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uldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 33.

Beranlworiltch für den .roamonellen Teil: Karl Schütte. - für bi« Anzeigen: I. Parzeuer- Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag brr Fuldaer Actienbruckerei in Fulda, ternimether Nr. 9 Telegr.-Adrelfe: Fuldaer Zeitung

Donnerstag, l0. Februar 1921

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Alk. ohne Zustellgebühr. Zn Fu.bo bei unsadgeholl3,1S M. Anzeigenpreis: DirKleinzeile Goumeünau) 60 pfg, u. 10°i,Zuschlag, die Reklamezeile ITexttnette» 1.80 ZRL, u. 10°-« Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Die Abgabe von der Ausfuhr.

Graf Sforza, der italienische Vertreter auf der Pariser Konferenz, hatte über die dort beschlossene Ab­gabe von der deutschen Ausfuhr sich so ausgesprochen, als ob die 12 Prozent vom Warenwert nicht den be­

teiligten Geschäftsleuten, sondern der Reichskasse zur Last fallen sollten. Der ftanzöfische Minister L o u ch e u r hat in der Pariser Kammer sich dieser Auslegung angeschlossen. Von den Auslandsdevisen, lne der deutsche Händler für seine Ausfuhr erhält, sol- len die fraglichen 12 Prozent innebehalten werden zu- gunsten der Alliierten, und die deutsche Regierung soll diesen Betrag den Händlern ersetzen auf Kosten der Steuerzahler.

Diese Auslegung des Pariser Beschlusses hat allem Anschein nach den Zweck, die Geschäftswelt zu beruhigen, indem eine neue Belastung des Handels besttitten wird und der Abgabe mir ein fiskalischer l^arakter gegeben und eine bloße finanzpoli­tische Wirkung beigelegt werden soll. Man will den Anschein erwecken, als ab die Ausfuhr Deutschlands nur den Maßstab abgeben werde für die Leistungs­fähigkeit Deutschlands hinsichtlich des jährlichen Zu- schlages zu dem festen Tribut von 2—6 Milliarden ©otonrarf. Der schutzzöllnerische Zweck der Sache wird dabei in den Hintergrund geschoben.

Wenn es wirklich nur abgesehen wäre auf einen richtigen Maßstab für die jeweilige Leistungsfähigkeit, so hätte man nur den U e b e r s ch u ß der Ausfuhr über die Einfuhr, die Aktivität der deutschen Hanels- bilanz zugrunde legen dürfen. Denn einen steuerfähigen Reingewinn hat die deutsche Volkswirtschaft, nur von dem Lohn für chre Arbeit, die sie über die Kosten für die eingeführten Rohstoffe hinaus erzielt. Dann hätte man auch auf die Besteuerung der Einzelgeschäfte verzichten und den Tribut von der gesamten Han­delsbilanz einfordern können. Statt deffen wird jedes Ausfuhrgeschäft kontrolliert, abgeschätzt und veranlagt. Der einzelne Geschäftsmann, sowohl auf der deutschen Abgangsseite wie auf der ausländischen Empfangsseite hat die Umständlichkeiten zu tragen und vermißt die glatte Begleichung der Rechnung ohne jede Zwischen­instanz. Schon dieses Verfahren erschwert die deutsche Ausfuhr, auf deren Aufbesserung die Entente angeb­lich rechnet.

Aber der schutzzöllnerische Hintergedanke kommt bei den weiteren AusMrungen der Minister noch deut­licher zum Vorschein. Lloyd George sprach schon in Birmingham von den deutschen »Schleuderwaren", mit denen den Verbündeten nicht gedient sei. Und Minister -Loucheur führt in der französischen Kammer aus: .„Deutsche Lieferungen wolle man nur zulasten, soweit !sie der französischen Industrie keinen Schaden zufügen. Rohmaterialien dagegen, die der französischen Indu­strie fehlten, und auch eine Mehrleistung an Kohlen feien für Deutschland ein Zahlungsmittel. Man könne Deutschland zwingen, daß es gewisse Rohstoffe, die es heute noch einführt, selber herstellt, so z. B. das Sal­peter.

Es ist doch einfach unmöglich, die verlangten Mil­liarden durch Kohlen, Kali, und andere Rohstoffe oder Halbfabrikate aufzubringen. Dazu müssen wir Ferttg- waren exportieren, die einen höheren Arbeitslohn ein­bringen. Will man aber diese Warenausfuhr uns be­schränken, sobald ein französischer oder englffcher Kon­kurrent sich über den Wettbewerb beklagt, so läuft die Sache nicht auf eine Steuer hinaus, sondern auf eine Erdrosteluna unseres Welthandels.

Unsere Regierung wird sich durch dir Versuche der Bemäntelung gewiß nicht täuschen lasten über die

-wirtschastliche Gefahr, Ire in der vorgeschlage- neu Ausfuhrtaxe steckt. Die von der Entente erstrebte Kontrolle unserer Ausfuhr muß abgewendet wer- 'ten; sonst sind wir dem Konkurrenzneid der Franzosen und Engländer schutzlos ausgeliefert, da sie nicht bloß unsere ganzen Geschäftsgeheimniste ausspionieren, son- 'w ........ — ----

Falscher Wert

Roman von H. Abt.

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Er wich ein wenig von ihr zurück und sagte, die Augen senkend:

„Es hat sich nur eines nicht geschickt, daß ich kam, wir von Ihnen helfen zu lasten. Machen Sie mir das nicht allzu demütigend fühlbar."

Sie warf den Kops zurück. „Doch ich will es Ihnen fühlbar machen und ich will Ihnen sagen, warum Sie keinen Anstand genommen haben, bei mir zu tun, was Ihnen bei einer anderen Frau so sehr gegen den An­stand gegangen wäre. Weil Sie mich an eine S.e'.'e gerürft hatten, wo man es nicht nötig hat. allzu genaue Rücksichten zu nehmen. Und als ich mich Ihnen so weit offenbart hatte, daß Sie es nicht mißverstehen konnten, nahmen Sie es einfach als ein Gcschäftsangebot, das erledigt ist, wenn man nicht weiter darauf eingeht."

Lützenkirchen, die Peinlichkeit der Lage auf das hef­tigste empfindend und doch außerstande, ihr mit Wor­ten eine andere Wendung zu geben, ergriff seinen Hut.

„Erlauben Sie, daß ich mich entferne, Frau Pauly. Sie sind allzusehr im Vorteil gegen mich bei dieser ^Auseinandersetzung, die ich nicht hätte herbeiführen dür­fen. Unsre geschäftliche Angelegenheit läßt sich ebenso­gut schriftlich zu Ende bringen"

„Also, S.e bestehen darauf, es so zu Ende zu brin­gen? Und Sie wissen es, daß ich es in der Hand halte, daß ich Sie, wenn ich es will, so zuarnnde richten kann, daß Sie auch an Ihrer Ehre bankrott werden?"

Er war zur Tür geschritten, blieb da noch einmal stehen und sah ihr fest Ins Gesicht.

„Ich kann es Ihnen nicht wehren, sich bezahlt zu machen — auf Ihre Weise."

„Bezahlt ...?!" Sie stand neben ihm, hatte feine Hand von der Klinke zurückgerissen.

„Ja, ich will mich bezahlt machen! Will nicht be­trogen sein in diesem Ersten. Einzigsten in meinem Leben, an das ich mein ganzes Wollen gehängt hatte. Ich will es nicht! Ob Sie mir ein Recht zugestehen ober kein Recht . . . ob es sich schickt ober nicht schickt . . .

dern auch ihre Regierungen zu einschneidenden Macht- eingriffen veranlassen können.

Es find verzweifelt schwere Ausgaben in London zu lösen. Wir müssen einig und fest hinter der ringenden Regierung stehen!

Eine besondere englische Einladung.

Es ist jetzt noch eine besondere englische Ein­ladung zur Londoner Konferenz überreicht worden, die zusammen mit der Anlwort demnächst veröffent­licht werden wird.

Unser« Vertretung aus der Konferenz.

Die „Vojsische Zeitung" meldet: Die deutsche Regierung wird auf der Londoner Konferenz durch den Reichsminister des Aenßeken Simons und Reichsfinonzminister Wirth vertreten sein. Die Minister werden von einem Stabe politiicher, haupt­sächlich aber finanzieller und volkswirtschaftlicher Sachverständiger begleitet sein.

Tie Beratung bet Sachverständigen.

Jur Auswärtigen Amt fand eine Sitzung von Sachverständigen statt, um die deutsche "Stelluni- nahme zu den Beschlüssen der Pariser Konferenz in der Entschädigungsfrage im Einzelnen zu erörtern und die deutschen Gegenvorschläge vorzubereiten. Rach eingehender Besprechung der einzelnen in Frage kommenden Probleme wurde ein engerer Ar­beitsausschuß eingesetzt, der seine Beratungen am Montag aufnehmen wird. Diesem Ausschuß gehören Bertreter des Handels, der Industrie, der Finanz, der Landwirtschaft, der Seeschiffahrt und der Arbeitnehmer an.

Die Schwierigkeiten mit Bayern

werden sich wobl bald beseitigen lassen. In Bayern hat man sich bekanntlich auf den Standpunkt ge­stellt, daß die Ententenote als Ganzes behandelt und abgelehnt werden müßte. Nicht nur die Enr- schädigungsforderung sondern auch die Entwaff­nungsforderung soll unbedingt abgelehnt werden, ein Standpunkt, der von der Reichsregierung nicht ge­teilt werden wird. Die Beratungen innerhalb der Fraktionen des bayerischen Landtages und die Ver­handlungen der Regierung mit den Führern der Koalitionkparteien über die schließliche endgültige Stellungnahme Bayerns wurden gestern fortgesetzt. Wie verlautet, ist ein Kompromiß zustande ge­kommen, das dem Standpunkt der bayerischen Regierung nnd der RegierungSparieikL. in der Ein­wohnerwehrfrage Rechnung trägt und doch auch Nach Möglichkeit dem Reicke geben will, was des Reiches ist. Die amtliche Bekanntgabe des Be­schlusses steht bevor. ,

Das „kleine Preußenparlameul" gegen das Ententedlkkat.

Der ständige Ausschuß der preußischen Lcmdesver- sarnmlung, der bis zum Aufanimentreten des neuen Landtags das Parlament vertreten soll, nahm gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten eine Erklärung gegen die Forderungen der Entente an, die mit den Worten schließt:

„Die preußische Volksvertretung erroarfct von bet Reichsregievmrg, daß sie ihren ablehnenden Stand­punkt unerschüttert beibehält und fordert in dieser ernsten Stunde, in der es sich um Sein ober Nichtsein des deut­schen Volkes hanürtt, olle Kreise des Volkes auf, in der Abwehr dieser unmöglichen Forderungen der Entcnie ge­schlossen zusammenzustchen."

(Ein „Unannehmbar" aus DarmffoM.

Der Finanzausschuß des heflffchen Landtages, in dem alle Fraktionen des Landtages vertreten sind, Hai am Mittwoch in Anwesenheit der Regierung und des Präsidenten des Landtages zu den Pariser Beschlüssen Stellung genommen. Einstimmig stellte er sich als Vertretung des hessischen Volkes hinter dir Regierung

ich will es mir zwingen! Alles in der Welt läßt sich zwingen, wenn es nur mit dem richtigen Willen richtig angefaßt wird."

Ein seltsam beflemmenbes Gefühl begann von Lützenkirchen Besitz zu ergreifen, eine Art von Mitleiden für diese hervorbrechenbe Wildheit, die doch bei allem Ungezügelten etwas Unbeholfenes hatte r.nb trotz der darüber brütenden Glut mehr einem düster trotzenden Starrsinn als wahrhafter Leidenschaft zu gleichen schien. Leis, mit etwas von dem Mitleiben in der Stimme sagte er:

„Sie vergeßen bei allebem nur das eine . . . daß ich gebunden bin," unterbrach sie Lützenkirchen, .fest erb schloffen, sie zu verhindern, so weiter zu ihm zu fprc- chen, sich ihm zu zeigen, selbst wenn er zu dem Z?ecke ihr wehetun, sie tief beleidigen mußte. „Doch wäre ich auch frei, ich ro.rbe nicht imstande sein, jemals anders zu Ihnen zu sprechen. Denn ich bin keiner von denen, die sich ohne Liebe einer Frau für Geld verkau­fen, und ich würde nie ein der Steeb verwandtes Gefühl für Sie empfinden können."

Sie starrte ihn an, den Nacken in wildem Trotze zu­rückgeworfen.

„Nie?! Und warum nie? Ich kann einem Mann gefallen, wenn ich es will. Warum können Sie mich nie lieben?"

Ein Schatten ging über Lützenkirchens Gesicht. Er gab nicht direkte Antwort auf ihre Frage, sagte nur: „Es gibt in der Liebe kein Warum, sowie es fein Zwin­gen gibt. Letten Sie wohl, Fran Pauly, und lasten Sie mich den Glauben mit mir nehmen, wie auch Sie sehr bald erkennen werden, daß Sie einem Gefühl einen Namen gegeben hatten, der nicht dafür zutraf."

Sie starrte ihn nur wortlos an; da sagte er noch einmal wieder mit dem leisen" Mitleidstone: „Leben Sie wohl, Frau Pauly . . ."

Er war gegangen. Dorette Pauly war allein, re­gungslos an derlelbcn Stelle verharrend, als wären ihre Füße festgewurzelt. Der trotzige Racken hatte sich noch mehr gebeugt, der Kcpf hing tief zur Brust her­nieder. Da glänzte an der Goldschnur der Kazabaila ein großer, klarer Tropfen auf. schaukelte zitternd ein paarmal hin und ber ,mr> fiel zu Boden nieder. Mit

in Bersin und erwartet, daß sie an dem ausgesprochenen Unannehmbar diesen Beschlüßen gegenüber unter allen Umständen festhalte. Der Ausschuß ver­traut, daß die Regierung bei den Verhandlungen in London für uns erfüllbare Bedingungen zu erzielen wissen werde. , ... - z .■-< ■

Um Oberschlesien.

Fristverlängerung für Einsprüche.

Die interalliierte Kommission in Oppeln hat die F r i st für Einsprüche gegen die Ablehnung der Eintragung in die Stimmliste bis zum 22. Feb­ruar abends 6 Uhr verlängert. Hiernach ist cs erforderlich, daß die Ortsgruppen der Vereinigten Ver­bände heimattreuer Oberschlesier die letzten Einsprüche spätestens am 18. Februar auf dem üblichen Wege ab­senden. Wer nicht bereits eine von dem paritätischen Ausschuß unterstempelte Mitteilung über seine erfolgte Eintragung in die Stimmliste erhallen hat, muß sich sofort bei der zuständigen Ortsgruppe melden und Ein­spruch erheben, desgleichen diejenigen, denen Ableh­nungen oder bloße Empfangsbestätigungen zu gegangen sind. Wer nicht Einspruch erhebt, verliert sein Stimm­recht.

Die Wosjenabliesecung.

Rach Mitteilung des Reichskommissars für Ent­waffnung beträgt der Zugang der abgelieferten, ange­kauften und beschlagnahmten Waffen im Januar: 18 Geschütze, 158 Maschinengewehre, 9413 Gewehre, 258 Revolver und Pistolen und 2329 Handgranaten. Von den angemkldeten Waffen der Organisationen wurden bisher 371 233 Gewehre eingezogen.

Aus vem besetzte« Gebiet.

' „Unjchick ich», verhalten gegen französische Offiziere '. Au einem Dezember-Sonntag tm vergangenen Jahre erschienen im KurhauS-Abenbkonzert in Wiesbaden drei Offiziere der Besatzunastruppen und unterhielten sich, so daß dadurch die Konzertbesucher gestört wurden. Der Dr. pbil. Brönnle aus Wiesbaden drehte sich un­willig nach den Offizieren um, Dr. Brönnle hatte sich deshalb wegen „unschicklichen Verhaltens" vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Auf Antrag des Staats- anwaltes sprach das Gericht den Angeklagten jedoch frei.

■ * Ein Protest. Die Regierungskominission des Saargebiets hat vor einiger Zeit den Beitritt des Saargebietes zu den drei großen iptetnationajm Ver- kehrsgemetnschaften, dem Weltpostverein, dein WcUtckeie- graphenveretn und der durch da» Abkonrmen Über den internationalenFracktverkehr gebild ten Union beantragt Die deutsche Regierung hat um et Hinweis darauf, daß diese Anträge dem Friedensvertrage widersprechen, weil nur selbständige Staaten Mitglieder dieser Gemein, schäften sein können, während da» Saargebiet nur bom Völkerbund verwaltetes deutsches Gebiet ist, gegen diese Anträge Einspruch erhoben und erklärt, daß sie sie nicht anerkennt.

Das Gesetz.

Auch eine „politische" Frage.

Niemals im Deutschen Reich gab es einen solchen Wust von Gesetzen, und niemals ging es wilder und un­geordneter zu in Deutschland als heute. Nie waren die Gerichtshöfe so überlastet, die Gefängnisse so Überfüllt, die Rechtsanwälte so Überlaufen. Und täglich, fast stündlich werden neue Gesetze erfunden, neue Verord­nungen erlassen, und täglich und stündlich werden sie mit stets sich steigernder Geschicklichkeit und Unver­schämtheit umgangen ober übertreten. Selbst der ruhige, ordnungsliebende Bürger findet sich nicht mehr zurech! in dem Gestrüpp sich widersprechender GZetzparagra- phen, verstrickt sich und strauchelt

Früher war das anders: „mit dem Gesetz in Kon­flikt geraten", das hieß: unmöglich werden in der Ge­sellschaft, unmöglich sein als Geschäftsmann, hieß ein-

starren Augen schaute Frau Dorette ihm nach. Dann plötzlich schnellte sie den gebeugten Kopf mit einem so heftigen Ruck zurück, daß an den Obren die Goldbe- hänge erklirrten. Die geballten Fäuste erhoben sich einen Moment . . . Die- Anwandlung von Schwäche war überwunden.

18.

Lützenkirchens Hoffnung, noch einen freihändigen Verkauf seiner Besitzung zu ermöglichen, war in sich zu- fammengrfanen, seit er mit seinen übrigen Gläubigern Rücksprach- genommen. Diese wollten, falls Ihnen nidjt die volle Deckung ihrer Ansprüche gewährleistet war das ger#)H:d)e Vorfahren beantragen. Und Dorette?

2m Büro des ihn beratenden Rechtsanwatts sitzend, Mel Lützenkirchen btt Antwortzeil'n tn der >>rü, He sie auf dessen bevollmächtigte Anfrage hin gegeben hatte.

„Ich werde die zur G ltenbm rch i rg v.-nn-r For­derung nötigen Schritte tun. Dorette Pauly."

l,,:1;'s anders, als was er erwart >t Hutt». Sie blieb sich treu, stand bei ihrem Rechte, Bezahlung »ordernd, fr- oder so. Und war vielleicht nicht einmal -siemd- seligkeit in ihrem Handeln, nur ein verbissenes Sich- wehren, der Trieb, nicht in allen Stücken die Betrogene zu sein. Und -n.ch er vermochte nicht feindselig gegen sie ?u ewwurden, denn wenn er ihr auch heimiiedes So-el zum Vorwurf machen konnte, uneh-limes vor e* darum nicht gewesen. Sie batte nicht falschen Werl zum Einsatz geboten . . . gleich einer «rnbern . . .

Nein, nicht daran denken wollte er mehr, sondern es als einen Poften mehr dem großen Zu'ammendrnch beigekellen und alles zu Ende zu führen Io schnell, als möglich. . . Und dann . . . was dann?

Die gleich- Frage hatte der ihm freunblchaulich ge­sinnt- Rechtsanwalt gestellt und daran das Bedauern geknüpft, daß Lützen: ircheas Angelegenheiten nicht be­reits so west aeorbnet seien, um diesen vielleicht aus einem Zufall Gewinn ziehen zu lassen, von dem er sei. bigen Tages Kenntnis erhalten hatte. Ein Hamburger Kxllege, der allerlei ausländische Verbindungen unter» hic't, hatte für einen Grundbesitzer in San Domingo, der auf feinen Ländereien europäische Kultur einzuführen wünschte, unter geradezu glänzenden Bedingungen eine

fach: seine gesellschaftliche und wirtschaflliche Existenz ge­fährden! Well das Vertrauen in die Gerechtigkeit eines Urteils gleich tief war wie das Mißtrauen in einen, der mit dem Gesetz in Konflikt geriet.

Und jeder Deutsche verlangte Gesetz und Gerechtigkeit als ein R e ch t, das der Staat ihm schuldete.

»»

Das ist nun ganz anders geworden. Ordnung wird als Zwang empfunden, jeder Versuch, von neuem Ord­nung zu schaffen, wird bekämpft, verdächtigt, sabotiert. Und es gibt keine Achtung mehr vor den Gesetzen, west kein einheitlicher Wille zur Ordnung sie erfüllt: weil die Macht, die hinter den Gesetzen steht, untergraben und zerbröckelt wird durch jenen Anarchismus, der die „Propaganda der Tat" predigt und mit Verleumdungen und Fälschungen jeden Ordnungswillen zersetzt, jedes Gefühl von Rechtssicherheit zerfrißt.

Am zweiten Tag schon der Revolution, am 10. No­vember 1918, verkündete es im Zirkus Busch Emil Barth, der Unabhängige: „Wir haben die Revolution vorbereitet, haben Waffen geschmuggelt, haben uns um keine Gesetze gekümmert, haben alle ungesetzlichen Mittei ausgenutzt . . ." Und er verkündete es als ein Ver­dienst, als einen Ruhm, und ward zum „Dolksbeauf- tragten" gewühlt. Und er, der sich „um keine Gesetze gekümmert", unterzeichnete nun selbst Gesetze, und als er von bannen ging, reifte er — gegen Gesetz und Recht — auf falsche Eisenbahnkarten! Emil Barth blieb nicht der einzige jener Parteien, die Gesetze forderten und schufen, um sie bann selbst zu mißachten. Unb diese Männer nannten sich „Führer des Volkes" unb führte» es — in rechtliche Wildnis.

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Der Deutsche i st ordnungsliebend von Natur und Tradition. Und ein Wille zur Ordnung und Disziplin beginnt langsam wieder sich aufzurichten und nach einem Halt zu suchen. Drbnung unb Recht unb Sicherheit sind nur wieber aufzurichten durch die Gesarniheit eines Volkes, bas sich nach Ruhe sehnt; unb der Geist, der früher das Gesetz erfüllte und ihm Achtung erzwang, ist nur zu neuem Leben zu wecken durch eine Macht, eine Regierung, die sich auf den Willen her Mehrheit des Volkes stützen kann.

Das deutsche Volk hat nun die Macht, sich diese Re­gierung zu schaffen, und der Wille zur Ordnung h a t nun das Mittel, sein eigenes Gesetz sich zu geben, Orb, nung, Recht unb Sicherheit von neuem aufzurichtcn.

Dieses Mittel ist: der Stimmzettel!

Es anzurpenden unb auszunutzen ist nicht nur R e cht, Ht^WW^Wk^^rUk?DrdmbqsliebetrdM- W PGer ist mitschuldig, der dieser Pflicht sich entzieht!

Deutsches Neich.

** Berlin, 9. Febr. Zur Lösung der Streitfrage, ob die in den Auffichtsrat einer Aktiengesellschaft ent­sandten BetriebsratsmWiedcr die gleichen Rechte rote die anderen ÄufsichtsrNsmstglieder haben sollen, hat der Rcichswirtschaftsrat eine besonder: Kommission eingesetzt. — Eine Erhöhung der Erwetbslosennnter- stützung von 10 auf 12 Mark täglich Hot das Reichs- arbeitsm'nisterium für gewisse Teile des sächsischen Dogttandes beschlossen, weil in diesem Gebiet eine be­sondere große Notlage herrscht. — In Leipzig ijt ein Reichswirtschaftsmuseum eröffnet worden.

= Wählt Zentrum! Herr Kardinal Bertram hat bekanntlich in einem Mahnwort die Katholiken er­mahnt, nur solchen Kandidaten die Stimme zu geben, die die Rechte der katbclischen Kirche certrcfen und für die konfessionelle Schule eintreten. Das ist sein bischöfliches Recht, für dessen Ausübung ihm das ka­tholische Volk dankbar ist Irgend eine Partei hat der fyerr Kardinal nicht genannt. Der „Vorwärts", das Haup'organ der sozialdemokratischen Partei, meint indessen zu den bischöflichen Mahnungen: „Der Fürst­bischof Bertram hätte sich die langen Ausführungen iperen und sie in zwei Worte zusammensassan können:

Art Güterdirektor engagiert. Der Betreffende war, be­reits reisegerüstet in Hamburg eingetroffen, bei einer Ruderpartie verunglückt.

„Würde sich sofort ein passender Ersatzmann finden so hätte der wohl alle Glücksfälle für sich", fügte ber Rechtsanwalt hinzu.

Lützenkirchen ging nicht weiter auf das Thema ein, aber nachdem der Zweck seines Hierseins, in Einigung mit feinen Gläubigern selber bas gerichtliche Verfahren auf LLtzenburg zu beantragen, erörtert war, kam et nochmals auf jene Angelegenheit zu sprechen.

Am folgenben Tage befand er sich in Hamburg. Doch ber, bei dem genauer sich zu unterrichten er herge'om- men, war für einen Tag verreist. Es galt zu warten. Und dann . . . vierimbzwanzig Stunden später . . .

Auf unb ab am Hafen wandert Lützenkirchen, die $i:..e hin und her gehen lassend, zwischen dem Masten- gewirr der Schiffe auf dem Zifferblatt ber großcnT"rm- uhr. Elf . . . bis um eins hatte er Zeit. . . Zwei Stunden lang . . . zwei Stunden, um sich zu entschei­den, ob er übermorgen bart mit dem Dampfer, besten mächtige gelbe Schlote wie dunkle Wahrzeichen zu ihm herüber brauten ober — winkten, sich nach Westinbien einschiffen ,woUte ober . . Zwei Stunden . . unb in ihm rasten bie Gebauten, bie Möglichkeiten hin unb her . . . Möglich . . was wäre doch unmöglich, wenn ein kühner Wille bas Steu^ führt?

Aber bas andre, bas baftanb, die Arme nach ihm ftreckenb, ihn hallen wollend . . ja, Abschied nehmen . . er hätte doch wenigstens Abschied nehmen müssen. . .

Und an dem Zifferblatt ber Uhr rückte unaufha'tfam vorwärts der Zeiger, unb oon betn Dampfer herüber reckten sich bie schräg aufragenben gelben Schornsteine, wiesen hm ein in bie Zukunft, bie brühen über bem Wettmeer lag ... .

Auf unb ab — auf unb ab mit fchwerhallenden Schritten über bie Quabem bes fiafenbatrmes . . . und die Gedanken hinjagend zu ihr, die daheim seiner war­tend saß ... in bcm Daheim, bas binnen kurzem keines mehr sein würbe . . .

,(Fortsetzung folgt}.