J» 28.
Freitag, 4. Februar 1921.
--- Mldaer Leitung
*Vpi T r u .1 jtr ' "<s*r ■ üte- tc sbi k. ctc: la Ctulb*
Hu$ dem Rachbargebiet.
Die yersselder Slisiskirche.
* Hersfeld. In der „Hersfelder Zeitung' wird «ingehens über bte Ausgradüngen tn der Hersfelder Stiftskirche berichtet. 2m Rat. hausfcal in Hersteld fand am 31. Januar eine Sitzung der Museumskommission statt, an der u. a. teilnahmen der Vezirkskonjei varor Herr Baurat Dr. Dr.-ing. Holtmeyer-Kassel, Direktor tes Landesmuseums Herr Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Bo eh l au - Kassel, Prof. Bonder au-Fulda und Dr. Meyer- Marburg Herr Pros. V o n d e r a u, welcher die Ausgrabungen am Fuioacr Dom geleitet hat, erstattete aus Grund feiner reichen Erfahrungen einen eingehenden Bericht über die Notwendigkeit von Grabungen in der Hersirlder Stiftskirche. St. Gallen, F u l d a und Hersfeld bezeichnete er al? die drei Marksteine in der Karolingischen Baukunst. Die Ergebnisse der Fuldaer Grabungen werden durch weitere Grabungen in Hersfeld erst ihre volle Bestätigung und Klärung erhalten. Einen weiteren Bericht über die Frage erstattete Herr Dr. Meyer nom geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Standpunkt aus. Aiff Grund privater Probegrabungen, die er im letzten Herbst in der Nähe des Glockenturmes vorgenrmmen hat, stellt et sich in einen gewissen Gegensatz zu der Theorie des Tübinger Kunsthistorikers Prof. Weik (Beiträge zur Baugeschichte der Stiftskirche zu Hersfeld, Marburg 1920) und vertritt die Ansicht, daß der Glockenturm den letzten Ueberrest der ersten karolingischen Klosterkirche aus dem 8. Jahrhundert bildet, deren Grundmauern er bei keinen Grabungen gefunden zu haberr glaubt, während Professor Weise annimmt, daß der heutige Bau der Stiftskirche mir eine Erweiterung der alten Karclingerkirche darstellt. Das letzte Wort in diesen grundlegenden Fragen wird der Spaten haben. 2n der sich anschließenden lebhaften Aussprache wurde von allen Seiten einmütig die Notwendigkeit von Gcabmigen zum Ausdruck gebracht. Insbesondere betonte Herr Bezirkskonfervator Dr. Hollmeyer, daß zwar der Zeitpunkt für Grabungen der denkbar ungünstigste sei, daß es aber im Interesse der Wisienschoft eine Ehrenpflicht fei, die Grabungen trotzdem auszu- sühren, während Herr Geheimrat Doehlau hervorhob, daß die Ausgrabungsergebnisie nicht nur für die älleste Siedluugsgefchlchte von Hersfeld, sondern mehr noch für die Kunstgeschichte von unermeßlichem Werte sein würden. Es handle sich hierbei um ritt kunstgeschichtliches Problem ersten Ranges, an welchem ganz Deutschland interessiert sei. Der Name Hersfeld würde damit künftig grundlegend für die deutsche und außerdeutsche Kunstgeschichte werden. Nachdem auch die Vertreter der städtischen Körperschaften eine Erklärung dahin ab* geben hatten, daß sie der Ausgrabungsfrage trotz der schwierigen finanziellen Derhältnisse der Stadt sym- patisch gegenüberständen, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, mit den Ausgrabungen möglichst im Frühjahr zu beginnen. Die Oberleitung der Ausgrabungen wurde Herrn Professor Vonderau übertragen _____
= Lad Ort». Immer trauriger gestalten sich allenthalben die ! o m m u n n l e n Finanzoerhält- nisse: der Kreieausfö,uß Gelnhausen teilt mit, daß eine Erhöhung der Kreissteuer ftatifinbat müßte, und verlang*, noch ehe Sie -H-.r.rhn-terrn«, der Provlnztet- kandtag« da di? sofortige Einzahlung des au? Orb «üftckimben Betrages »:ui 28 («00 ■ /;, d« i« Der RteBS fern (Leib mett vorher,L ;? fei. Hier weiß man selbst nicht. rxu-T das G-te nehmen; k-snn auch hier ist ein Dekin: ran über 6^ 000 -ft gemacht worden, lieber die Art t:r Deckung geb es in der letzten Stadt- verordnetrn-Sitzung scharte Auseiicanderfetzungen. Die Magistratsvorlaoe verlangte die Besteuerung der reichs- einkommensteucrfreien Einkommen non 10 000 -ft Einkommen an. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung lehnte dies ab und beschloß, die Einkommen bis zu 15 000 Jl freizulaffen, der Ausfall soll nach .ihrem Antrag dann durch Dienstboten-, Klavier-, Balkon- und ähnliche Steuern gedeckt werden.
Literarisches.
Das „Javortt - tzaudarbelks - Album" Ausgabe 1920 (Verlag: Internationale Schnittmanufaktur, Dresden Nr. 8; 5 Mk.) ist ein willkommener Berater für fleißige .Frauenhände, der alle Empfehlung verdient. Die Auswahl praktischer und künstlerischer Handarbesten ist überaus groß und die Eigenart, daß zum bequemen Nach. ;<trbeiten Favorit-Handarbeitsmuster (Aufplättmuster) käuflich sind, gibt der reichen Vorlagen-Sammlung besonderen praktischen Wert.
Unpolitische Zeitkäufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 2. Februar 1921.
Fastnacht? Sarnemd? Gibt es denn noch so was in dieser Iammerzeit?
Ein Galgenvogel, dem der Strick um den Hals gelegt ist, eignet sich wenig zum Herumfuchteln mit der Narrenpritsche. Ein dürrer Armenhäusler sollte nicht hinter Austern und Champagner den dicken Wilhelm Spielen wollen. Und wer Bleikugeln am Bein hat, kaucht nicht als Springinsfeld auf den Maskenball M gehen.
Was ist bas Wesen des Fastnachttreibens? Die Verstellung. Erstens stellt man sich vergnügter ®n, als man ist urtb zweitens stellt man sich oer» «ütfter <m, als man ist. Wenn nun die Derhält- gar zu traurig und schaurig sind, so wird aus «m krampfhaften Lachen eine widerliche Grimasse, lind wenn die Well überhaupt schon wie ein Irrenhaus "US'ieht, bann lohnt es sich nicht, den Berrückten zu finden.
Unfinn, Tollheit, Wahnsinn! Diese schönen Worte Haven wir in den letzten Tagen sehr oft zu hören und zu lesen bekommen. Sie galten aber nicht den gewöhnlichen Fastnachtsgecken, sondern Ihren Exzellenzen, den hochmögenden Herren Ministern, die da so- ;eben in Pons du paar Noten fabriziert haben, von denen man mchi recht weiß, ob sie als bitterernste Todesurteils oder als siechte Karnevalsspässe zu betrachten sind.
Isis auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Der Zweck be* Hebung «ft, daß wir verblüfft und erschreckt ins Bockshorn gejagt werden sollen. Wollen wir ihnen (ben Gefallen tun? Wohl feem, der kein verantwortlicher Staatsmann ist. sondern ein gewöhnlicher .Steuerzahler, uns Dutzendmenschen wirb es verhält- nismäßig leicht, die Gennitsruhe zu bewahren. Ich 'teige mir die Haare nicht aus und schreie mich auch Dicht heiser, sondern stelle mich gelassen ans Fenster, um den hochpolitischen Kormvalszug vorbeipassieren zu lassen. Äehnliche Ueberraschungen haben wir ja schon mehrmals erlebt Die Suppe war innrer siedend heiß iSekocht, wurde aber nicht so heiß gegesien.' Es beißt »sicht sü« mos eine Löwenmähne umgebunden oder
Handel und Wirtschaft.
Mrtschastspolittsche Zliitfeilungen der Handelskammer in Fulda.
Zollbehandlung von Ausfuhrgütern. Alle Sendungen nach dem Auslande, auch die ansfuhr- freien, müsien von jetzt bei einer Zollstille im Innern zollamtlich abgefertigt und dürfen, wenn am Versandorte sich eine Zollstelle befindet, von der Eiscn- bah. erst nach der Dorabfertigung zur Beförderung an. genommen werden. In Fulda müsien also alle Sendungen nach dem Auslande, deren Auslieferung bei der Güterabfertigung erfolgen soll, vorher dem Zollamt zur amtlichen Beschau vorgeführt werden Für Sendungen nach Hamburg Freihafen sind die besonderen Bestimmungen von den Güterabfertigungen zu erfragen.
Steuerpflicht von Waren im Saargebiet Nach -«"er rötesten« i"»r n. ’n D Saarbrücken sind b stimmte Waren (Haupt Schlich geistige und künstliche Ge.ranke, Zucker, Salz. Taoalwa en, Z n . waren, Beleuchtungsmittel) im Saargebiet steuerpflichtig. Den dahin gerichteten Paketen mit steuerpflichtigem Inhalt ist außer der für die zollamtliche Adler«, gung vorgeschriebenen Inhaltserklärung in französischer Sprache eine solche für Steucrzwecke in deut-cher Sprache beizufügen. In dieser muß der Inhalt genau und vollständig angegeben sein, andernfalls sind Weite- rungen und Verzögerungen zu erwarten. _
Italienisches Einfuhrverbot für Wa- ren im Postversand. Nach einer D-röftentüch ing im „Sole* vom 20. Januar 1921 ist vom 1. Mürz 1921 ab die den Zollämtern erteilte Ermächtigung zur freien Einfuhr gewisser Waren im Postverland widerrufen worden. Demgemäß werden, unbeschadet der bestehen, den internationalen Bestimmungen, auf Grund der ministeriellen Verfügung vom 30. Dezember 1920, womil die Liste der zur Einfuhr zugelasienen Waren abgeändert wurde, vom 1. März 1921 ab alle vom Ausland einlaufenden Postpakete, die Derbotswaren enthalten, ohne weiteres an den Absender zurückgesandt, wenn sie nicht von einer Bewilligung des Finanzministeriums be- gleitet sind. Ausnahmsweise werden Postvakete zuge. lassen die nachweisbar am 28. Februar 1921 vom Aus-
für
ringen. Deutsche Reichsangehörige, einschließlich der mit Deutschen verheirateten Elsaß-Lothringern, die nach Elsaß-Lothringen einzureisen wünschen, haben ein Gesuch an das Perkehrskommisiariat Karlsruhe (Baden) Schloßbezirk 19, zu richten. Dieses veranlaßt das Erforderliche bei den zuständigen französischen Stellen. Dem Gesuch ist beizufügen: 1. der Deutsche Reisepaß, 2. zwei lose Photo»raphien von gleicher Aufnahme wie die, die im Reisepaß eingeklebt ist. 3. zwei eigenhändige Unterschriften auf besonderem Zettel. Kaufleute und Handelsreisende haben eine Bestätigung ihrer Eigen, schaff von der heimatlichen Handelskammer hem Gesuch beizufügen. Reisen wegen Familienangeelgenheiten wer- den ausnahmsweise erlaubt.
WwMAe Mrnemen.
Befrifff die Wahlen am 20. Februar 1921.
Zur Frage der Gültigkeit der sogenannten Einheifs- Mmmzettd erfahren wir von zuständiger Stelle folgendes:
Ein Stimmzettel nach folgendem Muster:
Pro»'»;
kann unverändert für jede der drei am 20. Februar d. I. staiisirrdenden preußischen Wahlen 3um Landtag, zum Provinzmllondtag und zum Kreistag verwendet werden. Wird ein solcher Stimmzettel in dem Wahlzettelumschlag mit dem Aufdruck „Landtagswahl* abgegeben, so wird damit eine gültige Stimme für den LandtagswohlvorsHlag der sozialdemokratischen Partei abgegeben, wird ein solcher Stimmzettel mit dem Aufdruck „Provinziallandtags- und Kreistagswahl* abgegeben, fo wird damit gleichzeitig sowohl für die Proviluziaklandtagswahl wie für die Kreistagswahl eine gültige sozialdemokratische Stimme abgegeben; der eine Stimmzettel gilt mithin in diesem Falle als gültige sozialdemokratische Stimme sowohl für die Pro- vinziallands- wie für die Kreistagswahl. Werden mehrere solche gleichlautende Stimmzettel in dem Wahlzettel- unsichlag mit dem Aufdruck „Landtagswahl" abgegeben, fo werden sie gleichwohl als nur eine Stimme für den sozialdemokratische Landtagswahlvorschlag gezählt. Dasselbe gilt wem, mehrere solche gleichlautende Stimmzettel in dem Wahlzettelumschlag mit dem Ausdruck „Provlnzi<lllandtags- und Krdstaaswahl* abgegeben werden. Auch in diesem Falle werden sie nur als eine Stimme für den sozial»
eine Tigerhaut angezogen hat. Bange machen gift nicht mehr. Immer mir der Ruhe! Man hat schon so viel Urbles angetan, daß eigentlich zu tun nichts mehr übrig bleibt.
„Aber totschlagen können sie uns doch,* sagt der Angsthase. Warum haben sie es denn nicht längst getan? Wei! es ihnen keinen Vorteil, sondern nur Schaben bringen würde. Dem Huhn kann matt wohl den Hals mndrrhen: aber wer Eier haben will, tut es nicht. Auch in der verrückten Karnevalszeit nicht. Die Leute sind nicht ganz so verrückt, wie sie sich anstellen. Schließlich nehmen sie bas lange Schwert in die linke Hand und ergreifen mü der Rechten den Bleistift, um bas Gewinn- und Verlustkonto auszurechnen. Maa schickt uns alle Vierteljahr auf geduldigem Papier eine Art Todesurteil, aber vollstreckt wird es nicht, weil man uns braucht .
Also ruhig Blut und Tee trinken, oder auch Kaffee- Ersatz! Zum ruhigen Bltrt gehört fteilich nicht, daß wir tanzen und schwärmen und z-chen und jubilieren, als ob der Himmel noch wie ftüher voll Baßgeigen hinge. Das überlasten wir lieber den Schiebern und den tnumnen Jungen, die nicht misten, wie sie ihr Geld los werden und ihre allzu zahlreichen Feierstunden totschlagen sollen. Wer klug ist, der bleibt zu Hause und nährt sich redlich, d. h. so gut bte Marktverhältnisse und seine Mittel es erlauben.
2m Lande der Blinden ist der Einäugige König. Wenn in der WeU die Verrücktheit epidemisch wird, so lohnt es sich um so mehr, etwas weniger verrückt zu sein. Ganz vernünftig ist ja kein Erdenmensch, auch nicht einmal in der Fastenzeit. Einen kleinen Stich haben wir allzumal weg. Da muß man die Relativi- tätstheorie von Dr. Einstein in Betracht ziehen. Es kommt immer auf das Verhältnismäßige an. D e seelische Grippe, die jetzt in der aufgewühlten Welt umhergeht, fällt den einen stärker an wie den andern. Wer mit einem einfachen Schnupfen davonkommt, ist gesegnet und überlegen gegenüber denen, die in hitziges Fieber und sooar in Delirium verfallen. Dürfen wir Deutsche uns dieses Vorzuges rühmen? Leider haben , wir auch eine Portion verdrehter Köpfe und kranker Herzen unter uns, und im Verlauf der letzten Schnk- falsjahre ist bei uns manche Tollheit passiert, die nie' einmal zu Fastnacht am Platze war. Doch wenn mau ,
demokratischen Wahlvorschlag gezählt, diesmal aber als Stimme sowohl für die Provmziallaubs. wie für die Kreislagswahl.
Wird auf dem oben abgebildeten Stimmzettel das Wort „Landtag" gestrichen und dieser Stimmzettel in den Wahlzettelumschlag „Landtagswahl* abgegeben, fo ist der Stimmzettel ungültig, die Stimme gilt für tue soziaDemo- kratifche Partei verloren; wird dieser Stimmzettel mit der Streichung des Wortes „Landtag" aber in dem Wcchl- zettklumschlog mit dem Ausdruck „Provinziallandtags- und Kreistagswahl" abgegeben, so ist er gültig, die Stimme wüd also sowohl für den sozialdemokratischen ProvinzilÄ- landtags- wie für den sozialdemokratischen Kreistagswahl- vorfchlag gezählt. Werden aus dem oben abgebildeten Stimmzettel die Worte „Provinz* oder „Kreis" oder diese beiden Worte gestrichen und dieser Stimmzettd in den Dichlzettelumschlag mit dem Ausdruck „Landtagswahl" abgegeben, so wird 'auch diesmal für den soziakdemokrottschen Landtagswahlvorschlag eine gültige Stimme abgegeben; wird dieser Stimmzettel aber in dem Umschlag mit dem Aufdruck „Provinziallandtags- und Kreistagswahl* ab« geben, fo ist er je nach der Streichung für die Pronin- ziallandtags- und Kreistagswahl" oder für beide Wahlen ungültig, well und insoweit die Aufschrift auf dem Stimm- zettel mit dem Sbusdruck auf dem Wahlzettelumschlag in Widerspruch steht.
Sicht der Stimmzettel folgendermaßen aus:
Sozialdemokratische Panri
1 <
fo tarnt er ebenfalls für jede der drei preußischen Wülsten verwendet werden. Er gilt, in einem Wahlzettelumschlag mit dem Ausdruck „Landtagswahl" abgegeben, als gültige Stimme für den sozialdemokratischen Landtagswahlvor- schlag, 'm einem Wahlzettelumschlag mit dem Ausdruck „ProvinziallaMsgs. und Kreistagswahl" abgegeben, als gültige Stimme sowohl für den sozialdemokratischen Pro- oinziallandtags- wie für den sozialdemokratischen Kreis- tagswahlvorfckstag.
Aus vorstehenden Darlegungen ergibt sich die Möglichkeit alle vorkommenden Fälle, die hier nicht einzdn auseinander gesetzt werden können, zutrefsend zu beurteilen. Der Einiheitsstmunzettd kann natürlich auch etwas anders onsschen, indem die für die einzelnen Körperschaften in Betracht kommenden Listen nicht notwendig dasselbe Kenn- wort zu tragen brauchen. Ein Stimmzettel, der so aussieht
Landtag: Deutschnation. Dolkspartei
Provinz: Deutschnation. Volkspartei
Kreis: Liste v. Müller
i ist auch ein gültiger Einheitsstimmzettel, der. wenn nichts I -m ihm handschriftlich geändert wird, in allen Umschlägen j die gewollte Wirkung ausübt. Von der Wirkung etwaiger Streichungen güt auch hier sinngemäß das oben Gesagte.
FL? die Reichs tagswahl ist der Einheitsstimmzettd nicht verwendbar, well dieser Stimmzettel nach reichs- gchchlicher Vorschrift ein Kennzeichen nicht tragen darf.
Wdruck zur geft Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung.
Berlin, den 29. Januar 1921.
Der Minister des Innern. 3. A.: Meister.
Mrd verössenllichk.
Fulda, den 3. Februar 1921.
Der Cirabraf. 3. D.: Köhler.
Imker!
Diesmal gibt es 15 Pfund Biensuzms., zum Inlandspreise. DeutÄlmig in zwei Raten, zur Frühjahrssütierung zunächst 6 Pfund. Verfahren möglichst einfach, da Elle nottut. Nach den vorjährigen Drt stiften e»halten die Provinzial- und von diesen die Ortsvereine den Zucker. Letztere verteilen khn auf die Imker ihrer Bezirke (auch die Nichtmitgtieder) gleichmäßig nach der jetzigen Dölker- zahl. Wo wegen Zu- ober Abnahme der Völker weniger oder mehr als 6 Pfund ausgegeben werden, wird der Unterschied bei der zweiten Verteilung ausgeglichen. Jeder Imker erhält schließlich die vollen 15 Pfund., Wer aber immer noch Krankenhonig schuldet, bekommt keinen Zucker.
alles in allem nimmt, so hat die Seelengrippe bei uns zu Lande doch allmählich sich abgeschrvächt. Das Thermometer der Verrücktheit steht in Deutschland nicht mehr so hoch wie in gewissen anderen Ländern, die wir aus Höflichkeit nicht beim Namen nennen wollen. Nicht bloß aus Höflichkeit, fondern auch der Klugheit hÄber, um die aufgeregten Herrschaften nicht unnötig zu reizen. Denn kranke Leute muß man schonen und aufgeregten Fastnachtsschwärmern möglichst aus dem Wege gehen. In der Selbstbeherrschung zeigt sich die verhAtnismäßigc Vernünftigkeit und in der Seelenruhe zeigt sich das gute Gewissen.
Nach dem sog. Vergnügen kommt der Afcher- Mittwoch mit dem staubigen Kreuz auf der Stirn. Schade, daß das Afchenkreuz nur den Einzelpersonen, die sich dazu einfinden, verabreicht werden kann. Es täte gerade denen gut, die das Toben und Tollen tieben, und am besten wäre es, wenn den übermütigen und leichtfertigen Völkern in Zeichen und Worten recht durchdringend zum Bewußsein gebracht werden könnte: Gedenke, o Nation, daß du aus Staub bestehst und zu Staub wieder werden wirst, — trotz all deiner zeitweiligen Herrlichkeit und trotz all deiner Deute!
Wer lasten wir die anderen beiseite und denken an die eigene Stirn. Zum Prunken, Prasten und Protzen ist die Zeit verzweifelt schlecht angetan; jedoch die Betonung auf die Vergänglichkeit alles Irdischen ist zeitgemäßer als jemals. Es wird doch alles Staub und Äsche werden, worüber wir uns so sehr aufregen. Wir werden über kurz ins Grab sinken und nichts mitneh- rrwrt. cis das gute oder schlechte Gewissen, und unsere Nachkommen werden noch eine Weile denselben Weg gehen, aus der verworrenen Welt in die Ewigkeit hinein. Und schließlich wird die Erde selbst mit dem ganzen Rest des Menschengeschlechtes zu Staub und Asche werden. Was folgt daraus? Nicht etwa, daß wir die Hände in den Schoß legen und in Faulheit den Tod erwarten sollen. Nein, wir sollen auf dem Posten bleiben, auf den wir berufen sind, und getreulich unfere Pflicht tun wir ein braver Soldat, der nicht schlaft und nicht wankt, wenn auch das Lied vom Morgenrot und frühen Tod ihm ctdrcut ist. Die Pflichttreue soll blcl- b?n, aber die Leberschätzung des Irdischen, der Größen-
Di« Ausgabe darf nur gegen behördliche Deschemigiwk der Bölkerzahl und gegen Quittung erfolgen. Das fanr auf einem Zettel geschehen. Etwa so:
3mter.......hat .... überwinterte Bienenvölker
Der Ortsvorstand. (Siegel und Unterschrift.)
.... Pfund Zucker erhellten. (Name des Imkers.) Die Ortsvereine fammdn diese Zettd und stellen sie persönlich ober eingeschrieben dem Provinziellverein zu, Berlin W. 8, den 17. Januar 1921.
Preußischer Staatstommiffar für Bolfsenäbruag.
Wird veröffentlicht.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher wolle» für sofortige ortsüblche Bekanntmachung in ihren Gemeinden (Gutsbezirken) Sorge tragen.
Fulda den 3. Februar 1921.
Der Canbrct 3. 33.: Köhler.
Die Termine der durch das Gesetz vom 18. 3um 1884 voigeschriebenen Prüfung oea Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes werden an den Samstagen den 19. Februar, 7. Mai, 20. August und 19. November 1921 in der L-ehrfchmiede zu Kastel, Wörthstraße 5, vormittags 9 Uhr, ab gehalten werden.
Meldungen zu diesen Prüfungen sind unter porto- und bestellgddsreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 50 Mark bis spätestens drei Wochen vor dem Prüfungstermiq am dm Unterzeichndm zu richten.
Mit der Meldung sind zugleich esttzureichsn:
1. der Geburtsschein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief und bergl.), eine schriftlich« Erklärung darüber, daß der Meldende sich nicht innerhalb der letzten 8 Monate erfolglos einer Hnfbe- 'chtagprüsimg unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede jugdaffen, die dos 19. Lebensjahr vollendet haben und bte ben amtlichen Nachweis erbringen, baß sie sich die drei letztm Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regterungsbezirr Kastel auf gehalten haben.
Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelaflen werden.
Kastd, ben 14. Sanuar 1921.
Der Vorsitzende der Prüfungskommisfion.
Oellevich, Regiernngs und Beterinärrat, Kirchweg 82. Wirb veröffentlicht.
Fulda, den 27. Januar 1921.
Der Landrat. Frhr. v. Doernderg.
In den Gememdm Heubach, Tteucngronau, Obertai bach, Uttrichshausen und in dsm Gute Elisabethrvhos bei Ulmbach. Kreis Schlüchtern, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Fulda, den 28. Januar 1921.
Der Canbraf. Frhr. v. Doernberg.
Bekanntmachung.
Dia Wählerliste bet Stabt Fulda für Mt Wahlen zu» Lanbwirkjchaslskammet liegt
vom 6. bis einfchl. 13. Februar ds. 3s.
im Stadtbauamt
zu jedermanns Einsicht aus.
Einsprüche gegen die Wählerliste sind in der gleichet, Frist, spätestens am 14. Tage vor dem auf den 27. Februar festgesetzten Wahltage — d. i. der 13. Fehrn« — beim Magistrate anzubringen.
Wahlberechtigte, die infolge Betriebswechsels oder Ser- fegung des Wohnsitzes bis zum Wahltage m einem anderen Stimmbezirke »bar einem anderen Wahlbezirke stimmberechtigt werden, haben eine entsprechende Umschreibung in bett Wählerlisten zu beantragen.
Wahlberechtigt ist ohne Unterschied des Geschlechts jeder Deutsche, der das 20. Lebensjahr vollendet hat, bte bürgetllichon Ehrenrechte besitzt und seit mindestens einem Satire entweder
1. als Eigentümer, Nutznießer ober Pächter land- und forstwirtschastlich benutzter Giundstücke in Preußm bte Landwirtschaft im Hauptberufe ausübt: als Hauptberuf gilt die Betätigung, auf der hauptsächlich bte Lebensstellung beruht und die gleichzeitig bte Haupt- emnahrnequelle für ben Lebensunterhalt bildet, oder I 2. als Eigentümer, Nutznießer ober Pächter land, und forftwirtfchastüch genutzter Grundstücke in Preußm bte Landwirtschaft im Nebenberuf ausübt wenn dies nicht überwiegend zur Befriedigung des eigenen Hauswirt- schäft!ichm Bedürfnisses geschieht.
Dm Eigentümern, Nutznießern und Pächtern stehm im landwirtschaftlichen Berufe mittätigen Ehegatten biefer Personen deich.
Auch Personen unter 20 Jahren und juristischen Personen steht bas Wahlrecht zu, wenn sie die Doraus- setzungen des Abs. 1 erfüllen; sie üben ebenso wie Per- sonAi, die abgesehen von tl’rem Lebensalter, geschäftsunfähig ober in brr Geschäftsfähigkeit beschränkt sind, ihr Wahlrecht durch einen gesetzlichen Vertreter aus.
Fulda, dm 4. Februar 1921. (95
Der Magistrat: Dr. Antoni.
wahn und die Begeht lichkeit, müssen auf das rechte Maß zuruckgeführt werden. „Die Leidenschaft flieht, die L i e b e muß bleiben", heißt cs bei dem Dichter. Die Leidciifchaften der Menschen richten das Unheil auf Erden an, sowohl im Völkerlebcn wie im Leben des einzelnen. Die Liebe, d. h. die Opferwilligkeit gegenüber Gott und den Miimenfchen muß das Unglück heilen oder wenigstens lindern. Seine Leidenschaften bimdi- gen, das ist schwer für den einzelnen und für das Volk; doch das Afchenkreuz hilft dabei. Werm überhaupt einer zu der vernünftigen und würdigen Ruhe gelangen kann, so muß es dem echten Christen gelingen, der sowohl dir Herrlichkeit des Schöpfers als auch die Dergänglichteit der irdischen Schöpfung klar erkennt und im Gewirr der gegenwärtigen Dinge an die „letzten Dinge" denkt, von denen die Ewigkeit abhängt.
Also nicht verzagt werden, aber auch nicht faul werden! Vorn Aschenkreuz an die Arbeit, denn die treue Arbeit ist die Hauptsache bei der Buße und Beffe- ruttg. Zu der Berufsarbeit gehört auch die Dürger- arbeit. die eifrige Betätigung im öffentlichen Leben für das Woksi von Volk, Reich und Kirche. Denkt an die Wahlen und die sonstigen Wstimmungen, damit nicht die Lösewichte und die Narren die Oberhand bekommen und uns einen hcllifck)en Karneval bescheren.
— Sie goldener! Uniformfchnüre der Laiser. Dor 15 Jahren, nach her Zusammenkunft zwischen den Kaisern Wilhelm und Nikolaus in Bjoskö wurde amtlich in feierlicher Weife mitgeteilt, daß die beiden Monarchen die goldenen Fangfchnüre ihrer Uniformen ausgetaulcht hüt' ten. Aus ben hinterlassenen Memoiren des ruffischen Ministers Grafen Witte erfährt man jetzt, was damals vorauf gegangen war. Die beiden Kaiser hatten eine 2lllianz vereinbart, nacl, der ieder Staat dem anderen zu Hilfe eilen teilte, falls dieser von einem europäischen Gegner angegriffen würde. Das galt auch für Frankreich, obwohl Rußland mit diesem schon 1891 ein Bund- ’ts abgeschlossen hatte. Als diese Abmachung dem Grafen Witte bekannt wurde, bot er alles auf, um sie wieder aufzuhebm. und das gelang ihm auch mit Hilfe des Großfürsten Nikolaus, der dem Zaren klar machte, er könne kein Bündnis mit Drutsch'anb abschließen, da ein solches mit Frankreich schon bestehe. Der Zar gab daraus dem deutschen Kaiser entsprechenden Bescheid. Die aoldcnm Uniformfchnüre wurden aber nicht zurück- gegeben. „ . W.