will und kann. Daraus folgt die Nutzanwendung, daß kein guter Deutscher eine Partei unterstützen darf, die au die bestehende Ordnung im Reich ungünstig einwirken könnte.
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Dorette Pauly sieht sie durchdringend an; ihre starken Brauen sind finster zusammengezogen.
»Ueber eines sagen Sie mir die Wahrheit," fordert sie gebieterischen Tones. „Wußten Sie um Ihres Mannes Fortgehen, ober geschah es in Heimlichkeit vor Ihnen?"
Gertrud hat den Kopf stolz erhoben. „Sie fragen, was Ihnen nicht zukommt."
»heimlich also," nickt Frau Pauly, Gertrud betrach- tmd. als wolle sie sie mit ihren Blicken durchdringen. „Und daß Sie nun dafür hier sich so ins Zeug legen, soll das vielleicht so eine Art von Rache sein, möchten Sie etwa selber zur Herrschaft hier kommen, um . . . nachher bester heimzahlen zu können?"
Ein verächtliches Lächeln zuckt über Gertruds Gesicht-
„Es taugt nicht immer, den Maßstab eignen Geschäftsbetriebes auch bei andern anzulegen."
2luf Frau Dorettes Stirn und Wangen glühten ein paar brennend rote Streifen auf, fast wie die Fingerspur eines empfangenen Schlages. Etwas Wildes funkest in ihren Augen.
„Sfir Mann hat Ihnen gesagt, was zwischen ihm und mir gesprochen wurde, am Tage, nachdem ich bei Ihnen gewesen war?"
Ruhig blickte Gertrud Dorette Pauly an, die sie jetzt "ersteht, so sehr versteht, daß ihr fast ein Mitleid kommt wst dieser Ungebärdigkeit, die tobend um sich schlägt, •»eil sie es nicht wahr haben will, vielleicht kaum selber «veiß, daß ihr im Herzen drinnen ein Leid sitzt.
»2ch habe meinen Mann am Abend nach feinem Besuche zum letzten Male hier gesehen. Ob nachher noch ein« Erörterung zwischen Ihnen stattgefunden, die vielleicht auf seinen Entschluß von Einfluß gewesen ist jwi& ich nicht." . ]
Preutzcnwahlen und Außenpolitik.
Sichen denn ine Wahlen am Sonntag im Zusammenhang mit dem Gange der auswärtigen Politik?
Das ist in der Tat der Fall. Ern unglücklicher Ausfall der Preußenwahlen würde eine verhängnisvolle Verwirrung, eine Mlose Lähmung unserer ganzen Entwicklung herbeiführen. Das Ansehen und die Kraft der Reichsregienmg würde erschüttert, wenn sich aus dem Wahlergebnis die Möglichkeit einer „Krisis" ergibt. Das ist aber zu befürchten, wenn sich im neuen Landtage, des größten und gewichtigsten Einzelstaates, eine Parieigruppierung ergibt, die zu der Koalition im Reiche und dem auf ihr beruhenden Reichskabinett in unvereinbarem Gegensatz steht.
Wir haben ja zur Zeit rm Reiche eine sog. Minderheitsregierung. Sie hat sich trotz des Mangels einer fest organisierten Reichstagsmchrheit bisher dauerhaft und arbeitsfähig erwiesen, weil die mehrheitssozialistische Partei eine vernünftige Haltung bewahrt und die radikalen Opponenten von links und von rechts keinen entscheidenden Einfluß gewonnen haben. Es ist ein Gleichgewicht der Kräfte vorhanden, aber es ist nicht gegen Erschütterungen gesichert, wenn in dem vorwiegenden Preußenstaat die radikale Opposition erheblich verstärkt, dadurch die Gesinnungsgenossen im Reichstag zu neuen Vorstößen angeregt werden, und namentlich dann, wenn durch ein Anwachsen der Kommunisten und Unabhängigen die Mehrheitssozia- kisten des Reichstages in eine ähnliche Knechtschaft ge- ■aten würden, wie im Berliner Rathause nach Bildung einer rein sozialistischen Mehrheit.
Der preußisch« Wähler, der sich für radikale Kandidaten einfangen läßt und die extremen Richtungen unterstützt, hat kein Derstärrdnis für die LÄens- bedingungen des armen Vaterlandes. Ob bewußt oder unbewußt, ob aus Bosheit oder aus Verblendung, —
Alles versprach man den Mafien von der Vollsozialisierung, durch die erst die sozialistische Gesellschaftsordnung herbeigeführt werde. Wir können mm feststellen, daß die Sozialdemokrat» bis heute nicht klipp und klar sagen kann, wie sie die Doll- sozialisierrmg durchzusühren denkt. Die meisten sozia- listfichen Sachverständigen geben offen zu, daß sie in nächster Zukunft unausführbar ist.
Also auch die Einlösung des sozialistischen Hauptwechsels wird verweigert. Man nennt das im bürgerlichen Leben seine Zahlungsunfähigkeit tertiären, den Bankrott ansagen. Auf die Sozialdemokratie angewandt heißt das: die Sozialdemokratie kann auch weiter nur mit Versprechungen zahlen, wirkliche Werte kann sie nicht geben, und aus Aerger, Wut und Neid schimpft und lügt sie auf die große Volkspartei: das Zentrum.
Laßt sie sOmpsen!
Hausfrauen, wollt ihr
Dauerzwangswirtschaft?
Die Zwangswirtschaft im Kriege ist euch allen noch in schaudernder Erinnerung. Sie würde ähnlich, nur noch viel straffer dnrchqeführt, Tag um Tag euch beschieden sein, wenn die sozialistische Wirt-
Bankrott.
Zwei Sozialdemokraten: RrSolf Wissel und Robert Schmidt, waren Reichswirtschafts- minister. Auf dem Kasseler Parteitag im Oktober 1920 hat jeder von timen einer dem andern Unfähigkeit, Zweckwidrigkeiten und Unfruchtbarkeit vorgewor- fen. Und recht hatten sie alle beide. Nach solchen üblen Erfahrungenmit ihrer Kun st des Regierens, des Wiederaufbaues hat die Mehr- heitssozialdemokratie es für ratsamer gefunden, au- die Mitarbeit an der Neuerung zu verzichten. Das heißt: Jahrzehntelang lechzte man nach der po- litifchen Macht, um die Arbeiterschaft zu beglücken; als man die Macht hatte, da lief man davon. Man hatte emgefehen, daß man sich bisher besser auf Oppositionmachen, daß man sich befler auf Versprechen oerftanb, ds auf Besser» machen.
Was tau« «ns retten?
1. Die freudige Mitarbeit des ganzen Volkes — Wer nicht mitarbeitet und ooch dem Volke goldene Besprechungen macht, treibt verbrecherischen Parteiegoismus, ist ein gefährlicher Heuchler und verrät für elenden Scheinerfolg Volk und Baterlano.
2. Die Berjöhnnng aller Stände und Berufe. — Deshalb >, . mit Klaffenkamps und Klaffenparteien, den berouyien Feinden des sozialen Ausgleichs, fort mit allen, die jene beschimpfen, die opferfreudig die lauernde Gefahr des revolutionären Unterganges verhindert haben und erträgliche Zeiten herbeiführen wollen durch die Politik der Versöhnung aller Volksgenossen und durch Sammlung aller Gutgesinnten.
3. Moralische Größe, christliche Pslichttreue und religiöse Duldsamkeit. — Deshalb wendet Euch ab am 20. Februar in heiligem Zorn von den Gegnern des Christentums und seiner göttlichen Gesetze, wendet Euch ab entrüstet nicht minder von jenen Scheinheiligen, die das Wort vom Schutze des Christentums zwar täglich im Munde führen, jedoch iftets versagten, wenn es die Rechte der Kirche, die kon- fefftonefle Jugenderziehung und Lehrerbildung und die Heiligkeit von Ehe und Familie zu schützen galt. Rechnet aber am 20. Febr. auch mit jenen ab, die konfessionelle Brunnenoergiftung trieben und das Volk ent- zweiten durch konfessionelle Verhetzung und gewissenlose Unterdrückung der edelsten Kräfte des Christentums.
„Höret nicht auf die, die mit vieldeutigen Versprechungen Stimmenfang treiben...... Folgt
Männern, die du rch die Tat bewiesen haben, ob sie es ehrlich meinen mit dem Wiederaufbau von Volk und Vaterland, die den Rus verstehen, der aus Euer aller Herzen wie ein gewaltiges Volks- 4jebet zum Himmel dringt: Gib Frieden Herr in unfern Tagen".
WWfk unti lvkkdk sök MlWk, Mk o. FrelWk, Wählt Zentrum!
I Frau Dorettes Kopf hatte sich gesenkt. Schweigend I steht sie eine Weile vor Gertrud. Dann obre wirst sie I jählings den Kopf wieder in den Nacken:
I „Wollen Sie mir etwa Schuld geben, daß er fortgegangen ist?"
„Ihnen?" . . . Klar und fest ruhen Gertruds Augen auf ihr. „Ich gebe Ihnen keine Schuld, von der Sie selber sich nicht belastet fühlen."
Und wieder funkelt es wie Haß aus Frau Dorettes Blick: ihre Hand hat sich um die Falten ihres Kleides zur Faust geballt.
„Mein gutes Recht habe ich gewahrt, nichts weiter!"
„Ihr gutes Recht — o ja. Und ich versuche es, mein gutes Recht zu wahren, meinem Gatten wieder zu schaffen, was er ohne mein Wissen um meinetwillen verloren."
Es bleibt eine Weile still zwischen den beiden. Aus Frau Dorettes Augen ist das Funkeln gewichen, auf ihrem Gesicht liegt brütender Ernst, und schwer, als j ringe sie sich nur widerwillig die Worte ab, klingt ihre Stimme, wie sie endlich sagt:
„Und Sie trauen sich's zu, Lützenburg zu halten, bis Ihr Mann wieder zurückkommt? Und wenn nun Jahre darüber vergehen sollten?"
Wieder zögert Gertrud, eine Antwort zu geben. Aber plötzlich hat sie Frau Dorettes Hand gefaßt und sagt mit ernster Dringlichkeit, aus der heraus das heimliche Bangen klingt:
„Sie sind ehrlich, sind nicht kleinherzig .. . sagen Sie mir ... was Sie vorhin andeuteten über die Hilfe, die ich gefunden . . . waren das nur Ihre eigenen Gedanken, oder . . . sprachen Sie damit auch anderer Meinung aus?"
Frau Paulys Lippen werfen sich geringschätzig auf.
„Fragen Sie so sehr danach, was die Leute sagen?" „Ja, ich frage danach," ruft Gertrud erregt. „Denn es ist meines Mannes Marne, den ich zu behüten habe."
„Ihr Mann . . . sagt Dorette Pauly langsam, mit dunklem Blick Gretrud ansehend. „Sind Sie fo sicher, daß er es Ihnen danken wird, was Sie um ihn tun?
schastsordnung zur Wirklichkeit würde. Diese „Ordnung^ ist keine Ordnung, sondern volkswirtschaftlicher Unsinn, der in ferner luftigen weltfremden Auffassung voraussetzt, daß alle Menschen Engel toc n, wäarend sie doch alle eben nur Menschen sind. Aus diesen Menschen Engel zu machen, dazu ist gerade das sozialdemokratische Programm am allerwenigsten geeignet. Beweis: Kommunisten, Rotgardisten, Bolschewisten und ähnliches. So sind die Früchte der sozialdemokratischen Erziehung.
Nieder mit dem Wucher und der Ueber- Vorteilung, wo immer sie sich berborroagen! Nieder mit der Ausbeutung der Verbraucher durch gewissenlose Gewinnsucht! Das ist n a ch d r ü ck l i ch e Zentrumsforderung! Aber:unsereErnährungs- note überwinden wir nur durch Vermehrung des Angebots und damit der Konkurrenz, die allein verbilligt die Preise. Beides bringt uns nur die Vermehrung der Erzeugung! Die muß man, rechnend mit Menschen tote sie sind, nicht tote sie sein sollen, erstreben. Das ist volkswirtschaftlich vernünftig. Das bringt uns mehr Brot und mehr Fleisch.
Erhöhung der Erzeugung in den Fabriken schafft Ausfuhrwerte und erleichtert die notwendige Lebensmitteleinfuhr. Mit schablonenhafter Sozialisierung der Sozialdemokratie erhöht man auch diese Erzeugung nicht. Das sozialdemokrotifche Wirtschaftsprogrämm ist eben gruudverkehrtü
Hausfrauen, wenn ihr wollt, daß in zielsicherem Aufbau unserer Wirtschaft, — der jedem Stande das Seine gibt, — langsam aber sicher erträgliche Verhältnisse auf dem Lebensmittelmarkte zurückkehren, dann laßt euch nicht durch sozialistische Hetze betören. Mit deren Programm wird nichts gebefiert. (Siehe Rußland! Gräßliche Hungersnot in den Städten!) Wer in Zukunft zu erschwinglichen Preisen satt werden will, wer will, daß er seinen Kindern nicht immer die Brotschnitten abzählen muß, der wählt die Partei, die in den Vorkriegszeiten die Landwirtschaft so großartig leistungsfähig machen half und die auch jetzt unbeirrt von Hetze und Geschrei erstrebt, daß wir möglichst bald unabhängig von der fremben Einfuhr werden, der wählt am 20. Februar
(Z) A 1« M H *1 MM- V
tiut yctitrnnii
Die Deutschnationalen und die Interessen -er katholischen Wähler.
Im Wahlkampf wird bekanntlich viel versprochen, ost sogar gegen besseres Wissen und gegen die eigene Neberzeugung der Agitatoren. So hängen sich auch heute wieder die deutschnationalen Redner ihr zwar nicht berühmtes aber berüchtigtes nationales Mäntelchen um und gehen in katholischen Kreisen au Stimmenfang krebsen. Dem Mißtrauen, das be denkenden und mit den Kulturkampfsgelüsten der ehemaligen Konservativen vertrauten Katholiken aufsteigt, begegnen sie mit dem Hinweis, daß man doch eine ka tholische Abteilung in der Partei errichtet habe, die die Interessen der katholischen Wähler wahrnehmen würde. Dabei vergessen jedoch die Herrschaften zu erwägen, daß Kräfte der deutsch, nationalen Partei noch bis in die jüngste Zeit hinein tätig waren, das Vertrauen in die religiöse Toleranz der Deutschnationalen zu erschüttern.
Wenn die Herren von rechts wähnen, unter sich zu fein, so machen sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube und vergessen schon mal alle Rücksichten auf Wahlmanöver und Wahltaktik. So führte der deutschnationale Abg. Wienbeck in einer deutschnationalen Versammlung in Helmstedt aus: „Wenn Preußen nicht mehr führender Staat fei, dann werde Bayern die führende Stellung sich sichern; Bayern aber fei ein katholischer Staat. Darüber müsse sich jeder Nichtkatholik klar sein, daß wir dann unter starkem Einfluß des Katholizismus stehen würden, der für Deutschland nie segensreich war".
Es kommt noch besser. Bei einer dentschnatio- ualen Jubiläumsfeier zu Neustettin cerflieg sich
„Ich weiß mich eins mit memem^erzen/'lagtG^- trub stillen Tones, ob auch ein Erblassen über ihre Wangen geht. Und dann wiederholt sie noch einmal:
„Ich bitte Sie — antworten Sie mir, wie es die Wahrheit ist."
„Die Wahrheit" — Dorette Pauly lachte kurz auf — „wie fie unter den Gläubigern ausgefprengt wurde, die tut Ihnen keinen Schaden . . . Ihre Mutter, die ja wohl zur rechten Zeit eine große Heirat gemacht hat, soll da zum erstenmal ihre abefige Noblesse gezeigt haben . . . Nun — Sie brauchen nicht die Menschen aufzuklären, wenn Sie's anders wissen. Und ich" — sie zuckte die Schultern — „ich bin nie eine sehr unterhaltsame Natur gewesen über anderer Leute Angelegenhetten."
,Ich danke Ihnen," sagt Gertrud, und der Ton, der Blick drücken mehr aus als das gesprochene Wort. Und dann fügt sie mit ehrlichem Freimut hinzu:
„3d) habe Ihnen bisher keinen Platz angeboten. Wollen Sie mir's beweisen, daß Sie mir das nicht nach- tiagen . . .?"
Aber Dorette Pauly schüttelte den Kopf.
„Lassen Sie's gut sein. Heute nehme ich Ihnen die Ruhe nicht mit, auch wenn ich mich nicht setze. Ich kann es nicht haben, etwas in mir hin- und herzubrehen, was kein ganz Klares ist. Sie haben mich aufgeklärt . . . anders noch, als ich erwartet hatte, und . . . wir haben wohl für die Zukunft nichts weiter miteinander zu fchaf. en?"
Sie neigt ein wenig den Kopf und geht der Tür zu. Gerttud bleibt zurück. Sie schaut auch nicht vorn Fenier aus nach, wie Dorette Pauly den Hof von Lützen- burg verläßt. Aber wie sie selber mit stillem Gesicht sich anschickt, zu ihrer Arbeit zurückzukehren, rührt sie wieder das dem Mitleid gleichende Gefühl für die andere, die um denselben Mann gelitten haben mußte wie sie.
.(Fortsetzung folgt)'
der protestantische Pfarrer Klatt zu folgenden Sätzen : „Wie ist es nun gekommen, daß wir in den Ab- gründ gefallen sind? Drei Mächte haben biet die Hand im Spiele, 1. die internationale Gelümacht der Juden, 2. die internationale Macht d es Pap stt u ms und3. die internationale Gleichmacherei der Linksparteien".
Diesem offenen Glaubensbekenntnis deutschnationaler Kieste wird der katholische Wähler, die katholische Wählerin am 20. Febr. die richtige Antwort geben.
Eine Kampfansage an die deutschen Bischöfe.
Der liberal-sozialistische Deussche Lehrerverein gebärdet sich wie rasend, daß die deutschen Bischöfe es gewagt haben, feine einseitige und kurzsichtige Schulpolitik durch ein gemeinsames Hirtenschreiben lettisch zu beleuchten, als staatsfeindlich hinzustellen und abzutun. Die von dem D. L.-V. vertretene Schulpolitik stellt sich nicht auf den Boden der in unferm Vaterlande gegebenen Tatsachen: Verschiedenheit der Konfessionen. Der D. L.-V. sieht es als eine Anmaßung, als eine Ungerechtigkeit an, wenn die steuerzahlenden, christlichen Eltern für chre Kinder Bekenntnisschulen forbem und nicht einer gewissen Lehrerschaft zu Gefallen für die konfejsionslose Schule eintreten. Der D. L.-B. liest aus dem gemeinsamen Hirtenschreiben Fesselung des Lehrerstandes heraus, wenn die Kirche für die Schule rel- giös durchwärmte Charaktere als Jugendbildner fordert, fühlt sich selbst aber von jeder Schuld (Terror) frei, wenn er keine religiös gesinnten Lehrer in seinen Reihen duldet, überhaupt keinen Platz für sie hat. Um die Sache mit der Fesselung schmackhafter zu machen, deuteü der D. L.-V. das Hirtenschreiben so um, als ab die Kirche sine wirtschaftliche und gesellichaft- liche Besserstellung der Lchrer verhindern wolle. Ge- schieht wohl weniger durch Außenstehende.
Die Schule braucht Frieden und sucht den Frieden. Darin hat der D. L.-V. recht. Der Friede nnrd aber am besten gewahrt durch Beachtung der Eigenart, Pflege der SniröitnraFrtät, ein in der Pädagogik überaus beliebtes Wort. Man wende dieses Wort überall mit Gerechtigkett an!
Der D. L.-D. faßt das freie Wort der Bischöfe als Kampfansage auf, weil dadurch seine und seiner Anhänger peiffönliche Interessen bedroht sind. Die Dfichöse handeln aber im Interesse des großen oder größten Teiles der Ellern und Kinder, für welche sie chre. väterliche Stimme erhoben hoben. Der D. L.-V. rüstet sich zum Kampfe gegen die Stellvertreter Gottes und Sachanwälte der (Ettern und will kämpfen, bis Trümmerstätten und Leichenfelder bleiben, d. h. mit andern Worten: „Es kommt uns nicht auf die Kinder, auf die christlichen Eltern, auf die religiös gesinnten Lehrer an, sondern auf uns, auf uns allein." In seiner unsachlichen Stellungnahme sagt der D. L.-D.: „Der Erfolg der bischöflichen Erklärung wird in erster Linie sein, daß sie die entgegengesetzte Sette, die jede religiöse kirchliche Beeinflussung von der Jugend fernhalten will, unter die Waffen ruft. Haben das die Bischöfe vorausgesehen oder gar gewollt? Eine kämpferische, von Herrschgelüsten erfüllte Kirche ist für Volk und Staat von heute kaum noch die allen werwolle sittliche Macht, die vom Staate Schutz und Förderung erwarten borf."
Jetzt wißt ihr's, christliche Wähler!
Die Beratung der
deutschen Gegenvorschläge wird sich noch mehrere Tage hinziehen. Der Sachverständigenausschuß, der zur Ausarbeitung der Vorschläge eingesetzt ist, tritt am Freitag zu seiner zweiten gemeinsamen Sitzung zusammen. Die einzelnen Mit- glieber des Ausschusses haben sich in der Zwischenzett eingehend mit den ihnen bisher zugegangenen statistischen Unterlagen beschäftigt. Eine ganze Anzahl wich- tiger Unterlagen liegen aber noch gar nicht vor, da virl
So dösig.
Ich kenne hier in der Stadt einen Herrn, dessen Ge- sichtszügc stetig den Barometerstand der Zeitlage um zweideutig wiederspiegeln. Seine innere Seelenstimmung macht sich bald in Aeußerungen dumpfer Der- zweiflrmg, bald in solchen grollender Wut bemerkbar. Nur in einem bleibt er sich gleich — er schimpft immer. Einzig die Tonart wechselt zwischen Moll und Dur. Der Unterton, der aber dauernd mitklingt, ist der Unwille, daß feit dein Ausbruch des Krieges und nun noch mehr feit der Revolution es so viele Störenfriede der Gemütsruhe gibt. Während des Krieges bedeutete es doch eine große Unbequemlichkeit, daß man niemals ganz genau wissen konnte, ob nicht auch noch die älteren Jahrgänge über fünfzig eingezogen werden würden, ganz abgesehen davon, daß auch die Lektüre der Kriegs- berichte sehr oft düstere Schatten in seine Seele zu werfen geeignet waren. Und nun erst feit der Revolution l Bald sind es die Putschisten im Innern, bald die Entente von außen, vor allem aber die nie enden wollende Steuerschraube! Diese vergällen dem Guten — ausgerechnet jetzt, wo es wieder was anständiges zu essen gibt — jeden Bissen im Munde. Wir hoben es nämlich mit einem Staatsbürger zu tun, der Sechser- ständiger ist für Lebenskunst im Sinne der Behaglichkeit. Weder während des Krieges, noch auch in der nachfolgenden Zeit hat er sich. in irgend einer Weife gemeinnützig betätigt Wenn man ihn zum Beitritt zu einer Wahtfahrtsorganifation aufforderte, wies er solches Ansinnen mit Entrüstung über die deutsch» „Ueberorgantificrungsmanie" zurück. Dabei ist er von Hause aus ein gutmütiger Mensch und Berichte über die Wirkungen der Hungerblockade, über Kinderelend und Rot in Einzelfamilien finden ihn stets zu einer Spende bereit, aber der Schilderung von Einzelheiten geht er aus dem Wege, sind sie doch geeignet, die zartbesaitete Seele aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein wahrer Selbstpeiniger, liest er mit Wohllust alle Zei-