Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.
Ur. 38.
-tjeranlwonUcy tüt Sei, -eoamonellen Teil: Karl Schürte, für ölt Anzeigen: I. Parzener-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda, -erniprecher Rr. 9. Telegr.-Adrefie: Fuldaer Zeitung
Mittwoch, 16. Zebruar 1921.
Bezugspreis: Monailtch 3.00 Alt. ohne Zustellgebühr. Fn tzu.So bet uns adgeholt 3,15 Alt. Anzeigenpreis: DieKleinzeile Cotonelmatz) 60 psg„ u. 10c« Zuschlag, die Sieklamrzrile (Texrbiettei 1.80 2HL, u. 10*-'« Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
48. Mrg.
der
Also tue jeder, was er form, im WeinLerg des
noch Die
aus-
Len „neuen sozialistischen Glauben":
„Wir glauben an diese Welt!
Las i st unsere Religion!"
Und „das Ziel" dieser Religion soll fein’ Himmel auf (Erben !"
In Den Weinderg Der Wahl!
Wer um dir elfte Stunde kommt, wird auch belohnt. Spät ist es, ober noch nicht z u sM. letzten Tage vor der Wahi müssen aufs äußerste gerächt werden.
„Längst haben wir den Glauben verloren, dah über den Wolken oder jenseits der Welt ein Paradies auf uns wartet. Aber einen schönem Glauben haben wir gewonnen: Hier auf Erdens!!) wird das Paradies erstehen! — Und sicherlich ist dieser Glauben schöner und naiürlicher als der an ein HlaraLäes der Vollkommenheit, einen Garten Eden außerhalb der Welt."
Und nun kommt die ganze nackte Wahrheit über
I haben oder nicht sofort Folge leisten formten. Es wird I ihnen alles verziehen werden, wenn sie noch in letzter Stunde sich aufrassen und dos Versäumte uachholen.
In wenigen Lagen läßt sich noch vieles erreichen. Zunächst die gehörige Vorbereitung des Einzelnen und I seiner Familie für die Wahlhandlung. Dann aber auch I noch die heilsame Einwirkung auf die Freunde und Bekannten, ach den ganzen Um- gangskreis. Wo noch einer müssig oder verdrossen herumsieht, da kann ihn thi freundlicher Zuspruch mobil machen, daß auch er sich zum Gang in den Weinberg der Wahl euifchließt. Die soo. Kleinarbeit ist gerade in den letzten Tagen und Stunden recht am Platze, vor allem die freie, gelegentliche, persönliche Werbetätigkeit auf eigene Faust.
Dir Wahlbeteiligung kann leicht etwas zusammcn- schrumpfen, weil die hochpolitischen Schicksalsfragen die Aufmerksamkeit oblenken wollen und weil überhaupt in den zwei Jahren der neuen Arra sich allmählich eine gewisse Müdigkeil, stellenweise sogar Gleichgiltigkeit einzuschleichen droht. In derselben Richtung wirkt der Irrtum, als ob die Preuß> uroahlen, die sich „mir" auf einen Staat erstrecken, etwas Nebensächliches wären. Demgegenüber muß mit allen Mitteln die Erkenntnis verbreitet werden, daß cs sich um hochwichtige Ent- scheidungrli über die höchsten Kulturgüter, die religiös-sittlichen Interessen der Kinder und Eltern handelt, auch mitbestimmvnd ist für die Zukunft des Reiches, und baß die Erschütterung der Reichsrogierung durch eine schlechte Preußenwahl verhängnisvoll wäre für die Londoner Konferenz, die über Sein ober Nichtsein der Nation entscheiden soll. Das muß auch denen ins Gewissen getrieben werden, die für Bersammlungs- neben und Zeitungsartikel weniger zugänglich sind. Das lebendige Wort unter vier Augen kann da wunderbare Belehrungen und Bekehrungen bewirken. Für den Wahlzuspruch ist die letzte Zeit immer noch die rechte Zeit. >
Wir machen hier eine Pause, damit unsere Leser sich der ganzen Wucht dieser himmelstürmerischen Worte I bewußt werden können! Welch ein Titan ist doch der I Sozialismus! —
Der „Vorwärts-Almanach" hat recht. Eine Re- I ligion, die nur den „Himmel auf Erde n" sucht, j die nur an „diese Welt" glaubt, das ist wahrlich eine „n e tt e Religion", etwas noch „N i e g e w e s e n e s". Weder im Altertum, Mittelalter, noch Neuzeit, weder im Orient, noch im Occident, weder bei den Inden noch bei den Heiden, noch bei den Hottentotten ist bisher eine solche „Religion" dagewesen. Man verstehe uns nicht falsch: Solche Anschauungen sind wohl schon daaev'efen; aber man hat sie früher nicht „Religion" genannt, auch nicht „Glaube n", sondern Religionslosigkeit und Unglauben. Es ist in der Tat etwas noch „Niedagewesenes", daß man Religionslosigkeit „Religion" und Unglaube „Glaube" nennt!
Was der „Vorwärts-Almanach" sonst noch in diesem Artikel verzapft, ist krasser Pantheismus und Materialismus a la Schelling, Hegel ufifc Schopenhauer; so z. B. wenn cs heißt:
„In rms (Menschen Red.) ist zum ersten Mal auf dieser Erde das Leben zum Bewußtsein ferner selbst erwacht, zum ahnungsvollen Berstimbnis der 'unsagbaren I Heiligkeit des Wachsens imd Werdens, bas die belebte Natur von der unbelebten scheidet.
Und nichts hindert rms, jene geheimnisvolle Kraft, die alles Lebende gestaltet und in ollem Lebenden nach Klarheit ringt, göttlich zu nennen. Dieser Wille, sich zu behaupten wider den Tob, wie könnte dos bester bezeichnet werden als nyt dem ehrwürdigen Wort: G o 11."
Kann man krasser das Dasein eines außerweltlichen, seistigen, göttlichen Wesens leugnen, als es hier geschieht? Nach dieser pantheistischen Auffasstmg, rote sie hier gelehrt wird, ist die g a n z e W e l t Gott; w i r selbst such dic höchsten Glieder der Gottheit. Selbstverständlich >st alles, was dieser sozialistische Menschcn- gvtt tut, gut. Sünden, Verbrechen gibt es nicht. Hören wir, was der „Vorwärts-Almanach" darüber sagt:
„Nicht seine (des Menschen, Red.) Schuld ist es, wenn die bösen Eigenschaften in ihm sich stärker entwickeln als die guten, sondern sein Unglück. (Hier wirb also von Seiten der sozialistischen Aufklärung die Freiheit des Willens glatt geleugnet. D. Red.) Begreifen wir das, so wird es uns gelingen, wahrhaft brüderlich zu denken, attch gegenüber Feinden und Verbrechern. Das Böse ist eine Krankheit. Habt Mitleid mit den Kranken!"
Und nun sage noch einer, es sei nichts Gutes gc- roefen, daß man in den Tagen der Revolution die Zuchthäuser geöffnet und all die „göttlichen" Spitzbuben, Räuber, Schufte und Halunken heraus- gelafsen und auf die anderen „Menschengötter" losgelas- sen habe, um ihnen ihre Göttergleichheit deutlicher vor Augen zu führen!
Wer möchte, nachdem er die vorstehenden Zeilen gelesen und überdacht hat, noch behaupten, daß der Sozialismus als Weltanschauung sich mit unserem christlichen Glauben nicht wunderbar vertrage? Man vergleiche doch nur: Christus sagt: „M e i n Reich ist nicht oon dieser Welt;" der Sozialismus aber lehrt: „W i r giauben an diese Welt," und an sonst nichts! - Christus sagt: „Suchet zuerst das Reich ®ot»
Heuer und Wasser.
3n Mahlzeiten kommen sozialoemokratische Agitatoren immer wieder mit dem alten Schwindel, man könne ganz gut ein rabiater Sozialist und ein frommer Christ zugleich fein; ja ganz besonders tüchtige Genossen wollen den Mahler gar glauben machen, daß der So- gialtemus mit dem „eigentlichen" Christentum gleich- bedeutend sei, der Sozialismus allein sei dir Vertrettmg des „wahren" Christentums. Wir trachten in diesem Zusammenhänge daraus aufmertfam machen, daß ein führender Sozialist, Kautsky, für die Sozialdemokratie ausdrücklich den Grundsatz ausgestellt hat: „Dem Gegner gegenüber hat man die Pflicht der Wahr- haftigkei t nie anerkannt." Andere Genossen haben noch deutlicher erklärt, daß sie ihren Gegnern gegenüber weder wahr, noch treu, noch ehrlich seien. Nach diesem Grundsätze handelt die Sozialdemokratie, wenn sie in katholischen Gegenden ihre Angel auswirst. Wie es aber in Wirklichkeit mit den Bestrebungen des Sozialismus auf religiös-kulturellem Gebiete ausfieht, dafür können wir einen klassischen, zuverlässigen und durchschlagenden Beweis aus neuester Zeit anführen.
Der partcuaffiziöse „Vorwärtsverlag" an der sozialistischen Zentralstelle in Berlin hat im Anfang dieses Jahres einen „Vorwärts-Almanach" (Kalender) heraus- gegjefcen, der von den sozialistischen Blattern dem Leser- publikum eindringlich zum Kaufe empfohlen wurde. In ihm finden sich Beiträge führender sozialistischer Per- sönlichkekten, so von Philipp Scheidemann, Heinrich Kuno, Nikolaus Osterot, Dr. A. Conrady, S. Neft- riepke, Frau Maria Juchacz usw. Ein Artikel dieses „Vorworts-Almanachs" hat unser ganz besonderes Interesse erregt; er stammt aus der Feder des Genossen G. ». Frlinkenberg und ist überschrieben: „Die Wett- anschauung des Sozialismus." Und mm höre man, was der portcioffiziöse „Vorwärts-Verlag", der doch wohl die offiziellen und maßgebenden Ansichten der sozialistischen Reichszentrale in Berlin venritt, über die Weltanschauung des Sozialismus kmchgibt. Wem, nachdem er diese Ausführungen gelesen hat, die Augen immer noch nicht aufgehen, dem ist freilich nicht zu helfen, der hat Augen und sieht nicht, Ohren, und hört nicht; will nicht sehen und will nicht hören. Wir lassen nunmehr den „Vorwärts- Mmanach" zu Wort kommen:
„Sozialismus erschöpft sich nicht in Lohnforderungen und wlrtfchasMchen Neuerungen. Es ist schließlich die gowÄtigstc Kultur-Bewegung, (t) die unser alter Planet gesehen hat. Der Sieg der Sozialdemokratie be- Doutet den Sieg einer neuen, edler» Weltanschauung , ja, emer neuen Religion, tiefet und schöner als all die allen."
Eine „n e u e" Weltanscharumg, eine „n e u e" Religion erstrebt der Sozialismus? Das Hingt zum mindesten sehr verdächtig. Das kann doch nur heißen, daß der Sozialismus alle bisherigen Religionen, also auch das Christentum, zum alten Eisen werfen werbe; daß cs sich bei der „neuen Religion" eben um etwas ganz Neues handle. Und so ist cs in der Tat! Man höre weiter:
„Von dieser „neuen Lehre", die die sittliche Seite des Sozialismus ausmacht, steht weder in Büchern (man denke art Bibel imd Katechismus! D. Red.) zu lesen, noch wird sie von dm Kanzeln herab (!!) verkündet! Sie lebt bis heute in ben Herzen einiger Auserwählten. — Ern N i e- gewesencs gilt, es zu schaffen, ein Kunstwerk, ein Heiligtum." — Diese „neue Religion", — so wird weiter ausgeführt, — soll den Weg suchen zu einem „neuen Menschentum", zu dem „neuen Glauben" (!!!). Der „neue Glaube" soll bringen „dm Sieg der vernünftigen naturgemäßen Weitem sicht und Lebenssüh- I rang". („Naturgemäß", wohl im Gegensatz zu unfern: übernatürlichen Glauben. D. Red.) |
Damit mm ja keine Unklarheit darüber herrschen ! kann, wie die „neue Religion" und der „neue I Glaube" beschaffen sei, heißt es weiter:
Der Vergleich der Wahlarbeit mit der Tätigkeit im Weinberge des Herrn ist teuicsrocgs unpassend. Jede Pflichterfüllung ist für den Christen Gottesdienst. Die ,Trenn>mg von Kirche und Staat kam, freilich auf dem gesetzgeberischen Papier ausgesprochen werken, aber ter natürliche Zusammenhang zwischen der religiösen und der sittlichen Ordnung des Volkslebens, das Ineinander - greifen der beiden höchsten Gewalten lassen sich nicht ausschalten, da von beiden Seiten das Wohl dersel - b e n Persönlichkeiten angeprebt wird.
lebhafter von «wissen Parteien die äußerliche 1 s e“n3 f°9ar die Gegensätzlichkeit von Staat E Knchx angestrebt wiro, desto mehr müßen sich die christlichen Volksgenossen bemühen, die innere Harmonie, bas gedeihliche Zusammenwirken der idealen und materielle:! Triebkräfte zu sichern. Die Politik darf nicht m Gegensatz geraten zur Religion; das zu verhüten ist die erste Pflicht aller wirklich religiösen .bürget, und sie können durch die richtige Verwertung ihres Snmmzettels dafür sorgen, daß der Weinberg der Wohlfahrt ein einheitliches Ganzes bleibt.
Wenn u n s e r e B i s ch ö f e zur eifrigen Wahlbeteiligung mahnen, damit ei? hohen Güter der Jugenderziehung, des Farniliensstms, der Sittlichkeit und des inneren Friedens gewahrt bleiben, so wird ihnen von radikalen Heißspornen vorgemorfen, sie griffen unbefugt in das partelpos'.tiiche Getriebe ein, auch wenn sie von gar keiner Partei gesprochen haben. Die Mahnung zur gewissenhaften Erfüllung der Wahlpflicht ist kein Übergriff, sondern ein unbestreitbares Recht, das am wenigsten diejenigen bestreiten dürfen, die für sich und ihre Korparationmi die vollste Freiheit rück- ^chlslos fordern.
»Was stehet ihr hter müßig?" Heater *.1|U .... 0£5
tnt Evangelium vom Weinoerg. Die Antwort: Uns hat Herrn, in dem zugleich die zeitliche und die ewige Wohl- memand gedungen , ist jetzt nicht recht angebracht, da fahrt der Menschen erblühen soll. Das ist im Grunde
Ott orc 'U~ ^lc ^nh.arbeit ergangen kein Opfer, sondern eine klugc Tätigkeit im eigenen
6*2 epotünge mögen Jagen, daß sie bisher Interesse, da wir alle mit der Gesamtheit auf Gedeih pus diesem oder tenem Grunde die Einladung überhört I und Verderben verbunden sind. '
les imd sein- Gerechtigkeit!" der Sozialismus aber sagt: „Dumnheil! Unfere Religion hat den Himmel auf Erden zum Ziele." Christus sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Golt, lieben aus allen deinen Straften. Das ist dos erste und größte Gebot!" der Sozialismus aber sagt: „Was kümmert uns Gott! Kein höheres Ziel kann das Menschenleben haben als die Erhaltung des Menschentums, den Sieg der Menschheitsidee." Christus sagt. „Die Böses getan haben, werden ein« gehen in die ewige Pein;" ber Sozialismus aber fach: „Bödsinn' Es gibt überhaupt keine Sünder; es gibt nur Kranke!" Christus sagt: „Die Gutes getan haben, roerber auserftehen zum ewigen Leben!" Der Sozialismus aber fegt: „Längst haben wir den Glauben verloren, daß über den Wolken oder jenjetts der Welt ein Paradies auf uns wartet!" Bei solcher Gegenüberstellung muß doch std-s Kind einfehen, daß Bebel recht hatte, als er sagte: „Christentum und Sozia- lismus steben einander gegenüber wie Feuer und Wasser ;" wir fügen hinzu: wie Himmel tmd Erde, wir Tag und Nacht, rote Glaube und Unglaube, wie Christentum und Antichristentum. Größere Gegensätze |ibt es überhaupt nicht!
Ein Christ mag sich innerlich drehen und winden, rote er will er w i r d niemals sein Christentum mit dem Sozialismus vereinigen können.
Dem „Vorwärts-Almanach" aber sei herzlich und aufrichtig gedankt, daß er uns die längst bekannte Wahrheit kurz vor den Wahlen noch einmal so sonnenklar, so für jedes kleine Kind verständlich, so unverwischbar deutlich ocr Augen geführt hat, daß Sozialismus und Christentum sich gegenüberstehen
wie Feuer und Wasser.
Sozialisierung,
nur noch ein AgilliiionsmMel der Sozialisten.
Im sozialistischen Hamburger „Echo" schreibt Fritz Kummer:
Wenn nicht sehr bald ein durchschlagender Vorstoß in der Herzenssache des Proletariats, der Sozialisierung, gemacht wird, dann steht sehr zu befürchten, daß der Mißmut die Enttäuschung noch zahlreichere Ar- beitcrhaufen oon der Wahlurne fern hält.
Damit ist vielleicht mehr unbewußt als gewollt der tiefste Grimd angegeben, weshalb auch die mehrheitssozialistische Presse mit solcher Gewalt in das Horn ber Sozialisierung stößt, unterstützt habet von den freien Gewertschaften. Die Wahlen zum preußischen Landtag stehen vor der Türe. Gerade im knehrheitssozialisti- schen Lager rechnet man mit einer großen Wahlmüdig- keit. Da gilt es nun ein Aufrüttelungsmittel ausfindig ju machen, um die Massen etwas mehr auf die Beine zu bringen. Nach außen hin zeigen sich so die Herrschaften oon den freien Gewerkschaften mit dicken Backen. 3m Herzen denken sie aber wesentlich anders und aus dem füllen Kämmerlein dringen ganz leise auch andere Töne in die Oeffentlichkeit. Nach der deutschen Bergwerkszeitung (30. San.) hat der Bundesausschuß des die soziallstischen Gewerkschaften umfassenden Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes sich auf seiner letzten Tagung zwei Tage lang mit der Sozialisierungs- frage beschäftigt. Unter anderem wurde dort folgendes ausgeführt: Es fei total falsch, wenn jemand glaube, die Sozialisierung behebe die N<0 t b c s einzelnen Menschen; sie könne vielmehr außerordentlich gefährlich werden. In einer Seit, in der ein erhebliche wirtschaftlicher Fehlbetrag zu verzeichnen sei, ein Experiment, wie bas der Sozialisierung zu unternehmen, sei s e h r b e d e n k- l i ch.
Das unabhängige Z.mralorgan schrieb:
Kein vernünftiger Arbeiter, mag er uechts ober links von uns stehen, wirb sich ber Einsicht verschließen können, Satz bieie iMige bet Hebei ist, an dem Sie cefamte Energie ber jozralist schen Arbeiterschaft ernfetzen muß, um Sie vorübergehend ins Stocken geratene proletarische K l a s- sendewegung in Deutschland in Gang zu bringen und in die Festung der bürgerlichen Reaktion Bresche zu schlagen. Wir maßen uns nicht an, in Dieier Aktion das alleinige Heilmittel zu sehen, denn wir haben turne „fix und fertigen Utopien in ber Tasche, und mir haben stets abgeleynt, mit irgend einer „alleinseligmachenden" Ibeorie vor ben Mafien zu paradieren. Aber wenn etwas geeignet ist, ben in Müdigkeit und Interesselosigkeit verfallenden Massen wieder den (Rauben an ein großes Ziel, ben Glauben an ihre eigene Kraft miederzugeben, so ist es eine Aktion, tn bet die, wenn auch mir teilweise, Ber- w'nklichmtg sozialistischer Ziele sich paart mit ber Zertrümmerung kapitalistischer Machtpositionen. („Freiheit" 1921, Rr. 1.)
Das radikale Sozialisierungsgeschrei toll mangels febet anderen zugkräftigen Wahl - paroie die Massen am 20. Februar an die Wahlurne bringen!
Hier blinkt der politische Pferdefuß aus jeder Zeile hervor. Die Sozialisierung ist zur Zeit ein po (i t i = sche s A gitations mittel, und nach dieser Rich- tuns! sind sich heute beide feindlichen Brüder in letzter Sinie doch einig. Mehrheitssozialisten und Unabhängige sowie die in den „freien Gewerkschaften". Und Kum- mer sagt ehrlich heraus, roas andere denken:
Drei Wahlen.
Werden bekanntlich am kommenden Somstaa, 20. Februar, gleichzeitig in Preußen vollzogen:
1) für den Canbfag;
2) für den Kommmiallandlag;
5) für den Kreistag.
Man könnte glauben, das gäbe ein verwickeltes Wahlgeschäft, bei dem allerlei Wirrwarr entstehen müßte. Cs ist aber gar nicht so schlimm. Im Gegen- teA, das Verfahren ist für den Wähler so einfach wie nur möglich gemacht. Zunächst tragen diesmal die Stimmzettel (im allgemeinen) nicht die Namen der Kandidaten, sondern nur den Partei na men. Es braucht sich also niemand die lange Liste der Kandidaten für die drei verschiedenen Wahlen zu merken, um Verwechselungen zu vermeiden. Es genügt, wenn er sich davon überzeugt, daß seine Stimmzettel das Kennwort
Zentrumspartei
tragen, dann weiß er, daß er den richtigen Wahlzettel hch. Die Stimmzettel für alle drei Wahlen tragen dieses Kennwort; sie müssen außerdem eine Aufschrift tragen, aus der sich ergibt, für welche Wah! — ob für den Landtag, den Kommunallandtag oder den Kreistag — sie bestimmt sind. Es ist aber gestattet, alle Aufschriften zugleich auf den Zette! zu setzen; sie bleiben deshalb doch für alle Wahle* gütig. Bon dieser Erlaubnis ist in unferm Wahlkreis« Gebrauch gemacht werden, alle unsere Wahlzettel für alle drei Wahlen tragen also einheitlich das Kennwort „3 cntrums pa r tei" und die Aufschrift „L an6« tag, Provinz, Stets". Sie sehen so aus:
Landtag. Provinz. Kreis.
Zenkrumsparlei.
Verschieden ist nur der Aufdruck der amtlichei Wahlumschläge, die man im Wahllokal erhält, je nachdem für welche Wahl sie gelten. Dabei ist aber vorgesehen! daß Provinz- und Kreiswahl m einer Wahl geschehen. Es gibt also nur zwei Wahlumschläge, einer mit dem Aufdruck „Preußischer Landtag" und einer mit dem Aufdruck „Provinziallandtag und Kreistag". In «den Wohlumschlag kommt ein Wahlzettel und zwar von derselben Sorte, so wie er oben abgrdnickt ist. Streichungen und Aenderungen soll man an dem Zettel n i ch t vornehmen, er könnte dadurch ungültig werden.
Das Wahlverfahren ist also ganz einfach. Um aber etwa noch mögliche Unklarheiten zu beseitigen, sei dem Wöhler hier eine Anleitung gegeben, die ihn lehrt, wie gewählt wird.
1) Du gchst am Sonntag, 20. Februar, zum Wahllokal, und zwar möglichst zeitig. Deine wahlberechtigten Familienmitglieder, soweit sie gleichzeitig abkömmlich sind, nimmst Du mit, andernfalls läßt Du sie gleich nach Deiner Rückkehr zum Wahllokal gehen.
2) Auf dem Wege zum Wahllokal sprichst Du noch Deine Freunde und Bekannte an, die etwa einer Anregung bedürfen und munterst sie freundlich auf, sich Dir anzuschließen. Du hast zwar nur eine Stimme, aber Kenn Du recht viele Wahlmiide zur Wahl veranlässest, dann kannst Du Deine Stimme veroielsältigen.
3) Du nimmst zwei Mahlzellel mit, die das Kennwort „Zentrumspartei" fragen. Alle andern Zettel, die Dir etwa aufgedrängt werden, roeifeft Du höflich ab, damit Du nachher nicht im Wahllokal die richtigen Wahhetiel mit den falschen verwechselst. Sage, „danke, ich habe schon.Wahlzettel".
4) 3m Wahllokal bekommst Du zwei amtliche Umschläge, auf dem einen steht: Drenftlfche £anb- tegswahl, auf dem andern: Provinziallmidlagsrocchl — Kre-stagswahl.
5) Mit diesen beiden Umschlägen gehst Du in die Wahlzelle (gewöhnlich ist sie durch eine »panische Wand ober einen Ofenschirm hergeftellt) und steckst in jeden dieser Umschläge einen" Zettel. Es ist gut, wenn Du hier noch mal genau den Zettel anschaust imb Dich vergewisserst, ob Zenlri'msparlei darauf steht.
6) Hierauf gehst Du zum Wahltisch, nennst Deinen Namen und gibst die beiden Umschläge dem Wahlvorsteher.
7) Dann bist D u fertig. Denke aber auf dem Heimwege und später nach, wer etwa noch aufgefordert werden nmß, zur Wahl zu gehen. Sage ihm, w i t er wählen muß. lieber,teuge Dich vor allem, daß alle Deine Hausgenossen ihr Wahlrecht ausüben.
Anmerkung: In kreisfreien Städten wie Hanau und Kassel wird kein Kreistag gewählt. Es ist aber für die Wähler alles so wie in den übrigen Orten. Auch hier sind zwei gleichlautende Stimmzettel abzugeben. Nur steht auf dem einen amtlichen Wahlumschlag nicht „Provinziallandtag und Kreistag", sondern nur „Provinziallandtag". — Im Kreise Gersfeld sieht der Wahlzettel etwas anders aus wie in den übrigen Kreisen. Er hat den Auj- dnick: „Landtag: Zentrumspartei: Pwvinziallandtag: Zentrumspartei; Kreistag: vereinigte Liste. Auch hier wird in jeden der beiden im Wahllokal erhaltenen Wahlbriefumfchläge ein solcher Zettel gelegt. Das Wahlverfahren ist also auch hier genau so wie anderwärts.
Der friedliche Bürger.
Der friedliche Bürger will mit Politik nichts zu tun haben. „Es kommt nichts dabei heraus", sagt er. Gleichwohl erwarter und verlangt er alles von der Bolksvertretung. „Wozu ist sic denn da?"
Der friedliche Bürger kümmert sich nicht um öffentliche Dinge. „Was geht mich das an?* Gleichwohl weiß er altes besser: „Mir schwindelt keiner was vor."
Der^ friedliche Bürger stöhnt über die Teuerung: „Die Regierung wüßte schärfer zusaficn." Gleichwohl würde seine politische Trägheit es ruhig gulaffen, daß diese Regierung »eeanrwortunLSlolen (Elementen zustet»