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uldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

fir. 35.

BeraMworllich für den ceoauioneUen Teil: Karl Schütte. - für dir Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda. temipied)er Nr. 9. Telegr.-Adreijr: Fuldaer Zeitung

Samstag, 12. Jebruat 1921.

Bezugspreis: Aionarlich 3,00 Hit. ohne Zustellgebühr. In Fulüo bei unsadgeholl3,15 211t. Anzeigenpreis: LieKleinzeile ,Colonelmatz) 60 pfg„ u. 10°). Zuschlag, die Reklamezeile (Tepbrette) 1.80 Ulk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt.

48. Zahrg.

Die nationale Einheitsfront.

Aus Berlin wird gemeldet: Dem Reichspräsidenten, der Reichsregiemng und dem Auswärtigen Amt gehen fortgesetzt aus aller Teilen des Reiches und von den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung Kund- gedungetrzu den Pariser Beschlüssen zu. Diese Erklärungen, auf die im einzelnen zu antworten nicht möglich ist, und die von den verschiedensten wirt­schaftlichen unj finanziellen Gesichtspunkten aus die Unmöglichkeit der Erfüllung der Pariser Beschlüsie zum Lustwuck bringen, sind ein erfreuliches Zeichen dafür, daß das deutsche Dol. in ganz überwiegender Mehr­heit geschlossen den 6tanbpuntt der Reichsregierung billigt, welcher in der Erklärung des Reichsministers des Aeußern vor dem Reichstage am 1. Februar fest- gclegt ist.

Die Haltung Bayerns.

' Litte Erklärung des bayerischen 2MllisterprSsidenlen.

Der bayerische Ministerpräsident v. Kahr hier, in einer Sitzung des Landesausschusses bayerischen Bolfspartet eine viel beachtete R? jr iprach über bie unmöglichen und unausfübri Entent eforber ungen und

besonders über tne Forderung der Entwaffnung und Aus­lösung der Einwobnerwehren. Er führte eingehend aus, weswegen die Einwohnerwehren für dos heutige Bayern eine LebensnorwenüigkeÄ wären. Nichts sei aber irriger, tis in dem Kamps Bayerns für seine Einwohnerwehr den jSu-jrutf einer nationalistischen Machtpolitik gegenüber den .Siegern oder eine klemiickze Eigenbrödelei Bayerns gegen­über dem Reiche sehen zu wollen. Wir sind uns bewußt, daß es unser Recht und unsere Pflicht ist, auf die Wil- lensbrlduno der Reichsregierung mit den uns verfassungs­mäßig zustehenden Mitteln in dem Sinne, den wir als Recht erkennen, einzuwirken und densenigen Kräften ent­gegenzuarbeiten, die wir für verbängnisvoll halten. Wir sind uns aber auch bewußt, daß die letzte Entschei­dung und damit die ganze Verantwortung der Reichsregierung überlasten bleiben muß. Dieser Standpunkt dürfte so unangreifbar sein, daß alle Beun­ruhigung, die in den letzten Tage entstanden ist, von einem jeden als unbegründet erkannt werden muß.

Was der bayerische Ministerpräsident hier sagt, ent­spricht dem, was rn der gestern mügcteilten Regtc- rungserklärung schon beton war. Bayern hält grund­sätzlich seinen Standpunkt fest, macht jedoch für die Praxis das wefen.liche Zugeständnis, daß die letzte Ent­scheidung der Rcichsregierung überlassen bleibey mu6-

Damit ist freilich die Einheitlichkeit ist Ben Mei­nungen nicht erreicht, wohl aber die Einheitlichkeit im Hindeln gesichert. und das ist für die Realpolitik in diesem schwierigen Zeitpunkt die Hauptsache.

Alan kann es verstehen, wenn die Bayern nach den bisherigen Erfahrungen und bei den Verhältnissen in ihrem Lande auf die Erhaltung der Einwohner­wehren einet, noch größeren Wert legen, als die Nord­deutschen. Sie betrachten den Selbstschutz der Bürger gegen Aufrührer und Derbrecher als eine Lebensnot- wendigkeit und halten demgemäß die Entwaffnungs­frage für ebenso wichtig wie die Entschädigungsfrage. Es ist auch begreiflich, wenn sie die beiden Angelegen­heiten in Zusammenhang bringen in der Erwägung: die Entschädigung und überhaupt die Befriedigung der Sieger wäre nur möglich, wenn die Ordnung und die Arbeit in Deutschland ungestört bleiben, und um diese unbedingt notwendige Ruhe zu sichern, muffe eine ge­wisse Wehrhaftigkeit der gutgesinnten Bürgerschaft er­halten bleiben. Das alles fällt ins Gewicht; doch ent­scheidend für die Politik der Reichsregieruna kann nur die Frage fein: „Ist es möglich, den Fortbestand der Einwohnerwehren in den bisherigen Formen durch- z u s e tz e n? Und wenn das angesichts des Versailler Vertrages und des Diktats der Gegner unmöglich er­scheint, ist dann die Wehrfrage der richtige Punkt, an dem der passive Widerstand bis zum äußersten einzu­setzen hätte? Oder ist nicht vielmehr die Entschä­digungsfrage, in deren Beurteilung wir affiu«

Falscher Wert

Roman von f). Abt.

$9) __________

3f)re Hand glitt in die Tasche, sie wollte ihm den Brief ihres Mannes geben, der ihm bester als alle Rede ihres Mundes auf seine Fragen die Antwort gab. Doch ,Äs Weibrechts Finger schon das Kuvert berührten, zog pe es hastig wieder zurück, sprang auf, fuhr sich über «=nm und Augen . . .

_ . nein . . ." Und dann noch einmal, den

•orte in die Tasche zurückschiebend und um sich blickend. «ne iah erwacht . . . „Nein . . . nein . . ."

fP°t geworden für heute — ich komme mor­gen wieder, fo früh wie möglich, bann wollen wir wei- ter davon reden, wie ich Ihnen am besten zu Diensten lern kann, nicht wahr?"- ,

Es leuchtele dankbar in ihrem Gesicht auf.

„Wie es auch werden mag, ein Gutes haben Sie wir schon getan, daß Sie heute gekommen sind, im Augenblick meiner höchsten Not."

Er gab keine Antwort. Mit stummem Blick und noch­maligem Händedruck nahm er Abschied von ihr bis znm kommenden Tage. / 0

17.

Hell und klar schien der nächste Tag durch die Schei­ben als gegen M- tag Anton Weibrecht sich wieder Ntelden steß. Er tat kerne Frage „ach Gertruds Er- S-hen, thr bleiches Gesicht, in dem die Augen lagen «>e erloschene Sterne, sprach eine nur zu beredte Drache. Er faßte s.e an mit fünfter Hand, die strei- Mfnd tröffet. Als werde er ihre Verlorenheit über- .7°upt nicht gewahr, so begann er nach kurzer Begrsi- ö M berichten, daß er von dem Rechtsanwalt fioth-

Cr komme, bei dem er. aur das von ihr ihm einae- stvumte Freundesrecht sich berufend, über die nähere Schlage Erkundigung eingezogen habe.

Cs war nichts Ueberrafchendes, was Gertrud aus •™en knappen Mitteilungen heraushörte, ihres Man- 8,5 Brief hatte sie aufgeklärt über das, mas ihr bevor­

mal einig und wagemutig sind, als der kritische Wende­punkt zu betrachten?

Die Staatskunst läuft da wieder einmal auf die einfache Formel vom kleineren Hebel, hinaus. Das verantwortliche Reichskabtnett steht offenbar auf dem Standpunkt, daß die Entwaffnung zwar ein Hebel sei, aber doch noch eher ertragen werden könne, als die Belastung mit de» unerträglichen Tributen, die unfehl­bar zum Zusammenbruch der ganzen Nation führen würden.

Eine stürmische Landtagssihung.

Der bayerische Landtag war am Freitag der Schau­platz stürmischer Austritte. Auf der Tagesordnung stand eine Interpellation der Unabhängigen, die vom Mini­sterpräsidenten Aufschluß über die Berliner Verhandlungen verlangte. Ministerialdirektor v. Lutz erklärte in Vertretung des erkrankten und an das Bett gefesselten Ministerpräsidenten, daß die Regierung die Interpellation vorläufig in Rücksicht auf die Ver­traulichkeit der Berliner Berhandlungen nicht beantwor­ten könnte. Darauf entstand auf der Linken ein unge­heurer Tumult, bei dem die Mehrheitslozialisten noch die Unabhängigen übertrafen. Beide Parteien er­klärten, daß diese Ablehnung der Beantwortung eine Herausforderung des Landtages fei Auf fozialistifchen Antrag wurde die Sitzung für kurze Zeit durch Frak­tionsberatungen unterbrochen. Nach Wiederaufnahme erklärte Abg. Timm namens der Sozialisten, daß diese sich solange nicht an den Verhandlungen beteiligen wür­den, bis der Ministerpräsident feine Pflicht erfüllt und die Stellung der Regierung zu den Folgen des Pariser Diktates klargelegt habe. Die Koolittonspar- teten sprachen sich gemeinsam dahin aus, daß sie nichts gegen eine Besprechung der Interpellation einzuwenden hätten, aber in Rücksicht auf die Vertraulichkeit sich nicht auf Einzelheiten ein!assen können. Sie hätten auch nichts gegen eine vertrauliche Infonnation der anderen Par­teien. Der Ministerpräsident habe ja auch Donnerstag abend den Vizepräsidenten Auer (Soz.) zu einer Be­sprechung eingeladen. Der darauf folgenden Behauptung Auers, daß die Besprechung erft Samstag stattfinden sollte und ihm über deren Zweck nichts mitgeteilt wurde, trat der Oberamtmann von Schellborn mit der Versiche­rung entgegen, daß er selbst im Auftrage des Minister­präsidenten Auer zur Besprechung über die polstifche Lage eingeladen und daß Auer selbst die Verschiebung auf Samstag gewünscht habe. Uebriqens sei der Mini­sterpräsident jetzt erkrankt. Hieraus verließ die gesamte Linke den Saal. Das Haus trat in die weitere Beratung der Tagesordnung ein.

Nm Oberfchlefieu.

Die Zahl der Abssimmanssberechsiglen.

Nach Schätzung oberMesischer Blatter wird die Zahl der bisher in die Abstimnmngslisten Eingetrage­nen auf 1150 000 angenommen, wozu man noch einen weiteren Zuwachs von 50000 Stimmen rechnet. Auf die Liste A, die in Oberschlesien Wohnenden entfallen 900 000, die übrigen auf die beiden anderen Lasten. Man rechnet auf ein ansehnliches Mehr von deutschen Stimmen; doch erscheint es uns verfrüht, über dieses Mehr irgend eine Prcnentziffer amuaeben. Die Haupt­sache ist jetzt, daß schleunigst festaestellt wird, ob alle Angemeldeten auch eingetraaen find, und daß diejeni­gen, welche nicht die offizielle Mitteilung über ihre Eintragung in die Stimmliste erhalten haben, nun schleunigst durch ihre Ortsgruppe Einspruch erheben. Die Einsprüche muffen spätestens am 18. Februar ab­gesandt werden.

Eine oberschlesische Denkschrift.

Die führenden Persönlichkeiten des oberschlesischen Wirtschaftslebens arbeiten eine Denkschrift aus, die den Anteil Oberschlesiens am Weltmarkt, mit statistischen Zahlen belegt, nachweisen soll. In der Denkschrift wird bewiesen werden, daß die große Bedeutung Oberickilesiens für den Weltmarktverkehr von seinem Verbleiben beim Deutschen Reich abhängig ist. Die Denkschrift soll den fümrenben S'aais- männern aller mit der oberschlesischen Industrie in Betiebuna stehenden Länder übergeben werden.

stand, was sie dabei zu tun habe, und so fragte sie nur, als Dr. Weibrecht schwieg: »sind wann . . . muß ich fort von hier?"

Die klanglose Frage schnitt ihm ins Herz. Er biß sich auf die Lippen, damit nichts von der heftigen An­klage laut werde gegen den, der, sich selber hinaiisret- teud, alle Schwere und Bitternis auf ihre Schultern ge­laden hatte. Ihr helfen . . . ja ._ . auf feinen Armen sie hinaustragen, daß nichts von alledem mehr an sie rührte . . . o, daß er's dürfte! Seine Stimme klang heiser vor der gewaltigen verhaltenen Erregung.

„Würde Ihnen das Fortgehen von hier so schwer werden?"

„Schwer —?“ Sie blickte ringsum in der Stube, ihre Augen irrten von einem Möbelstück zum andern, wie in einer Traumerscheinung sah sie sich. Spinde und Schubkasten öffnend, zusammenraffend, was man ihr etwa erlauben werde, mit sich zu nehmen.

Und ihr Kopf sank auf die Brust hinab, über ihre blaffen Wangen rollten unaufhaltsam die Tränen, ohne daß sie die Hand hob, sie zu verbergen.

Die Augen abwendend, fragte Weibrecht leite: „Ha­ben Sie bereits irgend einen Plan, wohin Sie fürs erste gehen würden? Zu Ihrer Mutter vielleicht?" Langsam hob Gertrud den Kopf. Ihre Mutter . . wie seltsam, daß sie ihrer bis zu diesem Augmblick noch nicht gedacht hatte ... Zu ihr gehen? . . Der Mutter letzter Brief kam ihr in den Sinn mit seinen auf ihren Gatten bezüglichen Andeutungen, und hastig schüttelte te den Kops . . .

„Nein . . . das nicht . . ich muß doch erst , . mein Mann kann sich doch erst über das Weitere mit mir verständigen, wenn er an Ort und Stelle . . ." Me­chanisch hatte sie den Wortlaut des Briefes nachgespro­chen und dann leise ächzend die Handflächen gegenein­ander gepreßt.

„Könnte ich doch wenigstens so lange noch. . ."

Sie vollendete nicht, doch Anton Weibrecht verstand sie, und alles andere Empfinden in ihm ging unter in dem leidenschaftlichen Wunsche, ihr zu helfen. Kein Zögern und Bedenken mehr, daß seine Hilfe, so ge­bracht, ja zumeist dem zugute kam, gegen den Grimm

Polnische Zustände.

Der neugebackene Polenstaat hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens mehr ais einmal in schweren Krisen befunden. Mit dazu beigetragen hat das un­gezügelte Weltmachtstrcben, das die Gewalthaber des neuen Polenreiches beseelt. Anstatt alle Kräfte des jungen Staatswesens zur inneren Festigung anzu- spannen, sind die polnischen Machthaber aus einem ganz unverständlichen Machthunger heraus bestrebt ge­wesen, die Grenzen des Polenreiches zu erweitern. So streckt Polen ja auch jetzt seinen gierigen Arm nach Oberschlesien aus. Gleichzeitig aber machen sich in Polen Bestrebungen geltend, die für den Bestand die­ses Polenreiches unter Umständen von bedenklichen Folgen sein können. Sowohl in Pommerellen, dem früheren Weftpreußen, als auch in dem früheren preu­ßischen Pofen machen sich immer stärkere Selbständig­keitsbestrebungen geltend. Die Polen dieser beiden Ge­biete wollen je mehr je länger von der polnischen Zen­tralregierung in Warschau nichts wissen. Diese Er­scheinungen können im Grunde genommen nicht be­fremden. Die ehemals preußischen Teile Polens sind kulturell viel höher entwickelt als das ehemals rus­sische Polen, und auch in Galizien liegen die Verhält­nisse im allgemeinen günstiger als in Russisch-Polen. Daß Oberschlesien in einem Staate, der schon nach so kurzer Zeit seines Bestehens so ausemanderstrebende Tendenzen aufweist, wirtschaftlich und finanziell zu Grunde gerichtet werden muß, bedarf keiner weiteren Beweife.

Die polnischen Truppemmsammlungen an der deutschen Grenze.

Nach den Vorstellungen, die die deutsche Regierung in London, Paris, Rom und Warschau wegen der starken polnischen Tnippenansammlungen an der Ostgrenze des Reiches erhoben hatte, ist die Tarsache dieser Truppen- cnsammlimgen von polnischer und französischer Sette be­stritten worden oder auf Demobisisationsmaßnohmen zu- rückgeführt worden. Von zuftändiger Stelle wird hierzu mttgeteilt. daß der deutschen Regierung nunmehr ein­gehende, sorgfältig geprüfte Nachrichten über die Höhe der Truppenstärke im westlichen polnifchen Grenzgebiet vor- liegen. Danach befinden sich zur Zeit, nachdem neuerdings wettere Abtransporte erfolgt find, von den Truppen der ersten Linie an der Südgrcnze Ostpreußens die 4. Division in Stärke von 14 000 Mann, in Westpreußen die 16. Di­vision und die sog. sibirische Brigade in Stärke von 20 000 Mann, in der Provinz Posen die 14., 15. und 17. Di­vision, sowie die zwei Reservrbngaden in Stärke von 54 000 Mann, längs der oberschlesischen Grenze die 6.. 21. und Pvdhalmrski-Division in Starte von rund 42 000 Mann. Dazu kommen in Reservestellungen ebenfalls in Stärke von 42000 Mann. Diese Truppen stellen also allein schon eine Gesamtstärke von 172000 Mannn bar. Dazu kommen noch die Truppen der zwei­ten Linie, die allein an der oberschlesischen Grenze eine Stärke von 25 000 Mann aufweisan. Das Gesamtaufge­bot der an der deutsch-polnischen Grenze versammelten Truppen beträgt über 212200 Mann. Mehr als die Hälfte der gesamten Formationen steht gegenwärtig nicht an der Nordost- und Ostorenze Polens, sondern an der Grenze des mit Polen im Frieden befindlichen Deutschen Reiches.

Den Erklärungen des polnischen Ministers des Aeu­ßern, daß die Truppenbewegungen nur dem Ziel der Demobilisation dienten, ist entgegenzuhalten, daß bisher nur die ältesten Jahrgänge und die Studierenden entlasten worden sind. Die übrigen Jahrgänge sind teilweise mit Ausrüstung und Bewaffnung fristlos beurlaubt worden. Neurinziehungen find wrederiiolt gemeldet worden. Dazu find Regimenter in den westlichen Grenzgebieten Polens auf Kriegsstärke belasten worden, sogar ihre Ersatz- formationen bestehn in voller Stärke weiter. Die deutsche Regierung hat sich daher veranlaßt gesehen, wegen der vorstehend geschilderten Tatsachen erneut bei den eingangs erwähnten Regierungen vorstellig zu werden.

Friede zwischen Rußland und Polen?

Nach einem Funkspruch aus Moskau soll der pol- nisch-russische Frieden unterzeichnet worden sein. Eine Bestätigung ist noch nicht einpetroffen. Einigermaßen

und Haß in ihm aufbegehren. Mochte er Nutzen ziehen davon, wenn nur sie dabei ihren Frieden wiederfand.

Er zog fein Taschenbuch hervor, und während er darin nach Notizen blätterte, sagte er fast in geschäfts­mäßigem Tone:

„Als ich auf Ihren Brief hierher kam, halle ich mir die Summe überschlagen, mit der ich ohne eigene Un­bequemlichkeit mich Ihnen zur Verfügung stellen könnte. Sie würde vollauf hlnreichcn, die Berhältniffe derart zu ordnen, daß Ihr Verbleiben hier Ihnen nicht mehr bestritten werden könnte."

Mit stockendem Atem lieg Gertrud die Augen an ihm hängen, während er ihr auseinandersetzte, was zu diesem Zwecke geschehen habe.

„Und das alles wäre möglich in meines Mannes Abwesenheit, ohne seine vorherige Einwilligung?" fragte sie dazwischen.

Auf Weibrechts Gesicht trat wieder der harte Aus­druck, den Gerirud gestern schon einmal wahrgenommen.

„Da Ihr Gatte seine Angelegenheiten einem Stell­vertreter übertragen hat, wäre lebe Vereinbarung fürs erste nur mit diesem zu treffen. Und um das Vorgehen zu vereinfachen, wäre es das Richtigste, wenn alles, als nur von Ihnen ausgehend, auf Ihren Namen hin geschähe. Was dabei zwischen uns zu vereinbaren bliebe, wäre ein rein private Freundschasissache."

Mir immer geschärfterem Auf merken hatte Gertrud zugehört, nun sagte sie langsam: „Die Summe, um die es sich handeln würde, ist ein ganzes Vermögen."

„Ich kenne die Summe", gab Weibrecht gleichmütig zurück „Und ich sagte Ihnen bereits, daß ich sie ohne eigene Unbequemlichkeit missen farm."

„Aber", fuhr sie fort, immer die Augen auf sein Gesicht gerichtet . . . „Lutzenburg ist weit über seinen Wert verschuldet, es wäre gar keine Sicherheit geboten ür ein solches Darlehen."

Jetzt begegnete Weibrechts Blick, den er bisher ge- enkt gehalten, fest dem ihren.

„Sollte ich Sie falsch verstanden haben, als ich glaubte. Sie hätten mir ein Freundesrecht gegeben? Sollten Sic als ein Geschäft behandeln wollen, was In Freundschaft eine Selbstverständlichkeit wäre?" fF. f.i

überraschend ist dir Meldung deshalb, weil vor wenigen Tagen erst berichtet worden war, daß die Frage der Zuerkennung eines Anteils am russischen Golüfonds an Polen noch erhebliche Schwierigkeiten bereite. Die Beweggründe für die rasche Entscheidung mögen bei der Sowjctregierung, die bis vor kurzem noch eine ab­wartende Verzögerungstaktik befolgte, vor allem in dem Bestreben nach einer raschen Festigung der Verhältnisse im Innern zu suchen fein. Zur Verwirklichung ihrer wirtschafts- und sozialpolilischen Programms bedarf fii vor allem des Friedens. Für Polen bedeutet die Eini­gung mit dem großen Nachbar eine gewisse Erleichte­rung, rechn man sich auch in Warschau keinem allzu großen Optimismus hingeben dürfte, weil man neue Bedrohungen in späterer Zeit von Moskau her befürch­tet. Vorläufig ober und auf eine absehbare Frist ist eine Atempause gewonnen, die der polnischen Republik gestatten wird, sich um die Abhilfe der überaus schwer lastenden inneren Wirtschafts- und Finanznöte zu be» kümmern.

Englisch-amerikanische Aufregung.

Tie enalische und amerikanische Preffe ist gegen- wärlig voll von erregten Artikeln über eine Aeuße- tung, die ein hoher englischer Beamter — gemeint ist der englische Botschafter in Amerika Sir Auck­land Geddes — gegenüber einem amerikanischen Journalisten getan haben soll. Er habe vor einer Entfremdung des englischen und amerikanischen Volkes gewarnt und angeblich erklärt: „Wir gehen auf einem Wege, der znm Kriege fuhrt."

Es wird beftri.ten, und ist auch nicht sehr wahr, fcheinlich, daß Geddes eine derartig ungeschickte Aeußerung getan habe. Es gibt ohne Z veifel eine Menge von Streitpunkten und Interessengegensätzen, die gerade jetzt zwischen England und Amerika ziemlich stark sind. So z. B. wegen der Rückgabe der englischen Schuld an Amerika» wegen der Flotten­rüstung, wegen der Petroleumfrage und vielleicht auch wegen der cngltsch-japaniichen Beziehungen. Es ist gewiß nicht ausgeschlossen, daß sich diese Streitpunkte noch verstärken; es ist sogar möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, daß sie zu diploma­tischen Krisen führen können. Es ist aber undenk­bar, daß dadurch auch nur die Möglichkeit eines Krieges gegeben werden könnte.

Diese letztere durchaus lelbstverständliche Fest­stellung soll hier nun deshalb gemacht werden, weil es in Deutschland noch immer Leute gibt, die in bei Illusion leben, es könne zwischen den beiden Mäch­ten zu einem bewaffneten Konflikt kommen, bei dem Deutschland der lachende Diitte sein würde. Ein solcher Konflikt ist nach menschlichem Ermessen aus­geschlossen. Und das ist gut so, denn dabei würde Deutschland nichts gewinnen sondern noch Den Rest dessen verlieren, was ihm geblieben ist.

Aus dein besetzten Gebiet.

* „Rechtsprechung". Das französische Mllitärpolizcr. qericht rn Wiesbaden verurteilte die Karoiine Kuhn aus Biebrich wegen unkorrekten Verhaltens zu 2500 Mark Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis nebst den Kosten der öffentlichen Bekanntmachung. Sie war in Abwesenheit oes bei ihr emquarherten französischen Offiziers in dessen Zimmer um verschiedene ihr gehörige Küchengeschirre zur Benutzung zu entnehmen.

Trotzdem.

Stiller als man es hätte erwarten sollen, spieler. sich Vorbereitungen und Kampf der Wahlen zum Landtag ab. Dte schweren Tage und Wochen, die außenpolitisch und allgemein politisch gerade jetzt vor der Preußenwahl durch die Wahn sr uns de- schlüsse der Entente in Paris über ganz Deutichland gekommen sind, überschatten die politi­schen Wahlen, die dadurch äußerlich zu einem Er- eignis.von minderer Bedeutung herabgedrückt werden

Eine Folge dieser drückenden gesamtpoliiijchen Lage ist. Daß der Kampf der Parteien zur Preußenwahl weniger sichtbar wird, sich geräusch­loser abspielt, als cs sonst Wohl geschehen wäre. Es soll nicht verkannt toeröen, daß Das auch sein Gutes hat. Die Parteigeriffenhett wird nicht so schmerzhaft deutlich und der gemeinsame Kampf gegen Die unsinnigen, haßgeschwollenen und furcht­baren ForDerungen der sogenannten „Sieger* nähen innerpolitisch den Deutschen dem Deutschen.

Die Empörung und Sorge, mit der jeder Preußi wie jeder Deutsche die Entwicklung der Pariser Follsr- deschlüffe verfolgt, darf indessen niemanden vergeßlich und saumselig machen in der Pflicht, zu der er am 20 Februar gerufen wird: zu wählen. Zu wäh­len und durch feine Stimme zu verhindern, daß zu den Gefahren von außet. auch noch der Wahnwitz einet mehr oder wenigem von Moskau aus beeinflußten Po» lamcntsmehrheit in Preußen kommen.

Ein bifchöflichec Erlaß zu den Dahlen.

Der Hochw. Herr Bischof von Limburg Dr. Augu­stinus Kilian hat zu den bevorstehenden Wahlen einen Erlaß herausgegeben, der am morgigen Sonntag von den Kanzeln des Bistums verlesen wird. Die Gläubigen werden darin ausgesordert, chr Wahlrecht auszuüben und die Stimme nur solchen Kandidaten und Kandidatinnen zu geben, welche für Recht und Ordnung, für Religion und Sittlichkeit im privaten, wie im öffentlichen Leben und für den christlichen Charakter der Volksschule eintreten und versprechen allen Bestrebungen, die den segensreichen Einfluß bei Kirche aus Staat und Gesellschaft, aus Familie und Schule ausschalten ober vermindern wollen, entschiede? und kraftvoll entgegenzutreten.

Was steht auf dem Spiel?

Sehr viel! Die innere Gesundung unseres Volkes!

Um nichts weniger wird am 20. Februar gekämpft.

Daß die Reichstagswablen wichtiger feien als die Landtac-swahlen, ist ein großer Irrtum. Im Reichstag gebt es int allgememen mehr um bi