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48. Zahrg
Montag, 7. Zebruar 192)
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Lezuqsprets: AtomUlich 3,00 Mr. ohne Zustellgebühr. Jn FuMa bei uns abgeholt 3,15 Mt. 'Anzeigenpreis: Die K i e i n z e i ie (XoioneimaB) 60 pfg„ u. 10°. Zuschlag, die Reklamezeile (Tenireite> 1.80 Aik^ u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
verantwortlich tür den -coomonellen Teil: Karl Schütte, füt die Anzeigen: I. Parzeiler-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in »ulLa rernioiecher Nr. 9 Telrgr.-Adrelst: Fu ldaer Zeitung
Beratungen der Ministerpräsidenten.
Am Samstag fand in Berlin eine Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der Länder Deutschlands mit dem Reichskabtnett statt. Die Besprechung aalt dem Zstvecke, den Vertretern der Länder die Auffassung der Reichsregierung über die Pariser Beschlüsse darzulegen und der Reichsregierung Gewißheit J verschaffen, daß auch die Regierungen der Einzelstaaten bei ihrer weiteren Politik ebenso hinter ihr stehen, wie dies die große Mehrheit des Reichstages am Mittwoch für sich bekundet hat. Der Standpunkt der Reichsregierung ist bekannt: Sie will in der E n t- waffnungsfrage den Friedensvertrag und das Abkommen von Spaa loyal erfüllen. In der Entjchä- digungsfrage betrachtet sie die Vorschläge der Pariser Konferenz als unerfüllbar, will aber versuchen, mit Hilfe eigener Gegenvorschläge eine Grundlage für neue Verhandlungen in London zu finden. Für diese Beschlüsie hat die Reichsregierung in der Konferenz am Samstag die Zustimmung der anwesenden Vertreter der Länder gefunden. Es wird über den Verlaut der Konferenz folgende amtliche Mitteilung aus- gegeben:
“Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand heute eine Besprechung der Staats- und Miuffterpräsidenten mit dem Reichskabinett über die durch die Note vom 29. vorigen Monats geschaffene politische Lage statt. Der Minister des Auswärtigen qab einleitend eine Uebersicht über den Inhalt und die Bedeutung der Cntentesorderungen und über die Stellung und die weiteren Absichten des Reichs- kabmetts. Der Neichswirffchastsmimster ergänzte diese Ausführungen nach der wirtschaftlichen Seite. Der Reichs- mimster des Innern legte die im Inlands zu ergreifenden Maßnahmen dar. Sämtliche Anwesende ertlär« tat ihr grundsätzliches Einverständnis mit der Stellungnahme des Reichskabinetts, rote sich diese aus der Reichstagsrede des Ministers des Auswärtigm vom 1. dieses Monats ergibt."
Meldungen, die von einer abweichenden Auffassung Bayerns in der Entwaffmmgsfrage wissen wollten, scheinen auf Mißverständnissen zu beruhen, denn die Be- ratungm in der Reichskanzlei haben tatsächlich eine vollkommene llebereinstimmnng aller beteiligten Minister ergeben. Die anfangs noch vorhandenen Bedenken Bayerns fanden eingehende Berücksichtigung in der Debatte, ebenso wie diejenigen der übrigen Länder.
Die Einladung «ach London.
Der französische Botschafter hat im Auftrage des Präsidenten der Pariser Konferenz anläßlich eines Besuches beim Reichsministar des Aeuhern mündlich die Einladung übermittelt, zum 1. März deutsche Delegiert» nachLondonzu entsenden. Der Minister hat sich die Amoort auf die Einladung vorbehalten.
Minister Dr. Simons hatte bereits in feiner Reichstagsrede vom 1. Februar erklärt, daß die deutsche Regierung erst die Einladung abwarten und dann sich schlüssig machen werde über Annahme oder Ablehming. Mgleich erklärte er mit voller Entschiedenheit, daß die Pariser Vereinbarung über die Entschädigung nicht als Grundlage der Beratung anerkannt werden könne. Es muß also vorher Klarheit geschaffen werden über das geplante Programm. Demgemäß hat sich Minister Simons die Antwort auf die mündliche Einladung Vorbehalten. Das deutet offenbar darauf hin, daß die deutsche Regierung erst noch eine Anfrage stellen will über den ®egenftanb und die Grundlagen der geplan- ten Verhandlungen, sonst weiß man nicht, ob die Reisekosten und Reisestrapazen sich lohnen. Sollte wieder nur von der einen Seite diftiert und von der anderen Seite die Untertreibung des präparierten Protokolls gefordert werden, dann braucht man keine persönliche Begegnung. <•
Die Formlosigkeit der Einladung und die Pw- grammlosigkeit sind ausfällig. Ebenso der Termin der Konferenz, der unmittelbar vor dem Amtsantritt des
Falscher wert.
Roman von H. Abt.
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Mit scharfem Lauern hatten ihre Augen auf Gertrud geruht, nun, wie sie gewahrte, daß diese unter ihren Worten zusammenzuckte, als habe ein Stich sie mitten ins Herz getroffen, ließ sie befriedigt langsam die Lider sinken. Sie wußte, was ihr zu wissen zumeist gelegen war. Gertrud aber, gewaltsam sich zur Ruhe zwingend, sagte:
„Ich weiß, daß mein Mann Verbindlichkeiten gegen Eie hat, gnädige Frau, aber ich weiß auch, daß er nicht um alle Verbindlichkeiten der Welt Ihnen das Recht Zustehen würde, in dieser Weise zu mir zu sprechen. Und wären Sie gekommen, mir das zu sagen, so . . ."
„So würden Sie mir die Tür weisen," vollendete gemächlich grau Dorette. „Nur weist man eigentlich nicht ben aus dem Haus, der es selber in der Hand hält, jeden Augenblick einen vor die Tür zu setzen."
Etwas Verstörtes kam in Gertruds Blick. „Was wollen Sie von mir? Warum sind Sie gekommen?"
Der schwere Seidenstoff ihres Kleides rauschte ein paarmal auf, bevor Frau Dorette, sich bequemer zurechtsetzend, zu sprechen begann.
„Ich fange mit einer Sache an, die Sic vermutlich wissen, vielleicht aber auch nicht genau wisien, und dann ist's an der Zeit, daß Sie es richtig erfahren. Sieben Wochen nach der Verheiratung mit Ihnen war Ihr Mann gezwungen, sich auf Wechsel gegen Wucherzinsen
mgtausend Mark zu borgen, die er anderweitig nicht -geliehen bekommen hatte. Daß er sich damit einen Strick um den Hals legte, her sich bei dem ersten un- ' ffichen Zufall zuzog, wußte er. Glauben Sie nun, daß er da in solcher Zeit auch noch den Leichtsinn gehabt hätte, sich eine Frau zu nehmen, wenn er nicht der Ueberzeugung gewesen wäre, daß die ihm aus der Der- l°genheit helfen könnte?"
Richt ein Laut kam von Gertruds Lippen. Ihr Kopf hallte sich gesenkt, ihre Finger waren krampfhaft ineinander verschlungen. Und Frau Dorette fuhr fort:
neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gelegt ist. Man kann ja sagen, daß Nordamerika den Versailler Vertrag nicht ratifiziert habe und auch nicht ratifizieren wolle, also Lei dessen Durchführung nicht beteiligt fei. Aber Nordamer ka hat doch den Au-nch-az gegeben für den Sieg, und die Entente verdankt die Vorteile, die sie jetzt eintreiben will, im Grund: den Amerikanern Ueb.rdies werden die Amerikaner durch den Beschluß von Paris in Mitleidenschaft gezogen. Der T.ibu: von der deiuiUen A'-ssucr, brr dort oepisnt ist. " ürbe auf den Hande sverkkhr zwischen Lcmschland und '<vt neuen Weli sehr empfindlich einwirken, und wenn die Entente sich anmoßl, jede deutsche Anleihe, möge sie vom Reich, von den Einzelstacrten, von den Gemeinden oder auch von irgendwelchen kontrollierten Genossenschaften beabsichtigt sein, von ihrer Genehmigung abhängig zu machen, so wird dadurch die Bewegungsfreiheit des amerikanischen Kapitals bedroht. Etwas Rücksicht auf die Vereinigten Staaten wäre um so mehr am Platze, als die Franzosen die deutschen Bonds, die sie erpressen wollen, sofort diskontieren lassen möchten und dabei in erster Linie das kapitalreiche Nordamerika an- gchen müssen.
Es bleibt beim „Nein":
Reichsaußenminister Simons bat soeben einem amerikanischen Pressevertreter auf die Frage, ob die Regierung wirklich bei ihrem „Nein" bliebe, ent- schieden erklärt:
.Ich kcknn nur sagen: Wenn die deutsche Regierung auch nur ein Jota von der Erklärung abweicht, die ich im Reichstage in ihrem Namen abgegeben habe, daß nämlich die Pariser Beschlüsse für uns unannehmbar sind, so bleibe ich nicht länger im Amte und werde das Meinige dazu tun, daß mein Nachfolger nur dieselbe Politik betreiben kann wie ich."
Auf die Frage Wiegands, was geschehen würde, wenn die Alliierten Zwangsmaßnahmen ergreifen, erwiderte Simons: „Dann muffen wir eben für einige Zeit leiden und das Leid ertragen."
Die Ententebotschafter haben mit der Reichsregierung inzwischen weitere Verhandlungen angeknüpft, die im allgemeinen in der Richtung eines Kompromisses hinauSlaufen. Solange nicht unbedingte Sicherheit dafür besteht, daß die Grundlage der Pariser Beschlüsse mit ihren märchenhaften Forderungen verlassen wird, so lange ist kein Gedanke daran, daß über diese Forderungen deutscherseits verbandelt werden kann.
Dr. Simons bei den Gewerkschaften.
Der Reichsminister des Auswärtigen sprach sich am Samstag im Herrenhaus mit etwa zweihundert tretern der Gewerkschaften über die durch die Pariser Beschlüsse geschaffene Sage aus. Der Minister beantwortete im Laufe der Aussprache eine Reihe von Fragen, die ihm aus der Versammlung vorgelegt wurden. Es ergab sich dabei eine vollkommene Uebereinstim- mung der Vertreter der Gewerkschaften mit dem von der Regiermrg eingenommenen Standpunkt.
Aufruf an die Arbeiter der Welt.
Der allgemeine deutsche GewerkschastSbund erlaßt im Verein mit dem allgemeinen freien Angestelltenbund und dem Beirat der freigewerkschaftlichen BetriebSräte- zentrale einen Aufruf an die Arbeiter der Welt, in dem gegen die Versklavung deS deutschen Volkes durch die EnffchädigungSforderunzen der Entente protestiert wird.
Nach Briand—Lloyd George.
Nach Briand hat sich nun auch der englische Mini- fterpräfibent Lloyd George gelegentlich eirer Rede in Birmingham über die Paris er Beschlüsse vernehmen lassen. Natürlich pries er sie als gerecht und für Deutschland durchaus erträglich. Deutschland könne bezahlen, wenn es wolle. Es lei nötig, daß das Land, welches Schaden angerichtet habe, seine Verpflichtungen gegenüber den Ländern erfülle, die die Opfer seines Angriffs geworden feien. Man sage, die deutschen Autokraten hätten den Krieg verursacht und nicht das deutsche Volk. Das ganze deuffche Volk aber, einschließlich
„Ich sprang in dem Augenblick ein, da die Wechselschuld zwangsweise eingetrieben werben sollte. Ich setzte auch Ihren Mann in ben Stand, hier wieder aufzubauen. Ob ich dafür genügende Sicherung bekam, danach fragte ich aus persönlichen Gründen nicht. Würde ich darüber eines Tages andern Sinnes, so stände durch die vergrößerte Schuldenlast heute die Sache noch viel schlimmer für ihn als zuvor. Und nun malen Sie sich es einmal richtig aus, was das für eine Zukunft gäbe, wenn das hier alles Ihrem Marm über den Kopf verkauft würde, wenn er ohne einen roten Heller abziehen müßte und Sie als Bleigewicht hinter ihm drein — des heißt, wenn er es überhaupt ertragen könnte, sich io aus feinem Besitz hinaustreiben zu taffen."
Mit entsetzt attfgeriffenen Augen streckte Gertrud die Hände von sich.
„Nein um Gottes willen, malen Sie nicht so Furchtbares aus! Franz hak Kraft, er würde es auf sich nehmen. Und ich — nicht als Last sollte er mich empfinden, als Stütze wollte ich ihm sein, ihm helfen . . ."
„Helfen . . .?" Frau Dorette stieß ein kurzes Lachen aus. „Jawohl, so wie in dem Vers:
Ich und mein junges Weib können schön tanzen. Sie mit dem Bettelsack, ich mit dem Ranzen . . .
Sie roürden's bald merken, was das mit Ihrer Hilfe auf sich hat! Sic sind keine von denen, die es verstehen, das Leben derb anzupacken und sich non- ihm anpacken zu lassen, namentlich nicht, wenn man dabei in unglücklicher Ehe lebt. Ihr Mann würde in seiner Erbitterung immer mehr Groll auf Sie werfen, und, ob mit Recht ober Unrecht, schließlich Sie ganz allein als die Ursache von seinem Unglück betrachten."
Eine seltsame Ruhe war während Frau Dorettes Reden allmählich über Gertrud gekommen. Nun fragte sic langsam:
„Und wüßten Sie irgend ein Mittel, bas in meiner Macht läge, da etwas zum Bessern zu wenden?"
Die Antwort war ein fast brutal heraus",estoßcncs: „5a!" Dann fuhr Frau Dorette in ruhigem Tone fort:
„Wenn einer dem andern im Wege steht und muß sich sagen, daß er mit feinem Bleiben nur sich selber Schaden bann ioll er gehen, so schnell als möglich.1
„Dann soll er gehen, so schnell als möglich . . ."
der Sozialisten, sei verantwortlich für den Krieg. Die Entschädigungssumme, die man Deutschland auserleze, fei nicht übertrieben. Es sei nicht wahr, daß man dem deutschen Arbeiter ein wirtschaftliches Sklaventum auf- ,zwingen wolle. Solle aber vielleicht bet ftanzZtzch: Arbeiter bezahlen? Dr. Simons habe gesagt, er habe andere Vorschläge zu machen. Das sei recht; roenn feine Vorschläge rech» und billig seien, so würden die Alliierten davon Kenntnis nehmen. Wenn sie aber nur em Manöver seien, um der Entschädigungspflicht zu entgehen, dann müßten die Alliierten handeln. Dag Deutfchland sich der Entschädigungspf'.icht entziehen wolle, zu diesem Verdacht hat Lloyd George keinen Anlaß. Es ist von deutscher Seite zu Dutzenden Ma.cn erklärt worden, daß wir uns zur Enischädigungszah- lung verpflichtet halten, allerdings , nach Maßgabe un- rerer Lefftungsfähigkeit, weil wir diefe Verpflichtung in Versailles übernommen haben. Darüber hinaus e:rer Entschädigungspflicht zuzustimmen, die nicht erfüllt werden könnte, wäre Wahnsinn.
In einer zweiten Rede in Birmingham gab Lloyd George die Erklärung ab, der englische Handel befinde sich augenblicklich in einem Zustande des Ntede-ganges, aber Großbritannien werde diese Probe ubersteycn, rote es die Zeit der napoleonischen Kriege überstanden habe. Deutschland lei eine starke und mächtige Nation; es müße bezahlen. Wenn seine Mark nur einen Penny wert sei, dann müsse man sie eben für einen Penny berechnen. Er glaube, daß die deutsche Mark ein wenig tiefer stehe, als es fein dürfte. Wenn erst die Entschädigungssumme festgesetzt sei, werbe die Mark weniger schlecht stehen.
Die Wett ist entsetzt.
lieber die Pariser Beschlüsie schreibt die spanische Zeitung „Iribuna": Während Pariser offizielle Elemente sich k-egenfeÄg zunr Erfolg dcr Besprechungen beglückwünschen, ist die halbe Welt emfetzl und entrüstet und kann nicht verstehen, wer es Lloyd George fertig gebracht hat, nach seinem anscheinenden Widerstand gegen die ftanzölffchen Forderungen, jetzt, roenn auch zum Nutzen seines Landes, dir ruahnsimügcn Beschlüsse zu unterschreiben. „Jmpar- zrat" sagt: Wenn man den Markkurs in Betracht zieht, so ergibt sich das Resultat, daß die schon jetzt ungeheuren Hunderte von Milliarden sich in fabulöse Ziffern non Billionen verwandeln. Solche Zahlen könnte man ruhig himiehmcn, roenn sie als Rechenübungsn von Kindern tn einer Schule gebraucht würden. Aber roenn bedeutsame Persönlichkeiten solche Summen ausstelleu und aus Grund der Annahme, daß Deutschland sie zahlen mässe, Anleihen im Auslonde mrsnehmen wollen, kann man über em derartiges Vor gehen nur lachen.
Ungeheuerliche Zahlen.
Von der Ungeheuerlichkeit ber Zahlen, um die es sich bei den von uns verlangten Entschädigungssummen handelt, erhält man erst eine richtige Vorstellung, wenn man sie sich an einem praktischen Beispiel klarmacht. 3n den nächsten zwei Jahren sollen wir je 2 Milliarden Eoldmark zahlen. Setzt man den Wert ber Goldmar? gleich 14 Papiermark» so würde dies eine Jahressumms von 28 Milliarden ausmachen. Nimmt man die Einwohnerzahl Deutschlands zu 60 Millionen an, so ergibt sich hiernach ausdenKopsder Bevölkerung für das Jahr 466 Mark. Für die Stadt Fulda, deren Einwohnerzahl heute etwa 25 000 beträgt, würde dies eine jährlich«! Abgabe von 11 650 000 Mark bedeuten. Neben den dem Daterlandc zu leistenden Steuern und Abgaben müßte also allein die Einwohmrschaft Fuldas an jedem Wochentag rund 40000 Mark von ihrem Einkommen an den Verband ab geben. Diese Summe soll in 11 Jahren aus das Dreifache steigen und von da an 31 Jahre lang in dieser Höhe sich Hal fett Oie übrigen Ungeheuern Beträge für Besatzung usw. kommen zu dieser Summe noch hinzu.
Französische Vergnugungskontrolleure.
Die ,Mänck>.-AugSb. Abendztg/ will erfahren haben, daß die französische Regierung ihre Agenten in Deutschland angewiesen habe, sie regelmäßig über alle in Deutschland stattfindenden Vergnügungen und Festlichkeiten zu unterrichten. Man will Material sammeln, um nachzuweisen, oaß so lange Deutschland noch Geld für Vergnügungen habe, es keinen Grund habe, sich den finanziellen Forderungen der Entente zu entziehen.
Wie ein Echo hatte Gertrud die Worte wiederholt. - Dann fragte sie:
„Und gälte das auch für den Fall, daß Lützenburg nicht zum Verkauf käme?"
Wieder zunächst ein Schweigen. Dann gab es einen scharfen Ruck. Frau Dorette hatte ihren Stuhl zuritck- geschoben und war aufgestanden.
„Wir wollen nicht mehr hinten herum reden, sondern klipp und klar, wie die Sache liegt. Ob Ihr Mann Lützenburg bchält, das liegt ganz bei Ihnen. Und kämen Sic da zum vernünftigen Entschluß, so sollte es auch Ihr Schaden nicht sein. Sie sollten in sorgenfreier Weise für die Zukunft sichergestellt werden."
Gertrud war auf ihrem Sessel sitzengeblieben, immer mit der gleichen verwunderlichen Ruhe vor sich hinschauend. Und so fragte sie wieder:
„Und von wem würde diese Sicherstellung geleistet?" mir natürlich."
„Also —," langsam hob Gertrud den Blick zu ihrer Vcfucherin empor. „Sie sind gekommen, um mir meinen. Mann — abzukaufcn."
Nicht eine Miene zuckte in Frau Dorettes Gesicht. Sie hatte dis Arme über die Brust verschränkt.
„Wenn Sie es so nennen wollen, meinetwegen. Im Grunde genommen ist ja alles im Leben ein Handelsgeschäft." .
„Wieviel?" Unbeweglich hasteten die Blicke der beiden ineinander, während Frau Dorette einen Schritt gegen Gertrud vertrat.
„Wenn Sie die Trennung so herbeiführten, daß nur mir beide um unser gegenseitiges Einvernehmen wüßten, so würde Ihnen nach erfolgter Scheidung ein Kapital von achtzigtausend Mark ausbezahlt werden."
„Achtziglaufend Mark . . . achtzig . . . tausend . .
Ganz langsam sich von ihrem Sitz erhebend, wiederholte cs Gertrud, und wie dabei ihre Augen unentwegt auf der gewaltigen Gestalt ruhten, war es ihr plötzlich, als sei das alles nur ein wüster verwirrter Traum, a's sei es Wahnwitz, das für Wirklichkeit, die Worte dic die Frau sprach, für gültige Wahrheit zu nehmen Ein Gefühl, als rnüsie sie sich der Tollheit erwehren, ließ sie plötzlich auflachen. 1
Deutsches Mich.
** Berlin, 6. Febr.. An Stelle des infolge Einführung der Allersgrenze als Präsident des Kammergerichts ausscheibenden Geheimrats Heimoth wird der, Obeilanbesgerichtspräsident von Düsseldorf Oberjustizrat Dr von Staff an die Spitze des Kammergerichts treten. — General N o l l e t, der Chef der interalliierten Militär-Kontrollkommission, ist von Paris wieder in Ber- [in e'mgetrosscn. — Montag und Dienstag findet in Bamberg eine Konferenz des Reichseisenbohmnini- sters mit den Leitern der Verkehrsverwaltungen statt, auf der über die Erhöhung der Eisenbahn» t a r i f e beraten werden soll. — Die Stadtverordneten- Versammlung in W e r l beschloß einstimmig, der Reichs- tagsabgsorbneten Hedwig Dransfeld das Ehren» bürgerrecht zu verleihen.
* Tas Rcichsmictengcsetz. Die Reichsregierung hat dem borläufigen Reicbswirt'chafisrat und dem R'ichstat den Entwurf eines Reichsmietengesetzes zugehen lassen. Der Entwurf gibt unter grundsätz» sicher Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des WobnuugSwejens feste Regeln jur die Berechnung einer gesetzlichen Miete.
* Admiral Graf BrmdWn. In seiner Wohnung in Chariottenburg ist Admiral Gras Baudissm nach schwerem Leiden verschieden. Er bekleidete das Amt des Chefs des Admiralstabes der Marine und stand bis I zu fernem Ausscheiden im Jahre 1912 als Admiral an der Spitze des Kommandos der Nordseestaffon.
c Oderschlesien und die Schule. Von selten des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist, wie wir erfahren, ein Erlaß heraus, gegeben worden, der bestimmt, daß in allen Schulen in gewissen Stunden auf die wirtschaftliche Bedeutung Oberschlesiens hingewiesen wird. Ein ähnlicher Erlaß ist auch vom bayerischen Kultusministerium ergangen.
* Tic Kaufmannschaft für die Zentrumspartet. Zahlreich in Essen berfamntelte Vertreter ber kathoc lifchen kaufmännischen Vereine Rheinlands und Westfalens haben sich einmütig mit allem Nachdruck gegen die Bestrebungen ausgesprochen, welche dahingehen, die Angehörigen der gewerblichen und kauf» mänmschen Mittelstandes für die Gründung einer neuen Wirtschaftspartei zu gewinnen. Ein solches Parteigebilde würde weder den kulturellen Bedürfnissen nuferer Zeit gerecht werden können, noch in ber Lage fein, für die wirtschaftlichen Interessen deS Mittelstandes' zu wirken. Die einstimmig gebilligte Entschließung besagt ferner:
„Wenngleich die aufgestellte Kandidatenliste zur bevorstehenden Preußenwahl eine gebührende Berücksichtigung des Kausmannsstandes vermisien läßt, fordern die Versammelten doch die Mitglieder des Verbandes auf, bei der bevorstehenden Wahl restlos für b i e Zentrumspartei einzutreten, weil jede Schädigung dieser Partei zu Folgen fuhren mühte, die wir weder als Katholiken noch als Kaufleute vertreten können."
— Sie Christliche Dolksparkei wählt dochi Das Sekretariat ber christlichen Volkspartei veröffentlicht neuerdings eine Meldung, der zufolge die kürzlich ausgegebene Parole der christlichen Volkspartei, sich an ben Preußenwahlen nicht zu beteiligen, wieder zurückgezogen wird. — Ob die Wahlen der „Volkspartei" auch nur e i n Mandat bringen werden, ist mehr als zweifelhaft, da am 20. Februar die bayerischen Krücken schien, nnt deren Hilfe ein Vertreter dieser Partei glücksich in ben Reichstag humpeln konnte.
c Sie deulschnalionaie Dolkspariei und die kalhol. Wöhler. Dic „Deutsche Zeitung" gibt in ihrer Nummer 57 vom 4. Februar einer Zuschrift Raum, in der der wegen seiner polnischen Propaganda letzthin ge- nannt» Graf Oppersdorf als ein abtrünniger Deutscher bezeichnet wird. Dagegen wäre an sich nicht« emzuwendcn. Aeußcrst befremdend wirkt es jedoch, daß der kluge Artikelschreiber die Ursache des nationalen ■KMX33Ma6Äv::i~; .jl'jzhr nmi
„Also volle achtzigMuscnü Mark ist Ihnen mein Mann wert!"
Doch jählings, wie es aufgeklungen, war ihr Lachen wieder verstummt. Schweren Griffes hatten Frau Dorettes Finger sich um ihr Handgelenk gelegt, und dunkel, wie das in ihren Augen aufglimmende Funkeln war dex Klang ihrer Stimme.
„Lachen Sie nicht zu lehr, Frau Lützenkirchen, Sie möchten fönst eines Tages durch Weinen Ihr Gelächter bezahlen."
Und dann wieder zurücktretend von der völlig ver- stört sie Anstarrenden fuhr sie fort: „Sie wissen nun, wie ich es halten würde. Ich gebe Ihnen acht Tage Zeit, mit sich darüber ins Reine zu kommen. Nur gebe ich Ihnen auch zu bedenken, wenn Sic durch ein Reden an unrechter Stelle etwas herbeiführten, was das Einvernehmen zwischen mir und Jhuern Mann störte. Sie die direkte Veranlassung wären, daß hier das Zwangsverfahren auf Lützenburg eingeleitet werden würde."
„Aber mein Gott," völlig außer sich, preßte Gertrud ihr Tuch an die Schläfe, „lieben Sie denn meinen Mann?"
Frau Dorette bog den Kopf in den Nacken und ließ die Lider halb über die Augen sinken.
„Die Frage geht mich allein an. Für Sie mag bas genügen, was Sie wisien."
„Was ich weiß . . .! Aber das ist ja alles so wahnsinnig so undenkbar . . . und mein Mann . . . Sie wollen doch nicht sagen ... es ist ja unmöglich, daß er von alledem nur eine Ahnung hat."
„Ihr Mann hat Kenntnis von meiner Gesinnung erhalten, ein paar Tage, nachdem er sich mit Ihnen verlobt hatte."
Gertrud spürte eine Bewegung, als fühle sie ein Schwanken unter den Füßen.
„Ja ja . . . vielleicht Sie ... aber mein Mann . . .! Sic können doch nicht glauben, daß mein Manu Sie liebt?"
„Mich . . ." Ein hochmütiges, kaltes Lächeln um, spielte Frau Dorettes volle Sippen.
„Er liebt fein Lützenburg. und wird der Hand dankbar sein, die es für ihn festhält."
lZoryetzUip» iolüU