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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 36.

Leranlwonltch für ben icuauioneUen Teil: Karl Schälle. ~ für die Anzeigen: 3. ParzeUer- Fulda. - Rotationsdrucl u. Verlag der gulbaer Acttendruckerei in Fulda, ^ermpiecher Nr. 8. Tetegr.-Abreffe: Fuldaer Zeitung

Montag, §4. Zebruar |92L

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Ml. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Alk. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile Colonelmag) 60 pfg, u. 10°n Zuschlag, die Reklamezeile (Xepöreite) ILO Alk^ u. 100/o Zufchlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Mue Rede des deutschen Außenministers.

Der Reichsmiwster des Auswärtigen, Dr. Simons korvch gestern m Stuttgart vor mehr als tausend Personen über di« politisch« Loge. Dr. Simons begrüßte die Ee- legenheit, die ihm geboten sei, vor süddeutschem Publikum die brennendsten Tagesftngen zu besprechen und sich davon zu überzeugen, ob di« Stellungnahme der Reichsregierung auch im deutschen Süden den Beifall der Bevölkerung ^^Der Minister setzte sich mit den Reden Lloyd Georges, Driarrds und des Grafen Sforza über die Pariser Be­schlüsse auseinander. Er bemängelte, daß keiner dieser Staatsmänner es für der Mühe wert erachtet habe, aus dem Material der Brüsseler Konferenzen den Nachweis auch nur zu versuchen, inwieweit Deutschland zur Zahlung der ungeheuerlichen festen Iahreszahiungen fähig sei. lieber die 12proz«ntige Ausfuhrabgabe 'feien die verschiedensten Ansichten zu Tage getreten, die vielfach im völligen Wider- Spruch zu einander ständen. Die bisherige Debatte habe nur eines mit voller Klarheit ergeben, daß die Repa- Mtionsbestinmumgen des Friedensvertrages die ungeheure Aufgabe des Wiederaufbaues der europäischen Wirtschaft h i cht g e l ö st hätteir, sondern daß sie durch neue Bestim­mungen ersetzt mevden müßten. Eine neue Lösung könne Aber nicht diktiert wenden, sie muffe vereinbart wer­den. Da die Hauptlast der Ausgabe aus Deutschlands Schultern falle, sei es nötig, Deutschlands freiwillige Zu- Mmnnmg zu gewinnen. Deutschland werde sich bemühen, Vorschläge zu machen, die zwar nicht mit phantastischen Ziffern prunkten, aber den Vorzug hätten, praktisch durch­führbar zu sein und die dringendsten Bedürfnisse der «Werten Länder zu befriedigen.

Der Redner charakterisierte die finanzielle Notlage Frankreichs und die Sorge Englands vor der Konkurrenz der deutschen Industrie und der Arbeitslosigkeit der engl­ischen Industrie. Aus diesen Bedürfnissen und Sorgen heraus müßten die deutschen Gegenvorschläge gestellt wer­den. Was di« emopAsche Gesamtwirffchast brauche, näm­lich eine große internationale Anleihe zn chrem Wiederaufbau, insbesondere zum Wiederaufbau der zerstör­ten Gebiete und zur Heilung der sonstigen Kriegsschäden, sei nur erreichbar, wenn man eine Anzahl von komplizier­ten Bestimmungen des Friedensvertrages durch einfache, Aare Finanzverpflichtungen ablöse. Weiterhin bedürfe es einer Verständigung über die Bedingungen, unter denen der deutsche Export, die einzige dauernde Quelle für deuffche Zahlungen, gesteigert werden könne, ohne sich selbst sowohl, wie di« Industrie der übrigen Staaten miss schärfste zu gefährden. Die 12prozentige Exportab­gabe sei, wie der Minister des -^eren ausführte, dazu jedenfalls das allerungeeignet st e Mittel. End­lich aber müsse auch das technische Problem des Wie­deraufbaus der zerstörten Gebiete energisch angefaßt werden. Es gehe nicht an, daß Frankreich und Belgien .scde technische Mitarbeit. Deutschlands ablehnten, ohne selbst imstande zu sein, di« Aufgabe zu lösen. Deutschland biete seine uneigennützige Hilfe an, es wolle weder Ko­lonien gründen, noch Daugewinne machen: es habe nur di« Absicht, ungeheure Summen zu zahlen und zu ver­zinsen für Arbeiten, die es bereits mit sehr viel geringeren Kosten hätte ausführen können. Es erschein undenk­bar, daß der Reichstag das Pariser Abkommen an­nehmen werde. Die Annahme des Abkommens, das in London geschloffen werde, könne durch die deutschen gesetz- gedsnden Körperschaften abgelehrrt werden, denn es ent­halte eine Aenderung des Friedensvertrags und erfordere deshalb Zustimmung der Reichsgesetzgebung. Die Geg­ner hätten ja anerkannt, daß ihre Vorschläge vom Frie- densvertrag abwichen. Der französische Ministerpräsident habe das schärfste Urteil über diesen Vertrag' ausgespro­chen, das bisher überhaupt gefällt worden sei:Er sei nicht lebendig!" Leider sei der Vertrag in vielen seiner schwersten Bestimmungen nur allzu unwirksam, aber darin habe Briand recht, daß gerade die Reparakionsbestimmnn- gen sich als kebensuntüchtig erwiesen hätten. In der Tot hemmten sie den wirtschaftlichen Aufschwung ebenso bei den Reparationsgläubigern, wie bei den Reparations- schuldern.

Die Schwierigkeiten der riästigen Abänderung des Ver­trages werden nach der Meimmg des Ministers dadurch vergrößert, daß die Grundlage der Verständigung nicht breit genug gewählt fei. Bei der überragenden Stellung, die sich die Vereinigten Staaten von Amerika als Gläubiger der Entente und als der Rohstofflieferant für die europäische Industrie mit Recht für die Cntschädigungs- siage beimessen könnten, erscheine es auffällig, daß die Londoner Konferenz auf einen Zeitpunkt angesetzt sei, wo

Falscher wert.

Roman von H. Abt.

einen

80) ----------

Ich wandte mich um Hilfe an Sie als

Freund", sagte sie mit stillem Ernst.Aber als ich das tat, war ich über manches noch nicht fo genau unter­richtet wie heute. Was ich von Ihrer Güte annehmen müßte, ist so viel, daß ich es nicht so ohne weiteres vermag. Ich bin schon seit Tagen keines ruhigen Ge­dankens mehr fähig gewesen, geben Sie mir ein wenig Seit, mich zur Klarheit in mir zurückzufinden."

..Aber es ist keine Zeit zu verlieren", rief Weibrecht und fuhr urit warmer, fast leidenschaftlicher Dringlich- re*t fort:

h.-r"£°ffen Sie sich doch nicht von kleinlichen Bedenken u. Geben Sie mir nicht das erdrückende Gefühl, 5 vtJ s gekommen zu fein, in meiner Ungeschicklichkeit rechten Weg gefunden zu haben, der Ihnen voll^ Vertrauen zu mir gibt.»

fln ,nem Lächeln inniger Dankbarkeit sah sie ihn

*a,JD großes Vertrauen zu Ihnen: den- rtnn J^re hochherzige Freundschaft nicht so blindlings anmhmen. Nur bis morgen früh lassen Sie mix Zelt, mich zu bedenken! Nicht wahr, es verletzt Sie mch, un ich scheine nicht undankbar, wenn ich Sie darum bitte?

®r ihre Hände, die sie ihm entgegengestreckt, fest in den seinen und murmelte, ihr tief in die zu ihm aufgeschlagenen Augen sehend:

.."®? ®ürbe mir wehe tun, wenn Sie meiner gar nicht bedurften. . . ..

Hatte sie es wirklich nötig gehabt, sich Bedenkzeit zu ,erbitten, um in sich zur Klarheit zu kommen? Stille Ruhe, die von innerem Einfluß sprach, als Anton Weib­recht gegangen.

Ja, sie hatte ihn verstanden, hotte in seiner Seele gelesen und erkannt, wie neben dem Mitleid für sie dem Wunsche, ihr zu helfen, em hartes, fast verächtliches Verurteilen ihres Gatten stand. Darum sein Wunsch »eitlen Beistand 3V einem ihr persönlich geleisteten

die amerikanische Regierung nicht in die Debatte eingrei­fen könne. Eebenso nachteilig wie das Fehlen Amerikas werde sich auch die ungeklärte Sage im Osten für ein« dauerhafte Lösung des Reparationsproblems geltend machen. Wenn die Gegner damit rechneten, daß Deutsch­land durch einen gesteigerten Export- die Riesensummen für die Entschädigung verfügbar stellen werden, so müßte ihnen daran liegen, die deutsche Industrie, statt auf ihre eigenen Märkte, auf di« des Ostens hinzuienken. Statt dessen habe es den Anschein, als ob man auch hier zu einer Erdroffelungspolitik greife, wie sich aus der Ver­eitlung der deutschen Wirtschaftsoerhandlungen mit den Oststaaten ergebe. Das Problem werde nicht groß genug, nicht einhestlich genug aufgefaßt. Man könne ihm nur bei­kommen, wenn man stall des Gedanken der Sllase und der Konkurrenz, den Gedanken der Hilfe und der Solidarität in den Vordergrund stelle.

Ms der Minister mit der Aufforderung um Unter­stützung der Regierung und seiner Person zu den Londoner Verhandlungen schloß, setzte minutenlanger Beifall ein.

Der Tribut von der Ausfuhr.

Die Welt soll über die zwölfprozentige Abgabe von der deutschen Ausfuhr beruhigt werden. Graf Sforza, der' italienische Minister, versuchte neulich schon die wirt­schaftspolitischen Bedenken gegen diesen Pariser Be­schluß abzuschwächen. Jetzt hat der französische Mini­ster L o u ch e u r einem Vertreter der amerikanischen Presse auseinandergesetzt, daß es sich gar nicht um eine Ausfuhrsteuer handele, sondern um eine veränder­liche Jahresleistung Deutschlands, die eben nach der Ausfuhr berechnet werde, weil das Stei­gen der Ausfuhr der beste Gradmesser für die Entwick­lung Deutschlands sei. Da Deutschlands Zahlungen in fremder Münze geleistet werden sollen, so sei es na- türllch gewesen, daß die Gesamtsumme der deutschen Ausfuhr dabei in Mstracht gezogen werden muß. Am Ende eines jeden Halbjahres werden von der Gesamt­summe der deutschen Ausfuhr 12 v. H. abgezogen werden. Es fei also, wie gesagt, keine Ausfuhrtaxe, sondern ein einfaches Kalkulationsmittel.

Die neue Auslegung Loucheurs bezüglich der Ex­portabgabe nimmt im Prinzip von der Belastung Deutschlands nichts weg. Allerdings würde der Ex­porthandel nicht direkt die Abgabe tragen, sondern das ganze Reich; aufgebracht werden muß sie doch und es würde nur der deutschen Regierung erleichtert sein, ihrerseits durch die Sonderbesteuerung einzelner Waren, die Deutschland auszusühren hat, deren Konkurrenz­fähigkeit aus dem Auslandsmarkt zu erhalten. Alles würde jedoch in Frage gestellt sein, wenn tatsächlich die furchtbaren Belastungen an festen und veränderlichen Jahresleistungen in London aufrecht erhalten bleiben sollten. Die veränderliche Schuldsumme steht übrigens völlig im Widerspruch M« Versailler Vertrag, nach dem wir Anspruch darauf haben, bis zum 1. Mai auf Heller und Pfennig zu erfahren, was wir insgesamt schuldig sind. Zum andern würde die unbestimmte veränderliche Summe wirtschaftlich Deutschlands na­tionalen Kredit völlig zerstören, weil Deutschlands Fi­nanzen auf Menschenleben hinaus völlig unsicher blei­ben würden. So oder so, irgendwelche Forderungen auf Grund des Pariser Abkommens sind und bleiben für uns unannehmbar.

Der Schuldnerstaat Frankreich.

Die Pariser Beschlüsse sind eine weltgeschichtliche Torheit. Warum aber mag Frankreich auf diesen un­sinnigen Beschlüssen bestanden haben? Weil es ohne diese hohen Forderungen und ohne Aussicht, feine Gut­haben lombardieren zu können, seinen Bankerott offenbaren müßte.

Die Gesamtstaatsschuld Frankreichs beträgt gegen 225 Milliarden Franken. Die Kriegsgebiete werden noch für lange Zeil dem Staatssäckel zur Last fallen. Im Staatshaushall für 1921 ist ein Postenbesonderes Budget" mit 1312 Milliarden Franken aus gewiesen, der nicht durch Jahreseinkünfte des Staates, sondern durch die deutschen Zahlungen gedeckt werden soll. Fer-

Freundschaftsdienste zu stempeln, der jede Beziehung zu ihrem Gatten ablehnte.

Und Hilfe so, aus solchem Empfinden dargeboten, hätte sie annehmen dürfen?

Um ihres Gatten willen Hilfe annehmen von dem, der diesem Gatten die Achtung verweigerte?

Sie brauchte nicht Bedenkzeit bis zum kommenden Morgen, die Klarheit, was Ihr zu tun oblag, stand schon etzt in ihr. Und aus dieser Klarheit heraus setzte sie ich nieder, den Brief an An ton Weibrecht zu schreiben, der, herzlichen Dankes für seine Güte, doch seine pe­kuniäre Unterstützung ablehnte. Sie erklärte ihm nicht viel, sie fühlte, er werde den Grund ihrer Handlungs­weise verstehen, werde auch verstehen, wie sie um dieses Grundes willen statt mündlichen Wortes ihm schriftliche Mitteilung machte.

Ein wehes Gefühl beschlich sie, als sie den Brief" zur Besorgung gegeben. Dieser Brief bedeutete zugleich bas Ablehnen eines Freundes, der sich ihr zur Stutze bot.

Und würde ihre eigene Stärke ausreichen für den chweren Weg, der vor ihr lag, würde sie es vermögen, ich hineinzufinden, fo, wie sie sollte ruhig und ver- nünstig?

Wieder quoll die herbe Bitterkeit in ihr empor. Sie acht« sich hinabzuzwingen, suchte sich abzulenken von dem brütenden Jammer, der sie umspinnen wollte, und im Gedanken daran, wie kurze Frist ihr wohl gegeben ein werde, hier noch zu verweilen, begann sie trepp­auf, treppab das Haus zu durcheilen, Spinde und Truhen zu öffnen, und jedes Stück, das ihre Hände hochgenom­men, hastig scheu wieder zurückzulegen, als sei sie hn Begriff gewesen, sich an fremdem Eigentum zu ver­greifen.

Die Augen von Tränen geblendet, kauerte sie am Boden vor einem Koffer, der Kleidungsstücke ihres Mannes enthielt, als das Dienstmädchen mit einem Brief zu ihr kam. Mit zitternden Händen griff sie da­nach. Doch es war nicht Nachricht von ihrem Manne, wie sie mit stockendem Putsschlag gewähnt hatte, der Brief kam von ihrer Mutter.

Frau Klara schrieb, daß sie am kommenden Morgen von der Reise heimkehre und hoffe, von ihrer Tocbter begrübt zu werben, ,

ner sind im ckfahre 1921 an Amerika 100 Millionen Dollar (fast VA Milliarden Franken) zu zahlen, um deren Eingang Amerika in berechtigter Sorge ist. Es zeigt sich immer mehr, daß Deutschland bis zur finan­ziellen Erschöpfung gekämpft hgt, Frankreich aber mit Hilfe seiner geldkräftigen Bundesgenossm weit darüber hinaus.

Auch im französischen Wirtschaftsleben macht sich das bemerkbar. Die ftanzösische ZeitungOeuvre" richtet an die ftanzösische Regierung einen dringenden Warnungsruf. ihr Augenmerk auf die kommenden wirtschaftlichen Ereignisse des Landes zu richten. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, daß eine schwere finanzielle Krisis heraufziehe. Große finan­zielle Industrien seien bereits in sehr schwieriger Lage, die Börse zeige einen langsamen aber unaufhaltsamen Niedergang, die Industrie sei bereits genötigt, sich flüs­siges Geld ohne Rücksicht aus den Preis zu erschaffen. Die Wurzel des Uebels greife tiefer bis m die soziale Struktur des Landes, wofür die wachsende Arbeits-, losigkeit Zeugnis ablege. Die Gefahr sei drohend und wenn die Regierung nicht energisch eingreife, werde eine Katastrophe unvermeidlich sein.

Zu viel Kohle im Saargebret.

Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hielt im ganzen Saargebiet viele Versammlungen ab, die von Tausenden von Bergarbeitern besucht waren. In den Versammlungen wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, 'n der es heißt:

Die weltwirtschaftliche Krise macht sich besonders im Saarbergbau bemerkbar. Wegen Absatzmangels wird am 12. Februar schon die vierte F e i e r s ch i ch t, die dritte im Februar, eingelegt. Angesichts dieser Situation wer­den die französischen Bergwerksdirektionen streng ersucht, sich dafür einzusetzen, daß tn Frankreich für die Kohlen der stanzösischen Saargruben genügend Absatz geschaffen wird. Die Saarbergarbeiterschaft kann es nicht verstehen, daß Deutschland monatlich über 2 000 000 To. Ruhrkohle, die die deutsche Volkswirtschaft sehr benötigt, an die Entente abliefern soll, während auf den Halden der Soar- gruben kein Platz mehr zum Aufschütten der Kohlen vor­handen ist.

Die Resolution fordert weiter, daß ein Teil der zu liefernden Ruhrkohke in Deutschland ver­bleibt, um so für die Saarkohle Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Ferner fordert die Resolution die Freigabe der Kohlenbelieferung an die Bevölkerung, die Einschränkung der Feierschichten und die Erstattung des daraus entftan= denen Lohnausfalles.

Auch her Deutsche Bergarbeiterverband hatte seine Mitglieder zu vier großen Versammlungen im ganzen Saargebret zusammenberufen, um ebenfalls zu den brennenden Fragen des Saarbergbaues Stellung zu nehmen. In den Versammlungen wurde von den etwa 810000 Teilnehmern eine Entschließung glei­chen Inhalts gefaßt.

Angesichts dieser Erscheinungen im Saargebiet wird man wohl nicht mehr länger von dem Kohlen­mangel 'n Frankreich und dem Kohlenreichtum in Deutschland sprechen können. Deutschland muß eng­lische Kohle für teures Geld kaufen, weil es die eigenen zum billigen Preis nach Frankreich schicken muß und weil die Saargruben nicht genügend aus- gebeutet werden dürfen. Es zeigt sich darin der ganze Widersinn der Kohlenbestimmungen des Friedensver­trages und des Abkommens von Spaa.

Neue Verhinderung

der deutschen Schiffahrt.

In Stettin traf plötzlich eine Enientekommisfion aus Berlin ein, die zunächst die Ausfuhr des der russischen Regier urig gehörigen DampfersSobotnik" verbot, da auf diesem Schiffe eine Waffensendung für die russische Regierung vermutet wurde. Trotz­dem die Behörde- versicherte, daß keine Waffen auf dem Dampfer seien, mußte er festmachen und seine

Und als Gertrud die wenigen Zeilen gelesen, war es ihr, als fühle sie schon jetzt die sanft tröstende Hand, die über ihr Haupt streichen werde, wenn sie mit ihrem Leide an bas Mutterherz flüchtete.

18.

Mama . . . Mama . .

War die Wiedersehensfreude so erschütternd, daß Gertrud nur dieses eine Wort fand, während sie leise weinend das Gesicht an der Mutter Schulter drückte? Lächelnd hielt Frau Klara den Arm um sie geschlungen und ließ sie eine Weile gewähren, dann schob sie die Tochter mit einem letzten zärtlichen Druck von sich ab.

Ja, mein Kind, es war eine lange Trennung, und manches hat sich verändert. Wir haben uns viel zu er­zählen. Fragst Du nicht nach meinem Ergehen?"

Und immer mit dem heimlichen Lächeln um die Lip­pen sah sie Gertrud an, wie diese nun sich die Augen trocknend mit stockender Hast die bisher unterlassene Frage tat.

Es mußte Frau Klara Mengers wohl vortrefflich ge­gangen haben, denn sie sah blühender, jünger aus denn e, und obwohl eine gewisse Veränderung an ihr hätte auffallen können, war es doch eine, die allem Auffallen­den weitab lag. Frau Klara war mit einer Einfachheit gekleidet, aber dabei mit einer vornehmen Gediegen­heit, die vordem ihrem Auftreten nicht immer zu eigen gewesen. Auch die ehedem oft zu jugendlich wirkende Lebhaftigkeit ihrer Bewegungen war einer gemessenen Ruhe gewichen, und auf ihrem Gesicht tag ein Ausdruck iolzer Befriedigung, wie er wohl einem zustehen mag, der eine schwierige Aufgabe glücklich gelöst.

3a, es ist mir gut ergangen, und was ich von mir zu berichten habe ..." 3n ihre Stimme kam ein er­höhter Klang, als spreche sie schon zu dem, um dessent- willen sie über das jüngste Ereignis in ihrem Leben der Tochter keine schriftliche Mitteilung gemacht hatte, damit ihr der Triumph verbleibe, mit eigenen Augen zu sehen, wie er unter dieser Mitetilung klein ward, klein vor ihr, die einst so gebemütigt vor ihm hatte stehen müssen.

Ich wünschte wohl, Dein Mann hätte sich nicht ver­brieften lassen. Dich zu begleiten vielleicht hätte er sich für die Mühe bezahlt gefunden."

Ladung zur genauen Untersuchung wieder löschen. Tas elbe verlangte man dann auch von dem Dampfer Prinzeß Sophie Charlotte" und auch die Ladung zweier weiterer Dampfer sollen auf diese Weise ge­prüft werden. Die Entente-Kommission erklärte überdies, diese Kontrolle würde sich nicht nur auf die nach Rußland gehenden Schiffe beschränken, sondern auf alle ausgehenden Dampfer erstrecken.

Es ist klar, daß durch derartige Eingriffe die Abfertigung der Schiffe unter Um-länden eine jehr erhebliche Verzögerung erleiden kann, tote sie sie auch in diesem Falle tatsächlich erlitten hat. Tas würde eine neue, unseres Wissens nirgends im Friedens- Verträge vorgesehene Behinderung der deutsche» Schiffahrt bedeuten.

von Kommunisten angehallen.

Wie dieHamburger Kommunistische ^Volksztg." berichtet, ist in der Nacht vom 4. Februar im Kaiser Wilhelmskanal bei Brunsbüttelkoog der unter englischer Flagge fahrende frühere deutsche 8000 Tonnendampfer Franzdahl", weil er nach Aussage der englischen Be­satzung Munition nach Danzig bringen sollte, won Kommunisten angehalten und auf deren Veranlassung genötigt worden, beizudrehen und den Kanal zu verlassen.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Fastnacht als Beweismittel. Die Mannheimer Nene Badische Landeszeitung" macht darauf aufmerk­sam, daß zur Beobachtung der deutschen Fastnachtsver- gnüungen im besetzten Gebiet eine ganze Reihe Geheim- verordnungen ergangen sind. Den französischen Gen­darmen unb Agenten sei aufgetraaen worben, Statistiken über bie Art unb bie Zahl der Karnevalsvergnügungen anzulegen. Aehnliche Statistiken würben auch in den benachbarten Großstädten, besonders in Mannheim unb Frankfurt durchgeführt.

* von den Franzosen verurteilt. Die beiden Beamten des Reichsvermö -ensamtes, Abt. Mainz, Reckmann unb Ulrich, die der Aufforderung der französischen Besatzungs- behörde, Mädel für Untero>fiziersräume zu beschaffen, nichtnachgekommen waren.wurden heutevom französischen Kriegsgericht wegen Nichtoefotgung eines militärrfchen Dienstbefehls zu je sechs Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe verurteilt.

* Vie farbigen Truppen im Rheinland Bon französischer Seite wirb geflissentiich bie Nachricht verbreitet, daß die farbigen Truppen aus dem Rheinland zurück lezogen seien. Diese Angaben sind durchaus unzutreffend. Wie von unterrichteter Seile m.tietellt wiro, befanden sich Anfang dieses Jahres noch 25 000 Mann farbiger Truppen, größtenteils Marokkaner unb Algerier, außer­dem Anamiten, Tonkmesen, Madagassen unb über 200 Senegalneger unter den französischen Besatzungstru pp eu.

Klaffenpartei «nd Volkspartei.

Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Kassel im Oktober 1920 sagte einer der führenden Mehr» heits'ozialisten Soll mann:

Wir müssen beim kommenden Wahlkampf unsere Anhängerschaft über die Tätigkeit unserer Fraktion viel besser unterrichten. Wir müssen uns hüten, in der Agi­tation Forderungen zu erheben, von denen wir nicht wissen, ob sie' bei der jetzigen Wirtschaftslage erfüllt werden können.Das Beispiel Crispiens und Ditt- manns (Führer der Unabhängigen) muß uns warnen. Sie fallen in ein Grab, das sie sich selbst Jahre hindurch gegraben haben. Man darf deshalb nicht mehr Wechsel auf lange Sicht geben, denn die Masten sind nicht genü­gend aufgerüttelt. Die Auswahl dex Kandidaten zu den Parlamenten muß viel vorsichtiger geschehen, weil sich die Aufgaben, die jetzt von uns zu leisten sind, vermehrt haben. Es ist mancher ,um der lieben Kirchturm­politik willen auf der Walstatt geblieben, der sehr gute Arbeit im Parlament hätte leisten können. (Sehr rich­tig!) Wir haben dah«: in der Fraktion nicht einen einzigen praktischen Mann der Landwirtschaft, der Inbustrieorganisa- tion ober bes Handels. Ein richtiger organisa- torischer Aufbau kann nicht allein mit Parteisekretären

Mein Mann . . ."

Ein ersticktes Murmeln, ein Schweigen unb bann gewaltsam bie Tränen zurückpressenb, bie zu sehr hät­ten verraten, wieviel ihr angetan, gab Sertrub vo» I bem Geschehenen Kunbe.

Kein Wort ber Mutter hatte sie unterbrochen, auch keine in tröstenber Zärtlichkeit geöffneten Arme, bie sich ihr entgegenbreiteten.

Frau Klara hatte bas Zimmer durchschritten, stand vor bem Ruhebett, auf bem sie, Krankheit heuchelnb gelegen hatte, scheu in bie Kissen gebückt, an jenem Tage ba Franz Lützenkirchen gekommen war, bie Mitgift vo, ihr zu forbern.

Also um sich vor drohendem Bankerott zu retten, bazu waren bie breißigtausenb Mark nötig."

Gertrub starrte bie Mutter an. Wieber jene Ziffer, auch ihr bekannt, auch von ihr genannt dazu diese Haltung, als nehme sie triumphierende Rache an einem, ber vielleicht an jener selben Stelle vor ihr gestanden ein Ankläger vor einer Lügnerin.

Als sei jäh vor ihren Augen ein dichter Vorhang zer­rissen, hinter dem mit blendendem Schein die Wahrheit ihr entgegenflutete, so war es Gertrud, als sie, die Hände von sich streckend, von ihrem Siitz emportaumelte, um gleich wieder daraus zurückzusinken.

Also heimlich ist er von Dir gegangen . . Unb Du was willst Du tun? Gebuldig warten, ob er bereinst zurückkehrt ober Dich zu sich ruft?"

Keine Antwort kam von ben bleichen Lippen, di« Liber blieben über ben Augen geschloffen. Frau Klar, reckte sich hoch auf vor ber Tochter.

Komm mit mir. Du bist frei. Die Handlungsweise Deines Mannes löst Eure Ehe. Wirf alles hinter Dich

ich kann Dir Besseres bieten . . . In drei Tagen reifen mir fort von hier . . . Ich bin nur gekommen, um hier alles abzubrechen, um Schluß zu machen mit dem Vergangenen. Denn feit einer Woche lebe ich ein neues Leben . . , seit einer Woche bin ich Gräfi» Granzow..."

M»tf«tzuna folgt.)