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48. Zahrg

Zreitag, 11. Zebruar 1921

schnellsten und sichersten wieder ein Boden geschaffen wird, auf dem eine neue, bessere Zukunft sich aufbauen

läßt. Ich bin nicht mit der Absicht keinen persönlichen Abschied van Dir das alles schriftlich mitzuteilen. Aber zusehende Zufall, daß derjenige, mit

hierher gefahren, zu nehmen. Dir der nicht vorher- dem Rücksprache

Falscher Wert

Roman von f). L bl.

nötig war, bevor ich einen Entschluß faßen konnte, für einen Tag verreist war, machte es mir unmöglich, noch­mals nach Lützenburg zurück;» kehren. Es gab auch kein Zögern, keinen Aufschub: da außer mir noch ein an­derer Bewerber in Frage kam, galt es, augenblicklich zu entscheiden. Und ich hab's getan in der Erkennt­nis, daß ich um unser beider willen nicht einen Glücks­fall von mir weisen dürfe, der sich ähnlich nie wieder bieten würde.

Und darum bitte ich Dich, nimm es ruhig und ver­ständig, wenn ich Dir so auf eine ungewiße Zeit Lebe­wohl sage.

Ob es sich für's erste empfehlen würde, daß Du mir nachkommst, darüber werden wir uns erft verständigen können, wenn ich an Ort und Stelle bin. Wenn Du diesen Brief erhältst, hat Vas Schiff, das mich nach San Domingo bringen soll, den Hafen verlassen . . ."

Gertrud hatte zu lesen aufgehört ... Der Briefbo­gen lag in ihrem Schoß, wie ein steinernes Bild saß sie da, die leeren Augen geradeaus gerichtet und mechanisch die Lippen bewegend, als wiederhole sie, was sie eben gelesen hatte.

Lange saß sic so. Dann ohne ein Zeichen inucrn Lebens las sie den Brief zu Ende. Zehn enggeschrie- bene Seiten noch . . . zehn enggeschriebene Seiten mit Mitteilungen über das, was die nächsten Tage für- ßcnburg bringen würden, mit Anweisungen für sie, was sie zu tun habe, mit der Versicherung, daß der zum Vollstrecker ernannte Rechtsanwalt ihr in jeder Weise beistehen werde, auch die Tröstung, daß ihr nicht Geld­sorgen erwachsen würden . . . zehn engbeschriebene Seiten, die sie las, Wort für Wort . . . zum Schluß noch einmal die Mahnung, esruhig und verständig zu nehmen" und dann die Unterschrift . . .

..Auf glückliches Wiedersehen

Dein Franz."

So saß sie. als das Mädchen kam, ihr eine Karte zu übergeben, mit der Meldung, daß der sie zu sprechen wünsche:Dr. Hofstetter, Rechtsanwalt und Notar."

Derjenige, der ihr in jeder Weise beistehen würde ... Sie erhob sich, um ihm entgegenzugehen.

Wie lange er geblieben war? Was er zu ihr ge­redet hatte? Sie mußte ihm wohl Antwort gegeben haben, richtige, klare Antwort, denn der Rechtsanwalt hatte ihr zum Abschied gesagt:

Ich freue mich, daß Sie die Angelegenheit so ver­ständig nehmen."

Der Abend begann durch die Scheiben zu dämmern, als das Mädchen wieder mit der Meldung zu ihr kam:

Ein Herr, der seinen Namen nicht genannt habe."

Sie erhob sich diesmal nicht wieder, dem Eintreten­den entgegenzugehen.

Verzeihen Sie mir, gnädige Frau, ihr Brief kam aus Umwegen erst gestern in meine Hände: hoffentlich komme ich nicht zu spät, Ihnen persönlich meine Ant­wort zu bringen."

Gertrud hatte den gesenkten Kopf erhoben, war lang­sam aufgestanden und starrte nun den an, der da vor ihr stqnd, aus desien Augen Güte leuchtete, desien beide Hände sich ihr entgegcnstreckten . . . Und plötzlich war's wie ein Brechen und Stürzen in ihr die eisige Er­starrung hatte sich gelöst, und mit den heiß aus den Augen quellenden Tranen schien sich alles Herzweh und aller Jammer von ihr lösen zu wollen, unaufhaltsam, unstillbar . . .

Anton Weibrecht saß an ihrer Seite. Ihre Hände fest in den seinen hallend, schwieg er und ließ ihr Zeit, sich still auszuweinen in eines Menschenherzens warmer Röhe.

Armes Kind sprechen Sie doch was hat man Ihnen angetan?"

Sprechen . . .? Die Lippen erbebten ihr, sobald fie ein Wort mit ihnen formen wollte. Ihre Hand glitt in die Tasche, sie wollte ihm den Brief ihres Mannes ge­ben, der ihm bester als alle.Siebe ihres Mundes auf

(Fortsetzung folgt!

Ausland.

* Oesterreich. Tie österreichische Regierung erließ ein Einfuhrverbot für ausländisches Bier, da allem die Einfuhr Pilsener Biere eine Aus-abe von/« Millionen Kronen erfordere. Daraufhin bat die ischechosiowaftsche Regierung die Einfuhr von Ma­schinen aus Oesterreich verboten.

* Atvakreich als Abrüstungsgegner. Die Heeres- kommifsion der französischen Kammer billigte die Er­klärung des Vertreters des Kriegsministers, daß Frank­reich die Vorschläge des Völkerbundes auf Abrüstung nicht annehmen könne, solange der Friedensver­trag nicht völlig erfüllt fei.

* Unruhen im französischen Heer. In verschiede­nen Armeeformationen in Südsrankreich sind Unruhen ousgebrockzen. Es kam sogar zu verschiedenen Meu­tereien bei Seestreitkrästen. In Marseille und Toulon ist eine Anzahl^ Personen verhaftet worden, weil sie revolutionäre Schriften verteilten und die Soldaten offen zum Ungehorsam aufhetzten.

** Aus Irland. In der Grafschaft Limeria trieb eine Abteilung von hundert Panzerwagen die Bewohner eines GrenzdorfeS zu'ammen und zog in das nächste Dorf vor das HauS eines Sinnfeiners. Diesem würd' mitgeteiV daß er fünf Minuten Ze

Üuartiergetdrr, Vcrpslegvrrgsgeldcr und Gehälter. Die monatlichen Verpflegungsgelder betragen nach Anord­nung des Generals Rollet für den Prasrüenenl der Ueberwachunqskommission 28 500 Mk., für Generale 21 000 Mk./sür Obersten 15 000 Mk., Subatlernofsi- niete 12 750 Mk., Unteroffiziere 5775 Mk. und Mann­schaften 3500 Mk. Zu diesen Verpflegungsgetdern kommen die Kosten für die Ouartiere, die bei einzelnen Gmeralcn monatlich rund 12 000 Mk. betragen. Da­nach bezieht ein Ententehauptmann allein mit fernen Vecpflegungsgeldern bet freier Wohnung mehr als der deutjchie Reichskanzler.

Lezuasprets: Monatttch 3,00 Olt ohne Zustellgebühr. In Fmdo bet unsabgebolt3,15 2HL Anzeigenpreis: DteKietnzet e Eo'oneimav) 60 Vtg u. 10°i. Zuschlag, dk Re kl a mez eile (Terr°rene> 1.80 ZUf.. u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt

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Wartend verbrachte Gertrud auf Lützenburg die Tage. Zunächst hatte die wundersame Zuversicht, die ihr ge­kommen war, da sie den Brief an Anton Weibrecht ab» gesandt, angedauert; doch wie die Tage dahingingen nb sie von einem zum andern vergeblich einer Ant- ®?rt entqegenfauerte, vergeblich auf irgendein Lebens- Kochen ihres Gatten hoffte, begannen mehr und mehr gualvolle Unruhe und Angft fie zu erfaßen. Der ®a- dem Lützenkirchen fortgefahren, war am fep t>en Lage aus Langenau, von wo ab Bahnverbindung "ar, zurückgekehrt, ohne daß der Kutscher etwa? an­deres zu sagen wiißte, als daß der Herr schreiben werde, wann er wieder abgeholt sein wolle.

Keine Mitteilung für sie, wohin er sich gewandt, wie lange er forkzubleiben. gedenke! Was hatte sie getan, baB er sie so grausam mißachtete? Staub sie. sein Weib, die fern -.eben, sein Schicksal teilte, so völlig hinter allem 3urutf, was seine äußerliche Existenz bedeutete, baß er im Kampfe um diese ihrer völlig vergaß? Tiefe Bitternis zehrte an ihr, dabei wuchs die Angst, die zit­ternde t)Ura)t vor noch etwas Schrecklicherem, das fie bedrohte. Stunde um Stunde gewaltiger an Schlaflos verbrachte üe die Nacht. schon im Morgengrauen sich er­hebend, um den Schreckgespenstern zu entfliehen, die ihr Lager umdrohten.

Da endlich, endlich um die Mittagszeit kam der Postbote, der einen Brief brachte. Ihres Mannes Schrift. Ein Zittern durchlief sie, wie sie das dick sich anfühlende Kuvert in den Händen hielt, und mit einer stltfam schleppenden Langsamkeit ging sie in die Stube, wo sie sich niedersetzte, das Schreiben zu öffnen. Es enthielt mehrere Bogen.

Liebe Gertrud!

Verzeih, wenn) Dir mit dem, was biefer Brief enthält, wehe tun muß, unb sieh nicht darin Härte ober üeblose Absicht, sonbern nimm es als ein Stück Schick­sal unb füge Dich herein mit ber Hoffnung unb bem Glauben, baß so, aus biefem Wege für uns beibe am

Beranttoörtlich für ben leOaxnoneflen Teil: Karl Schütte. für bk Anzeigen: I. Parze«>er-Fuiba. - Rotationsdruck n. Verlag bet yulbaer Actienbruckerri in Fulda, -ernipcecher Nr. 9. Dttegr.-Abresse: Fuldaer Zeitung

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.__________________

Es muß betont werden, daß die Tagesordnung <ur Kriegsentschädigung sagt, die Verhandlungen sollen sortgesührt werden. Das ist ja gerade der Stand­punkt unserer Negierung, daß der Beschluß der Pariser Konferenz nicht den endgültigen Abschluß der Frage iedeute, sondern weiter verhandelt werden nüsse, um eine befriedigende Lösung zu sinden.

Die Mehrheit der französischen Kammer hat freilich ein anderes Ziel tm Auge, wie wir. Sie möchte bei Fortführung der Verhandlungen für Frankreich noch mehr herausfchlagen, während wir Erleichterungen für Deutschland anstreben. Dieser Gegensatz der Wünsche und Interessen wtrd die kommenden Verhandlungen erschweren. Das war aber natürlich vorauszusehen. Für uns kommt es zunächst darauf an, daß in London demnächst wirkliche Verhandlungen in Gang kommen, die uns die Möglichkeit geben, durch unsere Gegen­vorschläge eine Abänderung des Pariser Beschlusses zu beantrgaen, zu begründen und mit dom ganzen Auf­gebot unjerer Widerstandskraft durchzusetzen.

Demgemäß ist auch in der A n t w o r t, die unsere Regierung aus die schriftliche (zweite) Einladung von feiten des britischett Botschafters gegeben hat, nochmals ausdrücklich erklärt worden, daß unsere Vertreter sich in London nur einfinden werdenunter der Voraussetzung, daß die Verhandlungen der Konferenz sich auch auf die noch zu übermittelnden Vorschläge der deutschen Re- gierwrg erstrecken werden". Wenn die Entente diese Antwort ohne Widerspruch hinnimmt, so bedeutet das Sie Zusicherung des Vorschlagsrechts und der AeihandlimgLfreiheit.

In der französischen Kammer wurde mit viel Be­redsamkeit und zweifelhafter. Rechenkünsten ausgeführt, daß der Beschluß von Paris hinter dem zurückbleibe, was s. Z. in Boulogne als Entschädigung vereinbart worden fei. Dir kritische Frage, die Herrn Briand schließlich vorgelegt wurde, ging dahin, ob er für die Verteilungder deutschen Beute nicht einen höheren Prozentsatz (bisher 52 Proz.) zugunsten Frankreichs wirken könne. Briand wollte in dieser Hinsicht kein Versprechen geben. Er billigte aber doch die Tages­ordnung, die weitere Verhandlungen fordert.

Die häusliche Auseinandersetzung unter den Ver­bündeten ist also noch im Gange. Altch im Punkte der Sanktionen, der Zwangsmittel, bekundete sich in der französischen Kammer ein Mißtrauen in die Eintracht des Bundes. Man fragte Briand:Was wer­den Sie tun, wenn die Deutschen Schwierigkeiten machen und unsere Verbündeten uns im Stiche lasten; werden Sie dann den Mut haben, allein für das Recht Frankreichs einzutreten?" Briand antwortete di­plomatisch:Ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, um ein gewaltsames Vorgehen des isolierten Frankreich zu verhindern." Er hütete sich vor der glatten Erklärung, daß eine Isolierung Frankreichs in den Zwangsmaßnahmen überhaupt aus­geschlossen sei. Darin liegt das Eingeständnis, daß England und Italien doch nicht ohne weiteres alles mitmachen werden, was Fach und ©erraffen etwa planen.

Vertrauensvotum für Briand.

Die Aussprach« in der französischen Deputiertcntammer Mwt hie beutfdw Kriegsentschädigung wurde in ber Nacht

Donnerstag um Mitternacht abgeschlossen. Rach stbarken Redekämpfen wurde ber Regierung bas Bet- trauen mit 363 gegen 115 Stimmen ausgesprochen. Der Wortlaut ber Tagesordnung lautet:Die Kammer ftelli fest daß ine Konferenz von Paris bi« enge Solidari- t5t zwischen ben Alliierten bestätigt hat. Sie vertraut »rauf, baß bk Regierung bie schnelle unbooll ständige xnlwassnung Deutschlands sichern, in bezug auf die Kriegsentschädigung die Berhandlungen iorisühren unb die finanziellen Erleichterungen burch- ietzen wird, die zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Frank­reichs notwendig stich; sie oertrout ferner darauf, daß die Regierung gegebenenfalls bie Festigkeit besitzt, die not­wendigen Zwangsmittel durchzuführen."

Es wäre unvorsichtig, wenn wir auf die Uneinigkeit der Alliierten fpekulieren wollten. Aber wenn wir zum Widerspruch und zum passiven Widerstand gezwungen werden, so können wir uns immerhin sagen, daß das Zwangsverfahren doch schwerlich so glatt und prompt zur Durchführung gelangen wird, wie es von den Franzosen gedacht war.

Das tarnt freilich für unsere Politik nicht entschei­dend sein. Wir werden schließlich nur das Unmög­liche ablehnen und inzwischen versuchen, durch wohl­erwogene Gegenvorschläge und durch Beibringung von überzeugendem Material die Gegner zu erträglichen Beschlüsten zu veranlosien.

Die Regierung und ein großes Aufgebot von Sach­verständigen ift eifrig an der Arbeit, um die Anträge und Belege bereit zu stellen, die in London vorgebracht werden sollen. Das soll Eindruck auf den Verstand der Gegner machen. Es muß aber zugleich ein kräf­tiger Eindruck auf den Willen hinzukommen, und der ist nur zu erreichen, wenn in Deutschland die volle einig teil fondcsteht in dem bestimmten Entschlüsse, nichts zu unterschreiben, was nicht er­trägt i ch i st, mögekommen, was dawill!

Die Einladung nach London.

Ueberreichung der englischen Note.

Die deutsche Voraussetzung.

Von der Berliner britischen Botschaft ist bem Auswärtigen Amt am 8. Februar folgende Note zugeganyen:

Herrn Dr. Simons, Minister des Auswärtigen. Herr Minister I Ich habe die Ebrc, Eure Exzellenz zu benachrichtigen, daß ich von St. Majestät Re icrung Weisung erhalten habe, ben Leiter der deutschen Regie­rung und seine sachverständigen Berater eingulaben, in London am L März mit Vertretern von Frank­reich, Großbritannien, Italien, Japan unb Belgien an ber Konferenz teilzunehmen, die in der Note des Herrn Briand en ben Präsidenten der deutschen Delegation vom 29. Januar angebeutet war. Ich soll ferner Eure Exzellenz ersuchen, bie Gute zu haben, so schnell als möglich bie Namen der Delegierten und Berater mix» zuteilen.

Ich benutze bie Gelegenheit . ., (gez.) d'Abernon." Darauf ist Donnerstag vormittag durch einen Vertreter beS Auswärtigen Amts ber großbritannischen Botschaft folgende vom 9. d. Mts. datierte Ant­wortnote an ben britischen Botschafter Lord d'Albernon zugestellt worden:

Herr Botschafter: In Erwiderung Ihrer Note vom 8. b. M. Nr. 59 beehre ich mich, ben Empfang ber Einladung zu ber Konferenz in London am 1. März b. Js. zu bestätigen. Unter der Voraussetzung, baß bie Verhandlungen der Konferenz sich auch auf bie noch zu übermittelnden Vorschläge der deut- scheu Regierung erstrecken werden, erklärt sich die deutsche Regierung bereit, bevollmächtigte Delegierte unb sachverftänbige Berater, deren Namen sobald ÄS möglich angegeben werden sollen, zu der Konferenz zu entsenden.

Ich benutze auch diesen Anlaß . . (gez.) Dr. TimonS.»

Bayern und das Reich.

Die politische Lage in Boyern kann mcm als geklärt ansehen. Es haben in diesen Tagen lange und zahl­reiche Verhandlungen zwischen Regierung, Parteien und allen Faktoren hin und her stattgesunden, aber schließlich hat man doch eine Einigungssormel gefunden. In einer an die Reichsregienmy gesandten Erklärung wird betont, daß

das bayerische Volk und seine Regierung in ber Er­haltung bes unentbehrlichen Selbstschutzes auch heute noch eine Lebensfrage erblickt. Die baye­rische Staatsregierung hat demzufolge von Anfang an ben Standpunkt vertreten, daß die Reichsregierung ebenso, wie sie die ungeheuerliche Entschädigungssrage ablehnte, auch dem unmöglichen Entwaffnungsdiktat nicht zustinnnen dürfe, da beide ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Sie ver­kennt jedoch nicht, daß der Reichsregierung die letzte Entscheidung und die Verantwortung für ihre allenfallsigen Maßnahmen zufällt. Die bayerische Staatsregierung und die HoaT.tionsparteien haben sich in

Deutsches tte»ch.

* Berlin, 10. gebt. Es verlautet, daß eitle völlige Neuordnung des Reichsfinanzmtnisteriums bevor stehe, dte u. a. eine Aushebung der PerfonÄ- und Verwal- lungsabteilung bringe. Der Reichspräsident hat gestern den neuernannten italienischen Botschafter Aftr. F r ä s s a t i zur Entgegennahme feines Begiaubigungs- schrewens empfangen. Außenminister Dr. Simons war bei dem Empsang zugegen.

(ns) Die Arbeitszeit der Beamten. Das Reichs- tabinett hak kürzlich für die Regelung der Arbeitszeit für die Beamten neue Richtlinien ausgestellt. Jeder Beamte ist hiernach verpslichret, seine volle Atbeitskrast in den Dienst des Reiches zu stellen und die ihm über­tragenen Arbeiten ohne Rücksicht aus eine festgesetzte Dienststunbenzahl zu erledigen. Die Dienstzeit betragt wöchentlich mindestens 48 Stunden. So weit der Dienst in bloßer Dienstbereitschaft besteht, ist die Zeit entsprechend zu erhöhen. Die Tagesdienstzeft ist grund­sätzlich in Vor- und Nachmittagsdienst zu teilen; nur dort, wo aus örtlichen oder sachlichen Gründen eine solche Teilung unzweckmäßig erscheint, kann durch» gehend gearbeitet werden. Bei durchgehender Arbeit kann eine Frühstückspause von einer halben Stunde gewährt werden. Für eine Ueberschreitung der 48- stündigen Wochendienstzeit wird eine Vergiftung nicht gewährt. Alle bisher ergangenen Bestimmungen über die Arbeitszeit der Beamten, soweit sie obigen Richt­linien widersprechen, sind ausgehoben.

* Dicderansnohme der Dohnungsbaulüiigkeift Das Reichsarbeitsministerium teilt mit: Der Reichstag in seiner Sitzung vom 3. Februar das Gesetz zur För­derung des Wohnungsbaues angenommen. Aus Grund dieses Gesetzes sind von der Reichsregierung VA Mil­liarden Mark als Vorschuß für die Zuschüsse zu den Wohnungsbauten zur Vetsügung gestellt worden. Es darf daher mit der Wiederaufnahme der Wohnungs­bautätigkeit in den nächsten Wochen gerechnet werden.

(c) Die Sozialdemokraten gegen eine Grhallsauf- beffetung der katholischen Geistlichen. In der Sitzung des Ständigen Ausschusses der preußischen Landesver- fammluitg vorn 8. Februar d. 3. haften sich die Ver­treter der verschiedenen politischen Parteien mit einem Schreiben des Kultusministers Ha e n i s ch zu besassen, das die in einer der letzten Sitzungen bekanntlich durch die absichtlich herbeigesührte Beschlußunfähigkeit der Landesversammlung unerledigte Frage der Gehalts» aufbefierung der katholischen Geistlichen geregelt wissen wollte. Zur Erläuterung dieses Schreibens wurde von einem Kommissar der Staatsregierung ausgeführt, daß man von feiten der Regierung Anweisung gegeben habe, für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1920 erhöhte Gehaltszahlungen an die Geistlichen zu leisten. Dies sei geschehen, da man nach den Beschlüssen des Hauptausschusses tm Dezember 1920 die Genehm giung der Landesvcrsammlung hatte noraussetzen dürfen. Nachdem aber die Landesversaml mg durch Sabotage der Beschlußfähigkeit den Veitrilt ter Versammlung zu den Beschlüßen des Hcmptausschusfts nicht hätte geben können, trage die Regierung Vedeni'en, weitere Gelder zur Auszahlung zu bringen, bevor .sicht der Ständige Ausschuß hierzu seine Zustimmung gegeben habe. Hier­zu nahm der Vertretet der sozia'demokrati- schen Mitglieder des Ausschusses da-. Wort und be­tonte die Deschlußunfähigkeii sei absicht­lich hetbeigeführt worden, da mit den .Beschlüssen des Hauvtousschusses die Zustimmung nicht hätte erteilt werden können, denn die Sozialdemokraten seien gegen bie Bewilligung der Ge» hättet für bie Geistlichen. Da sih die an» beten Parteien in bem Sinne äußerten, der Ständig« Ausschuß sek nicht befugt, der Regierung Vormächten für weitere Zahlungen an die Geistlichen zu ge>en, ist die ganze Frage nunmehr wiederum zum Skillsta.ch ge­kommen. Hier erlebt man etwas Merkwürdiges: Hae- nisch ist für die Gehaltsaufbesserung zugunsten ber katholischen Geistlichen. Der Hilfeversvch scheiterte aber, an dem sattsam bekannten Zugeknöpftsein der eige­nen Genossen, was immer in Erscheinung tritt, wenn Ausgaben für Kirchen und ihre Diener in Frage kommen.

ihren Beratungen unb Enffchließimgen ausschließlich von valettänbischen Jnttresfen leiten lassen. Er war dos Be­streben der bayerischen Staatsregierung, bie Position bet Reichsregierung Gegenüber bem geschloffenen Willen ber alliierten Möchte zu stärken. In diesem Geiste unb m die­ser Absicht sind von ihr alle Verhandlungen gepflogen worben. . ,

Das Vertrauen, das auf die unbedingte Reichstreue der Regierung Kahr gesetzt wurde, hat sich als begrün­det erwiesen. Wenn auch Bayern an der Ueberzeugung festhält, daß bie EinwohncrwetM in ihrer jetzigen Ge­statt nicht in Widerspruch mit dem Friedensvertrag unb mit ben Abmachungen von Spaa stehen und ledig­lich eine demotratische Einrichtung zum Schutz der friedlichen Arbeit in Stadt unb Land darstellen, so zeigt es doch einen Weg, bet es bet Reichstegieirmg ermög­licht, auf Grund ihrer Zuständigkeit die internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, die ihr auferlegt werden. Der bayerischen ^Regierung gebührt Anerkennung dafür, baß sie trotz der inneren Schwierigkeiten, bie wir durchaus begreifen und würdigen, ben Gebauten der Einheit des Reiches und der einheitlichen Stellung­nahme zu den Forderungen der Entente durchgefetzt hat.

Vergleich der Steuerlasten in Deutschland und in Frankreich.

In der französischen Presie wirb jetzt alle Tage be­hauptet, daß in Frankreich viel mehr Steuern bezahlt würben als bei uns in Deutschland. Demgegenüber dürfte eine kleine Statistik interessieren, aus ber bas gerade Gegenteil hervorgeht.

Die Gesamtbelafttmg an Steuern unb Abgaben betragt nämlich in Deutschlanb auf ben Kops ber Bevölke­rung 75337 pro Jcchr, bie Steuerbelastung inFrank- reich dagegen nach ber Denkschrift bes Völkerbundes auf den Kopf ber Bevölkerung mir 416,80 Francs pro Jahr.

Die Denkschrift nimmt ferner das Durchschmttsemkvm- men in Deutschland mit 3900 in Frankreich mit 3200 Francs auf ben Kopf der Bevölkerung an. In Deutfch- fanb muß also bie Bevölkerung 20 Pr o z en t _ ihres Durchschnittseinkommens cm den Staat abführen, während der Franzose nur 13 Prozent seines Durchschnittsein­kommens abzugeden hat. Darnach Ist bie sie u tri i ch e Belastung in Deutschlanb sehr viel schwe­rer als bi Frankreich, und dies besonders, wenn man be­rücksichtigt. daß Heinere Einkommen viel weniger abgabe- fähig sind Äs größere. Setzt man bas Existenzminimum für Deutschland unb Frankreich auf den Kopf ber Bevölte- nmg auf etwa 40 Dollar an, so bliebe wenn man, wie bie Gegner es tun, die Steuerbelastungen valutamäßig ver­gleicht Äs besteuerungssöhiges Durchschnittseinkommen di Deutschland em Betrag von etwa 20 Dollar, in Frank­reich aber ein Betrag von etwa 180 Dollar. Es durfte für bie Franzosen ungleich leichter sein, von 180 Dollar 29,42 Dollar als für bie Deutschen von 20 Dollar 11,75 Dollar für Eteuerzweckc ju erübrigen."

Die deutschen Kohlenlieserungen.

Die deutsche Kriegslastenkommission übergab am 7. d. Mts. der Rexarationskommission eine Note, in der daraus hingewiesen wird, daß nach beit bei den bisheri­gen Lieferungen gerechten Erfahrungen unb bei er­heblichen Verschärfung bes Februar-Programms nicht damit zu rechnen sei, daß desien Durchführung möglich tein wird. Die deutsche Regierung bittet, sobald bie Durchprüfung der am 29. Januar überreich­ten Denkschrift erfolgt ist, den Zeitpunkt für den Beginn neuer Besprechungen ansuteraumen, in denen bas endgültige ßteferprogramm beraten werden soll.

Der Sohlenüberschuß in Frankreich.

Dorn 15. Februar ab wird der Handel mit Kahlen in Frankreich vollkommen freigegeben.

Die Hosten dec Enlenlekommissionen.

DasV. T." gibt einen Ueberblick über die hohen Soften, bie Deutschland aus ber Unterhaltungspflicht ber En t e n t e ko m m i s s i o nen erwachfen. Etwa 2500 Mitglieder von Ententekommissionen weilen ge­genwärtig in Deutschlanb aus Reichskosten, davon allein in Berlin 374 Offiziere. 110 Beamte unb 133 Mann­schaften. Die Unterhaltungskosten verteilen sich auf